Tauchen in Kroatien: Wracks, Höhlen & kristallklares Wasser (2026)
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- Aktivitaeten
- 07 Mar, 2026
Inhalt
Die Adria ist kein tropisches Meer. Keine bunten Korallen, keine Clownfische, keine Mantarochen. Wer das erwartet, wird enttäuscht. Wer weiß, was ihn erwartet, wird begeistert sein.
Kroatiens Unterwasserwelt lebt von Klarheit. Sichtweiten von 30-40 Metern sind normal. Dazu kommen Wracks aus zwei Weltkriegen, spektakuläre Höhlen, steile Steilwände und genug Meereslebewesen für spannende Tauchgänge. Und das Beste: Die Infrastruktur stimmt. Von Istrien bis Dubrovnik gibt es professionelle Tauchbasen, deutschsprachige Instructor und Spots für jedes Level.
Was erwartet dich unter Wasser?
Die Sichtweiten
Die Adria gehört zu den klarsten Meeren Europas. Im Sommer sind 25-40 Meter Sicht normal, im Frühjahr manchmal noch mehr. Die Klarheit kommt vom geringen Planktongehalt und dem felsigen Grund – kein Sand, der aufgewirbelt wird, kein Schlamm. Besonders rund um die vorgelagerten Inseln wie Vis, Lastovo und Dugi Otok erreicht die Sicht Werte, die man sonst nur aus dem Roten Meer kennt. An guten Tagen im Mai kannst du auf 45 Meter das Wrack am Grund erkennen, bevor du überhaupt abtauchst.
Das Leben
Keine tropische Artenvielfalt, aber interessante Begegnungen:
- Zackenbarsche: Die Stars der kroatischen Unterwasserwelt. Bis zu 1,5 Meter groß, neugierig, oft standorttreu. An vielen Tauchspots kennen die Guides “ihren” Zackenbarsch mit Namen.
- Muränen: In Felsspalten und Wracks. Sehen gefährlich aus, sind es nicht – solange man nicht in Löcher greift.
- Tintenfische & Oktopusse: Besonders nachts aktiv. Gute Tarnung, aber mit Geduld findest du sie. Im Herbst sind die Chancen am besten, da sich die Tiere zur Paarungszeit weniger verstecken.
- Nacktschnecken: Kleine, bunte Juwelen auf Felsen und Schwämmen. Die Flabellina und Chromodoris-Arten sind ein Highlight für Unterwasser-Fotografen.
- Delfine: Mit Glück auf dem Weg zum Tauchspot (nicht beim Tauchen). Um Lošinj lebt eine stabile Population von etwa 180 Großen Tümmlern.
- Haie: Selten, harmlos. Katzenhaie in tieferen Gewässern, Hundshaie gelegentlich. Ein Adrenalinkick, wenn einer vorbeigleitet, aber Gefahr? Null.

Die Highlights
Wracks: Kroatien hat Dutzende betauchbare Wracks. Kriegsschiffe, U-Boote, Handelsschiffe – vom Ersten Weltkrieg bis heute. Die Adria war jahrhundertelang Kriegsschauplatz: Österreich-Ungarn, Italien, Deutschland, die Alliierten – alle haben Schiffe verloren. Manche Wracks liegen in sportlichen 25-35 Metern, andere erfordern Tech-Ausrüstung jenseits der 60-Meter-Marke.
Höhlen: Die Küste ist durchlöchert. Viele Höhlen sind nur vom Wasser aus zugänglich und bieten spektakuläre Lichtstimmungen. Manche erstrecken sich über hunderte Meter ins Gestein, mit Luftkammern, in denen man auftauchen und die Tropfsteine bestaunen kann. Die Grüne Höhle auf Vis ist weltberühmt, aber es gibt dutzende unbekanntere Höhlen, die genauso beeindruckend sind.
Steilwände: Besonders auf den Inseln fallen die Felsen oft 40-60 Meter ins Blaue. Die Wände sind mit Gorgonien, roten Korallen und Schwämmen überzogen. Perfekt für Strömungstauchen – du lässt dich treiben und genießt die Parade an der Wand.
Die besten Tauchspots
Istrien
Kap Kamenjak: Die Südspitze Istriens bietet alles, was Taucher suchen. Steilwände fallen bis auf 25 Meter ab, durchsetzt von kleinen Höhlen und Überhängen. In einer der Buchten liegt ein Amphorenfeld aus der Römerzeit – Tonkrüge zwischen Seegras, fast unwirklich. Der Einstieg vom Ufer ist unkompliziert, die Strömung meist gering. Ideal für Taucher mit Open Water Brevet, die sich langsam vorarbeiten wollen. Beste Zeit: Mai bis Oktober, die Sicht ist im Frühsommer am klarsten.
Baron Gautsch (Rovinj): Das berühmteste Wrack Kroatiens und eines der bekanntesten im gesamten Mittelmeer. Der österreichische Passagierdampfer lief am 13. August 1914 auf eine Mine und sank innerhalb von sieben Minuten – über 140 Menschen kamen ums Leben. Das Wrack liegt in 28-40 Metern Tiefe aufrecht auf dem Grund, die Aufbauten sind erstaunlich gut erhalten. Du schwimmst durch Gänge, an denen noch Bullaugen hängen, vorbei an bewachsenen Davits und Rettungsbootkränen. Der Tauchgang ist anspruchsvoll: Die Tiefe erfordert ein Advanced Brevet, Strömung ist möglich, und das Wrack selbst verdient Respekt – hier sind Menschen gestorben. Saison: Juni bis September, ausschließlich per Bootstauchen erreichbar.

Kap Verudica (Pula): Amphoren aus römischer Zeit, Höhlen mit bis zu drei Eingängen und jede Menge Meereslebewesen machen diesen Spot zum perfekten Anfängerrevier. Die Maximaltiefe liegt bei etwa 18 Metern, der Einstieg erfolgt bequem vom Ufer. Viele Tauchbasen aus Pula nutzen Verudica für Ausbildungstauchgänge, was aber der Qualität keinen Abbruch tut. Zwischen den Felsbrocken verstecken sich Oktopusse, und im Seegras lauern Seepferdchen – wenn man weiß, wo man schauen muss.
Kvarner
Lošinj: Die “Delfin-Insel” hat auch unter Wasser viel zu bieten. An der Westseite fallen die Felsen steil ab, mit Sichtweiten, die im Juni regelmäßig über 30 Meter liegen. In den Höhlen entlang der Küste wachsen rote Korallen – eigentlich ein Tiefseegewächs, hier aber schon ab 25 Metern zu finden. Die Tauchbasis auf Mali Lošinj bietet geführte Tauchgänge zu etwa einem Dutzend Spots, von einfachen Riffen in 12 Metern bis zu anspruchsvollen Steilwänden. Für Anfänger besonders empfehlenswert ist der Spot Krivica, wo man zwischen Felsbrocken auf einer Sandebene in 15 Metern Nacktschnecken und Seesterne entdeckt.
Cres-Wände: Steile Drops von 0 auf 50+ Meter an der Westküste der Insel Cres. Die Wände sind mit gelben und violetten Schwämmen überzogen, dazwischen Gorgonien, die sich in der leichten Strömung wiegen. Mit etwas Glück schwimmt hier eine der extrem seltenen Mönchsrobben vorbei – weltweit gibt es nur noch etwa 700 Exemplare, eine Handvoll davon lebt rund um Cres. Für den Tauchgang brauchst du ein Boot, und die Strömung kann tückisch sein. Advanced Taucher mit Erfahrung in Strömung fühlen sich hier wohl, Anfänger sollten die leichteren Spots an der Ostküste bevorzugen.
Premuda Wrack: Ein italienischer Dampfer in 35 Metern Tiefe nahe der Insel Premuda zwischen Zadar und Lošinj. Das Wrack ist stark bewachsen und hat sich in ein künstliches Riff verwandelt. Schwärme von Mönchsfischen umkreisen den Bug, im Maschinenraum leben große Muränen. Der Tauchgang erfordert ein Advanced Brevet und ruhige Wetterbedingungen für die Bootsfahrt.
Tauchen bei Zadar – Kroatiens unterschätztes Tauchrevier
Zadar steht bei Tauchern selten auf der Liste. Die meisten denken an Vis, an Rovinj, vielleicht an Dubrovnik. Ein Fehler. Die Region rund um Zadar und den vorgelagerten Inseln bietet einige der vielseitigsten Tauchplätze der gesamten Adria, und das bei deutlich weniger Andrang als an den Hotspots im Süden.

Kornati-Unterwasserwände: Das Kornati-Archipel besteht aus 89 Inseln – und unter Wasser geht es genauso dramatisch weiter. An der Außenseite der Inseln stürzen die Felswände senkrecht 40-60 Meter in die Tiefe. Diese Wände sind überzogen mit Gorgonien-Fächern, Schwämmen in leuchtendem Orange und Gelb und dichtem Bewuchs von Faltenkorallen. Die Strömung ist hier überraschend gering, was die Wände auch für ambitionierte Open-Water-Taucher zugänglich macht. Der Spot “Mana Steilwand” an der Außenseite der gleichnamigen Insel gilt als einer der schönsten Wandtauchgänge Kroatiens. Wer sich bei 35 Metern umschaut, sieht oft nichts als blaues Wasser unter sich – ein Gefühl zwischen Freiheit und gesundem Respekt.
Wracks bei Dugi Otok: Vor der Küste von Dugi Otok liegen mehrere Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg, die deutlich weniger betaucht werden als die Berühmtheiten bei Vis oder Rovinj. Besonders interessant ist ein italienisches Torpedoboot in etwa 32 Metern Tiefe an der Südspitze der Insel. Das Wrack liegt auf der Seite, der Torpedorohrsatz ist noch erkennbar, und Schwärme von Goldstriemen umkreisen den Rumpf. Die Bootsfahrt dauert etwa 45 Minuten ab Zadar – weit genug, dass sich die meisten Gelegenheitstaucher nicht hierher verirren. Genau das macht den Reiz aus.
Warum Zadar unterschätzt wird: Der Hauptgrund ist simpel – Marketing. Vis hat den Ruf, Rovinj hat die Baron Gautsch, Dubrovnik hat den Namen. Zadar hat all das nicht, obwohl die Tauchbedingungen gleichwertig sind. Die Sichtweiten liegen im Schnitt bei 25-35 Metern, die Wassertemperaturen sind identisch zum Rest der kroatischen Küste, und die Anfahrt zu den Spots ist oft kürzer als von Split nach Vis. Drei professionelle Tauchbasen operieren direkt aus Zadar, weitere sitzen auf den Inseln Ugljan, Pašman und Murter. Wer einen ruhigen Tauchurlaub ohne Gedränge am Tauchboot sucht, ist hier goldrichtig.
Mitteldalmatien (Split/Vis)
Die Insel Vis ist das Tauch-Mekka Kroatiens – und das aus gutem Grund.
Grüne Höhle (Vis): Eine Höhle mit Unterwasserzugang an der Südseite der Insel Ravnik. Das Licht fällt durch zwei Öffnungen in der Decke und taucht den gesamten Innenraum in smaragdgrünes Licht – eine Stimmung, die man auf Fotos nicht einfangen kann. Der Tauchgang beginnt in 5 Metern Tiefe am Höhleneingang, drinnen steigt man auf etwa 2 Meter auf. Auch für Schnorchler spektakulär, aber als Taucher hast du mehr Zeit und Ruhe für die Atmosphäre. Schwierigkeitsgrad: einfach, auch für Anfänger mit Guide geeignet. Saison: Mai bis Oktober, am schönsten bei Sonnenschein gegen Mittag, wenn das Licht steil einfällt.
Blaue Höhle (Biševo): Die berühmte Touristenattraktion auf der Nachbarinsel von Vis ist auch unter Wasser beeindruckend. Silbernes Licht bricht sich an der Wasseroberfläche und wirft flimmernde Reflexionen auf die Höhlendecke. Der Tauchteil der Höhle ist kurz und flach, aber die Atmosphäre ist hypnotisch. Da die Höhle gleichzeitig von Touristenbooten angefahren wird, ist Timing entscheidend – die meisten Tauchbasen gehen früh morgens oder spät nachmittags.

Wrack “Vassilios” (Vis): Griechischer Frachter, 1939 bei einem Sturm gesunken. Das Schiff liegt in 45 Metern Tiefe aufrecht auf dem Grund, der Rumpf ist weitgehend intakt. Der Bug ragt imposant auf, bewachsen mit dichten Gorgonien-Feldern. Ein Tauchgang für erfahrene Taucher mit Deep-Brevet – die Grundzeit in dieser Tiefe ist begrenzt, ein guter Tauchcomputer und konservative Planung sind Pflicht.
Wrack UC 25 (Vis): Ein deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg, 38 Meter tief in aufrechter Position. Die Konturen des U-Boots sind klar erkennbar, das Deck ist mit Muscheln und Schwämmen bewachsen. In der Umgebung schwimmen große Zackenbarsche, die das Wrack als Revier beanspruchen. Einer der atmosphärischsten Tauchgänge der Adria – die Vorstellung, dass hier vor über hundert Jahren Seeleute lebten, macht den Abstieg intensiv.
Stiniva & Brusnik: Vulkanische Felsformationen mit einzigartiger Unterwasserlandschaft. Brusnik ist der einzige vulkanische Felsen der Adria, und unter Wasser zeigt sich das in bizarren Basaltformationen, die von nirgendwo sonst in Kroatien bekannt sind. Die Tiefe reicht bis 35 Meter, die Sicht ist hier fast immer hervorragend. Anfahrt per Boot von Vis-Stadt, nur bei gutem Wetter möglich.
Süddalmatien (Dubrovnik)
Mljet: Der Nationalpark ist auch unter Wasser geschützt, was sich in der Qualität der Tauchgänge bemerkbar macht. Wenig Boote, keine Fischernetze, intakte Ökosysteme mit dichten Fischschwärmen. An der Südseite der Insel gibt es Steilwände bis 40 Meter mit beeindruckendem Bewuchs. Die einzige Herausforderung ist die Anreise – Mljet ist nur per Fähre erreichbar, und die Tauchbasis auf der Insel hat begrenzte Kapazität. Vorbuchen ist in der Hochsaison Pflicht.
Taranto (bei Dubrovnik): Ein italienischer Zerstörer aus dem Zweiten Weltkrieg, 1943 versenkt. Das Wrack liegt in 34 Metern Tiefe auf sandigem Grund, etwa 15 Bootsminuten vor der Küste Dubrovniks. Der Rumpf ist gut erhalten, Geschütze und Torpedorohre sind noch erkennbar. Im Inneren leben große Hummer und Conger-Aale. Ein Tauchgang, der Geschichte greifbar macht – und das in Sichtweite der Stadtmauer von Dubrovnik.
Elafiti-Inseln: Kleinere Spots, dafür oft menschenleer unter Wasser. Die Inseln Koločep, Lopud und Šipan bieten Riffe in 10-25 Metern Tiefe, perfekt für entspannte Tauchgänge ohne Leistungsdruck. Zwischen den Posidonia-Wiesen verstecken sich Seepferdchen und Steckmuscheln. Wer die überfüllten Tauchspots auf Vis nicht mag und lieber in Ruhe taucht, findet hier sein Revier.
Die besten Tauchbasen in Kroatien
Eine gute Tauchbasis macht den Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem unvergesslichen Tauchurlaub. Hier sind sechs Zentren, die sich durch Qualität, Sicherheit und besondere Stärken abheben.
Diving Center Shark (Medulin, Istrien): Seit über 20 Jahren aktiv, spezialisiert auf Wrack- und Höhlentauchen in der Region um Kap Kamenjak. Kleine Gruppen, eigenes Schnellboot, und deutschsprachige Tauchlehrer gehören zum Standard. Die Basis bietet auch Nitrox-Füllungen und Tech-Ausbildung bis zum Trimix-Level. Wer die Baron Gautsch betauchen will, ist hier richtig.
Foka Diving (Murter): Auf der Insel Murter gelegen, mit direktem Zugang zu den Kornaten. Die Basis organisiert ganztägige Tauchsafaris in das Archipel – zwei bis drei Tauchgänge an einem Tag, Mittagessen auf dem Boot, dazwischen ankern in einsamen Buchten. Ihr Wissen über die Kornati-Unterwasserwelt ist enzyklopädisch, die Briefings ausführlich und voller Insider-Tipps.

Orca Diving Center (Zadar): Die größte Tauchbasis in der Zadar-Region mit zwei eigenen Tauchbooten und Zugang zu über 25 Spots entlang der Küste und auf den vorgelagerten Inseln. Besonders stark im Bereich Ausbildung – von Open Water bis Instructor, alles auf Deutsch möglich. Die Basis füllt auch Nitrox und hat Leihausrüstung in gutem Zustand.
Manta Diving (Komiza, Vis): Das Original unter den Vis-Tauchbasen. Die Basis kennt jeden Felsen, jedes Wrack, jede Höhle der Insel und bietet Tauchgänge von einfachen Riff-Trips bis zu anspruchsvollen Tech-Dives auf die tiefen Wracks. Die Grüne Höhle, die Baron-Gautsch-Äquivalente von Vis, die Vulkanfelsen von Brusnik – alles im Programm. Buchung in der Hochsaison mindestens zwei Wochen vorher empfohlen.
Blue Diving Center (Split): Zentral in Split gelegen, mit täglichen Ausfahrten zu den Spots rund um die Stadt und zu den vorgelagerten Inseln. Ihre Stärke ist die Vielfalt: Steilwände, Höhlen, Riffe und ein paar kleinere Wracks, alles in 20-40 Bootsminuten erreichbar. Die Basis bietet auch Nachttauchgänge und Schnuppertauchen für Nicht-Taucher an. Gut für gemischte Gruppen, in denen nicht alle tauchen.
Diving Dubrovnik: Einzige spezialisierte Tauchbasis direkt in Dubrovnik. Zugang zum Taranto-Wrack, den Elafiti-Inseln und den Spots entlang der Küste südlich der Altstadt. Klein, persönlich, maximal acht Taucher pro Ausfahrt. Der Chef taucht selbst mit und kennt die Gewässer seit 30 Jahren – Briefings sind hier halbe Geschichtsvorlesungen, und das ist keine Beschwerde.
Zertifizierungen & Ausbildung
PADI, SSI oder CMAS – was ist was?
International anerkannte Brevets werden in Kroatien problemlos akzeptiert. Die drei großen Verbände im Überblick:
PADI (Professional Association of Diving Instructors): Der weltweit bekannteste Verband. PADI Open Water ist der Standard-Einsteigerkurs und wird in jeder Tauchbasis der Welt anerkannt. Kurssprache in Kroatien meist Deutsch oder Englisch, Material gibt es als E-Learning vorab online. Vorteil: das größte Netzwerk, überall akzeptiert. Nachteil: tendenziell teurer als SSI.
SSI (Scuba Schools International): Ähnlich aufgebaut wie PADI, die Kurse sind praktisch identisch. SSI-Material ist grundsätzlich kostenlos digital verfügbar, was die Kursgebühren in der Regel etwas drückt. Viele kroatische Tauchbasen arbeiten mit SSI, weil die Lizenzgebühren für Instructor niedriger sind. Für dich als Taucher: kein funktionaler Unterschied zu PADI.
CMAS (Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques): Der europäische Verband, in Deutschland über den VDST organisiert. Stärker auf Vereinstauchen ausgerichtet, weniger kommerziell. CMAS-Brevets werden in Kroatien genauso akzeptiert. Der Kurs hat etwas mehr Theorie als PADI/SSI, was manche als Vorteil sehen.
Wo PADI-Kurse in Kroatien machen?
Praktisch jede größere Tauchbasis bietet den Open Water Diver (OWD) an. Der Kurs dauert 3-4 Tage: Theorie (oft als Vorab-E-Learning), Pool-Sessions und vier Freiwassertauchgänge. In Kroatien kostet der OWD 350-450 EUR, je nach Region und Basis. Split und Zadar sind tendenziell günstiger als Dubrovnik oder Hvar.
Advanced Open Water (AOWD) ist der logische nächste Schritt: zwei Tage, fünf Tauchgänge in verschiedenen Spezialgebieten (Tieftauchen, Navigation, Wrack, Nachttauchen). Kostet 280-380 EUR und öffnet dir Wracks wie die Baron Gautsch oder den Vassilios.
Rescue Diver und Divemaster-Kurse bieten die größeren Basen an – Shark Diving in Medulin, Orca in Zadar und Manta auf Vis gehören zu den wenigen, die die volle Ausbildungskette bis zum Instructor anbieten.
Nitrox – lohnt sich das?
Nitrox (Enriched Air, meist 32% Sauerstoff statt 21%) verlängert deine Nullzeit und reduziert die Stickstoffbelastung. Besonders bei mehreren Tauchgängen am Tag oder wiederholtem Tauchen über eine Woche lohnt sich Nitrox enorm. Du fühlst dich nach dem Tauchen frischer und kannst bei Wracks in 30-40 Metern etwas mehr Grundzeit rausholen.
Den Nitrox-Schein kannst du an einem halben Tag machen – keine zusätzlichen Tauchgänge nötig, nur Theorie und eine Gasanalyse-Übung. Kosten: 120-180 EUR. Nitrox-Füllungen sind in den großen Basen in Pula, Zadar, Split und Vis verfügbar. Aufpreis pro Flasche: 5-10 EUR gegenüber normaler Luft. In der Hochsaison vorher fragen, ob Nitrox verfügbar ist – nicht jede kleine Basis hat die Mischanlage.
Praktische Infos
Regeln für Tauchen in Kroatien
Tauchschein: International anerkannte Brevets (PADI, SSI, CMAS) werden akzeptiert. Ohne Brevet nur mit Tauchbasis und Instructor.
Registrierung: Du brauchst eine kroatische Tauchlizenz (Ronilačka iskaznica). Die bekommst du bei jeder Tauchbasis für ca. 15-20 EUR/Jahr. Dein Passfoto und Brevet mitbringen. Ohne diese Karte ist Tauchen technisch illegal, und die Küstenwache kontrolliert gelegentlich – besonders in den Nationalparks.
Dekokammer: Die nächsten Dekokammern sind in Split (Krankenhaus Firule), Pula (Marinekrankenhaus) und Dubrovnik. Jede seriöse Tauchbasis hat den Standort und die Telefonnummer der nächsten Kammer im Briefing parat. Eine Tauchversicherung (DAN oder ähnlich) ist keine Pflicht, aber dringend empfohlen – ein Kammeraufenthalt kann ohne Versicherung mehrere tausend Euro kosten.
Schutzgebiete: In Nationalparks und einigen Naturreservaten ist Tauchen verboten oder nur mit Genehmigung erlaubt. Kornati-Nationalpark erlaubt Tauchen nur mit lizenzierten Partnerbasen. Die Tauchbasen kennen die Regeln und organisieren die nötigen Permits.
Kosten 2026
| Leistung | Preis (2026) |
|---|---|
| Einzeltauchgang vom Boot (mit Guide) | 55-85 EUR |
| Einzeltauchgang vom Ufer (mit Guide) | 40-60 EUR |
| Tauchpaket (5-6 Bootstauchgänge) | 240-380 EUR |
| Nacht-/Wracktauchgang | 65-110 EUR |
| Komplette Ausrüstung (Miete/Tag) | 30-50 EUR |
| Schnuppertauchen | 65-95 EUR |
| PADI Open Water Kurs | 350-450 EUR |
| PADI Advanced Open Water | 280-380 EUR |
| Nitrox-Kurs | 120-180 EUR |
| Nitrox-Füllung (Aufpreis) | 5-10 EUR/Flasche |
| Kroatische Tauchlizenz | 15-20 EUR/Jahr |
Bootstauchgang vs. Ufertauchgang: Der Preisunterschied von 15-25 EUR pro Tauchgang klingt erst mal viel, lohnt sich aber fast immer. Die besten Spots – Wracks, Steilwände, Höhlen – sind nur per Boot erreichbar. Ufertauchgänge sind ideal zum Eingewöhnen und für Nachttauchgänge, aber die Unterwasserlandschaft ab Boot ist eine andere Liga. Viele Basen bieten Kombi-Pakete an: vormittags zwei Bootstauchgänge, nachmittags optionaler Ufertauchgang inklusive.
Ausrüstung
Die meisten Taucher bringen ABC-Ausrüstung (Maske, Schnorchel, Flossen) und Tauchcomputer mit. Den Rest stellen die Basen. Wer den eigenen Atemregler bevorzugt – verständlich –, sollte auch den mitbringen. Die Leihausrüstung der etablierten Basen ist in der Regel gut gewartet, bei Billiganbietern lohnt es sich, kritisch hinzuschauen.
Wassertemperaturen:
- Mai-Juni: 18-22°C — 7mm Anzug
- Juli-August: 23-26°C (Oberfläche), 18°C (ab 20m) — 5mm + Weste oder 7mm
- September-Oktober: 20-24°C — 5-7mm
Eine Sprungschicht (Thermokline) bei 15-25 Metern ist typisch. Unter der Schicht wird es deutlich kälter – manchmal fünf Grad auf zwei Metern Tiefe. Kopfhaube empfohlen ab September, auch wenn die Oberfläche noch warm wirkt.
Beste Reisezeit
Mai-Juni: Beste Sicht (manchmal 40+ Meter), weniger Boote, noch kühl. Perfekt für ernsthafte Taucher, die Sichtweite über Wassertemperatur stellen.
Juli-August: Wärmste Temperaturen, aber mehr Bootsverkehr und manchmal leicht eingeschränkte Sicht durch Planktonblüte. Positiv: Die längsten Tage bedeuten frühe Tauchgänge bei bestem Licht. Viele Basen sind voll ausgebucht, Voranmeldung unbedingt empfehlenswert.
September-Oktober: Meine Empfehlung. Warmes Wasser, gute Sicht, weniger Taucher, fallende Preise. Das Meeresleben ist im Herbst aktiver – Fischschwärme sind dichter, pelagische Besucher häufiger. Und die Unterkünfte kosten nur noch die Hälfte der Hochsaison.
Für Einsteiger
Schnuppertauchen
Fast jede Tauchbasis bietet “Discover Scuba Diving” oder Schnuppertauchen an. Keine Vorkenntnisse nötig, 2-3 Stunden inklusive Einweisung und Tauchgang. Maximaltiefe 6-12 Meter, je nach Basis und Spot. Du atmest zum ersten Mal unter Wasser – und entweder packt dich das Fieber, oder du weißt, dass du lieber schnorchelst. Beides ist okay.
Kosten: 65-95 EUR, oft mit Fotos/Video inklusive.
Gute Spots für Anfänger: Kap Kamenjak bietet flache Einstiege mit sofortigem Unterwasserleben. Die Pula-Umgebung hat geschützte Buchten ohne Strömung. In den Kornaten ist das Wasser besonders klar, was das Erlebnis für Erstlinge unvergesslich macht.
Kurse vor Ort
PADI Open Water (OWD) ist der internationale Standard. 3-4 Tage, 4 Freiwassertauchgänge, weltweit anerkannt. Der theoretische Teil lässt sich als E-Learning vor dem Urlaub erledigen – spart einen Tag vor Ort und du verbringst mehr Zeit im Wasser statt im Klassenzimmer.
Wer in Deutschland keinen Kurs machen will: Der Kroatien-Urlaub reicht für OWD + erste Tauchgänge. Bei einem zweiwöchigen Urlaub bleibt nach dem Kurs noch eine Woche für eigenständiges Tauchen mit Guide. Viele Taucher kombinieren den Kurs mit dem Advanced am Ende der zweiten Woche, wenn die Grundlagen sitzen und das Wasser sich vertraut anfühlt.
Für Fortgeschrittene
Wracktauchen
Kroatien ist ein Paradies für Wracktaucher. Die Tiefe variiert von 25 bis 70+ Metern, die Vielfalt von Passagierschiffen über U-Boote bis zu Kampfflugzeugen.
Empfohlene Wracks für erfahrene Sporttaucher (bis 40m):
- Baron Gautsch (Rovinj) – 28-40m, österreichischer Passagierdampfer 1914
- Vassilios (Vis) – 45m, griechischer Frachter 1939
- Taranto (Dubrovnik) – 34m, italienischer Zerstörer 1943
- UC 25 (Vis) – 38m, deutsches U-Boot Erster Weltkrieg
Tech-Tauchen (40m+): Teti, Romagna, einige Wracks bei Vis. Spezialausrüstung und -training nötig. Die Vis-Wracks in der 55-75-Meter-Zone gehören zu den besten Tech-Dives im Mittelmeer – aber nur mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung.
Höhlentauchen
Kroatiens Höhlen sind spektakulär, aber gefährlich. Ohne Höhlenbrevet ist der Eingang bei echten Höhlen gesperrt – und das aus gutem Grund. Höhlentauchen verzeiht keine Fehler.
Erreichbar für alle: Grüne Höhle (Vis), Blaue Höhle (Biševo) – eher Durchschwimmen als echtes Höhlentauchen. Tageslicht ist immer sichtbar, der Rückweg klar. Trotzdem beeindruckend, besonders die Lichtspiele.
Echte Höhlentauchgänge: Nur mit Cavern/Cave-Brevet und spezialisierten Guides. Die Tauchbasis auf Vis und einige Anbieter in Istrien haben die Expertise und Ausrüstung für solche Tauchgänge. Doppelgerät, Reels, Primär- und Backup-Lampen sind Minimum.

Wracktauchen in Kroatien: Die besten Schiffswracks
Kein anderer Tauchstil fesselt Menschen so schnell wie Wracktauchen. Man taucht ab auf ein Schiff, das seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten am Grund liegt, und plötzlich ist Geschichte greifbar. Kroatien ist für Wracktaucher ein Eldorado — die Adria war von der Antike bis zum Zweiten Weltkrieg eine der verkehrsreichsten und umkämpftesten Wasserstraßen Europas, und das sieht man auf dem Meeresgrund.

Baron Gautsch (Rovinj) — das bekannteste Wrack der Adria
Der österreichische Passagierdampfer “Baron Gautsch” ist ohne Konkurrenz das bekannteste Wrack Kroatiens. Am 13. August 1914 — zwei Wochen nach Kriegsbeginn — lief das Schiff auf eine österreichische Mine und sank in sieben Minuten. Über 240 Menschen kamen ums Leben. Das Wrack liegt heute in 28 bis 40 Metern Tiefe aufrecht auf dem Meeresgrund, etwa 8 Seemeilen vor Rovinj.
Der Zustand ist für ein über hundert Jahre altes Wrack außergewöhnlich. Du schwimmst durch die Gänge, an denen noch Bullaugen hängen; die Davits (Rettungsbootkräne) stehen noch. Zackenbarsche bewohnen die Laderäume, Schwärme von Goldstriemen umkreisen den Schornstein. Der Tauchgang gehört zur Kategorie Advanced — die Mindesttiefe von 28 Metern und mögliche Strömung erfordern ein AOWD-Brevet. Empfohlene Basis: Diving Center Shark in Medulin oder Sportski Ronilački Centar in Rovinj selbst. Bootstransfer dauert etwa 25 Minuten, Preis für den geführten Wracktauchgang: 75–90 EUR.
Die Wracks bei Vis — Geschichtsstunden in 35–45 Metern
Vis war im Zweiten Weltkrieg strategisch wichtig, was seinen Preis hatte. Mehrere Schiffe liegen auf dem Grund rund um die Insel, von denen drei regelmäßig betaucht werden:
Vassilios: Griechischer Frachter, 1939 bei einem Sturm gesunken, bevor der Krieg richtig begann. Liegt aufrecht in 45 Metern, der Bug ragt imposant auf und ist dicht mit Gorgonien bewachsen. Bootszeit ab Komiza: 15 Minuten. Ein Deep-Dive, der ein Advanced-Brevet und idealerweise einen Nitrox-Kurs voraussetzt, um die Grundzeit auf 45 Metern sinnvoll zu nutzen. Preis für geführten Wracktauchgang: 80–95 EUR.
UC 25: Deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg, in aufrechter Position in 38 Metern Tiefe. Der Minenleger gehörte zur Kaiserlichen Marine und wurde 1918 versenkt. Die Konturen sind klar erkennbar — Druckkörper, Aufbauten, Torpedoöffnungen. Die Atmosphäre ist einzigartig. Auch für erfahrene Sporttaucher zugänglich (AOWD), geführte Tour: 80–95 EUR.
Kargo “Vassilios”-Schwesterwrack: Weniger bekannt, deutlich weniger betaucht, in 40 Metern. Wer Vis besucht und drei Tage Zeit hat, kann alle drei Wracks an aufeinanderfolgenden Tagen tauchen. Manta Diving in Komiza organisiert solche Drei-Tages-Programme ab ca. 220 EUR für drei Bootstauchgänge mit Guide.
Wracks bei Šibenik — WW2 unter der Oberfläche
Die Gewässer rund um Šibenik und den vorgelagerten Inseln sind wracktechnisch unterschätzt. Ein kroatisches Küstenschutzboot aus dem Zweiten Weltkrieg liegt in 28 Metern südlich von Šibenik — gut erhalten, wenig betaucht, kein Gedränge. Dazu gibt es bei der Insel Žirje mehrere kleine Wracks in 20–35 Metern, die von der Tauchbasis in Šibenik angesteuert werden. Preis für geführten Wracktauchgang: 60–75 EUR. Wer ruhige Bedingungen und ein Wrack ganz für sich will, ist hier besser aufgehoben als auf der Baron Gautsch mitten in der Hochsaison.
Taranto (Dubrovnik) — Geschichte in Sichtweite der Altstadt
Das vielleicht geschichtsträchtigste Setting eines Kroatien-Wracks: Der italienische Zerstörer “Taranto” liegt 15 Bootsminuten vor Dubrovnik in 34 Metern auf sandigem Grund. 1943 von alliierten Flugzeugen versenkt. Geschütze und Torpedorohre sind noch erkennbar, im Inneren leben große Hummer und Conger-Aale bis zu einem Meter Länge. Man taucht ab, schaut sich um — und über einem ist die Stadtmauer von Dubrovnik zu erahnen. Das ist ein Kontrast, der sich einprägt. Geführte Tour: 75–90 EUR, nur über Diving Dubrovnik buchbar.
Was du für Wracktauchen brauchst
| Wrack | Tiefe | Mindest-Brevet | Preis geführt |
|---|---|---|---|
| Baron Gautsch (Rovinj) | 28–40 m | PADI Advanced OWD | 75–90 EUR |
| Vassilios (Vis) | 45 m | PADI Advanced + Nitrox empfohlen | 80–95 EUR |
| UC 25 (Vis) | 38 m | PADI Advanced OWD | 80–95 EUR |
| Taranto (Dubrovnik) | 34 m | PADI Advanced OWD | 75–90 EUR |
| Wracks bei Šibenik | 20–35 m | PADI Open Water | 60–75 EUR |
| Wracks Dugi Otok | 30–35 m | PADI Open Water | 55–70 EUR |
Für alle Wracks unter 30 Metern reicht ein PADI Open Water Diver aus — das sind mehr als man denkt, gerade in der Zadar-Region. Für Vis und Rovinj lohnt der Advance-Kurs doppelt: Erstens für die Wracks, zweitens für die Steilwände.
Schnorcheln bei Zadar, Split und Dubrovnik — ohne Tauchschein ins Blaue
Kein Brevet, kein Problem. Die kroatische Küste gehört zu den besten Schnorchelrevieren Europas, und man braucht weder Kurs noch Guide — nur Maske, Schnorchel, Flossen und die Bereitschaft, ins Wasser zu gleiten.
Wer schon taucht, sollte außerdem unseren ausführlichen Guide zu den besten Schnorchelplätzen in Kroatien lesen. Für Istrien gibt es einen eigenen Artikel über Schnorcheln in Istrien.
Schnorcheln bei Zadar — Kornati, Dugi Otok, Telašćica

Die Zadar-Region ist für Schnorchler geradezu perfekt. Die Kornaten sind zwar offiziell Nationalpark, aber Schnorcheln vom eigenen Boot oder mit einer Tagesausfahrt ist erlaubt — und die Unterwasserwelt übertrifft viele teurere Reiseziele. Die Felswände fallen schon ab einem Meter Wassertiefe in die Tiefe, Sichtweiten von 20–30 Metern sind Standard, und das Wasser ist so klar, dass man meint, in der Luft zu schweben.
Telašćica (Dugi Otok): Der Naturpark auf der Südspitze von Dugi Otok ist das Highlight. Enge Buchten, kein motorisierter Bootslärm innerhalb der Parkgrenzen, Felsen mit dichtem Bewuchs. Zwischen den Posidonia-Wiesen verstecken sich Seepferdchen, und mit etwas Geduld taucht ein Zackenbarsch auf. Die Bucht Mir — ein Salzsee direkt neben dem Meer — ist an Land das Hauptattraktion; direkt davor im Meer lohnt sich der Schnorchelgang am frühen Morgen, wenn die Touristenboote noch nicht da sind.
Sakarun (Dugi Otok): Der weiße Sandstrand mit türkisfarbenem Wasser klingt zu schön um wahr zu sein — und tatsächlich ist er das flachste und sanfteste Schnorchelrevier rund um Zadar. Kein Fels, kein Lebewesen in Massen, aber das Wasser hat eine Farbe, die Fotos unglaubwürdig erscheinen lässt. Für Familien mit Kindern ideal, da der Meeresgrund sanft abfällt und keine Strömung zu erwarten ist.
Novigrad (Norddalmatien): Weniger bekannt, aber einer der ruhigsten Flecken im ganzen Land. Das Novigrad-Meer ist eine flache Bucht, die durch eine enge Öffnung mit der Adria verbunden ist. Das Wasser ist brackig und nährstoffreich, was zu einem ungewöhnlich dichten Fischleben führt. Keine spektakulären Felsen, aber Meeräschen, Seebrassen und gelegentlich Rochen — und kaum Touristen.
Ausrüstungsverleih in Zadar: Schnorchelsets (Maske, Schnorchel, Flossen) sind direkt am Bootskai in Zadar und auf den Inseln für 10–15 EUR/Tag zu leihen. Auf Dugi Otok in Sali und in Božava gibt es Verleihe. Wer mehr als drei Tage schnorchelt, sollte sein eigenes Set mitbringen — die Qualität der Leihauskrüstung schwankt.
Schnorcheln bei Split — Pakleni-Inseln und Meereshöhlen

Die Pakleni-Inseln vor Hvar gehören zum besten, was die mittlere Adria für Schnorchler zu bieten hat. Die Inseln sind mit dem Wassertaxi ab Hvar-Stadt in 10–20 Minuten erreichbar, und dort lassen sich halbe Tage damit verbringen, von Bucht zu Bucht zu schwimmen. Unter Wasser fallen die Felswände mehrere Meter ab, die Sicht ist hervorragend, und die Fische — Goldbrassen, Meerbarben, Muränen in Felsspalten — sind an Schnorchler gewöhnt und nähern sich.
Besonders empfehlenswert ist die Ostseite der Insel Sv. Klement: Hier gibt es eine flache Höhle, die auch ohne Lampe betretbar ist und smaragdgrünes Licht wirft — fast so beeindruckend wie die berühmte Grüne Höhle auf Vis, aber ohne Bootsfahrt und Andrang. Wassertiefe am Eingang: 2–3 Meter. Kein Tauchschein nötig.
Kamenjak (Istrien, aber vom Split aus gut vergleichbar): Die Südspitze Istriens hat einige der wildesten Schnorchelreviere der nördlichen Adria. Klippen fallen direkt ins Wasser, keine Touristeninfrastruktur in der Nähe, und darunter findet sich ein Amphorenfeld aus der Römerzeit, das auch flach genug für Schnorchler ist — um die 5–8 Meter Tiefe.
In Split selbst ist der Stadtteil Bačvice eher fürs Picigin-Spielen bekannt (das kroatische Ballspiel im flachen Wasser), aber die Felsen südlich der Stadt am Marjan-Park bieten solide Schnorchelstellen. Ausrüstungsverleih in Split: 10–15 EUR/Tag in den Tauchbasen und Sportgeschäften an der Riva.
Schnorcheln bei Dubrovnik — Elafiti-Inseln und Buža-Felsen
Dubrovnik selbst ist kein klassisches Schnorchelziel — zu viele Boote, zu viel Trubel. Aber fünfzehn Minuten mit dem Wassertaxi weiter, und die Welt sieht anders aus.
Koločep: Die erste der Elafiti-Inseln ist autofrei, ruhig und hat eine hervorragende Küste für Schnorchler. An der Nordseite gibt es Felsen mit deutlichem Bewuchs schon ab einem Meter Tiefe. Tintenfische, Nacktschnecken auf den Felsen, und immer wieder Zackenbarsche, die neugierig vorbeischwimmen. Wassertaxi ab Dubrovnik: täglich, Fahrtzeit ca. 35 Minuten, ca. 7 EUR.
Lopud: Etwas weiter draußen, mit dem schönsten Sandstrand der Elafiti-Inseln (Šunj). An den Felsen beidseitig des Strandes ist das Schnorcheln besonders gut — klares Wasser, dichte Besiedlung unter den Steinen. Hier gibt es auch Seepferdchen, wenn man langsam im flachen Seegras sucht.
Lokrum: Die Insel direkt vor der Altstadt ist als Ausflugsziel beliebt — und auch zum Schnorcheln. Die Felsenküste im Süden ist wenig besucht, das Wasser ist klar, und gelegentlich kursiert hier ein Oktopus entlang der Küste. Ausrüstungsverleih auf Lokrum selbst oder in Dubrovnik-Stadt für 10–15 EUR/Tag.
Was du siehst: Auch ohne Tauchschein bekommst du in kroatischen Gewässern mehr geboten als in den meisten anderen europäischen Ländern. Goldbrassen, Meeräschen, Barrakudas (harmlosen, schlanken), gelegentlich Rochen auf Sandstellen, Muränen in Felsspalten, Zackenbarsche überall. Die Unterwasserwelt Kroatiens ist nicht tropisch, aber sie ist nah, zugänglich und echtes Wildleben — kein Aquarium.
Kroatien tauchen — wo am besten? Ranking nach Erfahrungslevel
Die häufigste Frage: Wo genau soll ich anfangen? Hier eine ehrliche Einschätzung nach Level, nicht nach Marketing-Broschüren.

Einsteiger (Open Water / keine Erfahrung)
1. Zadar-Region — Beste Kombination aus ruhigem Wasser, guter Infrastruktur und abwechslungsreichen Spots. Das Orca Diving Center in Zadar ist eine der besten Ausbildungsbasen des Landes, die Kornati-Tagesausfahrten sind selbst für Anfänger mit Guide zugänglich. Zudem günstiger als Dubrovnik oder Hvar.
2. Istrien (Pula/Medulin) — Kap Verudica bietet flache Einstiege ohne Strömung, der Amphorenfund auf 12 Metern ist ein ideales erstes Highlight. Die Basis Shark in Medulin nimmt sich für Anfänger viel Zeit. Istrien ist auch in Vor- und Nachsaison gut zugänglich, was Anfänger-Kurse im Mai oder Oktober attraktiv macht.
3. Hvar/Pakleni-Inseln — Traumkulisse, gute Anbindung, mehrere tauchtaugliche Spots in 10–20 Metern. Etwas teurer als Zadar, dafür mit dem touristischen Komfort einer gut entwickelten Insel.
Fortgeschrittene (Advanced OWD, 30–40 m Erfahrung)
1. Vis — Das Maß aller Dinge für ernsthafte Taucher. Grüne Höhle, UC 25, Vassilios, Brusnik-Vulkanfelsen. Drei bis fünf Tage reichen kaum, um alles zu sehen. Manta Diving hat die Expertise für alle Levels. Vorbuchen in der Hochsaison unbedingt nötig.
2. Rovinj (Baron Gautsch) — Wer einmal ein echtes Wrack tauchen will, sollte direkt zur Baron Gautsch. Die Kombination aus historischer Bedeutung (140+ Todesopfer, 1914), gutem Erhaltungszustand und erreichbarer Tiefe (28–40 m) macht sie zum Referenz-Wrack für fortgeschrittene Sporttaucher.
3. Kornati (Steilwände) — Für Taucher, die Fauna über Wracks stellen. Die Außenwände der Kornaten-Inseln bieten die besten Gorgonien und den dichtesten Bewuchs der gesamten kroatischen Adria. Foka Diving auf Murter ist die richtige Adresse.
Erfahrene Taucher (Deep, Wrack, Höhle)
1. Vis (Tech-Wracks) — Die Wracks in 55–75 Metern rund um Vis gehören zu den technisch anspruchsvollsten, aber auch spektakulärsten Tauchzielen des gesamten Mittelmeers. Trimix und Doppelgerät vorausgesetzt, aber die Aussicht auf ein intaktes U-Boot in über 60 Metern ist etwas, das kaum ein anderes Reiseziel bieten kann.
2. Cres (Mönchsrobben, Steilwände) — Für Taucher, die Wildnis und Einsamkeit suchen. Kein Tauchboom hier, kein Gedränge. Dafür die Chance auf eine Begegnung mit einer Mönchsrobbe — eines der seltensten Meeressäuger der Welt.
3. Lastovo — Die entlegenste bewohnte Insel Kroatiens hat nahezu unerforschte Tauchgebiete. Wer mit eigenem Tauchboot oder auf einer Segelsafari kommt und bereit ist, sich die Spots selbst zu erschließen, findet hier Unterwasserwelten, die seit Jahrzehnten kaum jemand gesehen hat.
Tauchurlaub in Kroatien planen — alles, was du wissen musst
Ein gut geplanter Tauchurlaub in Kroatien sieht anders aus als ein Badeurlaub mit ein paar Tauchgängen am Rande. Hier sind die wichtigsten Punkte, die über Gut und Schlecht entscheiden.

Unterkunft mit Tauchbasis vs. eigenständige Organisation
Integrierte Tauchpakete: Mehrere Basen in Kroatien bieten Pakete an, die Unterkunft und Tauchen kombinieren. Das spart Planungsaufwand und garantiert, dass Logistik und Spots aufeinander abgestimmt sind. Typische Preise für All-inclusive-Tauchpakete (Unterkunft + 2 Tauchgänge/Tag):
- Zadar-Region: ab 130–160 EUR/Person/Nacht (Doppelzimmer)
- Vis: ab 150–190 EUR/Person/Nacht
- Istrien: ab 120–150 EUR/Person/Nacht
Empfehlenswerte Pakete gibt es bei Manta Diving auf Vis (Komiza Village + Tauchen), Orca Diving in Zadar (Partner-Apartments direkt am Hafen) und Shark Diving in Medulin (mehrere Kooperations-Hotels).
Eigenständige Organisation: Flexible Taucher buchen Unterkunft und Tauchgänge getrennt. Vorteil: Du kannst die Spots wechseln, verschiedene Basen ausprobieren, spontan entscheiden. Nachteil: In der Hochsaison (Juli/August) sind die besten Basen und Spots schnell ausgebucht, besonders auf Vis.
PADI-Kurse in Kroatien: Preise und beste Standorte
Den Open-Water-Kurs vor Ort zu machen ist verlockend — billiger als in Deutschland, bessere Bedingungen, sofortiger Urlaubs-Bonus. Das stimmt alles, aber plant ausreichend Zeit ein: Der Kurs dauert 3–4 Tage, und du willst danach noch Zeit für echte Erkundungs-Tauchgänge haben. Für einen kombinierten Kurs-plus-Tauchen-Urlaub sind zehn Tage Minimum.
| Kurs | Dauer | Preis in Kroatien | Preis in Deutschland (Vergleich) |
|---|---|---|---|
| PADI Open Water Diver | 3–4 Tage | 350–450 EUR | 450–600 EUR |
| PADI Advanced OWD | 2 Tage | 280–380 EUR | 380–500 EUR |
| PADI Rescue Diver | 2–3 Tage | 350–450 EUR | 400–550 EUR |
| PADI Nitrox | halber Tag | 120–180 EUR | 150–220 EUR |
| PADI Divemaster | 2–4 Wochen | ab 1.200 EUR | ab 1.800 EUR |
Tipp für den E-Learning-Teil: Fast alle kroatischen Basen akzeptieren PADI e-Learning, das du vor dem Urlaub online erledigst (ca. 150 EUR direkt bei PADI). Das spart vor Ort einen halben bis ganzen Tag Theorie und du gehst schneller ins Wasser.
Beste Standorte für Kurse:
- Zadar (Orca Diving): Größte Auswahl an Kursformaten, Deutsch als Kurssprache verfügbar, gute Unterkünfte in der Nähe
- Split (Blue Diving Center): Zentral, viele Unterkünfte in allen Preisklassen, Spots schnell erreichbar
- Medulin/Pula (Shark Diving): Hervorragende Ausbildungsbedingungen, keine Strömung in den Trainings-Buchten, günstigere Unterkunft als Dubrovnik
Beste Reisezeit für verschiedene Ziele
Nicht jeder Spot ist das ganze Jahr über gleich gut:
Wracktauchen: Mai und September sind ideal. Die Sicht ist am besten, weniger Boote stören den Tauchgang, und die Wassertemperatur auf 30–40 Metern ist im Herbst noch angenehm (17–19°C mit gutem Neopren).
Schnorcheln: Juli und August für maximale Wassertemperatur (24–27°C), aber auch maximaler Touristenandrang. Juni und September bieten den besten Kompromiss.
PADI-Kurs: Mai oder Oktober. Ruhige Basen, aufmerksame Instructor, und die Bedingungen sind gut genug für alle Freiwassertauchgänge. Im August kann es sein, dass du im Open-Water-Kurs von Hochsaisontauchern im Boot überholt wirst.
Vis und die abgelegenen Spots: Nur Juni bis September sinnvoll betauchbar, da die Fährverbindung im Winter deutlich reduziert ist und viele Basen nur in der Saison öffnen.
Was du einpacken solltest
Die meisten Basen haben komplette Leihausrüstung, aber einige Dinge lohnt es sich mitzubringen:
- Eigene Maske: Passt garantiert und beschlägt weniger als Leihmaterial
- Schnorchel und Flossen (wenn du auch schnorchelst): Lohnt sich schon ab zwei Tagen
- Tauchcomputer: Kein professioneller Taucher verlässt sich dauerhaft auf den Basecomputer
- Eigener Atemregler: Komfortsache, aber du weißt, wie er eingestellt ist
- Auftriebskontrollgerät (BCD): Nur wenn du eh schon eigenes hast — das Leih-BCD ist in guten Basen einwandfrei
- Neoprenanzug: Leihen ist fine, aber ein gut sitzender eigener Anzug ist ein Komfortgewinn
Versicherung und Sicherheit
Kroatien ist kein Risikoland für Taucher, aber Dekompressionsunfälle können überall passieren. Die Dekokammern in Split, Pula und Dubrovnik sind gut ausgerüstet, aber ein Kammeraufenthalt ohne Versicherung kostet schnell 3.000–8.000 EUR.
DAN (Divers Alert Network) ist der Standard: Jahresbeitrag ab ca. 50 EUR, deckt Dekounfälle weltweit ab. Viele Tauchbasen empfehlen DAN aktiv, manche setzen es voraus. Zusätzlich sollte die normale Reisekrankenversicherung abgeschlossen sein.
Die kroatische Tauchlizenz (Ronilačka iskaznica) kostet 15–20 EUR pro Saison und ist technisch Pflicht. Jede seriöse Tauchbasis stellt sie aus — Passfoto und Brevet mitbringen.
Mein Fazit
Tauchen in Kroatien ist anders als in Ägypten oder Thailand. Weniger Fische, weniger Farbe – aber mehr Klarheit, mehr Geschichte, mehr Abenteuer.
Die Wracks sind das Highlight. Wenn du noch nie ein Wrack betaucht hast, ist Kroatien der perfekte Einstieg. Relativ flach, gut erhalten, atmosphärisch. Die Baron Gautsch bei Rovinj, die U-Boote bei Vis – das sind Tauchgänge, die sich ins Gedächtnis brennen.
Und dann Zadar. Wer die Kornati-Steilwände und die vergessenen Wracks vor Dugi Otok entdecken will, ohne dabei mit zwanzig anderen Tauchern im Wasser zu hängen, sollte die Region dringend auf den Radar setzen.
Für mich ist ein Wracktauchgang auf der Baron Gautsch oder den U-Booten bei Vis spannender als das hundertste Korallenriff. Die Adria erzählt Geschichten – von Kriegen, von Handel, von Menschen, die hier gelebt haben.
Und nach dem Tauchen: Fisch vom Grill, kroatischer Wein, Sonnenuntergang über der Adria. Das Gesamtpaket stimmt.