Pula Sehenswürdigkeiten: Römisches Erbe an der Adria (2026)
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Pula ist die Stadt der Arena. Das römische Amphitheater dominiert nicht nur das Stadtbild, sondern auch jeden Besuch – und das zu Recht. Aber Pula ist mehr als sein Kolosseum: Eine Hafenstadt mit 3000 Jahren Geschichte, istrischer Kulinarik und Stränden, die nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt liegen. Wer Pula nur als Zwischenstopp auf dem Weg nach Rovinj einplant, verpasst eine Stadt, die sich Schicht für Schicht entfaltet – von römischen Fundamenten über venezianische Festungen bis hin zu österreichisch-ungarischen Marinebauten. Hier stehen antike Tempel neben Fischkonobas, und die Arena liegt nicht hinter einer Absperrung, sondern mitten im Verkehrskreisel.

Die Arena: Kroatiens Kolosseum
Das sechstgrößte römische Amphitheater der Welt steht nicht in Italien, sondern hier in Pula. Kaiser Augustus gab den Bau in Auftrag, sein Nachfolger Vespasian – derselbe, der das Kolosseum in Rom beginnen ließ – erweiterte die Arena im 1. Jahrhundert n. Chr. auf ihre heutige Größe. 23.000 Zuschauer fasste das Oval zur Römerzeit, als Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen das Publikum unterhielten. Die vier Türme an der Außenfassade sind eine Besonderheit, die kein anderes Amphitheater in dieser Form aufweist – sie dienten als Treppenhäuser und Zisternen, um bei Hitze parfümiertes Wasser über die Zuschauer zu sprühen. Die Außenmauern stehen fast vollständig, drei Stockwerke hoch aus istrischem Kalkstein, und wer zum ersten Mal vor der Arena steht, begreift sofort, warum Pula einen Besuch wert ist.
Das Untergeschoss
Von außen ist die Arena kostenlos zu bewundern, aber der Eintritt lohnt sich. Die eigentliche Überraschung wartet unter der Erde: Im Untergeschoss, wo einst Gladiatoren und wilde Tiere auf ihren Auftritt warteten, befinden sich heute Ausstellungsräume. Die permanente Ausstellung „Olivenöl und Weinbau Istriens in der Antike” zeigt Amphoren, Pressen und Werkzeuge – eine ungewöhnliche Themenverbindung, die aber funktioniert, weil sie das Alltagsleben hinter dem Spektakel beleuchtet. Die Gänge sind kühl und schattig, ein willkommener Kontrast zur Sommerhitze oben in der Arena. Nimm dir Zeit für die einzelnen Stationen; die Informationstafeln sind mehrsprachig und gut aufbereitet.
Konzerte und Filmfestival
Das Pula Film Festival im Juli verwandelt die Arena seit 1954 in das größte Open-Air-Kino Europas. Die Leinwand hängt dort, wo vor zwei Jahrtausenden Gladiatoren aufeinander losgingen. Der Effekt ist surreal: Du sitzt auf den originalen Steinstufen, die Mittelmeernacht ist warm, und kroatische und internationale Filme flimmern vor der Kulisse antiker Mauern. Karten sind erschwinglich und gehen schnell weg – für die Eröffnungsvorstellung solltest du Wochen vorher buchen.
Neben dem Filmfestival ziehen Sommerkonzerte internationale Acts nach Pula. Die Akustik zwischen den antiken Mauern ist unvergleichlich – Künstler von Elton John über die Foo Fighters bis zu Andrea Bocelli haben hier gespielt. Das Outlook Festival, das ab 2013 die Arena und die benachbarte Festung Punta Christo zur Bass-Pilgerstätte machte, hat zwar seinen Standort verlagert, aber sein Vermächtnis lebt in der elektronischen Musikszene Pulas weiter. Wer im Sommer nach Pula kommt, sollte den Veranstaltungskalender prüfen – es gibt kaum eine beeindruckendere Konzertlocation in ganz Europa.
Praktisches zur Arena:
- Eintritt: Ca. 10 € (Erwachsene), Kinder ermäßigt
- Öffnungszeiten: 8–21 Uhr im Sommer, 9–17 Uhr im Winter
- Dauer: 1–2 Stunden für die Besichtigung
- Tipp: Abends kommen, wenn die Mauern golden leuchten und die Tagestouristen abgereist sind
Der Augustustempel
Direkt am Forum steht der Augustustempel, eines der besterhaltenen römischen Heiligtümer außerhalb Italiens. Zwischen 2 v. Chr. und 14 n. Chr. erbaut, war er der Göttin Roma und dem Kaiser Augustus gewidmet. Sechs korinthische Säulen tragen den Giebel, die Proportionen sind makellos, die Detailarbeit an den Kapitellen bemerkenswert fein. Was die meisten Besucher nicht wissen: Der Tempel, den sie heute sehen, ist zu großen Teilen eine Rekonstruktion. Im Zweiten Weltkrieg traf eine alliierte Bombe das Gebäude 1944 und legte es in Trümmer. Was aussah wie ein Totalverlust, wurde in den folgenden Jahren akribisch wieder aufgebaut – Stein für Stein, aus den Originalfragmenten. Fotos von der Zerstörung und dem Wiederaufbau hängen im Inneren, und sie machen den Besuch erst richtig eindrücklich.

Im Inneren beherbergt der Tempel eine kleine, aber feine Sammlung römischer Steinskulpturen und Reliefs. Der Platz ist begrenzt – im Sommer staut sich der Andrang vor dem Eingang. Komm am Morgen, bevor die Reisegruppen eintreffen, und nimm dir Zeit, die Inschriften zu entziffern. Der Eintritt kostet nur wenige Euro und lohnt sich allein für den Kontrast zwischen der antiken Fassade und der Kriegsgeschichte dahinter.
Das Forum: Pulas Wohnzimmer
Was für Rom das Forum Romanum war, ist für Pula das Forum – der zentrale Platz, um den sich das Stadtleben seit über zweitausend Jahren dreht. Und anders als in Rom ist dieses Forum kein ausgegrabenes Ruinenfeld, sondern ein lebendiger Treffpunkt. Auf der einen Seite der Augustustempel, gegenüber der Palazzo Comunale, das Rathaus, dessen Fassade Fragmente eines Dianatempels integriert. Die Venezianer bauten das Rathaus im 13. Jahrhundert und verwendeten kurzerhand Steine aus dem antiken Tempel – pragmatisches Recycling, wie es in Pula überall zu finden ist.
Die Cafés rund um das Forum haben ihre Tische auf dem Pflaster aufgestellt, und hier sitzt man besser als in jeder anderen Ecke der Stadt. Die Kellner nehmen sich Zeit, der Espresso ist stark, und wer will, kann stundenlang dem Treiben zusehen: Touristen, die den Augustustempel fotografieren, Einheimische, die sich auf einen Plausch treffen, Kinder, die zwischen den Tischen hindurchrennen. Am Abend, wenn die Laternen angehen und die Fassaden angestrahlt werden, hat das Forum eine Atmosphäre, für die andere Städte Eintritt verlangen würden. Kein Event nötig, kein Programm – einfach da sein und genießen.
Der Sergierbogen (Goldenes Tor)
Der Triumphbogen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. markiert den Eingang zur Altstadt und das Ende der Flaniermeile. Die Familie der Sergier, eine einflussreiche römische Sippe in Pula, ließ ihn zwischen 29 und 27 v. Chr. errichten, um drei Familienmitglieder zu ehren, die in der Schlacht von Actium für Octavian kämpften. Der Bogen stand einst in die Stadtmauer integriert, und nur die Seite zur Stadt hin war verziert – die Außenseite blieb schmucklos, weil man sie ohnehin nicht sah. Als die Mauer im 19. Jahrhundert abgerissen wurde, stand der Bogen plötzlich frei, und die unbearbeitete Rückseite war sichtbar. Ein Detail, das den meisten Besuchern entgeht.
Die Reliefs an der Innenseite zeigen Putti, Girlanden und Adler – Symbole des Sieges und der Macht. Michelangelo soll den Bogen auf einer Italienreise skizziert haben, und sein Einfluss auf spätere Renaissance-Architekten ist dokumentiert. Heute steht der Sergierbogen am Anfang der Sergijevaca, der Haupteinkaufsstraße, die sich durch die Fußgängerzone bis zum Forum zieht. Hier reihen sich Boutiquen, Eisdielen, Souvenirläden und Konobas aneinander – der Bogen ist der natürliche Startpunkt für jeden Altstadtbummel, und abends, wenn die Straße voller Menschen ist und aus den Restaurants Musik klingt, fühlt man sich zwei Jahrtausende zurückversetzt.
Festung Kastel
Die venezianische Festung auf dem Hügel über der Stadt bietet den besten Blick über Pula. Die Venezianer errichteten sie im 17. Jahrhundert auf den Fundamenten eines römischen Kapitols, und das Historische und Maritime Museum Istriens ist hier heute untergebracht. Das Museum zeigt die wechselvolle Geschichte Istriens – von den Illyrern über die Römer und Venezianer bis zur österreichisch-ungarischen Marine und den beiden Weltkriegen. Besonders die Marineabteilung lohnt sich, mit Modellen der k.u.k.-Kriegsschiffe, die einst im Hafen von Pula lagen.
Aber die meisten kommen wegen der Aussicht, und die ist tatsächlich spektakulär: Arena, Hafen, vorgelagerte Inseln, die Werft, die Halbinsel Verudela – alles auf einen Blick. Zum Sonnenuntergang wird der Hügel zum beliebtesten Aussichtspunkt der Stadt. Die Festungsmauern werfen lange Schatten, das Meer färbt sich orange, und die Arena unter dir beginnt zu leuchten. Pack eine Flasche Malvasia und ein Stück Käse ein – besser als jede Rooftop-Bar.
Praktisches:
- Eintritt Museum: Ca. 5 €
- Öffnungszeiten: 9–21 Uhr im Sommer, kürzer im Winter
- Der Aufstieg über die Treppen dauert 10 Minuten und lohnt sich
Kathedrale und Altstadt
Die Kathedrale Mariä Himmelfahrt kombiniert romanische, gotische und Renaissance-Elemente – ein architektonisches Durcheinander, das den wechselhaften Herrschern der Stadt geschuldet ist. Die Grundmauern stammen aus dem 4. Jahrhundert, als hier eine frühchristliche Basilika stand. Im Laufe der Jahrhunderte wurde erweitert, umgebaut, zerstört und wieder aufgebaut. Der freistehende Glockenturm wurde im 17. Jahrhundert aus Steinen der Arena gebaut, was die Römer vermutlich nicht begeistert hätte – aber in Pula war man schon immer pragmatisch mit dem, was da war. Im Inneren finden sich Fragmente von Bodenmosaiken aus dem 5. und 6. Jahrhundert, die man leicht übersieht, wenn man nicht gezielt danach sucht.
Die Altstadt hinter der Kathedrale ist ein Labyrinth aus engen Gassen, kleinen Plätzen und versteckten Konobas. Weniger poliert als Rovinj, authentischer als Porec – hier lebt und arbeitet Pula. Wäscheleinen spannen sich zwischen den Häusern, Katzen liegen auf Fensterbänken, und in den Hinterhöfen stehen vergessene römische Sarkophage, die anderswo in einem Museum hinter Glas stünden. Die Doppeltor (Porta Gemina), ein weiteres römisches Stadttor, führt zum Archäologischen Museum und wird von den meisten Touristen übersehen – ein Fehler, denn die römische Sammlung dort gehört zu den besten in Kroatien.
Strände in und um Pula
Pula ist eine Industrie- und Hafenstadt, aber die Strände sind überraschend gut. Die besten liegen auf der Halbinsel Verudela südlich des Zentrums, keine zehn Minuten mit dem Bus von der Arena entfernt. Was Pula von anderen istrischen Badeorten unterscheidet: Hier gibt es keine endlosen Betonplattenstrände, sondern eine zerklüftete Küste mit Dutzenden kleiner Buchten, Felsplateaus und versteckten Badestellen.

Verudela und Ambrela
Ambrela ist der Hauptstrand der Verudela-Halbinsel und das, was man einen vollausgestatteten Badestrand nennt: Kies und Betonplattformen, klares Wasser, Duschen, Umkleidekabinen, Liegestuhlverleih, Beach-Bars. Familien schätzen den flachen Einstieg auf der einen Seite, Jugendliche die Klippenbereiche auf der anderen. Im Hochsommer wird es voll, aber die Infrastruktur ist solide. Rund um Verudela reihen sich weitere Buchten aneinander – wer ein paar hundert Meter weiter geht, findet schnell ruhigere Plätze.
Havajka (Hawaii Beach)
Der Spitzname klingt übertrieben, aber der Strand hält, was er verspricht. Havajka liegt am Südende der Verudela-Halbinsel, ist über einen Waldweg erreichbar und belohnt den kurzen Fußmarsch mit Felsplateaus, kristallklarem Wasser und wenig Infrastruktur. Schnorchler finden hier eine reiche Unterwasserwelt mit Seeigeln, kleinen Fischen und Seegras. Keine Liegestühle, keine Musik – wer das sucht, geht zu Ambrela zurück. Wer Ruhe will, bleibt hier.
Stoja
Auf der gegenüberliegenden Seite liegt Stoja, ein Campingplatz mit öffentlich zugänglichem Strandbereich. Die Felsküste ist wilder als bei Verudela, das Wasser tiefer, die Stimmung entspannter. Stoja zieht seit Jahrzehnten Camper und Backpacker an, und die Atmosphäre hat etwas von einem alternativen Stranddorf. Der Einstieg ins Wasser erfolgt über die Felsen, feste Schuhe sind empfehlenswert. Abends sitzen die Camper auf den Klippen und schauen der Sonne beim Untergehen zu – ein Ritual, das nie langweilig wird.
Von Pula führt eine 49-km-Küstentour entlang der istrischen Westküste – vorbei an Buchten, die selbst viele Einheimische nicht kennen.
Brijuni-Inseln: Nationalpark und Titos Sommerresidenz
Die Brijuni-Inseln vor Pula sind einer der acht Nationalparks Kroatiens, und sie haben eine Geschichte, die bizarrer ist als jede Fiktion. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte der österreichische Industrielle Paul Kupelwieser die Inseln und ließ sie von Robert Koch – ja, dem Robert Koch – von Malaria befreien. Er verwandelte sie in ein Luxusresort für die europäische Aristokratie. Später, nach dem Zweiten Weltkrieg, machte Josip Broz Tito die Insel Veli Brijun zu seiner privaten Sommerresidenz und empfing dort über hundert Staatsoberhäupter – von Nasser über Nehru bis Fidel Castro.
Was davon übrig ist, kann man heute besichtigen: Titos Cadillac, seine Residenz, die Fotoausstellung mit Bildern von Staatsbesuchen. Der eigentliche Höhepunkt ist aber der Safari-Park, der entstand, weil ausländische Staatsgäste Tito exotische Tiere schenkten. Zebras, Lamas, Watussirinder und sogar Elefanten – die Nachkommen dieser diplomatischen Geschenke leben noch immer auf der Insel. Es klingt absurd, und es ist absurd, aber genau das macht Brijuni zu einem Ort, den man nirgendwo anders in Europa findet. Dazu kommen Dinosaurierspuren aus der Kreidezeit, die Ruinen einer römischen Villa und Olivenhaine, die älter sind als die meisten europäischen Staaten.
Anreise und Praktisches:
- Fähre ab Fazana (15 Minuten Fahrt von Pula), Überfahrt 15 Minuten
- Tickets: Ca. 40 € (Erwachsene) inklusive geführter Inseltour
- Dauer: Halber bis ganzer Tag
- Fahrrad mitnehmen oder vor Ort leihen – die Insel ist flach und perfekt zum Radfahren
- Im Sommer vorher online buchen, die Plätze auf den Booten sind begrenzt
Essen und Trinken
Pula ist günstiger als Rovinj, bodenständiger als Porec und ehrlicher als die meisten Touristenorte an der istrischen Küste. Die Hafenstadt hat sich ihre kulinarische Identität bewahrt, und wer abseits der Touristenmeile isst, zahlt faire Preise für hervorragendes Essen.
Batelina: Fisch, für den man reservieren muss
Die Konoba Batelina im Stadtteil Banjole, ein paar Kilometer südlich des Zentrums, ist das bekannteste Fischrestaurant Pulas – und eines der besten in ganz Istrien. Der Besitzer David Skoko fährt morgens selbst aufs Meer und entscheidet danach, was auf die Karte kommt. Es gibt kein festes Menü, sondern das, was das Meer hergibt: roher Fisch, mariniert, gegrillt, als Carpaccio, als Tatar. Reservierung ist nicht optional, sondern Pflicht – im Sommer mindestens eine Woche vorher, besser zwei. Die Portionen sind großzügig, die Rechnung überraschend moderat für das Niveau. Wer ohne Reservierung kommt, steht vor verschlossener Tür und schaut durch die Fensterscheibe den Glücklicheren beim Essen zu.
Vodnjanka und die Markthalle
In Vodnjan, einem verschlafenen Städtchen zwanzig Minuten nördlich von Pula, hat die Vodnjanka einen Ruf, der weit über die Region hinausreicht. Istrische Hausmannskost auf hohem Niveau: Fuzi mit Trüffeln, geschmortes Boškarin-Rind, Maneštra (eine dickflüssige Gemüsesuppe) und zum Abschluss Fritule, die süßen Teigbällchen, die in Istrien zum guten Ton gehören. Die Preise sind fair, die Portionen ehrlich. Zurück in Pula solltest du die Markthalle am Narodni Trg nicht verpassen. Morgens zwischen acht und elf ist sie am lebendigsten: istrischer Schinken, Käse aus dem Hinterland, Olivenöl von kleinen Produzenten, frischer Fisch direkt vom Boot. Die Markthalle ist seit 1903 in Betrieb, ein eiserner Jugendstilbau, der an die k.u.k.-Zeit erinnert – und der beste Ort, um sich für ein Picknick am Strand einzudecken.
Was du probieren solltest
Istriens Küche ist eine Mischung aus italienischen, österreichischen und slawischen Einflüssen, und in Pula bekommst du alles auf einem Teller. Fuzi mit weißen Trüffeln im Herbst, Boškarin-Ragout im Winter, gegrillte Sardinen im Sommer. Dazu immer ein Glas Malvasia, den trockenen Weißwein, den Istrien besser macht als jede andere Region Kroatiens. Wer etwas Süßes will: Fritule gibt es an jeder Ecke, aber die besten kommen aus den kleinen Konobas im Hinterland, nicht von den Ständen an der Promenade.
Nachtleben und Festivals
Pula ist keine Partystadt im Sinne von Zrce oder Hvar, aber wer glaubt, dass nach 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden, irrt. Die Altstadt hat eine lebhafte Barszene, konzentriert vor allem rund um das Forum und die Sergijevaca. Die Bars hier sind keine Clubs, sondern Orte, an denen man auf einen Drink reinschaut, der in zwei wird, und plötzlich ist es drei Uhr morgens. Das Uliks, eine Craft-Beer-Bar in einer Seitengasse, zieht ein jüngeres Publikum an. Das Cvajner am Forum ist die Adresse für Cocktails mit Blick auf den Augustustempel.
Pulas größter kultureller Beitrag zum Nachtleben war das Outlook Festival, das von 2011 bis 2019 Bass-Musik-Fans aus ganz Europa in die Festung Punta Christo lockte. Das Festival hat seinen Standort gewechselt, aber der Geist lebt weiter – in den Bars, in der Offenheit der Stadt gegenüber elektronischer Musik, in den kleinen Veranstaltungen, die im Sommer in verlassenen Industriehallen und auf Festungsmauern stattfinden. Dimensions, das Schwesterfestival, hinterließ einen ähnlichen Abdruck. Pula hat sich durch diese Festivals eine Identität als Kulturstadt erarbeitet, die weit über Kroatien hinausreicht. Das Pula Film Festival im Juli, das Seasplash Reggae Festival und diverse Jazz- und Klassikveranstaltungen in der Arena sorgen dafür, dass den ganzen Sommer über etwas los ist.
Praktische Tipps
Parken in Pula
Parken in Pula ist lösbar, wenn man das System versteht. Die Stadt arbeitet mit Farbzonen: Zone 1 (rot) rund um die Altstadt ist die teuerste und auf zwei oder vier Stunden begrenzt – hier einen Platz zu finden gleicht im Sommer einem Glücksspiel. Zone 2 (gelb) ist günstiger und erlaubt längeres Stehen. Das Parkhaus Karolina, fünf Gehminuten vom Forum entfernt, ist die stressfreiste Option: überdacht, bewacht, und man muss nicht alle zwei Stunden zum Auto rennen. Alternativ funktioniert das Parken am Rand von Verudela gut, wenn du den Strandtag mit dem Stadtbummel kombinieren willst – ein Bus fährt regelmäßig ins Zentrum.
Anreise
Der Flughafen Pula liegt nur sechs Kilometer nordöstlich der Stadt und wird im Sommer von zahlreichen europäischen Städten direkt angeflogen – Direktverbindungen gibt es unter anderem aus München, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Wien und Zürich. Vom Flughafen ins Zentrum bringt dich ein Shuttlebus oder Taxi in fünfzehn Minuten. Mit dem Auto sind es von Ljubljana knapp zwei Stunden, von Zagreb etwa drei, von München fünf bis sechs über die Karawankentunnel-Route. Wer ohne Auto kommt: Die Busverbindungen nach Rovinj, Porec, Rijeka und Zagreb sind gut getaktet. Eine Fährverbindung nach Zadar existiert saisonal und verkürzt die Strecke nach Dalmatien erheblich.
Beste Reisezeit
Mai und Juni sind ideal: warm genug zum Baden, die Arena-Konzerte beginnen, und die großen Reisegruppen sind noch nicht da. Juli und August bringen Hochsaison mit allem, was dazugehört – Filmfestival, volle Strände, Temperaturen über 30 Grad und Kreuzfahrtschiffe im Hafen. September ist für viele der perfekte Monat: Das Meer hat die Wärme des Sommers gespeichert, die Touristenzahlen sinken, die Restaurants atmen auf, und die Preise fallen. Im Oktober kann man immer noch baden, und die Trüffelsaison im Hinterland beginnt – wer Kulinarik und Strandurlaub verbinden will, kommt zu dieser Jahreszeit.
Ausflüge ab Pula
Von Pula aus erreichbar in unter einer Stunde:
- Rovinj (40 Min.): Die malerischste Stadt Istriens, unbedingt abends besuchen
- Kap Kamenjak (30 Min.): Wilde Klippen, versteckte Buchten, die legendäre Safari Bar
- Brijuni-Inseln (per Boot ab Fazana): Nationalpark, Titos Erbe, Safari-Park
- Motovun (1 Std.): Trüffelhauptstadt im Nebelmeer über dem Mirna-Tal
- Vodnjan (15 Min.): Mumien in der Kirche, Olivenöl-Produzenten, die Vodnjanka
Was Pula besonders macht
Pula ist keine perfekte Postkartenstadt. Es ist eine Arbeiterstadt mit Werft und Industrie, mit echten Bewohnern und echtem Leben. Die Arena steht nicht in einem Freilichtmuseum, sondern mitten im Alltag – Busse fahren vorbei, Kinder spielen Fußball im Park daneben, und im Café gegenüber bestellt jemand sein drittes Bier. Zwischen den Monumenten des Imperiums steht Wäsche zum Trocknen, und im Hafen liegen Fischerboote neben Segeljachchten. Diese Mischung aus Weltgeschichte und Normalität macht Pula authentischer als die polierten Touristenorte der Küste.
Ein Tag reicht für die Highlights. Aber wer bleibt, entdeckt eine Stadt, die unter ihrer rauen Oberfläche eine Tiefe hat, die Rovinj und Porec bei aller Schönheit nicht bieten können. Pula ist nicht das Istrien der Reisekataloge – und genau das ist der Punkt.