Nin: Königsstadt, Sandstrände & heilender Schlamm 2026
- Redaktionsteam
- Dalmatien , Reisetipps
- 07 Mar, 2026
Inhalt
Nin ist einer dieser Orte, die mehr Geschichte in sich tragen, als ihre Größe vermuten lässt. Diese winzige Stadt auf einer Insel — verbunden mit dem Festland durch zwei Steinbrücken — war einst die Hauptstadt des kroatischen Königreichs. Hier wurden Könige gekrönt, hier stand die älteste kroatische Kirche, hier wurde die glagolitische Schrift gepflegt. Heute ist Nin ein verschlafenes Städtchen mit 1.500 Einwohnern, umgeben von Salzwiesen, Sandstränden und Heilschlamm. Wer Nin besucht, betritt eine Bühne, auf der sich über tausend Jahre europäische Geschichte abgespielt haben — nur dass heute statt Königen und Bischöfen Familien mit Sandförmchen und Kitesurfer mit bunten Segeln das Bild bestimmen.

Warum Nin?
Die meisten Touristen fahren an Nin vorbei — die Autobahn führt direkt nach Zadar, nur 17 Kilometer südlich. Das ist ein Fehler. Nin bietet, was Zadar nicht hat: Sandstrände (selten in Kroatien!), Ruhe, und eine Geschichte, die jede dalmatinische Stadt in den Schatten stellt. Während sich in Zadar die Kreuzfahrtpassagiere durch die Gassen schieben, sitzt du in Nin auf einer leeren Piazza und hörst nichts außer Möwen und dem Wind, der durch die Salzwiesen streicht.
Nin war das religiöse und politische Zentrum Kroatiens im frühen Mittelalter. Die Stadt war Sitz des ersten kroatischen Bistums, gegründet bereits im 9. Jahrhundert, als Zagreb noch ein unbedeutendes Dorf war. Sieben kroatische Könige wurden hier gekrönt, darunter Tomislav, der erste König, der im Jahr 925 die kroatischen Fürstentümer einte. Die Krönungszeremonien fanden in der kleinen Kirche des Heiligen Kreuzes statt — einem Bauwerk, das heute als kleinste Kathedrale der Welt gilt. Erst die Osmanen-Bedrohung im 16. Jahrhundert beendete Nins Bedeutung. Die Venezianer, die Dalmatien kontrollierten, sprengten die Stadt 1570 lieber in die Luft, als sie den Türken als strategischen Stützpunkt zu überlassen. Eine Stadt, die Jahrhunderte lang das Herz Kroatiens war, wurde in einer Nacht zum Trümmerhaufen.
Was übrig blieb, ist ein Ort, der seine Größe nicht aus Monumenten zieht, sondern aus der Stille zwischen den Steinen. Die Altstadt ist in zehn Minuten durchquert, aber jeder Schritt führt über Fundamente, die ein Jahrtausend alt sind.
Nins Königsgeschichte
Nin als erste Hauptstadt Kroatiens zu bezeichnen, ist keine Übertreibung. Im 9. Jahrhundert, als die Kroaten sich als Volk und Staat formierten, war Nin das Zentrum der Macht. Fürst Branimir empfing hier 879 die päpstliche Anerkennung — ein diplomatischer Coup, der Kroatien als eigenständige christliche Nation auf die europäische Landkarte setzte. Die Urkunde, die Papst Johannes VIII. nach Nin schickte, gilt als eine der Geburtsurkunden des kroatischen Staates.
Die Krönungskirche stand direkt in der Altstadt, und die Bischöfe von Nin waren die mächtigsten Kirchenmänner des Landes. Der berühmteste unter ihnen, Bischof Grgur Ninski (Gregor von Nin), führte im 10. Jahrhundert einen erbitterten Kampf gegen Rom. Sein Anliegen: In kroatischen Kirchen sollte nicht auf Latein, sondern auf Kroatisch gepredigt werden — in der altkroatischen Sprache, geschrieben in glagolitischer Schrift. Auf den Kirchensynoden von Split in den Jahren 925 und 928 stand er allein gegen die lateinische Fraktion. Er verlor politisch, aber sein Erbe überlebte: Die glagolitische Tradition hielt sich in Teilen Kroatiens bis ins 19. Jahrhundert.
Heute steht Grgurs Denkmal vor der nördlichen Stadtmauer, geschaffen vom größten kroatischen Bildhauer Ivan Mestrovic. Die Bronzefigur ist überlebensgroß, der Bischof streckt den Finger mahnend gen Himmel, das Gesicht entschlossen. Ursprünglich stand die Statue im Diokletianpalast in Split, wurde aber von den italienischen Besatzern im Zweiten Weltkrieg entfernt und nach dem Krieg in Nin aufgestellt — wo sie eigentlich hingehört. Der große Zeh des linken Fußes glänzt golden, blank poliert von Millionen Händen: Wer ihn reibt, dem soll Glück beschieden sein. In der Hochsaison stehen die Besucher Schlange, um den Zeh zu berühren. Es ist eine der skurrilsten Szenen an der Adria — eine Traube Menschen, die gebückt am Fuß einer Bronzestatue reibt, während der Bischof streng über sie hinwegblickt.
Kirche des Heiligen Kreuzes — die kleinste Kathedrale der Welt
Die Kirche des Heiligen Kreuzes (Sveti Kriz) ist das architektonische Juwel Nins und eines der bedeutendsten Bauwerke der kroatischen Kulturgeschichte. Mit nur 36 Quadratmetern Grundfläche wird sie oft als “kleinste Kathedrale der Welt” bezeichnet, auch wenn Historiker darüber streiten, ob der Titel streng genommen korrekt ist. Was nicht umstritten ist: Das Gebäude stammt aus dem 9. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten erhaltenen kroatischen Sakralbauten überhaupt.

Die Form ist außergewöhnlich. Der Grundriss zeigt ein griechisches Kreuz — vier gleich lange Arme, die sich im Zentrum treffen — gekrönt von einer Kuppel. Diese Architektur ist typisch für die kroatische Vorromanik, eine Stilrichtung, die es so nur in diesem schmalen Streifen an der östlichen Adria gab. Die Maße des Gebäudes sind nicht zufällig: Archäologen haben nachgewiesen, dass die Fenster und Öffnungen so positioniert sind, dass das Sonnenlicht an den Tag-und-Nacht-Gleichen und an den Sonnenwenden durch bestimmte Öffnungen fällt und präzise markierte Stellen im Innenraum beleuchtet. Die Kirche funktionierte also auch als Kalender — ein Sonnenobservatorium aus dem Frühmittelalter, verpackt in einen Sakralbau. Zur Frühlings-Tagundnachtgleiche am 21. März fällt ein Lichtstrahl exakt auf eine bestimmte Stelle am Boden. Diese astronomische Präzision in einem Gebäude aus dem 9. Jahrhundert versetzt Besucher immer wieder in Staunen.
Die Kirche steht frei auf einem kleinen Platz am östlichen Rand der Altstadt. Sie ist unscheinbar — wer nicht danach sucht, läuft vorbei. Innen ist der Raum winzig, dunkel und kühl, selbst an heißen Sommertagen. Die Wände sind kahl, der Schmuck ist längst in Museen gewandert, aber die Atmosphäre ist intensiv. Hier haben kroatische Könige gebetet, hier wurde in glagolitischer Schrift gelesen, hier hat sich ein Volk seine Identität zusammengebaut. Die Kirche ist oft verschlossen; frag im Tourismusbüro am Hauptplatz nach Öffnungszeiten oder einer Führung. Der Eintritt ist frei.
Die Salzwiesen von Nin
Salz und Nin gehören zusammen wie Dubrovnik und Stadtmauern. Seit der Römerzeit wird hier Meersalz gewonnen — über zweitausend Jahre ununterbrochene Produktion. Die Saline von Nin (Solana Nin) liegt am nordöstlichen Rand der Stadt, direkt an der Lagune, und ist eine der ältesten noch aktiven Salinen Europas. Im Sommer schimmern die flachen Becken in Weiß-, Rosa- und Violetttönen, je nach Salzkonzentration und Algenbestand. Der Geruch nach Salz und Meer hängt schwer in der Luft, und bei Windstille glänzt die Oberfläche der Becken wie ein Spiegel.

Die Salzgewinnung funktioniert hier noch immer nach traditioneller Methode: Meerwasser wird in flache Becken geleitet, wo es unter der dalmatinischen Sonne langsam verdunstet. Der Prozess dauert Wochen, und das Ergebnis ist ein grobes, mineralreiches Meersalz, das in Kroatien als Premiumprodukt gilt. Das eigentliche Juwel der Produktion ist die “Blume des Salzes” (Fleur de Sel) — die hauchdünne, kristalline Schicht, die sich bei bestimmten Wetterbedingungen an der Wasseroberfläche bildet und von Hand abgeschöpft wird. In der Gastronomie ist das Niner Fleur de Sel ein Begriff: Spitzenköche in Zagreb und an der Küste verwenden es als Finishing-Salz, und Feinschmecker schwören, es schmecke weicher und komplexer als industrielles Speisesalz.
Die Saline bietet geführte Besichtigungen an, bei denen erklärt wird, wie die Becken bewirtschaftet werden, warum das Wetter entscheidend ist und was den Unterschied zwischen grobem Salz und Fleur de Sel ausmacht. Die Touren dauern etwa 45 Minuten und kosten nur ein paar Euro. Im angeschlossenen Shop kannst du Salz in allen Varianten kaufen: grobkörnig, fein gemahlen, mit Kräutern (Rosmarin, Lavendel, Chili), als Badesalz und natürlich die begehrte Salzblume. Ein Beutel Niner Fleur de Sel ist das beste Mitbringsel aus Dalmatien — es kostet wenig, wiegt nichts, und jeder freut sich darüber. Rechne mit 5-8 Euro für 250 Gramm.
Heilschlamm — Nins Naturwellness
In der flachen Lagune vor der Kraljicina Plaza lagert ein dunkler, leicht schwefelhaltig riechender Schlamm, der seit Jahrhunderten für seine heilende Wirkung bekannt ist. Der Peloid, wie Geologen ihn nennen, enthält Schwefelverbindungen, Mineralien und organische Substanzen, die bei Rheuma, Arthritis, Hautproblemen und Muskelverspannungen helfen sollen. Wissenschaftliche Studien haben die entzündungshemmende Wirkung des Schlamms tatsächlich bestätigt, und kroatische Dermatologen empfehlen ihn bei Psoriasis und Ekzemen.
Das Beste daran: Der Heilschlamm ist völlig kostenlos und frei zugänglich. Du watschst in die flache Lagune, grabst mit den Händen den dunklen Schlamm vom Boden und trägst ihn auf Arme, Beine, Rücken und Gesicht auf. Dann setzt du dich in die Sonne und wartest, bis die Schicht getrocknet ist — das dauert je nach Hitze 15 bis 30 Minuten. Die Haut spannt, der Schlamm wird grau und rissig, und du siehst aus wie eine Tonfigur. Dann ab ins Meer, abwaschen, und die Haut fühlt sich an wie nach einem teuren Spa-Besuch: glatt, weich und durchblutet. Die Prozedur ist ein Erlebnis für sich, und Kinder lieben es — wo sonst darf man sich absichtlich mit Matsch einschmieren?
Ein praktischer Hinweis: Der Schlamm riecht nach Schwefel, also nicht nach Parfüm. Zieh kein weißes T-Shirt an, das du noch brauchst. Und dusche danach gründlich — die Mineralien können Badekleidung verfärben, wenn sie zu lange einwirken. Der Schlamm befindet sich am westlichen Ende der Kraljicina Plaza, wo die Lagune besonders flach ist. Die besten Stellen erkennst du an den dunkleren Sedimentflecken im Wasser.
Strände — Nins Geheimwaffe
Nin hat etwas, das in Kroatien selten ist: echte Sandstrände. Keine Kieselstrände mit Sand-Patches, sondern lange, flache Sandstrände mit türkisem Wasser und sanftem Einstieg. Für Familien mit kleinen Kindern ist das Gold wert — kein Humpeln über spitze Steine, kein Weinen wegen aufgeschürfter Füße, sondern Buddeln, Burgenbauen und Planschen im kniehohen Wasser, das sich in der Lagune schnell auf Badewannentemperatur aufheizt.
Kraljicina Plaza (Königinnenstrand)
Der berühmteste Strand Nins, benannt nach einer kroatischen Königin, die hier angeblich gebadet haben soll. Rund drei Kilometer feiner, heller Sand erstrecken sich entlang der Lagune. Das Wasser bleibt auf den ersten fünfzig Metern knietief — perfekt für Kinder, die hier ohne Aufsichtspanik spielen können, während die Eltern auf dem Handtuch liegen. In der Hochsaison ist der Abschnitt direkt am Haupteingang gut besucht, mit Strandbars, Liegestühlen und Musik. Wer es ruhiger will, läuft zehn Minuten in Richtung Westen: Dort endet die Infrastruktur, und du hast breite Sandabschnitte fast für dich allein.

Infrastruktur am Hauptstrand:
- Parkplatz vorhanden (ca. 1-2 Euro/Stunde im Sommer 2026)
- Strandbars und Restaurants direkt am Strand
- Liegestuhl + Schirm ca. 10-15 Euro/Tag
- Duschen und Toiletten vorhanden
- SUP- und Kajakverleih in der Hochsaison
Zdrijac
Der Stadtstrand von Nin, nur fünf Gehminuten von der Altstadt über die östliche Brücke. Zdrijac ist kleiner als Kraljicina, aber praktisch für ein schnelles Bad zwischen Sightseeing und Mittagessen. Der Sand ist etwas gröber, das Wasser etwas tiefer, und der Wind bläst hier stärker — was den Strand zum bevorzugten Spot der Kitesurfer macht. Am Nordende des Strandes stehen die Schulen und Verleiher, am Südende ist es ruhiger. Im Sommer gibt es eine Strandbar mit DJ am Wochenende. Der Kitesurfspot hat sich unter Wassersportlern in ganz Europa herumgesprochen: Die Kombination aus konstantem Wind (Bura aus dem Norden, Maestral aus dem Südwesten), flachem Wasser und Sandboden ist ideal für Anfänger und Fortgeschrittene. Surfschulen wie Kitesurfing Nin oder Windchaser bieten Anfängerkurse ab 100-150 Euro für drei Stunden an.
Zaton
Etwa fünf Kilometer südlich von Nin liegt Zaton, ein kleiner Ferienort mit einem langen, flachen Sandstrand, der zu einem großen Campingplatz (Zaton Holiday Resort) gehört. Der Strand ist hervorragend gepflegt, mit Rutschen, Hüpfburgen und Animation für Kinder. Wer mit Kleinkindern reist und Infrastruktur schätzt, ist hier richtig. Der Nachteil: Im Juli und August ist es voll, laut und durchorganisiert — das Gegenteil der entspannten Nin-Atmosphäre. Außerhalb des Resortbereichs gibt es aber auch freie Strandabschnitte.
Essen und Trinken
Nin ist klein, die Restaurantauswahl überschaubar — aber was es gibt, ist solide und ehrlich. Die Altstadt hat eine Handvoll Konobas (traditionelle Gasthäuser) und Restaurants, die sich auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisiert haben. Frischer Fang vom Tag, auf dem Grill zubereitet, dazu Mangold und Kartoffeln — das klassische dalmatinische Essen, ohne Schnickschnack und ohne überhöhte Preise.
Die lokale Spezialität, die du anderswo in Kroatien nicht bekommst, ist Ninski sokol — ein gepökelter und leicht geräucherter Schweinenacken, der über Wochen an der Luft reift. Das Ergebnis erinnert an italienischen Coppa: zart, würzig, mit einer leichten Rauchnote. Sokol wird dünn geschnitten als Vorspeise serviert, oft zusammen mit dem Salz aus der Niner Saline, Olivenöl und frischem Brot. In den Konobas der Altstadt steht er auf jeder Karte, und auf dem kleinen Markt am Hauptplatz kannst du vakuumierte Stücke als Mitbringsel kaufen. Rechne mit 15-20 Euro pro Kilogramm.
Empfehlungen:
- Konoba Branimir: Traditionelle dalmatinische Küche in einer schmalen Altstadtgasse. Der gegrillte Fisch ist tagesfrisch, die Portionen großzügig, die Preise fair. Reservierung im Sommer empfohlen.
- Restaurant Zrinski: Direkt am Wasser mit Blick auf die Lagune. Der eigentliche Grund, hierher zu kommen, ist der Sonnenuntergang — die Küche ist solide, aber die Aussicht ist das Highlight.
- Restaurant Lorenzo: Das gehobenste Restaurant in Nin, mit kreativen Interpretationen dalmatinischer Klassiker. Nicht billig, aber auch nicht überteuert. Im Sommer sitzt du im Innenhof unter Weinranken.
An der Kraljicina Plaza gibt es Strandbars mit Pizza, Cevapcici und Eis — nichts Besonderes, aber praktisch, wenn du den ganzen Tag am Strand verbringst und keine Lust auf Umziehen hast.
Tagesausflüge ab Nin
Nin liegt strategisch günstig: Zwischen der Küste und dem Velebit-Gebirge, nah an Zadar und mit guter Anbindung an die Autobahn. Von hier aus erreichst du einige der besten Ziele Norddalmatiens in unter einer Stunde.
Zadar (15 Minuten)
Die naheliegendste Kombination. Zadar ist nur 17 Kilometer entfernt und bietet alles, was Nin nicht hat: eine große Altstadt mit römischen Ruinen, die berühmte Meeresorgel am Hafen, den “Gruß an die Sonne” (eine begehbare Lichtinstallation am Wasser), Museen, Bars und Nachtleben. Morgens durch Zadars Gassen schlendern, mittags in einer der Fischkonobas am Hafen essen, nachmittags zurück nach Nin an den Strand — ein perfekter Tag. Mehr dazu in unserem Zadar-Guide.
Nationalpark Paklenica (45 Minuten)
Nördlich von Nin, am Fuß des Velebit-Gebirges, liegt Paklenica — eine der spektakulärsten Schluchten Kroatiens. Zwei Canyons, Velika und Mala Paklenica, schneiden sich tief in den Fels, umgeben von Kiefernwäldern und Karsthöhlen. Die Wanderwege reichen von leichten Spaziergängen entlang des Bachbetts bis zu anspruchsvollen Ganztagestouren auf den Gipfel des Vaganski Vrh (1.757 Meter). Für Kletterer ist Paklenica ein Paradies: Über 400 Routen in allen Schwierigkeitsgraden ziehen Sportkletterer aus ganz Europa an. Die Kombination “morgens klettern, nachmittags im Niner Heilschlamm regenerieren” hat sich unter Kletterern herumgesprochen. Mehr dazu in unserem Paklenica-Guide.
Insel Pag (30 Minuten)
Die Insel Pag, erreichbar über die Brücke bei Stari Grad, ist Nins Nachbarin und ihr genaues Gegenteil: karg, windzerzaust, mondähnlich. Pag ist berühmt für seinen Käse (Paski Sir, ein Schafskäse, der nach den Kräutern schmeckt, die die Schafe auf der kargen Insel fressen), sein Salz (die Salinen von Pag sind noch größer als die von Nin) und sein Partyleben (Zrce Beach ist Kroatiens Antwort auf Ibiza). Wer es ruhiger mag, fährt in die Stadt Pag, schlendert durch die mittelalterlichen Gassen und kauft im Spitzenmuseum die berühmte Pager Spitze — ein UNESCO-Kulturerbe.
Praktische Tipps
Anreise
Mit dem Auto: Nin liegt direkt an der Staatsstraße D306, Abfahrt Zadar-Nord von der Autobahn A1. Von Zagreb sind es 280 Kilometer (gut drei Stunden), von München über Salzburg und Ljubljana etwa 700 Kilometer (sieben bis acht Stunden). Die Autobahnmaut von Zagreb nach Zadar beträgt ca. 20 Euro.
Mit dem Flugzeug: Der Flughafen Zadar (ZAD) liegt 20 Autominuten südlich. Ryanair, Eurowings und Croatia Airlines fliegen aus deutschen Städten direkt hierher, besonders dicht getaktet von Mai bis Oktober. Vom Flughafen gibt es keinen direkten Bus nach Nin — ein Mietwagen oder Taxi (ca. 25 Euro) ist nötig.
Mit dem Bus: Von Zadar fährt die Buslinie 2 (Liburnija Zadar) nach Nin, allerdings unregelmäßig — rechne mit zwei bis drei Verbindungen pro Stunde in der Hochsaison, deutlich weniger im Winter. Fahrzeit ca. 30 Minuten. Ohne eigenes Auto bist du in Nin eingeschränkt, besonders wenn du die Strände außerhalb der Altstadt besuchen willst.
Parken
Im Sommer ist Parken in Nin ein Kampf. Die Altstadt ist autofrei, und die wenigen Parkplätze am Rand sind schnell voll. Die Optionen:
- Parkplatz an der Kraljicina Plaza: Gebührenpflichtig, ca. 1-2 Euro/Stunde. Im Juli und August ab 10 Uhr voll.
- Parkplätze vor den Brücken (Festlandseite): Teilweise kostenlos, aber du läufst 10-15 Minuten zur Altstadt und noch länger zum Strand.
- Parkplatz am Zdrijac-Strand: Etwas leichter zu bekommen, da weniger bekannt.
- Tipp: Komm vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr. In der Mittagshitze fahren viele Tagesausflügler aus Zadar an, und die Parksuche wird zum Geduldsspiel.
Beste Reisezeit
Juni und September: Perfekt. Warm genug zum Baden (Wassertemperatur 22-24 Grad), aber ohne die Massen der Hochsaison. Die Salzwiesen blühen, das Licht ist golden, die Restaurants sind geöffnet, aber nicht ausgebucht.
Juli und August: Heiß, voll und laut. Der Strand ist rappelvoll, besonders an Wochenenden, wenn Tagesausflügler aus Zadar und Urlauber aus den umliegenden Campingplätzen einfallen. Parken wird zum Albtraum. Dafür sind alle Attraktionen geöffnet, die Strandbars laufen auf Hochtouren, und die Abende sind lang und warm.
Mai und Oktober: Zu kühl zum Baden (Wassertemperatur 16-19 Grad), aber ideal zum Erkunden. Die Altstadt ist menschenleer, die Kirche und das Museum haben oft Sonderöffnungszeiten, und die Salzwiesen zeigen sich in herbstlichen Farben. Für Radfahrer und Wanderer die beste Zeit.
Nin als Basis oder Tagesausflug?
Nin funktioniert beides. Als Tagesausflug von Zadar brauchst du drei bis vier Stunden für Altstadt, Kirche und Museum, plus Strandzeit. Aber wenn du Sandstrände, Ruhe und eine Alternative zum Trubel der großen Küstenstädte suchst, ist Nin als Basis für drei bis fünf Nächte hervorragend. Die Unterkünfte sind günstiger als in Zadar (Apartments ab 50-80 Euro pro Nacht), und du erreichst von hier aus Zadar, Paklenica, Pag und die Kornati-Inseln in unter einer Stunde. Nin hat keine großen Hotels — die Unterkünfte sind private Apartments und Pensionen, was Teil des Charmes ist. Keine Bettenburgen, keine Animationsteams, keine All-Inclusive-Armbänder.
Kombinationen
Nin + Radtour durch die Ravni Kotari
Nin ist der perfekte Ausgangspunkt für eine Erkundung des dalmatinischen Hinterlandes. Die Straßen der Ravni Kotari führen auf 114 km durch die fruchtbare Ebene zwischen Küste und Velebit — vorbei an Olivenhainen, Weinbergen und verschlafenen Dörfern bis nach Benkovac und zurück. Eine Tagestour für Rennradfahrer, die das authentische Dalmatien abseits der Strände erleben wollen.
Nin + Zadar
Die logische Kombination. Morgens Zadar (Meeresorgel, Altstadt), nachmittags Nin (Strand, Sonnenuntergang). Oder umgekehrt.
Nin + Nationalpark Paklenica
Paklenica liegt 45 Minuten nördlich — eine der besten Schluchten Kroatiens zum Wandern und Klettern. Morgens wandern, nachmittags in Nins Heilschlamm regenerieren.
Nin + Kornati-Inseln
Bootstouren zu den Kornaten starten von Zadar — kombiniere einen Tag auf dem Wasser mit einem Strandtag in Nin.
Nin + Insel Pag mit dem Rad
Wer ein Rad dabei hat und die karge Schönheit von Pag erleben will: Die Mondinsel-Route führt auf 43 km über die Insel, durch Steinwüsten und vorbei an Schafherden, mit Blick auf den Velebit. Danach zurück nach Nin und die müden Beine im warmen Sand vergraben.
Meine Einschätzung
Nin ist der Ort, den Kroatien-Kenner empfehlen, wenn du nach “echtem Dalmatien” fragst. Hier gibt es keine Discos, keine Hotelketten, keine Massen. Hier gibt es eine winzige Königsstadt auf einer Insel, Sandstrände mit heilendem Schlamm, Sonnenuntergänge über den Salzwiesen und die Stille, die du in Dubrovnik oder Split nicht mehr findest. Pack die Badesachen ein, vergiss den Sonnenschutz nicht, und fahr die 17 Kilometer von Zadar. Es lohnt sich.
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