Cres und Lošinj: Delfine, Gänsegeier und unberührte Natur (2026)
Inhalt
Cres und Lošinj sind eigentlich zwei Inseln, durch einen schmalen Kanal bei Osor getrennt, der von einer Drehbrücke überquert wird. Gemeinsam bilden sie die längste Inselkette der Adria – 85 Kilometer von Nord nach Süd, wild und dünn besiedelt. Hier leben mehr Gänsegeier als Touristen, schwimmen Delfine in den Buchten, und manche Strände sind nur zu Fuß erreichbar. Wer hierherkommt, sucht nicht den organisierten Strandurlaub mit Animationsprogramm. Er sucht das Kroatien, das es an der Makarska-Riviera längst nicht mehr gibt.

Warum Cres und Lošinj?
Diese Inseln sind das Gegenprogramm zu den Touristenzentren der Küste. Keine Bettenburgen, keine Partymeilen, keine überfüllten Strände. Stattdessen:
- Natur: Unberührte Wälder, Karstlandschaften, seltene Tierarten
- Delfine: Die einzige standorttreue Population Großer Tümmler in der Adria lebt hier
- Ruhe: Deutlich weniger Touristen als auf Krk oder Rab
- Heilklima: Lošinj ist seit dem 19. Jahrhundert als Kurort bekannt
- Geschichte: Von den Römern über Venedig bis heute – Schicht für Schicht sichtbar
Die beiden Inseln haben zusammen etwa 405 Quadratkilometer Fläche, aber nur rund 8.000 Einwohner. Zum Vergleich: Auf der deutlich kleineren Insel Krk leben über 19.000 Menschen. Diese geringe Besiedlungsdichte erklärt, warum sich auf Cres und Lošinj so viel Wildnis erhalten hat – und warum man hier manchmal kilometerweit fährt, ohne einem anderen Auto zu begegnen.
Cres: Die wilde Insel
Cres ist mit 405,78 Quadratkilometern flächenmäßig die größte Insel Kroatiens (knapp vor Krk, die Rangfolge hängt von der Messmethode ab – ein Streit, den Einheimische leidenschaftlich führen). Von Nord nach Süd erstreckt sie sich über 66 Kilometer. Der Norden ist dicht bewaldet, die Tramuntana-Region mit ihren Eichenwäldern und Steineichen wirkt fast mitteleuropäisch. Weiter südlich werden die Bäume niedriger, die Macchia übernimmt, und der Süden zeigt nackten Karst unter dem Himmel – steinig, windig, leer. Die Bevölkerung konzentriert sich auf wenige Orte, dazwischen liegt eine Weite, die man in Kroatien selten findet.
Cres-Stadt: Venezianisches Erbe am Hafen

Die Hauptstadt der Insel liegt in einer geschützten Bucht an der Westküste und zählt etwa 3.000 Einwohner. Wer durch die Gassen schlendert, erkennt sofort die venezianische Handschrift: schmale Steinhäuser mit grünen Fensterläden, ein Stadttor aus dem 16. Jahrhundert, der Loggia-Platz, auf dem einst Recht gesprochen wurde. Der kleine Hafen ist gesäumt von Fischerbooten und Cafés, unter Platanen sitzen Einheimische beim Kaffee – nicht erst um elf, sondern schon um sieben.
Was Cres-Stadt von vielen kroatischen Küstenorten unterscheidet: Hier gibt es keine Kreuzfahrtschiffe, keine Souvenirmeilen, keinen Rummel. Die Tourismusinfrastruktur ist da – Apartments, Restaurants, eine Marina – aber sie dominiert nicht. Die Altstadt funktioniert als lebendiges Stadtviertel, nicht als Freilichtmuseum. Wer frischen Fisch will, kauft ihn morgens direkt am Hafen von den Fischern, die vor Sonnenaufgang rausgefahren sind.
Sehenswert ist die Kirche Sv. Marija della Neve mit ihrem Renaissance-Portal und das Stadtmuseum im Arsan-Palast, das die Geschichte der Insel von der Antike bis heute erzählt. Abends lohnt sich ein Spaziergang zur Mole – der Sonnenuntergang über dem Meer gehört zu den stillsten Momenten der Kvarner-Bucht.
Lubenice: Das Dorf über dem Abgrund
Das spektakulärste Dorf Kroatiens. 378 Meter über dem Meer, auf einer Felsklippe, mit Blick bis zum Horizont. Lubenice ist seit der Bronzezeit besiedelt – über 4.000 Jahre ununterbrochen – und es sieht aus, als hätte die Zeit irgendwann aufgehört zu zählen. Im Dorf leben noch rund 20 Menschen, die Häuser sind aus dem gleichen Stein gebaut wie der Fels, auf dem sie stehen, manche halb verfallen, manche sorgfältig restauriert. Im Sommer finden hier Musikabende unter freiem Himmel statt, bei denen die Akustik der alten Steinmauern zur natürlichen Verstärkung wird.
Der wahre Grund, warum Lubenice in Reiseführern steht, liegt 378 Meter tiefer: der Strand Sveti Ivan, erreichbar über einen steilen Pfad mit rund 1.500 Stufen. Wer hinuntersteigt, wird mit einem der schönsten und einsamsten Strände der Adria belohnt – weißer Kiesel, türkisfarbenes Wasser, keine Strandbars, keine Liegen, nur Felsen und Meer. Der Aufstieg danach ist der Preis dafür.
Praktisches:
- Anfahrt: Schotterpiste, für normale Autos fahrbar (langsam fahren)
- Abstieg zum Strand: 30 Min hinunter, 45 Min hinauf – festes Schuhwerk ist Pflicht
- Tipp: Genug Wasser mitnehmen, kein Schatten am Strand, keine Versorgung unten
- Im Dorf gibt es eine kleine Konoba, die nur im Sommer öffnet
Valun: Das vergessene Fischerdorf
Auf halbem Weg zwischen Cres-Stadt und der Südspitze liegt Valun, ein Ort mit vielleicht 50 Einwohnern und einem Hafen, der kaum größer ist als ein Wohnzimmer. Das Dorf wäre völlig unbekannt, wenn hier nicht eine der ältesten zweisprachigen Inschriften Europas gefunden worden wäre: die Valun-Tafel aus dem 11. Jahrhundert, beschriftet in glagolitischen und lateinischen Buchstaben. Das Original liegt im Rathaus von Cres-Stadt, eine Kopie in der Dorfkirche.
Unterhalb des Dorfes gibt es einen kleinen Kiesstrand, geschützt vor dem Wind, mit kristallklarem Wasser. Im Hafen liegt ein einziges Restaurant, das frischen Fisch serviert – was die Fischer am Morgen gebracht haben, steht abends auf der Karte. Valun ist der Inbegriff von Entschleunigung: kein WLAN-Passwort an der Wand, keine Kreditkartenterminals, kein Stress.
Beli und die Gänsegeier
Im äußersten Norden der Insel, umgeben von den dichten Eichenwäldern der Tramuntana, liegt Beli – ein Dorf mit ein paar Dutzend Häusern und einer Mission. Hier betreibt die Organisation Caput Insulae seit 1993 ein Rettungs- und Aufzuchtzentrum für Gänsegeier. Die riesigen Vögel waren auf Cres fast ausgestorben, vergiftet durch mit Pestiziden behandelte Kadaver, dezimiert durch den Rückgang der Schafhaltung. Heute leben wieder über 80 Brutpaare auf den Klippen der Ostküste – die größte Kolonie der Adria und eine der wenigen in Europa südlich der Alpen.
Das Ökozentrum bietet geführte Wanderungen entlang der Klippen, bei denen die Chancen gut stehen, die Geier im Flug zu sehen – ihre Spannweite von fast drei Metern macht sie auch aus großer Entfernung erkennbar. In der Station selbst leben verletzte und nicht auswilderungsfähige Vögel in großen Freigehegen. Für Kinder gibt es Workshops zum Thema Artenschutz, und ein Lehrpfad durch den Tramuntana-Wald erklärt das Ökosystem der Insel. Der Eintritt kostet wenige Euro und ist jeden Cent wert.
Vransko Jezero: Der See, der nicht sein dürfte
Mitten auf Cres, in einer Karstmulde zwischen bewaldeten Hügeln, liegt ein Süßwassersee, dessen Existenz eigentlich unmöglich ist. Vransko Jezero ist 5,5 Kilometer lang, bis zu 1,5 Kilometer breit und an seiner tiefsten Stelle über 74 Meter tief – tiefer als das umliegende Meer. Der Wasserspiegel liegt nur 13 Meter über dem Meeresspiegel, trotzdem ist der See nicht salzig. Er wird ausschließlich von unterirdischen Quellen gespeist, die durch das poröse Karstgestein nach oben drücken.
Das Wasser ist so sauber, dass es ohne Aufbereitung als Trinkwasser für die gesamte Insel dient – eine Seltenheit im Mittelmeerraum. Der See ist Naturschutzgebiet, Schwimmen und Bootfahren sind verboten, aber ein Wanderweg entlang des Ostufers bietet Einblicke in diese stille, fast unheimliche Landschaft. An nebligen Morgen, wenn der Dunst über dem Wasser liegt und die Bäume sich im Ufer spiegeln, fühlt man sich eher in Skandinavien als in der Adria.
Lošinj: Die duftende Insel
Lošinj ist kleiner als Cres (nur 74,68 km²), aber dichter besiedelt und touristisch besser erschlossen. Die Insel ist bekannt für ihr Mikroklima – über 2.600 Sonnenstunden im Jahr und milde Wintertemperaturen, die selten unter 8 Grad fallen. Im 19. Jahrhundert entdeckten österreichische Ärzte die heilende Wirkung der Inselluft: Die Kombination aus Meeresaerosolen, ätherischen Ölen der Pinien, Rosmarin und Immortelle wirkt nachweislich positiv auf Atemwege und Immunsystem. Lošinj wurde offiziell zum Kurort erklärt, und dieser Ruf hält bis heute an.
Mali Lošinj: Adriatische Kleinstadt mit großem Herzen
Mali Lošinj hat trotz seines Namens (“klein”) nichts Kleines an sich: Mit rund 8.000 Einwohnern ist es die größte Inselsiedlung der gesamten Adria. Die Stadt liegt in einer tiefen, fjordartigen Bucht, die natürlichen Schutz vor allen Winden bietet – ein Grund, warum sie bereits im 14. Jahrhundert zu einem bedeutenden Seefahrerzentrum aufstieg. Im 19. Jahrhundert besaßen die Reeder von Mali Lošinj eine der größten Handelsflotten der Habsburgermonarchie.

Heute ist die Stadt touristisch, aber nicht gesichtslos. Die pastellfarbenen Häuser an der Riva spiegeln sich im Hafenwasser, Cafés servieren Espresso mit Blick auf Segelboote und Motorjachten, und in den Gassen der Altstadt riecht es nach gegrilltem Fisch und Rosmarin. Das Kunstmuseum Muzej Apoksiomena zeigt als Hauptattraktion die Bronzestatue des Apoxyomenos – eine griechische Athletenfigur aus dem 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr., die 1999 von einem Taucher in 45 Metern Tiefe vor der Insel Vele Orjule gefunden wurde. Es ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde der Adria, und das Museum wurde eigens für diese eine Statue gebaut.
Für Familien lohnt sich der Besuch des Gartenparadieses am Čikat-Waldweg und des Aquatoriums im Kula-Turm, das die Unterwasserwelt der Adria interaktiv präsentiert. Abends versammelt sich alles auf der Riva – Einheimische und Touristen gleichermaßen, Kinder auf Fahrrädern, alte Männer beim Kartenspiel, Paare bei Sonnenuntergangswein.
Veli Lošinj: Stiller Charme und Duftgärten
Das kleinere, ruhigere Pendant liegt drei Kilometer südöstlich, verbunden durch eine Straße entlang der Küste und einen Wanderweg durch den Pinienwald. Veli Lošinj hat knapp 1.000 Einwohner und die Atmosphäre eines Ortes, in dem die Uhren langsamer gehen. Die bunten Häuser schmiegen sich an einen Hang über einem winzigen Hafen, in dem Fischerboote und kleine Jollen schaukeln. Die barocke Kirche Sv. Antun birgt ein Altarbild, das manchen Kunsthistorikern Bartolomeo Vivarini zugeschrieben wird.
Was Veli Lošinj einzigartig macht, ist der Duftgarten (Miomirisni vrt) oberhalb des Ortes. Auf Terrassen wachsen die aromatischen Pflanzen, die Lošinj berühmt gemacht haben – Rosmarin, Lavendel, Salbei, Immortelle, Myrte, Lorbeer. Die Luft hier ist so dicht mit ätherischen Ölen, dass man sie buchstäblich schmecken kann. Der Garten ist frei zugänglich, mit Informationstafeln zu jeder Pflanze und ihrer Verwendung in der traditionellen Inselmedizin. Direkt daneben befindet sich auch das Blue World Marine Research Centre mit seiner Ausstellung über Delfine und Meeresschildkröten.
Delfine beobachten: Die Stars der Adria
In den Gewässern rund um Cres und Lošinj lebt die einzige standorttreue Population Großer Tümmler (Tursiops truncatus) in der gesamten Adria. Etwa 180 bis 200 individuell identifizierte Tiere leben ganzjährig hier – nicht als Durchzügler, sondern als dauerhaft ansässige Bewohner. Die Blue World Organization erforscht und schützt diese Population seit 1987 und hat eine Foto-ID-Datenbank aufgebaut, in der jedes einzelne Tier anhand seiner Rückenflosse identifiziert werden kann. Manche der Delfine tragen Namen und sind seit über 30 Jahren bekannt.
Die Organisation bietet Bootstouren zur Delfinbeobachtung an, die von Mali Lošinj starten. Anders als bei kommerziellen Delfinshows in Freizeitparks geht es hier um Begegnung auf Augenhöhe: Das Boot nähert sich langsam, hält Abstand, und die Delfine entscheiden selbst, ob sie Kontakt aufnehmen. In den meisten Fällen tun sie es – die Tiere sind neugierig und kommen oft zum Boot, springen und spielen im Kielwasser. Eine Sichtungsgarantie gibt es naturgemäß nicht, aber die Erfolgsquote liegt im Sommer bei über 80 Prozent.
Praktisches zur Delfintour:
- Dauer: 2-3 Stunden
- Kosten: Ab 50 € pro Person
- Beste Zeit: Früher Morgen oder später Nachmittag
- Buchung: Direkt über Blue World oder lokale Agenturen in Mali Lošinj
- Tipp: Auch ohne organisierte Tour sieht man Delfine regelmäßig vom Ufer oder von der Fähre aus
Čikat-Bucht: Pinien, Strände und Meeresrauschen
Südwestlich von Mali Lošinj erstreckt sich die Čikat-Bucht – eine Halbinsel, die Ende des 19. Jahrhunderts systematisch mit Aleppo-Kiefern aufgeforstet wurde, um das Mikroklima zu verbessern. Heute ist der Čikat-Wald ein duftender Baldachin aus Pinien, durch den markierte Wege zum Meer führen. Mehrere kleine Kiesbuchten mit kristallklarem Wasser säumen die Küste, einige mit Betonplateaus und Leitern, andere naturbelassen und nur über Trampelpfade erreichbar.
Die touristischen Hotels der Insel (Bellevue, Boutique Hotel Alhambra, Aurora) liegen in Čikat, ebenso wie ein Campingplatz direkt am Meer. Für Familien ist die Bucht ideal: flacher Einstieg, Schatten durch die Pinien, Spielplätze und ein Strandrestaurant. Für Individualisten, die es ruhiger mögen, lohnt es sich, zehn Minuten weiter zu laufen – hinter der letzten Hotelanlage beginnen die einsamen Buchten.
Flora und Fauna: Lebendiges Naturerbe
Die Artenvielfalt auf Cres und Lošinj ist selbst für kroatische Verhältnisse außergewöhnlich. Über 1.100 Pflanzenarten sind auf den beiden Inseln dokumentiert – darunter etliche endemische und submediterrane Spezies, die sonst nur in Nordafrika oder der südlichen Ägäis vorkommen. Der Grund liegt im Zusammenspiel aus Geologie, Klima und der Tatsache, dass große Teile der Inseln nie intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden.
Auf Lošinj dominieren aromatische Pflanzen das Bild: Rosmarin, Lavendel, Immortelle (Strohblume), Salbei und Myrte wachsen wild an Wegrändern und auf den Karstflächen. Die Inselbewohner destillieren aus ihnen seit Jahrhunderten ätherische Öle, und in der Apotheke von Mali Lošinj werden bis heute Naturheilmittel nach traditionellen Rezepten gemischt. Im Frühling, wenn die Macchia blüht, duftet die gesamte Insel wie ein riesiger Kräutergarten – ein Erlebnis, das man nicht fotografieren, nur erleben kann.
Auf Cres ist die Tierwelt der Star. Neben den Gänsegeiern, die auf den Ostklippen brüten, leben hier Mufflons, Steinmarder und eine Population scheuer Schakale, die man nachts manchmal heulen hört. In den Tramuntana-Wäldern nisten seltene Raubvögel, und in den Gewässern rund um die Inseln schwimmen neben Delfinen auch Unechte Karettschildkröten, die gelegentlich an den Stränden gesichtet werden. Blue World betreibt auch ein Schildkröten-Rettungsprogramm, bei dem verletzte Tiere gesund gepflegt und wieder freigelassen werden.
Strände auf Cres und Lošinj
Die Strände hier sind das Gegenteil der organisierten Strandanlagen auf dem Festland. Kein Sand, keine Plastikliegen, oft kein Schatten – dafür Wasser, das so klar ist, dass man den Grund in fünf Metern Tiefe sieht, und eine Einsamkeit, die es an der kroatischen Küste fast nirgends mehr gibt.
Sveti Ivan (Lubenice)
Der legendäre Strand unter dem Klippendorf – regelmäßig unter den Top 10 der schönsten Strände Europas gelistet. Weißer Kiesel, türkisfarbenes Wasser, keinerlei Infrastruktur. Der Abstieg von Lubenice ist steil und schweißtreibend, aber genau das hält die Massen fern. Wer den Weg auf sich nimmt, wird mit einem Strand belohnt, den man sich an den meisten Tagen mit höchstens einem Dutzend anderer Menschen teilt. Im Hochsommer kommen auch Boote von der Meerseite, aber es bleibt immer Platz.
Čikat-Buchten
Mehrere kleine Kiesbuchten im Pinienwald bei Mali Lošinj, teils mit Betonplateaus und Leitern, teils naturbelassen. Die Buchten Veli Žal und Sunny Bay haben Strandbars und Liegestuhlverleih, die weiter westlich gelegenen sind ruhiger und wilder. Der Schatten der Pinien reicht oft bis ans Wasser – ein Segen im Hochsommer, wenn die Temperaturen über 35 Grad steigen.
Valun
Der Kiesstrand unterhalb des gleichnamigen Fischerdorfes auf Cres. Geschützt vor dem Nordwind, mit flachem Einstieg und klarem Wasser. Ein kleines Strandcafé versorgt mit Getränken und einfachen Snacks. Valun ist einer der wenigen Strände auf Cres, die man bequem mit dem Auto erreichen kann – und trotzdem nie überfüllt.
Punta Križa
Die Südspitze von Cres ist ein Labyrinth aus Buchten, Felsen und Macchia-bewachsenen Landzungen. Kein bestimmter Strand dominiert, sondern Dutzende kleine, namenlose Buchten, die man nur zu Fuß oder mit dem Boot erreicht. Das Gebiet ist bei FKK-Urlaubern beliebt, weil die Abgeschiedenheit natürliche Privatsphäre bietet. Wer ein Auto mietet und die Schotterpisten in Kauf nimmt, findet hier sein persönliches Stück Einsamkeit.
Srakane-Inseln
Vor der Südküste von Lošinj liegen Velo und Malo Srakane – zwei winzige Inseln, auf denen weniger als zehn Menschen dauerhaft leben. Die Strände sind unbeschreiblich: unberührter weißer Kiesel, Wasser in Karibikfarben, absolute Stille. Erreichbar nur per Boot – manche Taxiboote aus Mali Lošinj fahren im Sommer hin, aber ohne festen Fahrplan. Wer es hierher schafft, hat einen der exklusivsten Badeorte der Adria ganz für sich.
Osor: Die historische Verbindung
Wo die beiden Inseln fast zusammenstoßen, liegt Osor – eine Stadt, die einst 20.000 Einwohner hatte und heute 70 zählt. Die Römer gruben hier einen Kanal durch, der Cres von Lošinj trennt. Eine Drehbrücke öffnet zweimal täglich für Boote – um 9 und um 17 Uhr, und der gesamte Straßenverkehr steht dann still, was auf Cres und Lošinj niemanden stört.
Römische Mauern, romanische Kirchen, ein kleines Archäologiemuseum – was von der einstigen Größe blieb, hat den Charme des Vergänglichen. Die Stille ist überwältigend für einen Ort, der einmal ein Bischofssitz war, der über die gesamten Kvarner-Inseln herrschte. Im Sommer finden in der Dreifaltigkeitskirche und auf dem Platz davor Konzerte klassischer Musik statt – die Osor Music Evenings, gegründet 1976, ziehen Musiker aus ganz Europa an. Die Akustik der Steinmauern unter dem Abendhimmel macht jedes Konzert unvergesslich.
Essen: Lamm, Fisch und Inselkräuter
Die Küche auf Cres und Lošinj ist einfach, aber herausragend – vorausgesetzt, man wählt die richtigen Lokale und bestellt, was die Insel hergibt.
Das Lamm von Cres genießt unter kroatischen Feinschmeckern beinahe mythischen Status. Die Schafe weiden auf den kargen Karstflächen des Inselsüdens, wo sie sich von wildem Salbei, Rosmarin und Salzgras ernähren. Das Ergebnis ist ein Fleisch, das eine dezente Kräuternote hat, die kein Koch der Welt nachahmen kann – sie kommt aus dem Futter, nicht aus der Pfanne. Das klassische Gericht heißt Janjetina s ražnja (Lammbraten am Spieß), langsam gegart über offenem Feuer, und wird in den Konobas der Insel für Gäste zubereitet, die es vorbestellen – oft am Vortag, denn ein ganzes Lamm braucht seine Zeit. Wer kein ganzes Lamm bestellen will, findet Lammkoteletts und Lammgulasch auf fast jeder Speisekarte.
Auf Lošinj dominiert der Fisch. Die Restaurants in Mali Lošinj und Veli Lošinj servieren den Tagesfang – Branzino, Goldbrasse, Tintenfisch, Muscheln. Die Zubereitungsweise ist typisch adriatisch: gegrillt mit Olivenöl und Knoblauch, dazu Mangold und Kartoffeln. Die besten Fischrestaurants liegen nicht an der Riva (dort zahlt man die Aussicht mit), sondern in den Seitengassen und den kleinen Orten abseits der Zentren.
Ein paar Empfehlungen, ohne Vollständigkeit zu beanspruchen: Die Konoba Bukaleta bei Loznati auf Cres serviert Lamm und Käse aus eigener Produktion in einem rustikalen Steinhaus zwischen Olivenbäumen. In Mali Lošinj lohnt sich das Restaurant Bora Bar für gehobene Fischküche mit modernem Twist. Und in Veli Lošinj findet man im Sirius direkt am Hafen ehrlichen Fisch ohne Touristenaufschlag. Überall auf den Inseln gehören Schafskäse, Olivenöl aus lokaler Produktion und der Honig von den Macchiaflächen zu den Grundlagen jeder Mahlzeit.
Aktivitäten
Wandern
Beide Inseln haben markierte Wanderwege, die durch Landschaften führen, die überraschend vielfältig sind:
- Lubenice – Sveti Ivan: Der Klassiker, 1,5 Stunden gesamt, der Abstieg zum Strand und zurück
- Tramuntana-Pfad (Cres): Durch den dichten Nordwald, mehrere Varianten zwischen 2 und 6 Stunden, mit Chancen auf Gänsegeier-Sichtungen
- Lošinj-Rundweg: Küstenpfad von Mali Lošinj über Veli Lošinj und zurück, 4-5 Stunden, mit Bademöglichkeiten unterwegs
- Osoršćica (Lošinj): Der höchste Berg der Insel (588 m), 3-4 Stunden, mit Panoramablick über die gesamte Kvarner-Bucht
Radfahren
Die Inseln sind hügelig, aber fahrbar. Wer die Kondition mitbringt, findet wenig Verkehr und spektakuläre Landschaften. Die Straße von Cres-Stadt nach Osor schlängelt sich entlang der Küste mit Ausblicken, die jeden Anstieg rechtfertigen. In Mali Lošinj gibt es Fahrradverleihe, auch E-Bikes. Die Route Im Herzen des grünen Waldes führt durch die Wälder des Kvarner-Hinterlandes – wer von der Fähre kommt, kann sie als Zubringer zur Insel nutzen. Auch die 44km Rundtour auf Krk von Malinska zum Klippenzauber Vrbniks lässt sich mit einem Tagesausflug auf Cres kombinieren, da die Fähre Valbiska-Merag die beiden Inseln verbindet.
Tauchen und Schnorcheln
Die Unterwasserwelt ist vielfältig: Korallengärten, Fischschwärme, Unterwasserhöhlen und sogar ein paar Wracks. Tauchbasen in Mali Lošinj und Cres-Stadt bieten Ausfahrten für Anfänger und Fortgeschrittene an. Besonders lohnend sind die Tauchspots rund um die Inselchen Susak und Unije, wo die Sichtweiten regelmäßig über 30 Meter erreichen.
Praktische Tipps
Anreise mit der Fähre
Es gibt drei Hauptverbindungen, die Cres und Lošinj ans Festland anbinden:
Brestova – Porozina (Istrien → Cres-Nord): Die Fähre von der istrischen Küste setzt in 20 Minuten nach Porozina an der Nordwestspitze von Cres über. Im Sommer fährt sie stündlich, in der Nebensaison alle zwei Stunden. Diese Route ist ideal, wenn man aus Richtung Triest, Pula oder Rijeka kommt und den Norden der Insel erkunden will – Beli und die Tramuntana-Wälder liegen direkt an der Strecke.
Valbiska – Merag (Krk → Cres-Mitte): Die kürzeste und häufigste Verbindung, 20 Minuten Überfahrt, im Sommer alle 45 Minuten. Valbiska liegt auf Krk, das über die Krk-Brücke direkt ans Festland angebunden ist. Für die meisten Anreisenden aus Deutschland oder Österreich ist dies die bequemste Route: Autobahn bis Rijeka, Brücke nach Krk, Fähre nach Cres.
Rijeka – Cres-Stadt – Mali Lošinj: Ein Katamaran fährt direkt von Rijeka, die Überfahrt dauert je nach Zwischenstopps 2 bis 3,5 Stunden. Praktisch für Fußpassagiere und Radfahrer, weniger für Autofahrer.
Im Sommer gibt es zusätzlich Katamaranverbindungen von Zadar, Pula und sogar Venedig – allerdings ohne Autotransport.
Auf den Inseln unterwegs
Ein Auto ist dringend empfohlen. Die Inseln erstrecken sich über 85 Kilometer, der öffentliche Nahverkehr beschränkt sich auf wenige Buslinien zwischen den größeren Orten. Von Porozina ganz im Norden bis nach Veli Lošinj im Süden fährt man eine gute Stunde – auf einer Straße, die sich durch Wald, Karst und Macchia schlängelt und bei der das Navigationsgerät gelegentlich den Glauben an die Zivilisation verliert.
Die Straßen sind gut asphaltiert, aber schmal. An manchen Stellen muss man rückwärts in eine Ausweichbucht fahren, wenn Gegenverkehr kommt – auf Cres ein seltenes Ereignis. Parkplätze sind in den Orten vorhanden und in der Nebensaison kostenlos. Im Juli und August wird es in Mali Lošinj eng.
Die Brücke bei Osor verbindet beide Inseln – keine Fähre nötig, aber Vorsicht: Wenn die Drehbrücke für Boote öffnet, kann man 30 Minuten warten.
Beste Reisezeit
Mai-Juni: Wildblumen, milde Temperaturen, leere Strände. Die Macchia blüht, die Luft duftet nach Rosmarin und Immortelle. Wassertemperatur um die 20 Grad.
Juli-August: Warm bis heiß, Delfine besonders aktiv, Konzerte in Osor. Die Strände sind voller als sonst (was auf Cres immer noch leer bedeutet). Wassertemperatur 24-26 Grad.
September: Ideal. Warmes Meer, weniger Touristen, stabiles Wetter. Viele halten den September für den besten Monat auf den Inseln.
Oktober: Riskanter, aber lohnend. Manche Restaurants schließen, dafür hat man die Wanderwege komplett für sich.
Übernachten
- Mali Lošinj: Größtes Angebot, von Ferienwohnungen über Campingplätze bis zum Boutique-Hotel Alhambra (das beste Haus der Insel, in Čikat, gehoben und ruhig)
- Cres-Stadt: Ruhiger, historischer Charme, familiengeführte Apartments in der Altstadt
- Veli Lošinj: Romantisch, klein, perfekt für Paare
- Lubenice/Beli: Sehr begrenzt, für Abenteurer – Steinhauszimmer, kein Luxus, dafür Stille
- Camping: Camp Čikat bei Mali Lošinj ist der größte Platz, direkt am Pinienwald und Meer
Was Cres und Lošinj besonders macht
Wer Cres und Lošinj besucht, kommt nicht für den typischen Adriaurlaub. Hier gibt es keinen Wasserrutschenpark, keine Strandpromenade mit Eisdielen, keine abendliche Partymeile. Was es gibt: Delfine, die im Morgenlicht springen. Gänsegeier, die lautlos über die Klippen gleiten. Einen Süßwassersee, der tiefer ist als das Meer. Lammfleisch, das nach wildem Salbei schmeckt. Und Strände, die man sich an den meisten Tagen mit niemandem teilt. Cres und Lošinj sind das Kroatien, das es noch gibt – wenn man bereit ist, ein bisschen danach zu suchen.