Tauchen auf Vis: Wracks, Höhlen & die klarste Adria (2026)
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Dalmatien , Inseln
- 08 Mar, 2026
Inhalt
Vis war bis 1989 Militärzone. Keine Touristen, keine Bausünden, keine überfischten Gewässer. Was für die Bewohner Jahrzehnte der Isolation bedeutete, hat der Insel etwas hinterlassen, das man unter Wasser sofort spürt: eine Unterwasserwelt, die sich in Ruhe regenerieren konnte, während der Rest der Adria vom Tourismus überrollt wurde.
Heute gilt Vis unter Tauchern als das beste Revier Kroatiens. Nicht weil es die größten Wracks hat – die liegen vor Rovinj und Pula. Nicht weil die Infrastruktur perfekt wäre – dafür ist die Insel zu klein. Sondern weil hier alles zusammenkommt: kristallklares Wasser mit Sichtweiten bis 45 Meter, spektakuläre Höhlen, historische Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg, dichte Fischpopulationen und eine Abgeschiedenheit, die dafür sorgt, dass du an vielen Tauchplätzen allein bist. Keine Schlange wartender Boote, kein Gedränge am Einstieg, keine 20 Taucher gleichzeitig am selben Wrack.

Warum Vis? Was diese Insel von anderen Tauchrevieren unterscheidet
Die Lage macht den Unterschied. Vis ist die am weitesten vom Festland entfernte bewohnte Insel Kroatiens – gut zwei Stunden mit der Fähre von Split. Dieses offene Meer bringt Strömungen, die nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe an die Küste drücken. Das Ergebnis: Plankton für die Basis der Nahrungskette, aber nicht genug, um die Sicht zu trüben. Im Sommer kannst du regelmäßig auf 30 bis 40 Meter sehen, an perfekten Tagen im Mai oder Juni sogar auf 45 Meter. Das ist kein Marketing-Versprechen – das sind Werte, die selbst Rotes-Meer-Veteranen überraschen.
Dazu kommt die Geologie. Die Küste von Vis und der Nachbarinsel Bisevo ist zerklüftet, durchlöchert, voller Überhänge und Grotten. Manche Höhlen erstrecken sich hunderte Meter ins Kalkgestein, mit Lichteinfall, der das Wasser in unwirkliches Blau und Grün taucht. Andere sind nur Taucherlampen-tief und werden von Hummern und Langusten bewohnt, die in größeren Exemplaren vorkommen als irgendwo sonst an der kroatischen Küste.
Und dann die Geschichte. Vis war strategisch wichtig – für die Römer, die Venezianer, die Briten, die Partisanen im Zweiten Weltkrieg, die jugoslawische Marine. All diese Epochen haben Spuren hinterlassen, auch unter Wasser. Ein amerikanischer B-17-Bomber auf dem Meeresgrund. Ein griechisches Handelsschiff aus den 1930ern. Militärische U-Boot-Tunnel aus dem Kalten Krieg. Das Mittelmeer hat wenige Orte, an denen Geschichte und Natur unter Wasser so dicht zusammenkommen.
Die besten Tauchspots rund um Vis
B-17 Flying Fortress – Das Fliegerwrack
Der berühmteste Tauchspot der Insel, und einer der ungewöhnlichsten im gesamten Mittelmeer. Am 6. November 1944 wurde ein amerikanischer B-17G-Bomber auf dem Rückflug von einem Angriff auf Öl-Raffinerien in Österreich getroffen. Die Besatzung schaffte es bis Vis, wo die Alliierten einen Notlandeplatz hatten – aber nicht bis zur Landebahn. Der Pilot wasserte die Maschine in der Bucht vor Vis-Stadt. Alle zehn Besatzungsmitglieder überlebten. Das Flugzeug sank auf 72 Meter Tiefe.
Heute liegt die B-17 aufrecht auf dem sandigen Grund, erstaunlich intakt. Die Flügel mit einer Spannweite von fast 32 Metern sind vollständig erhalten, die Motoren erkennbar, das Cockpit noch strukturell intakt. Der Sand rund um das Wrack ist weiß und fein, was für einen surrealen Kontrast sorgt – das olivgrüne Aluminium des Bombers gegen den hellen Grund, darüber das tiefblaue Freiwasser.
Aber Achtung: 72 Meter sind kein Spaß. Das ist ein Tauchgang für erfahrene Tec-Taucher mit Trimix-Ausbildung. Die Grundzeit ist auf wenige Minuten begrenzt, die Dekompressionsstopps dauern lang. Wer ohne entsprechende Zertifizierung und Erfahrung ankommt, wird von seriösen Tauchbasen abgewiesen – und das zu Recht. Es gibt keine Strömung am Wrack selbst, aber die Tiefe verzeiht keine Fehler. Rechne mit Wassertemperaturen um die 14 Grad in dieser Tiefe, auch im Hochsommer. Ein Trockentauchanzug ist fast Pflicht.
| Detail | Info |
|---|---|
| Tiefe | 72 m |
| Level | Tec-Taucher (Trimix erforderlich) |
| Sicht | 20-35 m |
| Strömung | keine bis leicht |
| Wassertemp. (Tiefe) | 12-15 °C |
| Beste Zeit | Mai-September |
Vassilios – Das griechische Handelsschiff
Deutlich zugänglicher als die B-17 und mindestens genauso atmosphärisch. Die Vassilios war ein griechischer Frachter, der 1939 vor der Südküste von Vis auf Grund lief. Das 52 Meter lange Schiff liegt heute auf 12 bis 32 Metern – der Bug ragt fast bis zur Oberfläche, das Heck ruht auf dem Meeresgrund. Das macht die Vassilios zu einem der wenigen Wracks in Kroatien, die auch für Taucher mit Open Water Advanced zugänglich sind.

Der Bug ist von Seeanemonen, Schwämmen und Moostierchen überzogen, ein dichter Bewuchs, der dem rostigen Metall eine fast organische Textur gibt. In den Laderäumen leben Conger-Aale – manche über einen Meter lang, mit dem typischen leeren Blick, der Anfängern einen Schauer über den Rücken jagt, aber harmlos ist. Schwärme von Brassen und Mönchsfischen umkreisen die Aufbauten. Bei guter Sicht kannst du vom Bug aus das gesamte Wrack überblicken, was eine seltene Perspektive ist – die meisten Adria-Wracks sind zu tief oder zu groß dafür.
Was die Vassilios besonders macht: Du kannst sie an einem Tag zweimal betauchen. Morgens den tieferen Teil um das Heck, nachmittags den flachen Bugbereich mit mehr Licht. Viele Tauchbasen auf Vis bieten das als Ganztages-Ausflug an, inklusive Mittagspause auf dem Boot mit Blick auf die Südküste.
| Detail | Info |
|---|---|
| Tiefe | 12-32 m |
| Level | Advanced Open Water |
| Sicht | 20-40 m |
| Strömung | leicht |
| Wassertemp. | 18-25 °C (Oberfläche) |
| Beste Zeit | Juni-Oktober |
Grüne Höhle (Zelena Spilja) – Licht unter Wasser
Die Grüne Höhle auf der kleinen Insel Ravnik, direkt neben Vis, ist kein klassischer Tauchspot im engeren Sinn – aber ein Erlebnis, das du nicht vergisst. Die Höhle hat eine untere Öffnung zum Meer und eine obere Öffnung in der Decke, durch die Tageslicht hereinfällt. Wenn die Sonne im richtigen Winkel steht (am besten zwischen 10 und 13 Uhr), taucht das einfallende Licht den gesamten Innenraum in ein überirdisches Grün. Das Licht bricht sich im Wasser, reflektiert von den Felsen, und du schwimmst durch eine Kathedrale aus grünem Licht.
Man kann die Grüne Höhle auch per Schnorchel erleben, aber unter Wasser ist es intensiver. Manche Tauchbasen kombinieren den Besuch mit einem Tauchgang an der Außenwand von Ravnik, wo Steilwände bis auf 30 Meter abfallen und Langusten in den Spalten sitzen. Die Höhle selbst ist flach – 5 bis 8 Meter – und hat keine Strömung. Selbst Anfänger mit Open Water Brevet können hier tauchen, solange die Gruppe klein bleibt. In der Hochsaison kann es voll werden, weil auch Touristenboote die Höhle anfahren – besser früh morgens oder spät nachmittags kommen.

Blaue Grotte (Modra Spilja) auf Bisevo – Von unten
Die Blaue Grotte auf Bisevo ist Kroatiens berühmteste Höhle, normalerweise ein Ausflug per Boot mit kurzer Besichtigung. Hunderttausende Touristen besuchen sie jedes Jahr, bleiben fünf Minuten, machen Fotos. Taucher können sie anders erleben – von unten, durch den Unterwassereingang, der tief genug liegt, um ohne Boot in die Grotte zu gelangen.
Das blaue Leuchten entsteht durch Sonnenlicht, das durch eine Unterwasseröffnung einfällt und vom weißen Sandboden reflektiert wird. Von unten betrachtet ist der Effekt noch intensiver: Du tauchst durch den schmalen Eingang und befindest dich plötzlich in einem Raum aus blauem Licht. Die Wassertiefe im Inneren beträgt nur 4 bis 12 Meter, die Sicht ist meist hervorragend. Allerdings: Der Tauchgang durch den Unterwassereingang erfordert Erfahrung, weil der Durchgang stellenweise eng ist und du die Orientierung behalten musst. Die meisten Tauchbasen nehmen nur Taucher mit mindestens 30 geloggten Tauchgängen mit.

Wichtig zu wissen: Der Zugang zur Blauen Grotte ist reguliert. Es gibt Eintrittsgebühren (2026 voraussichtlich um die 15 Euro pro Person, Taucher zahlen mehr) und in der Hauptsaison Warteschlangen. Für Taucher ist der Zugang manchmal eingeschränkt, wenn zu viele Touristenboote unterwegs sind. Am besten vorher mit der Tauchbasis absprechen, ob ein Tauchgang möglich ist, und flexibel bleiben.
U-Boot-Tunnel bei Vis-Stadt
Ein Relikt des Kalten Krieges. Die jugoslawische Marine baute in den 1950er und 60er Jahren mehrere Tunnel in die Küstenfelsen, groß genug für kleinere U-Boote. Nach dem Ende des Militärstützpunkts 1989 wurden die Tunnel aufgegeben. Einige sind heute betauchbar – und sie sind anders als alles, was du sonst unter Wasser erlebst.
Du tauchst durch einen dunklen, von Menschenhand gehauenen Tunnel, der sich in den Fels bohrt. Die Wände sind glatt, mit Werkzeugspuren, stellenweise mit Meereslebewesen bewachsen. In manchen Tunneln gibt es Luftkammern, in denen du auftauchen und die bizarre Akustik genießen kannst – dein Atemregler klingt wie ein Donnergrollen. Das Wasser in den Tunneln ist oft kälter als draußen, weil kein Sonnenlicht eindringt, und die Sicht kann eingeschränkt sein, wenn Sediment aufgewirbelt wird. Eine gute Lampe ist unverzichtbar, eine Backup-Lampe empfehlenswert.
Nicht alle Tunnel sind offiziell zum Tauchen freigegeben. Seriöse Tauchbasen kennen die zugänglichen Spots und die aktuellen Regelungen. Geh da nicht auf eigene Faust rein – die Tunnel können eng werden, und Orientierungsverlust unter Wasser ist kein theoretisches Risiko, sondern ein echtes.
Riffwände und offene Tauchplätze
Vis hat mehr zu bieten als Wracks und Höhlen. Die Steilwände rund um die Insel fallen teilweise bis auf 50 Meter ab und sind mit gelben und roten Gorgonien bewachsen – fächerförmige Weichkorallen, die in der Strömung schwingen und ein spektakuläres Bild abgeben. An manchen Stellen sind die Gorgonien so dicht, dass die Wand aussieht wie ein unterwasser Garten.

Einige Spots, die weniger bekannt, aber nicht weniger lohnend sind:
- Kap Stupisce: Steilwand mit Gorgonien, Schwämmen und regelmäßigen Zackenbarsch-Sichtungen. 15-40 m Tiefe, für Fortgeschrittene.
- Budikovac Riff: Flacheres Riff um die kleine Insel, perfekt für entspannte Nachmittagstauchgänge. 8-20 m, auch für Anfänger.
- Kamik bei Bisevo: Unterwasserfelsen im offenen Meer mit starker Strömung und entsprechend dichtem Fischbestand – Barrakuda-Schwärme, Amberjacks, gelegentlich Thunfische. Nur bei ruhigem Wetter und für erfahrene Taucher.
- Host-Insel: Südlich von Vis, abgelegen und selten betaucht. Steile Abbruchkanten und Überhänge, in denen sich Langusten und Hummer verstecken.
Diese Riffplätze sind das, was einen Vis-Tauchurlaub erst abrundet. Wer nur die Highlights – B-17, Vassilios, Höhlen – abhakt, verpasst die ruhigeren Momente: zehn Minuten an einer Wand hängen und den Gorgonien beim Schwingen zusehen, einem Oktopus bei der Jagd folgen, in einem Schwarm von Brassen treiben.
Tauchbasen auf Vis: Wo du in guten Händen bist
Die Insel hat keine Massentourismus-Infrastruktur, und das gilt auch für die Tauchszene. Es gibt eine Handvoll Tauchbasen, die meisten inhabergeführt, alle mit persönlichem Service. Das hat Vorteile: kleine Gruppen, flexible Planung, individuelle Betreuung. Der Nachteil: In der Hochsaison (Juli/August) sind die Plätze schnell ausgebucht. Reservier frühzeitig, besonders für die B-17 und die Höhlentauchgänge.
Issa Diving Center ist die älteste und bekannteste Basis auf Vis, direkt in Vis-Stadt am Hafen gelegen. Das Team taucht die lokalen Spots seit über 20 Jahren und kennt jeden Felsen. Sie bieten Tec-Tauchgänge zur B-17 an (eigene Trimix-Ausrüstung kann geliehen werden) und haben deutschsprachige Guides. Ein Zwei-Tank-Tauchgang kostet etwa 80-100 Euro, inklusive Ausrüstung und Bootsfahrt. Anfänger können hier auch Discovery-Tauchgänge machen.
Diving Center Comisa operiert aus der kleineren Stadt Komiza auf der Westseite der Insel – näher an Bisevo und damit ideal für die Blaue und Grüne Höhle. Kleinere Operation, familiärer, oft flexibler mit Zeitplanung. Sie bieten auch Nitrox an, was für die wiederholten flacheren Tauchgänge an den Höhlen sinnvoll ist.
Dodoro Diving ist eine neuere Basis, die sich auf kleine Gruppen spezialisiert hat und besonders bei Unterwasser-Fotografen beliebt ist, weil sie längere Grundzeiten und weniger Zeitdruck erlauben. Wenn du mit Kamera tauchst, ist das ein relevanter Unterschied – nichts ruiniert ein gutes Unterwasserfoto schneller als ein Guide, der nach 40 Minuten zum Aufstieg bläst, während du gerade den perfekten Zackenbarsch gefunden hast.
Alle Basen akzeptieren PADI, SSI und CMAS-Brevets. Die Preise sind ähnlich und liegen unter denen vieler Mittelmeer-Destinationen: Einzeltauchgänge ab 50 Euro, Pakete mit 6-10 Tauchgängen deutlich günstiger. Eigene Ausrüstung mitzubringen spart pro Tauchgang 15-25 Euro Leihgebühren – aber bedenke, dass du die Flasche auf der Insel füllen lässt und dein Equipment über die Fähre transportieren musst.
Zertifizierung und Voraussetzungen
Wer auf Vis tauchen will, braucht mindestens ein Open Water Brevet (PADI/SSI OWD oder CMAS*). Damit sind die flacheren Spots und die Grüne Höhle zugänglich. Für die Vassilios und die tieferen Riffwände brauchst du ein Advanced Open Water (PADI AOWD, CMAS**). Die B-17 und einige tiefere Höhlentauchgänge erfordern eine technische Tauchausbildung – mindestens TDI Advanced Nitrox/Decompression Procedures oder vergleichbar, für die 72-Meter-Tiefe der B-17 zwingend Trimix-Zertifizierung.

Kroatien verlangt seit einigen Jahren eine Tauchgenehmigung (ronilacka dozvola), die über die Tauchbasen beantragt wird. Kosten: ca. 20 Euro pro Jahr, im Normalfall kümmert sich die Tauchbasis darum. Bring deinen Tauchschein, Logbuch und eine Versicherungsbestätigung mit – eine Tauchversicherung (DAN oder äquivalent) ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber auf Vis noch wichtiger als anderswo, weil die nächste Dekompressionskammer in Split steht und ein Hubschraubertransport teuer wird.
Schnuppertauchen ohne Brevet? Ja, möglich. Die meisten Basen bieten Discover Scuba Diving (DSD) an – ein Einführungstauchgang im flachen Wasser, begleitet von einem Instructor. Du wirst damit nicht die Wracks oder Höhlen sehen, aber die Steilwände und Riffe im Bereich bis 12 Meter sind schon eindrucksvoll genug. Kosten um die 70-90 Euro für einen Tauchgang.
Wann tauchen? Die beste Saison
Die Tauchsaison auf Vis läuft von Mai bis Oktober, mit dem Sweet Spot im Juni und September. Warum nicht Juli/August? Weil dann die Wassertemperaturen an der Oberfläche zwar angenehme 24-26 Grad erreichen, aber die Sicht durch Planktonblüte etwas nachlässt – statt 40 Meter eher 20-30 Meter. Immer noch hervorragend für europäische Verhältnisse, aber wer die berühmte Kristallklarheit will, kommt besser vor oder nach der Hauptsaison.
Juni bietet die beste Kombination: Wassertemperatur um 20-22 Grad an der Oberfläche, Sichtweiten bis 45 Meter, wenige Touristen, längere Tage. Der einzige Nachteil: Die Fährverbindungen sind noch nicht im Hochsaison-Takt, also weniger Abfahrten pro Tag.
September ist ähnlich gut. Die Oberfläche hat sich über den Sommer auf 23-25 Grad aufgewärmt, die Planktonblüte ist vorbei, die Sicht klart wieder auf. Bonus: Weniger Touristen bedeuten weniger Boote an den Höhlen und entspanntere Tauchbedingungen. Viele Tauchbasen bieten in der Nebensaison günstigere Paketpreise an.
Oktober ist ein Glücksspiel. An guten Tagen ist das Tauchen fantastisch – warmes Wasser, klare Sicht, leere Spots. Aber der Herbst bringt auch Südwind (Jugo), der tagelang Wellengang und trübes Wasser bringen kann. Manche Tauchbasen schließen Mitte Oktober, andere bleiben bis Ende des Monats offen. Nicht die beste Wahl für einen kurzen Tauchtrip, wenn du wetterabhängig bist.
| Monat | Wassertemp. | Sicht | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Mai | 17-20 °C | 30-45 m | Gut, kühl |
| Juni | 20-23 °C | 30-45 m | Ideal |
| Juli | 23-26 °C | 20-35 m | Sehr gut |
| August | 24-27 °C | 20-30 m | Gut, aber voll |
| September | 23-25 °C | 25-40 m | Ideal |
| Oktober | 20-23 °C | 25-40 m | Wetterlotterie |
Unterwasserleben rund um Vis
Die Isolation der Insel und die ehemalige Militärzone haben die Fischpopulationen geschont. Was du hier siehst, ist das, was die Adria sein kann, wenn man sie in Ruhe lässt.
Zackenbarsche sind die Könige von Vis. Dusky Grouper (Epinephelus marginatus), bis zu 1,2 Meter lang und 50 Kilo schwer. An manchen Spots sind sie so an Taucher gewöhnt, dass sie auf dich zuschwimmen und sich aus nächster Nähe betrachten lassen. Die größten Exemplare leben an den tieferen Steilwänden im Süden der Insel, wo weniger getaucht wird.
Langusten und Hummer verstecken sich in den Felsspalten und Höhlen. Auf Vis sind sie größer und häufiger als fast überall sonst in Kroatien – ein direktes Ergebnis der jahrzehntelangen Isolation. Nachttauchgänge sind die beste Gelegenheit, sie aktiv zu sehen, wenn sie aus ihren Verstecken kommen.
Schwarmfische: Brassen, Mönchsfische, Seebarben – in Schwärmen, die manchmal die Sicht versperren. An den strömungsexponierten Spots kommen Amberjacks und gelegentlich Barrakuda-Schulen dazu.
Nacktschnecken: Für Makro-Fotografen ein Paradies. Die bunten Flabellina, Chromodoris und Cratena-Arten sitzen auf Schwämmen und Hydroidpolpen. Wer Geduld hat und eine Lupe oder Makrolinse, findet an jedem Tauchplatz mindestens fünf verschiedene Arten.

Anreise: So kommst du nach Vis
Vis hat keinen Flughafen. Die einzige Verbindung ist die Fähre von Split. Jadrolinija betreibt die Linie ganzjährig, im Sommer mit mehreren Abfahrten täglich. Die Überfahrt dauert etwa 2 Stunden und 20 Minuten mit der Autofähre, der Katamaran (nur Fußpassagiere) schafft es in 1 Stunde und 15 Minuten.
Preise 2026 (voraussichtlich):
- Fußpassagier: 8-12 Euro einfach
- Auto + Fahrer: 35-55 Euro einfach (je nach Fahrzeuglänge)
- Katamaran: 12-18 Euro einfach
Wichtig für Taucher mit eigenem Equipment: Die Autofähre nimmt Gepäck ohne Aufpreis mit, auch sperriges. Wenn du ohne Auto kommst und den Katamaran nimmst, bedenke, dass Tauchgepäck schnell 30-40 Kilo wiegt und du es vom Terminal aufs Schiff und runter tragen musst. Manche Taucher buchen einen Mietwagen in Split, fahren mit der Autofähre und sind auf Vis mobil – besonders praktisch, wenn du zwischen Vis-Stadt und Komiza pendeln willst, was mit dem Bus nur eingeschränkt möglich ist.
In der Hochsaison (Juli/August) unbedingt reservieren – die Fähren sind häufig ausgebucht, besonders für Autos. Buchung über die Jadrolinija-Website oder an den Schaltern im Hafen Split, aber online ist sicherer.
Anreise nach Split: Flughafen Split (SPU) wird von zahlreichen deutschen Städten direkt angeflogen – Hamburg, München, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt. Alternativ mit dem Auto über die Autobahn A1 Zagreb-Split, was etwa 4 Stunden dauert. Oder von Deutschland über die Küstenstraße – länger, aber landschaftlich eine Wucht.
Übernachtung und Ausrüstung
Wo übernachten
Vis hat zwei Orte: Vis-Stadt (Ostseite) und Komiza (Westseite). Für Taucher hat beides Vorteile.
Vis-Stadt liegt näher an der Fähranlegestelle und hat mehr Restaurants und Cafes. Die meisten Tauchbasen sitzen hier oder in unmittelbarer Nähe. Wer abends nach dem Tauchen noch ausgehen will, ist hier richtig – wobei “ausgehen” auf Vis bedeutet, dass du in einer Konoba am Hafen sitzt und frischen Fisch isst, kein Nachtleben im Split-Sinne.
Komiza ist ruhiger, kleiner, authentischer. Direkt gegenüber von Bisevo, also günstiger für die Höhlentauchgänge. Der Ort hat einen der schönsten kleinen Häfen Dalmatiens, mit bunten Fischerbooten und der Festung direkt am Wasser. Unterkünfte sind hier tendenziell günstiger als in Vis-Stadt.
Preisrahmen 2026:
- Apartment (2 Personen): 60-120 Euro/Nacht
- Zimmer in Pension/B&B: 50-90 Euro/Nacht
- Hotel (es gibt wenige): ab 120 Euro/Nacht
Buchungsplattformen wie Booking.com haben die meisten Unterkünfte gelistet. Tipp: Manche Tauchbasen bieten Pakete mit Unterkunft und Tauchgängen an – oft günstiger als separate Buchung, besonders für eine Woche.
Eigene Ausrüstung oder leihen?
Beides hat seinen Platz. Ein Überblick:
Eigene Ausrüstung mitbringen lohnt sich, wenn du mehr als fünf Tauchgänge planst und dein Equipment gut passt. Du sparst 15-25 Euro Leihgebühren pro Tauchgang, kennst dein Material und hast keine Überraschungen. Der Nachteil: Transport. Tauchgepäck bedeutet Übergepäck am Flughafen (viele Airlines berechnen 50-80 Euro pro Stück Sondergepäck), schwere Taschen über die Fähre und im Mietwagen. Manche Taucher schicken ihre Ausrüstung per Paketdienst voraus – funktioniert, erfordert aber Planung.
Leihen auf Vis ist unkompliziert. Alle Basen haben vollständige Ausrüstung in verschiedenen Größen, inklusive Computer, Lampen und Neoprenanzüge (5mm oder 7mm, je nach Saison). Die Qualität ist in der Regel gut – keine abgewetzten Uralt-Ausrüstung, sondern gewartetes Material von Markenherstellern. Bring auf jeden Fall deine eigene Maske und deinen eigenen Atemregler mit, wenn du welche hast – die machen den größten Unterschied beim Komfort, und eine schlecht sitzende Maske ruiniert jeden Tauchgang.
Flaschen werden auf der Insel gefüllt. Die Basen haben eigene Kompressoren. Nitrox ist bei den meisten Basen verfügbar (Aufpreis ca. 5-8 Euro pro Füllung). Wer Tec-Tauchgänge plant, sollte die Trimix-Verfügbarkeit vorher klären – nicht jede Basis mischt selbst.
Über und unter Wasser: Vis zwischen den Tauchgängen
Ein Tauchurlaub auf Vis bedeutet nicht, dass du den ganzen Tag unter Wasser bist. Die Oberflächenpause zwischen zwei Tauchgängen dauert mindestens zwei Stunden, und an manchen Tagen ist das Wetter nicht tauchbar. Was dann?
Vis hat überraschend viel zu bieten für eine kleine Insel. Die Altstadt von Vis-Stadt mit ihren venezianischen Häusern, das Archäologische Museum mit Funden aus der griechischen Kolonie Issa (Vis war im 4. Jahrhundert v. Chr. eine der wichtigsten griechischen Siedlungen in der Adria), die britische Festung auf dem Hügel über Komiza mit Panoramablick.
Und die Straßen. Vis ist eine der ruhigsten Inseln Kroatiens, was Verkehr betrifft. Zwischen Vis-Stadt und Komiza führt eine Straße über den Inselrücken, durch Weinberge und Felder, mit Ausblicken auf das offene Meer und die Nachbarinseln. Wer ein Fahrrad mitnimmt oder auf der Insel eines leiht, findet hier fast autofreie Nebenwege, die durch Olivenhaine und an verlassenen Militäranlagen vorbeiführen. Die Steigungen sind moderat, die Distanzen kurz – perfekt für aktive Erholung zwischen den Tauchgängen, ohne die Beine für den nächsten Tag zu zerstören.

Die Strände auf Vis sind klein und oft nur zu Fuß oder per Boot erreichbar. Stiniva, eine Bucht, die durch eine schmale Felsspalte betreten wird, wurde 2016 zum schönsten Strand Europas gewählt. Nicht zum Tauchen, aber zum Schnorcheln und Schwimmen ein Traum. Srebrna, Zaglav und Grandovac sind ruhigere Alternativen, wo du im Hochsommer Platz findest, wenn die Hauptstrände voll sind.
Kulinarisch lebt Vis von Fisch und Wein. Die lokale Spezialität ist Vis-Pogaca – ein herzhafter Kuchen mit Sardinen, Tomaten und Zwiebeln, den du in jeder Bäckerei bekommst. Dazu der lokale Weißwein Vugava, der nur auf Vis angebaut wird und nach Tropenfrüchten und Kräutern schmeckt. Die Konoba Bako in Komiza serviert Hummer direkt aus dem eigenen Fang – nicht billig, aber ein Erlebnis, das zu einem Vis-Urlaub gehört.
Praktische Tipps für deinen Tauchtrip
Buchung: Reservier die Tauchgänge mindestens zwei Wochen vor Anreise, in der Hochsaison einen Monat. Besonders die B-17-Ausfahrten sind limitiert – nicht jede Basis bietet sie an, und die Wetterfenster für 72-Meter-Tauchgänge sind begrenzt.
Versicherung: Eine Tauchunfallversicherung (DAN Europe oder äquivalent) ist auf Vis keine Option, sondern Notwendigkeit. Die nächste Druckkammer steht im Krankenhaus Split – im Notfall wirst du per Schnellboot oder Hubschrauber transportiert, und die Kosten dafür können fünfstellig werden. Jahresbeiträge bei DAN liegen bei 30-60 Euro – das beste Geld, das du als Taucher ausgeben kannst.
Medizinisches: Ein Tauch-Tauglichkeitsattest ist in Kroatien nicht zwingend vorgeschrieben, wird aber von den meisten seriösen Basen verlangt. Bring ein aktuelles mit (nicht älter als ein Jahr). Ärzte auf Vis können ein Attest ausstellen, aber die Wartezeiten sind unberechenbar, und du willst deinen ersten Tauchtag nicht in einer Arztpraxis verbringen.
Geld: Kroatien hat den Euro eingeführt. Kartenzahlung funktioniert bei den meisten Tauchbasen, aber bring etwas Bargeld mit – manche kleinere Unterkünfte und Konobas auf Vis akzeptieren nur Cash.
Mobilfunk: Die Netzabdeckung auf Vis ist gut in den Orten, aber lückenhaft im Inselinneren und natürlich auf dem Wasser. Lade dir Offline-Karten herunter und verlasse dich nicht auf mobile Navigation während der Bootsfahrt.
Weiterführende Tauchinfos für Kroatien
Vis ist das Kronjuwel, aber nicht das einzige Tauchrevier in Kroatien. Wenn du dich für die Wracks der Adria interessierst – von der Baron Gautsch vor Rovinj bis zur Teti vor Pula – findest du alles in unserem Guide zum Wracktauchen in Kroatien. Einen Gesamtüberblick über alle Tauchregionen, von Istrien bis Dubrovnik, bietet unser Tauchen in Kroatien Guide.
Und wenn du nach dem Tauchurlaub auf Vis Lust auf mehr Adria hast: Die Nachbarinsel Hvar ist eine Fähre entfernt, und von dort geht es weiter nach Korcula, Lastovo oder zurück aufs Festland nach Split. Die Kombinationsmöglichkeiten sind einer der großen Vorteile Dalmatiens – du musst dich nicht auf eine Insel beschränken, sondern kannst Inselhüpfen und an jedem Ort andere Tauchplätze erkunden.