Radfahren in Slavonien: Flache Touren durch Weinberge und Donau-Auen (2026)
- Redaktionsteam
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- 01 Nov, 2025
Inhalt
Slavonien ist das Anti-Dalmatien. Keine Berge, keine Küste, keine Touristenmassen. Stattdessen: endlose Ebenen, Donau-Auen, Weinberge und Dörfer, in denen die Zeit stehengeblieben scheint. Für Radfahrer ist das perfekt.

Warum Slavonien?
Die Argumente sind ungewöhnlich – und genau deshalb überzeugend.
Flach: Endlich mal nicht kämpfen. Slavonien ist Tiefebene. Höhenmeter sind Ausnahmen, nicht Regel.
Leer: Kaum Verkehr, keine Touristenbusse, wenig andere Radfahrer. Die Straßen gehören dir.
Authentisch: Keine Hotels mit Meerblick, keine internationalen Restaurantketten. Hier ist Kroatien noch Kroatien.
Wein: Die Weinregionen Baranja und Slavonien produzieren Graševina, Traminac und kräftige Rotweine – noch Geheimtipps.
Natur: Kopački Rit (Donau-Drau-Auen), Lonjsko Polje – Naturparadiese von europäischem Rang.
Donau-Auen: Kopački Rit und Umgebung
Das Mündungsgebiet von Drau und Donau ist eines der größten Feuchtgebiete Europas. Für Radfahrer: Flache Dammwege, Vogelwelt, absolute Ruhe.

Entlang der Donau (62 km)
Die Entlang der Donau Route führt durch die Auen am Flussufer. Startpunkt ist Osijek, Ziel die Grenze zu Serbien.
Die Strecke verläuft größtenteils auf asphaltierten Dammwegen, die für den normalen Verkehr gesperrt sind. Links die Donau, rechts die Auwälder. Reiher, Kormorane, mit Glück Seeadler.
Eckdaten:
- Distanz: 62 km
- Höhenmeter: praktisch null
- Untergrund: Asphalt und fester Schotterweg
- Schwierigkeit: Leicht
- Highlights: Vogelbeobachtung, Flussstimmung, Grenzatmosphäre
Tipp: In Batina am Ende der Route steht ein Denkmal aus dem Zweiten Weltkrieg mit Panoramablick über die Donau-Ebene. Zurück nach Osijek mit dem Bus oder gleiche Strecke.
Kopački Rit Rundtour (25 km)
Kürzere Variante speziell durchs Naturschutzgebiet. Start am Besucherzentrum, Rundweg auf Dammwegen, zurück zum Ausgangspunkt.
Was du siehst:
- Überflutete Wälder (im Frühjahr)
- Störche auf jedem zweiten Dach
- Hirsche am Waldrand (morgens/abends)
- Fischerhütten auf Stelzen
Die Weinrouten: Baranja und Slavonien
Die Weingegenden sind sanft hügelig – aber verglichen mit Dalmatien immer noch flach. Perfekt für genussvolles Radfahren mit Verkostungspausen.
Von den Weinbergen in die Ebenen (83 km)
Die Von den Weinbergen in die Ebenen Route verbindet die Weinberge mit den Tiefebenen. Typischer Streckenverlauf: Morgens in die Hügel, Verkostung, Mittagessen, nachmittags durch die Felder zurück.

Die Weingüter hier sind keine Touristenfallen. Oft kleine Familienbetriebe, die stolz ihre Graševina oder Traminac ausschenken. Preise: Verkostung ab 5-10 €, Flaschen ab 8 €.
Sanfte Horizonte (83 km)
Die Sanfte Horizonte Route führt von Suhopolje nach Kutjevo – quer durch die slavonische Weinregion.
Streckenprofil:
- Start: Weite Ebenen rund um Suhopolje
- Mitte: Sanfte Hügel mit Weinbergen
- Ziel: Kutjevo, das Weinzentrum Slavoniens
Kutjevo ist bekannt für Graševina – den typischen slavonischen Weißwein. Die Kellereien hier haben Geschichte: Das Zisterzienserkloster produziert seit dem 13. Jahrhundert.
Im Herzen Slavoniens (60 km)
Die Im Herzen Slavoniens Route zeigt das ländliche Slavonien: Traditionelle Dörfer, Felder, Obstgärten.
Unterwegs erlebst du, was dieser Region ihren Charakter gibt: Großzügige Höfe, Mais- und Sonnenblumenfelder, und eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Wer in einem Dorf anhält und freundlich winkt, bekommt oft ein Glas Rakija angeboten.
Lonjsko Polje: Das andere Feuchtgebiet
Südlich von Zagreb, aber noch Slavonien-Gefühl. Die Storchenregion mit traditionellen Holzhäusern.

Flucht ins Lonjsko Polje (100 km)
Die Flucht ins Lonjsko Polje Route startet bei Zagreb und führt ins Naturschutzgebiet. 100 km sind eine Tagestour – oder in zwei Etappen mit Übernachtung im Naturpark.
Was Lonjsko Polje besonders macht:
- Traditionelle Posavina-Pferde (halbwild in den Auen)
- Europas dichteste Storchenpopulation
- Holzarchitektur in den Dörfern (UNESCO-Kandidat)
- Überschwemmungsflächen im Frühjahr (surreale Landschaft)
Die sanfte Reise des Flusses (99 km)
Die Sanfte Reise des Flusses Route folgt dem Fluss Česma durch die Moslavina-Region. Sanft hügelig, aber nie anstrengend.
Baranja: Ungarische Einflüsse
Die nördlichste Region Kroatiens, eingeklemmt zwischen Donau und Drau. Kulinarisch und kulturell von Ungarn beeinflusst.

Zwischen Feldern und Quellen (59 km)
Die Zwischen Feldern und Quellen Route zeigt die Baranja abseits der wenigen Touristenpfade.
Was hier anders ist:
- Paprikafelder (die Region ist Paprika-Hochburg)
- Ethnische Dörfer mit ungarischer Mehrheit
- Fischgerichte statt Meeresfrüchte
- Absolute Ruhe
Von der Donau in die Ebenen (74 km)
Die Von der Donau in die Ebenen Route startet am Fluss und führt ins Hinterland. Eine der abwechslungsreichsten Touren der Region.
Praktisches für Slavonien
Beste Jahreszeit
April-Mai: Ideal. Grün, Störche brüten, nicht zu heiß. Überschwemmungsflächen noch sichtbar.
Juni: Gut, aber wärmer. Lange Tage, perfekt für 100-km-Touren.
Juli-August: Heiß und flach = brutal. Nur für Frühaufsteher (vor 7 Uhr starten).
September-Oktober: Weinlese, goldene Farben, perfekte Temperaturen. Beste Zeit.
Unterkunft
Hotels sind selten. Stattdessen:
- Agroturizmi (Bauernhöfe mit Zimmern)
- Sobe (Privatzimmer)
- Pensionen in Osijek und Đakovo
- Camping: Wenig Optionen, aber Wildcampen einfacher als an der Küste
Verpflegung
Die slavonische Küche ist deftig:
- Čobanac (Hirteneintopf)
- Kulen (scharfe Wurst)
- Fisch aus Donau und Drau
- Štrukli (gefüllter Teig)
Die Portionen sind riesig, die Preise niedrig. Perfekt nach einer 80-km-Tour.

Fahrradservice
Osijek hat mehrere Fahrradläden. Im Hinterland: nichts. Ersatzteile und Werkzeug mitnehmen.
E-Bike-Verleih ist noch selten, aber in Osijek möglich. Vorher reservieren.
Wind
Die Pannonische Tiefebene ist windig. Aus Norden oder Süden, meist konstant. Bei Gegenwind wird das Flachland zur Herausforderung. Windrichtung checken und Route entsprechend planen.
Routen-Übersicht
| Route | Distanz | Schwierigkeit | Charakter |
|---|---|---|---|
| Entlang der Donau | 62 km | Leicht | Auen, Vogelwelt |
| Sanfte Horizonte | 83 km | Mittel | Weinberge, Dörfer |
| Im Herzen Slavoniens | 60 km | Leicht | Ländlich, authentisch |
| Flucht ins Lonjsko Polje | 100 km | Mittel | Natur, Störche |
| Von den Weinbergen in die Ebenen | 83 km | Mittel | Wein, Hügel |
| Zwischen Feldern und Quellen | 59 km | Leicht | Baranja, Paprika |
Mein Fazit
Slavonien ist kein Urlaubsziel für Strand-und-Berge-Fans. Aber für Radfahrer, die etwas anderes suchen, ist es perfekt. Flaches Terrain bedeutet: Du siehst mehr, erlebst mehr, unterhältst dich mehr. Die Anstiege fehlen – aber dafür fehlen auch die Touristenmassen.
Wer hier radfährt, erlebt das Kroatien, das es vor dem Tourismus-Boom gab. Dörfer, in denen man noch mit Handschlag grüßt. Weingüter, die nicht auf TripAdvisor sind. Landschaften, die keine Postkarte brauchen.
Perfekt? Nicht für jeden. Aber für manche genau das Richtige.