Kroatische Weine: Die besten Sorten, Regionen & Weingüter 2026
- Redaktionsteam
- Reisetipps , Aktivitaeten
- 07 Mar, 2026
Inhalt
Kroatien ist keine Weinnation wie Frankreich oder Italien – aber genau das macht es interessant. Statt Chardonnay und Merlot findest du hier Rebsorten, die nirgendwo sonst auf der Welt wachsen. Malvazija Istarska, Plavac Mali, Pošip, Teran: Namen, die außerhalb des Balkans kaum jemand kennt, aber die Weinkenner zunehmend begeistern. Das Land besitzt über 130 autochthone Rebsorten – mehr als fast jedes andere europäische Weinbauland. Manche dieser Reben wachsen auf gerade einmal zehn Hektar, andere dominieren ganze Halbinseln. Was sie verbindet: Sie erzählen Geschichten von Boden, Klima und Jahrhunderten lokaler Tradition, die kein importierter Merlot je replizieren könnte.

Warum kroatischer Wein?
Wein wird in Kroatien seit über 2.500 Jahren angebaut – die Griechen brachten die ersten Reben nach Dalmatien, als sie Kolonien auf Vis und Korčula gründeten. Während Jahrhunderten unter Venedig, Österreich-Ungarn und Jugoslawien entwickelten sich lokale Sorten, die perfekt an das mediterrane Klima, die Karstböden und die salzige Meerluft angepasst sind. In der jugoslawischen Ära ging es vor allem um Quantität – Genossenschaften produzierten Massenware für den Binnenmarkt. Erst seit den 1990ern erlebt der kroatische Weinbau eine Renaissance, angetrieben von jungen Winzern, die im Ausland gelernt haben und nun die alten Rebsorten mit modernem Wissen vinifizieren.
Was kroatischen Wein besonders macht:
- Autochthone Sorten: Reben, die es nur hier gibt – von Plavac Mali bis Žlahtina
- Terroir: Kalkstein, Karst, Meeresnähe und die Bora-Winde prägen den Geschmack
- Handwerk: Viele Weingüter sind familiengeführt, kleine Produktionen von 5.000 bis 30.000 Flaschen, keine Massenware
- Preis-Leistung: Weltklasse-Qualität zu Preisen, die in Burgund oder der Toskana undenkbar wären
Die Weinregionen
Kroatien teilt sich in zwei große Weinzonen: Kontinental (Slavonien, Zagorje, Moslavina) und Küste (Istrien, Kvarner, Dalmatien). Beide haben ihren eigenen Charakter, ihre eigenen Rebsorten und ihre eigenen Trinktraditionen.
Istrien – Die Wiege des Weißweins
Istrien ist das Aushängeschild des kroatischen Weins und hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Wo früher einfache Tischweine in Plastikkanistern verkauft wurden, entstehen heute Weine, die in internationalen Fachmagazinen Bestnoten bekommen. Die Halbinsel produziert einige der besten Weißweine des gesamten Mittelmeerraums – insbesondere Malvazija Istarska. Das Klima ist mild mit warmen, trockenen Sommern und kühlen Nächten, der Boden eine charakteristische Mischung aus roter Erde (Terra Rossa) im Süden und weißem Kalkstein (Flysch) im Norden. Diese Zweiteilung ist kein Detail für Geologen – sie schmeckt: Malvazija von roter Erde ist fruchtiger und üppiger, die von weißem Kalkstein mineralischer und straffer.

Die Flaggschiff-Sorte: Malvazija Istarska
Malvazija ist der Stolz Istriens und die mit Abstand wichtigste weiße Rebsorte der Halbinsel. Trotz des Namens hat sie genetisch wenig mit den Malvasias aus Griechenland, Spanien oder Madeira zu tun – es ist eine eigenständige Sorte, die seit Jahrhunderten hier heimisch ist. In der Nase findest du Aromen von Steinobst, Akazienhonig, Mandeln und einem Hauch Salzigkeit. Am Gaumen ist sie frisch und mineralisch, mit einer Textur, die von einfach und knackig (Edelstahl-Ausbau) bis komplex und cremig (Barrique, Mazerationsversionen) reichen kann. Die besten Exemplare, etwa von Kozlović oder Coronica, können mit guten Chablis oder weißen Burgundern mithalten – bei einem Bruchteil des Preises. Trinken zu Fisch, Meeresfrüchten, Trüffel-Risotto oder einfach als Aperitif auf einer Terrasse mit Meerblick.
Der rote Gegenpol: Teran
Teran, vinifiziert aus der Refošk-Traube, ist Istriens Antwort auf die Rotweinfrage. Tiefrot bis fast schwarz in der Farbe, mit Aromen von Waldbeeren, feuchter Erde, Eisenmineral und einer markanten, manchmal aggressiven Säure. Das ist kein Wein für jeden – manche finden die Säure zu dominant, andere lieben genau diese Kante, die ihn von gefälligen Rotweinen unterscheidet. Teran passt hervorragend zu Wild, gereiftem Käse, Trüffel-Fuži und herzhaften istrischen Eintöpfen. Ein Tipp: probier ihn unbedingt, bevor du eine Flasche kaufst. Wer Frucht und Weichheit sucht, wird enttäuscht sein. Wer Charakter und Eigenständigkeit schätzt, findet hier einen faszinierenden Rotwein.
Muskat Momjanski rundet das istrische Trio ab – ein süßer, aromatisch intensiver Dessertwein, der seit Jahrhunderten rund um das Dorf Momjan produziert wird. Die beste Flasche dazu: Kozlović oder Kabola.
Top-Weingüter in Istrien:
- Kozlović (Momjan): Das bekannteste Weingut Istriens, geführt von Gianfranco Kozlović, der die Malvazija auf internationales Niveau gebracht hat. Die Santa Lucia Malvazija ist ein Maßstab. Moderner Verkostungsraum mit Panoramablick, Besuche nach Voranmeldung.
- Coronica (Umag): Moreno Coronica ist ein Perfektionist, der sich fast ausschließlich auf Malvazija konzentriert. Seine Gran Teran und die mazerierte Malvazija sind beeindruckend, aber auch die Einstiegsweine sind tadellos. Mehrfach als bester istrischer Weißwein prämiert.
- Kabola (Momjan): Biodynamisch arbeitend, experimentierfreudig, mit einer exzellenten Palette von frischer Malvazija bis zu orangen Mazerationsweinen. Der Verkostungsraum in einem alten Steinhaus ist gemütlich und unprätenziös.
- Clai (Motovun): Giorgio Clai ist der Naturwein-Pionier Istriens. Seine Weine sind unfiltriert, ungeschönt, manchmal funky – nichts für Puristen, aber aufregend für experimentierfreudige Trinker. Der Sveti Jakov (Malvazija) hat Kultfaktor.
- Benvenuti (Motovun): Kleine Produktion, hohe Qualität, mit einem schönen Weingut oberhalb des Mirna-Tals.
- Piquentum (Buzet): Dimitri Brečević macht polarisierende Naturweine – unfiltriert, lebendig, manchmal provokativ. Nichts für jeden, aber wer Wein als Gesprächsstoff sucht, ist hier richtig.
Weintour-Tipp: Die Gegend um Motovun und Momjan ist perfekt für Weintouren – mehrere Weingüter in kurzer Distanz, kombinierbar mit Trüffel-Essen in Livade und einem Bummel durch Motovuns Altstadt. Wer die Landschaft auf zwei Rädern erleben will: Die 68 km Gravel-Tour “Istrische Weinberge” führt von Poreč über die Hügelkämme zu den Weingütern rund um Buje – mit GPX-Track für alle Stopps.
Dalmatien – Rotwein-Land
Dalmatien ist Rotweinterritorium. Die steilen Hänge, die Hitze, die Meeresnähe und der Kalkboden schaffen ideale Bedingungen für kräftige, tanninreiche Weine. Der König: Plavac Mali, eine Rebsorte, die genetisch mit dem kalifornischen Zinfandel verwandt ist (das wurde 2001 wissenschaftlich nachgewiesen), aber im Glas eine ganz eigene Persönlichkeit zeigt.

Plavac Mali – Dalmatiens Signature-Rebsorte
Plavac Mali ist dunkel, würzig, mit Aromen von dunklen Früchten, getrockneten Kräutern, Tabak und manchmal einem Hauch Lakritz. Alkoholgehalte von 14-16% sind normal – die Trauben reifen in der dalmatinischen Sonne zu enormer Konzentration. Das ist kein Wein für zaghafte Trinker. Ein guter Plavac Mali braucht kräftiges Essen: gegrilltes Lamm, Pašticada (geschmortes Rindfleisch mit Gnocchi), gereiften Paški Sir. Die besten Exemplare kommen von Pelješac und Hvar, wo die Reben auf steilen, nach Süden ausgerichteten Hängen wachsen, die manchmal nur per Seilbahn oder zu Fuß erreichbar sind.
Dingač – Kroatiens erster geschützter Ursprung
Dingač ist nicht nur eine Sorte, sondern eine Appellation – Kroatiens erstes geschütztes Weinbaugebiet, anerkannt bereits 1961. Die Weine mit dem Dingač-Siegel stammen aus einem winzigen Gebiet auf der Südseite der Halbinsel Pelješac, wo die Weinberge in extremen Steillagen (bis 60° Neigung) zum Meer hin abfallen. Die Reben sind der vollen Sonne ausgesetzt, zusätzlich reflektiert das Meer Licht und Wärme zurück. Das Ergebnis sind Weine von enormer Dichte und Langlebigkeit – dunkel, konzentriert, mit einer Geschmackstiefe, die sich erst nach Jahren in der Flasche voll entfaltet. Dingač ist teurer als andere Plavac Mali (30-60 € pro Flasche), aber für Weinliebhaber ein Erlebnis. Die Ernte auf den Steilhängen erfolgt noch immer von Hand – Maschinen haben hier keine Chance.
Postup liegt ebenfalls auf Pelješac, etwas weiter westlich, und produziert Plavac Mali mit ähnlichem Charakter, aber oft etwas weicher und zugänglicher als Dingač. Ein guter Postup bietet viel Trinkspaß für weniger Geld – ideal als Einstieg in die Welt der Pelješac-Rotweine.

Top-Weingüter auf Pelješac:
- Grgić (Trstenik): Gegründet von Mike Grgich, der in Kalifornien mit seinem Chateau Montelena Chardonnay beim berühmten “Judgment of Paris” 1976 die französischen Weine schlug. Nach diesem Triumph kehrte er in seine Heimat zurück und gründete das Weingut auf Pelješac. Premium-Dingač und ein exzellenter Pošip.
- Miloš (Ponikve): Frano Miloš arbeitet biodynamisch und traditionell, mit minimaler Intervention im Keller. Seine Weine haben Ecken und Kanten, sind aber charaktervoll und ehrlich. Der Stagnum (Plavac Mali) ist einer der besten Kroatiens.
- Madirazza (Potomje): Ein familiengeführtes Weingut direkt im Herzen des Dingač-Gebiets. Weniger bekannt als Grgić, aber die Weine – besonders der Dingač Reserve – stehen qualitativ auf Augenhöhe und kosten deutlich weniger.
- Saints Hills (Pelješac/Istrien): Das einzige kroatische Weingut mit Standorten in beiden Küsten-Weinregionen. Modern, international ausgerichtet, mit dem Önologen Michel Rolland als Berater. Der Dingač und der St. Roko (Plavac Mali) gehören zur absoluten Spitze.
- Korta Katarina (Orebić): Schönes Weingut mit elegantem Verkostungsraum und Meerblick. Die Weine sind zugänglich und gut gemacht, der Pošip ist exzellent.
Die Weinstraße Pelješac: Pelješac ist konzentriert genug, um an einem Tag mehrere Weingüter zu besuchen. Die Route führt von Ston (bekannt für Austern und die zweitlängste Festungsmauer Europas) über Potomje (das Dingač-Zentrum, wo ein Tunnel die Weinberge mit dem Dorf verbindet) bis nach Orebić, von wo die Fähre nach Korčula übersetzt. Die Fahrt selbst ist spektakulär – die Weinberge fallen steil zum Meer ab, dazwischen Blicke auf Korčula und das offene Meer.
Wer den Wein und die Landschaft verbinden will: Die “Zwischen Mauern und Salz”-Tour von ridescouts führt auf 33 km durch das Ston-Gebiet – vorbei an Salinen, Austernbänken und den Weinbergen oberhalb der Küste.
Kvarner – Žlahtina und die Klippen von Vrbnik
Die Kvarner-Bucht hat eine kleine, aber eigenständige Weinszene, die sich fast vollständig auf die Insel Krk konzentriert. Die dortige autochthone Rebsorte heißt Žlahtina, und sie wächst praktisch nirgendwo sonst auf der Welt – jedenfalls nicht in relevanten Mengen.

Žlahtina ist ein leichter, frischer Weißwein mit floralen Noten, Aromen von grünem Apfel und einer dezenten Bitterkeit im Abgang. Kein komplexer Wein, der stundenlanges Schwenken und Analysieren belohnt – aber ein perfekter Begleiter für heiße Sommertage, Fischgerichte vom Grill und den Aperitif mit Meerblick. Das Zentrum des Žlahtina-Anbaus ist Vrbnik, ein mittelalterliches Steindorf, das auf einer 50 Meter hohen Klippe über dem Meer thront und schon allein wegen des Panoramas einen Besuch wert ist.
Was Vrbnik besonders macht: Im historischen Zentrum befindet sich die engste Gasse der Welt – die Klančić, an ihrer schmalsten Stelle gerade einmal 43 Zentimeter breit. Und am Ende dieser Gasse? Eine Weinbar. Du quetschst dich durch die Klančić, trittst in die Napa Wine Bar, und trinkst ein Glas Žlahtina mit Blick auf die Kvarner-Bucht. Das ist einer dieser Momente, die man nicht vergisst.
Top-Weingüter auf Krk:
- Katunar (Vrbnik): Der größte Žlahtina-Produzent, mit einer breiten Palette von einfachen Alltagsweinen bis zu Premium-Cuvées. Der Verkostungsraum ist modern und gut organisiert.
- Toljanić (Vrbnik): Kleine Produktion, handwerklich, Premium-Qualität. Wenn du nur eine Žlahtina probierst, nimm diese.
- Šipun (Vrbnik): Familienweingut im Ortskern, persönlich und unkompliziert.
Wer Krk mit dem Rad erkunden will und dabei bis nach Vrbnik radeln möchte: Die 44 km Tour “Von Malinska zum Klippenzauber Vrbniks” führt über die Insel bis zu den Weinkellern – inklusive Aussichtspunkten über die gesamte Kvarner-Bucht.
Slavonien – Graševina und die kontinentale Weintradition
Slavonien wird von Kroatien-Urlaubern oft übersehen, aber für Weinliebhaber ist diese Region im Nordosten des Landes ein echtes Entdeckungsfeld. Hier, zwischen den sanften Hügeln und den weiten Ebenen der Pannonischen Tiefebene, wächst Kroatiens meistangebaute Rebsorte: Graševina, verwandt mit dem österreichischen Welschriesling, aber im slavonischen Terroir mit eigenem Charakter.
Graševina aus Slavonien ist frisch, unkompliziert und vielseitig – mit Aromen von grünem Apfel, Zitrus und einer feinen Mineralität, die vom Lehm- und Kalkboden stammt. Die besten Exemplare zeigen aber deutlich mehr Tiefe als der einfache Schankkrug vermuten lässt. Besonders Spätlesen und Eisweine aus Kutjevo erreichen ein Niveau, das international Anerkennung findet. Die Stadt Kutjevo gilt als Graševina-Hauptstadt Kroatiens – hier hat der Weinbau eine über 700 Jahre alte Tradition, zurückgehend auf die Zisterzienser-Mönche, die 1232 die ersten Weinberge anlegten.

Weiter östlich, direkt an der Donau, liegt Ilok – Kroatiens östlichste Stadt und Heimat des Traminac, der lokalen Variante des Gewürztraminers. Der Iloker Traminac ist aromatisch, würzig, mit Noten von Rosenblüten, Litschi und Gewürzen. Er hat Geschichte: Der Iloker Traminac Spätlese wurde 1953 bei der Krönung von Königin Elizabeth II. in London serviert – eine Anekdote, die jeder Winzer in Ilok stolz erzählt und die durchaus stimmt.
Die slavonische Weinkultur unterscheidet sich fundamental von der dalmatinischen. Hier trinkt man Wein nicht am Strand, sondern in Weinkellern, die sich oft unter historischen Gebäuden befinden. Die Keller von Iločki Podrumi erstrecken sich über Hunderte Meter unter der Festung von Ilok – ein Besuch dort ist mehr Erlebnis als Weinprobe. Dazu kommen die lokalen Spezialitäten: Kulen (scharfe Paprikawurst), Čobanac (Hirteneintopf) und Fischpaprikasch aus Donauwels – alles Gerichte, die nach einem kräftigen Graševina oder einem leichten Frankovka verlangen.
Top-Weingüter in Slavonien:
- Krauthaker (Kutjevo): Der bekannteste slavonische Winzer, dessen Graševina regelmäßig internationale Preise gewinnt. Die Spätlese und der Mitrovac (Premium-Linie) sind hervorragend.
- Iločki Podrumi (Ilok): Historisches Weingut in der Festung von Ilok, mit Kellern aus dem 15. Jahrhundert. Der Traminac und der Premium-Graševina sind die Stars.
- Enjingi (Feričanci): Boutique-Weingut mit Fokus auf Naturweine und alte Rebsorten. Unkonventionell, aber spannend.
- Josić (Zmajevac/Baranja): Im äußersten Nordosten, an der ungarischen Grenze, mit einem gemütlichen Weinkeller und ehrlichen Weinen.
Für Radfahrer, die Slavonien entdecken wollen: Die 83 km Tour “Von den Weinbergen in die Ebenen” startet in Kutjevo und führt durch die Hügellandschaft der slavonischen Weinberge.
Autochthone Sorten – Was es nur hier gibt
Kroatien besitzt über 130 einheimische Rebsorten – ein Reichtum, der selbst Griechenland und Italien Konkurrenz macht. Die meisten werden nur auf wenigen Hektar angebaut, manche stehen am Rand des Aussterbens. Genau das macht sie spannend: Jede Flasche ist ein Stück lebendige Weingeschichte.
Pošip wächst vor allem in den Tälern von Smokvica und Čara auf Korčula und gilt als Dalmatiens bester weißer Wein. Aromatisch und fruchtig, mit Noten von Zitrus, Mandeln und tropischen Früchten, hat Pošip genug Struktur für den Holzausbau und genug Frische für den Sommer. Das Weingut Toreta und Čara produzieren einige der besten Exemplare. 2022 wurde Pošip offiziell als erste kroatische weiße Rebsorte mit geschützter Ursprungsbezeichnung anerkannt.
Grk ist noch exklusiver – er wächst nur in Lumbarda an der Ostspitze von Korčula, auf sandigen Böden direkt am Meer. Nirgendwo sonst. Die Rebe hat eine Besonderheit: Sie besitzt nur weibliche Blüten und braucht eine andere Rebsorte als Bestäuber in der Nachbarschaft. Der Wein ist trocken, mineralisch, mit einer leichten Bitterkeit im Abgang und einem salzigen Hauch, der vom Meerwind kommt. Das Weingut Bire ist der Spezialist – Zure Bire und Lumbarda machen Grk, der in keine Schublade passt.
Bogdanuša kommt von Hvar und ist selten zu finden, aber lohnenswert. Der Name bedeutet “von Gott gegeben” – ein großes Versprechen, das der Wein auf seine eigene Art einlöst: fruchtig, leicht, mit einer fast parfümartigen Nase und einer Frische, die ihn zum perfekten Begleiter für einen heißen Tag auf der Insel macht. Ivo Duboković auf Jelsa macht einen der wenigen erhältlichen Bogdanuša.
Babić wächst rund um Primošten, wo die Weinberge in einem unglaublichen Muster aus Steinmauern direkt am Meer angelegt sind – ein Bild, das UNESCO-Welterbe-Würdig wäre. Der Wein ist mittelkräftig, mit Aromen von roten Früchten, Kräutern und einer erdigen Note. Weniger mächtig als Plavac Mali, dafür eleganter und trinkfreudiger. Das Weingut Jurić in Primošten ist der beste Anlaufpunkt.
Debit aus der Region Zadar, Maraština aus Dalmatien, Gegić von den Inseln – die Liste geht weiter. Wer sich für Weinraritäten begeistert, findet in Kroatien ein Paradies, das noch weitgehend unentdeckt ist.
Weinverkostungen – Wo, wie und was kostet das?
Weingut-Besuche
Die meisten kroatischen Weingüter empfangen Besucher – oft ohne Voranmeldung, manchmal nur nach Termin. Was dich typischerweise erwartet: eine kurze Führung durch Weinberge und Keller, anschließend eine Verkostung von 4-5 Weinen, begleitet von lokalen Snacks (Käse, Pršut, Olivenöl, manchmal hausgemachtes Brot). Die Preise bewegen sich zwischen 15 und 30 Euro pro Person, wobei manche kleineren Produzenten die Verkostung gratis anbieten, wenn du etwas kaufst. Premium-Verkostungen mit älteren Jahrgängen oder einem mehrgängigen Menü können 40-60 Euro kosten.
Praktische Tipps für Weingut-Besuche:
- Ruf vorher an oder schreib eine E-Mail – nicht alle Weingüter sind spontan vorbereitet, besonders die kleinen Familienbetriebe
- Fahre nicht selbst, wenn du mehrere Weingüter besuchst – die kroatische Polizei kontrolliert, und die Promillegrenze liegt bei 0,5
- Kauf etwas, wenn dir der Wein gefällt – die kleinen Produzenten leben vom Direktverkauf, und die Preise am Weingut sind fast immer günstiger als im Laden
- Frag nach Jahrgängen, die es nur am Weingut gibt – viele Winzer behalten ihre besten Flaschen für Besucher zurück
Weinbars in den Städten
In den Städten gibt es zunehmend Weinbars, die eine kuratierte Auswahl kroatischer Weine glasweise anbieten – perfekt, um verschiedene Sorten zu probieren, ohne gleich ganze Flaschen zu kaufen:
- Bokeria (Split): Tolle Auswahl dalmatinischer Weine, gutes Essen dazu
- D’vino (Dubrovnik): In der Altstadt, über 60 kroatische Weine, persönliche Beratung
- Enoteca Istriana (Rovinj): Fokus auf istrische Weine, gemütliche Atmosphäre
- Wine Bar Bornstein (Zagreb): Die größte Auswahl im Land, Hunderte kroatischer Etiketten
- Napa (Vrbnik): Am Ende der engsten Gasse der Welt, Žlahtina mit Meerblick
Weinfestivals
Wer zur richtigen Zeit kommt, erlebt kroatischen Wein in geselliger Atmosphäre:
- Vinistra (Poreč, Mai): Istriens größtes Weinfestival mit Hunderten von Ausstellern
- Plavac Mali Tage (Pelješac, September): Fokus auf Dalmatiens Rotwein-Star, kombiniert mit Essen und Musik
- Dani Mladog Vina (Slavonien, November): Jungweinfest, bei dem die neuen Jahrgänge vorgestellt werden
Wein kaufen
Wo?
Am Weingut: Beste Option – du probierst vorher, unterstützt den Produzenten direkt, und die Preise sind oft günstiger als im Laden.
Supermärkte: Konzept, Kaufland, Lidl haben solide Auswahl an Massenweinen. Für Premium-Weine geh woanders hin.
Spezialgeschäfte:
- Miva (Zagreb, Split): Große Auswahl kroatischer Weine
- Vinoteka Bornstein (Zagreb): Premium-Fokus
- Lokale Weinläden: In jeder größeren Stadt gibt es Vinotheken mit lokaler Beratung
Was kostet guter Wein?
| Qualität | Preis (ca.) |
|---|---|
| Einfacher Hauswein | 4-8 € |
| Solider Regionalwein | 8-15 € |
| Premium (Dingač, Top-Malvazija) | 20-40 € |
| Spitzenweine (Grgić, Saints Hills) | 40-80 € |
Kroatischer Wein ist kein Schnäppchen mehr – die besten Weine kosten, was sie kosten. Aber im Vergleich zu französischen oder italienischen Weinen gleicher Qualität ist das Preis-Leistungs-Verhältnis noch immer bemerkenswert gut.
Wein mit nach Hause nehmen
EU-Bürger können unbegrenzt Wein mitbringen (für Eigenbedarf). Bei Flügen: Wein ins aufgegebene Gepäck, gut verpacken – Styropor-Weinkartons gibt es in den meisten Vinotheken. Viele Weingüter bieten auch Versand nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz an – frag einfach nach.
Wein & Essen – Die perfekten Paarings
| Wein | Passt zu |
|---|---|
| Malvazija | Meeresfrüchte, weißer Fisch, Risotto, Prosciutto |
| Teran | Trüffel, Wildschwein, Istarski Fuži (Pasta) |
| Plavac Mali | Gegrilltes Lamm, geschmortes Fleisch, gereifter Käse |
| Dingač | Kräftiges Rindfleisch, Wildgerichte, dunkle Schokolade |
| Pošip | Scampi, Tintenfisch, leichte Fischgerichte |
| Grk | Austern, Carpaccio, mineralische Käse |
| Žlahtina | Aperitif, leichte Salate, Fisch vom Grill |
| Graševina | Spargel, Huhn, leichte Pasta |
| Traminac | Foie Gras, würzige Küche, Blauschimmelkäse |
| Babić | Gegrilltes Gemüse, Pasta mit Tomatensoße, Thunfisch |
Nützliche Infos
Beste Reisezeit für Weintouren
Mai-Juni: Weinberge sattgrün, Wetter angenehm warm ohne drückende Hitze, deutlich weniger Touristen als im Hochsommer. Ideal für Istrien und Pelješac.
September-Oktober: Weinlese! Viele Weingüter bieten Mitmach-Events an, bei denen du bei der Ernte helfen und anschließend den Most probieren kannst. Die Farben der Weinberge im Herbst sind spektakulär, besonders in Slavonien.
Sommer: Heiß, aber die Keller sind kühl. Plane Besuche auf den Vormittag oder späten Nachmittag.
Mit dem Auto oder ohne?
Die meisten Weinregionen erfordern ein Auto – die Weingüter liegen verstreut, öffentliche Verkehrsmittel sind rar. Wenn du mehrere Weingüter an einem Tag besuchst: Designierter Fahrer, Taxi oder organisierte Tour. Viele Hotels und Apartments können lokale Weintouren mit Fahrer organisieren.
Sprache
Englisch ist in den touristischen Weingütern kein Problem. Bei kleineren Produzenten hilft Deutsch manchmal besser – viele haben deutsche Stammkunden und freuen sich über die Gelegenheit.
Das Wesentliche
Kroatischer Wein ist eine Entdeckung, die sich lohnt. Vergiss Chardonnay und Merlot – hier gibt es Rebsorten, die du nirgendwo sonst findest, Geschichten von Winzern, deren Familien seit Jahrhunderten Wein machen, und Terroirs, die geprägt sind von Meer, Sonne und Karstfelsen.
Ob du einen Nachmittag in einer istrischen Konoba verbringst, dich durch die engste Gasse der Welt zur Weinbar in Vrbnik quetschst, in einem slavonischen Keller unter einer mittelalterlichen Festung Traminac probierst oder mit dem Fahrrad durch die Weinberge von Pelješac radelst – kroatischer Wein ist ein Erlebnis, das weit über das Glas hinausgeht.
Probier dich durch. Die besten Entdeckungen kommen von Winzern, deren Namen du noch nie gehört hast.
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