Motovun: Trüffel, Wein und Aussicht im Herzen Istriens (2026)
Inhalt
Motovun ist das Postkartendorf Istriens. Auf einem 280 Meter hohen Hügel thronend, umgeben von Weinbergen und Trüffelwäldern, überblickt es das Mirna-Tal wie eine mittelalterliche Wachturmstadt. Die Aussicht allein rechtfertigt den Besuch – aber dann kommen noch die Trüffel, der Wein und die Atmosphäre einer Stadt, die ihre Schönheit kennt.

Der erste Eindruck
Die Anfahrt ist schon spektakulär. Die Straße windet sich durch Weinberge und Olivenhaine, Motovun erscheint und verschwindet zwischen den Kurven, bis du schließlich am Fuß des Hügels parkst. Von hier führen zwei Wege nach oben: Die steile Straße (für Bewohner und Hotelgäste) oder die noch steilere Treppe durch die Stadttore. Nimm die Treppe – du verdienst dir das Trüffelmenü.
Die Stufen führen durch mehrere Verteidigungsringe, vorbei an romanischen und gotischen Toren, bis du auf dem Hauptplatz stehst. Die Anstrengung ist vergessen, sobald du den ersten Blick über die Stadtmauer wirfst: Das Mirna-Tal liegt wie ein grüner Teppich unter dir, Weinberge ziehen sich die Hänge hinauf, in der Ferne glitzert manchmal das Meer.
Die Stadtmauer: Der beste Rundweg
Die mittelalterliche Stadtmauer ist fast vollständig begehbar und bildet den schönsten Spaziergang des Ortes. In 20 Minuten umrundest du die Stadt, mit Aussichten in alle Richtungen: Nordwärts zum Učka-Gebirge, südwärts zu den anderen Hügeldörfern, ostwärts ins Landesinnere.

Die beste Zeit
Morgens, wenn der Nebel im Tal liegt und Motovun wie eine Insel über dem Wolkenmeer schwebt. Dieses Bild ist ikonisch, und ja, es sieht wirklich so aus – wenn das Wetter mitspielt. Herbst ist die beste Jahreszeit für Nebel, Frühling für grüne Weinberge, Sommer für klare Fernsicht.
Trüffel: Das weiße Gold
Istrien ist Trüffelland, und Motovun ist das Zentrum. In den Eichenwäldern des Mirna-Tals wachsen weiße und schwarze Trüffel, die zu den besten der Welt gehören. Der weiße Trüffel (Tuber magnatum) ist der wertvollere, er wächst von September bis Januar und kostet mehrere tausend Euro pro Kilo. Der schwarze (Tuber aestivum und melanosporum) ist günstiger und ganzjährig verfügbar.
Trüffel probieren
In Motovun gibt es mehr Trüffelrestaurants pro Quadratmeter als irgendwo sonst in Kroatien:
Konoba Mondo: Das Original. Seit Jahrzehnten serviert die Familie Sinčić Trüffelgerichte – von einfachen Fuži mit Trüffeln bis zum Degustationsmenü. Reservierung ist Pflicht, besonders im Herbst.
Zigante: Der Name ist Legende. Giancarlo Zigante fand 1999 den größten weißen Trüffel der Welt (1,31 kg). Sein Restaurant in Livade (5 km entfernt) ist eine Institution, der Shop in Motovun verkauft Trüffelprodukte zum Mitnehmen.
Pod Voltom: Kleiner, weniger bekannt, genauso gut. Die Terrasse bietet Blick über die Dächer.
Was bestellen?
- Fuži s tartufima: Handgemachte Pasta mit gehobelten Trüffeln – der Klassiker
- Rührei mit Trüffeln: Simpel, aber sensationell
- Trüffel-Carpaccio: Rohes Rindfleisch mit weißem Trüffel
- Trüffelkäse: Zum Mitnehmen

Trüffelsuche mitmachen
Mehrere Anbieter organisieren Trüffelsuchen mit trainierten Hunden. Du wanderst durch die Eichenwälder, der Hund schnüffelt, und wenn er buddelt, ist der Trüffel gefunden. Danach wird gekocht und gegessen. Die Erfahrung ist touristisch aufbereitet, aber macht trotzdem Spaß – besonders mit Kindern.
Wein aus dem Mirna-Tal
Die Hänge um Motovun sind Weinland. Malvasia (Weißwein) und Teran (Rotwein) sind die lokalen Sorten, dazu kommen internationale Varietäten, die hier überraschend gut gedeihen.
Weingüter besuchen
- Kozlović: Eines der bekanntesten Weingüter Istriens, 15 km entfernt
- Roxanich: Naturweine, orange Weine, für Experimentierfreudige
- Kabola: Familienweingut mit Verkostung und Blick
Die Istrische Weinberge Route verbindet die Weingüter per Rad – von Poreč durch die Hügel bis nach Motovun und zurück.
Das Filmfestival
Jeden Juli findet das Motovun Film Festival statt. Unabhängige Filme aus aller Welt werden auf dem Hauptplatz und in improvisierten Kinos gezeigt. Die Atmosphäre ist einzigartig: Filmvorführung unter Sternen, Diskussionen mit Regisseuren, dazu die Kulisse der mittelalterlichen Stadt. Die Unterkünfte sind dann ausgebucht, aber die Erfahrung lohnt sich.
Wandern um Motovun
Die Hügel laden zum Wandern ein. Markierte Wege führen durch Weinberge, Eichenwälder und zu den Nachbardörfern.
Parenzana-Trail
Die ehemalige Schmalspurbahn verbindet Triest mit Poreč – heute ist die Trasse ein Rad- und Wanderweg. Der Abschnitt bei Motovun führt durch Tunnel und über Viadukte, mit ständigem Blick auf die Hügellandschaft.
Rundweg nach Oprtalj
Das Nachbardorf liegt 8 km entfernt auf einem eigenen Hügel. Der Wanderweg verbindet beide Orte durch Weinberge und Olivenhaine. Oprtalj ist weniger touristisch, aber genauso malerisch – und die Konobas dort kochen ebenso gut.
Praktische Tipps
Anreise
- Auto: Von Poreč 30 Min, von Pula 50 Min, von Ljubljana 1,5 Std
- Parken: Am Fuß des Hügels (kostenpflichtig), im Ort nur für Anwohner
- Ohne Auto: Bus ab Poreč, aber umständlich – Mietwagen empfohlen
Beste Reisezeit
September-Dezember: Trüffelsaison, besonders Oktober/November für weiße Trüffel. Die Restaurants sind voll, Reservierung ist Pflicht.
Frühling: Grüne Weinberge, Wildblumen, weniger Touristen.
Sommer: Heiß, aber Filmfestival im Juli. Die Aussicht ist am klarsten.
Übernachten
In Motovun selbst gibt es nur wenige Unterkünfte:
- Hotel Kaštel: Das einzige Hotel im Ort, charmant und teuer
- Ferienwohnungen: Mehrere in der Altstadt, früh buchen
Günstiger: Unterkünfte im Tal oder in Nachbarorten, Motovun als Tagesausflug.
Kombinationen
Motovun passt zu:
- Grožnjan: Künstlerdorf, 20 Min entfernt
- Hum: Kleinste Stadt der Welt, 15 Min
- Oprtalj: Ruhigeres Pendant, 15 Min
- Weinstraße: Kozlović, Roxanich und andere Weingüter
Ist Motovun zu touristisch?
Ja und nein. Der Ort ist bekannt, die Reisebusse kommen regelmäßig, die Preise sind entsprechend. Aber: Der Rummel konzentriert sich auf den Hauptplatz und wenige Restaurants. Wer früh morgens oder abends kommt, die Stadtmauer erkundet und in den Seitengassen verschwindet, findet immer noch das authentische Motovun. Und die Aussicht, die bleibt unbezahlbar, egal wie viele Touristen daneben stehen.