Brač: Die Insel mit dem berühmtesten Strand Kroatiens (2026)
- Redaktionsteam
- Regionen , Dalmatien
- 08 Mar, 2026
Inhalt
Jeder kennt das Foto: Eine weiße Landzunge, die sich ins türkise Meer schiebt. Zlatni Rat, das “Goldene Horn”, ist der meistfotografierte Strand Kroatiens. Die meisten Besucher kommen deswegen – und verpassen, was Brač wirklich ausmacht.
Die drittgrößte Insel der Adria ist mehr als ein Strand. Sie ist Stein, im wörtlichen Sinn. Der weiße Kalkstein von Brač hat das Weiße Haus in Washington gebaut, den Diokletianpalast in Split, den Stephansdom in Wien, die Kathedrale von Šibenik. Die Steinmetztradition prägt die Insel bis heute – in Pučišća steht die einzige Steinmetzschule Europas, gegründet 1909, in der junge Menschen aus aller Welt lernen, mit Hammer und Meißel Marmor in Kunst zu verwandeln.
Brač ist 395 Quadratkilometer groß, hat rund 14.000 Einwohner und liegt nur 50 Fährminuten von Split entfernt. Trotzdem fühlt sich das Landesinnere an wie eine andere Welt: verlassene Steindörfer, jahrhundertealte Olivenhaine, Macchia-bewachsene Hügel und der Vidova Gora, mit 778 Metern der höchste Gipfel aller kroatischen Inseln. Wer nur wegen des Strandes kommt, verpasst mindestens die Hälfte.
Zlatni Rat: Was das Goldene Horn wirklich bietet
Ja, er ist wirklich so schön wie auf den Bildern. Die rund 500 Meter lange Kieselzunge ragt vor Bol ins Meer hinaus und verändert ihre Form mit Wind und Wellen – manchmal zeigt die Spitze nach links, manchmal nach rechts. Dieses Phänomen entsteht durch die wechselnden Meeresströmungen und den Maestral-Wind, der nachmittags von Nordwesten über die Adria bläst. Geologisch ist Zlatni Rat ein sogenannter Tombolo, eine Nehrung, die durch Sedimentablagerung entstanden ist und sich ständig weiterentwickelt.

Der Strand besteht aus feinem weißem Kiesel, nicht aus Sand – Badeschuhe sind keine schlechte Idee, auch wenn viele Besucher barfuß gehen. Das Wasser ist kristallklar und fällt relativ schnell ab, was Schnorchler freut, aber Familien mit Kleinkindern beachten sollten. An beiden Seiten der Landzunge findest du unterschiedliche Bedingungen: Die Ostseite ist meist ruhiger und wärmer, die Westseite hat mehr Wellen und Wind – perfekt für Surfer. Hinter dem Strand erstreckt sich ein Kiefernwald, der natürlichen Schatten spendet und in dem die Luft nach Harz und Meer duftet.
Die Realität im Hochsommer: Im Juli und August ist der Strand überfüllt, das lässt sich nicht beschönigen. Die Liegen kosten 20-30 Euro pro Tag, Getränke in den Strandbars sind doppelt so teuer wie im Ort. Die Parkplätze in Bol sind ab 10 Uhr voll, der Bummelzug vom Hafen zum Strand überfüllt. Wer das türkise Wasser genießen will, ohne sich durch Handtücher zu quetschen, kommt vor 9 Uhr morgens oder im September – dann gehört der Strand fast dir allein, und das Licht ist ohnehin schöner.
Windsurfen und Kiten: Der Maestral bläst nachmittags zuverlässig mit 15-25 Knoten, was Zlatni Rat zu einem der besten Surfreviere Kroatiens macht. Mehrere Schulen bieten Kurse für Anfänger an (ab etwa 50 Euro pro Stunde), Ausrüstung kannst du direkt am Strand leihen. Fortgeschrittene nutzen die thermischen Winde, die zwischen Brač und Hvar kanalisiert werden und konstante Bedingungen schaffen.

Die Westseite der Landzunge ist ruhiger als die Ostseite und wird Richtung Spitze auch von FKK-Badegästen genutzt. Schnorchler finden auf beiden Seiten klares Wasser und felsigen Grund mit Seeigeln, Lippfischen und gelegentlich Oktopussen. Wer tauchen will, findet in Bol mehrere Tauchbasen, die Ausfahrten zu den vorgelagerten Riffen und Unterwasserhöhlen anbieten.
Bol oder Supetar – wo übernachten?
Die beiden wichtigsten Orte der Insel könnten unterschiedlicher kaum sein. Wer Brač besucht, muss sich entscheiden – oder besser: beides besuchen und selbst urteilen.
Bol: Die touristische Südküste
Das Städtchen hinter Zlatni Rat lebt vom Strand – und leidet darunter. Die Preise sind die höchsten der Insel, die Restaurants auf Touristen eingestellt, die Souvenirläden allgegenwärtig. Trotzdem hat Bol Charme, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Das Dominikanerkloster am östlichen Ende von Bol steht seit dem 15. Jahrhundert und wird noch immer von Mönchen bewohnt. Das Museum beherbergt eine Madonna von Tintoretto, antike Münzen und sakrale Kunstwerke. Der Kreuzgang ist eine Oase der Stille, der Garten voller Zitronenbäume und Bougainvillea. Der Eintritt kostet etwa 5 Euro und lohnt sich allein für die Ruhe abseits des Strandtrubels.
Bols Altstadt ist ein Labyrinth aus weißem Stein, das morgens – wenn die Strandurlauber noch schlafen – den Einheimischen und den Katzen gehört. Die Gassen sind zu eng für Autos, was die Atmosphäre rettet. Alte Frauen sitzen vor ihren Türen, Kinder spielen Fußball auf dem Kirchplatz, die Fischer sind längst draußen auf dem Meer. Die Souvenirläden gibt es auch, aber sie verschwinden in der zweiten und dritten Reihe. Wer vor acht Uhr aufsteht, erlebt ein Bol, das die Tagesausflügler nie zu Gesicht bekommen.
Die Flaniermeile Put Vele Luke erwacht abends zum Leben: Cocktailbars, Eisdielen, Restaurants mit Meerblick. Das Nachtleben ist für kroatische Inselverhältnisse lebhaft, auch wenn Bol nicht mit Hvar-Stadt konkurrieren kann oder will. Mehrere Beachbars am Goldenen Horn halten bis spät in die Nacht offen, mit DJ-Sets unter Sternenhimmel.
Supetar: Der entspannte Norden

Die Fähre von Split legt in Supetar an – dem größten Ort der Insel, aber trotzdem überschaubar und erstaunlich entspannt. Ein Hafen mit Palmen, eine Uferpromenade mit Cafés, mehrere Kieselstrände direkt im Ort. Die Preise liegen 20-30 Prozent unter denen von Bol, die Atmosphäre ist weniger hektisch. Supetar ist der Ort für alle, die Strandurlaub ohne den Zlatni-Rat-Rummel wollen.
Der Friedhof von Supetar klingt als Sehenswürdigkeit makaber, ist aber ein Freilichtmuseum der Bildhauerei. Die Familiengräber der wohlhabenden Inselfamilien sind Meisterwerke aus Brač-Stein, geschaffen von Ivan Rendić, dem bedeutendsten kroatischen Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Sein Mausoleum für die Familie Petrinović – ein weißer Pavillon mit Skulpturen und Reliefs – gehört zu den beeindruckendsten Grabmälern des gesamten Mittelmeerraums. Der Eintritt ist frei, und kaum ein Tourist verirrt sich hierher.
Praktischer Vorteil: Wer mit dem Auto auf die Insel kommt, landet automatisch in Supetar. Die Fähre von Split fährt das ganze Jahr, alle ein bis zwei Stunden. Supetar eignet sich als Basis, um die gesamte Insel zu erkunden – nach Bol sind es 35 Kilometer, nach Pučišća 20, nach Milna 22. Der Ort hat Supermärkte, Apotheke, Arzt, Bankomat – alles, was man braucht, wenn man nicht in Strandbar-Preisen denken will.
Vidova Gora: Die Wanderung mit dem besten Ausblick
Der höchste Gipfel aller kroatischen Inseln steht direkt hinter Bol und bietet einen der spektakulärsten Panoramablicke der gesamten Adria. Von den 778 Metern Höhe siehst du Zlatni Rat als perfekte weiße Landzunge, das türkise Meer darum herum, den Hvar-Kanal, die Insel Hvar mit ihren Lavendelfeldern am Horizont. An klaren Tagen schweift der Blick bis zur italienischen Küste und zu den Gipfeln des Biokovo-Gebirges auf dem Festland.

Zu Fuß von Bol
Der Wanderweg startet am westlichen Ortsrand von Bol und führt durch Kiefernwald und Macchia bergauf. Die Route ist mit roten Punkten markiert und gut zu finden, verlangt aber Kondition: Rechne mit 2 bis 3 Stunden für den Aufstieg, je nach Fitness und Temperatur. Der Höhenunterschied beträgt rund 750 Meter auf etwa 5 Kilometer – das ist steil. Im Sommer wird der Aufstieg ab 10 Uhr zur Qual, weil der Schatten verschwindet und die Temperaturen über 35 Grad klettern. Starte vor Sonnenaufgang oder verschiebe die Tour in den Mai, September oder Oktober.
Ausreichend Wasser ist Pflicht – mindestens zwei Liter pro Person. Feste Schuhe sind empfehlenswert, auch wenn der Weg technisch nicht schwierig ist. Der Untergrund ist steinig, teilweise lose Kiesel. Sonnencreme und Kopfbedeckung sind im Sommer überlebenswichtig, kein Scherz.
Mit dem Auto oder Rad
Eine asphaltierte Straße führt von Bol über Nerežišća fast bis zum Gipfel. Die letzten paar Hundert Meter sind ein kurzer Fußweg. Am Gipfel gibt es eine Berghütte mit kalten Getränken und einfachem Essen – Schinken, Käse, Brot. Der Sonnenuntergang von hier oben, mit Blick auf das glühende Meer und die Silhouette der dalmatinischen Inseln, gehört zu den unvergesslichen Momenten einer Kroatien-Reise. Aber dann brauchst du eine Taschenlampe für den Abstieg oder eben das Auto.

Radfahrer nutzen die Straße zum Vidova Gora als anspruchsvolle Bergetappe – die Steigung ist konstant, der Belag gut, der Verkehr minimal. Wer die Insel mit dem Rad erkundet, sollte diese Tour nicht verpassen. Vom Festland aus bietet ridescouts eine Küstentour von Split Richtung Brela, die sich gut mit einem Tagesausflug nach Brač kombinieren lässt.
Pučišća und die Steinmetzschule
Wer verstehen will, warum Brač mehr ist als ein Strand, muss nach Pučišća. Das Dorf liegt an einem tief eingeschnittenen Fjord an der Nordküste – ein natürlicher Hafen, umgeben von weißen Steinhäusern, die sich im ruhigen Wasser spiegeln. Es ist einer der schönsten Orte der Insel, vielleicht ganz Dalmatiens, und die meisten Touristen fahren daran vorbei auf dem Weg nach Bol.
Die Klesarska Škola
Die Steinmetzschule wurde am 5. Januar 1909 vom Wiener Bauministerium gegründet – damals gehörte Dalmatien noch zu Österreich-Ungarn. Ihr Motto: “Mein Beruf ist ehrenhaft und rein. Man nennt mich Steinmetz.” Seit über einem Jahrhundert lernen hier junge Menschen, den berühmten weißen Brač-Marmor zu bearbeiten. Rund 50 Studierende pro Jahr, in zwei Klassen, erwerben in drei Jahren den Abschluss als Steinmetz-Techniker. Die Schule beschäftigt 22 Lehrkräfte, die theoretischen Unterricht mit intensiver Werkstattarbeit verbinden.
Das Gebäude selbst steht direkt am Hafen und wirkt fast palastähnlich – kein Zufall, denn Pučišća war durch den Steinhandel reich geworden. Besichtigungen sind donnerstags möglich, wenn offizielle Führungen stattfinden. Wer an anderen Tagen kommt, kann mit etwas Glück trotzdem einen Blick in die Werkstatt werfen, sollte aber nicht darauf zählen. In der Werkstatt sieht man Studierende, die mit traditionellen Handwerkzeugen – Hammer und Meißel, wie vor Jahrhunderten – aus rohen Marmorblöcken Ornamente, Rosetten, Skulpturen und Brunnenbecken schlagen.
Die Steinbrüche
Der Marmor von Brač wird unter dem Handelsnamen “Veselje” abgebaut, benannt nach dem Steinbruch oberhalb von Pučišća. Das Unternehmen Jadrankamen (“Adriastein”) betreibt die Abbaustellen und liefert den schneeweißen Stein in alle Welt. Die Römer haben hier bereits Stein gebrochen – Teile des Diokletianpalastes in Split stammen nachweislich aus den Brüchen von Brač. Später folgten Aufträge für den Stephansdom in Wien, die Kathedrale von Šibenik und, ja, das Weiße Haus in Washington. Die Fassade des Weißen Hauses besteht zwar aus Virginia-Sandstein, aber der Brač-Stein wurde für innere Strukturen und Dekorationselemente verwendet – ein Fakt, den die Inselbewohner mit berechtigtem Stolz erzählen.
Das Dorf selbst
Pučišća besteht aus Renaissance- und Barockpalazzi, die vom historischen Reichtum des Steinhandels zeugen. Die Häuser sind aus demselben weißen Stein gebaut, den sie exportiert haben – das ganze Dorf leuchtet in der Sonne. Am Hafen liegen Fischerboote, in den Gassen ist es still, die Touristen sind anderswo. Ein paar Konobas bieten frischen Fisch und Lamm an, ohne die aufgeblasenen Preise von Bol. Wer in Pučišća übernachtet, erlebt die ruhigste, authentischste Seite von Brač.
Olivenöl und Škrip: 2.000 Jahre Tradition
Das älteste Dorf der Insel
Škrip liegt im Landesinneren, wenige Kilometer südlich von Supetar, und ist möglicherweise die älteste Siedlung ganz Dalmatiens. Illyrische Mauern aus der Bronzezeit, römische Inschriften, ein mittelalterlicher Turm der Familie Radojković – die Schichten der Geschichte stapeln sich hier buchstäblich übereinander. Das Dorf ist winzig, verschlafen und faszinierend für jeden, der sich für Geschichte interessiert.

Das Muzej Otoka Brača (Museum der Insel Brač) ist im Radojković-Turm untergebracht und zeigt Funde aus allen Epochen der Inselgeschichte: römische Amphoren, mittelalterliche Wappen, alte Werkzeuge der Steinmetze und Olivenbauern. Der Eintritt kostet wenige Euro und dauert eine knappe Stunde – genug, um einen Eindruck von der erstaunlichen Tiefe der Geschichte dieser Insel zu bekommen.
Das Olivenölmuseum
Im selben Komplex zeigt das Olivenölmuseum, wie auf Brač seit über 2.000 Jahren Öl gepresst wird. Alte Steinpressen, Holzgerätschaften, Erklärungen zum Prozess von der Ernte bis zur Abfüllung. Das Olivenöl von Brač hat eine EU-geschützte Herkunftsbezeichnung (g.U.) und gehört zu den besten des Mittelmeerraums – fruchtig, leicht bitter, mit einem pfeffrigen Abgang, der typisch für die dalmatinische Oblica-Olive ist.
Probieren kannst du direkt im Museum oder bei Produzenten in den umliegenden Dörfern. Auf Brač gibt es geschätzt 800.000 Olivenbäume – auf 14.000 Einwohner. Die meisten Familien pressen ihr eigenes Öl, und das Beste davon wird nie exportiert, sondern in Fünf-Liter-Kanistern an Freunde und Familie verteilt. Wenn dir jemand eine Flasche hausgemachtes Öl anbietet, sag ja.
Die Drachenhöhle von Murvica
Fünf Kilometer westlich von Bol, 300 Meter über dem Meer, versteckt sich eine der merkwürdigsten Sehenswürdigkeiten der dalmatinischen Inseln. Die Zmajeva Špilja (Drachenhöhle) war im 15. Jahrhundert das Refugium glagolitischer Priester, die vor den Osmanen geflohen waren. In der rund 30 Meter langen Höhle, aufgeteilt in vier Kammern, schufen sie Reliefs, die christliche Symbolik mit slawischer Mythologie verbinden – darunter die Darstellung eines einäugigen Drachen namens Orkomarin.
Der Aufstieg von Murvica dauert etwa eine Stunde über einen steilen, steinigen Pfad. Feste Schuhe und Wasser sind Pflicht. Wichtig: Die Höhle ist nicht frei zugänglich – du brauchst eine geführte Tour, die du in Bol oder Murvica buchen kannst. Guides erklären die Geschichte auf Kroatisch, Deutsch oder Englisch. In der Hauptsaison starten Touren täglich um 8:30 Uhr von Murvica aus. Wer sich für mittelalterliche Kunst und die verworrene Religionsgeschichte des Balkans interessiert, findet hier einen der faszinierendsten Orte der Adria.
Strände abseits des Goldenen Horns
Zlatni Rat ist nicht der einzige Strand, und wer bereit ist zu suchen, findet Buchten, die dem berühmten Horn in nichts nachstehen – außer in der Besucherzahl. Brač hat über 175 Kilometer Küstenlinie, davon ein Großteil unerschlossen. Die Nordküste ist sanfter, mit Kieselstränden und flachem Einstieg. Die Südküste ist wilder, steiler, mit versteckten Buchten unter Klippen, zu denen man klettern muss. Beide Seiten haben glasklares Wasser.
Lovrečina
Die Bucht an der Nordküste zwischen Supetar und Pučišća ist Brač’ bestgehütetes Geheimnis – oder war es zumindest, bis die Reiseblogger kamen. Feiner weißer Kiesel, türkises Wasser, und am Rand die Ruinen einer frühchristlichen Basilika aus dem 5. Jahrhundert. Die Mauern stehen noch, die Geschichte ist greifbar, und du liegst am Strand neben 1.500 Jahre altem Mauerwerk.
Die Zufahrt ist unbefestigt und holprig, was die Massen fernhält. Am Strand gibt es eine einfache Bar mit Getränken und Snacks, sonst nichts – kein Liegenverleih, keine Animation, nur Natur und Stille. Sonnenschirm mitbringen, Schatten gibt es nur unter den Bäumen am Rand.
Farska-Bucht bei Milna

Westlich von Milna liegt diese Bilderbuchbucht, und Milna selbst gehört zu den verschlafenen Häfen, die das alte Dalmatien bewahrt haben. Weißer Kiesel fällt sanft ins Meer ab, Pinienwald spendet natürlichen Schatten, das Wasser ist kristallklar bis zum Grund. Milna hat einen der am besten geschützten Naturhäfen der Adria, was es zum beliebten Anlaufpunkt für Segler macht.
Die Bucht ist bei Seglern beliebt, die im geschützten Hafen anlegen und zum Baden hierher kommen. Unter der Woche, besonders morgens, gehört die Bucht dir praktisch allein. Ein kleines Strandlokal bietet Fisch, Salat und kaltes Bier – ehrlich und fair bepreist.
Murvica-Bucht
An der wilden Südküste, unterhalb des Bergdorfes Murvica, versteckt sich eine der einsamsten Buchten der Insel. Der Zugang ist nichts für Untrainierte: Ein steiler, steiniger Fußweg führt 20-30 Minuten bergab, und derselbe Weg wartet bergauf, was sich in der Mittagshitze rächt. Aber die Belohnung ist real: wilde Natur, keine Bar, keine Liegen, keine Menschen. Das Wasser ist kristallklar, die Felsen dramatisch, die Stille absolut. Für Abenteurer genau richtig, für Familien mit Kleinkindern zu beschwerlich. Alles selbst mitbringen.
Sutivan
Der familienfreundliche Ort an der Nordwestküste ist das Gegenteil von Bol: weniger Glamour, weniger Hype, dafür ehrliche Gastfreundschaft und faire Preise. Mehrere Kieselstrände säumen die Uferpromenade, flacher Einstieg macht sie ideal für Kinder. Die Infrastruktur ist da – Cafés, kleine Supermärkte, Restaurants – ohne aufdringlich zu sein. Die Fähre von Split hält hier nicht, was Sutivan vor dem Massentourismus bewahrt hat. Wer mit dem Auto von Supetar kommt, ist in zehn Minuten da.
Essen auf Brač: Lamm, Fisch und Vugava
Die Küche von Brač ist dalmatinisch-rustikal, mit einer Besonderheit: Das Lamm der Insel gilt als das beste Kroatiens. Die Schafe weiden frei auf den karstigen Hügeln und fressen Wildkräuter – Rosmarin, Salbei, Thymian –, was dem Fleisch einen unverwechselbaren Geschmack gibt.

Die Spezialitäten
Janjetina ispod peke – Lamm unter der Backhaube – ist das Traditionsgericht schlechthin. Das Fleisch wird mit Kartoffeln und Gemüse unter einen gusseisernen Deckel gelegt, darauf kommen glühende Kohlen. Drei Stunden garen, dann ist das Lamm so zart, dass es vom Knochen fällt. Dieses Gericht muss man in der Regel vorbestellen, weil die Zubereitung so lange dauert – spontan bekommt man es selten.
Vugava ist die autochthone Weißweinsorte von Brač, die nur hier wächst. Trocken, fruchtig, mit Noten von Zitrus und weißen Blüten – perfekt zu gegrilltem Fisch. Die Produktion ist winzig, die Flaschen verlassen die Insel kaum. Wer Vugava probieren will, muss nach Brač kommen. Die Weinkellerei Stina in Bol bietet Verkostungen an und hat eine Terrasse mit Meerblick.
Olivenöl von Brač – siehe oben – gehört auf jeden Tisch und in jeden Koffer. Auf den Bauernmärkten in Supetar und Bol findest du Produzenten, die direkt verkaufen.
Wo essen: die besten Adressen
Konoba Kopačina in Donji Humac ist die berühmteste Konoba der Insel und seit dem Jahr 2000 eine Institution. Liegt mitten im Inselinneren, zwischen Olivenhainen und Steinmauern. Die Spezialität: Lamm aus eigener Zucht, zubereitet auf dem Grill, unter der Peka oder am Spieß. Das Olivenöl kommt von der familieneigenen Farm. Die Terrasse hat Blick auf grüne Hügellandschaft. Reservierung ist zwingend nötig, besonders im Sommer – die Konoba ist fast immer voll, aber groß genug, um viele Gäste unterzubringen. Hauptgerichte um 15-25 Euro.
Ribarska Kućica in Supetar serviert fangfrischen Fisch direkt am Hafen. Tagesangebot nach Fang – Wolfsbarsch, Goldbrasse, Tintenfisch. Keine Speisekarte im klassischen Sinn, der Wirt erzählt dir, was da ist. Preise fair für die Qualität, Atmosphäre authentisch.
Konoba Dalmatino in Bol bietet eine Mischung aus Fisch und Fleisch auf einer versteckten Terrasse abseits der Hauptstraße. Gegrillter Oktopus, Pašticada (geschmortes Rindfleisch in Pflaumensoße), Brudet (Fischeintopf). Wer nach dem Strandtag nicht in einer Touristenfalle landen will, geht hierhin.
Ranč oberhalb von Bol ist für Fleischliebhaber: Steaks und Lamm mit Blick auf die Berge. Nichts für Fischpuristen, aber die Qualität stimmt, und die Portionen sind dalmatinisch-großzügig.

Konoba Mendula in Sutivan liegt direkt an der Uferpromenade, mit Blick auf den Hafen. Dalmatinische Hausmannskost: Schwarzes Risotto, Lamm-Spieße, hausgemachtes Brot mit Olivenöl. Die Preise sind deutlich unter Bol-Niveau.
Verlassene Dörfer im Landesinneren
Brač hat ein Geheimnis, das die meisten Besucher nie erfahren: Im Landesinneren stehen verlassene Steindörfer, deren Bewohner in den letzten hundert Jahren in die Küstenorte oder aufs Festland gezogen sind. Dražetina, Dol, Ložišća – die Häuser stehen leer, die Steinmauern bröckeln, Feigenbäume wachsen durch ehemalige Wohnzimmer.
Ein Spaziergang durch diese Geisterdörfer ist wie eine Zeitreise. Die Architektur erzählt von einem bäuerlichen Leben, das Jahrhunderte lang funktioniert hat – bis die Moderne kam und die Jungen abwanderten. Manche Häuser werden inzwischen von Künstlern oder Aussteigern restauriert, andere verfallen weiter. Es gibt keine Öffnungszeiten, keine Eintrittskarten, keine Schilder. Du gehst einfach hin und schaust. Am eindrucksvollsten ist Dol, ein Dorf mit verlassenen Steinhäusern und einer winzigen Kirche, umgeben von Olivenhainen, die niemand mehr erntet.
Anreise und Fähren nach Brač
Autofähre Split – Supetar (Jadrolinija, Linie 631)
Die wichtigste Verbindung und der Standardweg auf die Insel. Die Überfahrt dauert 50 Minuten, Jadrolinija betreibt die Route ganzjährig mit großen Autofähren.

| Preis (ca.) | |
|---|---|
| Erwachsener (einfach) | 5 Euro |
| PKW (einfach) | 26-35 Euro (je nach Saison) |
| Motorrad | 13-18 Euro |
| Fahrrad | 4-5 Euro |
Im Sommer fahren die Fähren alle 1-2 Stunden, in der Nebensaison 3-4 Mal täglich. Wichtig: In der Hochsaison (Juli/August) kann die Wartezeit am Fährhafen Split mehrere Stunden betragen. Wer am Freitagabend oder Samstagmorgen mit dem Auto übersetzen will, sollte mindestens 2-3 Stunden vor Abfahrt da sein. Reservierungen sind über die Jadrolinija-Website möglich und in der Hochsaison dringend empfohlen.
Katamaran Split – Bol
Die schnelle Alternative für Passagiere ohne Auto. Katamarane von Jadrolinija und KRILO fahren direkt nach Bol, Fahrzeit rund eine Stunde. Im Sommer mehrmals täglich, im Winter seltener. Preise ab 10-12 Euro pro Person (einfach). Diese Verbindung ist auch für Tagesausflüge geeignet – morgens hin, abends zurück.
Von Makarska
Im Sommer verkehren Katamaranlinien zwischen Makarska und der Südküste von Brač. Praktisch für alle, die die Makarska-Riviera besuchen und einen Tagesausflug nach Bol planen.
Fortbewegung auf der Insel
Mietwagen sind fast unverzichtbar, wenn du mehr als Bol oder Supetar sehen willst. Verleihstationen gibt es in beiden Orten, Preise ab etwa 35-50 Euro pro Tag in der Hauptsaison. Die Straßen sind gut ausgebaut, Parkplätze außerhalb von Bol meist kostenlos.
Roller sind perfekt für Brač – die Straßen sind übersichtlich, die Entfernungen kurz, der Verkehr minimal. Verleih ab 25-30 Euro pro Tag.
Busse verbinden die Hauptorte, aber der Fahrplan ist dünn. Im Sommer häufiger, im Winter nur ein paar Verbindungen pro Tag. Für spontane Erkundungstouren zu wenig.
Beste Reisezeit für Brač
Juni ist der Sweet Spot: warm genug zum Baden (Wassertemperatur um 22-24 Grad), die Hochsaisonchaos ist noch zwei Wochen entfernt, Zlatni Rat genießbar ohne Ellbogeneinsatz. Die Tage sind lang, das Licht golden, die Preise noch moderat.
September ist für viele die beste Zeit überhaupt: Das Meer ist mit 24-25 Grad wärmer als im Juni, die Strände leeren sich nach dem 1. September dramatisch, die Luft ist klar, die Sonnenuntergänge spektakulär. Die meisten Restaurants und Hotels haben noch offen, die Fähren fahren noch im Sommertakt.
Juli und August – voll und heiß. Temperaturen über 35 Grad, überfüllte Strände, hohe Preise. Nur wenn du Trubel magst oder schulpflichtige Kinder hast.
Mai und Oktober sind für Wanderer, Radfahrer und Kulturreisende ideal. Baden ist möglich, aber frisch (18-20 Grad im Mai, 21-22 im Oktober). Dafür sind die Wanderwege leer, die Landschaft grün, die Konobas kochen ohne Hektik.
Was Brač von anderen Inseln unterscheidet
Brač steht oft im Schatten von Hvar (das mondäne Nachtleben) und Korčula (die mittelalterliche Altstadt). Das ist ungerecht. Brač hat etwas, das keine andere dalmatinische Insel bieten kann: die Kombination aus dem berühmtesten Strand Kroatiens, einer lebendigen Handwerkstradition, dem höchsten Inselgipfel und einer kulinarischen Identität, die über Fisch und Pizza hinausgeht.
Die Insel ist groß genug für eine Woche, vielfältig genug für Wiederholungsbesucher, und nah genug an Split, um spontan erreichbar zu sein. Wer morgens den Diokletianpalast besucht, kann nachmittags auf Zlatni Rat liegen und abends in einer Konoba im Inselinneren Lamm unter der Peka essen.
Mein Rat bleibt: Zlatni Rat abhaken – früh morgens, einen halben Tag –, dann die Insel erkunden. Die Steinmetzwerkstätten in Pučišća, die Drachenhöhle über Murvica, die Olivenöl-Verkostung in Škrip, die Wanderung auf den Vidova Gora bei Sonnenaufgang. Das ist das Brač, das die Postkarten nicht zeigen. Und es ist mindestens so schön.