Rijeka: Kulturhauptstadt und Tor zur Kvarner-Bucht (2026)
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Rijeka ist anders. Keine Postkarten-Altstadt, keine venezianischen Plätze, kein Touristengewimmel. Stattdessen: Industriehafen, Arbeiterviertel, Graffiti. Aber genau das macht Rijekas Charme aus. Die drittgrößte Stadt Kroatiens war 2020 Europäische Kulturhauptstadt, und dieser Titel hat endlich sichtbar gemacht, was Eingeweihte längst wussten: Rijeka ist kreativ, lebendig und überraschend.

Was Rijeka besonders macht
Rijeka hat keine mittelalterliche Altstadt wie Dubrovnik oder Trogir. Die Stadt ist habsburgisch geprägt – breite Boulevards, k.u.k.-Architektur, eine Riva, die an Triest erinnert. Dazu kommt jugoslawische Industriegeschichte: Der Hafen war einer der wichtigsten Jugoaslawiens, die Werften beschäftigten Tausende.
Diese Mischung aus Habsburg und Sozialismus, aus Verfall und Erneuerung, macht Rijeka interessant. Die Stadt hat Ecken und Kanten, sie ist nicht poliert und nicht perfekt – aber sie ist echt.
Der Korzo: Die Hauptstraße
Die Fußgängerzone Korzo ist das Herz der Stadt. Von morgens bis spätabends flanieren hier die Rijekaner, trinken Kaffee, sehen und werden gesehen. Die Architektur ist k.u.k.-Prunk: Jugendstil-Fassaden, das Stadttheater, Paläste aus der Zeit, als Rijeka (damals Fiume) einer der wichtigsten Häfen der Monarchie war.
Was du siehst
- Stadtturm: Das Wahrzeichen, mit Doppelwappen der Habsburger
- Nationaltheater: Italienisches Opernhaus aus dem 19. Jahrhundert
- Altes Rathaus: Österreichische Verwaltungsarchitektur
- Kaufhäuser und Cafés: Noch immer im Originalzustand

Trsat: Die Burg über der Stadt
Oberhalb von Rijeka, auf einem 138 Meter hohen Hügel, thront die Festung Trsat. 561 Stufen führen hinauf (es gibt auch eine Straße), und oben wartet einer der besten Ausblicke über die Kvarner-Bucht.
Die Festung
Die Ruinen stammen aus verschiedenen Epochen, vom Mittelalter bis zur Restaurierung im 19. Jahrhundert. Ein Café ist in der Festung untergebracht, Konzerte finden im Innenhof statt. Die Aussicht über Stadt, Bucht und Inseln ist spektakulär.
Die Wallfahrtskirche
Neben der Festung steht die Kirche Unserer Lieben Frau von Trsat, einer der ältesten Marienwallfahrtsorte Europas. Der Legende nach machten hier Engel Station, als sie das Heilige Haus von Nazareth nach Loreto (Italien) trugen. Die Kirche selbst ist barock und überraschend prunkvoll.
Praktisches:
- Anfahrt: 561 Stufen oder Straße/Bus
- Eintritt Festung: Ca. 25 Kuna (3 €)
- Beste Zeit: Sonnenuntergang
Das Museen-Viertel
Rijeka war Kulturhauptstadt 2020, und das Erbe ist sichtbar. Mehrere Museen wurden renoviert oder neu eröffnet.
Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst
Im ehemaligen Industriegebäude am Hafen. Kroatische und internationale Kunst, oft mit politischem Bezug.
Naturkundemuseum
In einem Jugendstil-Palast. Überraschend gut für eine Regionalhauptstadt, besonders die geologische Sammlung.
Historisches und Maritimes Museum
Im Gouverneurspalast. Geschichte von Rijeka, von den Römern bis zur Gegenwart, mit Schwerpunkt auf der maritimen Tradition.
Das Viertel Hartera
Das ehemalige Papierfabrik-Gelände am Fluss Rječina wurde zum Kulturzentrum umgebaut. Hier pulsiert das kreative Rijeka: Clubs, Galerien, Streetfood, Festivals. Die Atmosphäre erinnert an Berliner Hinterhöfe – rau, urban, lebendig.
Was hier passiert
- Hartera Festival: Elektronische Musik im Industrieambiente
- Streetart: Legale Graffiti-Wände mit beeindruckenden Werken
- Food Markets: Pop-up-Events mit lokalen Köchen
Strände bei Rijeka
Rijeka selbst ist keine Strandstadt, aber die Strände der Riviera sind nah:
Opatija
15 km südlich. Belle-Époque-Kurort mit Lungomare-Promenade. Die Strände sind Beton und Felsen, aber gepflegt und mit allen Annehmlichkeiten.
Kostrena
Direkt südlich von Rijeka. Felsige Buchten, weniger touristisch als Opatija.
Kantrida
Stadtnaher Strand mit Pool und Beach-Bar. Eher für Einheimische als für Touristen.
Essen und Nachtleben
Rijeka ist keine Touristenstadt, und das zeigt sich in den Preisen und der Authentizität der Lokale.
Wo essen?
- Konoba Fiume: Traditionell, im Stadtzentrum
- Kukuriku (Kastav): 30 Minuten entfernt, eines der besten Restaurants Kroatiens
- Na Kantunu: Lokale Küche, faire Preise
- Bracera: Fischgerichte am Hafen
Nachtleben
Rijeka hat die beste Clubszene Kroatiens außerhalb von Zagreb:
- Palach: Industrieclub, elektronische Musik
- Karolina: Studentenclub, verschiedene Genres
- Hartera-Clubs: Im Fabrikgelände, wechselnde Veranstaltungen

Ausflüge ab Rijeka
Rijeka ist das Tor zum Kvarner. Von hier erreichst du:
Opatija (15 Min)
Habsburger Kurort mit Lungomare und historischen Hotels.
Krk (30 Min)
Die größte Insel, per Brücke erreichbar.
Cres und Lošinj (1-2 Std)
Wilde Inseln, per Fähre ab Valbiska (Krk).
Učka-Gebirge (30 Min)
Istriens höchster Berg mit Panoramablick.
Kastav
Mittelalterliches Städtchen oberhalb von Rijeka, bekannt für gute Restaurants und Weinfeste.
Praktische Tipps
Anreise
- Flughafen Rijeka: Auf Krk, 35 km entfernt
- Zug: Verbindungen aus Zagreb (3-4 Stunden)
- Bus: Aus ganz Kroatien, Slowenien, Triest
- Auto: Von Ljubljana 1,5 Stunden
Parken
Im Zentrum schwierig. Parkhäuser am Korzo und am Hafen sind am besten.
Beste Reisezeit
Rijeka ist ganzjährig interessant:
- Frühling/Herbst: Ideal für Besichtigungen
- Sommer: Für Strände und Festivals
- Februar: Karneval! Einer der größten Europas.
Der Karneval
Rijekas Karneval ist legendär. Drei Wochen im Februar verwandelt sich die Stadt in einen einzigen Umzug. Masken, Kostüme, Musik – die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Wenn du im Februar in Kroatien bist, ist Rijeka Pflicht.
Für wen ist Rijeka?
Rijeka ist perfekt für Menschen, die authentisches Stadtleben suchen. Keine Museumstadt, kein Disneyland – eine echte Stadt mit echten Bewohnern. Für einen Strandurlaub ist es nicht der richtige Ort, aber als Basis für den Kvarner, als Wochenend-Citytrip oder als Kontrast zu den Touristenorten der Küste ist Rijeka unschlagbar.