Bikepacking in Kroatien: Mehrtagestouren mit Zelt, Taschen und Abenteuer (2026)
- Redaktionsteam
- Aktivitäten
- 31 Dec, 2025
Inhalt
Bikepacking in Kroatien ist anders als in den Alpen. Weniger Pässe, mehr Hitze. Weniger Campingplätze, mehr Wildcamping-Möglichkeiten. Weniger andere Bikepacker, mehr Einsamkeit. Wer das sucht, findet hier ein Terrain, das in Europa seinesgleichen sucht.

Warum Kroatien fürs Bikepacking?
Die Argumente sind stark:
Klima: Von April bis Oktober zuverlässig trocken. Nachts selten unter 15°C – leichtes Gepäck reicht.
Topographie: Die Küste ist hügelig, aber keine Hochgebirgspässe. Das Hinterland bietet Herausforderung ohne Extremismus.
Wildcampen: Offiziell verboten, praktisch toleriert – solange du diskret bist und keine Spuren hinterlässt.
Infrastruktur: Alle 20-30 km ein Dorf mit Laden und Konoba. Trinkwasser an Dorfbrunnen fast überall.
Landschaft: Die Kombination aus Küste, Karst und Bergen auf engstem Raum. An einem Tag vom Meer in die Berge und zurück.
Die große Küstenroute: Von Istrien nach Dubrovnik
Die klassische Route. Rund 700 km entlang der Adriaküste, von der slowenischen Grenze bis zur montenegrinischen. Je nach Fitness und Sightseeing-Bedarf: 7-14 Tage.

Etappe 1: Umag – Pula (3 Tage, 160 km)
Tag 1: Umag – Poreč (45 km) Start an der slowenischen Grenze. Die Westküste Istriens ist flach und touristisch, aber die Parenzana-Trasse (alte Bahnlinie) bietet Abwechslung vom Küstenasphalt. Übernachtung: Campingplatz oder Strand nördlich von Poreč.
Tag 2: Poreč – Rovinj – Bale (50 km) Der schönste Abschnitt Istriens. Rovinj zum Frühstück, dann ins Hinterland nach Bale. Das Dorf hat eine Bar, einen Laden und die perfekte Bikepacking-Atmosphäre: verschlafen, günstig, authentisch.
Tag 3: Bale – Pula (35 km) Kürzere Etappe, Zeit für Pula. Amphitheater, Hafen, Strand Ambrela. Übernachtung: Kap Kamenjak (Naturschutzgebiet, offiziell kein Camping, aber viele machen es trotzdem – früh kommen, diskret sein, früh gehen).
Etappe 2: Pula – Rijeka (2 Tage, 100 km)
Tag 4: Pula – Rabac – Labin (55 km) Die Ostküste Istriens ist weniger touristisch, aber nicht weniger schön. Rabac zum Baden, dann der Anstieg nach Labin (300 hm). Das Künstlerdorf hat Charakter. Übernachtung: Campingplatz oder Pension.
Tag 5: Labin – Rijeka (45 km) Hügeliges Finale durch das istrische Hinterland, dann Abstieg nach Rijeka. Die Stadt ist rau, aber hat alles, was man braucht: Bike-Shops, Läden, Fähren auf die Inseln.
Etappe 3: Rijeka – Senj (2 Tage, 90 km)
Hier wird es ernst. Die Magistrala (Küstenstraße) ist schmal, der Verkehr dichter. Aber: Das Velebit-Gebirge taucht am Horizont auf – der wildeste Abschnitt kommt.
Tag 6: Rijeka – Novi Vinodolski (45 km) Touristisch, aber notwendig. Die Riviera von Crikvenica ist klassischer Adriaurlaub. Übernachtung: Campingplatz (zahlreiche Optionen).
Tag 7: Novi Vinodolski – Senj (45 km) Die Landschaft wird karger, die Dörfer seltener. Senj ist ein windgepeitschter Ort unter den Velebit-Klippen. Die Festung Nehaj überblickt alles. Übernachtung: Pension oder Wildcampen südlich der Stadt.
Etappe 4: Senj – Zadar (3 Tage, 180 km)
Der einsamste Abschnitt. Die Küste unter dem Velebit ist dünn besiedelt.

Tag 8: Senj – Jablanac (50 km) Kleine Dörfer, große Ausblicke. Jablanac ist ein Fährhafen zur Insel Rab und sonst nicht viel. Genau richtig. Übernachtung: Strand, verlassene Buchten.
Tag 9: Jablanac – Starigrad-Paklenica (60 km) Der Nationalpark Paklenica taucht auf. Kletterer, Wanderer, beeindruckende Schluchten. Der Campingplatz am Parkeingang ist einer der besten in Kroatien.
Tag 10: Starigrad – Zadar (70 km) Flacher werdend, touristischer. Zadar ist der erste größere Ort seit Rijeka. Zeit für Ruhetag, Bike-Check, Nachschub.
Etappe 5: Zadar – Split (4 Tage, 200 km)
Zurück in die Zivilisation. Die Küste wird belebter, aber auch interessanter.
Tag 11: Zadar – Biograd (30 km) Kurze Etappe zum Akklimatisieren. Biograd ist ein praktischer Ort: Supermärkte, Fahrradladen, Fährverbindung zu den Inseln.
Tag 12: Biograd – Šibenik (50 km) Schöne Küstenstraße, Šibenik mit seiner Kathedrale (UNESCO). Übernachtung: Campingplatz oder Altstadt-Pension.
Tag 13: Šibenik – Primošten – Trogir (60 km) Trogir ist ein Höhepunkt: mittelalterliche Inselstadt, UNESCO-Welterbe, lebhaft aber nicht überlaufen. Übernachtung: Campingplatz Seget.
Tag 14: Trogir – Split (25 km) Finale in der zweitgrößten Stadt Kroatiens. Diokletianspalast, Hafen, Fähren überallhin. Zeit für Ruhetag.
Etappe 6: Split – Dubrovnik (4-5 Tage, 220 km)
Der Abschluss. Die Küste wird dramatischer, die Anstiege länger.

Tag 15: Split – Omiš – Makarska (60 km) Spektakulär. Die Cetina-Mündung bei Omiš, dann die Makarska Riviera unter dem Biokovo-Gebirge. Übernachtung: Strand oder Campingplatz.
Tag 16: Makarska – Ploče (55 km) Fortsetzung entlang der Riviera, dann die Neretva-Ebene. Flacher Abschnitt zwischen den Bergen.
Tag 17: Ploče – Ston (45 km) Die Halbinsel Pelješac beginnt. Ston mit seinen Mauern und Austernfarmen ist ein Highlight. Übernachtung: Campingplatz oder Pension.
Tag 18/19: Ston – Dubrovnik (60 km) Über Pelješac, dann der neue Tunnel zur Küstenstraße (oder alte Route durch Bosnien – Grenzkontrollen!). Finale in Dubrovnik.
Alternative: Die Hinterlandroute
Wer die Touristenküste meiden will, fährt durchs Hinterland. Einsamer, bergiger, wilder.
Lika-Durchquerung (4 Tage)
Von Senj ins Landesinnere, durch die Region Lika, vorbei an den Plitvicer Seen, zurück zur Küste bei Zadar.
Die Route der wilden Horizonte (45 km) gibt einen Vorgeschmack auf das Terrain: Karstlandschaften, verlassene Dörfer, absolute Einsamkeit.
Herausforderung: Wenig Infrastruktur. Vorräte für 1-2 Tage mitnehmen. Wasser an Bergquellen (prüfen, ob trinkbar).
Velebit-Umrundung (5-7 Tage)
Die ultimative Bikepacking-Herausforderung in Kroatien. Rund ums Velebit-Gebirge, von der Küste ins Hinterland und zurück.
Tag 1-2: Senj – Otočac über den Vratnik-Pass Tag 3-4: Durch die Lika, vorbei an Tesla-Geburtshaus in Smiljan Tag 5-6: Gacka-Tal zur Küste (die Vom Gacka-Tal zur Adria Route ist ein Teilstück) Tag 7: Zurück nach Senj
Ausrüstung fürs Bikepacking in Kroatien
Die Bedingungen erlauben leichtes Gepäck.

Schlafsystem
Zelt: Leichtes 1-2-Personen-Zelt reicht. Kein Winterzelt nötig – die Temperaturen fallen selten unter 10°C. Einwandiges Zelt funktioniert im trockenen Klima.
Schlafsack: Komfortbereich 10-15°C reicht für Sommer. Im Frühling/Herbst etwas wärmer.
Isomatte: Leichte aufblasbare Matte. Boden ist oft steinig.
Taschen-Setup
Klassisches Bikepacking-Setup:
- Satteltasche: Schlafsystem
- Rahmentasche: Werkzeug, Kleinkram
- Lenkertasche: Zelt, Kleidung
- Oberrohrtasche: Snacks, Handy, Geld
Panniers (Gepäckträger-Taschen) funktionieren auch, sind aber schwerer und beeinträchtigen das Handling auf Schotter.
Wasser und Kocher
Wasser: 3-4 Liter Kapazität für Hinterlandetappen. 2 Liter reichen an der Küste.
Kocher: Gaskocher mit Schraubkartusche. Kartuschen in jedem größeren Supermarkt (Konzum, Plodine, Lidl).
Wasserfilter: Nicht zwingend nötig, aber praktisch für Bergquellen. Die meisten Dorfbrunnen haben Trinkwasser.
Fahrrad
Gravel-Bike ideal: Bereifung für Schotter, Geometrie für lange Distanzen. Hardtail-MTB funktioniert, ist aber auf Asphalt träge. Trekkingrad geht, aber Schotterpassagen werden mühsam.
Reifen: 38-45 mm Breite. Schlauchlos (Tubeless) empfohlen – weniger Pannen auf den scharfen Karststeinen.
Wildcampen: Die Regeln
Offiziell verboten. In der Praxis: weit verbreitet und geduldet, wenn du dich an ungeschriebene Regeln hältst.
Do:
- Spät kommen, früh gehen
- Kein Feuer
- Kein Müll
- Abseits von Häusern und Straßen
- Auf öffentlichem Grund (nicht auf privatem)
- Zelt erst bei Dämmerung aufbauen
Don’t:
- Direkt neben Stränden (Polizeikontrollen)
- In Nationalparks (Ranger)
- Auf privaten Grundstücken
- Mehrere Nächte am selben Ort
- Große Gruppen
Die besten Wildcampspots: Verlassene Buchten, Karstfelder im Hinterland, Waldränder. Die Küste ist schwieriger als das Hinterland.
Verpflegung unterwegs

Unterwegs Essen
Die Konobas (traditionelle Tavernen) sind perfekt für Bikepacker. Große Portionen, faire Preise, oft mit Terrasse oder Garten. Ein richtiges Mittagessen gibt Energie für den Nachmittag.
Supermärkte: Konzum (überall), Plodine, Studenac (kleine Läden auch in Dörfern), Lidl (in Städten, günstig).
Selbst Kochen
Wenn du selbst kochst:
- Pasta + Thunfisch = Bikepacker-Klassiker
- Lokaler Käse und Schinken halten sich gut
- Brot aus der Bäckerei (Pekara) ist frisch und günstig
- Obst auf Märkten kaufen
Wasser: Die meisten Dorfbrunnen (česma) haben Trinkwasser. Im Zweifelsfall: Locals fragen.
Beste Jahreszeit
April-Mai: Perfekt. Grün, mild, wenig Touristen. Nachts kühl (Schlafsack für 10°C nötig).
Juni: Ideal. Warm, aber noch nicht heiß. Lange Tage.
Juli-August: Nur für Hartgesottene. Die Hitze ab Mittag ist brutal. Lösung: Früh starten (5-6 Uhr), Siesta von 12-16 Uhr, Abends weiterfahren.
September-Oktober: Goldene Zeit. Die Hitze ist gebrochen, das Meer noch warm zum Baden, die Touristen verschwunden.
November-März: Möglich, aber anspruchsvoll. Regen häufiger, kurze Tage, manche Campingplätze geschlossen.
Mein Fazit
Bikepacking in Kroatien ist noch ein Geheimtipp. Während in den Alpen oder Skandinavien die Routen überlaufen sind, hast du hier weite Strecken für dich allein. Das Klima ist verlässlich, die Landschaft abwechslungsreich, die Infrastruktur genau richtig: Genug, um nicht verhungern zu müssen. Wenig genug, um sich wie Abenteuer anzufühlen.
Die Küstenroute von Istrien nach Dubrovnik ist der Klassiker. Aber das wahre Abenteuer liegt im Hinterland: Die Lika, das Velebit-Gebirge, die Karstlandschaften ohne Touristen. Dort zeigt sich Kroatien von seiner wilden Seite – und Bikepacking von seiner besten.
Pack leicht, fahr früh, respektier das Land. Der Rest ergibt sich.