Radtouren an den Plitvicer Seen: Durch Wälder zu Wassermühlen (2026)
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Radfahren , Kontinentales Kroatien
- 03 Oct, 2025
Inhalt
Die Plitvicer Seen kennt jeder. Aber die Region drumherum? Dichte Buchenwälder, saftige Wiesen, verlassene Dörfer und Straßen, auf denen du stundenlang niemanden triffst. Die Region Lika ist eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Europas – und genau das macht sie zum Paradies für Radfahrer, die Ruhe suchen. Wer einmal die Stille erlebt hat, die sich über die Karstebenen legt, wenn der letzte Reisebus Richtung Küste verschwunden ist, der kommt wieder. Nicht wegen der Seen – sondern wegen allem anderen.

Warum Radfahren bei Plitvice?
Jedes Jahr besuchen über eine Million Menschen den Nationalpark. Die meisten fahren mit dem Bus an, laufen zwei Stunden über Holzstege, machen Fotos und fahren wieder. Was sie nicht sehen: Die Landschaft rundherum ist genauso beeindruckend wie die Seen selbst – nur menschenleer.
Die Region Lika war bis vor kurzem vom Tourismus vergessen. Das ändert sich langsam, aber noch immer gibt es hier mehr Bären als Boutique-Hotels. Die Straßen sind in gutem Zustand, der Verkehr minimal, und die Natur hat sich von den Kriegsjahren der 1990er komplett erholt. Wo einmal verlassene Häuser standen, wächst heute dichter Wald. Die wenigen Dörfer, die noch bewohnt sind, leben von Forstwirtschaft, Schafzucht und einem langsam wachsenden Ökotourismus. Das bedeutet für Radfahrer: kilometerlange Straßen, die mehr von Traktoren als von Autos befahren werden. Kein Drängeln, kein Hupen, kein Stress.
Was diese Region besonders macht:
- Dichte Mischwälder mit Buchen, Tannen und Eichen
- Weite Wiesen, auf denen noch traditionell gewirtschaftet wird
- Kristallklare Flüsse und versteckte Wasserfälle
- Temperaturen, die selbst im Hochsommer selten über 30°C steigen
- Absolute Stille – kein Autoverkehr, kein Fluglärm, nichts
Dazu kommt ein Vorteil, der oft unterschätzt wird: das Höhenprofil. Lika liegt auf einem Karstplateau zwischen 400 und 700 Metern, was bedeutet, dass die brutalen Anstiege der dalmatinischen Küste hier fehlen. Die Hügel rollen sanft, die Steigungen sind moderat, und selbst weniger trainierte Radfahrer kommen gut zurecht. Natürlich gibt es Ausnahmen – wer Richtung Velebit fährt, muss arbeiten – aber die meisten Routen rund um Plitvice bleiben im angenehmen Bereich.
Die beste Jahreszeit
Mai bis Juni: Perfekt. Die Wälder sind sattgrün, die Wasserfälle führen viel Wasser, und die Temperaturen liegen bei angenehmen 20-25°C. Einziger Nachteil: Es kann noch regnen, pack Regenjacke ein. Die Schneeschmelze vom Velebit speist die Quellen, und die Flüsse sind voll – die Gacka, die Korana, die Slunjčica. Für Fotografen ist das die spektakulärste Zeit: das satte Grün der Buchenwälder vor dem Kontrast des türkisen Wassers.
Juli und August: Gut machbar, aber wärmer. Im Gegensatz zur Küste bleibt es in Lika aber erträglich. Die Wälder spenden Schatten, und du kannst problemlos den ganzen Tag fahren. Abends kühlt es auf dem Plateau deutlich ab – Pullover mitnehmen. Die Mittagshitze in den offenen Karstfeldern kann allerdings intensiv sein, weshalb sich ein früher Start empfiehlt: um 7 Uhr losfahren, die heißen Stunden zum Baden in einem der Flüsse nutzen, nachmittags weiterradeln.
September und Oktober: Mein Favorit. Die Laubfärbung in den Buchenwäldern ist spektakulär, die Touristenmassen sind weg, und das Licht ist magisch. Die Nachmittagssonne fällt flach durch die Bäume, der Morgennebel hängt in den Tälern, und die Luft riecht nach feuchtem Laub und Pilzen. In den Dörfern wird die Ernte eingefahren, und wer zur richtigen Zeit kommt, bekommt in den Gasthäusern frisch gepressten Apfelmost. Nachts kann es schon kühl werden – Zwiebelprinzip.
Winter: Nicht empfehlenswert. Schnee liegt oft bis April, und viele Nebenstraßen werden nicht geräumt.

Terrain und Straßenverhältnisse
Die Straßen in Lika lassen sich grob in drei Kategorien einteilen, und je nach Route fährst du auf allen dreien.
Asphaltierte Nebenstraßen bilden das Rückgrat der meisten Touren. Sie verbinden die kleinen Dörfer miteinander und sind durchgehend in gutem Zustand – Kroatien hat nach dem EU-Beitritt massiv in die Infrastruktur investiert, auch abseits der Küste. Der Belag ist glatt, Schlaglöcher sind selten, und der Verkehr beschränkt sich auf lokale Landwirte mit ihren Traktoren und gelegentliche Lieferwagen. Auf manchen Abschnitten begegnest du in einer Stunde keinem einzigen Auto.
Befestigte Schotterwege findest du vor allem in den Wäldern und entlang der Flüsse. Die Qualität variiert: manche sind so fest gewalzt, dass sie sich wie Asphalt fahren, andere haben loses Geröll und verlangen Aufmerksamkeit. Für Gravelbikes und Trekkingräder kein Problem, mit einem Rennrad wird es auf manchen Abschnitten heikel. Nach längerem Regen können die Waldwege matschig werden – ein Argument für breitere Reifen (mindestens 35 mm).
Waldwege und Pfade gibt es vereinzelt als Abkürzungen oder Alternativstrecken. Diese sind nur für Mountainbikes geeignet und oft nicht ausgeschildert. Wer sie nutzen will, sollte lokale Kenntnis oder zumindest gute Offline-Karten haben.

Eines vorweg: Innerhalb des Nationalparks Plitvicer Seen ist Radfahren verboten. Das betrifft die Holzstege, die Wege entlang der Seen und die internen Straßen des Parks. Aber direkt außerhalb der Parkgrenzen beginnt freies Terrain, und die Landschaft ist identisch – dieselben Buchenwälder, dieselben Travertinbäche, dieselben Wildblumenwiesen. Nur ohne Eintrittsgebühr und ohne Menschenmassen.
Was du einpacken solltest
Lika ist dünn besiedelt und die Infrastruktur begrenzt. Zwischen den Dörfern gibt es wenig bis nichts. Der nächste Supermarkt kann 30 Kilometer entfernt sein, und manche Gasthäuser haben nur an Wochenenden geöffnet. Selbstversorgung ist hier keine Option, sondern Pflicht.
Unverzichtbar:
- Ausreichend Wasser (mindestens 2 Liter, bei Hitze 3)
- Verpflegung für unterwegs – Energieriegel, Nüsse, belegte Brote
- Regenjacke (Wetter wechselt schnell, Gewitter kommen ohne Vorwarnung)
- Wärmere Schicht für Waldpassagen (auch im Sommer kühler)
- Ersatzschlauch und Werkzeug – die nächste Werkstatt ist weit
- Offline-Karten (Handyempfang lückenhaft, im Wald oft gar nicht vorhanden)
- Bargeld (Kartenzahlung gibt es in den kleinen Gasthäusern selten)
Empfohlen:
- Trekkingbereifung (Mix aus Asphalt und Schotter)
- Mückenspray (in Waldnähe und an Flüssen, besonders abends)
- Fernglas für Wildtierbeobachtung
- Powerbank für GPS-Geräte und Handy
- Erste-Hilfe-Set – Handyempfang für einen Notfall ist nicht garantiert
Die Highlight-Route: Von den Seen zu den Wassermühlen (39 km)
Die schönste Radtour der Region führt vom Nationalpark Plitvice nach Rastoke bei Slunj. Diese Strecke verbindet zwei Naturwunder: die weltberühmten Seen und ein fast vergessenes Dorf, das oft als “kleiner Bruder von Plitvice” bezeichnet wird.
Die Route führt durch dichte Wälder des Nationalparks, über saftige Wiesen und durch kleine Dörfer, größtenteils auf verkehrsarmen Straßen oder befestigten Wegen. Du fährst über sanfte Hügel, vorbei an Weideflächen, auf denen Kühe grasen, und durch Waldabschnitte, in denen das Blätterdach so dicht ist, dass die Sonne kaum durchdringt. Die Nettoabfahrt von 160 Metern merkst du vor allem auf den letzten Kilometern: Es geht stetig bergab Richtung Slunj, und der Fahrtwind trocknet den Schweiß der letzten Anstiege.
In Rastoke angekommen, erwartet dich ein Ort wie aus einer anderen Zeit: alte Wassermühlen, die auf Felsen über rauschenden Wasserfällen gebaut wurden, traditionelle Architektur und eine Atmosphäre, die den meisten Touristen völlig unbekannt ist.

Die Fakten:
- Distanz: 38,7 km
- Höhenmeter: 490 m rauf, 650 m runter (leichte Nettoabfahrt)
- Dauer: 3-4 Stunden
- Untergrund: Asphalt und befestigte Wege
- Schwierigkeit: Mittel
- Rad: Trekkingrad empfohlen
Rastoke selbst ist ein Naturwunder: Der Fluss Slunjčica stürzt hier über Travertinstufen in die Korana, und die Bewohner haben ihre Häuser und Mühlen direkt auf und zwischen den Wasserfällen gebaut. Im Gegensatz zu Plitvice gibt es hier keinen Eintritt, keine Holzstege und keine Menschenmassen. Du kannst auf eigene Faust durch die Gassen wandern, an den Mühlen stehen bleiben und dem Wasser zuhören, das seit Jahrhunderten über dieselben Stufen fällt. In einer der Konobas am Wasser gibt es frisch gegrillte Forelle – perfekt nach einer Radtour.
Wer die Route als fertigen GPX-Track mit detaillierter Beschreibung will: ridescouts hat diese 39-km-Tour komplett ausgearbeitet – mit Tipps für Pausen, Sehenswürdigkeiten unterwegs und Offline-Navigation per GPX-Datei.

Die lange Tour: Im Land Teslas (85 km)
Wer mehr Zeit und Kondition mitbringt, für den gibt es eine Route, die das gesamte Herz der Region Lika durchquert – und dabei eine der überraschendsten Geschichten Kroatiens erzählt. Die Tour “Im Land Teslas” führt über 85 Kilometer von der Gacka-Quelle bei Majerovo Vrilo bis nach Sveti Rok am Fuß des Velebit und verbindet Naturerlebnis mit Kulturgeschichte auf eine Weise, die man auf dem Rad besonders intensiv erlebt.

Der Start bei Majerovo Vrilo ist allein schon eine Reise wert. Hier sprudelt das kristallklare Wasser der Gacka aus dem Karstboden, und alte Holzmühlen stehen am Ufer, wie sie dort seit Generationen standen. Die Luft ist kühl und feucht, selbst an heißen Sommertagen, und das Wasser hat eine fast unwirkliche Klarheit – du siehst jeden Stein, jede Forelle, jedes Blatt auf dem Grund. Von hier aus führt die Route durch das Gacka-Tal, eines der weitesten und stillsten Täler Kroatiens. Sanfte Wiesen erstrecken sich bis zu den bewaldeten Hügeln, Heuballen stehen auf den Feldern, und die Straße zieht sich schnurgerade durch eine Landschaft, die an Skandinavien erinnert – nur wärmer.
Die Fakten:
- Distanz: 84,8 km
- Höhenmeter: 650 m rauf, 530 m runter
- Dauer: 5-7 Stunden (abhängig von Pausen und Kondition)
- Untergrund: überwiegend Asphalt, einzelne Schotterabschnitte
- Schwierigkeit: Schwer (Länge, nicht Steilheit)
- Rad: Trekkingrad oder Gravelbike
Das Herzstück der Route ist Smiljan, der Geburtsort von Nikola Tesla. Das Tesla Memorial Center liegt direkt neben der kleinen Kirche, in der Teslas Vater als orthodoxer Pfarrer diente. Wer sich fragt, warum einer der brillantesten Erfinder der Menschheitsgeschichte ausgerechnet hier geboren wurde – in einem Dorf, das heute kaum 400 Einwohner hat –, der bekommt auf dem Rad eine Ahnung davon. Die Abgeschiedenheit, die Weite, die Stille: Man kann sich vorstellen, wie ein neugieriger Junge hier stundenlang dem Donner lauschte und Blitze zählte, bevor er nach Amerika aufbrach und die Welt mit Wechselstrom versorgte.

Nach Smiljan ändert sich die Landschaft. Die weiten Wiesen des Gacka-Tals weichen offenen Karstfeldern und kleinen Waldstücken. Das Terrain wird hügeliger, die Anstiege länger, und am Horizont taucht der Velebit auf – Kroatiens größtes Gebirge, das die Küste vom Hinterland trennt. An klaren Tagen siehst du die Felswände schon aus 30 Kilometern Entfernung, und je näher du kommst, desto imposanter werden sie. Das Ziel Sveti Rok liegt direkt am Fuß des Gebirges und markiert den Beginn des Velebit-Tunnels der Autobahn A1 – eine bizarre Grenze zwischen der wilden Einsamkeit Likas und dem modernen Schnellverkehr.
Die komplette Route mit GPX-Track und detaillierten Zwischenstopps gibt es bei ridescouts. Für eine 85-km-Tour in dünn besiedeltem Gebiet ist eine gute Routenplanung mit Offline-Navigation kein Luxus, sondern notwendig.
Weitere Routen in der Region
Rund um den Nationalpark (50 km)
Auch wenn du nicht in den Park selbst fahren darfst (Radfahren ist innerhalb des Nationalparks verboten), gibt es rundherum genug zu entdecken. Die Straßen, die den Park umgeben, führen durch dieselben Wälder und bieten ähnliche Landschaften – nur ohne die Massen.
Eine Rundtour von Korenica über Plitvička Jezera und zurück über Nebenstraßen durch die Dörfer ist etwa 50 km lang und durchgehend asphaltiert. Perfekt für einen halben Tag. Die Straße von Korenica nach Norden führt durch offene Karstfelder, in denen im Frühling Wildblumen blühen – Orchideen, Enzian, Glockenblumen. Ab dem Dorf Prijeboj geht es in den Wald, und die Straße wird schmaler und ruhiger. Die Rückfahrt über die Dörfer südlich des Parks bietet immer wieder Ausblicke auf die bewaldeten Hügel, hinter denen die Seen liegen. An mehreren Stellen gibt es Quellen am Straßenrand, an denen du deine Flaschen auffüllen kannst – das Wasser ist kalt, klar und trinkbar.

Ins Gacka-Tal (30-80 km, variabel)
Nördlich von Plitvice liegt das Tal des Flusses Gacka – einer der klarsten Flüsse Europas. Das Wasser ist so klar, dass du die Forellen auf dem Grund schwimmen siehst. Die Gegend ist flacher als rund um Plitvice und eignet sich für entspannte Touren durch Wiesen und Wälder.
Die Quellen der Gacka bei Majerovo Vrilo sind ein magischer Ort: Kristallklares Wasser sprudelt aus dem Boden, alte Holzmühlen stehen am Ufer, und die Zeit scheint stillzustehen. Die Mühlen sind teilweise restauriert und können besichtigt werden, und der kleine Parkplatz daneben ist der perfekte Ausgangspunkt für eine Tour durch das Tal. Von hier aus kannst du entweder eine kurze Runde (30 km) durch die umliegenden Dörfer drehen oder die gesamte Länge des Tals bis Otočac und zurück fahren (ca. 60 km). Das Terrain ist überwiegend flach – eine willkommene Abwechslung nach den Hügeln rund um Plitvice.

Wer noch weiter will: Die Gacka mündet nicht in einen anderen Fluss, sondern versickert im Karstboden bei Švica – ein geologisches Phänomen, das man gesehen haben muss. Das Wasser taucht Kilometer weiter als Küstenquelle wieder auf. Entlang des gesamten Flusslaufs gibt es kaum Verkehr, die Straße führt durch Dörfer, die aussehen, als hätte sich seit den 1950er Jahren nichts verändert, und in Otočac gibt es eine Handvoll Gasthäuser, in denen die Gacka-Forelle auf der Karte steht – gegrillt, geräuchert oder als Strudel.
Richtung Velebit: Die Meisterstraße
Für Fortgeschrittene gibt es südwestlich von Plitvice die historische Majstorska Cesta – die “Meisterstraße”, die im 19. Jahrhundert als Verbindung zwischen dem Hinterland und der Küste in den Fels geschlagen wurde. Diese Straße windet sich in Serpentinen über den Velebit und bietet atemberaubende Ausblicke auf die Adria, die bei klarem Wetter bis zu den Inseln reicht. Die Anstiege sind anspruchsvoll (teils 10-12% Steigung über mehrere Kilometer), aber die Abfahrt auf der anderen Seite ist eine der spektakulärsten Raderfahrungen in ganz Kroatien.

Die Strecke ist allerdings nicht für jeden geeignet. Im oberen Bereich ist die Straße teilweise unbefestigt, und es gibt keinerlei Infrastruktur – kein Wasser, kein Schatten, kein Mobilfunk. Wer hier hochfährt, muss selbstständig und vorbereitet sein. Aber die Belohnung ist immens: die Einsamkeit, die Weite, das Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen – dem grünen, kühlen Hinterland und der sonnigen, trockenen Küste.
Für die Planung
Anreise
Mit dem Auto: Die A1 (Zagreb-Split) führt direkt an Plitvice vorbei. Ausfahrt Gornja Ploča, dann 30 Minuten bis zu den Seen. Parkplätze gibt es bei beiden Eingängen des Nationalparks (Tagesgebühr ca. 8 € im Sommer) und in den umliegenden Dörfern, wo das Parken oft kostenlos ist. Wer clever ist, quartiert sich in einem der Dörfer ein und fährt mit dem Rad zum Park.
Mit dem Bus: Regelmäßige Verbindungen von Zagreb (2,5h, ab ca. 12 €) und Zadar (2h, ab ca. 10 €). Fahrradmitnahme bei den meisten Bussen möglich, aber vorher anfragen – Flixbus transportiert Räder im Gepäckraum, lokale Linien sind weniger zuverlässig.
Per Rad ab Zagreb: Ambitionierte Radfahrer können die Anreise selbst zur Tour machen. Die Strecke Zagreb–Plitvice über Karlovac und Slunj ist knapp 150 km lang, durchgehend asphaltiert und führt durch das Kordun-Gebiet. Zwei Tage mit Übernachtung in Slunj sind realistisch und eine großartige Möglichkeit, sich auf die Lika einzustimmen.
Unterkünfte
Direkt an den Eingängen des Nationalparks gibt es einige Hotels und viele Privatzimmer (Sobe). Für mehr Ruhe empfehle ich Unterkünfte in den umliegenden Dörfern wie Rastoke, Drežnik oder Plitvica Selo – günstiger, authentischer und ruhiger.
Agrartourismus-Betriebe (Agroturizam) sind eine gute Option: einfache Zimmer, aber fantastisches Essen aus eigener Produktion und Gastgeber, die die Gegend kennen. In Rastoke gibt es mittlerweile auch einige liebevoll renovierte Ferienwohnungen direkt am Wasser, wo du morgens vom Rauschen der Wasserfälle geweckt wirst. Preise für Privatzimmer liegen zwischen 40 und 70 € pro Nacht für zwei Personen – deutlich günstiger als an der Küste. Die Hotels nahe dem Parkeingang (Hotel Jezero, Hotel Plitvice) verlangen 100-150 €, bieten aber den Vorteil, dass du morgens als Erster am Eingang stehst.
Essen
Die Küche der Region Lika ist deftig und fleischlastig – genau richtig nach einem Tag auf dem Sattel:
- Lički Krumpir – Kartoffeleintopf mit Lamm, langsam gegart in einem Tontopf unter der Glut. Das Nationalgericht der Region und ein Muss.
- Forelle aus der Gacka, gegrillt oder geräuchert. In den Gasthäusern am Fluss kommt sie direkt aus dem Wasser auf den Grill.
- Hausgemachte Würste und geräuchertes Fleisch – die Räucherkultur hat in Lika Tradition, und der Geschmack ist intensiver als alles, was du im Supermarkt findest.
- Štrukli – gefüllte Teigröllchen mit Käse, überbacken oder gekocht. Gibt es auch in Zagreb, aber in Lika schmecken sie anders.
- Basa – ein einfaches Gericht aus Mais und Kartoffeln, das es nur hier gibt. Nicht spektakulär, aber authentisch.
Preise in den lokalen Gasthäusern: 12-20 € für ein vollständiges Essen mit Getränk. Deutlich günstiger als an der Küste, und die Portionen sind größer. In manchen Gasthäusern gibt es keine Speisekarte – man bringt dir, was gerade da ist. Das ist fast immer die beste Option.

Fahrradverleih und Werkstätten
Ehrlich gesagt: Die Möglichkeiten sind begrenzt. In den Hotels nahe dem Nationalpark gibt es teilweise Leihräder, aber die Qualität schwankt stark – oft einfache Citybikes, die für die Schotterabschnitte ungeeignet sind. Wer ernsthaft Radfahren will, bringt sein eigenes Rad mit. Der nächste vollwertige Fahrradladen ist in Karlovac (70 km) oder Zagreb (150 km). Ersatzschläuche, Werkzeug und Kettenöl solltest du auf jeden Fall dabei haben. In den Dörfern gibt es zwar manchmal einen Mechaniker, der mit Traktoren arbeitet und im Notfall auch ein Fahrrad flicken kann – aber darauf sollte man sich nicht verlassen.
Mit dem Nationalpark kombinieren
Natürlich willst du auch die Seen selbst sehen. Mein Tipp für die beste Kombination:
Tag 1: Anreise, Einradeln mit einer kurzen Erkundungstour (20-30 km) durch die Dörfer rund um den Park. Abends Forelle in einer Konoba.
Tag 2: Früh in den Nationalpark (vor 8 Uhr!). Wer vor den Massen am Eingang steht, hat die oberen Seen fast für sich allein. Nachmittags Beine hochlegen.
Tag 3: Große Radtour – entweder die 39-km-Route nach Rastoke oder eine Runde ins Gacka-Tal.
Tag 4: Zweite Radtour oder Abreise. Wer noch einen Tag hat: den anderen Eingang des Nationalparks besuchen (die oberen und unteren Seen sind überraschend unterschiedlich).
Tag 5 (für Ambitionierte): Die 85-km-Tour durch das Land Teslas – aber nur mit frischen Beinen und einem freien Tag danach.
Mehr zum optimalen Parkbesuch: Plitvice – Eingang 1 oder 2?
Sicherheit: Bären und Wölfe
Ja, es gibt Bären in der Region. Und Wölfe. Aber: In den letzten 20 Jahren gab es keinen einzigen Angriff auf Radfahrer oder Wanderer. Die Tiere meiden Menschen. Mach Lärm (reden, singen, klingeln), und du wirst keinem begegnen. Essen nie im Zelt aufbewahren, falls du campst. Das war’s.
Die Wahrscheinlichkeit, einen Bären zu sehen, ist extrem gering – aber falls doch: Ruhig bleiben, nicht weglaufen, langsam zurückziehen. In 99,9% der Fälle verschwindet der Bär von selbst. Was du eher sehen wirst: Rehe, Hasen, Greifvögel, und mit etwas Glück einen Luchs. Die Region Lika beherbergt eine der größten Luchs-Populationen Europas, auch wenn die Tiere extrem scheu sind. Wer sich für Wildtiere interessiert, kann einen Abstecher zum Bärenschutzzentrum Kuterevo machen – 40 km nördlich von Plitvice, gut mit dem Rad erreichbar.

Routen kombinieren: Mehrtagestouren durch Lika
Wer mehr als einen Tag investieren kann, dem eröffnen sich in Lika Möglichkeiten für mehrtägige Touren, die in Kroatien ihresgleichen suchen. Die Infrastruktur ist einfach, aber die Agroturizam-Betriebe und Gasthäuser liegen so verteilt, dass du alle 40-60 km eine Übernachtungsmöglichkeit findest.
Eine mögliche Dreitagestour: Am ersten Tag von Plitvice nach Rastoke (39 km), am zweiten Tag weiter nach Otočac ins Gacka-Tal (ca. 50 km), am dritten Tag zurück nach Plitvice über die Nebenstraßen durch die Dörfer (ca. 60 km). Insgesamt 150 km in drei Tagen – moderat genug, um die Landschaft zu genießen und überall anzuhalten, wo es schön ist. Und das ist hier überall.
Alternativ lässt sich die Region mit Bikepacking-Ausrüstung auch autark erkunden. Wildcampen ist in Kroatien offiziell verboten, aber in der menschenleeren Lika kontrolliert das niemand. Wer diskret sein Zelt aufstellt, morgens alles sauber hinterlässt und auf offenes Feuer verzichtet, wird keine Probleme haben. Trinkwasser gibt es an den zahlreichen Quellen, und die kleinen Dorfläden (Trgovina) führen das Nötigste.

Was bleibt
Die Region um die Plitvicer Seen ist eines der letzten echten Wildnisgebiete Mitteleuropas. Für Radfahrer bedeutet das: leere Straßen, unberührte Natur und die Chance, ein Kroatien fernab der Touristenpfade zu erleben. Die Infrastruktur ist einfach, aber genau das macht den Reiz aus. Kein GPS-Gerät ersetzt den Moment, wenn du an einer Quelle stehst, das kalte Wasser in die Flasche fließt und du nicht weißt, ob der nächste Ort in 10 oder in 30 Kilometern kommt – und es dir egal ist, weil der Weg selbst das Ziel ist.
Pack genug Proviant ein, lad dir eine Route runter, und tauche ein in eine Landschaft, die noch so aussieht wie vor hundert Jahren.
Mehr zum Nationalpark: Plitvice Seen – Eingang 1 oder 2? | Plitvice Tickets | Die Region Lika