Wandern in Istrien: Die 7 schönsten Wanderwege der Halbinsel (2026)
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Wandern , Istrien
- 08 Mar, 2026
Inhalt
Istrien ist nicht die erste Region, die einem beim Stichwort Wandern in den Sinn kommt. Die meisten denken an Strände, Trüffel und Rovinjs Altstadt. Genau das macht die Halbinsel für Wanderer so interessant: Die Wege sind leer, die Landschaft überraschend vielfältig, und nach der Tour wartet immer das Meer. Während sich am Velebit Alpinisten mit Karte und Kompass durch die Wildnis schlagen, bietet Istrien Wanderungen, bei denen man abends noch in einer Konoba sitzt und istrischen Malvasia trinkt.
Von der windgepeitschten Hochebene der Ćićarija über die duftenden Eichenwälder rund um Motovun bis zu den Klippenpfaden am Kap Kamenjak – Istrien hat Trails für jeden Geschmack. Die Höhenunterschiede sind moderat (mit einer großen Ausnahme), die Markierungen meist zuverlässig, und die Infrastruktur mit Dörfern, Gasthäusern und Wasserquellen deutlich besser als in Kroatiens wilderen Bergen. Wer zum ersten Mal in Kroatien wandern will, findet hier den perfekten Einstieg. Wer die großen Gebirge bereits kennt, entdeckt eine völlig andere Seite des Landes.
Učka: Auf Istriens höchsten Gipfel

Der Učka-Naturpark bildet die natürliche Grenze zwischen Istrien und der Kvarner-Bucht. Das Gebirge ist ein langer, schmaler Rücken, der sich von Nordwesten nach Südosten zieht und an seinem höchsten Punkt – dem Vojak – 1.396 Meter erreicht. Für istrische Verhältnisse ist das gewaltig. Der Vojak ist der einzige Gipfel der Halbinsel, der sich über die Baumgrenze erhebt, und der Blick von oben ist einer der besten an der gesamten Adria: Bei klarer Sicht reicht er von den Julischen Alpen über Venedig bis zu den dalmatinischen Inseln. Ein Steinturm auf dem Gipfel, 1911 von den Österreichern erbaut, dient als Aussichtsplattform.
Der populärste Aufstieg startet im Dorf Poklon an der Passstraße, die Istrien mit der Kvarner-Bucht verbindet. Von dort sind es etwa 5 Kilometer und 600 Höhenmeter bis zum Gipfel – eine Wanderung, die je nach Kondition zwischen anderthalb und drei Stunden dauert. Der Weg führt anfangs durch dichten Buchenwald, der mit zunehmender Höhe lichter wird und schließlich in felsiges Gelände übergeht. Der letzte Abschnitt ist steil und bei Nässe rutschig, erfordert aber keine Kletterei.
Wer es sportlicher mag, nimmt den Aufstieg von der Küstenseite: Von Lovran aus (knapp über Meereshöhe) bis zum Vojak sind es gut 1.400 Höhenmeter. Diese Route ist ein ernsthafter Anstieg, der vier bis sechs Stunden dauert und durch verschiedene Vegetationszonen führt – von mediterraner Macchia über Kastanien- und Buchenwälder bis zum kargen Gipfelplateau. Im Herbst, wenn die Kastanien fallen und die Buchenwälder sich golden färben, gehört diese Tour zu den schönsten Wandererlebnissen in ganz Kroatien. Lovran feiert im Oktober sogar ein eigenes Kastanienfest, die Marunada.
Eine dritte, weniger bekannte Option führt von der Ostseite des Gebirges über den Weiler Vela Učka. Dieser alte Saumpfad windet sich durch verlassene Terrassen und jahrhundertealte Steinmauern. Die Route ist steiler als der Poklon-Aufstieg, dafür begegnet man hier praktisch niemandem.
Startpunkte: Poklon (leichteste Route), Lovran (anspruchsvoll), Vela Učka (steil, einsam) Höchster Punkt: Vojak, 1.396 m Gehzeit zum Gipfel: 1,5–3 h ab Poklon, 4–6 h ab Lovran Schwierigkeit: Mittel (ab Poklon), Schwer (ab Lovran) Markierung: Rot-weiße Markierungen, durchgehend gut
Kap Kamenjak: Küstenwandern über Klippen

Am südlichsten Zipfel Istriens erstreckt sich eine Halbinsel, die aussieht wie das Ende der Welt: Kap Kamenjak. Kein Gebäude, kein Hotel, nur Kalksteinfelsen, Macchia, ein paar Pfade und das offene Meer. Das gesamte Gebiet steht unter Naturschutz, und wer hier wandert, tut das zwischen wilden Orchideen, niedrigen Kiefern und dem Geruch von Salbei und Rosmarin, der bei Wind so intensiv wird, dass man meint, in einem Kräutergarten zu stehen.
Die Küstenrundwanderung um die gesamte Halbinsel ist etwa 12 Kilometer lang und verläuft überwiegend auf schmalen Trampelpfaden direkt an der Felskante. Rechts das tiefblaue Meer, links die von der Sonne ausgedörrte Karstlandschaft. An mehreren Stellen führen Pfade hinunter zu kleinen Buchten – manche mit Kiesel, manche mit glatten Felsplatten, alle mit kristallklarem Wasser. Die Versuchung, mitten auf der Wanderung ins Meer zu springen, ist groß. Im Frühling und Herbst ist genau das die beste Strategie: wandern, schwimmen, wandern, schwimmen.
Es gibt keinen einheitlich markierten Hauptweg, aber man orientiert sich einfach an der Küstenlinie. Verirren kann man sich kaum – wer immer das Meer in Sichtweite hält, findet den Weg. Technisch ist die Wanderung leicht, allerdings gibt es kaum Schatten. Im Sommer wird die Mittagshitze auf dem blanken Fels brutal, Temperaturen von 40 Grad auf den sonnenexponierten Klippen sind keine Seltenheit. Frühes Starten (vor 8 Uhr) oder Nachmittagswanderungen ab 17 Uhr sind dann Pflicht.
Im Frühling (April und Mai) blühen hier über 30 Orchideenarten – Kamenjak ist einer der orchideenreichsten Orte im Mittelmeerraum. Der Naturpark veranstaltet im April geführte botanische Wanderungen, die diesen Reichtum erschließen. Wer sich für die Flora interessiert, sollte diesen Zeitraum anpeilen.
Rundweg: ca. 12 km, 3–4 Stunden Schwierigkeit: Leicht (flach, keine Kletterpassagen) Eintritt: 30 Kuna / ca. 4 € pro Auto, Fußgänger frei Wasser: Keine Quelle unterwegs, unbedingt genug mitnehmen (min. 2 Liter) Tipp: Badesachen einpacken, die Buchten unterwegs sind zu gut zum Ignorieren
Die Parenzana: Wandern auf der alten Eisenbahntrasse

Die Parenzana war eine Schmalspurbahn, die von 1902 bis 1935 zwischen Triest und Poreč verkehrte. 123 Kilometer durch das istrische Hinterland, mit 9 Tunneln und 6 Viadukten. Nach der Einstellung der Linie verfiel die Trasse, bis sie in den 2000er-Jahren als Wander- und Radweg wiederbelebt wurde. Heute ist sie einer der schönsten Fernwanderwege Istriens – und eine perfekte Möglichkeit, das Landesinnere zu erkunden.
Die Strecke verläuft überwiegend durch sanft hügeliges Gelände, da Eisenbahntrassen naturgemäß keine extremen Steigungen haben. Die maximale Neigung beträgt 2,5 Prozent – angenehm zum Gehen, und deutlich weniger schweißtreibend als die meisten Bergwanderwege. Der Weg führt durch Olivenhaine, vorbei an Weinbergen, durch Tunnel (Taschenlampe mitnehmen!), über Viadukte mit Panoramablick, und durch Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben scheint.
Für Wanderer besonders lohnenswert ist der Abschnitt zwischen Motovun und Grožnjan (ca. 25 km). Diese Etappe verbindet zwei der schönsten Bergdörfer Istriens und führt durch das Mirna-Tal, das für seinen Trüffelreichtum bekannt ist. In Motovun kann man den Aufstieg zur Stadtmauer machen und den Blick über die nebelverhangene Flussebene genießen, in Grožnjan durch die Galerien des Künstlerdorfs schlendern. Zwischen beiden Orten ist man zwei bis drei Stunden unterwegs – genug Zeit für eine ausgiebige Wanderung, aber auch genug für eine gemütliche Mittagspause in einer der Dorfkonoben.
Ein weiterer empfehlenswerter Abschnitt: Livade bis Oprtalj (ca. 15 km). Livade ist das Trüffelzentrum Istriens, Oprtalj ein verschlafenes Bergdorf mit einer verfallenen Loggia und einem Blick, der bis nach Slowenien reicht. Der Weg dorthin passiert die längsten Tunnel der Parenzana, in denen es auch im Hochsommer kühl und feucht ist – eine willkommene Abwechslung.
Die gesamte Parenzana durch Kroatien (etwa 78 km von der slowenischen Grenze bis Poreč) lässt sich in drei bis vier Tagen erwandern. Übernachtet wird in den Dörfern entlang der Strecke – agriturismos, kleine Pensionen, manchmal auch Privatunterkünfte, die man erst vor Ort findet. Die Infrastruktur ist nicht perfekt, aber genau das macht den Reiz aus.
Gesamtlänge (kroatischer Teil): ca. 78 km Empfohlene Etappe: Motovun–Grožnjan, 25 km, 5–6 h Schwierigkeit: Leicht bis mittel (geringe Steigungen, Länge beachten) Markierung: Durchgehend mit Parenzana-Schildern markiert Nicht vergessen: Taschenlampe für die Tunnel, in manchen ist es stockfinster
Motovun-Wald: Durch den Trüffelwald an der Mirna

Der Motovun-Wald (Motovunska Šuma) erstreckt sich im Tal der Mirna, des längsten Flusses Istriens, und ist der größte Niederungswald der Halbinsel. Hier wachsen jahrhundertealte Stieleichen, Eschen und Hainbuchen – und in ihrem Wurzelwerk der weiße Istrien-Trüffel, einer der teuersten Pilze der Welt. Im Herbst, wenn die Trüffelsucher mit ihren Hunden durch den Wald streifen, riecht es nach feuchter Erde, Pilzen und Laub. Der Duft des frisch ausgegrabenen Trüffels ist unbeschreiblich – erdig, intensiv, fast betäubend.
Durch den Wald führen mehrere Wanderwege, die sich zu Rundwanderungen zwischen 5 und 15 Kilometern kombinieren lassen. Der populärste Weg startet am Fuß des Motovun-Hügels und führt als Rundweg durch den Wald und entlang der Mirna zurück. Man läuft im Schatten der Baumkronen, überquert kleine Holzbrücken, und hört nichts außer Vogelgezwitscher und dem Plätschern des Flusses. Die Wege sind flach und breit – kinderwagentauglich, was in Kroatien selten ist.
Der eigentliche Höhepunkt kommt nach der Wanderung: der Aufstieg nach Motovun selbst. Das mittelalterliche Bergdorf thront 280 Meter über dem Tal und ist über eine steile Straße erreichbar, die sich in engen Serpentinen den Hügel hinaufwindet. Von der Stadtmauer aus überblickt man den gesamten Wald, den man gerade durchwandert hat – ein Perspektivwechsel, der jeden Schweißtropfen wert ist. Im September findet in Motovun ein Trüffelfestival statt, bei dem das ganze Dorf nach gehobeltem Trüffel duftet.
Wer die Waldwanderung mit einer Trüffelsuche kombinieren will, bucht am besten bei einem lokalen Anbieter in Livade oder Motovun. Die geführten Touren dauern etwa zwei Stunden und kosten zwischen 40 und 80 Euro pro Person, inklusive Verkostung. Die Trüffelsaison für den weißen Trüffel läuft von September bis Dezember, schwarze Trüffel findet man fast das ganze Jahr.
Rundwege: 5–15 km, je nach gewählter Route Gehzeit: 1,5–4 Stunden Schwierigkeit: Leicht (flach, breite Forstwege) Beste Zeit: Herbst (September–November) für Trüffelsaison und Herbstlaub Kombination: Waldwanderung + Trüffelsuche + Essen in Motovun = perfekter Tag
Limski-Kanal: Die versteckte Schlucht

Der Limski-Kanal ist kein Kanal im eigentlichen Sinne, sondern ein 12 Kilometer langer Meeresarm, der sich tief ins istrische Landesinnere schneidet. Die Bezeichnung “Fjord” hört man oft, geologisch korrekt ist sie nicht – es handelt sich um ein ertrunkenes Flusstal. Aber die Wirkung ist fjordähnlich: steile bewaldete Hänge zu beiden Seiten, grünblaues Wasser darunter, oben ein schmaler Streifen Himmel. An den schmalsten Stellen ist der Kanal nur 600 Meter breit, und die Stille, die in dieser Schlucht herrscht, steht im krassen Gegensatz zur touristischen Betriebsamkeit der nahen Küste.
Auf der Nordseite des Kanals verläuft ein Wanderweg, der am Aussichtspunkt oberhalb der Straße beginnt und dem Rand der Schlucht folgt. Der Pfad ist schmal, teilweise verwachsen und führt durch dichten Steineichenwald. Nach etwa 4 Kilometern erreicht man eine Stelle, an der die Felswand fast senkrecht zum Wasser abfällt – der Blick von hier ist atemberaubend, besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne den Kanal in goldenes Licht taucht. Weiter östlich, am Ende des Kanals, gibt es Überreste einer mittelalterlichen Piratenbucht – die Legende sagt, dass Piraten hier Schiffe überfallen haben, die in den geschützten Kanal einliefen.
Auf der Südseite existiert ein zweiter Pfad, der seltener begangen wird und durch die Romuald-Höhle führt, in der Knochen von Höhlenbären gefunden wurden. Die Höhle ist nur sporadisch geöffnet, aber der Weg dorthin lohnt sich auch ohne Besichtigung – die Vegetation an der Südseite ist dichter, feuchter, fast dschungelartig.
Beide Wege lassen sich nicht direkt verbinden, da es keine Brücke über den Kanal gibt. Man wandert entweder die Nord- oder Südseite und kehrt auf demselben Weg zurück, was insgesamt jeweils etwa 8 bis 10 Kilometer ergibt. Die Wege sind nicht durchgehend markiert, ein Orientierungssinn ist hilfreich. GPS-Tracks gibt es in diversen Wander-Apps.
Nord-Route: ca. 8 km (hin und zurück), 2,5–3 Stunden Süd-Route: ca. 10 km (hin und zurück), 3–3,5 Stunden Schwierigkeit: Mittel (schmale Pfade, teilweise steil) Markierung: Lückenhaft, GPS empfohlen Anfahrt: Von der Straße Rovinj–Vrsar, Aussichtspunkt ist ausgeschildert
Rovinj und Zlatni Rt: Küstenwälder am Meer

Direkt vor den Toren Rovinjs liegt der Waldpark Zlatni Rt (Punta Corrente) – ein 2 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet, das der österreichische Industrielle Georg Hütterott Ende des 19. Jahrhunderts als botanischen Park anlegen ließ. Er importierte exotische Baumarten aus aller Welt: Libanonzedern, Himalayazypressen, japanische Kiefern, Mammutbäume. Heute ist der Park ein verwunschener Wald direkt am Meer, durchzogen von breiten Spazierwegen und schmalen Trampelpfaden.
Die Hauptrundwanderung durch Zlatni Rt ist etwa 6 Kilometer lang und führt entlang der Küste um die gesamte Halbinsel. Der Weg schlängelt sich zwischen mächtigen Baumstämmen hindurch, immer wieder öffnet sich der Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln. An der Westseite gibt es Felsplattformen, die zum Baden einladen – auch hier gilt: Badesachen einpacken. Die Ostseite ist geschützter und ruhiger, mit kleinen Kiesbuchten zwischen den Felsen.
Wer mehr als den Park sehen will, erweitert die Runde zum Küstenweg Richtung Süden. Dieser führt vorbei an der Bucht Lone und weiter bis zum Camping Polari und darüber hinaus. Der gesamte Küstenpfad von Rovinj bis Bale misst etwa 15 Kilometer und verläuft größtenteils direkt am Wasser – ein Genusswanderweg ohne nennenswerte Steigungen, aber mit ständig wechselnden Ausblicken auf die Küste, die Inseln des Rovinjer Archipels und bei klarem Wetter bis nach Italien.
Innerhalb Rovinjs selbst lohnt der Aufstieg zur Kirche der Heiligen Euphemia. Die Treppen durch die Altstadt, vorbei an bunten Fassaden und hängenden Wäscheleinen, sind nicht lang, aber steil genug, um ins Schwitzen zu kommen. Vom Glockenturm aus (60 Meter hoch, enge Wendeltreppe) hat man den besten Überblick – über den Zlatni Rt, den man vielleicht gerade durchwandert hat, über den Hafen und das offene Meer. Morgens früh, bevor die Tagesbesucher einfallen, gehören die Gassen und Treppen nur den Katzen und ein paar Einheimischen.
Zlatni Rt Rundweg: ca. 6 km, 1,5–2 Stunden Küstenpfad Rovinj–Bale: ca. 15 km, 4–5 Stunden Schwierigkeit: Leicht (flach, breite Wege) Besonderheit: Exotischer Baumbestand aus dem 19. Jahrhundert Tipp: Morgens starten, dann den Nachmittag in Rovinjs Altstadt verbringen
Ćićarija: Die wilde Hochebene im Norden

Die Ćićarija ist Istriens bestgehütetes Wandergeheimnis. Diese lang gestreckte Hochebene im Nordosten der Halbinsel, entlang der slowenischen Grenze, ist das genaue Gegenteil der geschliffenen Küste: rau, dünn besiedelt, von Wind und Wetter gezeichnet. Hier oben, auf 800 bis 1.200 Metern, erstrecken sich Weideflächen, Karstfelder und Buchenwälder, durchsetzt mit Dolinen und Steinhügeln. Dörfer mit zehn Einwohnern, verlassene Höfe, Schafherden – die Ćićarija fühlt sich an wie ein vergessenes Stück Europa.
Die Wanderungen hier sind anders als im Rest Istriens: länger, einsamer, anspruchsvoller in der Orientierung. Es gibt markierte Wege, aber sie sind weniger frequentiert und manchmal zugewachsen. Der Premužićeva Staza – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Weg am Velebit – durchquert die Hochebene auf einer Strecke von etwa 30 Kilometern. Man wandert durch offene Karstlandschaften, die an Irland erinnern, vorbei an Steinmauern, die seit Jahrhunderten die Weiden einteilen, durch Wälder, die im Frühling mit Bärlauch übersät sind.
Die Rundwanderung um den Planik (1.272 m), den höchsten Gipfel der Ćićarija, ist eine der lohnendsten Bergtouren in ganz Istrien. Vom Dorf Vodice (nicht zu verwechseln mit dem dalmatinischen Vodice) führt ein markierter Weg über Almwiesen und durch Buchenwald zum Gipfel. Etwa vier bis fünf Stunden für die Rundtour, 700 Höhenmeter, und eine Aussicht, die den gesamten Učka-Rücken, die Kvarner-Bucht und bei guter Sicht die slowenischen Alpen umfasst. Auf dem Rückweg passiert man die Reste einer alten Wassermühle und kann in einem der winzigen Dörfer bei einer Familie Käse und hausgemachten Schnaps kaufen – Tourismus im eigentlichen Sinn existiert hier nicht.
Wer es kürzer mag: Von Lanišće, einem der abgelegensten Orte Istriens, gibt es Rundwanderwege zwischen 8 und 14 Kilometern, die durch eine Landschaft führen, in der die Uhren stehengeblieben sind. Die Straße dorthin ist schon ein Erlebnis – kurvenreich, schmal, mit Ausblicken, die man sich als Postkarte rahmen möchte. Im Winter kann hier oben Schnee liegen, während an der Küste T-Shirt-Wetter herrscht.
Planik-Rundtour: ca. 12 km, 4–5 Stunden, 700 Hm Ćićarija-Durchquerung: ca. 30 km, 2 Tage Schwierigkeit: Mittel bis schwer (Orientierung, Länge, Wetter) Infrastruktur: Minimal – Wasser und Verpflegung mitnehmen Beste Jahreszeit: Mai bis Oktober (im Winter Schnee möglich)
Wann wandern? Die besten Monate
Istrien hat ein mediterranes Klima an der Küste und ein gemäßigtes im Landesinneren. Das bedeutet: Im Sommer wird es heiß. Richtig heiß. Küstenwanderungen bei 35 Grad auf schattenlosem Fels sind kein Vergnügen, und auch im Landesinneren klettert das Thermometer regelmäßig über 30 Grad. Die Hochebenen der Ćićarija sind die einzige Ausnahme – dort weht fast immer ein kühlender Wind.
Frühling (März bis Mai) ist die ideale Wanderzeit. Die Temperaturen liegen zwischen 15 und 25 Grad, die Landschaft ist grün und blüht – Orchideen am Kamenjak, Wildblumen in der Ćićarija, Bärlauch in den Wäldern. Im März kann es noch regnerisch sein, ab April stabilisiert sich das Wetter. Der Učka hat im März und manchmal noch Anfang April Schneereste am Gipfel.
Herbst (September bis November) ist die zweite Traumzeit. Die Sommerhitze lässt nach, die Farben werden warm, und die Trüffelsaison beginnt. September ist noch sommerlich genug zum Baden nach der Wanderung, Oktober bringt die beste Laubfärbung, und selbst der November hat mit seinen milden Temperaturen und der klaren Luft seinen Reiz. Die Wege sind im Herbst oft trockener als im Frühling.
Sommer (Juni bis August) funktioniert nur eingeschränkt. Küstenwanderungen ausschließlich frühmorgens oder abends. Waldwanderungen (Motovun-Wald, Zlatni Rt) sind auch mittags machbar, weil der Schatten die Hitze erträglicher macht. Bergtouren auf den Učka starten am besten vor Sonnenaufgang – der Sonnenaufgang vom Vojak aus ist ohnehin eines der großen Naturerlebnisse Istriens. Wasser ist im Sommer überall knapp, immer deutlich mehr mitnehmen als man glaubt zu brauchen.
Winter (Dezember bis Februar) ist möglich, aber unberechenbar. An der Küste sind Tageswanderungen bei 10–15 Grad oft wunderbar – menschenleere Pfade, klare Sicht, kein Schwitzen. Im Gebirge kann es schnell umschlagen: Schnee auf dem Učka, Eis auf der Ćićarija, Nebel im Landesinneren. Für erfahrene Wanderer mit entsprechender Ausrüstung kein Problem, für Gelegenheitswanderer nicht empfehlenswert.
Praktische Tipps für Wanderer in Istrien
Markierungen und Karten
Die Hauptwanderwege in Istrien sind mit dem kroatischen Standard markiert: rot-weiße Kreise auf Felsen und Bäumen. Die Parenzana hat eigene Schilder. In der Praxis bedeutet das: Auf den beliebten Routen (Učka, Kamenjak, Parenzana, Zlatni Rt) findet man sich problemlos zurecht. Auf Nebenwegen und in der Ćićarija wird es dünner – hier sind digitale Karten unverzichtbar.
Die beste Wander-App für Kroatien ist Mapy.cz, die kostenlose Offline-Karten mit eingezeichneten Wanderwegen bietet. Alternativ funktioniert Komoot gut für Istrien, da die Region touristisch erschlossen genug ist, dass viele Routen von Nutzern erfasst sind. Wikiloc hat die größte Auswahl an GPS-Tracks von lokalen Wanderern. Papier-Wanderkarten gibt es im Maßstab 1:50.000 vom Kroatischen Bergsteigerverband (HPS), erhältlich in Buchhandlungen in Pula und Rijeka oder online.
Wasser und Verpflegung
Istrien ist Karstgebiet. Das bedeutet: Regenwasser versickert sofort im porösen Kalkstein. Natürliche Quellen sind selten, und viele Bäche führen im Sommer kein Wasser. Auf Küstenwanderungen (Kamenjak, Rovinj) gibt es unterwegs keine Wasserquellen – alles mitnehmen. Auf Bergtouren (Učka) gibt es vereinzelt Quellen, aber darauf verlassen sollte man sich nicht. Als Faustregel: 1 Liter pro 2 Stunden Gehzeit, im Sommer das Doppelte.
Die Dörfer entlang der Parenzana und rund um Motovun haben kleine Geschäfte und Konoben, in denen man sich verpflegen kann – aber nicht an jedem Ort und nicht zu jeder Zeit. Sonntagsmittags hat in Kroatiens Hinterland vieles geschlossen. Wer auf Nummer sicher gehen will, packt Proviant ein.
Ausrüstung
Für Küstenwanderungen reichen leichte Wanderschuhe mit griffiger Sohle (der Kalkstein ist glatt, besonders wenn er nass ist). Für den Učka und die Ćićarija braucht man solide Bergschuhe mit Knöchelschutz. Eine Regenjacke gehört immer in den Rucksack – das Wetter in Istriens Bergen kann innerhalb von Minuten umschlagen, besonders wenn die Bora, der kalte Fallwind von Nordosten, einsetzt. Die Bora trifft die Ćićarija und den Učka mit voller Wucht und kann Wanderungen oberhalb der Baumgrenze gefährlich machen.
Sonnenschutz ist auf den exponierten Küstenwegen Pflicht: Hut, Sonnencreme, Sonnenbrille. Die UV-Strahlung am Meer ist stärker als man denkt, besonders im Frühling, wenn die Haut noch nicht an die Sonne gewöhnt ist.
Anreise und Unterkunft
Istrien ist von Deutschland aus gut erreichbar – von München sind es etwa fünf Stunden mit dem Auto nach Pula. Als Basis für Wanderungen bieten sich verschiedene Orte an: Für den Učka wohnt man am besten in Lovran oder Opatija (Kvarner-Seite) oder in Rabac (Istrien-Seite). Für Kamenjak in Premantura oder Medulin. Für die Parenzana und Motovun in einem der Bergdörfer – Motovun, Grožnjan oder Buzet haben alle Unterkünfte von der einfachen Pension bis zum Boutique-Hotel.
Wer mehrere Wanderungen kombinieren will, ist mit einem Mietwagen am flexibelsten. Die Entfernungen in Istrien sind kurz – von Pula bis Buzet sind es nur 80 Kilometer – aber der öffentliche Nahverkehr ins Hinterland ist dünn. Busse fahren die Hauptorte an, die Wanderstartpunkte liegen aber oft abseits der Busrouten.
Istrien zu Fuß oder auf zwei Rädern
Wer nach den Wanderungen feststellt, dass Istriens Hinterland eigentlich zu schön ist, um es nur langsam zu erkunden, hat eine naheliegende Alternative: das Fahrrad. Die Hügellandschaft zwischen Küste und Bergen, die man auf den Wanderwegen aus nächster Nähe erlebt hat, entfaltet auf dem Rad eine ganz eigene Wirkung – mehr Distanz, mehr Weite, und die Möglichkeit, an einem Tag von den Weinbergen bis ans Meer zu kommen.
Die 68 km lange Gravel-Tour “Istrische Weinberge” führt von Poreč ins Landesinnere und durch genau die Landschaft, die man bei Parenzana-Wanderung und Motovun-Waldspaziergang kennenlernt – nur eben auf stillen Landstraßen zwischen Olivenhainen und mittelalterlichen Bergdörfern, mit 1.030 Höhenmetern bis nach Buje. Wer es sanfter mag, nimmt die Terra Istriana (45 km, nur 150 Höhenmeter bergauf), die von Žminj durch Weinberge und Olivenhaine zur Küste nach Fažana rollt – mit Blick auf die Brijuni-Inseln als Finale.
Istrien ist keine Region für Extrembergsteiger. Wer Gipfelkreuze auf 3.000 Metern sucht, ist am Velebit oder in den Alpen besser aufgehoben. Aber wer Wandern als Erlebnis begreift, das alle Sinne anspricht – den Geruch von Trüffelwald und Meersalz, den Geschmack von Malvasia nach einer Bergtour, den Blick von einem Kirchturm über gerade durchwanderte Wälder – der findet in Istrien etwas, das die großen Gebirge nicht bieten können. Die perfekte Mischung aus Natur, Kultur und Genuss, und das alles auf kurzen Wegen. Morgens auf dem Gipfel, mittags in der Konoba, nachmittags im Meer. Wenige Orte in Europa machen das so gut wie diese Halbinsel.