Lika: Wildnis zwischen Bergen und Seen – Mehr als Plitvice 2026
- Redaktionsteam
- Regionen , Kontinentales Kroatien , Nationalparks
- 29 Oct, 2025
Inhalt
Irgendwann auf der Fahrt nach Plitvice verändert sich die Landschaft. Die Küste mit ihren Olivenhainen liegt hinter dir. Die Straße steigt an. Plötzlich: weitläufige Hochebenen, dünn besiedelt, fast menschenleer. Die Temperaturen fallen um zehn Grad. Du bist in Lika angekommen – Kroatiens wildem Herzen.
Die meisten Besucher sehen nur die Plitvicer Seen und fahren weiter. Ein Fehler. Die Region zwischen Velebit-Gebirge und bosnischer Grenze gehört zu den ursprünglichsten Europas: unterirdische Flüsse, Wälder in denen Bären leben, Karstfelder die aussehen wie eine andere Welt. Nikola Tesla wurde hier geboren. Die Gacka entspringt hier – ein Fluss, der unter Fliegenfischern legendär ist. Und überall: Stille, die man an der überfüllten Küste längst vergessen hat.

Was du wirklich über Lika wissen musst
Die Zahlen erzählen die Geschichte: 50.000 Menschen leben auf einer Fläche größer als das Saarland. Im Winter minus 20 Grad, im Sommer angenehm kühl während die Küste bei 35 Grad brütet. Wenige Hotels, noch weniger Touristen (außer in Plitvice). Wer hierher kommt, sucht nicht Komfort – sondern Natur in einer Intensität, die anderswo längst verschwunden ist.
Die Seen, aber richtig
Die Plitvicer Seen verdienen ihren Ruf – 16 Seen, verbunden durch Wasserfälle, in allen Blau- und Grüntönen. Das Problem: Millionen Besucher denken das auch. Im Sommer ist der Park überlaufen, die Holzstege verstopft, das Erlebnis eingeschränkt.
Wie du Plitvice tatsächlich genießen kannst: Ab 7 Uhr morgens am Eingang 1 sein, wenn die Busse noch fehlen. Oder ab 16 Uhr, wenn sie wieder abfahren. Mai, Juni, September, Oktober sind die besten Monate – weniger Leute, spektakuläre Farben. Die oberen Seen besucht kaum jemand, weil das Gros der Besucher bei den unteren Seen (Veliki Slap) bleibt. Das 2-Tages-Ticket lohnt sich, um beide Bereiche entspannt zu erkunden.

Das Umland um Plitvice ist selbst eine Attraktion. Die 39 km Tour von den Seen zu den Wassermühlen führt durch Dörfer, die die Zeit vergessen hat – ein komplett anderes Erlebnis als die überfüllten Stege im Nationalpark.
Die Gacka: Ein Fluss wie kein anderer
Die Gacka ist ein Phänomen: Der Fluss entspringt aus mehreren Quellen bei Sinac, fließt smaragdgrün durch das Tal, und verschwindet nach 60 km wieder im Karstuntergrund. Dazwischen liegt eine der schönsten Flusslandschaften Europas – das Wasser so klar, dass du jeden Stein auf dem Grund siehst.

Angler wissen das längst: Fliegenfischen auf der Gacka ist legendär, die Forellen hier gehören zu den begehrtesten Trophäen Kroatiens. Wer nicht angelt, kann die ruhigen Abschnitte mit dem Kanu erkunden oder die historischen Wassermühlen bei Majerovo Vrilo besichtigen – malerisch, menschenleer, ein anderes Jahrhundert.
Per Rad lässt sich das gesamte Tal erkunden: Die 78 km Tour zu den Quellen der Gacka verbindet alle Highlights. Wer es kürzer mag, nimmt die Route vom Gacka-Tal zur Adria – 45 km von Otočac nach Senj, mit 1000 Höhenmetern bergab und einem spektakulären Finale am Meer.
Das Velebit-Gebirge: Drei Parks, eine Wildnis
Der Velebit erstreckt sich über 145 km entlang der Küste – das größte Gebirge Kroatiens. Die Westseite fällt steil ins Meer, die Ostseite (Lika) zeigt ein freundlicheres Gesicht: Wälder, Almen, bizarre Karstformationen.

Im Norden liegt der Nationalpark Nördlicher Velebit – rauer, wilder, mit den Hajdučki und Rožanski kukovi, Felsformationen die zu den beeindruckendsten Europas zählen. Im Süden der Nationalpark Paklenica, bekannt für über 400 Kletterrouten und eine beeindruckende Schlucht. Dazwischen der Naturpark Velebit mit dem berühmten Premužić-Weg – 57 km Höhenweg, mehrtägig, einer der spektakulärsten Wanderwege Europas. Wer kürzer unterwegs sein will: Der Zavižan Rundweg ab der Berghütte dauert 3-4 Stunden und bietet Panoramablick über die gesamte Region.
Die 83 km Route vom Velebit zu den Quellen verbindet Berglandschaft mit den Karstquellen des Hinterlandes – für alle, die anspruchsvolle Radtouren suchen.
Tesla, Wassermühlen und verlassene Städtchen
Die Geschichte Likas versteckt sich in kleinen Orten. In Smiljan, einem winzigen Dorf bei Gospić, wurde 1856 Nikola Tesla geboren – einer der bedeutendsten Erfinder der Geschichte. Sein Vater war orthodoxer Priester, die Familie lebte bescheiden. Das rekonstruierte Geburtshaus, die Kirche und ein modernes Museum mit interaktiven Ausstellungen (ca. 7 €, täglich außer Montag) zeigen Teslas Werk und Leben.

Wer die Landschaft erkunden will, in der Tesla aufwuchs, nimmt die Im Land Teslas Tour – 85 km durch karge Karstlandschaften, die sich seit Teslas Kindheit kaum verändert haben.
Am Rand von Lika liegt Rastoke, wo der Slunjčica-Fluss in die Korana mündet. Das Dorf ist berühmt für Wassermühlen und Wasserfälle, die sich zwischen den Häusern hindurchschlängeln – ein bewohntes Mini-Plitvice. Im Sommer kannst du in den natürlichen Pools baden, die Konobas servieren Forelle aus lokalem Fang.
Gospić mit seinen 12.000 Einwohnern ist die größte Stadt der Region – und entsprechend bescheiden. Das Lika-Museum zeigt die Geschichte der Region, die Altstadt hat Charme, und die Umgebung ist perfekt als Ausgangspunkt für alles andere.
Für Abenteurer: Was in Lika möglich ist
Lika ist ein Wanderparadies – aber kein erschlossenes. Markierte Wege gibt es hauptsächlich in den Nationalparks, im Hinterland bist du oft auf dich gestellt. Plitvice bietet Routen von 2-6 Stunden, der Premužić-Weg ist mehrtägig und unvergesslich, im Gacka-Tal geht es flach und entspannt.
Für Kletterer ist Paklenica das Ziel: über 400 Routen in zwei Schluchten, von Anfänger bis extrem. Die Cerovačke Špilje bei Gračac sind die größten zugänglichen Höhlen Kroatiens – perfekt für alle, die Karstland von unten sehen wollen.
Und dann ist da die Tierwelt: Lika hat die höchste Bären-Dichte Kroatiens (geschätzt 1000 Tiere). Auch Wölfe, Luchse und Adler leben hier. Organisierte Touren bieten die Chance auf Sichtungen – Wildnis, die in Mitteleuropa längst verschwunden ist.
Deftige Küche nach langen Wintern
Vergiss mediterrane Leichtigkeit. In Lika isst man, was die langen Winter verlangen: Lička Janjetina (Lamm am Spieß über Holzkohle), Lički Krumpir (Kartoffelauflauf mit Sahne und Speck), Škripavac (lokaler Frischkäse, der beim Kauen quietscht), Forelle aus der Gacka, und dazu Medovina, traditionellen Honigwein.
Wo essen? Lička Kuća bei Plitvice ist touristisch, aber authentisch. Degenija ebenfalls bei Plitvice, familiengeführt, gutes Lamm. Konoba Jasikovac in Gospić bietet lokale Küche zu fairen Preisen. Die Gacka in Otočac hat die beste Forelle.
Bevor du losfährst
Von Zagreb sind es 130 km nach Plitvice (1,5 Stunden), von Zadar ebenfalls etwa 120 km. Die Autobahn A1 (Zagreb-Split) durchquert Lika mit Ausfahrten bei Otočac, Gospić und Gračac.
Unterkünfte sind begrenzt – das hat auch seinen Reiz. In der Plitvice-Umgebung gibt es Hotels und Pensionen (Rastoke und Selište Drežničko sind gute Adressen). In Gospić und Otočac kleine Hotels und Privatunterkünfte. Im Velebit Berghütten für Wanderer (einfach, vorher anmelden). Agrotourismus wächst – Bauernhöfe bieten zunehmend Zimmer an. Preise: 50-70 € für Doppelzimmer, deutlich günstiger als die Küste.
Die beste Zeit? Mai und Juni für starke Wasserfälle und erwachende Natur. September und Oktober für goldene Farben und weniger Besucher. Im Sommer ist Plitvice überfüllt, aber Velebit und Gacka sind dann perfekt. Und Winter? Kalt, Schnee möglich – aber Plitvice im Schnee ist magisch.
Ein wichtiger Hinweis: Entlang der ehemaligen Frontlinie des Kroatienkriegs gibt es noch immer nicht geräumte Landminen. Bleib auf markierten Wegen und betritt keine Gebiete mit Warnschildern. Die Haupttouristenrouten und Nationalparks sind absolut sicher.
Das wilde Kroatien
Lika ist nichts für Komfortsuchende – Infrastruktur ist begrenzt, Entfernungen groß, Winter hart. Aber wer nur Plitvice sieht, verpasst das Wesentliche: die Stille der Hochebenen, das Türkis der Gacka, die Dramatik des Velebit, die Geschichte in Smiljan und Rastoke.
Für Naturliebhaber, Wanderer und alle, die Kroatien jenseits der Küste erleben wollen, ist Lika unverzichtbar. Ursprünglich, dünn besiedelt, naturbelassen – das wilde Herz eines Landes, das die meisten nur von der Küste kennen.
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