Wracktauchen in Kroatien: Die 12 besten Wracks für Taucher 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 16 Nov, 2025
Inhalt
Die kroatische Adria ist ein Schiffsfriedhof. Zwei Weltkriege, Jahrhunderte Handelsschifffahrt und die tückischen Küsten haben Dutzende Wracks hinterlassen – von österreichischen Passagierdampfern über italienische Kriegsschiffe bis zu modernen Frachtern. Für Taucher ist Kroatien damit eines der interessantesten Reviere Europas, und das nicht nur wegen der Vielfalt: Die Sichtweiten in der Adria erreichen regelmäßig 20 bis 40 Meter, was selbst erfahrene Rotes-Meer-Taucher überrascht. Im Vergleich zu Malta oder den Kanaren sind die Tauchplätze weniger überlaufen, die Preise günstiger, und die Anreise aus dem deutschsprachigen Raum unkompliziert.

Die meisten Wracks liegen in Tiefen zwischen 20 und 70 Metern, viele sind gut erhalten und von Meereslebewesen besiedelt. Einige sind für Open-Water-Taucher zugänglich, andere erfordern technische Ausrüstung und entsprechende Zertifizierung. Zwischen Juni und Oktober sind die Bedingungen am besten: Wassertemperaturen von 22 bis 26 Grad an der Oberfläche (in der Tiefe kühler, oft 14–18 Grad bei den tieferen Wracks) und stabile Wetterverhältnisse. Dieser Guide stellt die spektakulärsten Wracks vor – von den Klassikern, die jeder Kroatien-Taucher kennen sollte, bis zu den Geheimtipps für Fortgeschrittene.
Die Klassiker: Wracks, die du kennen solltest
Baron Gautsch (Rovinj)
Das berühmteste Wrack Kroatiens – und eines der tragischsten. Die Baron Gautsch war ein österreichischer Passagierdampfer der Lloyd-Linie, gebaut 1908 in Triest, 84 Meter lang und für den Liniendienst zwischen Triest und Kotor eingesetzt. Am 13. August 1914, nur zwei Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, lief das Schiff auf eine Mine, die von der eigenen k.u.k. Marine gelegt worden war. Der Kapitän hatte die Warnung ignoriert, das Minenfeld zu umfahren. Von den rund 300 Passagieren – darunter viele Frauen und Kinder, die vor dem Krieg in Dalmatien flohen – überlebten weniger als 200. Das Schiff sank in unter zehn Minuten.

Heute liegt die Baron Gautsch auf 40 Metern Tiefe, etwa 6 Seemeilen vor Rovinj. Das Schiff ist erstaunlich gut erhalten – der Rumpf intakt, Deckaufbauten erkennbar, die Masten ragen gespenstisch ins Blau. An manchen Stellen siehst du noch die Bullaugen, Davits der Rettungsboote und Teile des Steuerhauses. Schwärme von Mönchsfischen umkreisen die Aufbauten, Conger-Aale bewohnen die Hohlräume im Rumpf, und an den Reling-Überresten haben sich dichte Teppiche aus Schwämmen und Seenelken angesiedelt. Da das Wrack seit 2003 als Unterwasserdenkmal geschützt ist, darf es nur mit autorisierten Tauchbasen angefahren werden. Mitnahme von Souvenirs ist streng verboten und wird mit empfindlichen Geldstrafen geahndet.
Technische Daten:
- Tiefe: 28-40 m
- Sichtweite: 15-30 m
- Strömung: leicht bis moderat
- Anforderung: Advanced Open Water + Erfahrung (mindestens 30 geloggte Tauchgänge empfohlen)
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen: Rovinj Sub (www.rovinj-sub.hr) gilt als die erste Adresse – das Team taucht die Baron Gautsch seit über 20 Jahren und kennt jede Ecke. Alternativ bietet Valdaliso Diving (www.valdaliso.com) Ausfahrten an, oft mit kleineren Gruppen.
Tihany (Pag)
Das zweitberühmteste Wrack der kroatischen Adria – ein ungarischer Raddampfer aus dem Jahr 1916. Die Tihany war ursprünglich ein ziviles Passagierschiff auf dem Balaton, wurde bei Kriegsausbruch requiriert und als Truppentransporter eingesetzt. Vor der Insel Pag traf ein Torpedo des französischen U-Boots Foucault das Schiff. 172 Soldaten starben, viele davon eingeschlossen im Unterdeck.
Das Wrack liegt seitlich auf 36 Metern Tiefe, die beiden charakteristischen Schaufelräder noch erkennbar – ein bizarres Bild, denn Schaufelraddampfer in der Adria waren schon 1916 ein Anachronismus. Der Bug ist abgebrochen und liegt etwa 20 Meter entfernt separat auf dem Sandgrund. Penetration ist möglich, aber nur für erfahrene Taucher mit Wreck-Diver-Zertifizierung – die innere Struktur ist teilweise instabil, und aufgewirbelter Sediment kann die Sicht in Sekunden auf null reduzieren. Außerhalb des Rumpfes triffst du auf große Drachenköpfe, die sich zwischen den verkrusteten Metallplatten verstecken, sowie auf Nacktschnecken, die die Schwammkolonien beweiden.
Technische Daten:
- Tiefe: 22-36 m
- Sichtweite: 10-20 m
- Strömung: moderat
- Anforderung: Advanced Open Water + Wreck-Erfahrung
- Beste Zeit: Juni-September
Tauchbasen: Foka Diving (Novalja) organisiert regelmäßige Ausfahrten, Dive Center Pag bietet das Wrack als Teil von Mehrtages-Paketen an.
Taranto (Dubrovnik)
Ein italienisches Torpedoboot der Spica-Klasse aus dem Zweiten Weltkrieg, gesunken am 21. September 1943 durch einen britischen Luftangriff. Die Taranto lag im Hafen der Insel Koločep vor Anker, als Hawker-Hurricane-Jagdbomber angriffen. Mehrere Bomben trafen das Schiff, es brannte aus und sank innerhalb einer Stunde. Ein Großteil der Besatzung konnte sich auf die Insel retten.
Das 80 Meter lange Schiff liegt auf spektakulären 55 Metern Tiefe, aufrecht auf dem Sandgrund. Die Geschütztürme sind noch bestückt – eine 100-mm-Kanone am Bug, Flugabwehrgeschütze mittschiffs, die Torpedorohre seitlich erkennbar. Bei guten Bedingungen siehst du das Wrack bereits vom Deck-Level auf 45 Metern als dunkle Silhouette unter dir – ein Anblick, der unter die Haut geht. Riesige Zackenbarsche haben die Maschinenräume als Revier beansprucht, und an den Aufbauten wachsen gelbe Krustenanemonen in einer Dichte, die man sonst nur am Mittelmeergrund in größeren Tiefen findet. Die begrenzte Grundzeit (8–12 Minuten auf Luft, 15–20 mit Nitrox 32) macht jede Sekunde kostbar, aber die Klarheit des Wassers (oft 30+ Meter Sicht) entschädigt dafür.
Technische Daten:
- Tiefe: 45-55 m
- Sichtweite: 25-40 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Deep Diver + Nitrox empfohlen, Trimix für ausgedehnte Erkundung
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen: Blue Planet Diving (Dubrovnik) bietet die Taranto als Spezialtauchgang an, Adriatic Diving (Cavtat) fährt das Wrack bei passenden Bedingungen ab Mitte Mai an.
Die Insel Vis: Wrack-Paradies der Adria
Vis hat eine besondere Geschichte: Während des Kommunismus war die Insel Militärsperrgebiet, für Ausländer verboten. Jugoslawiens Marine nutzte die Insel als Stützpunkt, versteckte U-Boote in Tunneln und Munitionslager in Höhlen. Erst 1989 wurde Vis für Touristen geöffnet. Das Ergebnis: unberührte Küsten, kaum Bebauung – und ein Dutzend Wracks, die jahrzehntelang niemand anrührte. Die Tauchplätze rund um Vis und die Nachbarinsel Biševo gehören zu den klarsten im gesamten Mittelmeer. Sichtweiten von 30 Metern sind keine Ausnahme, sondern die Regel.

Teti (Vis)
Ein italienisches Handelsschiff, gesunken 1930 während eines heftigen Herbststurms auf dem Weg von Split nach Italien. Die Teti liegt aufrecht auf 33 Metern, der Bug zur Oberfläche zeigend, als wollte das Schiff ein letztes Mal auftauchen. Das gesamte Wrack ist von einer dichten Schicht aus Schwämmen, Anemonen und Weichkorallen bedeckt – ein Unterwassergarten, der in der Nachmittagssonne besonders spektakulär wirkt, wenn schräges Licht durch die Aufbauten fällt.
Der Tauchgang beginnt am Bug auf 23 Metern und führt entlang des Rumpfs zum Heck. Wer eine gute Tarierung hat, kann durch die Laderäume schweben, ohne Sediment aufzuwirbeln. In den dunklen Ecken lauern Muränen, unter den Bodenplatten verstecken sich Langusten, und am Heck patrouillieren gelegentlich Zackenbarsche von beeindruckender Größe. Die Teti ist das zugänglichste Wrack von Vis und gleichzeitig das fotogenste – Unterwasserfotografen schätzen die Kombination aus intakter Struktur, dichtem Bewuchs und exzellenter Sicht. Wer mit Weitwinkelblitz arbeitet, bekommt hier Bilder, die es mit jedem Red-Sea-Wrack aufnehmen können.
Technische Daten:
- Tiefe: 23-33 m
- Sichtweite: 20-30 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Open Water Advanced
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Vassilios T (Vis)
Ein griechischer Frachter, absichtlich versenkt 2017 als künstliches Riff vor Vis. Mit 80 Metern Länge ist die Vassilios T das größte Wrack in der Region – und das taucherfreundlichste. Vor dem Versenken wurde das Schiff gründlich dekontaminiert: Treibstoff abgepumpt, Asbestverkleidungen entfernt, scharfe Kanten abgeschliffen. Große Öffnungen in Rumpf und Aufbauten ermöglichen sichere Penetration, ohne dass man sich in enge Durchgänge quetschen muss.
Das Wrack liegt aufrecht auf 46 Metern, das Deck beginnt bei 28 Metern. Die Dimensionen sind beeindruckend – du kannst minutenlang entlang des Rumpfs schweben, ohne das Ende zu erreichen. Der Maschinenraum ist zugänglich und groß genug für zwei Taucher nebeneinander. Nach nur wenigen Jahren hat sich bereits ein erstaunliches Ökosystem entwickelt: Muschelbänke an den Rumpfplatten, Schwärme junger Goldbrassen um die Aufbauten, und im Sand neben dem Wrack graben sich Seezungen ein. Für Taucher, die ihr erstes tieferes Wrack machen wollen, ist die Vassilios T die perfekte Wahl – anspruchsvoll genug, um spannend zu sein, aber ohne die Risiken altersschwacher Strukturen.
Technische Daten:
- Tiefe: 28-46 m
- Sichtweite: 20-35 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Deep Diver
- Beste Zeit: Mai-Oktober
B-24 Bomber (Vis)
Kein Schiff, sondern ein Flugzeug – ein amerikanischer B-24 Liberator Bomber der 15th Air Force, abgestürzt am 6. November 1944 auf dem Rückweg von einem Einsatz über Österreich. Die Maschine hatte Flak-Treffer erlitten, ein Motor brannte. Die zehnköpfige Crew entschied sich für eine Notwasserung nahe Vis, das damals als alliierter Notlandeplatz diente. Alle Besatzungsmitglieder überlebten und wurden von jugoslawischen Partisanen gerettet. Das Wrack verschwand im Meer und geriet in Vergessenheit – bis es 2017 in 42 Metern Tiefe von lokalen Tauchern wiederentdeckt wurde.
Der Bomber ist erstaunlich gut erhalten: Die Tragflächen mit einer Spannweite von 33 Metern liegen ausgebreitet auf dem Sandgrund, Rumpf und Leitwerk sind intakt, drei der vier Pratt-&-Whitney-Sternmotoren noch an ihren Halterungen. Muscheln bedecken die Aluminiumhaut, Seeigel haben sich in den Motorgondeln angesiedelt. Der Tauchgang ist technisch anspruchsvoll – neben der Tiefe kann eine Strömung einsetzen, die den Rückweg zum Ankerseil erschwert. Nur wenige Tauchbasen bieten den B-24 an, und wetterbedingte Absagen sind häufig. Buche mindestens drei mögliche Tage ein, um eine realistische Chance auf den Tauchgang zu haben.
Technische Daten:
- Tiefe: 42 m
- Sichtweite: 20-30 m
- Strömung: moderat bis stark
- Anforderung: Deep Diver + Erfahrung (mindestens 50 Tauchgänge)
- Beste Zeit: Juni-September
Tauchbasen für Vis: Issa Diving in Komiža (www.issadiving.hr) ist die erfahrenste Basis für alle Vis-Wracks und bietet auch technische Kurse an. Diving Center Vis (www.diving-center-vis.com) hat ein jüngeres Team und organisiert gelegentlich Mehrtages-Wrack-Safaris.
Istrien: Wracks vor der Westküste
Istriens Westküste war im 20. Jahrhundert eine der am stärksten verminten Seeregionen der Adria. Österreicher, Italiener, Deutsche und Alliierte legten in beiden Weltkriegen Tausende Minen – viele davon trafen das falsche Ziel. Die Gewässer vor Pula und Rovinj beherbergen deshalb eine ungewöhnliche Konzentration von Wracks auf relativ engem Raum. Ein Vorteil für Taucher: Die Anfahrten zu den Wracks sind kurz, und an manchen Tagen schafft man zwei verschiedene Wracks.
Coriolanus (Pula)
Ein britischer Minensucher der Algerine-Klasse, gesunken am 5. Mai 1945 – drei Tage vor Kriegsende – durch eine deutsche Mine. Die bittere Ironie: Ein Schiff, das Minen räumen sollte, fiel selbst einer zum Opfer. 21 Seeleute starben. Das Wrack liegt 30 Seemeilen vor Pula auf 52 Metern Tiefe in offenem Wasser.
Der Coriolanus ist ein Tieftauchgang für Erfahrene, aber die Mühe lohnt sich aus mehreren Gründen. Das Schiff ist nahezu vollständig intakt – vom Bug mit der Ankerwinsch bis zum Heck mit der 4-Zoll-Kanone. Da die Position weit draußen liegt, ist das Wasser kristallklar, oft 35 Meter Sicht und mehr. Partikel und Algen, die küstennahe Wracks trüben, fehlen hier vollständig. Du bist fast immer der einzige Taucher am Wrack, was ein ganz anderes Erlebnis ergibt als an den populären Spots. Pelagische Fische – Blauflossen-Thunfisch, Bernsteinmakrelen – ziehen gelegentlich vorbei, angelockt von den Fischschwärmen, die das Wrack als Riff nutzen.
Technische Daten:
- Tiefe: 42-52 m
- Sichtweite: 25-40 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Deep Diver + Nitrox
- Beste Zeit: Mai-September
Giuseppe Dezza (Medulin)
Ein italienisches Torpedoboot der Classe Spica, gesunken 1944 durch einen Angriff britischer Beaufighter-Jagdbomber. Das 82 Meter lange Schiff liegt auf 37 Metern, teilweise auf der Seite gekippt. Die Bewaffnung – 100-mm-Geschütze, 20-mm-Flak, Torpedorohre – ist noch vorhanden und gibt dem Tauchgang einen düsteren, musealen Charakter. An einigen Stellen siehst du Einschusslöcher der Bordwaffen, die den Rumpf durchschlagen haben.
Was die Giuseppe Dezza von anderen Militärwracks unterscheidet: Der Maschinenraum ist zugänglich und beeindruckend groß. Wer die Wreck-Diver-Zertifizierung hat, kann durch die Öffnungen an Deck einsteigen und zwischen Kolben, Rohrleitungen und Ventilen hindurchtauchen. Draußen am Rumpf haben sich Seepferdchen angesiedelt – eine Seltenheit in der nördlichen Adria, die Unterwasserfotografen hierher lockt.
Technische Daten:
- Tiefe: 28-37 m
- Sichtweite: 15-25 m
- Strömung: moderat
- Anforderung: Advanced Open Water + Wreck-Erfahrung
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen Istrien: Pula Diving (www.puladiving.com) deckt beide istrischen Wracks ab und bietet Kombi-Pakete an. Indigo Diving (Medulin) spezialisiert sich auf die Giuseppe Dezza und kennt die besten Einstiegspunkte für die Penetration.
Dalmatien: Wracks entlang der Küste
Flamingo (Split)
Ein Vermessungsschiff der kroatischen Hydrographie, versenkt 2004 als künstliches Riff vor Split. Das 50 Meter lange Schiff wurde vor dem Versenken entkernt, gereinigt und mit Öffnungen für Taucher versehen. Es liegt aufrecht auf 35 Metern, perfekt stabil auf dem Sandgrund. Die Flamingo ist das meistbetauchte Wrack Mitteldalmatiens – und das aus gutem Grund: Die Lage nur 15 Bootsminuten von Split entfernt macht sie logistisch einfach, die Tiefe ist für fortgeschrittene Sporttaucher machbar, und die Unterwasserlandschaft bietet genug für mehrere Tauchgänge.
Innerhalb von 20 Jahren hat sich das Wrack in ein künstliches Riff verwandelt, das natürliche Riffe in der Umgebung an Artenvielfalt übertrifft. Schwärme von Ährenfischen und Meerbrassen umgeben das Schiff wie eine silberne Wolke. Im Inneren leben Muränen, Kraken verstecken sich in den ehemaligen Kabinen, und an der Außenhaut wachsen Schwämme in orange, gelb und violett. Nachttauchgänge an der Flamingo sind besonders lohnend – dann kommen die Langusten heraus, und biolumineszente Organismen lassen das Wrack stellenweise grünlich schimmern.
Technische Daten:
- Tiefe: 22-35 m
- Sichtweite: 15-25 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Advanced Open Water
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen: Nemo Diving (Split) und Big Blue Diving (Split) fahren die Flamingo mehrmals wöchentlich an. In der Hochsaison empfiehlt sich eine Buchung mindestens eine Woche im Voraus.
Draga (Šolta)
Ein Schwimmbagger (daher der Name), gesunken während eines Sturms in den 1960er Jahren vor der Insel Šolta. Die Draga liegt auf nur 18 Metern – einer der wenigen echten Wracks, die auch für Open-Water-Taucher ohne Advanced-Zertifizierung zugänglich sind. Der Kran ragt bis auf 12 Meter hinauf, der Rumpf ist vollständig von Schwämmen und Algen bedeckt. Kleine Tintenfische nutzen die Hydraulikrohre als Versteck, und auf dem Sandgrund neben dem Wrack graben sich Rochen ein.
Für Tauchschüler und weniger erfahrene Taucher ist die Draga ideal als Einstieg ins Wracktauchen: flach genug für lange Grundzeiten (45+ Minuten), übersichtlich, keine gefährlichen Penetrationsmöglichkeiten. Gleichzeitig bietet das Wrack genug Struktur, um den Reiz des Wracktauchens zu spüren – das Gefühl, ein versunkenes Stück Menschenwerk zu erkunden, das sich die Natur zurückerobert hat.
Technische Daten:
- Tiefe: 12-18 m
- Sichtweite: 10-20 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Open Water
- Beste Zeit: Ganzjährig (auch im Winter bei 14-16°C Wassertemperatur)
Lina (Prvić)
Ein Frachter, gesunken 1914 vor der kleinen Insel Prvić bei Šibenik. Mit 100 Metern Länge ist die Lina eines der größten Wracks der gesamten Adria. Das Schiff liegt auf anspruchsvollen 50–60 Metern, schräg auf einer Sandbank, der Bug höher als das Heck. Die Dimensionen sind erschlagend – selbst mit 15 Minuten Grundzeit siehst du nur einen Bruchteil des Wracks. Für Sporttaucher ist die Lina unerreichbar; hier braucht es technische Ausrüstung. Trimix ist empfohlen, Doppelgerät mit Stages Pflicht. Dafür wirst du mit einem Wrack belohnt, das kaum betaucht wird und an dem die Unterwasserwelt ungestört gedeiht: Massive Gorgonien an den Aufbauten, Barrakuda-Schwärme im Freiwasser daneben, und im Rumpf verstecken sich Hummer von beachtlicher Größe.
Technische Daten:
- Tiefe: 50-60 m
- Sichtweite: 25-40 m
- Strömung: moderat
- Anforderung: Technical Diver (TDI Advanced Trimix oder vergleichbar)
- Beste Zeit: Mai-September
Für Fortgeschrittene: Die technischen Wracks
Diese Wracks erfordern technische Ausbildung (TDI, IANTD, GUE oder vergleichbar), Doppelgerät und oft Trimix. Die Logistik ist aufwendiger, die Kosten höher, die Tauchgänge kürzer – aber die Erlebnisse gehören zu den intensivsten, die das Mittelmeer zu bieten hat.
Romagna (Lošinj)
Ein italienischer Dampfer, gesunken 1917 auf 60–70 Metern Tiefe vor Lošinj. Das Wrack ist riesig – über 80 Meter lang – und fast unberührt, weil die Tiefe die meisten Taucher fernhält. Die Romagna liegt aufrecht auf dem Meeresgrund, der Schornstein ragt gespenstisch ins Blau. In den Laderäumen findest du noch die Reste der Fracht: Baumaterialien, die nie ihr Ziel erreichten. Die Isolation des Wracks hat dazu geführt, dass sich hier eine eigene Gemeinschaft von Tiefseelebewesen angesiedelt hat – rote Gorgonien, die in 60 Metern Tiefe wie ein Unterwasserwald wirken, und scheue Gabeldorsche, die sonst nur selten in der Adria gesichtet werden.
Szent István (Premuda)
Die Überreste eines österreichisch-ungarischen Dreadnought-Schlachtschiffs, torpediert am 10. Juni 1918 von einem italienischen MAS-Boot. Die Szent István war eines der mächtigsten Kriegsschiffe der k.u.k. Marine: 20.000 Tonnen, 152 Meter lang, schwer bewaffnet mit 30,5-cm-Geschützen. Der Angriff wurde von einem italienischen Beobachter gefilmt – das Filmmaterial zeigt, wie sich das Schiff langsam zur Seite neigt und kentert. 89 Besatzungsmitglieder starben.
Die Trümmer liegen auf 60–70 Metern vor der Insel Premuda, weit verstreut über den Meeresgrund. Rumpfteile, Geschütztürme und Maschinenteile bilden ein unterwasserarchäologisches Feld von enormer Ausdehnung. Der Tauchgang erfordert Trimix, exzellente Planung und ruhige See. Ein Pilgerziel für technische Taucher aus ganz Europa, das man sich verdienen muss – sowohl konditionell als auch finanziell.
Varese (Koločep)
Ein italienisches Handelsschiff, gesunken 1915 auf 72 Metern vor Koločep bei Dubrovnik. Das Wrack ist weitgehend intakt, die Tiefe extrem. Nur für erfahrene Tech-Taucher mit Trimix-Zertifizierung und erheblicher Tiefen-Erfahrung. Die Dekompression dauert länger als der eigentliche Wrack-Aufenthalt – typisch für Tauchgänge jenseits der 70-Meter-Marke.
Was lebt an den Wracks?
Wracks sind künstliche Riffe, und die kroatische Adria zeigt eindrucksvoll, wie schnell sich die Natur menschengemachte Strukturen zurückholt. Bereits nach wenigen Jahren sind Metallrümpfe von Muscheln, Seepocken und Schwämmen überzogen. Nach einem Jahrzehnt bilden sich dichte Gemeinschaften: Gelbe und orangefarbene Krustenanemonen bedecken die Aufbauten, Weichkorallen wachsen an strömungsexponierten Stellen, rote Gorgonien siedeln sich ab 30 Metern an.
Die Fischfauna variiert je nach Tiefe und Region. An flacheren Wracks (unter 30 Metern) triffst du auf Meerbrassen, Ährenfische, Lippfische und Drachenköpfe. Kraken nutzen enge Hohlräume als Versteck, und Muränen – manchmal über einen Meter lang – lugen aus Rohren und Spalten. In mittleren Tiefen (30–50 Meter) werden die Zackenbarsche größer, Langusten häufiger, und gelegentlich ziehen Bernsteinmakrelen oder Barrakudas vorbei. An den tiefen Tech-Wracks jenseits der 50 Meter verändert sich die Szenerie: Gabeldorsche, Dornhaie (selten, aber dokumentiert) und große pelagische Arten, die das offene Wasser bevorzugen.
Praktisches: Planung und Durchführung
Zertifizierungen und Erfahrung
Die kroatischen Tauchregeln sind eindeutig: Wer tiefer als 40 Meter taucht, braucht einen gültigen Deep-Diver-Schein. Für Penetration ist Wreck Diver obligatorisch, nicht nur empfohlen. Technische Wracks über 60 Meter erfordern nachweisbare Tech-Ausbildung bei einem anerkannten Verband. Die Tauchbasen prüfen das – wer ohne gültigen Nachweis auf 50 Meter möchte, wird abgewiesen. Darüber hinaus verlangen viele Basen ein aktuelles Logbuch mit mindestens 20–30 dokumentierten Tauchgängen auf vergleichbarer Tiefe.
| Tiefe | Anforderung | Beispiele |
|---|---|---|
| < 20 m | Open Water | Draga (Šolta) |
| 20-40 m | Advanced Open Water | Baron Gautsch, Teti, Flamingo |
| 40-60 m | Deep Diver + Nitrox | Taranto, Vassilios T, Coriolanus |
| > 60 m | Technical Diver (Trimix) | Romagna, Szent István, Varese |
Ausrüstung
Die meisten Tauchbasen vermieten komplette Ausrüstung, von der 12-Liter-Stahlflasche bis zum Neoprenanzug. Für Wracktauchen solltest du aber eigene Lampe und Reel/Spool mitbringen – die Leihausrüstung ist oft unterdimensioniert, und eine schwache Lampe macht im dunklen Inneren eines Wracks keinen Spaß. Ein eigener gut sitzender Anzug ist ebenfalls empfehlenswert, gerade bei tieferen Wracks, wo die Wassertemperaturen auf 14 Grad fallen können.
Empfohlen:
- Primärlampe (min. 1000 Lumen, besser 2000+)
- Backup-Lampe
- Reel (30m) oder Spool für Penetration und Deko-Boje
- Wetnotes oder Schreibtafel für Kommunikation und Notizen
- Eigener Tauchcomputer mit Nitrox-Fähigkeit
- 5mm-Halbtrockenanzug oder Trockentauchanzug ab Oktober
Kosten 2026
Wracktauchgänge sind teurer als normale Bootstauchgänge – die Anfahrt ist länger, die Organisation aufwendiger, und die Genehmigungen für geschützte Wracks kosten die Basen Geld.
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Standard-Bootstauchgang | 40-60 € |
| Wrack-Tauchgang (nah, z.B. Flamingo) | 60-80 € |
| Wrack-Tauchgang (entfernt, z.B. Coriolanus) | 80-120 € |
| Technischer Tauchgang (inkl. Trimix) | 120-200 € |
| Nitrox-Füllung (32%) | 10-15 € extra |
| Ausrüstungsmiete (komplett) | 30-50 €/Tag |
| AOWD-Kurs (3 Tage) | 300-400 € |
| Wreck Diver Specialty (2 Tage) | 250-350 € |
Mehrtages-Pakete lohnen sich fast immer: 10 Tauchgänge kosten typischerweise 15–20 % weniger als Einzelbuchungen. Einige Basen bieten „Wrack-Wochen” mit vier verschiedenen Wracks in fünf Tagen an – ideal für einen Tauchurlaub mit Fokus.
Beste Tauchbasen für Wracks
Istrien:
- Rovinj Sub (Baron Gautsch Spezialist, über 20 Jahre Erfahrung)
- Pula Diving (Coriolanus, Giuseppe Dezza, Kombi-Pakete)
Kvarner:
- Diving Center Lošinj (Romagna, technisches Tauchen)
Dalmatien Nord:
- Foka Diving Novalja (Tihany, auch Einsteiger-Wracks)
- Kornati Diving (verschiedene Wracks in den Kornaten)
Dalmatien Mitte:
- Issa Diving Komiža (alle Vis-Wracks, Tech-Ausbildung)
- Big Blue Split (Flamingo, Draga, gut für Einsteiger)
Dalmatien Süd:
- Blue Planet Dubrovnik (Taranto, Varese, auch Trimix-Tauchgänge)
Sicherheit und Verhalten
Wracktauchen hat Risiken, die über normale Tauchgänge hinausgehen. Scharfe Metallkanten können Neopren und Haut aufschlitzen. Lose Teile können herabfallen. In geschlossenen Räumen wirbelt jede Flosse Sediment auf, und in Sekunden bist du in einer braunen Wolke ohne Orientierung. Deswegen gelten strikte Regeln:
- Penetration: Nie ohne Wreck-Ausbildung, immer mit durchgehender Leine (Reel), immer mit Buddy in Sichtweite, nie weiter als ein Drittel der Luftreserve
- Tiefe: Nullzeiten konservativ planen, Sicherheitsstopp immer einhalten, Nitrox für längere Grundzeiten nutzen
- Navigation: Reel/Spool als Orientierungshilfe, Ankerseil als Referenzpunkt markieren
- Denkmalschutz: Mehrere Wracks (Baron Gautsch, Szent István) sind geschützte Kulturdenkmäler – Berühren, Betreten des Inneren ohne Genehmigung und Mitnahme von Gegenständen sind strafbar
Beste Jahreszeit und Reiseplanung
Grundsätzlich kann man in Kroatien von April bis November tauchen, aber für Wracks gelten engere Zeitfenster. Die besten Bedingungen herrschen zwischen Mitte Mai und Ende September: Wassertemperaturen von 20–26 Grad an der Oberfläche, minimale Winde, stabile Thermokline. Im Hochsommer (Juli/August) sind die populären Basen ausgebucht – wer die Baron Gautsch oder die Vis-Wracks tauchen will, sollte drei bis vier Monate vorher reservieren. Der September ist für viele Taucher der beste Monat: Das Wasser ist noch warm vom Sommer, die Sichtweiten erreichen ihr Maximum, und die Boote sind weniger voll.
Für einen reinen Wracktauch-Urlaub bieten sich zwei Strategien an: Entweder du bleibst eine Woche an einem Standort (Vis für die meiste Vielfalt, Rovinj für Baron Gautsch plus Istrien-Wracks) oder du kombinierst zwei Standorte – etwa vier Tage Vis plus drei Tage Dubrovnik für die Taranto. Die Fähren zwischen den Inseln und dem Festland machen solche Kombinationen machbar, auch wenn sie Planung erfordern.
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