Hvar: Zwischen Party und Lavendel (2026)
- Redaktionsteam
- Regionen , Dalmatien
- 07 Mar, 2026
Inhalt
Hvar hat ein Imageproblem. Die Insel gilt als Partymeile, als kroatisches Ibiza, als Spielplatz für Yachtbesitzer und Influencer. Das stimmt — für etwa 5% der Insel.
Die anderen 95% sind Lavendelfelder, verlassene Dörfer, einsame Buchten und Ruhe. Das wahre Hvar versteckt sich hinter dem Hafen von Hvar-Stadt.
Zwei Inseln in einer
Die Küste von Hvar ist etwa 70 Kilometer lang, die Insel dünn und bergig. An der Westspitze liegt Hvar-Stadt — laut, teuer, spektakulär. Am anderen Ende Sućuraj — still, einfach, vergessen. Dazwischen Welten.
Hvar-Stadt zieht die Massen an: Yachten im Hafen, Designer-Boutiquen in den Gassen, Clubs, die bis zum Morgen pumpen. Wenn du Party suchst, bist du hier richtig. Wenn nicht, auch — aber dann zieh weiter.
Der Rest ist das Gegenteil: Weingüter, Olivenhaine, Steinhäuser mit blauen Fensterläden. Dörfer wie Velo Grablje haben mehr Häuser als Einwohner, die Straßen enden in Sackgassen mit Aussicht.
Hvar-Stadt: Die Show
Die Stadt ist absurd schön. Die Festung thront über allem, die Paläste säumen den Hafen, die Renaissance-Kathedrale überblickt den Hauptplatz — angeblich den größten Dalmatiens. Im Sommer platzt Hvar-Stadt aus allen Nähten, aber selbst dann findest du ruhige Ecken, wenn du weißt wo: Die Gassen hinter dem Benediktinerinnenkloster sind meistens leer, und die Strandpromenade Richtung Westen wird nach 500 Metern überraschend einsam.

Die Festung Fortica (Španjola)
Die Festung Španjola — der Name erinnert an die spanischen Soldaten, die hier im 16. Jahrhundert stationiert waren — ist das Wahrzeichen der Stadt. Der Aufstieg dauert 20 Minuten durch schmale Gassen und über Steintreppen. Oben angekommen, breitet sich ein 360-Grad-Panorama aus, das allein die Reise nach Hvar rechtfertigt: der Hafen mit seinen Yachten und Fischerbooten, die terrakottafarbenen Dächer der Altstadt, die Pakleni-Inseln im türkisfarbenen Wasser, und bei klarem Wetter die Küstenlinie des Festlands am Horizont.
Bei Sonnenuntergang wird der Blick von hier oben magisch — das Licht taucht alles in warmes Gold und Rosa, die Inseln vor der Küste werden zu dunklen Silhouetten. Genau deshalb ist es dann auch am vollsten. Wer die Aussicht ohne Gedränge will, kommt morgens früh oder kurz vor Schließung. Eintritt: 10 Euro, aber du kannst auch den kostenlosen Weg über die alte Stadtmauer nehmen — weniger bequem, gleiche Aussicht. Im Inneren der Festung gibt es eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Insel und eine Sammlung antiker Amphoren, die aus dem Meer geborgen wurden.
Der Hauptplatz (Pjaca) und die Kathedrale
Der Trg Svetog Stjepana, im Volksmund einfach Pjaca, ist das Herzstück von Hvar-Stadt. Mit fast 4.500 Quadratmetern ist er einer der größten Plätze Dalmatiens — eine langgezogene Piazza, die vom Hafen bis zur Kathedrale reicht. Morgens trinken die Einheimischen hier ihren Kaffee (oder das, was von ihnen übrig ist zwischen den Touristen), nachmittags drücken sich die Eissorten-Unentschlossenen vor den Gelaterias herum, abends verwandelt sich der Platz in einen Laufsteg. Die Preise sind stolz (Espresso 4 Euro, Cocktails 15 Euro aufwärts), aber du zahlst eben auch für die Kulisse.
Am Kopfende des Platzes steht die Kathedrale Sv. Stjepan (St. Stephan), ein Bau aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit einer auffällig eleganten Renaissance-Fassade. Der Glockenturm neigt sich leicht — nicht Architektur, sondern Altersschwäche. Im Inneren beherbergt die Kathedrale Gemälde venezianischer Meister und einen barocken Bischofsstuhl, den man leicht übersieht. Der Besuch ist kostenlos, nur das kleine Kirchenmuseum im Nebengebäude kostet ein paar Euro Eintritt.

Das Arsenal und Europas ältestes Bürgertheater
Am Hafen steht das alte Arsenal — ein wuchtiger Bau aus dem späten 16. Jahrhundert, in dem venezianische Galeeren gebaut und repariert wurden. Das Erdgeschoss diente als Werft, die Schiffe wurden durch die großen Bögen direkt ins Wasser gelassen. Heute beherbergt es wechselnde Ausstellungen.
Was das Arsenal aber besonders macht, liegt im ersten Stock: Das Teatro Comunale, ein öffentliches Bürgertheater aus dem Jahr 1612. Es war eines der ersten Theater in Europa, das nicht nur dem Adel vorbehalten war, sondern allen Bürgern offenstand — eine radikale Idee in einer Zeit strenger Standesordnung. Die Venezianer in Hvar wollten damit den sozialen Frieden sichern, nachdem ein Aufstand der Bürgerlichen die Stadt erschüttert hatte. Der kleine Saal mit seinen hölzernen Balkonen und bemalten Wänden wird noch heute bespielt: Im Sommer gibt es Konzerte, Theateraufführungen und Lesungen. Ein Besuch lohnt sich, selbst wenn kein Programm läuft — die Atmosphäre des jahrhundertealten Raumes wirkt auch leer.
Die Riva-Promenade
Die Uferpromenade entlang des Hafens ist der Ort, an dem sich Hvar in Szene setzt. Superyachten parken neben Fischerbooten, Restauranttische stehen direkt am Wasser, und abends wird der Kai zur Flaniermeile. Die Riva ist nicht der Ort für Schnäppchen — ein Abendessen am Wasser kostet leicht 50 bis 80 Euro pro Person — aber der Blick auf den beleuchteten Hafen bei Einbruch der Dunkelheit ist schwer zu übertreffen. Am westlichen Ende wird es ruhiger, und der Weg führt vorbei am Franziskanerkloster aus dem 15. Jahrhundert mit seinem kleinen Kreuzgang und einem überraschend guten Museum.
Stari Grad: Die älteste Stadt Kroatiens
Stari Grad liegt an der Nordküste, dort wo die Autofähre von Split anlegt, und es ist das exakte Gegenprogramm zu Hvar-Stadt. Gegründet 384 v. Chr. von griechischen Siedlern von der Insel Paros unter dem Namen Pharos, ist Stari Grad nicht nur die älteste Stadt auf Hvar, sondern eine der ältesten durchgehend besiedelten Städte in ganz Kroatien. Hier gibt es keine Yachten, keine Clubs und keine 15-Euro-Cocktails. Stattdessen Fischerboote im Hafen, Katzen auf den Steinmauern und das leise Klappern von Geschirr aus den Konobas.

Tvrdalj — Die Festung eines Dichters
Das bemerkenswerteste Gebäude in Stari Grad ist kein Palast und keine Kirche, sondern der befestigte Sommersitz des Renaissance-Dichters Petar Hektorović. Tvrdalj, gebaut im 16. Jahrhundert, ist eine Mischung aus Festung, Villa und philosophischem Refugium. Im Innenhof liegt ein Fischteich, der über Kanäle direkt mit dem Meer verbunden ist — Hektorović konnte von seinem Schreibtisch aus den Fischen beim Schwimmen zusehen. An den Wänden stehen lateinische und kroatische Inschriften, Sinnsprüche über Vergänglichkeit und Demut, die der Dichter dort einmeißeln ließ. Der Garten mit Jahrhunderte alten Zypressen und Agaven ist eine Oase der Stille, selbst im Hochsommer. Eintritt: etwa 5 Euro.
Das Stari-Grad-Feld (Starogradsko polje)
Hinter der Stadt erstreckt sich das Stari-Grad-Feld — ein Acker- und Weinbaugebiet, das seit 2008 zum UNESCO-Welterbe gehört, und das aus gutem Grund. Die griechischen Siedler teilten das Land vor über 2.400 Jahren in ein geometrisches Raster aus Parzellen, begrenzt durch Trockensteinmauern. Das Erstaunliche: Dieses Raster ist bis heute erhalten. Olivenbäume, Weinstöcke und Lavendel wachsen in denselben Parzellen, die schon die antiken Griechen bewirtschafteten. Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen die Kontinuität menschlicher Landwirtschaft so sichtbar ist. Am besten erkundest du das Feld zu Fuß oder mit dem Fahrrad — die flachen Wege zwischen den Steinmauern eignen sich perfekt dafür, und du triffst unterwegs kaum jemanden.
Lavendel: Hvars violettes Erbe
Zwischen Mitte Juni und Mitte Juli verwandelt sich das Inselinnere in ein violettes Meer. Die Lavendelfelder von Hvar sind kein Marketing-Gag, sondern eine Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. In den 1930er Jahren gehörte die Insel zu den größten Lavendelproduzenten der Welt — das Öl wurde nach Frankreich exportiert, wo es in Parfüms und Kosmetik landete. Heute ist die Produktion kleiner, aber das Klima, die trockenen steinigen Böden und die unbarmherzige Sonne produzieren noch immer Lavendelöl von herausragender Qualität.

Velo Grablje — Das Dorf, das vom Lavendel lebt
Das fast verlassene Dorf Velo Grablje im Inneren der Insel ist das Epizentrum der Lavendelkultur. Nur eine Handvoll Menschen leben hier noch ganzjährig, umgeben von den größten zusammenhängenden Lavendelfeldern der Insel. Die schmale Zufahrt schlängelt sich durch Olivenhaine und Steinmauern, bis sich die Landschaft öffnet und das Violett in Wellen über die Hänge rollt. Ein kleines Lavendelmuseum erklärt die Geschichte des Anbaus, und in der alten Destillerie kannst du zusehen, wie aus Blüten ätherisches Öl wird. Ende Juni oder Anfang Juli findet hier das Lavendelfest statt — ein kleines, authentisches Fest mit Ernte-Vorführungen, Volksmusik und Direktverkauf. Von Hvar-Stadt erreichst du Velo Grablje in etwa 20 Minuten mit dem Auto.
Wer mehr Tiefe will: Unser ausführlicher Lavendel-Guide für Hvar beschreibt alle Felder, die Destillation, Kauftipps und die besten Fotospots im Detail.
Die Strände
Hvar hat Dutzende Strände und Buchten — von organisierten Stadtstränden bis zu wilden Felsbuchten, die du nur über Ziegenpfade erreichst. Die meisten bestehen aus Kiesel oder Fels, Sand ist die Ausnahme. Das Wasser ist dafür so klar, dass du vom Ufer aus den Grund in fünf Metern Tiefe sehen kannst.
Pakleni Otoci (Paklinski-Inseln)
Die Inselgruppe vor Hvar-Stadt ist der Hauptgrund, warum viele überhaupt nach Hvar kommen. Taxiboote fahren alle 15 Minuten vom Hafen ab, die Fahrt dauert 10 bis 20 Minuten je nach Insel. Der Name hat nichts mit “Hölle” (pakao) zu tun, sondern kommt von “paklina” — dem Harz, mit dem Fischer ihre Boote abdichteten.

Palmižana ist der Hotspot der Inselgruppe: ein mediterraner Garten mit Restaurant, Bar, Marina und einem Kiesstrand zwischen Pinien. Schön, aber im Hochsommer voll. Die Anlage hat etwas von einem verwunschenen Botanischen Garten, mit Kakteen, Agaven und Oleander zwischen den Liegestühlen.
Stipanska auf der Nachbarinsel ist das Gegenprogramm: eine ruhige FKK-Bucht mit Kiefernwald, naturbelassen und ohne jede Infrastruktur. Wasser und Snacks mitbringen.
Vlaka hat sandigeren Grund und ist daher bei Familien mit kleinen Kindern beliebt. Das Wasser ist flach und warm, der Zugang einfach. Weniger besucht als Palmižana, aber kein Geheimtipp mehr.
Dubovica
Der fotogenste Strand der Insel liegt etwa 8 Kilometer östlich von Hvar-Stadt. Eine perfekte Bucht mit türkisem Wasser, eingerahmt von Steinhängen und einer alten Steinmühle, die am Ufer steht wie eine Requisite. Die Zufahrt über eine unbefestigte Straße schüttelt die Unentschlossenen aus — wer das letzte Stück zu Fuß schafft, wird belohnt. Es gibt ein kleines Strandrestaurant, das in der Hauptsaison funktioniert, aber verlasse dich nicht darauf. Eigenes Wasser und Sonnenschutz sind Pflicht.
Pokonji Dol
Der nächstgelegene Strand zu Hvar-Stadt, fußläufig erreichbar in etwa 20 Minuten entlang der Küste Richtung Osten. Kies und Fels, ein Beach Club mit Liegen und Cocktails, und ein markanter kleiner Leuchtturm auf der Felsinsel vor der Bucht, der auf praktisch jeder Hvar-Postkarte auftaucht. Pokonji Dol ist der Strand für alle, die nicht aufs Taxiboot warten wollen und trotzdem sauberes, klares Wasser suchen. Morgens, bevor die Strandliegen-Besitzer kommen, ist es am schönsten.
Zaraće
Zwei Buchten an der Südküste zwischen Hvar-Stadt und Stari Grad, verbunden über einen kurzen Wanderweg durch duftende Macchia — Rosmarin, Lavendel, Salbei. Kiesel, kristallklares Wasser, null Kommerz. Keine Liegen, keine Bars, keine Touristen mit Selfie-Sticks. Das ist Hvars Antwort auf die Frage, wie Strände vor dem Massentourismus aussahen.
Etwa 15 Minuten von der Straße, genug um die meisten abzuschrecken. Die östliche Bucht ist größer und etwas zugänglicher, die westliche wilder und einsamer. Schnorchler finden hier klares Wasser und felsigen Grund mit Fischen und Seeigeln (aufpassen beim Einstieg). Schatten gibt es kaum, also früh kommen oder Sonnenschirm mitbringen.
Essen und Nachtleben
Restaurants: Wo sich Geld lohnt (und wo nicht)
Hvar-Stadt hat ein Dutzend Restaurants, die Qualität liefern — und drei Dutzend, die von der Lage leben. Die Unterscheidung ist nicht immer leicht, aber ein paar Adressen halten sich seit Jahren und aus gutem Grund.
Giaxa in einer alten venezianischen Palastloggia serviert kreative dalmatinische Küche mit Einflüssen aus der ganzen Mittelmeerregion. Das Tintenfischrisotto ist eines der besten auf der Insel, die Atmosphäre im Innenhof zwischen jahrhundertealten Mauern schwer zu überbieten. Reservierung im Sommer zwingend notwendig, rechne mit 40 bis 60 Euro pro Person.
Dalmatino liegt versteckt in einer Gasse hinter dem Hauptplatz und konzentriert sich auf klassische dalmatinische Gerichte, ehrlich zubereitet und ohne unnötigen Schnickschnack. Die Peka (Fleisch oder Fisch im Eisendeckel unter Glut gegart) muss vorbestellt werden, lohnt sich aber — langsam gegartes Lamm, das vom Knochen fällt, mit Kartoffeln, die den ganzen Saft aufgenommen haben.
Gariful am Hafen ist die Adresse für Fisch und Meeresfrüchte. Die Terrasse liegt direkt am Wasser, die Fänge des Tages liegen auf Eis in der Auslage. Teuer (Fisch wird nach Kilo berechnet, schnell 60 Euro und mehr pro Person), aber die Qualität stimmt, und der Blick auf den abendlichen Hafen ist Teil des Erlebnisses. Frag nach dem Tagesfang und lass dich beraten, statt die Karte zu studieren.
In Stari Grad und Jelsa isst du für die Hälfte, oft genauso gut. Die Konobas im Hinterland — Steinhäuser mit Grillgeruch und Hauswein aus dem Plastikkanister — sind kulinarisch manchmal die besten Entdeckungen.
Nachtleben: Kroatiens Partyhochburg
Hvar hat das beste Nachtleben außerhalb des kroatischen Festlands, und je nach Maßstab sogar das beste im ganzen Land. Die Szene konzentriert sich fast ausschließlich auf Hvar-Stadt — der Rest der Insel schläft um Mitternacht.
Hula Hula ist die Beach Bar für den Sonnenuntergang und der perfekte Einstieg in den Abend. An der Felsenküste westlich des Zentrums gelegen, direkt am Wasser, mit DJs, die von Chillout langsam Richtung House aufdrehen, während die Sonne hinter den Pakleni-Inseln versinkt. Ab 17 Uhr wird es voll, die Stimmung ist entspannt-festlich, die Drinks sind stark und nicht günstig (Cocktails ab 12 Euro). Gegen 22 Uhr leert sich die Bar, und die Menge zieht weiter in die Stadt.
Carpe Diem Beach auf der Insel Marinkovac (Pakleni-Inseln) ist Hvars legendärer Club. Taxiboote bringen dich für 10 bis 15 Euro hinüber, die Party läuft bis in die frühen Morgenstunden. Die Location ist einzigartig — ein Club auf einer Insel, umgeben von dunklem Meer und Sternen. Internationale DJs, Pool, VIP-Bereiche, hohe Preise (Tischreservierung ab 200 Euro). Es ist laut, teuer und kommerziell, aber als Erlebnis schwer zu kopieren. Im Stadtzentrum hat Carpe Diem auch eine Bar, die als Pre-Party-Location dient.
Die Clubs und Bars in der Altstadt selbst wechseln regelmäßig Namen und Betreiber — was letztes Jahr angesagt war, kann dieses Jahr geschlossen sein. Frag am Hafen oder an der Rezeption, was gerade funktioniert. Die Gassen rund um die Pjaca sind nach Mitternacht laut und lebendig, mit improvisierten Trinkrunden auf den Treppen und spontanen Gesprächen zwischen Fremden.
Wer Ruhe sucht: Ab Stari Grad herrscht abends Stille. Das ist kein Mangel, sondern ein Feature.
Das andere Hvar
Außerhalb von Hvar-Stadt wird es still. Die Straßen werden schmal, die Dörfer älter, die Aussichten weiter.
Jelsa
Das drittgrößte Städtchen der Insel, familiärer als Hvar-Stadt, lebendiger als Stari Grad. Ein guter Kompromiss für alle, die beides wollen. Der Stadtkern ist klein und hübsch, mit einer Pfarrkirche am Platz, Cafes unter Platanen und einem Hafen, in dem Fischerboote die Yachten zahlenmäßig noch schlagen.
Der Strand Grebišće liegt fußläufig entfernt — Sand und Kies, flaches Wasser, Pinienwald als Schatten. Für Familien mit Kindern ist Jelsa oft die bessere Basis als Hvar-Stadt: günstiger, ruhiger, und mit Stränden, die man zu Fuß erreicht.
Zavala und die Südküste
Die Südseite von Hvar ist wild und wenig erschlossen. Die Dörfer Zavala, Ivan Dolac und Sveta Nedjelja kleben an den Hängen über dem Meer, erreichbar über einen Tunnel durch den Berg. Die Straßen sind eng, die Kurven scharf, und das letzte Stück hinunter zum Wasser ist nichts für schwache Nerven.

Der Wein: Hier wächst der Plavac Mali, einer der besten Rotweine Kroatiens. Die Weinberge fallen steil zum Meer ab, die Trauben reifen unter extremer Sonne und den Reflexionen vom Wasser. Die Weingüter bieten Verkostungen an — oft mit Blick aufs Meer und einem Glas in der Hand, während die Sonne untergeht. Zlatan Otok und Tomić sind die bekanntesten Namen, aber auch kleinere Produzenten schenken aus.
Mit dem Rad über Hvar
Die Insel ist nicht das erste, woran man beim Radfahren denkt — die Hügel sind steil und die Hitze im Sommer gnadenlos. Aber im Frühjahr und Herbst, wenn die Temperaturen erträglich sind, offenbart Hvar seine stille Seite auf zwei Rädern. Die Straßen im Inselinneren sind ruhig, die Aussichten über Lavendelfelder und Olivenhaine auf das Meer spektakulär.
Wer das Festland gegenüber von Hvar mit dem Rad erkunden will, findet auf dem Festland großartige Möglichkeiten: Die Route Hinter der Küste führt auf 68 Kilometern von Split durch die Cetina-Schlucht bis nach Brela — eine Strecke, die sich perfekt als Tagesausflug vom Festland kombinieren lässt, bevor oder nachdem du die Fähre nach Hvar nimmst.
Praktische Tipps
Anreise: Fähre ab Split
Es gibt zwei Wege nach Hvar, und welchen du wählst, hat Konsequenzen.
Der Katamaran (nur Passagiere, kein Auto) fährt von Split direkt nach Hvar-Stadt. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde, im Sommer gibt es mehrere Verbindungen pro Tag. Der Katamaran ist schnell und bequem, aber du bist ohne Auto auf der Insel — was in Hvar-Stadt kein Problem ist, für den Rest der Insel aber bedeutet, dass du auf Busse, Roller oder Taxiboote angewiesen bist.
Die Autofähre von Split fährt nach Stari Grad, nicht nach Hvar-Stadt. Die Überfahrt dauert etwa zwei Stunden. Von Stari Grad nach Hvar-Stadt sind es dann noch 20 Minuten mit dem Auto über die Inselstraße. Der Vorteil: Du hast dein Fahrzeug dabei und bist flexibel. Der Nachteil: In der Hochsaison (Juli/August) sind die Fähren ausgebucht, und du wartest im schlimmsten Fall stundenlang am Terminal in Split. Buche online über Jadrolinija oder TP Line, mindestens eine Woche vorher, besser zwei.
Fähre ab Drvenik: 30 Minuten nach Sućuraj am Ostende der Insel. Praktisch, wenn du von Süden kommst oder die Insel der Länge nach durchqueren willst — aber die Fahrt von Sućuraj nach Hvar-Stadt dauert über eine Stunde auf kurvenreicher Straße.
Parken: Der Albtraum im Sommer
Parken in Hvar-Stadt im Sommer ist ein Wort: katastrophal. Die Stadt wurde für Fischerboote gebaut, nicht für SUVs. Es gibt einen großen Parkplatz am Ortseingang (Zone 1, teuer: 3 bis 5 Euro pro Stunde), der ab Mitte Vormittag voll ist. Weiter außerhalb gibt es günstigere Plätze, aber du läufst dann 15 bis 20 Minuten. Inoffizielle Parkwächter winken dich auf Feldwege und verlangen 20 bis 30 Euro pauschal — ob das legal ist, sei dahingestellt, aber es funktioniert.
Der beste Rat: Komm früh (vor 9 Uhr) oder parke in Stari Grad und nimm den Bus nach Hvar-Stadt. Oder noch besser: Lass das Auto auf dem Festland und nimm den Katamaran. Die Straßen auf Hvar sind eng, der Verkehr in der Hochsaison nervenaufreibend, und ein Roller ist in jeder Hinsicht die bessere Wahl.
Beste Reisezeit
Juni: Lavendelblüte, warm, nicht zu voll — die beste Zeit. Die Temperaturen liegen bei 25 bis 28 Grad, das Meer wird warm genug zum Schwimmen, und die Preise sind noch nicht auf Hochsaison-Niveau.
Juli bis August: Heiß (bis 35 Grad), teuer, Party-Hochsaison. Gut für Nachtleben und Strandtage, anstrengend für alles andere. Fähren voll, Parkplätze voll, Restaurants voll. Wer keine Wahl hat, bucht alles Monate vorher.
September: Ruhiger, noch warm, Weinlese-Stimmung an der Südküste. Das Meer hat die Sommerwärme gespeichert und ist oft wärmer als im Juni. Viele halten den September für den besten Monat.
Mai und Oktober: Für Wanderer, Radfahrer und Ruhesuchende. Hotels und Restaurants haben geöffnet, die Massen sind weg. Das Wetter kann wechselhaft sein, aber die guten Tage sind grandios.
Unterkunft
Hvar-Stadt: Teuer (100 bis 300 Euro pro Nacht im Sommer), zentral, nachts laut — wer leichten Schlaf hat, bucht abseits der Riva. Hotels wie das Adriana haben Pool und Meerblick, aber auch einen Preis, der wehtut.
Stari Grad: Günstiger, ruhiger, authentischer. Ideal als Basis, wenn du ein Auto hast und die Insel erkunden willst.
Jelsa: Der Mittelweg — weder teuer noch langweilig, mit guter Anbindung an Strände und dem Vorteil, dass du nachts schlafen kannst.
Südküste: Für Abgeschiedenheit und Weintourismus. Wenige Unterkünfte, die es gibt, sind klein und persönlich.
Ehrlich gesagt
Hvar polarisiert. Manche lieben die Energie von Hvar-Stadt, andere fliehen nach einer Nacht. Beide haben recht.
Mindestens zwei Nächte solltest du bleiben, davon eine außerhalb von Hvar-Stadt. Die Insel hat mehr zu bieten als ihren Ruf — aber du musst hinter die Hafenpromenade schauen. Die Lavendelfelder im Juni, die Weingüter an der Südküste, die verlassenen Dörfer im Landesinneren, das UNESCO-Feld von Stari Grad — das ist das Hvar, das die Party-Fotos nicht zeigen. Und es ist mindestens genauso gut.