Mljet: Die grünste Insel Kroatiens mit Nationalpark-Seen 2026
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Mljet ist das Gegenteil von allem, was du von kroatischen Inseln erwartest. Keine Clubs, keine Promenaden voller Souvenirläden, kaum Hotels. Stattdessen: 90 Prozent Wald, zwei Salzseen mitten auf der Insel, ein Benediktinerkloster auf einer Insel im See, und eine Ruhe, die fast unwirklich ist. Mljet ist Kroatien für Menschen, die genug von Kroatien haben.

Warum Mljet besonders ist
Die Insel liegt zwischen Korčula und Dubrovnik, etwa 30 Kilometer vor der Küste. Mit 37 Kilometern Länge und nur 3 Kilometern Breite zieht sie sich wie ein grüner Strich durch die südliche Adria. Der westliche Teil ist seit 1960 Nationalpark – einer der ältesten im Mittelmeerraum. Anders als auf Hvar oder Brač fehlt auf Mljet fast alles, was man von einer touristischen Insel erwartet: kein Flughafen, keine Shopping-Meile, keine Diskotheken. Die rund 1.000 Einwohner verteilen sich auf eine Handvoll Dörfer, und selbst im August fühlt sich die Insel ruhig an.
Der Rest der Insel ist bewaldet und dünn besiedelt. Ein paar Dörfer, ein paar Restaurants, viel Stille. Wer Party will, nimmt die falsche Fähre.
Der Nationalpark: Salzseen, Kloster und Waldwege
Der Nationalpark nimmt das westliche Drittel der Insel ein. Eintritt kostet 18–22 € je nach Saison, dafür bekommst du Zugang zu den Seen, den Wanderwegen und dem Boot zur Klosterinsel.

Veliko Jezero – der Große See
Der größere der beiden Seen ist 145 Hektar groß und bis zu 46 Meter tief. Das Wort “See” führt eigentlich in die Irre: Veliko Jezero ist eine ehemalige Meeresbucht, die durch tektonische Bewegungen fast vollständig vom offenen Meer abgeschnitten wurde. Ein schmaler Kanal bei Soline verbindet die Seen noch mit der Adria, weshalb das Wasser salzig ist – aber deutlich wärmer und ruhiger als das Meer draußen. Im Hochsommer erreicht die Wassertemperatur 28 Grad, und Wellen gibt es praktisch nie.
Was den Großen See wirklich einzigartig macht, ist die Insel in seiner Mitte. Sveta Marija – eine winzige Insel mit einem Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhundert. Die Mönche wählten diesen Ort mit Bedacht: doppelt isoliert, eine Insel auf einer Insel auf einer Insel. Heute fährt ein Elektroboot im 15-Minuten-Takt zur Klosterinsel (im Parkticket enthalten). Die romanische Kirche steht noch, der Kreuzgang auch, und im ehemaligen Klostergebäude serviert ein Restaurant frischen Fisch zwischen Jahrhunderte alten Mauern. Wer früh morgens oder zum Sonnenuntergang übersetzt, hat die Insel fast für sich allein.
Rund um den Großen See führt ein 9 Kilometer langer Uferweg, der komplett im Schatten der Aleppo-Kiefern verläuft. Flach, gut befestigt, und alle paar hundert Meter gibt es einen Einstieg ins Wasser. Die Runde dauert zu Fuß zwei bis drei Stunden, mit Badepausen eher vier.
Malo Jezero – der Kleine See
Der kleinere See ist durch den Kanal Mali Most (Kleine Brücke) mit dem Großen verbunden. Hier wird es intimer: Das Ufer ist dichter bewaldet, das Wasser noch ruhiger, und der Kajakverleih am Südufer macht Malo Jezero zum perfekten Paddelrevier. Der Kanal selbst ist ein Erlebnis für sich – das Wasser strömt je nach Tide mal in die eine, mal in die andere Richtung durch den engen Durchlass, manchmal so kräftig, dass Schwimmer davon überrascht werden. Mutige springen von der Brücke in die Strömung und lassen sich ein Stück treiben. Nur für gute Schwimmer, aber ein Gefühl wie in einem natürlichen Strömungskanal.
Am Kleinen See gibt es auch die beliebteste Badestelle des Nationalparks: flache Felsen am Südufer, von denen man direkt ins smaragdgrüne Wasser gleiten kann. Im Gegensatz zum Großen See ist Malo Jezero flacher und erwärmt sich noch schneller – bereits Ende Mai sind 24 Grad keine Seltenheit.
Kajak auf den Seen
Wer die Seen vom Wasser aus erleben will, mietet ein Kajak am Mali Most oder am Eingang Pristanište. Ein Doppelkajak kostet rund 15 € pro Stunde oder 50 € für den ganzen Tag. Die Seen sind ideal für Anfänger: kein Wellengang, keine Strömung (außer im Kanal), und du paddelt zwischen Kiefernufern und über glasklares Wasser, unter dem du den Grund auch bei fünf Metern Tiefe sehen kannst. Die Runde um den Kleinen See dauert gemütlich eine Stunde, wer beide Seen umrundet, sollte drei bis vier Stunden einplanen – inklusive Halt auf der Klosterinsel.
Wandern im Nationalpark
Montokuc (253 m): Der höchste Punkt des Nationalparks. Etwa eine Stunde Aufstieg von Mali Most, durch dichten Kiefernwald, der erst kurz vor dem Gipfel aufbricht. Oben dann der Panoramablick, für den sich alles lohnt: beide Seen liegen wie Spiegel unter dir, dahinter die offene Adria und bei klarer Sicht die Umrisse von Lastovo und sogar der italienischen Küste. Früh morgens oder abends gehen – mittags ist es zu heiß, und das Licht ist hart.
Uferweg Veliko Jezero (9 km): Flach, schattig, perfekt für Familien. Die Runde führt komplett um den Großen See, vorbei an kleinen Buchten und über Holzstege. Dauert 2–3 Stunden ohne Badestopps, mit Badestopps den halben Tag.
Die Odysseus-Höhle
An der zerklüfteten Südküste bei Babino Polje liegt einer der mythischsten Orte der kroatischen Adria. Der Legende nach strandete Odysseus auf seiner Irrfahrt an Mljets Küste, und die Nymphe Kalypso hielt ihn sieben Jahre in einer Höhle gefangen – oder verwöhnte ihn, je nach Interpretation. Die Griechen nannten die Insel Melita, Homer beschreibt sie in der Odyssee als bewaldet und abgelegen. Mehrere Mittelmeerinseln beanspruchen die Geschichte für sich, aber Mljet hat das stärkste Argument: eine Höhle, die genau so aussieht, wie man sich Kalypsos Versteck vorstellt.

Die Höhle selbst ist eigentlich ein eingestürzter Felsdom. Von oben blickt man durch ein großes Loch in der Decke hinunter aufs Meer, das in der Felskammer schimmert – je nach Lichteinfall türkis, smaragd oder tiefblau. Ein steiler Pfad führt hinunter ins Innere. Bei ruhigem Wetter kannst du im Höhleninneren schwimmen und durch einen natürlichen Unterwassertunnel ins offene Meer hinaustauchen. Das Erlebnis ist eindrucksvoll, aber nichts für Menschen mit Platzangst oder unsichere Schwimmer.
Der Zugang ist entweder zu Fuß von Babino Polje (circa 45 Minuten über steinige Pfade durch Macchia – feste Schuhe sind Pflicht) oder per Boot von Pomena oder Polače aus. Mehrere Anbieter fahren im Sommer Touren zur Südküste, die neben der Höhle auch Buchten zum Schnorcheln ansteuern. Rechne mit 25–35 € pro Person. Wasser mitnehmen, denn unterwegs gibt es keinerlei Infrastruktur.
Saplunara: Sandstrand am Ende der Welt
Ganz am östlichen Zipfel der Insel, wo die Straße aufhört und der Wald dichter wird, liegt Saplunara – einer der wenigen echten Sandstrände Kroatiens. Die meisten Touristen kommen nie hierher, weil die Anfahrt von Pomena aus 30 Kilometer über die einzige Inselstraße dauert, die letzten Kilometer auf unbefestigtem Untergrund. Wer sich durchkämpft, wird mit zwei nebeneinanderliegenden Buchten belohnt, deren Sand fein und hell ist und deren Wasser in einem Türkis leuchtet, das man eher in der Karibik vermutet.

Die westliche Bucht ist die größere und beliebtere, aber selbst im August wird es hier nie voll im festländischen Sinn. Ein paar Dutzend Menschen, ein kleiner Kiosk, sonst nichts. Die östliche Bucht, oft Blace genannt, ist noch abgelegener und nur über einen Waldpfad erreichbar. Hier teilst du dir den Strand mit Eidechsen und Kiefern. Schatten gibt es direkt am Strand durch die Bäume, die bis ans Wasser reichen – ein Vorteil gegenüber vielen kroatischen Stränden, die erbarmungslos in der Sonne liegen.
Saplunara steht unter Naturschutz. Zelten und Campen sind verboten, genauso wie das Pflücken von Pflanzen. Es gibt ein paar private Apartments in der Nähe, aber keinen Laden und kein Restaurant direkt am Strand. Alles mitbringen, was du brauchst. Und genug Wasser – die Sonne brennt hier unbarmherzig, und der nächste Ort mit Geschäft ist Babino Polje, 10 Kilometer zurück.
Radfahren auf Mljet
Mljet ist eine Fahrradinsel. Nicht im Sinne von ausgebauten Radwegen oder Bikeparks, sondern ganz einfach: Eine schmale Straße verbindet alle Dörfer, der Verkehr ist minimal, die Steigungen moderat, und links und rechts stehen Kiefern, deren Harzduft in der Sommerhitze so intensiv wird, dass er fast betäubend wirkt.

Die Hauptroute von Pomena nach Saplunara ist 37 Kilometer lang und folgt der einzigen asphaltierten Straße der Insel. Die Westseite (Pomena bis Babino Polje) ist überwiegend flach, mit sanften Steigungen durch den Nationalpark. Östlich von Babino Polje wird es hügeliger, aber nie wirklich anstrengend – der höchste Punkt der Straße liegt bei etwa 160 Metern. Für die gesamte Strecke inklusive Rückweg sollte man einen ganzen Tag einplanen, mit Stopps zum Baden, Essen und Staunen.
Fahrräder kannst du in Pomena und Polače ausleihen, sowohl normale Räder als auch E-Bikes. Die Preise liegen bei 10–15 € pro Stunde oder 30–50 € für den ganzen Tag, E-Bikes etwas mehr. Im Nationalpark selbst sind die Wege um die Seen asphaltiert und autofrei – perfekt für entspannte Runden mit Kindern oder für alle, die den See-Umrundungsweg lieber radelnd als wandernd absolvieren.
Ein Tipp für ambitionierte Radfahrer: Wer Mljet mit dem eigenen Rad erkundet, kann die Insel problemlos an einem Tag durchqueren. Die Fähre ab Sobra nimmt Fahrräder mit, und die Strecke lässt sich gut als Einwegtour planen – morgens mit dem Katamaran nach Pomena, durch den Nationalpark radeln, über die Insel nach Sobra, und abends mit der Fähre zurück nach Dubrovnik oder Pelješac. Eine Route, die man so nirgendwo sonst an der Adria findet.
Wer danach noch nicht genug hat: Die Gegend um Dubrovnik hat überraschend gute Radstrecken. Eine 38 km lange Tour durch das Konavle-Tal südlich von Dubrovnik führt durch Weinberge, an alten Wassermühlen vorbei und zu Aussichtspunkten über die Bucht von Cavtat – perfekt als Ergänzung für einen Tag auf dem Festland.
Die Dörfer
Mljet hat keine Städte, nur Dörfer. Das größte – Babino Polje – hat 300 Einwohner. Die Atmosphäre ist entsprechend: ruhig, ländlich, entschleunigt.
Pomena
Das touristische Zentrum (was auf Mljet wenig heißt). Hier legt der Katamaran aus Dubrovnik an, hier gibt es das Hotel Odisej und den Haupteingang zum Nationalpark. Die Handvoll Restaurants am Hafen lebt vom frischen Fang der lokalen Fischer, die morgens mit ihren kleinen Booten auslaufen und mittags zurückkehren. Pomena hat vielleicht fünfzig Häuser, aber es fühlt sich an wie ein richtiger Ort – mit einer Minibar, einem Souvenirladen und Abendspaziergängen auf der kleinen Hafenpromenade.
Polače
Der andere Fährhafen, etwas östlicher und näher am Nationalpark-Eingang Pristanište. Was Polače von allen anderen Orten auf Mljet unterscheidet, sind die Ruinen eines römischen Palastes direkt am Hafen – Mauern aus dem 5. Jahrhundert, die zwischen den Häusern stehen, als gehörten sie einfach dazu. Nicht restauriert, nicht eingezäunt, nicht spektakulär im Vergleich zu Diokletians Palast in Split, aber atmosphärisch auf eine leise Art. Die Konobas hier sind weniger auf Touristen eingestellt als in Pomena und kochen entsprechend ehrlicher.
Sobra
Der größte Hafen der Insel, an der Nordküste. Fähren aus Dubrovnik und von der Halbinsel Pelješac halten hier. Sobra selbst hat wenig zu bieten – ein paar Häuser, einen Laden, eine Tankstelle – aber wer mit dem Auto kommt, landet zwangsläufig hier. Die Konobas am Hafen sind solide, und von Sobra aus erreicht man sowohl den Nationalpark im Westen als auch Saplunara im Osten.
Babino Polje
Das eigentliche Dorfzentrum im Landesinneren, auf einem Hochplateau gelegen, von dem aus man weder den Nationalpark noch das Meer sieht – nur Wald, Felder und Steinhäuser. Hier leben die Mljeter ihr Alltagsleben fern von Touristen. Ein paar Geschäfte, eine Kirche, eine Grundschule, der einzige Arzt der Insel. Babino Polje ist auch der Ausgangspunkt für den Weg zur Odysseus-Höhle an der Südküste.
Essen auf Mljet
Die Küche auf Mljet folgt einer simplen Logik: Was das Meer hergibt und was im Garten wächst, kommt auf den Tisch. Kein Chichi, keine Fusion-Küche, keine instagramtauglichen Anrichtungen. Dafür Fisch, der morgens noch im Wasser war, Gemüse aus dem Garten hinter dem Haus, und Olivenöl von den eigenen Bäumen.

Konoba Ankora in Polače sitzt direkt am Kai, so nah am Wasser, dass die Gischt bei Südwind die Tischdecken feucht macht. Der Fisch vom Grill ist tadellos – Zahnbrasse, Wolfsbarsch, Tintenfisch – und die Preise sind fair für eine Insel, auf die alles per Fähre kommen muss. Die schwarze Risotto mit Tintenfischtinte gehört zu den besten an der dalmatinischen Küste, und das ist keine Übertreibung.
Stermasi, versteckt bei Soline abseits jeder Touristenroute, ist eine Familienkonoba, wie es sie auf dem Festland kaum noch gibt. Das Lamm stammt vom eigenen Hof, das Gemüse aus dem Garten, und die Großmutter steht in der Küche. Kein Menü, sondern: “Wir haben heute Lamm, Fisch und Tintenfisch.” Du nickst und bekommst, was gut ist. Reservieren ist klug, denn es gibt nur wenige Tische.
Restaurant Melita auf der Klosterinsel im Großen See serviert Fisch und Pasta in romanischen Gemäuern. Die Lage ist unschlagbar, die Preise entsprechend hoch, und die Qualität schwankt. An guten Tagen isst du hier besser als überall sonst, an schlechten zahlst du für die Aussicht. Wer hingeht, sollte reservieren – die Plätze sind begrenzt und die Fähre wartet nicht.
Zwei Dinge solltest du wissen: Erstens, probier den Mljet-Wein. Die Insel hat kleine Weinberge und eigene Sorten, die du nirgendwo anders findest. Zweitens, es gibt keine Supermärkte im eigentlichen Sinn – nur kleine Dorfläden mit begrenztem Sortiment. Wer länger bleibt, bringt Grundnahrungsmittel mit.
Unterkünfte: Wo schlafen auf Mljet?
Mljet ist kein Ort für Hotelhopping. Die Auswahl ist überschaubar, was zum Charakter der Insel passt: Wer hierher kommt, braucht kein Fünf-Sterne-Resort mit Infinity-Pool.
Hotel Odisej in Pomena ist das einzige richtige Hotel der Insel. 157 Zimmer, ein Pool, direkt am Meer und fünf Gehminuten vom Nationalpark-Eingang. Der Standard ist solide Mittelklasse – sauber, funktional, ohne Luxus-Anspruch. Im Sommer ist es oft Wochen im Voraus ausgebucht, also früh planen. Die Halbpension lohnt sich, weil die Restaurantauswahl in Pomena abends begrenzt ist.
Die meisten Besucher übernachten in privaten Apartments, die es in allen Dörfern gibt. In Pomena und Polače bist du nah am Nationalpark, in Babino Polje mitten im ländlichen Inselleben, und in Saplunara am abgelegensten – was Vor- und Nachteil zugleich ist. Über Booking.com oder Airbnb findest du Apartments ab 50 € pro Nacht, im Hochsommer eher 80–120 €. Viele Vermieter holen dich an der Fähre ab, wenn du vorher Bescheid gibst.
Camping gibt es auf dem offiziellen Campingplatz in Ropa bei Babino Polje. Basic ist das richtige Wort: Stellplätze zwischen Kiefern, sanitäre Anlagen, sonst nichts. Aber die Lage ist schön, die Nächte still, und der Sternenhimmel über Mljet – fernab jeder Lichtverschmutzung – ist spektakulär. Wildcampen ist verboten und wird kontrolliert, also nicht versuchen.
Geschichte: Von Leprakolonie bis Gouverneursresidenz
Mljets Geschichte ist so eigenartig wie die Insel selbst. Die Römer nutzten die abgelegene Insel als Verbannung- und Quarantäneort – im Mittelalter wurde daraus eine Leprakolonie. Jahrhundertelang war Mljet der Ort, an den man Menschen schickte, die man nicht sehen wollte. Die Isolation, die heute Touristen anzieht, war damals eine Strafe.

Im 12. Jahrhundert kamen die Benediktiner und gründeten das Kloster auf der Insel im Großen See. Sie verwandelten Mljet in ein landwirtschaftliches Zentrum, pflanzten Olivenbäume und Weinreben, und brachten eine bescheidene Blüte. Unter der Republik Dubrovnik genoss Mljet relative Autonomie, auch wenn die Insel nie wirklich wohlhabend wurde – dafür fehlten ein natürlicher Hafen und fruchtbares Ackerland.
Während der napoleonischen Kriege wurde Mljet französisch, und ein Gouverneur residierte kurzzeitig auf der Insel. Die Franzosen hinterließen ein paar Straßen und bürokratische Strukturen, aber sonst wenig Spuren. Später gehörte Mljet zu Österreich-Ungarn, dann zu Jugoslawien. 1960 wurde der westliche Teil zum Nationalpark erklärt, was die Insel vor der Bebauung rettete, die andere adriatische Inseln veränderte.
Eine kuriose Episode: In den 1920er Jahren brachte jemand Mungos auf die Insel, um die Giftschlangenpopulation zu bekämpfen. Die Mungos erledigten die Schlangen, vermehrten sich dann aber unkontrolliert und fraßen Vogeleier und Eidechsen. Bis heute gibt es Mungos auf Mljet – die einzige Insel in Europa, auf der diese Tiere wild leben. Du wirst sie wahrscheinlich am Straßenrand huschen sehen.
Praktische Tipps für die Anreise
Per Katamaran ab Dubrovnik
Die schnellste und beliebteste Verbindung. Jadrolinija und Kapetan Luka fahren von Dubrovniks Hafen Gruž nach Polače und Pomena. Fahrzeit: 1,5 bis 2 Stunden, je nach Halt. Im Sommer (Juni bis September) gibt es täglich mindestens zwei Verbindungen, in der Nebensaison oft nur eine oder gar keine. Tickets kosten 12–18 € pro Person und sollten im Hochsommer unbedingt vorab online gebucht werden – die Katamarane sind klein und schnell voll.
Per Autofähre ab Prapratno
Wer ein Auto mitbringen will (oder muss), nimmt die Fähre von Prapratno auf der Halbinsel Pelješac nach Sobra. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde. Prapratno liegt allerdings selbst etwas abseits – von Dubrovnik aus sind es 90 Minuten Fahrt über die Küstenstraße oder durch den Pelješac-Tunnel. Die Fähre fährt mehrmals täglich und kostet rund 5 € pro Person plus 25–30 € fürs Auto.
Was du mitbringen solltest
Dieser Punkt ist ernst gemeint: Mljet hat extrem begrenzte Einkaufsmöglichkeiten. Es gibt keinen Supermarkt, nur kleine Dorfläden in Babino Polje und Sobra mit Grundversorgung – Brot, Wasser, ein paar Konserven. Alles andere kommt per Fähre und ist teuer. Wer länger als zwei Tage bleibt, sollte Vorräte vom Festland mitbringen: Obst, Snacks, Sonnencreme, Medikamente. Eine Apotheke gibt es nicht.
Außerdem wichtig: feste Schuhe (die Wege zur Odysseus-Höhle und zu abgelegenen Buchten sind steinig), Mückenschutz (der Wald ist schön, aber die Mücken abends unbarmherzig), und ein Handtuch fürs Schwimmen (die Badestellen an den Seen haben keine Infrastruktur). Bargeld schadet nicht – einige Konobas akzeptieren keine Karten, obwohl Kroatien inzwischen zum Euro gewechselt hat.
Strände auf Mljet
Mljet hat keine Sandstrände im klassischen Sinn (mit Ausnahme von Saplunara), aber wunderschöne Fels- und Kiesbuchten. Das Wasser ist überall kristallklar.

Die besten Badestellen
Soline (bei Babino Polje): Große geschützte Bucht mit heilendem Schlamm. Ja, Menschen schmieren sich hier mit Schlamm ein – angeblich gut für die Haut. Das Wasser ist flach und warm, der Boden weich, und die ganze Szenerie hat etwas von einem Naturheilbad. Ob der Schlamm wirklich heilt, sei dahingestellt, aber er fühlt sich gut an.
Sutmiholjska: Kleine Bucht mit Kies, flaches Wasser, perfekt für Kinder. Etwas Schatten durch die Kiefern am Rand, und normalerweise wenig los, weil die meisten Besucher im Nationalpark bleiben.
Blace: Abgelegen, nur zu Fuß erreichbar, etwa 20 Minuten vom nächsten Fahrweg. Weiße Kiesel, türkises Wasser, fast immer leer. Einer dieser Orte, an denen man sich fragt, warum hier nicht mehr Menschen sind – und dann froh ist, dass sie es nicht sind.
Die Seen: Streng genommen keine Strände, aber die besten Badestellen der Insel. Das Wasser in Veliko und Malo Jezero ist wärmer und ruhiger als im Meer. Holzstege und Felsplatten bieten bequeme Einstiege, und die Kiefern spenden Schatten für Handtücher und Picknickdecken.
Beste Reisezeit
Mai und Juni sind die stillen Monate. Die Insel explodiert in Grün, Wildblumen blühen am Wegesrand, die Seen sind schon warm genug zum Schwimmen, und du begegnest auf den Wanderwegen mehr Eidechsen als Menschen. Die Fähren fahren bereits regelmäßig, und die Unterkünfte kosten die Hälfte des Hochsommerpreises.
Juli und August bringen Hitze und die meisten Besucher. Für Mljet-Verhältnisse bedeutet “voll” allerdings immer noch wenig – du wirst keinen Strand finden, der so überlaufen ist wie Bačvice in Split. Mittags am besten im Wald bleiben oder in den Seen schwimmen. Die Abende sind lang und lau.
September ist wahrscheinlich der beste Monat. Warmes Wasser, goldenes Licht, leere Wege, reife Feigen an den Bäumen. Viele Apartments sind noch geöffnet, die Konobas kochen weiter, aber die Sommerenergie weicht einer gelassenen Herbstruhe.
Winter: Fähren fahren seltener (manchmal nur dreimal pro Woche), viele Restaurants und Unterkünfte schließen. Aber wer Einsamkeit sucht und nichts braucht außer Wanderschuhen und einem guten Buch, findet auf Mljet im Winter eine Stille, die in Europa ihresgleichen sucht.
Das Wichtigste
Mljet ist für Menschen, die genug von überlaufenen Inseln haben. Kein Nachtleben, keine Shoppingmeilen, kaum Unterhaltung außer Natur. Dafür: Schwimmen in warmen Salzseen, Wandern durch den ältesten Nationalpark der Adria, Essen in Konobas, die noch nie ein Influencer fotografiert hat. Eine Insel, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat – abgesehen von den Mungos.
Nimm dir mindestens zwei Tage Zeit. Ein Tagesausflug von Dubrovnik ist möglich, aber du verpasst das Beste: die Abende, wenn die Tagestouristen weg sind und die Insel dir gehört. Das Licht über den Seen bei Sonnenuntergang, das Zirpen der Grillen, den Geruch von gegrilltem Fisch aus einer Konoba am Hafen. Odysseus blieb sieben Jahre – zwei Nächte sind das Minimum.
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