Klettersteige in Kroatien: Via Ferrata am Meer und in den Bergen 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 07 Mar, 2026
Inhalt
Wer an Klettersteige denkt, hat die Dolomiten vor Augen, die Brenta, vielleicht den Hohen Dachstein. Kroatien taucht in dieser Liste nicht auf – noch nicht. Dabei hat das Land in den letzten fünfzehn Jahren eine eigenständige Via-Ferrata-Szene aufgebaut, die sich nicht hinter den alpinen Klassikern verstecken muss. Was hier fehlt: die Massen, die Wartezeiten, die Selfie-Staus an Schlüsselstellen. Was hier dafürsteht: türkisfarbenes Wasser unter den Füßen statt Gletscher, der Geruch von Salbei und Rosmarin statt dünner Bergluft, und die Möglichkeit, nach dem Klettersteig ins Meer oder einen Fluss zu springen.

Die kroatischen Klettersteige entstanden größtenteils nach 2010 – Pionierarbeit von lokalen Bergrettungsteams und Outdoor-Anbietern, die das Potenzial der Karstfelsen erkannten. Die Routen sind kürzer als ihre alpinen Pendants, aber die Felsqualität ist hervorragend: harter Kalkstein mit griffigen Strukturen, durchsetzt von Löchern und Leisten, die das Klettern zum Vergnügen machen. Insgesamt gibt es aktuell rund ein halbes Dutzend ausgebaute Steige, verteilt vom Norden Istriens bis nach Dalmatien. Einige sind frei zugänglich, andere nur mit Guide begehbar. Und die Szene wächst – neue Projekte sind in Planung, besonders an der Küste, wo Fels und Meer aufeinandertreffen.
Cikola-Canyon bei Drnis: Das Aushängeschild
Der Cikola-Canyon-Klettersteig ist das, was die meisten meinen, wenn sie von “Via Ferrata Kroatien” sprechen. Nicht weil er der einzige wäre, sondern weil er der spektakulärste ist. Der Fluss Cikola hat über Jahrtausende eine tiefe Schlucht in den dalmatinischen Karst geschnitten – weiß-graue Klippen, 150 Meter tief, am Grund das milchig-türkise Wasser. Der Klettersteig verläuft auf halber Höhe an der Nordwand entlang und bietet Ausblicke, die man normalerweise nur vom Paraglider oder aus der Drohne kennt.

Die Route ist rund 800 Meter lang und mit B/C bewertet – mittelschwer also, mit einzelnen Passagen, die etwas mehr Armkraft und Nerven verlangen. Der Einstieg liegt auf etwa 180 Metern Höhe, der höchste Punkt bei rund 350 Metern. Zwischen drei und vier Stunden solltest du einplanen, je nachdem, wie oft du anhältst, um das Panorama zu genießen oder Fotos zu machen (und du wirst oft anhalten). Die Schlüsselstelle ist eine exponierte Querung über dem tiefsten Teil der Schlucht, bei der unter dir nichts ist außer Luft und dem fernen Glitzern des Flusses. Eine Seilbrücke weiter vorne fordert das Gleichgewicht – sie ist stabil, fühlt sich aber trotzdem abenteuerlich an, wenn sie unter den Schritten leicht schwingt.
Was den Cikola-Steig besonders macht: Nach der Tour kannst du im Sommer (Juni bis September) in den Canyon hinabsteigen und im Fluss schwimmen. Das kühle, klare Wasser nach der Anstrengung in der Sonne – das ist ein Gefühl, das in den Alpen fehlt. Manche Anbieter kombinieren den Klettersteig auch mit einem kurzen Canyoning-Abschnitt, bei dem du dich durch Pools und über Felsrutschen arbeitest.
Anreise und Parkplatz: Der Einstieg liegt bei Drnis, etwa 40 Minuten von Sibenik und gut eine Stunde von Split entfernt. Ein kleiner Parkplatz direkt am Canyon ist vorhanden, wird aber an Sommerwochenenden eng. Früh kommen lohnt sich. Der Steig selbst ist kostenlos – du brauchst keine Eintrittskarte, nur die richtige Ausrüstung. Wer ohne eigenes Klettersteigset anreist, kann bei Terra Mirabilis in Sibenik komplette Ausrüstung leihen (dazu weiter unten mehr).

Wer danach noch Energie hat und ein Gravelbike im Auto: Die Karstlandschaft rund um Drnis eignet sich hervorragend zum Radfahren. Die dalmatinischen Nebenwege von Drnis nach Split führen auf 74 Kilometern durch genau die Landschaft, die du vom Klettersteig aus unter dir gesehen hast – diesmal mit den Rädern auf dem Schotterweg statt den Händen am Stahlseil. Eine perfekte Kombination für ein aktives Wochenende in der Region.
Paklenica – Anica Kuk: Wo Klettersteig auf Nationalpark trifft
Der Nationalpark Paklenica ist seit Jahrzehnten Kroatiens erste Adresse für Sportklettern. Über 400 Routen in allen Schwierigkeitsgraden, zwei dramatische Schluchten (Velika Paklenica und Mala Paklenica), Wände bis 400 Meter Höhe. In diesem Umfeld wirkt der Klettersteig am Anica Kuk fast bescheiden – aber er hat seinen eigenen Reiz und führt auf einen der markantesten Gipfel des Parks.

Der Anica Kuk ragt mit 712 Metern über dem Meeresspiegel aus dem Velebit-Massiv. Die Via Ferrata führt durch die Südwand, und was diese Route von den Küstensteigen unterscheidet: Du spürst hier das Gebirge. Der Zustieg durch die Schlucht dauert schon eine gute Stunde, vorbei an gewaltigen Felswänden, auf denen du Kletterer wie bunte Punkte erkennen kannst. Der eigentliche Steig ist rund 600 Meter lang und mit B bewertet – also mittelschwer, aber mit Passagen, die Trittsicherheit und Konzentration fordern. Eisenklammern und Tritte sind gut gesetzt, die Sicherungen solide. Trotzdem gibt es Stellen, an denen die Exposition real ist: Unter dir fällt die Wand steil ab, und der Blick reicht über die Schlucht bis zur Adria, die als schmaler blauer Streifen am Horizont schimmert.
Plane für die gesamte Tour mindestens vier bis fünf Stunden ein – inklusive dem Zustieg und dem Abstieg über den Wanderweg. Eine gute Grundkondition ist Voraussetzung, denn die 400 Höhenmeter im Aufstieg in der Sommerhitze sind nicht zu unterschätzen. Trinkwasser gibt es unterwegs keines, also mindestens zwei Liter einpacken. Der Parkeintrittspreis für Paklenica liegt bei 8 Euro (Erwachsene, Saison 2026), Kinder zahlen die Hälfte. Die Jahreskarte für Vielbesucher kostet 27 Euro und lohnt sich, wenn du auch die Wanderungen im Nationalpark oder die Sportkletterrouten mitnehmen willst.

Unterkunft und Logistik: Starigrad-Paklenica, das Tor zum Nationalpark, liegt direkt an der Küstenstraße zwischen Zadar (45 Minuten) und Split (knapp zwei Stunden). Die kleine Stadt hat alles, was du brauchst – Pensionen, Apartments, zwei Campingplätze und mehrere Restaurants, in denen du abends kroatische Küche mit Blick aufs Meer bekommst. Wer mehrere Tage bleibt, kann den Klettersteig mit Sportklettern, Wanderungen zur Manita Peć Höhle und Strandtagen kombinieren. Der Kiesstrand direkt in Starigrad ist nicht der schönste Kroatiens, aber nach einem Tag in der Wand ist jedes Wasser willkommen.
Via Ferrata Prozura auf Dugi Otok: Klettern über dem offenen Meer
Einen Klettersteig direkt über dem Adriatischen Meer – das gibt es nur auf Dugi Otok. Die Via Ferrata Prozura verläuft an den Klippen der Insel auf der Seite des Telascica-Naturparks. Unter dir keine Schlucht, kein Fluss, sondern das offene Meer mit seinem tiefen Blau, das an klaren Tagen fast unwirklich aussieht. Am Horizont zeichnen sich die Silhouetten der Kornati-Inseln ab, kahle Rücken aus weißem Stein, die aus dem Wasser ragen wie schlafende Seeungeheuer.
Die Route ist mit A/B bewertet und damit die einsteigerfreundlichste der kroatischen Steige. Rund 400 Meter Kletterweg, maximale Höhe über dem Meeresspiegel etwa 50 Meter – das klingt wenig, aber wenn unter dir direkt das Wasser rauscht, fühlen sich 50 Meter nach mehr an. Technisch ist der Steig nicht besonders anspruchsvoll: solide Tritte, gute Sicherungen, keine überhängenden Passagen. Was ihn besonders macht, ist die Atmosphäre. Die Gischt, die an windigen Tagen von unten heraufsprüht, der Salzgeschmack auf den Lippen, die Möwen, die auf Augenhöhe vorbeiziehen. Eineinhalb bis zwei Stunden dauert die Tour, und danach liegt das Schwimmen im kristallklaren Wasser nahe – die Buchten des Telascica-Naturparks gehören zu den schönsten der gesamten Adria.

Anreise: Dugi Otok erreichst du per Fähre von Zadar aus. Die Überfahrt nach Brbinj dauert etwa anderthalb Stunden, Jadrolinija fährt mehrmals täglich. Der Klettersteig liegt in Gehweite vom Ort Prozura – ohne Auto kein Problem, mit Auto noch bequemer für Tagesausflüge über die Insel. Plane den Besuch unbedingt mit dem Telascica-Naturpark zusammen: Der Salzwassersee Mir im Inneren des Parks, die 160 Meter hohen Klippen an der Außenseite und die Schnorchelplätze in den Buchten machen Dugi Otok zu einem der lohnendsten Tagesausflüge von Zadar aus. Der Eintritt in den Naturpark kostet 5 Euro, den Klettersteig erreichst du auf einem markierten Pfad vom Parkeingang.
Velebit – Lukovo Sugarje: Für Kenner und Ruhesuchende
Dieser Steig ist das Gegenteil von Instagram-tauglich: keine spektakulären Brücken, kein Canyon darunter, keine Drohnenvideos auf YouTube. Lukovo Sugarje ist ein kurzer, ehrlicher Klettersteig im nördlichen Velebit, den außer den lokalen Bergsteigern kaum jemand kennt. Und genau das ist sein Reiz.
Die Route ist rund 300 Meter lang und mit A/B bewertet – leicht bis mittelschwer. In zwei bis drei Stunden bist du durch, inklusive Pausen am Gipfel, von dem aus der Blick über die Kvarner-Bucht geht: Krk liegt vor dir, dahinter die Silhouette von Cres, und bei klarer Sicht erkennst du sogar die istrische Küste. Der Fels ist typisch Velebit: rau, griffig, durchzogen von Rillen und Löchern, die der Wind über Jahrhunderte in den Kalkstein gearbeitet hat. Die Sicherungen sind einfach, aber funktional – kein Edelstahl, kein Hochglanz, eher der Charme einer alpinen Route aus den Siebzigerjahren.
Lukovo Sugarje liegt abseits der Hauptstraßen, und genau deshalb ist die Anreise Teil des Abenteuers. Von Senj aus fährst du auf schmalen Bergstraßen in den Velebit – rechts der Blick aufs Meer, links die kargen Hänge des Gebirges. Wer hier herkommt, sollte den Tag nutzen und die Wanderwege im nördlichen Velebit einplanen. Der Premuziceva Staza, einer der berühmtesten Höhenwanderwege Europas, liegt nur eine Autostunde entfernt. Eine Kombination aus Klettersteig am Vormittag und Wanderung am Nachmittag – oder umgekehrt – macht den Velebit zu einem vollständigen Bergtag.
Ucka – Poklon-Ubungssteig: Der perfekte Einstieg
Der Ucka-Naturpark oberhalb von Opatija und der Kvarner-Bucht hat einen kurzen Übungssteig, der sich gezielt an Einsteiger richtet. Hier geht es nicht um Abenteuer und Adrenalin, sondern um Technik: Wie bewege ich mich am Stahlseil? Wie setze ich die Karabiner um? Wie verlagere ich das Gewicht auf den Tritten? Wer das erste Mal in ein Klettersteigset steigt, findet hier den sichersten Ort zum Üben.

Die Route ist nur rund 200 Meter lang, mit A bewertet (leicht) und in einer Stunde zu schaffen. Die Exposition ist gering – du kletterst nie höher als zehn Meter über dem Waldboden. Trotzdem bekommst du ein Gefühl für das Material und die Bewegungsabläufe, das dir auf den anspruchsvolleren Steigen zugutekommt. Der Blick vom Steig geht über die Wipfel der Buchen und Eichen des Ucka-Parks auf die Kvarner-Bucht – bei guter Sicht bis nach Rab und Pag.
Was den Poklon-Steig über den reinen Übungscharakter hinaus interessant macht: Die Ucka selbst lohnt den Besuch. Der Gipfel Vojak (1396 Meter) ist der höchste Punkt Istriens, und von seinem Aussichtsturm reicht der Blick an klaren Tagen von Venedig bis zu den Julischen Alpen. Die Wanderung zum Gipfel ist moderat und lässt sich problemlos mit dem Klettersteig am selben Tag kombinieren. Danach fährst du die Serpentinen hinunter nach Opatija und sitzt eine Stunde später mit einem Espresso an der Lungomare-Promenade am Meer.
Ausrüstung: Was du wirklich brauchst
Klettersteige erfordern spezielle Ausrüstung – da gibt es keine Abkürzung. Ohne die richtige Sicherung darfst du keinen Steig betreten, auch keinen einfachen. Hier die vollständige Liste, aufgeteilt in zwingend notwendig und empfohlen.
Pflichtausrüstung:
Ein Klettersteigset bildet das Herzstück: ein Y-förmiger Gurt mit zwei Karabinern und einem Bandfalldämpfer, der die Energie bei einem Sturz absorbiert. Moderne Sets wiegen unter 500 Gramm und kosten zwischen 60 und 120 Euro – eine Investition, die sich lohnt, wenn du mehr als einen Steig pro Jahr gehst. Dazu kommt ein Klettergurt, ein Standard-Sportklettergurt aus dem Kletterladen genügt vollkommen. Und ein Helm – nicht nur für Steinschlag von oben, sondern auch für den Fall, dass du mit dem Kopf gegen den Fels stößt. Die kroatischen Steige verlaufen teils durch enge Rinnen, wo das passieren kann.
Empfohlen, aber nicht zwingend:
Klettersteighandschuhe schützen die Hände an den Stahlseilen – nach 800 Metern am Cikola wirst du verstehen warum. Feste Wanderschuhe mit Profilsohle geben den nötigen Halt auf glattem Kalkstein, besonders wenn er feucht ist. Ein Rucksack (20-30 Liter) mit mindestens 1,5 Litern Wasser, Riegel und Sonnencreme. Im Sommer sind kroatische Felswände Backöfen – UV-Schutz und eine Kopfbedeckung für die Zustiege sind kein Luxus, sondern Notwendigkeit.
Ausrüstung vor Ort leihen
Wer nicht mit dem eigenen Klettersteigset nach Kroatien reisen will, hat einige Optionen – aber der Markt ist kleiner als in den Alpen, wo an jeder Talstation ein Verleih sitzt.
| Anbieter | Standort | Leistung | Preis (ca.) |
|---|---|---|---|
| Terra Mirabilis | Sibenik/Drnis | Komplettset + Guide | 80-100 EUR (Tour) |
| Red Adventures | Split | Set-Verleih, Touren | 25-40 EUR/Tag (Set) |
| Zadar Outdoor | Zadar | Set-Verleih auf Anfrage | 30 EUR/Tag |
| Paklenica Adventure | Starigrad | Set-Verleih + Klettersteig-Guide | 70-90 EUR (Tour) |
Ein Tipp: Wer eine geführte Tour bucht, bekommt die Ausrüstung fast immer inklusive. Das ist oft günstiger als Set leihen plus eigenständig gehen, und du hast einen lokalen Guide, der die Feinheiten der Route kennt – wo man besser links greift, wo die schönsten Fotostellen sind, wo im Canyon das beste Schwimmloch wartet.
Geführte Touren und Anbieter
Für Einsteiger ist die geführte Tour der sinnvollste Weg in den Klettersteig – nicht weil die Routen besonders gefährlich wären, sondern weil ein guter Guide den Unterschied macht zwischen “bin ich durchgekommen” und “war eines der besten Outdoor-Erlebnisse meines Lebens”.
Terra Mirabilis in Sibenik ist der etablierteste Anbieter für den Cikola-Canyon. Das Team um Gründer Ante organisiert Halbtagestouren (3-4 Stunden am Fels, ca. 80-100 Euro pro Person), die den Klettersteig mit einer Einführung in die Technik und optional einem Sprung ins Cikola-Wasser verbinden. Kleine Gruppen von maximal sechs bis acht Personen, Ausrüstung inklusive, Treffpunkt am Parkplatz in der Nähe von Drnis. Die Touren laufen von April bis Oktober, Buchung über die Website terramirabilis.hr oder vor Ort – wobei im Juli und August Vorausbuchung ratsam ist.
Red Adventures in Split bietet ein breiteres Spektrum: Klettersteig am Cikola, aber auch Canyoning, Rafting und Klettern als Kombinationspakete. Wer ein ganzes Aktivwochenende plant, kann hier einen Tag Cikola-Via-Ferrata mit einem Tag Cetina-Canyoning kombinieren – beides liegt nur eine Autostunde auseinander. Preise starten bei 75 Euro für die Klettersteig-Tour.
Paklenica Adventure in Starigrad ist der lokale Anbieter für den Anica-Kuk-Steig und die Sportkletterrouten im Nationalpark. Der Vorteil: Die Guides kennen den Park seit Jahrzehnten und wissen, welche Routen bei welchem Wetter am besten funktionieren. Eine geführte Klettersteig-Tour kostet 70-90 Euro, inklusive Ausrüstung und Parkgebühr. Für absolute Anfänger bieten sie auch Einführungskurse an (halber Tag, ca. 100-150 Euro), bei denen du am Ende des Tages bereit bist, einen B-Steig eigenständig zu gehen.
Schwierigkeitsgrade: Was die Buchstaben bedeuten
Die Schall-Skala, nach der Klettersteige bewertet werden, reicht von A bis E (oder K1 bis K5). In Kroatien bewegst du dich im Bereich A bis C, die extremen Schwierigkeiten fehlen bisher. Das ist für die meisten Besucher genau richtig.
K1/A (Leicht): Gesicherte Wege und Pfade, wenig Ausgesetztheit, Stahlseile eher als Geländer. Geeignet für Wanderer mit normaler Fitness. Beispiel: Ucka-Poklon.
K2/B (Mittelschwer): Steile Passagen, Leitern, teilweise exponierte Querungen. Armkraft wird gebraucht, Schwindelfreiheit ist Voraussetzung. Beispiel: Paklenica Anica Kuk, Lukovo Sugarje.
K3/C (Schwer): Senkrechte bis leicht überhängende Abschnitte, kleine Tritte, hohe Ausgesetztheit. Gute Kondition und Erfahrung nötig. Beispiel: Einzelne Passagen am Cikola-Canyon.
Die kroatischen Steige haben den Vorteil, dass sie selten länger als 800 Meter sind – du musst also nicht stundenlang in schwierigem Gelände durchhalten. Wer die Grundtechnik beherrscht und keine Höhenangst hat, wird mit B-Steigen keine Probleme haben. C-Passagen erfordern etwas Erfahrung, sind aber machbar, wenn du dein Tempo findest und nicht hetzt.
Beste Jahreszeit und Wetterbedingungen
Das mediterrane Klima macht Kroatien zu einem Ganzjahresziel für Klettersteige – zumindest an der Küste. Im Gebirge sieht es anders aus. Hier die Übersicht nach Saison.
Frühling (April bis Juni) ist die ideale Zeit. Die Temperaturen liegen zwischen 18 und 28 Grad, die Felsen sind trocken, die Vegetation grün, die Touristenmassen noch nicht da. Im Mai blüht der Salbei an den Hängen über dem Cikola-Canyon lila, und der Duft zieht bis in die Steige. Einziger Nachteil: Gewitter können im späten Frühjahr heftig ausfallen – Wettervorhersage prüfen, besonders für Nachmittage.
Sommer (Juli und August) ist machbar, aber nur mit Einschränkungen. Die Felswände heizen sich auf 40 Grad und mehr auf, und ab Mittag wird jeder Klettersteig zur Sauna. Wer im Hochsommer geht, startet um sechs Uhr morgens und ist bis zehn fertig. Die Küstensteige (Prozura auf Dugi Otok) sind durch den Seewind erträglicher als die Binnensteige (Cikola, Paklenica). Dafür lockt nach der Tour ein Sprung ins Meer als Belohnung.
Herbst (September bis November) bringt die stabilsten Bedingungen: angenehm warm, trockene Luft, perfekte Sicht. Viele lokale Kletterer sagen, der Oktober sei der beste Monat überhaupt – die Temperaturen sind ideal, die Farben am Velebit werden golden, und die Touristen sind abgereist. Wer zwischen Klettersteig und Sportklettergarten wechseln will, findet im Herbst die besten Verhältnisse.
Winter (Dezember bis März) ist an der Küste möglich, wenn das Wetter mitspielt – die Temperaturen fallen selten unter 8-10 Grad. Im Velebit und an der Ucka liegt allerdings Schnee, und die Steige dort sind geschlossen oder nur für Erfahrene mit Winterausrüstung sinnvoll.
Sicherheit: Was du ernst nehmen musst
Klettersteige sind sicherer als Sportklettern – das stimmt statistisch. Aber sie sind nicht ungefährlich, und die Fehler, die passieren, sind fast immer vermeidbar. In Kroatien kommt erschwerend hinzu, dass die Infrastruktur dünner ist als in den Alpen: keine Bergrettung in fünf Minuten per Hubschrauber, keine Hütte alle 500 Höhenmeter, kein Handyempfang in manchen Canyons.
Fünf Regeln, die du nicht ignorieren solltest: Nie bei Regen oder Gewitter einsteigen – nasser Kalkstein wird zur Rutschbahn, und Stahlseile ziehen Blitze an. Immer zu zweit gehen, besser zu dritt – wenn einer stürzt, braucht es jemanden, der Hilfe holen kann. Das Wetter vorher prüfen, nicht nur am Morgen, sondern die Tendenz für den Nachmittag – mediterrane Gewitter bauen sich schnell auf. Umkehren ist keine Schande – wenn du merkst, dass deine Kraft nachlässt oder das Wetter dreht, geh zurück. Und schließlich: Ausrüstung vor jeder Tour prüfen – Karabiner öffnen und schließen lassen, Gurt auf Verschleiß kontrollieren, Helm auf Risse untersuchen.
Die Notrufnummer in Kroatien ist 112 (europaweit). Die kroatische Bergrettung (HGSS) ist professionell und gut ausgebildet, braucht aber je nach Standort deutlich länger als die alpinen Rettungsdienste. Im Cikola-Canyon kann es bis zu einer Stunde dauern, bis Hilfe eintrifft – ein Grund mehr, vorsichtig zu sein.
Für Einsteiger: Der Weg zum ersten Klettersteig
Du warst noch nie auf einem Klettersteig? Kein Grund, Kroatien auszulassen – aber ein Grund, es richtig anzugehen. Der vernünftigste Einstieg ist ein Einführungskurs bei einem der lokalen Anbieter. Ein halber Tag (ca. 100-150 Euro) reicht, um die Grundtechnik zu lernen: wie das Klettersteigset funktioniert, wie du die Karabiner an den Verankerungen umsetzt, wie du dich auf den Tritten bewegst, was du tust, wenn du nicht weiterkommst. Die meisten Anbieter machen das am Ucka-Übungssteig oder an einem Fels nahe Split.
Danach bist du bereit für deinen ersten echten Steig. Die Via Ferrata Prozura auf Dugi Otok ist die sanfteste Option: kurz, wenig exponiert, aber mit dem Meer-Erlebnis, das dich motiviert wiederzukommen. Wer etwas mehr Nervenkitzel will, bucht den Cikola-Canyon mit Guide – der Steig ist mittelschwer, aber mit professioneller Begleitung gut machbar, auch ohne Vorerfahrung. Paklenica als ersten Steig zu wählen, ist möglich, aber wegen des langen Zustiegs und der Höhenmeter nur sinnvoll, wenn du fit bist und einen Guide dabei hast.
Ein realistischer Plan für ein erstes Klettersteig-Wochenende in Kroatien: Freitag Anreise nach Sibenik oder Split, Samstag Klettersteig am Cikola mit geführter Tour (halber Tag), Sonntag Strand oder einen der Nationalparks in der Umgebung. Das Krka-Nationalpark liegt nur 30 Minuten von Drnis entfernt – Wasserfall-Wanderung als Kontrastprogramm zum Vortag.
Klettersteige kombinieren: Ein aktives Kroatien-Programm
Die meisten Klettersteig-Besucher kommen nicht nur für die Via Ferrata nach Kroatien. Die Steige lassen sich hervorragend mit anderen Aktivitäten verbinden – und genau das macht sie zum Teil eines größeren Outdoor-Urlaubs.
Klettersteig und Klettern: Paklenica ist der offensichtliche Ort, um beides zu kombinieren. Vormittags den Klettersteig am Anica Kuk, nachmittags Sportkletterrouten in den Sektoren der Schlucht. Die Wände trocknen nach Regen schnell, und die Routenauswahl von 3a bis 8c lässt keine Wünsche offen.
Klettersteig und Canyoning: Cikola-Canyon-Via-Ferrata am einen Tag, Canyoning in der Cetina-Schlucht am nächsten. Beide liegen im dalmatinischen Hinterland, und der Wechsel von trockenem Fels zu Wasserschluchten bringt willkommene Abwechslung.
Klettersteig und Radfahren: Das Hinterland rund um Sibenik, Drnis und den Krka-Nationalpark ist Gravel-Paradies. Trockene Karstpisten, Olivenhaine, verlassene Dörfer – wer nach dem Klettersteig noch einen aktiven Tag einlegen will, findet die Juwelen der Krka als 37-Kilometer-Rundtour um den Nationalpark, bei der du Wasserfälle vom Sattel aus siehst statt vom Touristensteg.
Die kroatischen Klettersteige sind noch ein Geheimtipp, und wer jetzt hingeht, hat die Routen oft für sich allein. Die Szene wächst, neue Steige sind in Planung, aber die Infrastruktur bleibt charmant improvisiert – kein Ticketsystem, keine Zeitfenster, keine Online-Reservierung. Du packst dein Set ein, fährst hin und steigst ein. So einfach kann Outdoor sein.
Mehr Abenteuer in Kroatien: Klettern in Paklenica | Canyoning in Kroatien | Wandern in Kroatien