Betina und der traditionelle Holzbootsbau: Lebendiges Handwerk auf Murter 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 30 Dec, 2025
Inhalt
Im Hafen von Betina liegen noch immer die Boote, die hier gebaut wurden – Gajetas, Leuts, Pasaras. Holzboote, von Hand gefertigt, nach Methoden, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert haben. Betina auf der Insel Murter ist eines der letzten Zentren des traditionellen adriatischen Bootsbaus – ein Handwerk, das die UNESCO 2021 als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat.

Die Geschichte ist lang: Seit dem 16. Jahrhundert werden hier Boote gebaut. Einst war Betina eine der wichtigsten Werften der Adria, heute sind es nur noch wenige Meister, die das Wissen weitergeben. Aber die Tradition lebt – im Museum, in den Werkstätten, auf dem Wasser.
Die Geschichte
Ein Dorf wird Werft
Betina hat keinen Sandstrand, kein fruchtbares Hinterland, keine besonderen Bodenschätze. Was das Dorf hatte, war Lage: eine geschützte Bucht, Zugang zu den Eichenwäldern des Festlands und zu den Inseln. Und es hatte Know-how – Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Im 16. und 17. Jahrhundert wuchs Betina zur wichtigsten Werft Dalmatiens. Die Boote von Betina segelten nach Venedig, nach Triest, nach Alexandria. Jede Familie hatte eine Spezialisierung: manche bauten Rümpfe, andere fertigten Masten, wieder andere schnitzten Verzierungen.
Die goldene Zeit
Das 18. und 19. Jahrhundert war die Blütezeit. Betina baute nicht nur Fischerboote, sondern Handelsschiffe für den Fernverkehr. Die Werften am Ufer waren ständig beschäftigt, der Geruch von frisch geschnittenem Holz und Teer lag über dem Dorf.
Die Auswanderung nach Amerika und der Übergang zu Stahlschiffen beendete die große Zeit. Aber der Bootsbau starb nicht – er schrumpfte, spezialisierte sich, überlebte.
Heute
Heute gibt es noch ein paar Meister, die traditionell bauen. Die Nachfrage kommt von Enthusiasten, Seglern, die etwas Besonderes wollen, und von Institutionen, die historische Boote restaurieren lassen. Das Handwerk ist selten geworden, aber es lebt.
Das Museum des Holzschiffbaus
Das Muzej betinske drvene brodogradnje (Museum des Holzschiffbaus Betina) ist das Herzstück des kulturellen Erbes. 2015 eröffnet, zeigt es die Geschichte, die Techniken und die Boote.

Was du siehst
Die Sammlung: Über 1.500 Objekte – Werkzeuge, Pläne, Modelle, Original-Boote. Die Ausstellung zeigt den gesamten Prozess: vom Eichenbaum bis zum fertigen Boot.
Die Boote: Verschiedene Typen sind ausgestellt, darunter die Gajeta (das klassische dalmatinische Fischerboot), der Leut (größer, für Handel und Transport) und die Pasara (ein kleineres Ruderboot).
Die Werkstatt: Ein Teil des Museums ist eine lebende Werkstatt. Hier arbeiten noch Bootsbauer, und wenn du Glück hast, kannst du ihnen zusehen.
Besichtigung
Öffnungszeiten:
- April-Oktober: Di-So 10-18 Uhr
- November-März: Nach Vereinbarung
- Montag geschlossen
Eintritt:
- Erwachsene: 5€
- Kinder/Studenten: 3€
- Führung (auf Anfrage): 8€
Kontakt:
- www.muzej-betina.hr
- Tel: +385 22 435 960
Führungen und Workshops
Das Museum bietet mehr als nur Schauen:
Geführte Touren: Mit einem lokalen Guide erfährst du Geschichten, die nicht auf den Schildern stehen – über die Familien, die Rivalitäten zwischen Werften, die Boote, die berühmt wurden.
Workshops: In der Sommersaison werden gelegentlich Workshops angeboten, in denen du selbst Hand anlegst – schnitzen, hobeln, kalfatern. Die Termine werden auf der Website angekündigt.
Für Gruppen: Auf Anfrage können spezielle Programme organisiert werden, inklusive Bootsfahrt mit einem historischen Boot.
Die traditionellen Boote
Gajeta
Das klassische dalmatinische Boot. Ursprünglich zum Fischen, aber vielseitig einsetzbar. Typisch: ein lateinisches Segel, schlanker Rumpf, elegant und schnell.

Merkmale:
- Länge: 5-8 Meter
- Segel: Lateinersegel (dreieckig)
- Material: Eiche (Rumpf), Kiefer (Masten)
- Verwendung: Fischerei, Transport, heute oft Regatten
Leut
Das größere Arbeitspferd. Für Handel, Transport, auch für längere Fahrten. Robuster als die Gajeta, mit mehr Ladekapazität.
Merkmale:
- Länge: 8-12 Meter
- Verwendung: Handel, schwere Fracht
- Heute: Restauriert für Regatten und Ausstellungen
Pasara
Das kleine Ruderboot, das in keinem dalmatinischen Hafen fehlt. Noch heute werden Pasaras gebaut und benutzt – für kurze Fahrten, zum Angeln, als Beiboot.
Merkmale:
- Länge: 3-5 Meter
- Antrieb: Ruder (später auch Außenborder)
- Verwendung: Alltag auf dem Wasser
Guc
Ein Segelboot mit besonderer Form, typisch für die Region. Der Rumpf ist breiter, stabiler als bei der Gajeta.
Die Techniken
Das Holz
Eiche ist das Hauptmaterial – hart, wasserfest, langlebig. Die Eichen kamen traditionell vom Festland (Ravni Kotari, Bukovica), wurden ins Wasser gebracht und nach Betina geflößt. Dort lagerten sie, manchmal jahrelang, bis sie die richtige Reife hatten.
Für bestimmte Teile kamen andere Hölzer: Kiefer für Masten und Spieren, Ulme für Teile, die flexibel sein mussten.
Der Bau
Spantenrippen-Methode: Das Skelett des Boots wird aus Spanten geformt, dann werden die Planken aufgebracht. Die Spanten geben die Form, die Planken die Haut.
Kalfatern: Die Fugen zwischen den Planken werden mit Werg (Hanffasern) gefüllt und mit Pech abgedichtet. Ein kritischer Schritt – schlecht kalfaterte Boote sinken.
Finishing: Schleifen, Ölen, Lackieren. Ein traditionelles Boot ist nicht nur funktional, sondern schön – die Handwerker nahmen sich Zeit für Details.
Die Werkzeuge
Die traditionellen Werkzeuge sind erstaunlich einfach: Äxte, Hobel, Stechbeitel, Sägen. Alles Handarbeit. Ein Meister konnte an den Spänen erkennen, ob das Holz richtig war, am Klang der Axt, ob er den richtigen Winkel traf.

Die Meister
Die letzten Bootsbauer
In Betina gibt es noch ein paar Männer, die das vollständige Handwerk beherrschen – vom Baumstamm bis zum fertigen Boot. Sie sind die letzte Generation, die traditionell ausgebildet wurde, in einer Zeit, als Lehrlinge jahrelang bei Meistern lernten.
Toni Ukas: Einer der bekanntesten. Hat dutzende Boote gebaut und restauriert, arbeitet noch immer in seiner Werkstatt.
Die Familie Filipi: Bootsbauer seit Generationen. Die Werft existiert noch.
Die Weitergabe
Das größte Problem des Handwerks ist die Weitergabe. Wenige junge Menschen wollen jahrelang lernen, was sich wirtschaftlich kaum lohnt. Das Museum versucht, Wissen zu dokumentieren und Interesse zu wecken. Ob es gelingt, wird sich zeigen.
Das Dorferlebnis
Betina heute
Betina ist kein Museum-Dorf – hier leben etwa 800 Menschen. Der Tourismus spielt eine Rolle, aber das Dorf hat seinen Charakter behalten: enge Gassen, Steinhäuser, der Hafen als Zentrum.
Was du siehst:
- Historische Werften entlang des Hafens (manche noch aktiv)
- Die Kirche Sv. Frane mit Blick aufs Meer
- Traditionelle Steinhäuser, viele aus dem 18./19. Jahrhundert
- Boote, überall Boote
Was du riechst: Mit etwas Glück: Holz, Teer, Salz. Die Gerüche des Bootsbaus.
Der Hafen
Der Hafen von Betina ist klein, aber voller Geschichte. Hier wurden die Boote zu Wasser gelassen, hier legten sie nach der Fischerei an, hier wurden Geschäfte gemacht. Heute liegen historische Holzboote neben modernen Plastikjachten – ein seltsamer Kontrast.
Die Regatten
Jedes Jahr im Sommer findet die Regata tradicijskih barki statt – eine Regatta traditioneller Boote. Gajetas, Leuts und andere Holzboote segeln um die Wette, begleitet von Festen im Dorf.
Termine:
- Meist im August, genaue Daten auf der Website des Museums
- Teilnahme als Zuschauer kostenlos
- Festlichkeiten im Dorf
Kombinationen
Murter entdecken
Betina liegt am Nordende der Insel Murter. Kombiniere den Besuch mit:
Murter-Stadt: Der Hauptort der Insel, mit eigenem Charakter und Stränden.
Kornati-Nationalpark: Bootstouren zu den Inseln starten von Murter.
Strand Slanica: Einer der schönsten Sandstrände der Region, in Jezera.
Per Rad erkunden
Die Insel ist klein genug für eine Radtour. Die Straße von Betina nach Murter-Stadt führt entlang der Küste, mit Ausblicken auf die Kornati-Inseln.
Vor Ort
Anreise
Mit dem Auto: Murter ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Die Brücke öffnet für Boote zweimal täglich (ca. 9:00 und 17:00), dann kurze Wartezeit möglich.
Von Zadar: ca. 50 km, 45 Min Von Šibenik: ca. 35 km, 30 Min Von Split: ca. 100 km, 1,5h
Parken: In Betina gibt es Parkplätze nahe dem Hafen und dem Museum.
Essen und Trinken
Konoba Ćiro: Frischer Fisch, einfache Küche, Blick aufs Wasser.
Restoran Betina: Etwas gehobener, aber immer noch authentisch.
Tipp: Probier “Pašticada od hobotnice” – Oktopus-Eintopf nach dalmatinischer Art.
Übernachten
Betina ist klein – es gibt keine großen Hotels, aber Ferienwohnungen und Zimmer:
Apartments in Betina: Mehrere Anbieter, meist über Booking.com oder direkt.
Murter-Stadt: Mehr Auswahl, nur 3 km entfernt.
Beste Zeit
Für das Museum: Ganzjährig, aber die Werkstatt ist im Sommer aktiver.
Für die Regatta: August (Termin prüfen).
Für Ruhe: Mai, Juni, September – weniger Touristen, angenehmes Klima.
Auf den Punkt
Betina ist ein Fenster in eine Welt, die fast verschwunden ist. Der Holzbootsbau war einmal die Identität dieses Ortes – heute ist er sein Erbe. Das Museum bewahrt das Wissen, die wenigen Meister praktizieren es noch, und die Boote im Hafen erinnern daran, dass Handwerk mehr ist als Funktion.
Nimm dir Zeit für Betina. Schau den Bootsbauern zu, wenn du kannst. Berühr das Holz, das über Jahrhunderte zu Schiffen wurde. Und versteh, dass hinter jedem Boot in diesem Hafen Generationen von Wissen stecken – Wissen, das verloren gehen könnte, wenn wir nicht aufpassen.
Mehr Murter und Dalmatien: Murter Insel Guide | Kornati Nationalpark | Šibenik Sehenswürdigkeiten