Šolta: Die ruhige Insel vor Split, die kaum jemand kennt (2026)
Inhalt
Eine Stunde mit der Fähre ab Split, und du bist auf einer Insel, die so tut, als hätte es die letzten dreißig Jahre Tourismus-Boom nie gegeben. Kein Kreuzfahrtschiff legt hier an. Kein Partystrand dröhnt bis morgens um vier. Kein Instagram-Hotspot zieht Schlangen von Selfie-Jägern an. Šolta ist die Insel, die Hvar gerne wäre, wenn Hvar ehrlich zu sich selbst wäre: authentisch, leise und kompromisslos dalmatinisch.

Dabei ist Šolta keine vergessene Einöde am Rand der Welt. Von der Riva in Split kannst du die Insel mit bloßem Auge sehen — sie liegt neun Seemeilen südwestlich, ein dunkler Streifen zwischen dem offenen Meer und dem Festland, direkt hinter der Einfahrt zum Hafen von Split. Die meisten Touristen schauen drüber hinweg, Richtung Brač, Richtung Hvar. Genau das ist Šoltas Trumpf.
Warum Šolta statt Hvar oder Brač
Wer Hvar im Juli besucht, erlebt eine Insel im Ausnahmezustand: Yachten verstopfen den Hafen, Cocktailbars überbieten sich mit Dezibel, und das Wort “authentisch” steht auf Speisekarten, die in fünf Sprachen Lobster anpreisen. Brač hat Zlatni Rat, den berühmtesten Strand Kroatiens, und damit auch die Massen, die dazugehören. Beide Inseln haben ihre Berechtigung, keine Frage. Aber wer kroatisches Inselleben sucht — das echte, mit Olivenhainen, Zikaden und einem Fischer, der dir morgens seinen Fang direkt vom Boot verkauft — der muss nach Šolta.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während Hvar im Sommer über eine Million Übernachtungen zählt, sind es auf Šolta vielleicht 80.000 im ganzen Jahr. Die Insel hat rund 1.700 Einwohner, verteilt auf acht Dörfer, und fühlt sich auch in der Hochsaison nie überfüllt an. Es gibt keine Diskothek, keinen Wasserpark, keine Jetski-Verleiher. Was es gibt: Steinhäuser unter Pinien, Buchten ohne Liegestuhlreihen, und einen Rhythmus, der sich nach Gezeiten richtet statt nach Partykalendern.
Das klingt nach einer Insel für Aussteiger? Nicht ganz. Šolta hat mit dem Martinis Marchi Heritage Hotel in Maslinica auch ein Boutique-Hotel der Spitzenklasse, hervorragende Konobas mit frischem Fisch, und eines der besten Olivenöle Kroatiens. Die Infrastruktur ist da — sie drängt sich nur nicht auf.
Anreise: Fähre und Katamaran ab Split
Šolta ist ausschließlich per Fähre erreichbar, und das macht die Anreise erfreulich unkompliziert. Zwei Optionen stehen zur Wahl: die klassische Autofähre für alle, die ein Fahrzeug mitnehmen wollen, und der schnelle Katamaran für Fußpassagiere. Beides fährt ab Split, beides nach Rogač.

Autofähre Split — Rogač
Die klassische Verbindung betreibt Jadrolinija. Die Autofähre fährt von Splits Haupthafen nach Rogač, dem Fährhafen an Šoltas Nordküste. Die Überfahrt dauert rund eine Stunde. In der Hauptsaison (Juni bis September) gibt es sechs bis sieben Verbindungen pro Tag, in der Nebensaison drei bis vier. Die erste Fähre legt morgens gegen 6:00 Uhr ab, die letzte abends zwischen 20:00 und 22:00 Uhr, je nach Monat.
Preise 2025/2026 (Richtwerte, können sich ändern):
| Ticket | Preis |
|---|---|
| Erwachsener (Fußpassagier) | ca. 4—5 € |
| PKW + Fahrer | ca. 25—35 € |
| Fahrrad | ca. 2—3 € |
Tickets kannst du online auf jadrolinija.hr kaufen oder am Schalter im Hafen von Split. In der Hochsaison — besonders freitagabends und an langen Wochenenden — ist die Autofähre schnell voll. Wer ein Fahrzeug mitnehmen will, sollte mindestens eine Stunde vorher am Hafen sein oder online reservieren. Fußpassagiere kommen eigentlich immer drauf.
Katamaran (Schnellfähre)
Die schnelle Alternative: Der Katamaran braucht nur 30 Minuten von Split nach Rogač, nimmt aber keine Autos mit. In der Saison fährt er mehrmals täglich, Tickets kosten zwischen 5 und 7 Euro pro Person. Für Tagesausflügler ideal, da man morgens hin und abends zurückfahren kann, ohne sich um ein Auto zu kümmern.
Tipp: Die Fährzeiten ändern sich saisonal. Schau immer auf jadrolinija.hr oder in der Jadrolinija-App nach dem aktuellen Fahrplan. Wer mit dem Fahrrad auf die Fähre will, zahlt einen geringen Aufpreis und hat kein Problem — Šolta ist eine der unkompliziertesten Inseln für Radfahrer.
Die Dörfer: Wo Šolta lebt
Šolta hat kein Zentrum im touristischen Sinn. Die acht Orte der Insel verteilen sich über knapp 60 Quadratkilometer, jeder mit eigenem Charakter, keiner mit mehr als ein paar hundert Einwohnern. Es gibt keine Flaniermeile, keine Fußgängerzone, keine Promenade. Stattdessen: Dorfplätze mit einer Kirche, einer Konoba und einem Feigenbaum.
Rogač — das Tor zur Insel
Hier legt die Fähre an, und hier beginnt jede Šolta-Geschichte. Rogač selbst ist kein Ort, an dem man länger bleibt — ein paar Cafés am Hafen, ein Minimarket, eine Autovermietung, ein Fahrradverleih. Wer ankommt, steigt um: in den Inselbus, aufs Moped, ins Mietauto oder aufs Fahrrad. Rogač ist Transitort, und das ist völlig in Ordnung so. Kurz einen Kaffee am Wasser, Orientierung gewinnen, weiter.

Grohote — das heimliche Zentrum
Das größte Dorf der Insel liegt nicht am Meer, sondern im Inselinneren, auf einem Hügel etwa zwei Kilometer südlich von Rogač. Grohote ist das administrative Zentrum Šoltas: Hier gibt es die Gemeindeverwaltung, die Post, den einzigen echten Supermarkt der Insel, eine Apotheke und — wichtig — den einzigen Geldautomaten, auf den man sich verlassen kann. Wer Bargeld braucht, kommt um Grohote nicht herum. Der Dorfplatz mit der Pfarrkirche Sv. Stjepan hat den Charme, den kroatische Dorfplätze eben haben: still, schattig, mit alten Männern auf Bänken, die die Welt betrachten, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Das Tourismusbüro der Insel sitzt ebenfalls in Grohote (Kontakt: +385 21 654 657, info@visitsolta.com). Hier bekommst du Inselkarten, Tipps zu Unterkünften und Infos zu lokalen Veranstaltungen.
Maslinica — das Juwel am Westende
Maslinica ist der Grund, warum Šolta in den letzten Jahren überhaupt auf touristischen Radaren auftaucht. Das Dorf an der Westspitze der Insel besteht aus einem kleinen Hafen, einer Handvoll Steinhäuser und dem Kastell Martinis Marchi aus dem 18. Jahrhundert, das heute ein Boutique-Hotel beherbergt. Vor dem Hafen liegen sieben kleine unbewohnte Inseln — die Šešula-Inselgruppe — die eine natürliche Lagune bilden. Das Wasser darin ist so still und klar, dass Segler von hier schwärmen wie von kaum einem anderen Ankerplatz in Dalmatien.

Maslinica hat ein paar gute Restaurants (dazu später mehr), einen kleinen Kiesstrand direkt am Ort und die beste Sonnenuntergangsposition der Insel — Richtung Westen, über die vorgelagerten Inseln hinweg, mit dem offenen Meer dahinter. Es gibt keinen besseren Ort in Mitteldalmatien, um den Tag ausklingen zu lassen.
Stomorska — Fischerdorf mit Charakter
Am östlichen Ende der Insel liegt Stomorska, und hier fühlt sich Šolta am meisten nach dem Dalmatien an, das es vor 40 Jahren überall gab. Ein natürlicher Hafen, in dem bunte Fischerboote neben ein paar Segelyachten dümpeln. Enge Gassen zwischen Steinhäusern, Wäsche auf Leinen, der Geruch von gegrilltem Fisch aus einer Konoba. Stomorska hat sich seinen Arbeitscharakter bewahrt — hier wird noch gefischt, nicht nur posiert.
Im Sommer gibt es ein kleines Dorffest (Stomorska Fjera), bei dem die Einheimischen kochen, singen und feiern. Kein Event für Touristen, sondern eines, bei dem Touristen willkommen sind — ein Unterschied, den man spürt. Die Konobas am Hafen servieren Fisch, der morgens noch im Wasser war, und der Hauswein kommt aus dem Keller, nicht aus der Flasche.
Nečujam — Buchten für Familien
Nečujam ist eigentlich kein Dorf, sondern eine Ansammlung von Buchten an der Nordküste, etwa auf halber Strecke zwischen Rogač und Stomorska. In den 1970ern entstand hier eine kleine Feriensiedlung, die bis heute existiert — schlichte Apartments und Ferienhäuser zwischen Pinien, direkt am Wasser. Für Familien mit kleinen Kindern ist Nečujam ideal: Die Buchten sind flach, geschützt und ruhig, das Wasser ist warm, und es gibt genug Platz, auch wenn im August die Ferienhäuser voll sind.
Wer hier übernachtet, muss wissen: Nečujam hat kaum Infrastruktur. Einen kleinen Laden für das Nötigste, eine Konoba, mehr nicht. Für alles andere fährt man nach Grohote. Aber genau das ist der Punkt — wer nach Nečujam kommt, will nichts, außer Ruhe, Meer und Pinienschatten.
Strände und Buchten
Šolta ist keine Sandinsel, das muss man vorher wissen. Die Strände sind felsig oder mit Kieseln bedeckt, das Wasser dafür glasklar und in diesem tiefen Türkis, das die Adria an ihren besten Stellen zeigt. Badeschuhe sind keine schlechte Idee, besonders für die wilderen Buchten an der Südküste.
Šešula-Bucht bei Maslinica
Die Bucht hinter den vorgelagerten Inseln von Maslinica ist der schönste Badeplatz der Insel. Geschützt vor Wind und Wellen, mit kristallklarem Wasser und einem Meeresgrund, der zum Schnorcheln einlädt. Man erreicht sie zu Fuß von Maslinica aus in etwa 15 Minuten über einen Küstenpfad oder per Boot. Im Sommer ankern hier Segler, aber es wird nie voll — die Bucht ist groß genug, und wer früh kommt, hat sie fast für sich.

Nečujam-Buchten
Gleich mehrere nebeneinanderliegende Buchten an der Nordküste, alle flach und geschützt, alle mit Kieseln und Felsen. Für Familien mit kleinen Kindern sind die inneren Buchten perfekt — der Einstieg ist sanft, das Wasser ruhig, und Pinien spenden Schatten bis nah ans Ufer. Es gibt keine Liegen, keine Sonnenschirme zum Mieten, keine Strandbar. Handtuch auf den Stein, rein ins Wasser, fertig.
Tatinja
An der Südküste, nur mit dem Boot oder über einen Wanderweg erreichbar. Tatinja ist eine jener Buchten, die man auf Kroatien-Fotos sieht und für Photoshop hält. Steil abfallende Felswände, dazwischen ein schmaler Streifen Kiesel, und Wasser in einem Blau, das kein Farbfilter erfinden könnte. Wer hierher wandert, braucht festes Schuhwerk und genug Wasser — der Weg führt durch Macchia ohne Schatten. Belohnung: absolute Einsamkeit, selbst im August.
Livka
Eine ruhige Bucht zwischen Rogač und Nečujam, beliebt bei Einheimischen, die hier abends nach der Arbeit schwimmen gehen. Nicht spektakulär, aber ehrlich: Ein Felsplateau zum Liegen, ein paar Bäume für Schatten, und abends ein Sonnenuntergang, der die Felsen rosa färbt. Kein Tourist weit und breit, selbst wenn Hvar drüben aus allen Nähten platzt.
Weitere Buchten
Die Südküste Šoltas ist ein einziges Labyrinth aus versteckten Buchten, die man am besten per Boot erkundet. Wer sich einen kleinen Motorboot-Verleih in Maslinica oder Rogač gönnt, kann einen ganzen Tag lang von Bucht zu Bucht tuckern, an einsamen Stellen ankern und ins Wasser springen. Viel mehr Dalmatiens beste Strände als die überfüllten Hotspots der Nachbarinseln.
Olivenöl: Šoltas flüssiges Gold

Šolta und Olivenöl — das gehört zusammen wie Hvar und Lavendel, wie Pag und Käse. Die Insel produziert eines der besten Olivenöle Kroatiens, und wer die Qualität der istrischen Öle kennt, weiß, dass das keine kleine Behauptung ist.
Die Sorte heißt Oblica, eine autochthone dalmatinische Olive, die auf Šolta seit mindestens 1.500 Jahren angebaut wird. Die Bäume stehen in Terrassen an den Hängen, oft zwischen Steinhäusern, oft jahrhundertealt. Manche Exemplare haben Stämme so dick wie Weinfässer und tragen noch immer Früchte. Die Ernte beginnt im Oktober und ist auf Šolta bis heute Handarbeit — maschinelle Ernte funktioniert auf den steilen Terrassen nicht.
Das bekannteste Produkt ist die Zlatna Šoltanka, eine Ölmarke, die auf internationalen Wettbewerben regelmäßig Preise einheimst. Das Öl ist grünlich-golden, intensiv fruchtig, mit einem pfeffrigen Abgang, der an die Karstlandschaft erinnert, in der die Oliven wachsen. Daneben hat sich Olynthia als Premiummarke etabliert — ein Olivenöl, das mit modernen Pressverfahren und traditionellem Anbau arbeitet und in Feinschmeckerkreisen einen exzellenten Ruf genießt.
Auf der Insel kann man mehrere Ölmühlen besuchen und Verkostungen machen. Besonders in Srednje Selo und Donje Selo stehen die ältesten Olivenhaine, und lokale Familienbetriebe bieten Führungen an, bei denen man den gesamten Prozess sieht — vom Baum bis zur Flasche. Das Tourismusbüro in Grohote vermittelt Termine. Wer im Oktober da ist, kann bei der Ernte helfen — ein Erlebnis, das man auf keinem Ausflugsprogramm findet.
Honig von der Erdbeerbaumblüte
Šoltas zweiter kulinarischer Schatz ist weniger bekannt, aber mindestens so besonders: Honig. Die Insel hat eine lange Imker-Tradition, und der Star unter den Sorten ist der Medun — ein Honig, der aus der Blüte des Erdbeerbaums (Arbutus unedo) gewonnen wird. Der Erdbeerbaum blüht im Spätherbst, wenn die meisten anderen Pflanzen längst verblüht sind, und produziert einen dunklen, kräftigen Honig mit bitterem Abgang, der in der kroatischen Küche als Delikatesse gilt.
Medun ist selten, weil die Ernte schwierig ist — der Erdbeerbaum blüht nur kurz, das Wetter muss stimmen, und die Bienen müssen genug Nektar sammeln, bevor der Winter kommt. Entsprechend teuer ist echtes Produkt: Ein Glas Medun von Šolta kostet deutlich mehr als normaler Blütenhonig. Dafür bekommt man etwas, das es so nirgendwo sonst gibt. Am besten schmeckt er zu kräftigem Käse oder pur auf einem Löffel als Digestif nach dem Abendessen.
Lokale Imker verkaufen direkt ab Hof, besonders in Gornje Selo und Srednje Selo. Einfach nach den handgemalten Schildern am Straßenrand Ausschau halten — “Med” steht darauf, manchmal mit einem Pfeil zur Hofeinfahrt.
Essen und Trinken
Konoba Pasarela (Maslinica)
Direkt am Hafen von Maslinica, mit Tischen unter Tamarisken und Blick auf die vorgelagerten Inseln. Die Karte wechselt je nach Fang des Tages — Fisch vom Grill, Tintenfisch-Eintopf (brudet), Scampi auf Šolter Art. Die Portionen sind groß, die Preise fair für das, was man bekommt. Reservierung im Sommer empfohlen, besonders für die Tische direkt am Wasser.
Konoba Šišmiš (Stomorska)
In einer engen Gasse hinter dem Hafen von Stomorska versteckt sich eine der besten Konobas der Insel. Die Spezialität: Fisch und Meeresfrüchte, die der Wirt selbst fängt oder von befreundeten Fischern kauft. Es gibt keine gedruckte Speisekarte — der Wirt erzählt, was es heute gibt, und man nickt. Das Ergebnis ist jedes Mal anders und jedes Mal gut. Der Hauswein kommt aus Karaffen, und wer nach dem Essen noch einen Grappa bekommt, hat einen guten Eindruck gemacht.
Dobričić — Šoltas eigene Rebsorte

Auf Šolta wächst eine Rebsorte, die auf keiner anderen Insel zu finden ist: Dobričić. Ein kräftiger Rotwein, tief dunkel, mit Noten von dunklen Beeren und einer leichten Würze, die an die Macchia erinnert. Ampelographen (Rebsortenforscher) haben herausgefunden, dass Dobričić wahrscheinlich ein Vorfahre des Zinfandel ist — jener Rebsorte, die über Umwege nach Kalifornien gelangte und dort Karriere machte. Die Šolter trinken ihren Dobričić dazu am liebsten leicht gekühlt zum Fisch, was Puristen erschreckt, aber funktioniert.
Wein von Šolta gibt es in kleinen Mengen direkt bei den Erzeugern. Die Produktion ist winzig, Export gibt es kaum. Was auf Šolta gekeltert wird, bleibt auf Šolta — oder wird an Festlandgäste verkauft, die wissen, wonach sie suchen.
Martinis Marchi Heritage Hotel
Das Kastell Martinis Marchi in Maslinica wurde im 18. Jahrhundert von der venezianischen Adelsfamilie gleichen Namens erbaut — als Befestigung gegen Piraten, die damals die dalmatinische Küste unsicher machten. Nach Jahrhunderten des Verfalls hat eine kroatische Familie das Anwesen aufwendig restauriert und in ein Boutique-Hotel umgewandelt, das zur Small Luxury Hotels of the World-Gruppe gehört.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Historische Steinmauern, moderne Einrichtung, ein Pool mit Blick auf den Hafen, und ein Service, der mit den besten Hotels Dalmatiens mithält, aber nie steif wird. Die Zimmer haben hohe Decken, schwere Holztüren und Fenster, die aufs Meer gehen. Das hauseigene Restaurant serviert dalmatinische Küche auf einem Niveau, das man auf einer Insel dieser Größe nicht erwartet.
Wer sich den Martinis Marchi leisten kann (Zimmerpreise ab etwa 200—350 Euro pro Nacht in der Hochsaison), bekommt ein Erlebnis, das Hotels in Dubrovnik oder Hvar in puncto Atmosphäre übertrifft — ohne die Massen, ohne den Lärm, ohne das Gefühl, in einer Touristenkulisse zu stehen.
Mit dem Rad über die Insel
Šolta ist mit rund 19 Kilometern Länge und maximal 5 Kilometern Breite klein genug, um sie an einem Tag komplett zu umrunden. Die Straßen sind wenig befahren, die Steigungen moderat (der höchste Punkt, Vela Straža, liegt bei 237 Metern), und die Aussichten von den Hügelkuppen über die Adria sind die Mühe wert.
In Rogač gibt es Fahrradverleih — einfache Räder und teilweise auch E-Bikes, die auf den Hügeln eine echte Hilfe sind. Von Rogač nach Maslinica sind es etwa 9 Kilometer entlang der Nordküste, eine gemütliche Strecke, die auch mit Kindern machbar ist. Von Maslinica weiter über Grohote nach Stomorska kommen noch einmal 12 Kilometer dazu, teilweise über den Inselrücken, mit kurzen, knackigen Anstiegen und langen Abfahrten.
Die Straßen sind asphaltiert, aber schmal. Autos kommen selten, und wenn, dann langsam. Im Frühling und Herbst, wenn die Macchia blüht und die Temperaturen bei 20 bis 25 Grad liegen, ist Šolta ein Traum für Radfahrer. Im Hochsommer wird es heiß — dann lieber morgens starten und mittags an einer Bucht Pause machen.
Wer auf dem Festland noch mehr mit dem Rad erkunden möchte: Von Split aus führt eine 68-Kilometer-Tour durch die Cetina-Schlucht bis nach Brela, die man perfekt mit einem Šolta-Aufenthalt kombinieren kann — einen Tag auf der Insel, einen Tag am Festland.
Tagesausflug oder doch bleiben?
Die Mehrheit der Besucher kommt als Tagesausflügler: morgens mit der Fähre rüber, nachmittags mit der Fähre zurück, Split als Basis. Das funktioniert, keine Frage. Man schafft Maslinica, eine Bucht, ein Mittagessen, und ist abends zurück in der Stadt.
Aber wer Šolta wirklich verstehen will, bleibt mindestens zwei Nächte. Abends, wenn die Tagesausflügler auf der Fähre verschwinden, verwandelt sich die Insel. Die Dörfer werden still, die Konobas füllen sich mit Einheimischen, und das Licht über dem Meer hat eine Qualität, die man tagsüber verpasst. Morgens um sieben in einer leeren Bucht schwimmen, bevor die Welt aufwacht — dafür lohnt sich jede Übernachtung.
Unterkünfte gibt es in allen Preisklassen: Ferienwohnungen ab 50—70 Euro pro Nacht (über die üblichen Portale buchbar), das Martinis Marchi am oberen Ende, und dazwischen kleine Pensionen und Privatzimmer, die man oft erst vor Ort findet. Die beste Auswahl haben Maslinica und Stomorska.
Braucht man ein Auto auf Šolta?
Kurze Antwort: nein. Lange Antwort: kommt drauf an.
Die Insel hat eine Buslinie, die zwischen Rogač, Grohote, Maslinica und Stomorska pendelt und auf die Fährankunftszeiten abgestimmt ist. Damit kommt man zu den Hauptorten. Wer flexibler sein will, mietet sich ein Moped oder einen Roller — das ist auf Šolta das perfekte Fortbewegungsmittel. Klein genug für die engen Dorfstraßen, schnell genug für die Strecken zwischen den Orten, und man findet immer einen Parkplatz. Mopedverleih gibt es in Rogač direkt am Hafen.
Ein Auto lohnt sich eigentlich nur, wenn man schweres Gepäck hat oder mit kleinen Kindern reist. Wer trotzdem eines mitnehmen will: Die Autofähre nimmt PKWs mit, aber im Hochsommer sind die Stellplätze auf der Fähre begrenzt. Wer spontan mit dem Mietwagen aus Split übersetzen will, sollte früh am Hafen sein. Alternativ kann man sich über Pop Car oder andere Anbieter einen Mietwagen direkt in Split organisieren und nur für die Fähre nutzen.
Was es auf Šolta NICHT gibt
Das muss man vorher wissen, um Enttäuschungen zu vermeiden:
Geldautomaten: Es gibt einen in Grohote, und das war’s im Wesentlichen. In Maslinica und Stomorska akzeptieren die meisten Restaurants Karten, aber nicht alle. Bargeld mitnehmen, besonders für die kleinen Hofläden mit Öl und Honig.
Supermärkte: Einen echten Supermarkt gibt es nur in Grohote. In den anderen Dörfern existieren bestenfalls Mini-Markets mit dem Nötigsten — Brot, Wasser, Sonnencreme. Wer speziellere Dinge braucht, kauft in Split ein, bevor er auf die Fähre geht.
Nachtleben: Gibt es nicht. Kein Club, keine Bar, die nach Mitternacht offen hat. Wer das braucht, ist auf Šolta falsch. Wer es nicht braucht, ist hier genau richtig.
Ärztliche Versorgung: Eine Ambulanz in Grohote, für alles Ernstere muss man nach Split. Im Notfall kommt ein Schnellboot.
Organisierte Ausflüge: Wer Tagestouren ab Šolta buchen will — etwa nach Vis, zur Blauen Grotte oder zu den vorgelagerten Inseln — findet über Topena und andere lokale Anbieter organisierte Bootsausflüge, die direkt ab Maslinica oder Rogač starten.
Praktische Tipps für 2026
Beste Reisezeit: Mai/Juni und September/Oktober. Angenehme Temperaturen, weniger Besucher, und die Olivenhaine und Macchia stehen in voller Blüte. Im Juli und August ist es heiß (35+ Grad), und die Ferienhäuser in Nečujam sind voll, aber selbst dann bleibt Šolta entspannt im Vergleich zu den Nachbarinseln.
Anreise-Tipp: Wer aus Deutschland anreist, fliegt nach Split (Direktflüge aus München, Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, Hamburg) und nimmt ein Taxi oder den Flughafenbus zum Hafen. Von der Landung bis zur Fähre sind es etwa 45 Minuten.
Sprache: In den touristischeren Orten (Maslinica, Stomorska) kommt man mit Englisch durch. In Grohote, Gornje Selo und den kleineren Dörfern hilft ein “Dobar dan” (Guten Tag) und ein Lächeln — die Einheimischen sind freundlich, auch wenn nicht jeder Englisch spricht.
Internet: Mobilfunkabdeckung ist auf der ganzen Insel gut. Die meisten Unterkünfte haben WLAN. Aber vielleicht ist Šolta genau der Ort, um das Handy mal im Zimmer zu lassen.
Kombinieren mit: Šolta lässt sich hervorragend mit ein paar Tagen in Split verbinden. Morgens den Diokletianpalast, nachmittags die Fähre, abends einen Fisch in Stomorska. Oder als ruhiger Gegenpol zu den lebhafteren dalmatinischen Inseln — erst Hvar für die Energie, dann Šolta für die Erholung. Wer die ganze Region mit dem Rad erkunden will, findet bei ridescouts maßgeschneiderte Touren durch Mitteldalmatien, die sich mit der Fähre nach Šolta kombinieren lassen.