Archäologische Stätten in Kroatien: Von den Römern bis zu den Illyrern 2026
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- 07 Mar, 2026
Inhalt
Zwischen Olivenhainen und Adriabuchten ragen in Kroatien Säulenstümpfe aus der Erde, liegen zweitausend Jahre alte Pflastersteine unter den Füßen der Spaziergänger, und in Splitser Kellern servieren Restaurants Wein auf Mauern, die Kaiser Diokletian errichten ließ. Kroatien war Kreuzungspunkt der Zivilisationen: Griechen gründeten Handelskolonien entlang der Küste, Römer verwandelten die Region in eine der wohlhabendsten Provinzen ihres Imperiums, Byzantiner schmückten Kirchen mit goldenen Mosaiken, und illyrische Stämme hinterließen Festungen auf Hügeln, die bis heute die Landschaft dominieren. Wer sich für Archäologie interessiert, findet hier ein Terrain, das mit Italien oder Griechenland mithalten kann — nur ohne die Menschenmassen.

Was Kroatien besonders macht: Die Vergangenheit ist hier keine abgesperrte Museumslandschaft. In Split leben 3.000 Menschen buchstäblich in einem römischen Kaiserpalast. In Pula finden Rockkonzerte in einem Amphitheater statt, das älter ist als das Kolosseum in seiner endgültigen Form. Auf der Insel Hvar pflügen Bauern Felder, deren Grenzen griechische Kolonisten vor 2.400 Jahren zogen. Diese Verschmelzung von antikem Erbe und lebendigem Alltag ist das, was einen Besuch der archäologischen Stätten Kroatiens so besonders macht.
Die Arena von Pula: Gladiatoren an der Adria
Das Amphitheater von Pula gehört zu jenen Bauwerken, die einen beim ersten Anblick sprachlos machen. Mit 132 Metern Länge und 105 Metern Breite ist es das sechstgrößte erhaltene römische Amphitheater der Welt — und das einzige, bei dem alle vier Seitentürme und die komplette dreistöckige Außenmauer noch stehen. Kaiser Augustus ließ den ersten Bau errichten, Kaiser Vespasian erweiterte ihn um 80 n. Chr. zur heutigen Größe. Bis zu 23.000 Zuschauer verfolgten hier Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und öffentliche Hinrichtungen.

Heute betritt man die Arena durch dieselben Tore, durch die einst Gladiatoren marschierten. In den Untergeschossen — den Gängen, in denen Kämpfer und wilde Tiere auf ihren Einsatz warteten — befindet sich ein Museum, das die Geschichte der Olivenöl- und Weinproduktion in Istrien dokumentiert. Eine ungewöhnliche Kombination, aber sie funktioniert: Die massiven Gewölbe waren in späteren Jahrhunderten tatsächlich als Öl- und Weinlager genutzt worden. Amphoren, Steinpressen und Rekonstruktionen antiker Werkstätten füllen die Räume.
Im Sommer verwandelt sich die Arena in eine der atmosphärischsten Veranstaltungslocations Europas. Das Pula Film Festival findet hier seit 1954 statt, und Konzerte von Sting bis zu kroatischen Folkbands nutzen die Akustik der zweitausendjährigen Steinwände. Wer tagsüber kommt, hat den Vorteil, die Architektur in Ruhe studieren zu können — die Bogenkonstruktionen, die Sitzreihenstruktur, die Kanäle für die Regenwasserableitung, die römische Ingenieurskunst auf höchstem Niveau zeigen.
Besichtigung: Geöffnet täglich von 8 bis 21 Uhr im Sommer, kürzer im Winter (November bis März 9—17 Uhr). Eintritt 10 Euro für Erwachsene, 5 Euro für Kinder und Studenten. Ein Audioguide kostet 3 Euro und lohnt sich — die englische Version ist gut produziert, eine deutsche gibt es ebenfalls. Rechne mit 1,5 bis 2 Stunden Besichtigungszeit. Parkplätze befinden sich entlang der Hafenstraße, vom Stadtzentrum aus ist die Arena in 10 Minuten zu Fuß erreichbar.
Weitere römische Spuren in Pula

Pula hat mehr als nur die Arena. Das Forum, der zentrale Platz der antiken Stadt, liegt mitten im heutigen Stadtzentrum. Der Augustustempel an der Nordseite des Forums ist ein Schmuckstück: ein kleiner, aber fast vollständig erhaltener Tempel aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., der Kaiser Augustus gewidmet war. Im Inneren befindet sich eine Sammlung römischer Skulpturen. Direkt daneben steht das Rathaus, das auf den Fundamenten eines Diana-Tempels errichtet wurde — die Rückwand des antiken Tempels ist in die Rathausmauer integriert.
Das Triumphbogen-Ensemble der Sergier, im Volksmund “Goldenes Tor” genannt, markiert das ehemalige südliche Stadttor. Drei Bögen, finanziert von einer wohlhabenden römischen Familie, stehen seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. an Ort und Stelle. James Joyce, der einige Jahre in Pula lebte, soll regelmäßig in einem Café direkt neben dem Bogen gesessen haben. Das Mosaik der Bestrafung der Dirke, ein römisches Bodenmosaik aus dem 2. oder 3. Jahrhundert, liegt in einem unscheinbaren Hof nahe der Kathedrale — leicht zu übersehen, aber ein bemerkenswertes Stück antiker Handwerkskunst.
Wer Pula und die istrischen Hügeldörfer mit dem Rad verbinden will: Die Route Adria Brise führt auf 49 km an der Küste entlang und zeigt, warum die Römer sich ausgerechnet hier niederließen — die Kombination aus geschütztem Hafen und fruchtbarem Hinterland ist vom Sattel aus offensichtlich.
Der Diokletianpalast in Split: Eine Stadt in einem Palast
Kein Museum, kein abgesperrtes Gelände, sondern eine lebendige Stadt in den Mauern eines Kaiserpalasts — das gibt es nur in Split. Kaiser Diokletian, geboren im nahen Salona, ließ sich ab 295 n. Chr. eine Alterssresidenz bauen, die eher einer befestigten Stadt als einem Palast glich: 215 mal 180 Meter, umgeben von Mauern, die bis zu 26 Meter hoch waren. Als er 305 n. Chr. als erster und einziger römischer Kaiser freiwillig abdankte, zog er sich hierher zurück und verbrachte seine letzten Jahre angeblich mit dem Anbau von Kohl.

Der Peristyl, der zentrale Innenhof des Palasts, ist heute der Herzschlag der Stadt. Säulen aus rotem Granit, importiert aus Ägypten, rahmen einen Platz, auf dem Touristen Kaffee trinken, Straßenmusiker spielen und im Sommer Opernaufführungen stattfinden. Diokletians Mausoleum wurde im 7. Jahrhundert in die Kathedrale des Heiligen Domnius umgewandelt — eine der ältesten Kathedralen der Welt, die durchgehend als Gotteshaus genutzt wird. Der Glockenturm aus dem 13. Jahrhundert bietet nach 180 Stufen einen Panoramablick über die Dächer der Altstadt und die Inseln vor der Küste.
Die Kellergewölbe des Palasts sind vielleicht der faszinierendste Teil. Jahrhundertelang als Müllhalde genutzt und vergessen, wurden sie im 20. Jahrhundert freigelegt und enthüllten ein fast perfektes Spiegelbild der Obergeschosse — die Architekten hatten die Keller als tragende Substruktion exakt nach dem Grundriss der Wohnräume darüber gebaut. Heute beherbergen die Gewölbe Ausstellungen und Kunstinstallationen, und der Weg durch die kühlen, hallenden Räume ist einer der eindringlichsten Momente, die Split zu bieten hat. Game-of-Thrones-Fans erkennen die Kellergewölbe als Drehort: Hier wurden Daenerys’ Drachen eingesperrt.
Besichtigung: Die Kellergewölbe kosten 10 Euro Eintritt und sind von April bis September täglich 8:30 bis 21 Uhr geöffnet, in der Nebensaison bis 17 Uhr. Die Kathedrale verlangt 5 Euro (Glockenturm inklusive, im Sommer). Geführte Touren durch den gesamten Palastkomplex starten ab 20 Euro für etwa zwei Stunden und sind empfehlenswert — ohne Erklärungen ist die Schichtung der Epochen schwer zu durchschauen. Der Palast selbst ist frei zugänglich, man läuft einfach durch die vier historischen Tore hinein. Die beste Zeit für einen Besuch ist frühmorgens vor 9 Uhr, wenn die Kreuzfahrtgäste noch nicht da sind.
Salona: Die vergessene Hauptstadt
Fünf Kilometer nordöstlich von Split liegen die Überreste von Salona, einst die größte und wichtigste Stadt an der östlichen Adria. Mit geschätzten 60.000 Einwohnern war Salona die Hauptstadt der römischen Provinz Dalmatia und Geburtsort Kaiser Diokletians. Was davon übrig ist, erstreckt sich über ein weitläufiges, offenes Gelände in der Vorstadt Solin — und ist erstaunlich wenig besucht, verglichen mit dem Rummel um den Diokletianpalast nebenan.

Das Amphitheater am nordwestlichen Rand der Stadt bot Platz für 18.000 Zuschauer und ist trotz Zerstörungen noch beeindruckend in seinen Ausmaßen. Von den oberen Sitzreihen aus überblickt man das gesamte Ruinenfeld bis zum Meer. Die frühchristlichen Basiliken mit ihren teilweise erhaltenen Mosaikböden erzählen ein anderes Kapitel: Salona war eines der ersten Zentren des Christentums in dieser Region, und die Nekropole von Manastirine bewahrt die Gräber der Märtyrer, die während Diokletians Christenverfolgung umkamen — eine bittere Ironie, dass der Verfolger aus genau dieser Stadt stammte.
Besonders beeindruckend sind die Stadtmauern, die sich über mehr als vier Kilometer erstrecken und verschiedene Bauphasen von der griechischen Gründung bis zur spätrömischen Befestigung zeigen. Der Aquädukt, der Wasser aus der Jadro-Quelle nach Salona leitete, funktioniert in Teilen noch heute und versorgt Splitser Brunnen. Die Überreste der Thermen, des Forums und ganzer Wohnviertel lassen erahnen, wie urban und wohlhabend das Leben hier einmal war.
Besichtigung: Das Gelände ist täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet (Sommer), im Winter bis 16 Uhr. Eintritt 4 Euro. Anfahrt mit Bus Nr. 1 von Splits Riva-Promenade (20 Minuten, Haltestelle Solin) oder per Taxi (ca. 10 Euro). Unbedingt Wasser, Sonnencreme und einen Hut mitbringen — das Gelände bietet kaum Schatten, und im Sommer wird es auf den offenen Flächen brütend heiß. Ein gedruckter Plan am Eingang hilft bei der Orientierung, da die Beschilderung auf dem weitläufigen Areal nicht immer ausreicht.
Wer nach Salona noch Energie hat: Die Gegend rund um Split lässt sich hervorragend auf zwei Rädern erkunden. Eine 68-km-Route von Split durch die Cetina-Schlucht bis nach Brela verbindet römische Geschichte mit dalmatinischer Landschaft — und führt durch Karstgebiete, die sich seit der Antike kaum verändert haben.
Zadar: Zweitausend Jahre unter den Füßen
Zadars römisches Forum ist kein abgesperrtes Ausgrabungsgelände, sondern der Boden, über den du spazierst. Die Überreste des Forums aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. liegen offen zwischen der Kirche St. Donat und dem Erzbischöflichen Palast — Säulenstümpfe, Pflastersteine, Fundamentreste, alles frei zugänglich und in den Alltag der Stadt integriert. Am Abend sitzen Einheimische auf den antiken Steinen und trinken Bier, tagsüber laufen Schulklassen über das Forum, das einst das Zentrum des öffentlichen Lebens von Iader, der römischen Vorgängerstadt, bildete.
Die runde Kirche St. Donat, eines der Wahrzeichen Zadars, wurde im 9. Jahrhundert direkt auf den Fundamenten des Forums errichtet. Wer genau hinsieht, erkennt im Inneren originale römische Säulen und Architrave, die in die Kirchenwände eingebaut wurden — Recycling auf Frühmittelalterisch. Im Sommer finden in St. Donat Konzerte für Alte Musik statt, die Akustik der zylindrischen Wände ist herausragend. Das benachbarte Archäologische Museum zeigt Funde aus Zadar und Umgebung: römisches Glas, Schmuck, Werkzeuge, Keramik — die Sammlung ist klein, aber gut kuratiert und gibt einen kompakten Überblick über die Besiedlungsgeschichte der Region.
Besichtigung: Das Forum ist immer frei zugänglich. Das Archäologische Museum kostet 5 Euro Eintritt, St. Donat 4 Euro (im Sommer Konzertabende ab 15 Euro). Ein Rundgang durch die antiken Spuren Zadars lässt sich gut mit dem Besuch der Meeresorgel und des Sonnengrußes an der Riva verbinden — so wird ein ganzer Vormittag daraus.
Griechische Kolonien an der dalmatinischen Küste
Pharos und der Ager von Stari Grad (Hvar)
Im Jahr 384 v. Chr. segelten Griechen von der Insel Paros in der Ägäis an die dalmatinische Küste und gründeten auf Hvar die Kolonie Pharos — das heutige Stari Grad. Was diese Siedlung einzigartig macht, ist nicht ein einzelnes Bauwerk, sondern eine Landschaft: der Ager, die Feldaufteilung im Tal von Stari Grad, die die griechischen Kolonisten damals festlegten und die bis heute nahezu unverändert erhalten ist. Steinmauern, Wege und Parzellengrenzen folgen einem Raster, das 2.400 Jahre alt ist. Seit 2008 gehört der Stari Grad Plain zum UNESCO-Weltkulturerbe — als eines der am besten erhaltenen antiken Agrarsysteme im Mittelmeerraum.
Vom Aussichtspunkt oberhalb der Felder wird das Muster sichtbar: ein geometrisches Netz aus schmalen Steinmauern, zwischen denen Olivenbäume und Lavendel wachsen, genau wie vor Jahrtausenden. Im Tvrdalj-Palast im Zentrum von Stari Grad, dem Renaissancewohnsitz des Dichters Petar Hektorovic, befindet sich ein kleines Museum mit griechischen Inschriften, Keramikfragmenten und Erklärungen zur Siedlungsgeschichte. Die Reste der griechischen Stadtmauer sind an einigen Stellen im Stadtgebiet sichtbar, aber man muss wissen, wo man sucht — eine geführte Tour hilft.
Besichtigung: Die Felder des Ager sind frei zugänglich, Wanderwege führen durch die Parzellen (2—3 Stunden für eine ausgedehnte Runde). Das Museum im Tvrdalj kostet 3 Euro. Geführte archäologische Touren ab 15 Euro werden im Sommer angeboten. Stari Grad ist per Fähre von Split (ca. 2 Stunden) oder per Katamaran (1 Stunde) erreichbar. Die beste Zeit für den Besuch der Felder ist der späte Nachmittag, wenn das Licht die Steinmauern golden färbt.
Issa auf Vis: Die älteste griechische Siedlung
Noch älter als Pharos ist Issa auf der Insel Vis. Griechische Siedler von Syrakus gründeten hier im frühen 4. Jahrhundert v. Chr. eine Kolonie, die zu einer der bedeutendsten griechischen Städte an der Adria heranwuchs. Issa prägte eigene Münzen, hatte eine Flotte und gründete seinerseits Tochterkolonien — darunter Tragurion, das heutige Trogir. Die Ruinen liegen verstreut unter und zwischen den Häusern der modernen Stadt Vis an der Nordküste der Insel.
Die hellenistische Nekropole am Westrand der Stadt enthält Dutzende Gräber aus dem 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr. — Steinkisten, Sarkophage und Grabbeigaben, die im städtischen Archäologischen Museum ausgestellt sind. Von der Akropolis auf dem Hügel Gradina sind Mauerreste und Zisternen erhalten. Der berühmteste Fund aus Issa ist der Bronzekopf der Aphrodite aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. — das Original befindet sich im Archäologischen Museum in Zagreb, eine Replik ist im Museum auf Vis zu sehen.
Besichtigung: Das Archäologische Museum in Vis Stadt hat von Juni bis September täglich geöffnet (10—13 und 17—21 Uhr), der Eintritt beträgt 4 Euro. Die Nekropole und Akropolisreste sind frei zugänglich, aber nicht immer gut beschildert — ein Stadtplan vom Touristenbüro am Hafen hilft. Vis ist per Fähre von Split erreichbar (ca. 2,5 Stunden). Die Insel war bis 1989 militärisches Sperrgebiet, was paradoxerweise zum Schutz der archäologischen Stätten beitrug.
Illyrische Befestigungen: Die Kultur vor den Römern
Nezakcij in Istrien

Bevor Römer und Griechen kamen, beherrschten illyrische Stämme die Ostadria. Die Histri, deren Name sich in “Istrien” erhalten hat, hatten in Nezakcij (lateinisch Nesactium) ihre Hauptstadt. Die Römer eroberten sie 177 v. Chr. nach einer blutigen Belagerung — der antike Geschichtsschreiber Livius berichtet, dass die Histri ihre Frauen und Kinder töteten und sich selbst von den Mauern stürzten, um nicht in Gefangenschaft zu geraten. Eine dunkle Geschichte, die den Ort mit einer besonderen Schwere auflädt.
Heute liegt Nezakcij auf einem Hügel bei Valtura, etwa 10 Kilometer nordöstlich von Pula, inmitten von Olivenhainen und Macchia. Die Ausgrabungen zeigen Schichten mehrerer Epochen: illyrische Befestigungsmauern aus der Bronzezeit, darüber römische Tempel und ein Forum, darüber wieder frühchristliche Basiliken mit Mosaikresten. Es ist ein stiller Ort — kaum Besucher, keine Souvenirshops, nur Steine und Zypressen und der Blick über die istrische Landschaft. Genau das macht ihn besonders.
Besichtigung: Geöffnet im Sommer täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt 3 Euro. Keine Gastronomie vor Ort, also Wasser und Proviant mitbringen. Anfahrt nur mit Auto sinnvoll — von Pula Richtung Valtura fahren, die Ausschilderung ist spärlich, aber mit GPS findet man hin. Kombination mit der Arena von Pula bietet sich an: morgens Nezakcij, nachmittags Pula, abends Konzert in der Arena.
Asseria bei Zadar

Asseria war eine bedeutende Siedlung des illyrischen Stammes der Liburner, die von den Römern übernommen und ausgebaut wurde. Die Ruinen liegen bei Podgrade, etwa 30 Autominuten südwestlich von Zadar, auf einem Hügelplateau mit Blick über die Ravni Kotari — die weite, fruchtbare Ebene im Hinterland von Zadar, die von der Antike bis heute landwirtschaftlich genutzt wird.
Was sofort auffällt, sind die Mauern: massive Steinwälle, stellenweise drei Meter hoch erhalten, mit Stadttoren und Türmen. Intramuros liegen die Reste eines Forums, einer Basilika und von Wohngebäuden. Die Ausgrabungen laufen intermittierend seit dem 19. Jahrhundert, und nicht alles ist freigelegt — man ahnt unter dem Gras und den Büschen noch mehr. Die Lage ist spektakulär: der Blick reicht bei klarer Sicht bis zum Meer, und die Einsamkeit des Ortes erzeugt eine Atmosphäre, die die großen touristischen Stätten nicht bieten können.
Besichtigung: Frei zugänglich, keine Öffnungszeiten, kein Eintritt. Infotafeln auf Kroatisch und Englisch. Festes Schuhwerk empfohlen — das Gelände ist uneben und verwachsen. Kombination mit Zadar (Forum, St. Donat) und Nin ergibt eine perfekte archäologische Tagestour. Wer danach die Ravni Kotari vom Rad aus erleben will, findet mit der 70-km-Route durchs Zadarer Hinterland eine Strecke, die an antiken Siedlungsplätzen und durch Olivenhaine führt, die die Römer vor zweitausend Jahren pflanzten.
Frühchristliche und byzantinische Schätze
Euphrasius-Basilika in Porec

Während die meisten archäologischen Stätten Kroatiens römisch oder illyrisch sind, steht in Porec eines der bedeutendsten Zeugnisse der frühchristlichen und byzantinischen Kunst im gesamten Mittelmeerraum. Die Euphrasius-Basilika, erbaut im 6. Jahrhundert unter Bischof Euphrasius, gehört seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe — und zwar vor allem wegen ihrer Mosaike.

Die Apsismosaike in leuchtendem Gold, Blau und Grün zeigen die Jungfrau Maria mit dem Christuskind, Heilige und Engel in einem Stil, der direkt an die Mosaike von Ravenna erinnert — kein Zufall, denn Porec gehörte im 6. Jahrhundert zum byzantinischen Exarchat von Ravenna. Die Qualität der Ausführung ist atemberaubend: Die Tesserae, die winzigen Mosaiksteinchen, schimmern bei wechselndem Lichteinfall unterschiedlich, und die Gesichter der Figuren haben eine Lebendigkeit, die man bei Mosaiken dieser Epoche selten findet. Unter der heutigen Basilika liegen die Fundamente einer noch älteren Kirche aus dem 4. Jahrhundert, und die archäologischen Schichten reichen bis zu einem römischen Wohnhaus zurück.
Besichtigung: Geöffnet täglich, im Sommer 9 bis 21 Uhr. Eintritt 6 Euro (Basilika, Atrium und Bischofspalast). Der Glockenturm kann bestiegen werden und bietet einen Blick über die Altstadt und das Meer. Führungen auf Deutsch werden im Sommer angeboten, kosten etwa 10 Euro extra. Porec ist von Pula oder Rovinj in etwa einer Stunde per Auto erreichbar.
Polaca bei Nin: Reste einer dalmatinischen Basilika

Weniger bekannt, aber ebenfalls sehenswert: In der Umgebung von Nin finden sich Überreste frühchristlicher Basiliken, darunter in der Lokalität Polaca. Diese Ruinen zeigen die Verbreitung des Christentums im dalmatinischen Hinterland und die bauliche Tradition, die sich von der Spätantike bis ins frühe Mittelalter erstreckte. Bodenmosaike, Säulenfragmente und Grundrisse lassen die einstige Bedeutung der Kirchenbauten erahnen — an Orten, die heute kaum mehr als Dörfer sind.
Nin: Wiege des kroatischen Königreichs

Nin liegt auf einer winzigen Insel in einer Lagune, 15 Kilometer nördlich von Zadar, und war im 9. Jahrhundert die erste Hauptstadt des unabhängigen kroatischen Königreichs. Für die kroatische Nationalgeschichte hat der Ort eine Bedeutung, die mit Aachen für die Karolinger vergleichbar ist: Hier wurden die ersten kroatischen Herrscher gekrönt, hier residierte der erste kroatische Bischof.
Das bekannteste Bauwerk ist die Kirche des Heiligen Kreuzes (Sv. Kriz) aus dem 9. Jahrhundert, die manchmal als “kleinste Kathedrale der Welt” bezeichnet wird. Das ist eine freundliche Übertreibung — es handelt sich um eine vorromanische Kapelle von gerade mal 36 Quadratmetern Grundfläche —, aber das Bauwerk ist ein Juwel der kroatischen Architektur. Der Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes, die präzise Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen und die Lichtschlitze, die möglicherweise als Kalender funktionierten, machen die Kirche zu einem faszinierenden Bau, über dessen genaue Funktion die Wissenschaft noch diskutiert.
Das Archäologische Museum zeigt Funde aus der kroatischen Königszeit: Schmuck, Waffen, Keramik, Inschriften. Das berühmteste Stück ist ein goldenes Schiffsmodell aus dem 12. Jahrhundert, das als Reliquiar diente. In unmittelbarer Nähe liegen die Salinen von Nin, die seit der Antike in Betrieb sind und das berühmte Niner Meersalz produzieren — eine nette Abwechslung zwischen den archäologischen Stätten.
Besichtigung: Sv. Kriz ist frei zugänglich. Das Museum kostet 4 Euro. Die Salinen können besichtigt werden (3 Euro, geführte Tour). Nin ist von Zadar per Bus (30 Minuten) oder Auto (20 Minuten) erreichbar. Die Kombination Zadar Forum, Nin und Asseria ergibt eine exzellente archäologische Tagestour, die drei Jahrtausende abdeckt.
Bribirska Glavica: Schichten von der Bronzezeit bis zum Mittelalter
Unweit von Skradin, dem Eingangsort zum Krka-Nationalpark, erhebt sich die Hügelkuppe von Bribirska Glavica — ein Ort, an dem Archäologen Besiedlungsspuren von der Bronzezeit über die illyrische Epoche und die Römerzeit bis ins kroatische Mittelalter freigelegt haben. Im Mittelalter war Bribir der Sitz der mächtigen Adelsfamilie Subic, die zeitweise ganz Dalmatien und Bosnien kontrollierte.
Die Festungsanlage auf dem Hügel bietet neben den archäologischen Resten einen Panoramablick über die Karstlandschaft und das Krka-Tal, der allein schon den Aufstieg lohnt. Frühchristliche Basiliken mit Bodenmosaiken, Reste mittelalterlicher Wohntürme und Befestigungsmauern verschiedener Epochen machen den Ort zu einem Lehrbuch der kroatischen Geschichte im Zeitraffer.
Besichtigung: Geöffnet im Sommer, Eintritt ca. 3 Euro. Der Aufstieg zum Gipfel dauert etwa 20 Minuten und erfordert festes Schuhwerk. Die Kombination mit dem Krka-Nationalpark ist naheliegend — morgens Wasserfälle, nachmittags Archäologie. Wer die Region mit dem Gravelbike erkunden will, findet mit der 37-km-Route “Die Juwelen der Krka” eine Tour, die durch genau diese Karstlandschaft führt.
Die wichtigsten archäologischen Museen
Archäologisches Museum Zagreb
Das größte und umfassendste archäologische Museum des Landes liegt am Zrinjevac-Park im Zentrum von Zagreb. Die Sammlung umfasst knapp 400.000 Objekte von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter. Highlights sind die Vucedol-Taube, ein 4.500 Jahre altes Keramikgefäß in Vogelform, das als Symbol der Vucedol-Kultur zum Nationalsymbol wurde. Die ägyptische Sammlung mit einer Mumie und Sarkophagen überrascht in einem kroatischen Museum, geht aber auf Schenkungen und Ankäufe des 19. Jahrhunderts zurück. Griechische Vasen, römische Skulpturen, mittelalterlicher Schmuck — für einen gründlichen Besuch braucht man mindestens zwei Stunden, eher drei.
Praktisches: Eintritt 6 Euro. Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr (Donnerstag bis 20 Uhr). Adresse: Trg Nikole Subica Zrinskog 19. U-Bahn oder Tram bis Zrinjevac.
Archäologisches Museum Split
Direkt neben dem Diokletianpalast gelegen, mit Schwerpunkt auf Dalmatien und vor allem auf Salona. Die Sammlung römischer Skulpturen, Sarkophage und Inschriften ist eine der besten in Südosteuropa. Wer Salona besucht, sollte vorher oder nachher hierher kommen, um die Funde im Kontext zu sehen.
Praktisches: Eintritt 4 Euro, im Sommer täglich geöffnet. Der Garten mit Steinsarkophagen und Architekturfragmenten ist frei zugänglich und lohnt sich auch ohne Museumsbesuch.
Museum der istrischen Stadtlandschaft (Rovinj)
Ein kleines, feines Museum, das die Geschichte Istriens von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter erzählt. Besonders die prähistorischen Funde aus den istrischen Höhlen und die Darstellung des Übergangs von der illyrischen zur römischen Periode sind gut aufbereitet.
Praktische Tipps für archäologisches Reisen in Kroatien
Die großen Stätten — Pula, Split, Porec — sind problemlos ohne Führung zu besuchen, Audioguides und Infotafeln sind verfügbar. Für die kleineren Orte wie Asseria, Nezakcij oder Bribirska Glavica empfiehlt sich Vorbereitung: ein Reiseführer mit archäologischem Schwerpunkt oder zumindest ein Wikipedia-Artikel vorab machen den Besuch deutlich ergiebiger, denn die Beschilderung ist manchmal dürftig.
Die beste Reisezeit für Ruinenbesichtigungen ist der Frühling (April bis Juni) oder der Herbst (September bis Oktober). Die Temperaturen sind angenehm, die Stätten weniger überlaufen, und das Licht ist für Fotografen ideal. Im Hochsommer wird es an Orten ohne Schatten — Salona, Asseria, Nezakcij — brutal heiß, und die Arena in Pula ist dann so voll, dass das Erlebnis leidet. Wer im Sommer kommt, sollte die großen Stätten früh morgens oder am späten Nachmittag besuchen.
Kombinationen bieten sich an: Pula und Nezakcij an einem Tag, Split und Salona an einem halben Tag (nachmittags bleibt Zeit für den Strand), Zadar, Asseria und Nin als Tagestour, Hvar und Vis als Insel-Doppel per Fähre. Wer eine Woche Zeit hat und die Küste entlangfährt, kann fast alle hier beschriebenen Stätten besuchen — von Pula im Norden über Zadar und Split bis zu den Inseln Hvar und Vis.
Kroatiens archäologisches Erbe ist älter und vielfältiger, als die meisten Strandtouristen ahnen. Die Arena von Pula kennen viele, aber die griechischen Felder von Stari Grad, die illyrischen Mauern von Asseria, die goldenen Mosaike von Porec — das sind die Orte, an denen man spürt, wie viele Geschichten dieses Land unter seiner Oberfläche trägt. Es sind die stillen Ruinenstätten abseits der großen Namen, an denen man plötzlich allein mit zweitausend Jahren Geschichte steht, die am längsten in Erinnerung bleiben.
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