Radtouren am Velebit: Über die Meisterstraße ans Meer (2026)
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Radfahren , Dalmatien
- 12 Oct, 2025
Inhalt
Der Velebit ist Kroatiens größtes und wildstes Gebirge – 145 Kilometer lang, bis zu 1.757 Meter hoch, und zwischen Gipfel und Meer liegen manchmal nur 10 Kilometer Luftlinie. Für Radfahrer bedeutet das: spektakuläre Abfahrten, dramatische Landschaften und Routen, die man nicht vergisst.

Warum Velebit?
Der Velebit ist anders als alles andere in Kroatien. Hier gibt es keine Touristen, keine Yachthäfen, keine Cocktailbars am Strand. Hier gibt es Wölfe, Bären und Luchse. Hier wächst der Wind zum Sturm, und hier haben die Menschen Straßen in den Fels gesprengt, die heute noch befahren werden.
Das Gebirge trennt das kontinentale Kroatien von der Küste. Auf der Landseite: grüne Täler, dichte Wälder, das Gacka-Tal mit seinen kristallklaren Quellen. Auf der Meerseite: karge Karstlandschaft, steile Hänge, und unten das tiefblaue Meer.
Was dich erwartet:
- Die Majstorska cesta: Erste moderne Straße über den Velebit, gebaut 1832
- Die Zrmanja-Schlucht: Einer der schönsten Canyons Europas
- Das Gacka-Tal: Kristallklares Wasser, traditionelle Wassermühlen
- Absolute Wildnis: Mehr Bären als Boutique-Hotels
Die beste Jahreszeit
Mai bis Juni: Ideal. Die Bergwiesen blühen, die Temperaturen sind erträglich (15-25°C in den Bergen), und die Schneeschmelze füllt die Flüsse.
September: Perfekt. Stabile Wetterlage, weniger Hitze, goldenes Licht. Die beste Zeit für Fotografie.
Juli und August: An der Küste heiß, in den Bergen erträglich. Perfekt für Touren, die vom Meer in die Höhe führen.
Achtung Bora: Der Fallwind aus dem Velebit ist berüchtigt. An der Küste kann er 200 km/h erreichen und das Radfahren unmöglich machen. Wetterbericht checken!
Die Meisterstraße: Von Sveti Rok nach Posedarje
Diese Tour ist legendär: Du fährst über die Majstorska cesta, die erste moderne Straße über den Velebit, erbaut im 19. Jahrhundert unter Kaiser Franz Joseph. Eine Straße, die in den Fels gesprengt wurde, mit Serpentinen, Tunneln und Aussichtspunkten, die dir den Atem rauben.
Der Start ist in Sveti Rok, einem Bergdorf auf der Landseite des Velebit. Von hier geht es bergauf durch Karstlandschaft und Bergwiesen, vorbei an Trockenmauern und verlassenen Schäferhütten. Am höchsten Punkt – dem Mali Alan Pass auf 1.044 m – eröffnet sich der Blick: Vor dir liegt die Adria, die Inseln Pag und Rab, und dahinter die offene See.
Dann beginnt die Abfahrt: 20 Kilometer bergab, durch Serpentinen und Kehren, mit dem Meer als ständigem Ziel. Die Straße ist eng und kurvenreich, aber der Verkehr ist minimal. Unten angekommen bist du in Posedarje an der Küste – und die Bergwelt des Velebit liegt hinter dir wie ein Traum.
Die Fakten:
- Distanz: ca. 52 km
- Höhenmeter: 730 m rauf, 1.280 m runter (Nettoabfahrt!)
- Dauer: 5 Stunden
- Untergrund: Asphalt
- Schwierigkeit: Anspruchsvoll
Die Tour ist technisch nicht schwer, aber lang und mit ordentlich Höhenmetern im Aufstieg. Die Abfahrt verlangt Konzentration – viele Kurven, teilweise schlechter Belag. Ein Helm ist Pflicht. Der Track mit detaillierten Hinweisen zu Aussichtspunkten und Wasserquellen hilft bei der Planung.

Die wilden Horizonte: Vom Velebit ins Hinterland
Eine Variante für alle, die noch tiefer ins Hinterland wollen: Diese Route startet ebenfalls in Sveti Rok, führt aber nach Süden ins dalmatinische Karstgebiet statt ans Meer.
Die Fahrt beginnt in der grünen Lika – Wiesen, Wälder, das Summen von Bienen. Mit jedem Kilometer nach Süden wird die Landschaft karger. Das Grün weicht dem Grau des Karsts, die Vegetation wird spärlich, die Horizonte weiten sich. Am Ende erreichst du Župani bei Kruševo – mitten in der Steinlandschaft, die typisch für Norddalmatien ist.
Der Kontrast ist dramatisch: Von den saftigen Almen des Velebit zu den kargen Karstfeldern Dalmatiens in wenigen Stunden. Eine Tour, die zeigt, wie schnell sich die Landschaft in Kroatien ändern kann.
Die Fakten:
- Distanz: ca. 45 km
- Höhenmeter: 760 m rauf, 1.140 m runter
- Dauer: 4 Stunden
- Untergrund: Asphalt und befestigte Wege
- Schwierigkeit: Anspruchsvoll
Die Infrastruktur ist minimal – nimm genug Wasser und Verpflegung mit. Handyempfang ist lückenhaft. Die Route zum Offline-Navigieren ist hier besonders wichtig.

Vom Gacka-Tal ans Meer
Das Gacka-Tal ist das grüne Herz der Lika: Ein Fluss, der so klar ist, dass du die Forellen auf dem Grund siehst. Traditionelle Wassermühlen. Dörfer, die aussehen wie vor hundert Jahren. Von hier führt eine der schönsten Routen Kroatiens über den Velebit ans Meer.
Der Start ist in Otočac, der Hauptstadt der Lika. Die Route folgt dem Fluss Gacka durch sein Tal, vorbei an Mühlen und Bauernhöfen. Dann beginnt der Aufstieg: Durch Eichen- und Buchenwälder hinauf auf die Passhöhe, mit Blicken zurück ins Tal und voraus auf die Berge.
Der Höhepunkt kommt am Übergang: Plötzlich öffnet sich der Blick aufs Meer, auf die Inseln, auf eine völlig andere Welt. Die Abfahrt nach Senj ist steil und spektakulär – 1.000 Höhenmeter bergab in weniger als 20 Kilometern.
Die Fakten:
- Distanz: ca. 45 km
- Höhenmeter: 580 m rauf, 1.040 m runter
- Dauer: 3 Stunden
- Untergrund: Asphalt
- Schwierigkeit: Mittel
Weniger anspruchsvoll als die Meisterstraße, aber genauso spektakulär. Perfekt für alle, die den Velebit erleben wollen, ohne sich zu verausgaben. Den GPX-Track mit allen Sehenswürdigkeiten unterwegs gibt’s zum Download.
Nützliche Infos
Anreise
Nach Sveti Rok: Mit dem Auto über die A1 (Zagreb-Split), Ausfahrt Sveti Rok. Parkplätze im Ort.
Nach Otočac: Ebenfalls über die A1, Ausfahrt Otočac. Die Stadt hat gute Infrastruktur.
Rückfahrt: Von Senj oder Posedarje gibt es Busse zurück ins Hinterland (selten, vorher checken!). Alternativ: Zweites Auto am Zielort oder Taxi organisieren.
Ausrüstung
Der Velebit ist kein Ort für Improvisation:
- Wasser: Mindestens 2 Liter, im Sommer 3+. Quellen sind selten.
- Verpflegung: Die nächste Konoba kann 50 km entfernt sein.
- Wetterschutz: Das Wetter schlägt schnell um. Windjacke immer dabei.
- Ersatzschlauch: Werkstätten gibt es hier nicht.
- Offline-Karten: Handyempfang ist unzuverlässig.
Unterkünfte
In Sveti Rok: Einfache Pensionen und Privatzimmer.
In Otočac: Kleine Hotels und Agrartourismus-Betriebe. Das Gacka-Tal ist bekannt für gutes Essen.
In Senj: Hotels am Hafen. Die Stadt ist rau, aber authentisch.
Essen
Die Küche der Lika ist deftig:
- Forelle aus der Gacka – frischer geht nicht
- Lički Krumpir – Kartoffeleintopf mit Lamm
- Wild – Reh, Wildschwein, Hase
- Štrukli – gefüllte Teigröllchen
In Senj: Fisch und Meeresfrüchte. Der Kontrast zur Bergküche ist erstaunlich.
Sicherheit
Der Velebit ist wild. Das bedeutet:
Wetter: Kann schnell umschlagen. Gewitter im Sommer sind heftig. Bora-Warnungen ernst nehmen.
Tiere: Bären und Wölfe leben hier, Angriffe auf Menschen sind aber extrem selten. Mach Lärm, und sie meiden dich.
Infrastruktur: Es gibt keine. Keine Cafés, keine Tankstellen, keine Handymasten. Sei vorbereitet.
Verkehr: Minimal, aber die Straßen sind eng. Manche Autofahrer rechnen nicht mit Radfahrern.
Am Ende
Der Velebit ist Kroatien für Fortgeschrittene. Keine gemütlichen Küstentouren, sondern echte Abenteuer in einer Landschaft, die wilder ist als alles andere im Land. Die Belohnung: Panoramen, die du nie vergisst, Abfahrten, die dich grinsen lassen, und das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben.
Wer bereit ist, die Komfortzone zu verlassen, findet hier das ursprünglichste Kroatien.
Mehr zur Region: Zadar Radtouren | Plitvice Radtouren