Zadars Hinterland: Verborgene Dörfer, Seen & Ruinen (2026)
- Redaktionsteam
- Dalmatien , Geheimtipps
- 14 Dec, 2025
Inhalt
Wer in Zadar landet und direkt an die Küste fährt, verpasst etwas. Das Hinterland – von den Einheimischen Ravni Kotari genannt, die “flachen Felder” – ist eine Welt für sich: endlose Olivenhaine, römische Ruinen, Seen voller Vögel und Dörfer, in denen die Zeit irgendwann in den 1960ern stehengeblieben ist. Hier kommt kein Kreuzfahrtschiff vorbei, kein Reisebus hält. Nur du und das echte Dalmatien.

Warum ins Hinterland?
Die Küste ist überlaufen, das Hinterland leer. So einfach ist das. Aber es geht um mehr als Ruhe: Die Region hat eine Geschichte, die bis zu den Römern zurückreicht, eine Kulinarik, die auf Lamm und Olivenöl basiert, und Landschaften, die du so nirgendwo sonst findest – Karst trifft auf fruchtbare Ebenen, Süßwasserseen auf mediterrane Vegetation.
Zwischen Zadar und dem Velebit-Gebirge erstreckt sich eine Ebene, die in keinem Reiseführer mehr als einen Absatz bekommt. Das ist ein Fehler. Die Ravni Kotari waren über Jahrhunderte die Kornkammer Dalmatiens, und die Spuren dieser Vergangenheit liegen überall: verfallene Gutshöfe aus der venezianischen Zeit, osmanische Wachtürme auf den Hügeln, Kirchen aus dem 9. Jahrhundert, die älter sind als die meisten europäischen Kathedralen. Wer hier eine Woche verbringt, entdeckt jeden Tag etwas Neues – einen Brunnen aus römischer Zeit, einen Olivenhain mit 500 Jahre alten Bäumen, eine Konoba, in der die Wirtin kein Wort Englisch spricht und das Essen trotzdem (oder gerade deshalb) das beste deiner Reise ist.
Was dich erwartet:
- Römische Ausgrabungen ohne Eintritt und ohne Touristen
- Seen mit Flamingos (ja, wirklich)
- Olivenöl direkt vom Bauern
- Konobas, in denen das Menü vom Wirt bestimmt wird
- Straßen, auf denen du stundenlang kein anderes Auto siehst
- Käse und Pršut von Produzenten, die seit Generationen nach denselben Rezepten arbeiten
Die Ravni Kotari: Dalmatiens vergessene Ebene

Die Ravni Kotari erstrecken sich von Zadar im Westen bis Benkovac im Osten, vom Meer im Süden bis zum Velebit-Vorgebirge im Norden. “Flache Felder” ist dabei fast untertrieben – die Ebene ist so eben, dass du von manchen Stellen aus den Velebit und das Meer gleichzeitig sehen kannst. Rote Erde, Olivenbäume in endlosen Reihen, dazwischen Feigenbäume und Weinreben.
Anders als die karge Küste ist der Boden hier fruchtbar. Terra Rossa nennen die Einheimischen die rote Erde, und sie bringt einige der besten Oliven Kroatiens hervor. Die Sorte Oblica dominiert, dazu kommen Leccino und Pendolino auf den neueren Plantagen. Zwischen Oktober und Dezember riecht die gesamte Ebene nach frisch gepresstem Öl – die Mühlen laufen dann rund um die Uhr, und viele Bauern verkaufen direkt ab Hof. Einfach bei den Häusern anhalten, an denen “Ulje” oder “Maslinovo ulje” steht.
Für Radfahrer sind die Ravni Kotari ein Traum. Flach, kaum Verkehr, gut asphaltierte Nebenstraßen, die durch Olivenhaine und an Steinmauern vorbeiführen. Die 114 km durch die Ravni Kotari sind eine Ganztages-Tour für alle, die sich nicht vor Distanz scheuen – dafür aber fast keine Höhenmeter haben und durch jedes vergessene Dorf der Ebene kommen. GPX inklusive, damit du dich nicht in den Feldwegen verirrst.
Vransko Jezero: Der vergessene See
Der größte natürliche See Kroatiens liegt 30 Minuten von Zadar entfernt, und kaum jemand kennt ihn. Das Vransko Jezero (Vrana-See) ist 30 km² groß, umgeben von Schilfgürteln und Feuchtgebieten, und ein Paradies für Vögel – über 250 Arten wurden hier gezählt, darunter Flamingos, Reiher und Seeadler. Der See liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, getrennt von der Adria durch einen schmalen Höhenrücken. Das Wasser ist eine Mischung aus Süß- und Salzwasser, was die besondere Biodiversität erklärt.

Der Naturpark
Der Naturpark Vransko Jezero schützt den See und seine Umgebung seit 1999. Es gibt zwei Bereiche, die sich grundlegend unterscheiden:
Ornithologisches Reservat (Nordseite): Am nördlichen Ufer liegt das streng geschützte Reservat, das einzige seiner Art in Dalmatien. Drei Beobachtungstürme stehen entlang des Ufers, verbunden durch Holzstege über das Schilf. Früh morgens, noch vor Sonnenaufgang, kommen die Vögel zum Fressen – dann sitzt du allein auf dem Turm und beobachtest Purpurreiher, Löffler und mit etwas Glück Seeadler bei der Jagd. Ein gutes Fernglas ist Pflicht, ein Spektiv noch besser. Die Ranger am Eingang können dir sagen, welche Arten gerade da sind.
Kamenjak-Aussichtspunkt (Westseite): Vom Parkplatz an der Westseite führt ein markierter Weg in etwa 20 Minuten zum höchsten Punkt des Höhenrückens. Der Blick von oben ist atemberaubend: auf der einen Seite der gesamte See, spiegelglatt am Morgen, auf der anderen die Adria und bei klarer Sicht die Kornaten-Inseln am Horizont. Bring Wasser mit – es gibt keinen Schatten auf dem letzten Stück.
Eintritt: ca. 5 EUR pro Person (Stand 2026) Beste Zeit: Frühjahr (März-Mai) für Zugvögel, Herbst für Flamingos Tipp: Der See ist auch zum Angeln freigegeben – Tageskarten gibt es im Besucherzentrum
Mit dem Rad um den See
Der See lässt sich komplett umrunden – 50 km auf asphaltierten Wegen und ruhigen Landstraßen, ohne nennenswerte Steigungen. An der Ostseite führt die Strecke direkt am Wasser entlang, im Westen steigt sie leicht an zum Kamenjak-Rücken. Unterwegs gibt es keine Versorgung, also Wasser und Proviant mitnehmen.
Wer den See mit dem gesamten Hinterland verbinden will: Die 70 km Route “Reise jenseits der Küste” startet in Zadar und zeigt das Beste der Ravni Kotari – Olivenhaine, vergessene Dörfer, und den See als Höhepunkt der Tour. Die GPX-Datei funktioniert offline, was in dieser Gegend wichtig ist: Mobilfunkempfang ist nicht überall garantiert.
Novigrad und die Zrmanja-Schlucht
Nicht der istrische Novigrad, sondern das dalmatinische – ein verschlafenes Städtchen an einer tiefen Meeresbucht, die sich wie ein Fjord ins Land schneidet. Die Verwechslung passiert ständig, dabei könnte der Unterschied kaum größer sein: kein Charme-Tourismus, keine renovierten Altstadthäuser, keine Boutique-Hotels. Stattdessen Fischerboote, eine Handvoll Konobas und eine Festungsruine auf dem Hügel über der Stadt.

Die Festung Fortica
Über Novigrad thront die Festung Fortica, eine mittelalterliche Anlage, die im 13. Jahrhundert gegen die Osmanen errichtet und mehrfach umgebaut wurde. Der Aufstieg dauert zehn Minuten über einen steilen Pfad durch Macchia-Gebüsch. Von oben überblickst du die gesamte Bucht des Novigradsko More, die Mündung der Zrmanja und bei gutem Wetter den Velebit bis hinauf zum Gipfel des Sveto Brdo. Die Festung selbst ist frei zugänglich – keine Kasse, keine Öffnungszeiten. Manche Mauern sind instabil, also Vorsicht mit Kindern.
Die Zrmanja
Der Fluss Zrmanja mündet bei Novigrad ins Meer, und seine Schlucht ist spektakulär: türkises Wasser, steile Klippen, Wasserfälle. Anders als die Krka oder Plitvice ist die Zrmanja noch weitgehend unentdeckt. Kajak- und Raftingtouren starten in Obrovac (30 Minuten flussaufwärts) und führen durch die Schlucht bis Novigrad. Besonders beeindruckend ist der Wasserfall Veliki Buk – fünf Meter hoch, umgeben von Travertinformationen, und im Frühjahr so wasserreich, dass die Gischt bis auf die Klippen spritzt.
Kajaktour Zrmanja:
- Dauer: 3-4 Stunden
- Schwierigkeit: Leicht bis mittel
- Preis: ca. 50-70 EUR pro Person
- Beste Zeit: Mai-September (im Hochsommer kann der Wasserstand niedrig sein)
- Anbieter: Raftrek, Zrmanja Tours (beide in Obrovac)
Die Pag-Brücke und Umgebung
Von Novigrad aus erreichst du in 20 Minuten die Brücke zur Insel Pag. Der Anblick ist unwirklich: auf der einen Seite die grüne Bucht, auf der anderen die mondähnliche Karstlandschaft von Pag, weiß und kahl, als hätte jemand die Vegetation abgezogen. Vor der Brücke lohnt ein Stopp am Rastplatz – der Blick auf den Velebit-Kanal bei Bora-Wind, wenn das Meer weiße Schaumkronen trägt, ist eines der dramatischsten Panoramen an der gesamten Adria. Die Brücke selbst ist mautfrei und verbindet das Festland mit dem nördlichen Teil von Pag, wo der berühmte Pager Käse herkommt.
Römische Spuren: Asseria und Burnum
Das Hinterland war in der Antike dicht besiedelt. Die Römer bauten hier Städte, Militärlager und Straßen, von denen heute nur Ruinen übrig sind – aber was für welche. Während an der Küste jede römische Säule eingezäunt und mit Eintritt versehen ist, stehen die antiken Stätten im Hinterland einfach so in der Landschaft. Du kannst auf 2000 Jahre alten Mauern sitzen und dein Pausenbrot essen, ohne dass jemand dich dafür zur Kasse bittet.
Asseria (bei Benkovac)
Eine römische Stadt mit erhaltenen Stadtmauern, massiven Toren und den Grundmauern eines Forums. Der Ort liegt auf einem Hügel über den Ravni Kotari, und die Aussicht allein lohnt den Besuch – nach Norden der Velebit, nach Süden die endlose Ebene bis zum Meer. Die Mauern sind teilweise drei Meter hoch erhalten, und im Nordosten erkennt man noch deutlich die Grundrisse der Stadttore. Archäologen der Universität Zadar graben hier seit den 1990ern, aber die Arbeiten gehen langsam voran. Was bisher freigelegt wurde, zeigt eine wohlhabende Provinzstadt mit Forum, Thermen und Nekropole.

- Lage: Bei Podgrade, 10 km von Benkovac
- Zufahrt: Schotterweg, aber machbar (auch mit normalem PKW)
- Eintritt: Kostenlos, frei zugänglich
- Tipp: Kombinier mit Benkovac – die Festung der Familie Benkovac überblickt die Stadt, und samstags gibt es einen Bauernmarkt
Burnum (bei Kistanje)
Ein römisches Militärlager am Rand des Krka-Nationalparks. Hier war die Legio XI Claudia Pia Fidelis stationiert, die die Grenze des Imperiums gegen die illyrischen Stämme im Hinterland sicherte. Das Lager beherbergte bis zu 6000 Soldaten, und die Dimensionen sind noch heute spürbar. Erhalten sind Teile des Amphitheaters – drei Bögen stehen noch, aus grob behauenem Stein – und die Grundmauern der Kasernen. Das kleine archäologische Museum in einem renovierten Gebäude vor Ort erklärt die Geschichte mit Fundstücken, Karten und einem Modell des kompletten Lagers.
- Lage: Nähe Manastir Krka (serbisch-orthodoxes Kloster), 40 km von Zadar
- Eintritt: ca. 3 EUR
- Kombination: Krka-Wasserfälle sind nur 20 Minuten entfernt – morgens die Römer, nachmittags die Wasserfälle
Benkovac: Markt und Festung
Benkovac ist das heimliche Zentrum der Ravni Kotari, eine Kleinstadt mit etwa 3000 Einwohnern, die vor allem für zwei Dinge bekannt ist: die mittelalterliche Festung auf dem Hügel und den Samstagsmarkt, der zu den authentischsten in ganz Dalmatien gehört.
Der Markt findet jeden Samstagmorgen auf dem Hauptplatz statt, ab sieben Uhr früh. Hier verkaufen Bauern aus der gesamten Umgebung, was die Saison hergibt: im Frühjahr junge Zucchini und Mangold, im Sommer Tomaten und Paprika, im Herbst Oliven und Granatäpfel. Dazwischen stehen die Käse- und Fleischstände – Pršut aus der Hausmacherei, junger und alter Schafskäse, Panceta, eingelegte Kapern. Die Preise liegen deutlich unter dem Küstenniveau. Ein Kilo erstklassiger Pršut kostet hier 15-20 EUR weniger als in Zadar.
Die Festung oberhalb der Stadt stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde von der adeligen Familie Benkovac errichtet. Im Inneren befindet sich ein kleines Heimatmuseum mit Exponaten zur Geschichte der Region. Der eigentliche Grund für den Aufstieg ist aber der Blick: 360 Grad über die Ravni Kotari, bei klarer Sicht bis zum Meer und zum Velebit.
Die Dörfer: Zeitreise inklusive
Zwischen Zadar und den Bergen liegen Dutzende Dörfer, die seit Jahrzehnten kaum Veränderung gesehen haben. Steinmauern, Olivenbäume, eine Kirche, ein Dorfplatz mit einer Bank und drei alten Männern. Das ist Dalmatien, wie es vor dem Tourismus war.
Nin
Technisch gesehen kein Hinterland, aber zu nah an Zadar, um nicht erwähnt zu werden. Die kleinste Kathedrale der Welt steht hier – die Sveti Kriz, “Heiliges Kreuz”, aus dem 9. Jahrhundert, ein vorromanisches Kleinod mit perfekten Proportionen. Dazu kommen Salzgärten, die seit der Römerzeit betrieben werden, ein Heilschlamm-Strand, an dem du dich kostenlos einschmieren kannst, und Geschichte, die bis zu den kroatischen Königen reicht. Nin war die erste Hauptstadt des mittelalterlichen Kroatien. Mehr dazu: Nin Guide
Islam Grcki
Ein Dorf mit einem Namen, der Fragen aufwirft – und einer Erklärung, die noch seltsamer ist. “Islam” kommt vom türkischen “su” (Wasser) und bezeichnet die Wasserquellen der Region. “Grcki” bedeutet “griechisch” und bezieht sich auf orthodoxe Siedler, die hier im Mittelalter lebten. Heute hat das Dorf vielleicht 200 Einwohner, eine Bar und die Kirche Sveti Djurdj aus dem 11. Jahrhundert mit Freskenresten im Inneren – frag beim Nachbarn nach dem Schlüssel.
Polaca
Hier steht das größte frühbyzantinische Bauwerk in Kroatien außerhalb von Porec: die Ruinen einer dreischiffigen Basilika aus dem 6. Jahrhundert. Mosaike auf dem Boden, Säulenstümpfe, eine Apsis, die sich gegen den Himmel abhebt. Daneben die Reste eines kaiserlichen Palastes – möglicherweise eine Sommerresidenz. Der gesamte Komplex liegt mitten im Dorf, zwischen Wohnhäusern und Gärten. Die Dorfbewohner verkaufen manchmal Honig und Olivenöl an der Straße, und wenn du Glück hast, bekommst du eine Privatführung vom Ortsvorsteher, der die Geschichte besser kennt als mancher Archäologe.

Tinj
Das Dorf selbst ist unspektakulär, aber die Kirche Sveti Kriz (Heiliges Kreuz) aus dem 11. Jahrhundert ist ein Kleinod der vorromanischen Architektur. Kleine, perfekte Proportionen, versteckt zwischen Olivenbäumen auf einem flachen Hügel. Der Innenraum misst kaum zehn Quadratmeter, doch die Steinmetzarbeit an Türrahmen und Fenstern zeigt ein Können, das die Baumeister der Region über Jahrhunderte perfektionierten.
Käse, Prsut und Olivenöl: Die Produzenten
Die Ravni Kotari sind nicht nur landschaftlich reizvoll – sie sind auch eine der unterschätzten Genussregionen Kroatiens. Drei Produkte dominieren: Olivenöl, Schafskäse und Pršut (luftgetrockneter Schinken).
Olivenöl: Die Gegend um Benkovac und Zemunik produziert einige der besten Öle Dalmatiens. Der Betrieb OPG Karuc bei Polaca presst ausschließlich handgepflückte Oblica-Oliven und füllt in kleine Flaschen ab – nichts davon erreicht den Supermarkt. Anrufen, vorbeikommen, probieren. Ähnlich arbeitet die Familie Stanic bei Smilcic, deren kaltgepresstes Öl auf internationalen Wettbewerben Preise gewonnen hat. Ein halber Liter kostet ab Hof zwischen 8 und 12 EUR.
Schafskäse: Der Käse aus den Ravni Kotari unterscheidet sich vom berühmten Pager Käse durch mildere Würze und weichere Konsistenz. Die Schafe grasen auf Kräuterwiesen statt auf salzigem Karstboden, was dem Käse ein anderes Aromaprofil gibt. In Benkovac auf dem Samstagsmarkt bekommst du ihn frisch und jung (wenige Tage alt, mild) oder gereift (mehrere Monate, kräftig). Probier beide Varianten, bevor du kaufst – die Bauern schneiden bereitwillig Kostproben ab.
Prsut: Jede Familie im Hinterland hat ihre eigene Methode, den Schinken zu trocknen. Die Bora – der kalte Fallwind vom Velebit – liefert die natürliche Kühlung. Guter dalmatinischer Pršut reift mindestens zwölf Monate, die besten Stücke achtzehn. Am Markt in Benkovac oder direkt bei den Bauern in den Dörfern rund um Polaca und Tinj bekommst du Qualität, die es an der Küste nicht gibt.
Mit dem Rad durchs Hinterland
Die Ravni Kotari sind flach (der Name sagt es), die Straßen leer, das Klima mild – zumindest im Frühling und Herbst. Perfekte Bedingungen für Radtouren, ob Rennrad, Gravel oder gemütliches Tourenrad.
Empfohlene Routen
Für Einsteiger: Die Prosciutto-Route Heimat vom Prosciutto – 77 km von Biograd nach Drnis durch die Ebene. Flach, asphaltiert, mit Stopps bei Olivenöl-Produzenten und einer Pršut-Verkostung am Ende in Drniš, der heimlichen Schinken-Hauptstadt Dalmatiens. Die Route folgt Landstraßen, auf denen du im Oktober manchmal eine halbe Stunde lang kein Auto siehst.
Für Ausdauernde: Durch die Ravni Kotari Die Straßen der Ravni Kotari – 114 km für alle, die einen ganzen Tag im Sattel verbringen wollen. Durch jedes vergessene Dorf, an jedem römischen Stein vorbei, mit genug Distanz, um abends wirklich müde zu sein. Die GPX-Datei von ridescouts markiert Wasserstellen und Konobas entlang der Strecke – beides ist in dieser Gegend nicht selbstverständlich.
Mit Meerblick: Jenseits der Küste Reise jenseits der Küste – 70 km, die in Zadar starten und das Beste aus Küste und Hinterland kombinieren. Morgens Meer, nachmittags Olivenhaine, abends zurück in Zadar mit dem Gefühl, eine andere Welt gesehen zu haben.
Essen im Hinterland
Die Küche hier ist einfach und ehrlich: Lamm, Käse, Olivenöl, Brot. Keine Meeresfrüchte (zu weit vom Meer), dafür Fleisch vom eigenen Hof und Gemüse aus dem Garten. Die Portionen sind groß, die Preise fair, und die Qualität der Zutaten übertrifft fast alles, was du an der Küste bekommst. In den Konobas des Hinterlandes gibt es kein englischsprachiges Menü und keine Instagram-taugliche Präsentation – dafür Essen, das nach etwas schmeckt.
Wo essen?
Konoba Bepo (Benkovac) Lamm unter der Peka (Eisenglocke), hausgemachter Käse, Wein aus dem Fass. Das Menü gibt es nicht – du isst, was heute gekocht wurde. Reservieren, mindestens einen Tag vorher! Die Peka braucht drei Stunden Garzeit, spontane Besucher gehen manchmal leer aus. Rechne mit 20-25 EUR pro Person inklusive Wein.
Agroturizam Markov (bei Polaca) Familienbetrieb mit eigenem Olivenöl, Pršut und Schafskäse als Vorspeise. Das Lamm kommt von den Weiden nebenan, der Wein von den Reben hinter dem Haus. Große Portionen, faire Preise, und eine Terrasse mit Blick über die Ebene. Mittags kommen hier auch die Bauern aus der Umgebung zum Essen – ein gutes Zeichen.
Konoba Roki (Islam Latinski) Versteckt in einem Dorf, das nicht mal Google Maps richtig kennt. Frag nach der Wegbeschreibung, wenn du in Benkovac startest – die Einheimischen kennen den Weg. Das Essen lohnt die Suche: Ziegenkäse vom eigenen Hof, gegrilltes Lamm, und ein Maraschino zum Abschluss, der noch nach altem Rezept gebrannt wird.
Was probieren?
- Janjetina ispod peke: Lamm, langsam unter der Eisenglocke gegart – das Nationalgericht der Region
- Pasticada: Geschmortes Rindfleisch in Pflaumen-Rotwein-Sauce, stundenlang gegart
- Soparnik: Mangold-Fladenbrot, das in der Glut gebacken wird – einfach und genial
- Maraschino: Der berühmte Kirschlikör aus Zadar, hergestellt aus Marasca-Kirschen der Region
Transport und Anreise
Mit dem Auto
Von Zadar aus erreichst du das Herz der Ravni Kotari in 20-30 Minuten über die D502 Richtung Benkovac. Die Autobahn A1 (Zagreb-Split) durchquert die Region und hat Ausfahrten bei Zadar 2 (für den westlichen Teil) und Benkovac (für den östlichen Teil). Mautkosten von Zadar nach Benkovac: ca. 3 EUR. Die Straßen im Hinterland sind durchweg asphaltiert, auch die kleineren Verbindungen zwischen den Dörfern – nur die letzten Meter zu manchen archäologischen Stätten führen über Schotter.
Parken ist nirgends ein Problem. An den Ruinen von Asseria und Burnum gibt es informelle Stellplätze am Straßenrand, in Benkovac einen kostenlosen Großparkplatz am Marktgelände. Tankstellen findest du in Benkovac und Obrovac, dazwischen nicht.
Ohne Auto
Schwierig, aber nicht unmöglich. Busse fahren von Zadar nach Benkovac (4-5 Verbindungen täglich, ca. 5 EUR, 45 Minuten) und nach Obrovac (3-4 Verbindungen, ca. 7 EUR, eine Stunde). Für die kleinen Dörfer, die archäologischen Stätten und den Vrana-See brauchst du ein Auto, ein Fahrrad oder einen sehr geduldigen Taxifahrer.
Fahrräder mieten kannst du in Zadar bei mehreren Verleihern in der Altstadt (ab 15 EUR/Tag für ein Tourenrad, ab 35 EUR für ein E-Bike). Die Strecken im Hinterland sind flach genug für jedes Fitness-Level – solange du genug Wasser mitnimmst.
Beste Reisezeit
Frühling (April-Mai): Grüne Felder, Wildblumen auf den Wiesen, angenehme 20-25 Grad. Beste Zeit für Vogelbeobachtung am Vransko Jezero und für Radtouren. Die Konobas öffnen nach der Winterpause.
Herbst (September-Oktober): Olivenernte, goldenes Licht, leere Straßen. Die Konobas haben das beste Lamm, weil die Tiere den Sommer auf den Kräuterweiden verbracht haben. Wasserstand der Zrmanja ist allerdings oft niedrig.
Sommer: Heiß (35 Grad und mehr), aber erträglich im Schatten der Olivenhaine. Früh morgens oder abends unterwegs sein, die Mittagshitze in einer Konoba aussitzen. Vorteil: Die längsten Tage, das wärmste Wasser in der Zrmanja.
Winter: Ruhig, manchmal kalt (Bora!), aber oft sonnig. Perfekt für Ruinen und Dörfer ohne Schwitzen. Manche Konobas haben geschlossen, Benkovac und Obrovac sind aber ganzjährig versorgt.
Unterkunft
Es gibt kaum Hotels im Hinterland – das macht den Reiz aus. Stattdessen:
- Agriturismos: Bauernhöfe mit Zimmern, oft mit Halbpension aus eigener Produktion (30-50 EUR pro Person inkl. Abendessen)
- Ferienwohnungen: In den Dörfern, über Booking oder Airbnb (ab 40 EUR/Nacht)
- Basis Zadar: Die Stadt ist nah genug für Tagesausflüge und bietet die volle Bandbreite an Unterkünften
Kombinationen
Hinterland + Küste: Morgens Ruinen und Olivenhaine, nachmittags Strand. Die Ravni Kotari liegen zwischen Zadar, Biograd und Sibenik – alle Küstenorte sind in 30-40 Minuten erreichbar. Badepause in Biograd oder an den Stränden südlich von Zadar, dann abends Peka in einer Hinterland-Konoba.
Hinterland + Krka: Burnum liegt am Rand des Krka-Nationalparks. Kombinier die Römer-Ruinen mit den Wasserfällen von Skradinski Buk für einen Tag, der Antike und Natur verbindet. Über die Nebenstraßen fährst du von Burnum in 20 Minuten zum Parkeingang Lozovac.
Hinterland + Pag: Von Novigrad über die Brücke auf die Insel Pag dauert es keine halbe Stunde. Vormittags Zrmanja-Schlucht, nachmittags Pager Käse probieren und in der Mondlandschaft der Insel spazieren. Abends zurück nach Zadar oder Übernachtung in Pag Stadt.
Hinterland + Paklenica: Der Nationalpark Paklenica am Velebit ist 40 Minuten von den Ravni Kotari entfernt. Morgens Wandern in den Schluchten des Velika und Mala Paklenica, nachmittags entspannen am Vransko Jezero.
Das Wichtigste
Das Hinterland von Zadar ist kein Ziel für einen Tagesausflug – es ist eine Entdeckungsreise, die sich über mehrere Tage erstrecken sollte. Nimm dir Zeit, fahr langsam, halt an, wenn etwas interessant aussieht. Die besten Erlebnisse findest du nicht auf Google Maps: der Bauer, der dir sein preisgekröntes Olivenöl zum Probieren reicht; die Ruine, die in keinem Reiseführer steht; das Dorf, in dem du der erste Tourist seit Wochen bist und trotzdem sofort auf einen Kaffee eingeladen wirst.
Pack ein Fahrrad ein oder miete eins in Zadar. Die Straßen sind gemacht für entspanntes Radeln, und du siehst mehr als aus dem Autofenster. Und bring Hunger mit. Das Lamm hier ist legendär – und der Käse auch.
Mehr zur Region: Zadar Sehenswürdigkeiten | Nin Guide | Krka Nationalpark