Yachtcharter in Kroatien: Der komplette Guide für Segler 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 10 Oct, 2025
Inhalt
Die kroatische Küste hat über 1.200 Inseln, hunderte Häfen und Buchten, und eine Infrastruktur, die auf Segler ausgerichtet ist. Kein Wunder, dass Kroatien eines der beliebtesten Charterreviere der Welt ist – jedes Jahr segeln hier Tausende von Booten, von 30-Fuß-Yachten bis zu Luxuskatamaranen. Wer einmal in einer einsamen Bucht vor Vis geankert hat, während die Sonne hinter den Inseln versinkt, versteht sofort, warum so viele Segler jedes Jahr wiederkommen. Die Kombination aus kristallklarem Wasser, kurzen Distanzen zwischen den Inseln und einer durchdachten Marina-Infrastruktur macht die Adria zu einem Revier, das weltweit seinesgleichen sucht.

Aber Yachtcharter ist komplex. Bareboat oder mit Skipper? Welche Region? Welche Charterfirma? Wie teuer wird das wirklich? Dieser Guide beantwortet die wichtigsten Fragen – für Einsteiger und erfahrene Segler. Wir haben Preise verglichen, Charterverträge durchgelesen und Dutzende Törns analysiert, damit du nicht in typische Fallen tappst.
Welchen Schein brauchst du?
Bevor es an die Buchung geht, die wichtigste Frage: Darfst du überhaupt ein Boot chartern? In Kroatien ist das Thema Segelschein weniger bürokratisch als in Deutschland, aber komplett ohne Nachweis geht es nicht. Für eine Bareboat-Charter benötigst du einen anerkannten Bootsführerschein – der deutsche SKS (Sportküstenschifferschein) wird problemlos akzeptiert, ebenso der österreichische Küstenpatent FB2 und der Schweizer Hochseeausweis. International anerkannt ist außerdem das ICC (International Certificate of Competence), das du bei deinem nationalen Segelverband beantragen kannst.
Die meisten Charterfirmen verlangen zusätzlich einen UKW-Funkschein (SRC), da du für die Kommunikation mit Hafenbehörden und Küstenwache einen Funksprechzeugnis brauchst. Manche drücken ein Auge zu, aber verlasse dich nicht darauf – gerade bei der Einreise in Nationalpark-Gewässer wie die Kornaten kontrolliert die Küstenwache regelmäßig. Was den Seemeilen-Nachweis betrifft: Die großen Charterfirmen verlangen zwischen 300 und 1.000 Seemeilen Erfahrung, je nach Bootsgröße. Für Yachten über 45 Fuß wollen einige Anbieter sogar Referenzen von früheren Chartertörns sehen.
Keinen Schein? Kein Problem – dafür gibt es Skipper-Charter und Flottillen. Aber mehr dazu gleich.
Die Charter-Optionen im Detail
Bareboat Charter – volle Freiheit, volle Verantwortung
Du mietest die Yacht ohne Crew und segelst selbstständig. Die beliebteste Option für erfahrene Segler, und die günstigste pro Kopf. Du bestimmst den Kurs, du wählst die Buchten, du kochst (oder eben nicht). Morgens um sechs losfahren oder bis Mittag in der Bucht treiben – alles deine Entscheidung. Allerdings bist du auch für Navigation, Manöver, Wetterbeurteilung und An- und Ablegemanöver in manchmal vollen Häfen verantwortlich. Ein Bareboat-Törn in der Hochsaison mit einer vollen Marina in Hvar-Stadt kann schweißtreibend werden, wenn du das letzte Mal vor drei Jahren gesegelt bist.
Kosten (Segelyacht 40 Fuß, Hochsaison): 3.000–5.000 €/Woche, je nach Baujahr und Ausstattung. In der Nebensaison (Mai, Oktober) zahlst du oft nur die Hälfte.
Skipper-Charter – Luxus mit Lokalwissen

Du mietest die Yacht mit einem professionellen Skipper, der das Boot führt. Der Skipper kennt die besten Buchten, weiß, wo die Bura gefährlich wird, und bringt dich zu Konobas, die in keinem Reiseführer stehen. Für Familien mit Kindern ist das oft die sinnvollste Wahl, weil du dich aufs Genießen konzentrieren kannst, statt nervös aufs Echolot zu starren. Der Nachteil: Der Skipper schläft an Bord (üblicherweise in der Bugkabine), du verlierst also eine Kabine und ein Stück Privatsphäre. In der Praxis funktioniert das aber besser als befürchtet – gute Skipper sind diskret und ziehen sich abends in die eigene Kabine zurück. Manche gehen sogar an Land essen, wenn sie merken, dass die Gruppe lieber unter sich ist.
Kosten: 150–200 €/Tag für den Skipper, plus Verpflegung. Rechne mit 1.300–1.600 € extra pro Woche.
Katamaran – Platz ohne Ende
Katamarane sind der große Trend im kroatischen Charter. Der Grund ist einfach: Platz. Ein 42-Fuß-Katamaran bietet vier geräumige Doppelkabinen mit eigenen Bädern, einen Salon, der größer ist als manches Hotelzimmer, und ein Cockpit, in dem acht Leute bequem essen können. Dazu kommt die Stabilität – Katamarane krängen nicht, was für seekranke Mitsegler und kleine Kinder ein echtes Argument ist. Die Schattenseite: Katamarane sind deutlich teurer, in engen Häfen schwieriger zu manövrieren, und du spürst das Segeln weniger als auf einer Einrumpfyacht. In manchen Marinas zahlen Katamarane auch 50 % Zuschlag auf die Liegegebühren, weil sie zwei Plätze einnehmen.
Kosten (Katamaran 40–42 Fuß, Hochsaison): 6.000–12.000 €/Woche. Aber aufgeteilt auf 8 Personen relativiert sich der Preis schnell.
Flottillensegeln – perfekt für den Einstieg
Du segelst in einer Gruppe von 5 bis 15 Yachten, geführt von einem Lead-Boot mit erfahrener Crew. Morgens gibt es ein Briefing mit der Route des Tages, tagsüber segelst du eigenständig, abends trifft sich die Flotte im gemeinsamen Hafen. Bei Problemen – Motor springt nicht an, Segeln bergen klappt nicht, Wetter wird kritisch – ist das Lead-Boot per Funk erreichbar und hilft. Für Segeleinsteiger mit Grundschein oder Familien, die sich nicht allein auf die Adria trauen, ist das die ideale Lösung. Der Nachteil ist die eingeschränkte Flexibilität: Alle fahren dieselbe Route, und die gemeinsamen Abende in den Konobas sind zwar gesellig, aber nicht immer das, was man will, wenn man Ruhe sucht.
Kosten: Ähnlich wie Bareboat, manchmal sogar günstiger durch Gruppenrabatte. Zwischen 2.000 und 4.000 €/Woche für eine 35- bis 40-Fuß-Yacht.
Hostess und Koch – der Fünf-Sterne-Faktor
Auf größeren Yachten und Katamaranen kannst du zusätzlich zum Skipper eine Hostess buchen, die kocht, den Tisch deckt, aufräumt und das Boot in Schuss hält. Für eine Woche zahlt man dafür 150–200 €/Tag plus Verpflegung. Wer es noch eine Stufe weiter treiben will, bucht einen Koch: 200–300 €/Tag für professionell zubereitete Mahlzeiten mit lokalen Zutaten, die vom Markt in Split oder Hvar kommen. Das klingt nach Luxus – ist es auch. Aber bei einem Törn mit acht Leuten verteilen sich die Kosten, und statt jeden Abend im teuren Hafenrestaurant zu essen, bekommst du Fünf-Gänge-Menüs bei Sonnenuntergang im Cockpit.
Die besten Charterbasen und Marinas
Split – das Herz des dalmatinischen Reviers

Der größte Charterhafen Kroatiens. Zentrale Lage, einfache Anreise (der Flughafen liegt nur 25 Autominuten entfernt), perfekte Ausgangslage für die Inseln Brač, Hvar und Vis. Drei Marinas stehen zur Wahl: Die ACI Marina Split liegt zentrumsnah und eignet sich für alle, die vorher oder nachher noch die Stadt erkunden wollen – abends vom Boot in den Diokletianpalast spazieren ist ein Erlebnis für sich. Die Marina Kaštela liegt etwas westlich, ist ruhiger, größer und hat mehr Parkplätze für die Anreise mit dem Auto. Die Marina Trogir kombiniert Charterbasis mit historischem Ambiente – du überquerst die Brücke und stehst in einer UNESCO-Altstadt. Alle großen Charterfirmen sind in der Region Split vertreten, die Auswahl an Booten ist entsprechend groß.
Zadar und Biograd – das Tor zu den Kornaten
Im Norden Dalmatiens liegen gleich drei große Charterbasen dicht beieinander. Die D-Marin Zadar ist modern und gut ausgestattet, hat aber weniger Charterfirmen als Biograd. Die Marina Sukošan ist eine der größten Marinas der Adria mit über 1.400 Liegeplätzen und entsprechend viel Infrastruktur. Der eigentliche Charterhotspot der Region ist aber die Marina Biograd – hier haben besonders viele deutsche Anbieter ihre Basis, was Kommunikation und Abwicklung vereinfacht. Von Biograd aus sind die Kornaten in vier bis fünf Stunden erreichbar, und der Naturpark Telašćica liegt praktisch vor der Haustür. Wer die vielleicht schönste Insellandschaft der Adria erleben will, startet hier.
Dubrovnik – Segeln im Süden
Im äußersten Süden, Ausgangspunkt für die Elafiti-Inseln, die Halbinsel Pelješac, Korčula und den Nationalpark Mljet. Die ACI Marina Dubrovnik und die Marina Komolac liegen beide im geschützten Kanal von Gruž, nicht direkt in der Altstadt, aber nur eine kurze Busfahrt entfernt. Das Revier um Dubrovnik ist weniger überlaufen als die Gewässer um Split, die Landschaft ist spektakulär, und die Distanzen zu den Inseln sind kurz. Einziger Nachteil: Die Einweg-Charter-Möglichkeiten sind begrenzt – die meisten Törns führen zurück nach Dubrovnik, weil die nächste Charterbasis erst in Split liegt.
Pula und Istrien – das ruhige Revier
Für Segler, die den Massentourismus der dalmatinischen Küste meiden wollen, bietet Istrien eine entspannte Alternative. Die ACI Marina Pula und die Marina Veruda sind die Hauptbasen, von wo aus du die zerklüftete Westküste Istriens erkundest, zu den Brijuni-Inseln segelst oder einen längeren Törn über die Kvarner-Bucht nach Cres und Lošinj planst. Die Winde sind hier etwas unberechenbarer als in Dalmatien – die Bura kann an der Kvarner-Küste heftig werden – aber die Häfen sind weniger voll, die Liegeplätze günstiger und die Atmosphäre italienisch geprägt: Pasta, Trüffel und Malvasia-Wein statt Ćevapčići.
Charterkosten nach Saison – die ehrliche Kalkulation
Die Charterpreise in Kroatien schwanken enorm je nach Saison. Zwischen Hochsaison im Juli/August und den Randsaisonen im Mai oder Oktober liegt oft Faktor zwei bis drei. Hier die realistischen Preisspannen für 2026:
Bootsmiete pro Woche
| Bootstyp | Vor-/Nachsaison (Mai, Okt) | Mittelsaison (Jun, Sep) | Hochsaison (Jul–Aug) |
|---|---|---|---|
| Segelyacht 35–37 Fuß | 1.200–2.000 € | 2.000–3.000 € | 2.500–4.000 € |
| Segelyacht 40–42 Fuß | 2.000–3.500 € | 3.500–5.000 € | 4.000–6.000 € |
| Segelyacht 45–50 Fuß | 3.500–5.500 € | 5.000–7.500 € | 6.000–10.000 € |
| Katamaran 40–42 Fuß | 3.000–5.000 € | 5.000–8.000 € | 6.000–12.000 € |
| Katamaran 45–50 Fuß | 5.000–8.000 € | 8.000–14.000 € | 10.000–18.000 € |
Zusatzkosten, die gerne vergessen werden
Pflichtkosten, die immer anfallen:
- Kaution: 1.500–5.000 € (zurück bei Rückgabe ohne Schäden)
- Endreinigung: 150–300 €
- Kurtaxe: ca. 10 €/Person
- Transitlog (Schiffspapiere): 30–50 €
Dringend empfohlen:
- Skipperversicherung/Kautionsreduzierung: 50–150 €/Woche (reduziert deine Selbstbeteiligung von z. B. 3.000 € auf 500 €)
- Bettzeug und Handtücher: 15–25 €/Person
- Außenborder fürs Dinghy: 50–100 €/Woche (ohne kommst du nicht an Land, wenn du vor Anker liegst)
Variable Kosten vor Ort:
- Diesel: 200–500 €/Woche (stark abhängig von der Motornutzung)
- Marina-Gebühren: 50–150 €/Nacht (Hvar-Stadt und Dubrovnik am teuersten)
- Bojenfeld/Festmacherbojen: 20–50 €/Nacht
- Ankern in freien Buchten: kostenlos (außer in Schutzgebieten wie den Kornaten – dort 150–250 €/Tag für das Boot)
- Proviant an Bord: 300–500 €/Woche bei Selbstverpflegung
- Restaurants: 30–50 €/Person pro Mahlzeit
Beispielrechnung: 6 Personen, 7 Tage, Hochsaison
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Segelyacht 42 Fuß | 5.000 € |
| Endreinigung | 250 € |
| Bettzeug/Handtücher | 120 € |
| Skipperversicherung | 100 € |
| Transitlog | 40 € |
| Diesel | 300 € |
| Marinas (4 Nächte à 100 €) | 400 € |
| Bojenfelder (2 Nächte) | 80 € |
| Proviant | 400 € |
| Restaurants (5 Abende) | 600 € |
| Gesamt | 7.290 € |
| Pro Person | ~1.215 € |
In der Nebensaison im Mai oder Oktober kannst du denselben Törn für 4.500–5.000 € machen – unter 850 € pro Person. Das ist günstiger als eine Woche Pauschalhotel.
Proviantierung – so verpflegst du die Crew

Ein unterschätztes Thema, das über Stimmung an Bord entscheiden kann. Grundsätzlich gibt es drei Strategien: Selbstverpflegung mit Großeinkauf vor dem Törn, Mischung aus Kochen und Restaurantbesuchen, oder komplett auswärts essen. Die meisten Crews fahren mit Option zwei am besten.
Für den Großeinkauf eignen sich die Supermärkte in der Nähe der Marinas – in Split gibt es einen Konzum und einen Lidl in Laufweite der Marina Kaštela, in Biograd findest du einen Plodine direkt hinter der Marina. Kauf Grundvorräte für die ganze Woche: Nudeln, Reis, Olivenöl, Gewürze, Kaffee, Wasser in 5-Liter-Kanistern (die 1,5-Liter-Flaschen sind auf dem Boot unpraktisch), haltbare Lebensmittel und genug Getränke. Frisches Obst, Gemüse, Brot und Fisch kaufst du unterwegs auf den Inseln – in Vis-Stadt gibt es einen kleinen Markt, in Hvar-Stadt einen größeren, und frischen Fisch bekommst du manchmal direkt von Fischern am Kai.
Plane pro Person und Tag mit etwa 15–20 € für Selbstverpflegung. Wichtig: Stauraum auf einer Segelyacht ist begrenzt. Eine Kühlbox als Ergänzung zum Bootskühlschrank kann Gold wert sein, besonders bei Hochsommertemperaturen. Und noch ein Tipp aus der Praxis: Klär vor dem Törn, wer kocht und wer abwäscht. Auf engstem Raum eine Woche zusammenleben ist großartig – aber nur, wenn die Aufgabenverteilung stimmt.
Die drei Traumrouten – wohin soll der Törn gehen?
Route 1: Split – Brač – Hvar – Vis (7 Tage)
Der Klassiker. Von der Marina Kaštela oder Trogir segelst du zunächst nach Milna auf Brač – ein ruhiger Einstieg von etwa 15 Seemeilen, perfekt zum Eingewöhnen. Am zweiten Tag geht es weiter nach Palmižana bei den Pakleni-Inseln, wo du in einer der schönsten Buchten der Adria ankerst. Von dort ist Hvar-Stadt einen kurzen Schlag entfernt, aber Palmižana selbst lohnt einen ganzen Tag: Restaurants zwischen Pinien, Galerien, türkises Wasser.
Die nächsten Tage gehören Vis – erst Komiža an der Westseite, ein verschlafenes Fischerdorf mit der besten Konoba der Insel (Konoba Bako, Hummer direkt aus dem Meer), dann Vis-Stadt mit seinen österreichisch-ungarischen Villen und dem lebhaften Hafen. Wer die Stiniva-Bucht sehen will, ankert an der Südseite und paddelt mit dem Dinghy hinein. Über Hvar-Stadt (einen Abend für die Festung Fortica einplanen) und Bol auf Brač (Zlatni Rat sehen, aber nicht baden – zu voll) geht es zurück zur Basis.
Route 2: Biograd – Kornaten – Dugi Otok (7 Tage)

Für viele die schönere Route, weil die Kornaten ein Revier sind, das es so nirgendwo anders gibt: 89 Inseln, die meisten unbewohnt, karg, von Wind und Salz geformt, mit Steilklippen, die 80 Meter ins Meer abfallen. Von Biograd segelst du über Žut und Kornat – auf beiden Inseln gibt es einfache Konobas, die ausschließlich Segler versorgen. Die Bucht von Lavra auf Kornat ist ein Ankererlebnis, das du nicht vergisst: allein vor einer kahlen Insel, nur das Plätschern des Wassers.
Über den Naturpark Telašćica mit seinem Salzsee und den Klippen erreichst du Dugi Otok – Sali ist ein authentischer Fischerort mit hervorragenden Restaurants, und die Bucht Sakarun an der Nordwestseite hat einen der wenigen Sandstrände der Adria. Zurück geht es über die Außenseite der Kornaten, wo die Klippen besonders dramatisch sind. Achtung: Die Kornaten sind Nationalpark, die Gebühren für Ankerplätze und Bojenfelder sind nicht günstig (rechne mit 150–250 €/Tag je nach Bootsgröße), aber sie sind es wert.
Route 3: Dubrovnik – Elafiti – Korčula – Mljet (7 Tage)
Die südlichste Route, und vielleicht die abwechslungsreichste. Von Dubrovnik segelst du zuerst zu den Elafiti-Inseln – Koločep, Lopud, Šipan – drei kleine Inseln, die autofreie Ruhe bieten. Lopud hat einen Sandstrand (Šunj Beach), der nur zu Fuß oder per Boot erreichbar ist. Weiter geht es nach Korčula, eine Miniatur-Dubrovnik auf einer eigenen Insel, mit fischgrätenartigem Gassenmuster und dem angeblichen Geburtshaus von Marco Polo. Von Korčula ist es ein kurzer Schlag nach Mljet, dem grünsten Eiland der Adria, mit zwei Salzseen und einem Benediktinerkloster auf einer Insel im See.
Die Rückfahrt führt über Pelješac – wer mag, legt in Viganj an (Kitesurfer-Hotspot) oder in der winzigen Hafenstadt Korčula-Lumbarda, wo der Grk-Weißwein ausschließlich angebaut wird. Für Radfahrer auf dem Wasser ein Tipp: Wer im Gebiet rund um Ston anlegt, kann sich Räder leihen und die Mauern-und-Salz-Route (33 km) fahren – eine Gravel-Tour entlang der berühmten Stadtmauern von Ston durch Salzgärten und Austernbänke, bevor es abends zurück an Bord geht.
Bonustipp: Istrien-Kvarner-Rundtörn (10–14 Tage)
Wer mehr Zeit hat, startet in Pula und segelt entlang der istrischen Westküste nach Norden – Rovinj (Pflichtankerung vor der Altstadt), Poreč, Novigrad – dann über die Kvarner-Bucht nach Cres. Die Bucht unter Lubenice auf Cres ist legendär: 378 Stufen führen vom Dorf hinunter zum Strand, aber vom Wasser aus ankerst du einfach vor den Klippen. Über Lošinj, die “Insel der Vitalität” mit Delfinsichtungen, und Krk geht es zurück nach Pula. Dieser Törn braucht mindestens zehn Tage und ist windtechnisch anspruchsvoller als Dalmatien, bietet dafür aber weniger Touristenboote und eine ganz andere Landschaft.
Der Buchungsprozess – so vermeidest du Fehler
Wann buchen?
Hochsaison (Juli–August): 6 bis 12 Monate vorher. Beliebte Boote und Katamarane sind im Januar für den Sommer bereits weg. Wer im Februar für August bucht, bekommt oft nur noch ältere Boote oder die teureren Modelle.
Mittelsaison (Juni, September): 3 bis 6 Monate vorher reicht meistens. Die Auswahl ist besser, die Preise 20–40 % niedriger als in der Hochsaison, und das Wetter ist oft genauso gut – im September ist das Meer sogar wärmer als im Juni.
Nebensaison (Mai, Oktober): Auch kurzfristig möglich. Risiko: Wetterumschwünge und kürzere Tage. Belohnung: leere Buchten, halbe Preise, die besten Konobas nur für dich.
Was prüfen vor der Buchung?
Das Boot genau ansehen:
- Baujahr: Boote ab 2020 haben in der Regel weniger technische Probleme. Ein 2016er-Modell kann top sein, muss aber nicht.
- Bewertungen auf Google, Trustpilot und Segelportalen wie Yachtcheck – ignoriere Fünf-Sterne-Bewertungen ohne Text, lies die Dreier.
- Ausrüstung: Lazy Jacks, elektrische Winschen und ein Bimini sind kein Luxus, sondern machen den Törn spürbar angenehmer. Bugstrahlruder bei Katamaranen ist fast Pflicht.
- Kabinenlayout: Passt es zu eurer Gruppe? Zwei Paare brauchen ein anderes Layout als eine Familie mit Teenagern.
Die Charterfirma hinterfragen:
- Check-in/Check-out-Zeiten: Samstag 17 Uhr rein, Freitag 16 Uhr raus ist Standard, aber manche Firmen bieten flexiblere Zeiten.
- Stornobedingungen: Bei Covid haben viele Firmen die Bedingungen verschärft – lies das Kleingedruckte.
- Erreichbarkeit bei Problemen: Hat die Firma eine 24-Stunden-Hotline? Was passiert, wenn der Motor auf See ausfällt?
Der Chartervertrag – lies ihn wirklich
Nicht nur überfliegen. Drei Punkte, auf die es ankommt: Erstens die Kaution – wie hoch ist sie, wann bekommst du sie zurück, und was zählt als “Schaden”? Kratzer im Gelcoat, die vor dir schon da waren, solltest du bei der Übernahme fotografieren. Zweitens die Selbstbeteiligung – bei den meisten Verträgen liegt sie bei 1.500–5.000 €, was bedeutet, dass du bei einem Grundberührungs-Schaden schnell 3.000 € los bist. Die Skipperversicherung für 100–150 € pro Woche reduziert das auf 200–500 € und ist fast immer das Geld wert. Drittens die Stornobedingungen – bei Storno 30 Tage vorher verlierst du bei den meisten Firmen 50 %, innerhalb von 14 Tagen 100 %. Eine Reiserücktrittsversicherung mit Charterbaustein kann sich lohnen.
Die Übernahme – der erste Tag an Bord
Check-in richtig machen
Die Übernahme dauert ein bis drei Stunden, je nach Firma und Bootsgröße. Ein Basenmitarbeiter geht mit dir das komplette Boot durch: Motor starten und stoppen, Segel setzen und bergen, Elektrik, Wasseranlage, Gasanlage, Sicherheitsausrüstung (Rettungswesten, Feuerlöscher, Signalmittel). Nimm dir Zeit für diesen Prozess und stelle Fragen – wie funktioniert der Anker genau bei diesem Boot? Wo ist der Seewasserhahn? Wie bedienst du das Kartenplotter?
Ganz wichtig: Prüfe das Inventar gegen die Liste und dokumentiere jeden vorhandenen Schaden mit Fotos, bevor du den Übernahmevertrag unterschreibst. Ein Kratzer am Rumpf, der nicht dokumentiert ist, wird bei der Rückgabe dir angelastet. Profi-Tipp: Reise einen Tag früher an, übernachte auf der Marina, und mach die Übernahme am nächsten Morgen in Ruhe. Direkt nach der Übernahme loszusegeln ist der häufigste Fehler – du bist müde von der Anreise, kennst das Boot nicht, und der erste Hafen ist in der Dunkelheit kein Spaß.
Check-out ohne Drama
Boot sauber und aufgeräumt, Tanks voll (Diesel und Wasser), pünktlich am Steg. Die Inventur mit dem Basenmitarbeiter geht schneller, wenn alles an seinem Platz ist. Kaution-Rückgabe dauert manchmal einige Tage – bei Kreditkartenzahlung wird der Betrag oft erst nach ein bis zwei Wochen freigegeben.
Wetter und Törnplanung
Die Winde verstehen

Maestral: Der thermische Nordwestwind, der nachmittags zwischen 11 und 14 Uhr einsetzt und bis zum Abend auf 10–20 Knoten aufbaut. Im Sommer zuverlässig, perfekt zum Segeln, und er legt sich rechtzeitig zum Ankern in der Bucht. Auf den Maestral kannst du deine Törnplanung aufbauen – morgens motoren, nachmittags segeln.
Bura: Der gefährliche kalte Nordostwind, der von den Bergen herabfällt und in Böen 40+ Knoten erreichen kann. Im Sommer selten, aber wenn sie kommt, bleibst du im Hafen. Besonders tückisch an der Kvarner-Küste und im Velebit-Kanal. Die Bura-Warnung heißt auf Kroatisch “olujno nevrijeme” – wenn du das im Wetterbericht hörst oder auf deiner Wetter-App siehst, plane um.
Jugo (Scirocco): Warmer Südostwind, der Schwell und Regen bringt. Gut vorhersagbar – der Aufbau dauert ein bis zwei Tage – aber unangenehm, besonders vor Anker. Offene Buchten nach Süden meiden, geschützte Häfen ansteuern.
Tägliche Wettercheck-Routine: morgens Windy und Windguru prüfen, UKW-Kanal 67 und 73 für den kroatischen Seewetterbericht abhören, und im Hafen die Aushänge der Hafenkapitanerie lesen.
Distanzen realistisch planen
Rechne mit 5 bis 6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit unter Segel, 6 bis 7 Knoten unter Motor. Pro Tag sind 20 bis 40 Seemeilen realistisch, wenn du auch ankommen und genießen willst. Einen 50-Meilen-Tag einzuplanen klingt machbar, aber mit Aufklaren, Kochen, Baden und den Anlegemanövern in der Marina bleibt wenig Zeit zum Entspannen. Die schönsten Törns sind die, bei denen du mittags schon in der Bucht liegst.
Die besten Charterfirmen
Internationale Anbieter
Sunsail – weltweit operierend, große Flotte, professionelles Management. Basen in Split, Dubrovnik und Biograd. Guter Service, aber höhere Preise.
The Moorings – Premium-Anbieter mit oft neueren Booten und exzellentem Kundenservice. Basen in Split und Dubrovnik. Ideal für anspruchsvolle Segler, die bereit sind, mehr zu zahlen.
Dream Yacht Charter – große Flotte mit vielen Bootstypen. Basen in Split und Biograd. Preis-Leistung stimmt meistens.
Lokale Anbieter
Nava Charter (Biograd) – kroatischer Anbieter mit persönlichem Service, oft 10–20 % günstiger als die internationalen Firmen. Gute Boote, familiäre Atmosphäre.
Ultra Sailing (Split) – Fokus auf Luxusyachten und Katamarane. Wenn du das Beste willst, bist du hier richtig.
Vermittlungsplattformen
Click & Boat und SamBoat – Peer-to-peer-Plattformen, auf denen auch private Bootsbesitzer ihre Yachten anbieten. Manchmal echte Schnäppchen, aber genau auf Bewertungen und Vertragsbedingungen achten.
Master Yachting – deutscher Vermittler mit gutem Kundenservice auf Deutsch. Für alle, die die Buchung lieber mit einem deutschen Ansprechpartner abwickeln.
Das Wichtigste auf einen Blick
Yachtcharter in Kroatien ist ein Traum – aber einer, der Vorbereitung braucht. Die Kosten sind höher als die reine Chartermiete vermuten lässt (rechne ALLE Extras ein, vor allem Kornaten-Gebühren und Marina-Kosten), die Buchung sollte für die Hochsaison mindestens ein halbes Jahr vorher erfolgen, und die Qualität der Boote variiert stark – auch innerhalb derselben Charterfirma.
Für Einsteiger empfehlen wir Flottillensegeln oder einen Skipper-Charter: Du lernst das Revier kennen, ohne den Druck der vollen Verantwortung. Erfahrene Segler greifen zum Bareboat, sollten aber realistisch planen – nicht zu viele Meilen pro Tag, nicht zu viele Häfen in einer Woche. Wer mit einer größeren Gruppe unterwegs ist, spart mit einem Katamaran pro Kopf oft Geld und gewinnt enormen Platzkomfort.
Die Belohnung für gute Planung: Buchten, die nur vom Wasser erreichbar sind. Abende vor Anker, bei denen die einzigen Geräusche Grillen und Wellenplätschern sind. Frischer Fisch in Konobas, die keine Straße haben, nur eine Mole. Die kroatische Adria ist dafür gemacht.
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