Bikepacking in Kroatien: Mehrtagestouren mit Zelt, Taschen und Abenteuer (2026)
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- 08 Mar, 2026
Inhalt
Bikepacking in Kroatien ist anders als in den Alpen. Weniger Pässe, mehr Hitze. Weniger Campingplätze, mehr Wildcamping-Möglichkeiten. Weniger andere Bikepacker, mehr Einsamkeit. Wer das sucht, findet hier ein Terrain, das in Europa seinesgleichen sucht. Und während die Routen in Skandinavien oder Schottland mittlerweile auf Instagram durchgehypt werden, ist die kroatische Küste unter Bikepackern noch erstaunlich unentdeckt – obwohl sie alles bietet, was das Herz begehrt: türkises Meer, karge Karstlandschaften, einsame Schotterpisten und Konobas, in denen ein komplettes Mittagessen weniger kostet als ein Energieriegel im Bikeladen.

Warum Kroatien fürs Bikepacking?
Die Argumente sind stark, und sie gehen über das Offensichtliche hinaus. Kroatien ist kein Land, das man als erstes mit Bikepacking verbindet – Norwegen, Island, die Pyrenäen kommen den meisten zuerst in den Sinn. Aber genau das ist der Vorteil: weniger Konkurrenz auf den Trails, mehr authentische Begegnungen und ein Land, das sich Bikepackern gegenüber erstaunlich offen zeigt.
Klima: Von April bis Oktober zuverlässig trocken. Nachts selten unter 15°C im Sommer – leichtes Gepäck reicht. Die Bora (Nordwind) kann an der Küste zwischen Senj und Zadar heftig blasen, aber sie kommt meist aus vorhersagbarer Richtung und ist in der Regel nach 2-3 Tagen vorbei. Wer von Norden nach Süden fährt, hat sie im Rücken – ein weiteres Argument für diese Richtung.
Topographie: Die Küste ist hügelig, aber keine Hochgebirgspässe. Das Hinterland bietet Herausforderung ohne Extremismus. Die höchsten Punkte auf der Küstenroute liegen bei 300-400 Höhenmetern, im Hinterland bei maximal 1.000 m (Vratnik-Pass). Das ist anstrengend mit Gepäck, aber machbar für jeden mit Grundfitness.
Wildcampen: Offiziell verboten, praktisch toleriert – solange du diskret bist und keine Spuren hinterlässt. In über zehn Jahren Bikepacking-Berichten aus Kroatien gibt es kaum Fälle, in denen Wildcamper tatsächlich Probleme bekamen.
Infrastruktur: Alle 20-30 km ein Dorf mit Laden und Konoba. Trinkwasser an Dorfbrunnen fast überall. Das ist der Sweet Spot: genug Zivilisation, um nicht drei Tagesrationen schleppen zu müssen, aber wenig genug, um sich abseits der Welt zu fühlen.
Landschaft: Die Kombination aus Küste, Karst und Bergen auf engstem Raum. An einem Tag vom Meer in die Berge und zurück. Kaum ein anderes Mittelmeerland bietet diese Verdichtung von Landschaftstypen auf so kleinem Raum.
GPS-Tracks und Routenplanung
Ohne GPS-Tracks ins kroatische Hinterland zu fahren ist mutig, aber nicht klug. Die Beschilderung abseits der Hauptstraßen ist dünn, und Google Maps kennt viele Schotterwege schlicht nicht. Hier die wichtigsten Quellen für GPS-Daten:
bikepacking.com bietet den kostenlosen GPX-Track der Adriatic Crest Route (613 km, 10.000+ Höhenmeter) – die wohl bekannteste Bikepacking-Route Kroatiens, die von Istrien durch den Učka-Nationalpark, über die Inseln Cres und Krk und durch das Velebit-Gebirge bis nach Split führt. Der Track ist detailliert und enthält Hinweise zu Wasserquellen und Übernachtungsoptionen.
Komoot hat eine wachsende Community in Kroatien, und viele Bikepacker laden ihre Tracks hoch. Die Suchfunktion nach “Bikepacking Kroatien” oder “Bikepacking Croatia” liefert dutzende verifizierte Routen mit Fotos und Kommentaren. Premium-Mitglieder können Tracks auch offline nutzen – bei den Mobilfunklücken im Hinterland essentiell.
Wikiloc ist in Kroatien stärker verbreitet als in DACH-Ländern. Besonders für Schotterpisten und MTB-Trails im Hinterland gibt es hier Tracks, die auf keiner anderen Plattform auftauchen.
ridescouts bietet GPX-Tracks für einzelne Tagesetappen, die sich gut als Teilstücke in eine Bikepacking-Tour einbauen lassen – zum Beispiel die Route der wilden Horizonte (45 km) durchs Velebit-Hinterland oder die Vom Gacka-Tal zur Adria (45 km) mit spektakulärem Abstieg zur Küste.
Tipp: Lade alle Tracks vorher herunter und speichere sie offline auf deinem Gerät. Im Velebit-Hinterland und in Teilen der Lika gibt es Funklöcher, die mehrere Stunden dauern können.
Die große Küstenroute: Von Istrien nach Dubrovnik
Die klassische Route. Rund 700 km entlang der Adriaküste, von der slowenischen Grenze bis zur montenegrinischen. Je nach Fitness und Sightseeing-Bedarf: 7-14 Tage.

Etappe 1: Umag – Pula (3 Tage, 160 km)
Tag 1: Umag – Poreč (45 km) Start an der slowenischen Grenze. Die Westküste Istriens ist flach und touristisch, aber die Parenzana-Trasse (alte Bahnlinie) bietet Abwechslung vom Küstenasphalt. Übernachtung: Campingplatz Zelena Laguna bei Poreč (ab ca. 15 € pro Person mit Zelt) oder ein ruhiger Strandabschnitt nördlich der Stadt.
Tag 2: Poreč – Rovinj – Bale (50 km) Der schönste Abschnitt Istriens. Rovinj zum Frühstück, dann ins Hinterland nach Bale. Das Dorf hat eine Bar, einen Laden und die perfekte Bikepacking-Atmosphäre: verschlafen, günstig, authentisch. Wer hier einen Tag Pause einlegt und die istrischen Weinberge per Rad erkundet, bereut es nicht.
Tag 3: Bale – Pula (35 km) Kürzere Etappe, Zeit für Pula. Amphitheater, Hafen, Strand Ambrela. Übernachtung: Kap Kamenjak (Naturschutzgebiet, offiziell kein Camping, aber viele machen es trotzdem – früh kommen, diskret sein, früh gehen).
Etappe 2: Pula – Rijeka (2 Tage, 100 km)
Tag 4: Pula – Rabac – Labin (55 km) Die Ostküste Istriens ist weniger touristisch, aber nicht weniger schön. Rabac zum Baden, dann der Anstieg nach Labin (300 hm). Das Künstlerdorf hat Charakter. Übernachtung: Campingplatz Oliva bei Rabac (ca. 18-22 € für Zelt und Person) oder Pension in Labin.
Tag 5: Labin – Rijeka (45 km) Hügeliges Finale durch das istrische Hinterland, dann Abstieg nach Rijeka. Die Stadt ist rau, aber hat alles, was man braucht: Bike-Shops, Läden, Fähren auf die Inseln. In Rijeka findest du mit Bike Shop Rijeka am Korzo und Ciklus im Stadtteil Trsat zwei Werkstätten, die auch Bikepacking-typische Probleme lösen können – Speichen ersetzen, Schaltauge richten, Tubeless neu abdichten. Ersatzteile bestellen dauert in der Regel 2-3 Tage.
Etappe 3: Rijeka – Senj (2 Tage, 90 km)
Hier wird es ernst. Die Magistrala (Küstenstraße) ist schmal, der Verkehr dichter. Aber: Das Velebit-Gebirge taucht am Horizont auf – der wildeste Abschnitt kommt.
Tag 6: Rijeka – Novi Vinodolski (45 km) Touristisch, aber notwendig. Die Riviera von Crikvenica ist klassischer Adriaurlaub. Übernachtung: Campingplatz Glavotok oder einer der zahlreichen kleinen Plätze entlang der Küste (12-18 € pro Nacht mit Zelt).
Tag 7: Novi Vinodolski – Senj (45 km) Die Landschaft wird karger, die Dörfer seltener. Senj ist ein windgepeitschter Ort unter den Velebit-Klippen. Die Festung Nehaj überblickt alles. Übernachtung: Pension oder Wildcampen südlich der Stadt. Vorsicht: Die Bora kann in Senj Orkanstärke erreichen – Zelt gut abspannen oder auf eine Pension ausweichen.
Etappe 4: Senj – Zadar (3 Tage, 180 km)
Der einsamste Abschnitt. Die Küste unter dem Velebit ist dünn besiedelt. Hier merkst du, dass du in Europa bist und trotzdem etwas Wildes erlebst.

Tag 8: Senj – Jablanac (50 km) Kleine Dörfer, große Ausblicke. Jablanac ist ein Fährhafen zur Insel Rab und sonst nicht viel. Genau richtig. Übernachtung: Strand, verlassene Buchten. Wichtig: Auf diesem Abschnitt gibt es kaum Einkaufsmöglichkeiten – Vorräte in Senj auffüllen!
Tag 9: Jablanac – Starigrad-Paklenica (60 km) Der Nationalpark Paklenica taucht auf. Kletterer, Wanderer, beeindruckende Schluchten. Camping National Park (direkt am Parkeingang) ist einer der besten Campingplätze für Bikepacker in Kroatien: schattige Stellplätze unter Pinien, saubere Sanitäranlagen, kleiner Laden, ab ca. 12 € pro Person.
Tag 10: Starigrad – Zadar (70 km) Flacher werdend, touristischer. Zadar ist der erste größere Ort seit Rijeka. Zeit für Ruhetag, Bike-Check, Nachschub. In Zadar gibt es mit Bike Zadar (Ulica Ivana Mažuranića) einen gut sortierten Fahrradladen, der auch Reparaturen macht. Ersatzschläuche, Bremsbeläge und Ketten sind in der Regel vorrätig.
Etappe 5: Zadar – Split (4 Tage, 200 km)
Zurück in die Zivilisation. Die Küste wird belebter, aber auch interessanter.
Tag 11: Zadar – Biograd (30 km) Kurze Etappe zum Akklimatisieren. Biograd ist ein praktischer Ort: Supermärkte, Fahrradladen, Fährverbindung zu den Inseln.
Tag 12: Biograd – Šibenik (50 km) Schöne Küstenstraße, Šibenik mit seiner Kathedrale (UNESCO). Übernachtung: Campingplatz Solaris (großer, gut ausgestatteter Platz mit Pool, ca. 20-28 € je nach Saison) oder günstigere Alternativen in Brodarica südlich der Stadt.
Tag 13: Šibenik – Primošten – Trogir (60 km) Trogir ist ein Höhepunkt: mittelalterliche Inselstadt, UNESCO-Welterbe, lebhaft aber nicht überlaufen. Übernachtung: Campingplatz Seget (15-20 €, direkt am Meer, fußläufig nach Trogir).
Tag 14: Trogir – Split (25 km) Finale in der zweitgrößten Stadt Kroatiens. Diokletianspalast, Hafen, Fähren überallhin. Zeit für Ruhetag. In Split gibt es die beste Fahrradzinfrastruktur der Küste: Bike Split (Ulica Slobode), Ciclo nahe dem Stadthafen und Bike Rental Croatia mit Werkstatt – alle können Bikepacking-Räder warten. Campingplatz Stobreč östlich der Stadt ist perfekt: direkt am Meer, Busverbindung ins Zentrum, ab ca. 16 € mit Zelt.
Etappe 6: Split – Dubrovnik (4-5 Tage, 220 km)
Der Abschluss. Die Küste wird dramatischer, die Anstiege länger.

Tag 15: Split – Omiš – Makarska (60 km) Spektakulär. Die Cetina-Mündung bei Omiš, dann die Makarska Riviera unter dem Biokovo-Gebirge. Übernachtung: Strand oder Campingplatz Riviera bei Makarska (ab 14 €). Wer die Gegend um Omiš mit dem Rad richtig kennenlernen will, findet mit der Hinter der Küste Route (68 km) eine fantastische Tagesetappe durch die Cetina-Schlucht.
Tag 16: Makarska – Ploče (55 km) Fortsetzung entlang der Riviera, dann die Neretva-Ebene. Flacher Abschnitt zwischen den Bergen. Die Neretva-Ebene ist überraschend grün – Mandarinenplantagen, Bewässerungskanäle, ein Kontrast zum kargen Karst.
Tag 17: Ploče – Ston (45 km) Die Halbinsel Pelješac beginnt. Ston mit seinen Mauern und Austernfarmen ist ein Highlight. Übernachtung: Campingplatz Prapratno (ruhig, schattig, kleiner Strand, ca. 14-18 €) oder Pension in Ston. Ein Teller frischer Austern direkt aus der Farm kostet hier 8-10 € – das muss man sich nach zwei Wochen auf dem Rad gönnen.
Tag 18/19: Ston – Dubrovnik (60 km) Über Pelješac, dann der neue Pelješac-Tunnel (Brücke umgehen, Radfahrer nicht zugelassen auf der Pelješac-Brücke – lokale Umfahrung über die alte Küstenstraße nehmen). Finale in Dubrovnik.
Alternative: Die Hinterlandroute
Wer die Touristenküste meiden will, fährt durchs Hinterland. Einsamer, bergiger, wilder. Hier brauchst du mehr Selbstversorgung, mehr Wasserkapazität und eine höhere Toleranz für Einsamkeit – aber die Belohnung ist ein Kroatien, das kaum ein Tourist je sieht.
Lika-Durchquerung (4 Tage)
Von Senj ins Landesinnere, durch die Region Lika, vorbei an den Plitvicer Seen, zurück zur Küste bei Zadar. Die Straßen im Hinterland sind oft leer – manchmal fährt man eine Stunde ohne ein einziges Auto zu sehen. Dafür begegnet man Schäfern, die ihre Herden über die Karstwiesen treiben, und findet Bergquellen, an denen man die Flaschen auffüllen kann.
Die Route der wilden Horizonte (45 km) gibt einen Vorgeschmack auf das Terrain: Karstlandschaften, verlassene Dörfer, absolute Einsamkeit. Wer dann noch weiter ins Landesinnere will, bietet sich die Im Land Teslas Route (85 km) an – vorbei an Nikola Teslas Geburtshaus in Smiljan, durch weite Hochebenen und lichte Wälder.
Herausforderung: Wenig Infrastruktur. Vorräte für 1-2 Tage mitnehmen. Wasser an Bergquellen (prüfen, ob trinkbar). Mobilfunkempfang ist in der Lika lückenhaft – informiere jemanden über deine Route, bevor du losfährst.
Velebit-Umrundung (5-7 Tage)
Die ultimative Bikepacking-Herausforderung in Kroatien. Rund ums Velebit-Gebirge, von der Küste ins Hinterland und zurück. Das Velebit ist das längste Gebirge Kroatiens (145 km) und eines der wildesten. Bären, Wölfe und Luchse leben hier – du wirst sie kaum sehen, aber ihre Existenz gibt der Tour eine besondere Würze.
Tag 1-2: Senj – Otočac über den Vratnik-Pass (927 m) – der härteste Anstieg der Tour Tag 3-4: Durch die Lika, vorbei an Teslas Geburtshaus in Smiljan Tag 5-6: Gacka-Tal zur Küste (die Vom Gacka-Tal zur Adria Route ist ein Teilstück – 45 km mit spektakulärem Abstieg) Tag 7: Zurück nach Senj
Ausrüstung fürs Bikepacking in Kroatien
Die Bedingungen erlauben leichtes Gepäck. Kroatien im Sommer ist kein Ort für Daunen-Schlafsäcke und Vierjahreszeiten-Zelte. Je leichter du packst, desto mehr Spaß hast du in den Hügeln.

Schlafsystem
Zelt: Leichtes 1-2-Personen-Zelt reicht. Kein Winterzelt nötig – die Temperaturen fallen selten unter 10°C. Einwandiges Zelt funktioniert im trockenen Klima. Bewährt haben sich das MSR Hubba Hubba oder das Naturehike Cloud-Up – letzteres ist deutlich günstiger und wiegt unter 1,5 kg.
Schlafsack: Komfortbereich 10-15°C reicht für Sommer. Im Frühling/Herbst etwas wärmer. Kunstfaser trocknet schneller als Daune und ist bei den kurzen Regenschauern im Frühling die sicherere Wahl.
Isomatte: Leichte aufblasbare Matte. Boden ist oft steinig – R-Wert 2-3 reicht, aber die Matte muss robust gegen spitze Karststeinsplitter sein.
Taschen-Setup
Klassisches Bikepacking-Setup:
- Satteltasche: Schlafsystem (8-14 Liter)
- Rahmentasche: Werkzeug, Kleinkram, Reiseapotheke
- Lenkertasche: Zelt, Kleidung (8-12 Liter)
- Oberrohrtasche: Snacks, Handy, Geld, Sonnencreme
Panniers (Gepäckträger-Taschen) funktionieren auch, sind aber schwerer und beeinträchtigen das Handling auf Schotter. Für die reine Küstenroute auf Asphalt sind sie okay, fürs Hinterland auf Gravel eher hinderlich.
Wasser und Kocher
Wasser: 3-4 Liter Kapazität für Hinterlandetappen. 2 Liter reichen an der Küste. An heißen Sommertagen verbrauchst du locker 4-5 Liter – rechne großzügig.
Kocher: Gaskocher mit Schraubkartusche. Kartuschen in jedem größeren Supermarkt (Konzum, Plodine, Lidl) und in Baumärkten (Bauhaus, Pevex). Stechkartuschen sind seltener, Schraubkartuschen (EN 417) dagegen überall verfügbar.
Wasserfilter: Nicht zwingend nötig, aber praktisch für Bergquellen. Die meisten Dorfbrunnen (česma) haben Trinkwasser. Ein Sawyer Squeeze oder Katadyn BeFree wiegt unter 100 Gramm und gibt Sicherheit bei unbekannten Quellen.
Fahrrad und Werkzeug
Gravel-Bike ideal: Bereifung für Schotter, Geometrie für lange Distanzen. Hardtail-MTB funktioniert, ist aber auf Asphalt träge. Trekkingrad geht, aber Schotterpassagen werden mühsam.
Reifen: 38-45 mm Breite. Schlauchlos (Tubeless) empfohlen – weniger Pannen auf den scharfen Karststeinen. Pack trotzdem einen Ersatzschlauch und Tubeless-Flickzeug ein – ein Sidewall-Cut im Hinterland ohne Ersatzschlauch ist ein echtes Problem.
Werkzeug-Minimum: Multi-Tool mit Kettennieter, Reifenheber, Ersatzschlauch, Tubeless-Stopfen, Mini-Pumpe oder CO2-Patronen, Ersatz-Schaltauge (passt nur modellspezifisch!), Speichennippelschlüssel, Kettenglied, Flickzeug. Die scharfen Karststeine sind der größte Feind deiner Reifen – Dornenpannen kommen regelmäßig vor, besonders auf den Schotterpisten im Hinterland.
Fahrrad-Transport: Bus, Bahn und Fähre
Nicht jede Etappe muss gefahren werden. Manchmal willst du einen Abschnitt abkürzen, zum Startpunkt zurückkommen oder nach einer Panne in die nächste Stadt. Hier die Optionen:
Bus: Kroatien hat über 40 verschiedene Busunternehmen, und jedes hat eigene Regeln zur Fahrradmitnahme. Die ehrliche Antwort: Es ist ein Glücksspiel. Außerhalb der Sommersaison (September bis Juni) nimmt fast jeder Bus dein Rad mit, wenn Platz im Gepäckraum ist – Aufpreis ca. 3-5 €. Im Juli und August verweigern viele Unternehmen den Transport oder können keinen Platz garantieren. Strategie: An den Busbahnhof gehen, den Fahrer direkt fragen, freundlich sein. Oft klappt es. Rad-Verpackung (Karton oder Radtasche) erhöht die Chancen deutlich.
Bahn: Die kroatische Bahn (HŽ) transportiert Fahrräder in speziellen Waggons für 1,99 €. Allerdings ist das Streckennetz begrenzt – die Küste hat keine Bahnlinie. Nützlich ist die Verbindung Zagreb–Split (6 Stunden) und Zagreb–Rijeka (4 Stunden), falls du vom Inland an die Küste willst.
Fähre: Jadrolinija-Fähren nehmen Fahrräder problemlos mit. Aufpreis minimal (3-5 €). Das gilt für alle Insel-Fähren und die Küstenlinie. Besonders nützlich: die Schnellfähre Split–Dubrovnik, falls du den südlichsten Abschnitt abkürzen willst.
Flixbus: Nimmt auf internationalen Strecken Fahrräder mit (9 € Aufpreis, vorher online buchen). Praktisch für die Anreise nach Zagreb, Rijeka oder Zadar aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
Fahrradwerkstätten entlang der Route
Unterwegs eine gebrochene Speiche oder ein defektes Schaltwerk – das kann die Tour abrupt beenden, wenn man keine Werkstatt findet. Entlang der Küstenroute gibt es mehr Optionen als man denkt, aber sie liegen nicht an jeder Ecke. Hier die wichtigsten Anlaufpunkte:
Pula: Sport Vision (Giardini) und lokale Werkstätten im Zentrum. Ersatzteile für gängige Marken meist vorrätig.
Rijeka: Bike Shop Rijeka am Korzo, Ciklus in Trsat. Beide kennen sich mit Tourenrädern aus und haben Werkstattservice.
Zadar: Bike Zadar (Ulica Ivana Mažuranića) – gut sortiert, auch Gravel-spezifische Teile. In der Hochsaison teilweise ausgebucht, früh hingehen.
Šibenik: Kleinere Werkstätten, die über Google Maps findbar sind. Grundreparaturen möglich, spezielle Ersatzteile müssen oft bestellt werden.
Split: Beste Auswahl der Küste. Bike Split, Ciclo, Bike Rental Croatia (mit eigener Werkstatt). Hier bekommst du auch exotischere Teile und schnellen Service.
Dubrovnik: Begrenzte Optionen. Pedala Dubrovnik in der Nähe des Gruz-Hafens macht Grundreparaturen. Für größere Sachen besser in Split erledigen.
Allgemeiner Tipp: Ersatzschaltauge, Ersatzschlauch und Bremsbeläge immer dabeihaben. Diese drei Dinge sind am häufigsten nötig und in kleinen Läden oft nicht für dein spezifisches Rad verfügbar.
Wildcampen: Die Regeln
Offiziell verboten. In der Praxis: weit verbreitet und geduldet, wenn du dich an ungeschriebene Regeln hältst. Die Geldstrafe liegt theoretisch bei 130-400 €, aber Fälle, in denen tatsächlich kassiert wurde, sind äußerst selten – meistens wird man einfach gebeten, weiterzuziehen. Trotzdem: Respekt und Diskretion sind Pflicht.
Do:
- Spät kommen, früh gehen (Zelt zwischen 20 und 7 Uhr)
- Kein Feuer (Waldbrandgefahr im Sommer extrem hoch, auch das Rauchen im Freien ist riskant)
- Kein Müll – wirklich keinen, auch keine Bananenschalen
- Abseits von Häusern und Straßen (mindestens 100 m)
- Auf öffentlichem Grund (nicht auf privatem – Olivenhaine und eingezäunte Flächen sind tabu)
- Zelt erst bei Dämmerung aufbauen
Don’t:
- Direkt neben Stränden (Polizeikontrollen in der Hochsaison)
- In Nationalparks (Ranger patrouillieren, Strafen höher)
- Auf privaten Grundstücken
- Mehrere Nächte am selben Ort
- Große Gruppen (ab 3 Zelten fällt man auf)
Die besten Wildcampspots: Verlassene Buchten, Karstfelder im Hinterland, Waldränder hinter Olivenhainen. Die Küste ist schwieriger als das Hinterland – an der Küste gibt es im Sommer mehr Polizeipräsenz, im Hinterland interessiert sich schlicht niemand für einen Bikepacker mit Zelt.
Campingplätze: Die besten für Bikepacker
Wer nicht jede Nacht wildcampen will (oder kann), findet entlang der Küste eine gute Auswahl an Campingplätzen. Die Preise liegen für einen Bikepacker mit kleinem Zelt bei 12-25 € pro Nacht, je nach Saison und Ausstattung. Hier die Plätze, die sich speziell für Bikepacker eignen – also kleinen Zeltplatz, kurze Wege zu Sanitäranlagen und eventuell einen Laden haben:
Camp Pineta, Fažana (Istrien): Klein, schattig, direkt am Meer. Ca. 14 € in der Nebensaison. Perfekt nach der Kamenjak-Etappe.
Camping National Park, Starigrad-Paklenica: Am Eingang zum Nationalpark, Stellplätze unter Pinien, kleiner Laden, ca. 12-15 €. Einer der schönsten Plätze der ganzen Route.
Camp Stobreč, Split: Großer Platz mit Strand, Bus ins Zentrum alle 20 Minuten, ab 16 €. Ideal für den Ruhetag in Split.
Camp Prapratno, Pelješac: Ruhig, Pinienwald, kleiner Strand, 14-18 €. Letzter guter Campingplatz vor Dubrovnik.
Camp Solitudo, Dubrovnik (Babin Kuk): Teuer (25-35 €), aber die einzige brauchbare Option nahe Dubrovnik. Dafür Bus in die Altstadt und Supermarkt in der Nähe.
Die meisten Campingplätze entlang der Küste öffnen Mitte April und schließen Ende Oktober. In der Nebensaison (April/Mai und Oktober) sind die Preise deutlich niedriger und die Plätze angenehm leer.
Verpflegung unterwegs

Unterwegs Essen
Die Konobas (traditionelle Tavernen) sind perfekt für Bikepacker. Große Portionen, faire Preise (ein komplettes Mittagessen mit Getränk für 10-15 €), oft mit Terrasse oder Garten. Ein richtiges Mittagessen gibt Energie für den Nachmittag und ist sozialer Anker nach Stunden allein auf dem Rad. Čevapčići mit Brot und Ajvar für 7-8 € sind der perfekte Bikepacker-Lunch: viele Kalorien, schnell serviert, überall verfügbar.
Supermärkte: Konzum (überall, auch in kleinen Dörfern als “Konzum Express”), Plodine (mittlere Größe, gute Auswahl), Studenac (Mini-Läden, aber oft die einzige Option im Hinterland), Lidl (in Städten, günstigster für Großeinkauf). Die Öffnungszeiten auf dem Land sind kürzer als in der Stadt – viele Dorfläden schließen samstags um 14 Uhr und sonntags ganz.
Selbst Kochen
Wenn du selbst kochst, sind die Möglichkeiten besser als in vielen Bikepacking-Destinationen:
- Pasta + Thunfisch = Bikepacker-Klassiker (Dose Thunfisch ca. 2 €)
- Lokaler Käse (Pager Käse!) und Schinken (Pršut) halten sich gut, auch ungekühlt einen Tag
- Brot aus der Bäckerei (Pekara) ist frisch und günstig (großes Brot ca. 1-2 €)
- Obst auf Märkten kaufen – Feigen, Trauben und Pfirsiche direkt vom Straßenstand
- Instant-Kaffee oder türkischer Kaffee vom Kocher – für den Morgen-Boost
Wasser: Die meisten Dorfbrunnen (česma) haben Trinkwasser. Im Zweifelsfall: Locals fragen oder auf die Beschriftung achten (“pitka voda” = Trinkwasser, “nije za piće” = kein Trinkwasser).
Mobilfunk und Erreichbarkeit
Die Netzabdeckung in Kroatien ist entlang der Küste und in Städten ausgezeichnet – 4G fast überall, 5G in Zagreb, Split und Rijeka. Die drei Anbieter Hrvatski Telekom (T-Mobile), A1 und Telemach decken die touristischen Gebiete zuverlässig ab. EU-Roaming funktioniert mit deutschen, österreichischen und Schweizer Verträgen ohne Aufpreis.
Aber: Im Hinterland sieht es anders aus. Auf der Velebit-Küstenstraße zwischen Senj und Karlobag gibt es Abschnitte mit 10-20 km ohne Empfang. In der Lika (Otočac, Gospić, Smiljan) ist die Abdeckung lückenhaft – in den Orten selbst okay, dazwischen oft nur EDGE oder gar nichts. Auf den Schotterpisten im Velebit-Hinterland kann man stundenlang ohne Signal sein.
Empfehlung: Offline-Karten (OsmAnd, Komoot, Maps.me) vorher herunterladen. GPS-Tracks offline speichern. Eine kurze Nachricht an Freunde/Familie schicken, bevor du in den Velebit oder die Lika eintauchst – mit ungefährer Route und erwartetem nächsten Kontakt. Ein Garmin InReach oder ähnliches Satellitengerät ist für Solo-Bikepacker im Hinterland eine Überlegung wert.
Grenzübergänge mit dem Fahrrad
Kroatien ist seit 2023 im Schengen-Raum. Das heißt: Kein Grenzcheck an der slowenischen Grenze. Du fährst einfach durch – kein Anhalten, kein Passkontrolle, kein Problem. Das macht den Start in Istrien (von Slowenien kommend) oder die Weiterfahrt nach Slowenien am Ende der Tour völlig unkompliziert.
Bosnien-Herzegowina: Die Neum-Passage (der 20 km lange bosnische Küstenstreifen zwischen Ploče und Dubrovnik) gehört nicht zum Schengen-Raum. Mit der neuen Pelješac-Brücke kannst du Neum umfahren – allerdings ist die Brücke für Radfahrer gesperrt. Die Alternative: die alte Küstenstraße über Neum nehmen, Grenzkontrollen dauern mit Fahrrad meist nur 2-3 Minuten, Reisepass oder Personalausweis genügt. Keine besonderen Dokumente für das Rad nötig.
Montenegro: Am Südende, falls du über Dubrovnik hinaus weiterfährst – Schengen-Außengrenze, Passkontrolle, aber für EU-Bürger unkompliziert. Oft winken die Grenzbeamten Radfahrer einfach durch.
Notfälle und Sicherheit
Kroatien ist ein sicheres Land, und schwere Unfälle oder Notfälle sind beim Bikepacking selten. Trotzdem solltest du vorbereitet sein, besonders auf den einsamen Abschnitten.
Notruf: 112 (europaweit, funktioniert auch ohne lokale SIM). Die Leitstelle spricht in der Regel Englisch, oft auch Deutsch.
Bergrettung: HGSS (Hrvatska gorska služba spašavanja) – wird über 112 alarmiert. Im Velebit und an der Küste gut organisiert, Reaktionszeiten im Hinterland aber länger als in den Alpen.
Krankenhäuser: In Pula, Rijeka, Zadar, Šibenik, Split und Dubrovnik gibt es Krankenhäuser mit Notaufnahme. EU-Krankenversicherungskarte (EHIC) mitnehmen – sie wird akzeptiert, deckt aber nicht alles ab. Eine Reisekrankenversicherung mit Rücktransport ist für längere Touren ratsam.
Schlangen und Tiere: Die Hornotter (Vipera ammodytes) kommt im Karstgebiet vor, besonders auf trockenen Felsen. Beim Wildcampen Schuhe nicht draußen stehen lassen. Bisse sind extrem selten und nicht tödlich, aber medizinische Behandlung ist nötig. Im Velebit-Hinterland leben Bären und Wölfe – sie meiden Menschen, aber Essen sollte nachts nicht neben dem Zelt liegen.
Hitze: Das unterschätzte Risiko. An der Küste werden es im Juli/August 35-40°C, und auf dem Rad in der prallen Sonne dehydriert man schneller als man denkt. Mindestens 1 Liter pro Stunde trinken, Sonnencreme nachschmieren, Mittagspause im Schatten machen.
Beste Jahreszeit
April-Mai: Perfekt. Grün, mild, wenig Touristen. Nachts kühl (Schlafsack für 10°C nötig). Die Landschaft blüht, die Campingplätze sind halb leer, die Konobas freuen sich über jeden Gast. Einziger Nachteil: Gelegentlich Regen, besonders im April. Das Meer ist noch kalt zum Schwimmen (16-18°C).
Juni: Ideal. Warm, aber noch nicht heiß. Lange Tage (Sonnenaufgang vor 5:30, Sonnenuntergang nach 20:30). Die perfekte Balance zwischen Wetter und Tourismus – die Hochsaison hat noch nicht begonnen, aber alles ist offen.
Juli-August: Nur für Hartgesottene. Die Hitze ab Mittag ist brutal (35-40°C an der Küste). Lösung: Früh starten (5-6 Uhr), Siesta von 12-16 Uhr in einem schattigen Café oder unter Pinien, abends weiterfahren. Der Vorteil: Das Meer ist perfekt zum Schwimmen, und die langen Abende sind magisch. Der Nachteil: Campingplätze sind voll und teurer, die Küstenstraße hat mehr Verkehr.
September-Oktober: Goldene Zeit. Die Hitze ist gebrochen, das Meer noch warm zum Baden (22-24°C), die Touristen verschwunden. Die Weinlese hat begonnen, Feigen und Trauben hängen an den Bäumen. Viele Bikepacker, die sich aussuchen können wann sie fahren, wählen genau dieses Zeitfenster.
November-März: Möglich, aber anspruchsvoll. Regen häufiger, kurze Tage, manche Campingplätze geschlossen. Die Bora kann die Küstenstraße zwischen Senj und Zadar tagelang unfahrbar machen. Dafür: absolute Einsamkeit und Preise im Keller.
Pack leicht, fahr früh
Bikepacking in Kroatien ist noch ein Geheimtipp. Während in den Alpen oder Skandinavien die Routen überlaufen sind, hast du hier weite Strecken für dich allein. Das Klima ist verlässlich, die Landschaft abwechslungsreich, die Infrastruktur genau richtig: Genug, um nicht verhungern zu müssen. Wenig genug, um sich wie Abenteuer anzufühlen.
Die Küstenroute von Istrien nach Dubrovnik ist der Klassiker – und ein guter Einstieg für alle, die zum ersten Mal mehrtägig mit Rad und Zelt unterwegs sind. Aber das wahre Abenteuer liegt im Hinterland: Die Lika, das Velebit-Gebirge, die Karstlandschaften ohne Touristen. Dort zeigt sich Kroatien von seiner wilden Seite – und Bikepacking von seiner besten.

Pack leicht, fahr früh, respektier das Land. Der Rest ergibt sich.