Opatija: Die österreichische Riviera an Kroatiens Küste 2026
- Redaktionsteam
- Regionen , Reisetipps
- 06 Oct, 2025
Inhalt
Opatija ist das Kroatien, das deutsche und österreichische Touristen vor 150 Jahren erfanden. Als Kaiser Franz Joseph hierher kam, war der kleine Fischerort plötzlich Europas heißeste Adresse. Erzherzöge, Industrielle und Künstler ließen Villen bauen, Hotels entstanden, Palmen wurden gepflanzt. Das k.u.k.-Bürgertum promenierte entlang der Küste – und tut es bis heute.
Während Dubrovnik und Split von Kreuzfahrtschiffen überrollt werden, hat Opatija seinen aristokratischen Charme bewahrt. Hier dominieren Seniorenpensionen und Wellnessurlauber, nicht Partypeople und Instagram-Touristen. Das macht Opatija zu einem der entspanntesten Orte der kroatischen Küste – wenn du weißt, was dich erwartet.

Die Geschichte – Wie Opatija zum Kurort wurde
Alles begann 1844, als der Rijekaner Kaufmann Iginio Scarpa die Villa Angiolina baute – benannt nach seiner Frau. Die subtropischen Gärten, die Scarpa anlegen ließ, existieren noch heute und bilden das grüne Herz Opatijas.
1873 eröffnete das erste Hotel, 1885 kam die Eisenbahn, und die Habsburger Aristokratie folgte. Opatija wurde zum “Nizza des Ostens” – ein Winterkurort für alle, denen die Côte d’Azur zu weit war. Kaiser Franz Joseph, die Kaiserin Sisi, Gustav Mahler, Anton Čechov: Sie alle flanierten über die Promenade.
Der Erste Weltkrieg beendete die Belle Époque, aber die Architektur blieb. Heute stehen in Opatija mehr denkmalgeschützte Villen pro Quadratmeter als irgendwo sonst in Kroatien.
Die Lungomare – Die schönste Promenade Kroatiens
Die Lungomare ist Opatijas Herzstück: ein 12 Kilometer langer Küstenpfad, der sich von Volosko im Norden bis Lovran im Süden schlängelt. Erbaut um 1900, verbindet er Villen, Parks, Strände und Cafés.

Der Spaziergang ist zu jeder Tageszeit ein Erlebnis. Morgens joggen Einheimische, mittags sitzen Paare in Cafés mit Meerblick, abends färbt sich alles golden. Die Architektur wechselt von Sezession über Neoklassik bis hin zu sozialistischen Hotelklötzen (ja, auch die gibt es).
Highlights entlang der Lungomare:
- Maiden with the Seagull – Die Statue ist Opatijas Wahrzeichen, direkt am Wasser
- Angiolina Park – Botanischer Garten mit 150 Pflanzenarten
- Volosko – Malerisches Fischerdorf am Nordende, beste Restaurants
- Lovran – Mittelalterlicher Kern, Villen aus der Kaiserzeit
Volosko – Dalmatien trifft Feinschmecker
Das ehemalige Fischerdorf Volosko, nur 15 Gehminuten nördlich von Opatijas Zentrum, hat sich zur kulinarischen Hochburg entwickelt. In den engen Gassen zwischen pastellfarbenen Häusern verstecken sich einige der besten Restaurants Kroatiens.
Das Zusammenspiel von ursprünglichem Charme und gehobener Küche zieht Foodies aus ganz Europa an. Hier essen Einheimische und Gourmets nebeneinander, während Fischer ihre Boote vertäuen.
Restaurants in Volosko:
Plavi Podrum – Eines der besten Fischrestaurants Kroatiens. Der Degustationsmenü ist legendär, die Weinkarte enzyklopädisch. Teuer, aber jeden Euro wert. Reservierung Wochen im Voraus.
Konoba Tramerka – Rustikaler, günstiger, aber ebenfalls exzellent. Hier bestellt man, was der Fischer gebracht hat.
Le Mandrac – Spektakuläre Lage am Hafen, moderne mediterrane Küche.
Wellness & Kur – Die Tradition lebt
Opatija ist seit 150 Jahren Kurort – und hat diese Tradition nie aufgegeben. Das Zusammenspiel von mildem Klima (Durchschnittstemperatur im Winter: 7°C), salziger Meeresluft und der Nähe zu Thermalquellen macht den Ort ideal für Gesundheitstourismus.

Thalassotherapie
Das Thalassotherapia Opatija ist ein medizinisches Zentrum für Meerestherapie – Behandlungen mit Meerwasser, Algen und Meeresklima. Nicht nur Wellness, sondern echte Kur, mit Ärzten und Therapieplänen.
Hotel-Spas
Die meisten gehobenen Hotels haben eigene Wellness-Bereiche. Empfehlenswert:
- Hotel Bevanda – Boutique-Hotel mit exzellentem Spa und Michelin-Restaurant
- Remisens Premium Hotel Ambasador – Großes Haus mit umfangreichem Spa-Angebot
- Hotel Milenij – Klassisches Grand Hotel, renovierter Wellness-Bereich
Thermalbäder in der Nähe
Das Istarske Toplice (30 km südlich) bietet Schwefelquellen und traditionelle Kurbehandlungen – ein Kontrastprogramm zum glamourösen Opatija.
Die Strände – Ehrlich sein
Opatija hat keine Traumstrände. Die Küste ist felsig, die Bademöglichkeiten sind Betonplattformen, Kiesbuchten oder hoteleigene Strandbäder mit Liegen und Schirmen. Wer zum Baden kommt, ist hier falsch.
Was es gibt:
- Slatina – Der Hauptstrand im Zentrum. Beton und Kies, aber gut organisiert.
- Ičići – Südlich von Opatija, längerer Kiesstrand, familienfreundlicher.
- Preluk – Am Stadtrand Richtung Rijeka, ruhiger, abseits vom Trubel.
Für echte Strände: Die Inseln Cres und Krk sind mit der Fähre erreichbar und bieten, was Opatija nicht hat.
Ausflüge ab Opatija
Opatija liegt perfekt für Tagesausflüge in alle Richtungen: Istrien im Westen, Insel Krk im Osten, Nationalpark Risnjak im Hinterland.
Rijeka (15 km)
Kroatiens drittgrößte Stadt liegt um die Ecke. Das Kastell Trsat über der Stadt bietet Panoramablick, die Korzo-Promenade lädt zum Bummeln ein, und die Café-Szene ist lebhafter als in Opatija.
Učka Naturpark
Der Berg Učka (1401 m) erhebt sich direkt hinter Opatija und bietet spektakuläre Aussichten auf die Kvarner-Bucht und bei klarem Wetter bis nach Venedig. Die Serpentinenstraße zum Gipfel ist ein Erlebnis, der Blick von oben atemberaubend.
Wanderungen: Mehrere Wege führen von Opatija aus auf den Berg (3-5 Stunden). Im Herbst ist der Wald golden.
Insel Cres
Die wilde, dünn besiedelte Insel Cres ist mit der Fähre von Brestova (30 km südlich) erreichbar. Hier leben Gänsegeier, die Dörfer sind mittelalterlich, die Strände einsam. Perfekter Kontrast zum aristokratischen Opatija.
Radtouren ins Hinterland
Das Hinterland von Opatija – Gorski Kotar genannt – ist eine der waldreichsten Regionen Europas. Für Radfahrer bietet die Von der Küste zu den Bären Tour ein einzigartiges Erlebnis: 41 km von der Küste ins Bergland, bis zum Bärenschutzzentrum in Kuterevo, wo gerettete Braunbären leben. Die Route verbindet mediterranes Klima mit alpiner Bergwelt – auf wenigen Kilometern.
Kulinarik
Die Küche Opatijas ist eine Mischung aus österreichisch-ungarischen Traditionen und mediterraner Frische. Hier isst man sowohl Wiener Schnitzel als auch gegrillten Fisch – und beides kann exzellent sein.
Spezialitäten
- Kvarner Scampi – Die berühmten Langusten aus der Kvarner-Bucht, zart und süß
- Šurlice s tartufima – Handgemachte Pasta mit Trüffeln (aus Istrien)
- Maronitorte – Die Region um Lovran ist berühmt für Esskastanien
- Strudel – Habsburger Erbe, in den Konditoreien allgegenwärtig
Restaurant-Empfehlungen
Plavi Podrum (Volosko) – Siehe oben. Das Beste, was die Region zu bieten hat.
Bevanda (Opatija) – Michelin-empfohlen, direkt am Wasser. Moderne Interpretation lokaler Klassiker.
Konoba Lungo Mare (Lovran) – Traditionelle Küche, faire Preise, Terrasse mit Meerblick.
Ruzmarin (Opatija) – Solide kroatische Küche, zentrale Lage, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Marunada – Das Kastanienfestival
Jeden Oktober feiert Lovran die Marunada – ein Festival rund um die Esskastanie. Kastaniengerichte, Kastanienlikör, Kastanientorten. Die Altstadt füllt sich mit Ständen und Besuchern. Wer im Herbst kommt, sollte dieses Datum im Kalender haben.
Praktische Infos
Anreise
Mit dem Auto:
- Von Zagreb: 180 km (ca. 2 Stunden über A6)
- Von Wien: 530 km (ca. 5 Stunden)
- Von München: 480 km (ca. 4,5 Stunden)
Flughafen: Rijeka/Krk (30 km), alternativ Zagreb (190 km) oder Ljubljana (110 km).
Zug: Verbindungen von Zagreb nach Rijeka, dann Bus nach Opatija (15 Minuten).
Beste Reisezeit
Opatija ist ein Ganzjahresziel – anders als die dalmatinische Küste.
- Frühling (April-Juni): Perfekt. Mild, blühend, wenige Touristen.
- Sommer (Juli-August): Warm, aber nicht so heiß wie Dalmatien. Voller.
- Herbst (September-November): Ideal. Marunada in Lovran, goldene Wälder auf dem Učka.
- Winter (Dezember-März): Mild (5-10°C), ruhig, perfekt für Wellness und Spaziergänge.
Unterkunft
Opatija hat Hotels für jeden Geschmack und Geldbeutel – von Grand Hotels der Kaiserzeit bis zu modernen Boutique-Hotels.
Luxus:
- Hotel Bevanda – Boutique-Hotel am Wasser, bestes Restaurant
- Remisens Premium Hotel Kvarner – Historisches Grand Hotel, renoviert
Mittelklasse:
- Hotel Milenij – Klassisch, zentral, guter Standard
- Hotel Mozart – Gemütlich, persönlich, faire Preise
Budget:
- Pensionen und Apartments – Viele über Booking.com, ab 50-60 €/Nacht
Fortbewegung
Das Zentrum ist fußläufig. Die Lungomare verbindet alle wichtigen Punkte. Für Ausflüge (Učka, Istrien, Inseln) ist ein Mietwagen empfehlenswert.
Opatija vs. andere Orte
Opatija vs. Rovinj: Rovinj hat die schönere Altstadt und ist “kroatischer”. Opatija hat mehr Eleganz und Geschichte, wirkt aber weniger authentisch.
Opatija vs. Dubrovnik: Komplett verschieden. Dubrovnik ist Mittelalter und Massen, Opatija ist Belle Époque und Ruhe.
Opatija vs. Crikvenica: Crikvenica ist günstiger und familienorientierter, aber weniger elegant. Für Strandurlaub mit Kindern: Crikvenica. Für Wellness und Kulinarik: Opatija.
Meine Einschätzung
Opatija ist das Kroatien für alle, die Strände nicht brauchen. Die Promenade ist spektakulär, die Hotels elegant, die Restaurants erstklassig, die Atmosphäre entspannt. Es ist kein Ort für Abenteuer oder Party – es ist ein Ort für Spaziergänge, gutes Essen und die Illusion, dass die Belle Époque nie geendet hat.
Drei bis vier Tage sind ideal: ein Tag für die Lungomare und Volosko, ein Tag für den Učka, ein Tag für Ausflüge (Rijeka, Cres, Istrien), Rest für Wellness und Kulinarik. Wer nach Dubrovnik-Alternativen sucht und auf Strände verzichten kann, findet hier ein Kroatien, das es so nirgendwo anders gibt.
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