Trinkwasser in Kroatien: Kann man Leitungswasser trinken? (2026)
- Redaktionsteam
- Reisetipps
- 08 Mar, 2026
Inhalt
Die Frage kommt in jeder Kroatien-Reisegruppe auf Facebook, in jedem Forum, in jedem Familienchat vor der Abreise: Kann man das Leitungswasser in Kroatien trinken? Die kurze Antwort: Ja, fast überall. Die etwas längere Antwort erklärt, warum das Wasser in manchen Regionen sogar besser schmeckt als das aus deutschen Supermärkten, warum manche Inseln eine Ausnahme bilden, und wie du mit einer einzigen Trinkflasche im Gepäck über den Urlaub hinweg ganz nebenbei 50 Euro oder mehr sparst.
Kroatien ist EU-Mitglied seit 2013 und erfüllt die europäische Trinkwasserrichtlinie. Die Wasserversorger unterliegen denselben strengen Kontrollen wie in Deutschland oder Österreich. Laut den Berichten des kroatischen Gesundheitsministeriums (Hrvatski zavod za javno zdravstvo, kurz HZJZ) erfüllen über 97 Prozent aller Proben die EU-Grenzwerte für Trinkwasser. Die Daten sind öffentlich zugänglich auf der Website des HZJZ und im EU-Trinkwasserbericht der Europäischen Umweltagentur. Wer sich unsicher fühlt: Die Qualität ist mit der in Bayern oder der Steiermark vergleichbar.
Warum kroatisches Wasser so gut ist
Kroatien sitzt auf einem riesigen Karstgestein-System. Das Regenwasser versickert durch Kalkstein, wird dabei natürlich gefiltert und reichert sich mit Mineralien an. Diese unterirdischen Karstquellen speisen einen Großteil der Wasserversorgung an der Küste und im Hinterland. Das Ergebnis ist Wasser, das oft frischer und mineralreicher ist als das, was in vielen deutschen Städten aus dem Hahn kommt.
Die Dinarischen Alpen, die sich parallel zur Adriaküste erstrecken, fungieren als natürlicher Wasserspeicher. Schneeschmelze und Regen sickern über Jahrhunderte durch porösen Kalkstein und treten dann an Quellen wieder aus – manchmal direkt an der Küste, manchmal tief im Hinterland. Diese Quellen liefern Wasser mit einem natürlich hohen Gehalt an Kalzium und Magnesium, was dem Geschmack eine gewisse Frische verleiht, die man sofort bemerkt. Wer zum ersten Mal einen Schluck aus einem dalmatinischen Wasserhahn nimmt, ist oft überrascht, wie weich und angenehm das Wasser schmeckt.
Für die Wasseraufbereitung sind in Kroatien die regionalen Wasserwerke (Vodovod) zuständig. In größeren Städten wie Zagreb, Split, Rijeka und Dubrovnik arbeiten moderne Aufbereitungsanlagen, die das ohnehin saubere Quellwasser zusätzlich filtern und desinfizieren. Chlor wird verwendet, aber in deutlich geringeren Mengen als etwa in den USA oder Großbritannien – der typische Chlorgeschmack, den manche Reisende aus anderen Ländern kennen, ist in Kroatien praktisch nicht wahrnehmbar.
Regionale Unterschiede: Wo das Wasser am besten schmeckt
Nicht jeder Wasserhahn in Kroatien liefert dasselbe Ergebnis. Es gibt regionale Unterschiede – nicht in der Sicherheit, aber im Geschmack. Überall ist das Wasser trinkbar, aber an manchen Orten schmeckt es eben besser als an anderen.
Zagreb: Quellwasser vom Hausberg
Die Hauptstadt hat eines der besten Trinkwassersysteme des Landes. Das Wasser stammt aus mehreren Quellgebieten, darunter die Quellen am Berg Medvednica (Sljeme), die seit über einem Jahrhundert die Stadt versorgen. Zagreber trinken ihr Leitungswasser mit einer gewissen Selbstverständlichkeit – Wasserflaschen kaufen gilt hier fast als Verschwendung. In Blindverkostungen hat Zagreber Leitungswasser wiederholt besser abgeschnitten als teure Marken aus dem Supermarkt.
Die Wasserwerke Zagreb (Vodoopskrba i odvodnja Zagreb) veröffentlichen regelmäßig Analysen, die eine durchgängig hohe Qualität belegen. Das Wasser ist mittelhart, mit einem pH-Wert zwischen 7,0 und 7,8 – ideal zum Trinken und für die Zubereitung von Kaffee, was in einer Stadt mit ausgeprägter Kaffeekultur kein unwichtiges Detail ist.
Küstenstädte: Dalmatien und Istrien
Die Wasserversorgung an der dalmatinischen Küste ist bemerkenswert gut. Split bezieht sein Wasser aus der Jadro-Quelle, die nur wenige Kilometer nördlich der Stadt aus dem Berg austritt. Diese Quelle liefert kristallklares Wasser mit konstantem Druck – die Römer nutzten sie bereits für ihren Diokletianpalast, und das System funktioniert im Prinzip noch genauso. Das Wasser in Split gehört zum Besten, was man an der gesamten Adriaküste trinken kann.
Dubrovnik wird vom Ombla-Fluss und den Quellen bei Komolac versorgt. Die Wasserqualität ist ausgezeichnet, und die Stadt hat eine lange Tradition der Wasserversorgung – der große Onofrio-Brunnen aus dem 15. Jahrhundert war Teil eines elaborierten Aquäduktsystems, das Wasser aus zwölf Kilometern Entfernung in die Stadt leitete. Heute trinkt man in Dubrovnik bedenkenlos aus dem Hahn.
Rijeka und die Kvarner Bucht profitieren von den Quellen im Gorski Kotar, einem der wasserreichsten Gebiete Europas. Das Wasser ist weich, klar und geschmacklich neutral – perfekt für empfindliche Gaumen. Istrien bezieht sein Wasser hauptsächlich aus dem Mirna-Tal und dem Butoniga-Stausee. In Städten wie Rovinj, Poreč und Pula ist die Qualität einwandfrei, wobei das Wasser etwas härter sein kann als in Dalmatien.
Zadar und Šibenik werden ebenfalls von Karstquellen versorgt. In Zadar stammt das Wasser aus der Region um den Vransko Jezero (Vrana-See) und lokalen Quellen. Der Geschmack ist frisch und mineralisch – wer an der Meeresorgel sitzt und einen Schluck aus der Flasche nimmt, die er am Morgen am Wasserhahn gefüllt hat, trinkt Wasser, das durch Millionen Jahre alten Kalkstein gefiltert wurde.
Inseln: Meistens gut, manchmal anders
Hier wird es etwas differenzierter. Die großen Inseln wie Krk, Cres, Brač und Hvar haben eigene Quellsysteme oder werden über Unterwasserleitungen vom Festland versorgt. Die Wasserqualität ist dort genauso hoch wie auf dem Festland.
Einige kleinere Inseln – besonders solche ohne eigene Süßwasserquellen – nutzen Entsalzungsanlagen. Das entsalzte Meerwasser ist absolut sicher zum Trinken, aber der Geschmack kann anders sein. Manche Leute beschreiben ihn als leicht “flach” oder “mineralarm”, andere bemerken einen ganz subtilen salzigen Nachgeschmack. Auf Inseln wie Lastovo, Vis oder den kleineren Kornaten-Inseln kann das Wasser aus dem Hahn deshalb etwas gewöhnungsbedürftig schmecken. Es ist trotzdem sicher – nur eben geschmacklich nicht auf dem Niveau der Festlandquellen.
Ein praktischer Tipp für Inselurlaube: Wenn du auf einer kleinen Insel bist und der Geschmack des Leitungswassers dich stört, kauf eine große 5-Liter-Flasche im Supermarkt für unter 2 Euro. Aber trinken kannst du das Wasser aus dem Hahn ohne Bedenken.
Ländliche Gebiete und Bergregionen
In den meisten ländlichen Gebieten – dem Hinterland von Dalmatien, in der Lika, in Slawonien – ist das kommunale Wasser genauso sicher wie in den Städten. Die Wasserwerke kontrollieren regelmäßig, und die EU-Standards gelten landesweit.
Eine Ausnahme gibt es: Einzelne Häuser oder sehr abgelegene Ferienhäuser, die nicht an das kommunale Netz angeschlossen sind, sondern eigene Brunnen oder Zisternen nutzen. Das ist selten, kommt aber vor – besonders bei älteren Steinhäusern im Hinterland oder auf abgelegenen Bauernhöfen. Wenn du in einer solchen Unterkunft landest, frag den Vermieter, ob das Wasser aus dem kommunalen Netz oder aus einem privaten Brunnen kommt. Im Zweifelsfall: Wasser abkochen oder auf Flaschen zurückgreifen. Aber nochmal – das betrifft vielleicht ein Prozent aller touristischen Unterkünfte.
Trinkbrunnen: Kostenlos Wasser tanken
Eine der angenehmsten Überraschungen in kroatischen Städten sind die öffentlichen Trinkbrunnen – auf Kroatisch česma (Plural: česme). Sie stehen in vielen Altstädten, auf Marktplätzen, in Parks und manchmal sogar an Wanderwegen. Das Wasser, das aus ihnen fließt, stammt aus dem kommunalen Netz und ist bedenkenlos trinkbar.
Dubrovnik
Die berühmtesten Trinkbrunnen Kroatiens stehen in Dubrovnik. Der Große Onofrio-Brunnen am Pile-Tor, erbaut 1438 vom Architekten Onofrio della Cava, war das Endstück eines 12 Kilometer langen Aquädukts. Heute funktioniert er noch immer als Trinkbrunnen – das Wasser ist kühl und sauber. Sechzehn Maskenreliefs speien Wasser in ein Becken, und Touristen wie Einheimische füllen hier ihre Flaschen. Am anderen Ende des Stradun, der Hauptstraße der Altstadt, steht der Kleine Onofrio-Brunnen, ebenfalls mit trinkbarem Wasser.
Wer die Stadtmauer umrundet (Eintritt ca. 35 Euro), sollte unbedingt eine volle Flasche mitnehmen. Es gibt auf der Mauer keine Trinkbrunnen, und an heißen Sommertagen bei 38 Grad auf dem aufgeheizten Stein wird Wasser zum wichtigsten Ausrüstungsgegenstand. Die Runde dauert etwa 90 Minuten, und ein Liter pro Person ist das Minimum.
Split
In Split findet man Trinkbrunnen im und um den Diokletianpalast. Auf dem Peristyl, dem zentralen Platz des Palastes, steht einer, und in den Gassen der Altstadt sind weitere verteilt. Besonders praktisch: Der Brunnen am Obstmarkt (Pazar), wo man nach dem Einkauf die Flasche auffüllen kann. Auch am Fuß des Marjan-Hügels, dem grünen Stadtpark, gibt es mehrere česme – ideal, bevor man sich auf den Aufstieg macht.
Zadar und andere Städte
In Zadars Altstadt gibt es Trinkbrunnen am Forum Romanum und in der Nähe der Meeresorgel. Šibenik hat welche in der Nähe der Kathedrale. Rovinj, Poreč und Pula in Istrien haben ebenfalls öffentliche Brunnen, auch wenn sie nicht immer leicht zu finden sind. Ein guter Trick: Auf Google Maps nach “česma” oder “drinking fountain” suchen – oft sind sie dort eingetragen.
In Zagreb stehen Trinkbrunnen auf dem Jelačić-Platz, im Zrinjevac-Park und entlang der Grünfläche Lenuci’s Horseshoe (Leunucijeva potkova) in der Unterstadt. Im Sommer, wenn die Temperaturen auch in der Hauptstadt über 30 Grad klettern, sind sie ein Segen.
Flaschenwasser: Marken, Preise und was sich lohnt
Auch wenn das Leitungswasser sicher ist – manchmal will man eben eine Flasche kaufen. Vielleicht unterwegs, vielleicht weil man Sprudelwasser bevorzugt, vielleicht weil man gerade im Auto sitzt und der nächste Wasserhahn weit weg ist.
Kroatische Wassermarken
Kroatien hat mehrere bekannte Wassermarken, die alle aus einheimischen Quellen stammen:
- Jana – Kommt aus dem Sveta Jana-Quellgebiet bei Gorica in der Region Hrvatsko Zagorje, nördlich von Zagreb. Weiches Wasser mit niedrigem Mineralgehalt, geschmacklich neutral. In Kroatien die meistverkaufte stille Wassermarke. Gehört zum Jamnica-Konzern.
- Jamnica – Das Traditionsunternehmen schlechthin, seit 1828 im Geschäft. Das Mineralwasser stammt aus der gleichnamigen Quelle bei Pisarovina, südlich von Zagreb. Höherer Mineralgehalt als Jana, leicht spritzig auch in der stillen Variante. Besonders beliebt als Mineralwasser mit Kohlensäure.
- Studena – Ebenfalls aus dem Jamnica-Portfolio, etwas günstiger positioniert. Solides Tafelwasser, das man überall bekommt.
- Cetina – Regionale Marke aus Dalmatien, abgefüllt an der Cetina-Quelle bei Sinj. Wer in Mitteldalmatien unterwegs ist, findet sie in vielen Supermärkten. Das Wasser ist durch den Karstuntergrund besonders mineralreich.
- Lipik – Aus den Thermalquellen im slawonischen Lipik, ein traditionelles Heilwasser mit höherem Mineralgehalt. Eher Nischenprodukt, aber in Slawonien verbreitet.
Preise
Die Preise für Flaschenwasser in Kroatien folgen einem klaren Muster:
| Wo | 0,5 L | 1,5 L | 5 L |
|---|---|---|---|
| Supermarkt (Konzum, Kaufland, Lidl, Spar) | 0,50-0,80 € | 0,70-1,20 € | 1,50-2,50 € |
| Kiosk / Tankstelle | 1,00-1,50 € | 1,50-2,50 € | – |
| Strandbar | 2,00-3,50 € | – | – |
| Restaurant | 2,50-5,00 € (0,75 L) | – | – |
Sprudelwasser (gazirana voda) kostet in der Regel dasselbe wie stilles Wasser. In Restaurants wird häufig Flaschenwasser serviert, und die Aufschläge sind teilweise heftig – eine 0,75-Liter-Flasche Jana für 4 oder 5 Euro ist keine Seltenheit, besonders in touristischen Hotspots wie Dubrovniks Altstadt oder auf Hvar.
Still oder sprudelig?
Kroaten trinken überwiegend stilles Wasser (negazirana voda). Wenn du in einem Restaurant einfach “Wasser” (voda) bestellst, bekommst du in der Regel eine Flasche stilles Wasser. Für Sprudelwasser sag “gazirana voda” oder “mineralna voda”. Die meisten Restaurants haben beides im Angebot. Manche Supermärkte führen auch leicht prickelndes Wasser (blago gazirana), das irgendwo zwischen still und sprudelig liegt.
Leitungswasser im Restaurant bestellen
Jetzt wird es kulturell interessant. In Kroatien kannst du in Restaurants grundsätzlich nach Leitungswasser fragen – “Čaša vode iz slavine, molim” (Ein Glas Wasser aus dem Hahn, bitte) oder einfach auf Englisch “Tap water, please”. Rechtlich muss dir niemand Leitungswasser verweigern.
Aber die Reaktionen variieren. In einfachen Konobas (traditionellen Gasthäusern) und familiengeführten Restaurants ist es völlig normal, ein Glas Wasser zum Essen zu bekommen – oft wird es unaufgefordert hingestellt, besonders wenn du auch andere Getränke bestellst. In gehobenen Restaurants und touristischen Hotspots sieht die Sache anders aus. Dort verdient das Haus am Flaschenwasser, und die Frage nach Leitungswasser wird zwar nicht abgelehnt, aber manchmal mit einem dezenten Seufzer quittiert.
Ein guter Kompromiss: Bestell eine Flasche Wasser zum Essen und füll deine Trinkflasche am Brunnen draußen auf. Oder bestell ein Getränk – einen Saft, ein Bier, einen Wein – und frag dann zusätzlich nach einem Glas Wasser. Das wird nirgendwo schief angeschaut.
In Cafés ist es übrigens völlig normal, zum Kaffee ein Glas Wasser zu bekommen. In der kroatischen Kaffeekultur gehört das Glas Wasser zum Espresso wie die Untertasse zur Tasse. Es wird automatisch serviert, ohne dass man danach fragen muss. Das Wasser ist Leitungswasser, und niemand würde auf die Idee kommen, dafür extra zu zahlen.
Eiswürfel: Sicher oder nicht?
In vielen Reiseländern ist die Frage nach der Sicherheit von Eiswürfeln berechtigt. In Kroatien nicht. Eiswürfel in Bars, Restaurants und Cafés werden aus Leitungswasser hergestellt, und da das Leitungswasser trinkbar ist, sind auch die Eiswürfel unbedenklich. Das gilt flächendeckend – von der Strandbar in Bol bis zur Cocktailbar in Zagreb, vom Bergrestaurant in Plitvice bis zum Club in Zrće.
In größeren Bars und Hotels kommen die Eiswürfel oft aus professionellen Eismaschinen, die das Wasser zusätzlich filtern. In kleineren Lokalen werden sie in Tiefkühltruhen produziert – ebenfalls aus Leitungswasser, ebenfalls sicher. Kurzum: Trink deinen Gin Tonic mit Eis, ohne dir Gedanken zu machen.
Wasser beim Camping und in der Natur
Wer mit dem Zelt, dem Van oder dem Wohnmobil unterwegs ist, braucht zuverlässige Wasserquellen. Auf offiziellen Campingplätzen in Kroatien ist das Wasser aus den Sanitäranlagen grundsätzlich trinkbar – es kommt aus dem kommunalen Netz. Manchmal ist es mit einem Schild “Pitka voda” (Trinkwasser) gekennzeichnet, manchmal nicht. Wenn kein gegenteiliges Schild (“Nije za piće” – Nicht zum Trinken) hängt, ist es in aller Regel trinkbar.
Trinkwasser auf Campingplätzen
Große Campingplätze wie Camping Straško auf Pag, Camping Šimuni oder die Plätze auf der Halbinsel Kamenjak haben Trinkwasserstellen, die klar ausgeschildert sind. Kleinere, naturnahe Camps (in Kroatien als “Kamp” oder “Autokamp” bezeichnet) haben manchmal nur Wasser in den Sanitärgebäuden. Frag im Zweifelsfall an der Rezeption.
Für Wohnmobilfahrer: Die meisten Stellplätze bieten Frischwasseranschlüsse zum Auffüllen der Tanks. Das Wasser ist Leitungswasser und trinkbar. Die App “Park4Night” zeigt viele Stellplätze mit Wasserversorgung in Kroatien – einfach nach dem Wassertropfen-Symbol filtern.
Quellen in der Natur
Kroatien ist voller natürlicher Quellen, besonders in den Bergen (Velebit, Gorski Kotar, Biokovo) und entlang der Flüsse. Aber Vorsicht: Nicht jede Quelle in der Natur ist automatisch trinkbar. Quellen, die direkt aus dem Fels treten und klar sind, sind in der Regel sicher – das Wasser wurde durch den Karststein gefiltert. Quellen in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen oder unterhalb von Siedlungen können belastet sein.
Im Nationalpark Paklenica gibt es ausgeschilderte Trinkwasserquellen entlang der Wanderwege. Im Nationalpark Plitvicer Seen ist das Wasser aus den Bächen und Seen nicht zum Trinken gedacht – es gibt Trinkwasserstellen an den Eingängen und Rastplätzen. Im Učka-Naturpark und auf dem Premužić-Weg (Velebit) finden Wanderer markierte Quellen, aber die Abstände können groß sein. Wer dort unterwegs ist, sollte mindestens zwei Liter pro Person mitnehmen.
Eine Faustregel für Wanderer: Nimm genug mit, verlass dich nicht auf Quellen unterwegs, und wenn du eine Quelle nutzt, achte darauf, dass sie aus dem Fels kommt und nicht aus einem stehenden Gewässer. Wer auf Nummer sicher gehen will, packt einen Wasserfilter (z.B. Sawyer oder Katadyn) ein – nicht weil es in Kroatien nötig wäre, sondern weil es einem das Nachdenken erspart.
Trinkflaschen: Geld sparen und Plastik vermeiden
Die simpelste Rechnung des ganzen Artikels: Eine Familie mit vier Personen, die im Urlaub jeden Tag zwei Flaschen Wasser pro Person kauft, gibt bei Supermarktpreisen mindestens 4 Euro pro Tag aus. In zwei Wochen sind das 56 Euro. In Restaurants und an Strandkiosken verdoppelt oder verdreifacht sich der Betrag schnell. Bei vier Personen und touristischen Preisen kommen über zwei Wochen leicht 100 bis 150 Euro zusammen – nur für Wasser, das genauso gut aus dem Hahn kommt.
Die Alternative: Jeder packt eine wiederverwendbare Trinkflasche ein, füllt sie morgens am Wasserhahn in der Unterkunft und tagsüber an Trinkbrunnen auf. Spart Geld, spart Plastik, schmeckt genauso gut. Wer sein Wasser gern kalt mag, investiert in eine isolierte Edelstahlflasche – bei 35 Grad im kroatischen Sommer bleibt das Wasser darin stundenlang kühl.
Refill-Stationen
In den letzten Jahren sind an einigen Stränden und in Stadtzentren Refill-Stationen aufgetaucht – Wasserspender, an denen man kostenlos oder gegen ein paar Cent die Flasche füllen kann. Die Initiative ist noch nicht flächendeckend, aber sie wächst. In Split gibt es Refill-Stationen am Bačvice-Strand und entlang der Riva. Dubrovnik hat sie in der Nähe des Pile-Tors. Zagreb hat mehrere im Stadtzentrum, oft in der Nähe von öffentlichen Gebäuden.
Viele Hotels und Hostels haben inzwischen Wasserspender in der Lobby, an denen Gäste ihre Flaschen auffüllen können. Das ist Teil einer breiteren Nachhaltigkeitsbewegung, die in Kroatiens Tourismusbranche Fuß fasst. Frag beim Check-in, ob es einen Wasserspender gibt – die Chance ist gut.
Wasserqualität und Gesundheit
Für Menschen mit empfindlichem Magen ein beruhigender Hinweis: Durchfallerkrankungen oder Magenprobleme, die Reisende in manchen Ländern durch verunreinigtes Wasser bekommen, sind in Kroatien kein Thema. Wenn du im Urlaub Magenprobleme bekommst, liegt es fast sicher am Essen (zu viel Eis, ungewaschenes Obst, zu lange in der Sonne gelegen) oder am Alkohol – nicht am Wasser.
Das Leitungswasser in Kroatien enthält keine bedenklichen Keime, keine Parasiten und keine problematischen Schwermetallkonzentrationen. Die Wasserwerke testen regelmäßig auf über 50 Parameter, darunter E. coli, Enterokokken, Nitrat, Blei, Arsen und Pestizide. Die Ergebnisse werden an das HZJZ und die EU-Kommission gemeldet. Kroatien gehört in der EU zu den Ländern mit den wenigsten Beanstandungen bei der Trinkwasserqualität.
Für Babys und Kleinkinder gilt: Das Leitungswasser ist sicher, auch zum Zubereiten von Fläschchen. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, koche das Wasser einmal ab – das empfehlen Kinderärzte aber auch in Deutschland, und es hat weniger mit Kroatien als mit der allgemeinen Vorsicht bei Säuglingen zu tun. Für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr ist Leitungswasser bedenkenlos.
Wasser und Kaffee: Eine kroatische Liebesgeschichte
Ein Detail, das Kroatiens Wasserqualität auf nette Weise unterstreicht: Die kroatische Kaffeekultur basiert vollständig auf Leitungswasser. Wenn ein Kroate zu Hause Kaffee macht – und das tut er mehrmals am Tag –, nimmt er Wasser aus dem Hahn, kocht es in der Džezva (dem kleinen Kupferkännchen) auf und gießt den fein gemahlenen Kaffee damit auf. Kein Kroate würde auf die Idee kommen, dafür Flaschenwasser zu benutzen.
In Cafés ist es dasselbe Bild. Der Espresso wird mit Leitungswasser gebrüht, und das Glas Wasser, das automatisch dazu serviert wird, kommt ebenfalls aus der Leitung. Die Kaffeekultur ist in Kroatien eine ernste Angelegenheit – man trifft sich zum “ić’ na kavu” (auf einen Kaffee gehen), sitzt stundenlang auf der Terrasse, und das Glas Wasser steht die ganze Zeit daneben. Es wird nachgefüllt, ohne dass man fragt. Wenn das Wasser nicht gut genug zum Trinken wäre, würde die gesamte Kaffeekultur des Landes zusammenbrechen.
Praktische Tipps auf einen Blick
Zum Schluss das Wichtigste zusammengefasst, für alle, die diesen Artikel am Flughafen überfliegen:
- Leitungswasser ist in ganz Kroatien trinkbar – Küste, Inland, Städte, Dörfer. Einzige Ausnahme: Einzelne Privathäuser mit eigenem Brunnen (selten, und der Vermieter weist darauf hin).
- Auf kleinen Inseln kann das Wasser aus Entsalzungsanlagen stammen und anders schmecken. Trotzdem sicher.
- Trinkbrunnen gibt es in den meisten Altstädten. Die Onofrio-Brunnen in Dubrovnik sind die berühmtesten, aber auch Split, Zadar, Zagreb und viele kleinere Orte haben öffentliche česme.
- Im Restaurant kannst du nach Leitungswasser fragen. In einfachen Lokalen kein Problem, in gehobenen Restaurants eher unüblich.
- Zum Kaffee bekommst du automatisch ein Glas Wasser – kostenlos, aus der Leitung.
- Eiswürfel sind sicher, überall.
- Campingplätze haben trinkbares Leitungswasser, wenn nicht anders gekennzeichnet.
- Quellen in der Natur: Nur nutzen, wenn sie direkt aus dem Fels kommen und es sich um eine markierte Trinkquelle handelt.
- Reiseapotheke: Kohletabletten und Elektrolytpulver einpacken, aber wegen des Essens, nicht wegen des Wassers.
- Geld sparen: Eine wiederverwendbare Flasche pro Person spart über zwei Wochen 25 bis 75 Euro – je nachdem, wo man sonst kaufen würde.
Kroatiens Wasser ist sauber, schmeckt gut und kostet nichts. Pack eine Flasche ein, füll sie auf, und gib das gesparte Geld lieber für ein Abendessen am Meer aus.