Istrien: Der komplette Guide für die Halbinsel (2026)
- Redaktionsteam
- Regionen , Istrien
- 20 Oct, 2025
Inhalt
Istrien ist Kroatiens offenes Geheimnis. Die herzförmige Halbinsel im Norden gehört zu den beliebtesten Urlaubszielen des Landes – und bleibt trotzdem erstaunlich authentisch. Hier treffen italienische Einflüsse auf slawische Tradition, Weinberge auf Olivenhaine, mondäne Küstenstädte auf verschlafene Bergdörfer.
Nach zehn Jahren in München bin ich zurück in die Heimat gezogen. Mein deutscher Mann hat sich schnell an Istrien gewöhnt – wer wäre das nicht bei dieser Kombination aus mediterranem Klima, exzellenter Küche und Stränden, die man mit dem Auto erreichen kann?
Warum Istrien?
Istrien vereint, was anderswo auf Hunderte Kilometer verteilt ist: Strände, Kultur, Gastronomie, Natur. Von München aus sind es nur fünf Stunden Fahrt, die Infrastruktur ist exzellent, die Menschen sprechen oft Deutsch oder Italienisch.
Die Halbinsel teilt sich grob in drei Zonen: die touristische Westküste mit den bekannten Städten, das ursprüngliche Landesinnere mit den Bergdörfern, und die rauere Ostküste, die weniger Besucher anzieht.
Die Westküste (Rovinj, Poreč, Umag) ist der Hauptanziehungspunkt – schön, entwickelt, teuer. Im Sommer voll, aber zu Recht beliebt.
Das Landesinnere (Motovun, Grožnjan, Buzet) ist das gastronomische Herz – Trüffel, Wein, Olivenöl. Weniger Strände, mehr Seele.
Die Ostküste (Rabac, Labin) ist der Underdog – weniger bekannt, weniger entwickelt, aber mit spektakulären Buchten.
Die Küstenstädte
Rovinj: Die Schöne

Rovinj gilt als schönste Stadt Istriens – eine Behauptung, die wenig Widerspruch findet. Die Altstadt drängt sich auf einer Halbinsel, bunte Häuser stapeln sich den Hügel hinauf, gekrönt von der Kirche der Heiligen Euphemia.
Die Gassen sind eng, die Restaurants teuer, die Touristen zahlreich – und es ist trotzdem bezaubernd. Morgens, bevor die Kreuzfahrtgäste eintreffen, gehört Rovinj noch den Fischern und Katzen.
Die Kirche Sv. Eufemija ist das Wahrzeichen. Der Glockenturm bietet den besten Blick über die Stadt – 60 Meter hoch, enge Stufen, nichts für Unsportliche. Die Heilige soll der Legende nach in einem Steinsarg über das Meer hierher getrieben sein.
Die Inseln vor Rovinj: Crveni Otok und Sveta Katarina sind per Taxiboot erreichbar und bieten bessere Strände als die Stadt selbst.
Mein Tipp: Das Restaurant Monte hat einen Michelin-Stern und eine Terrasse mit dem besten Blick der Stadt. Reservierung Wochen im Voraus. Wer es günstiger will: Die Kantinon am Hafen serviert den besten Fisch zu lokalen Preisen.
Pula: Die Römische

Pula hat, was die anderen nicht haben: ein vollständig erhaltenes römisches Amphitheater. Die Arena fasste einst 20.000 Zuschauer und dient heute als Konzertbühne. Wer im Sommer kommt, sollte eine Veranstaltung besuchen – Filmfestival, Konzerte, sogar Opern werden hier aufgeführt.
Die Stadt selbst ist weniger pittoresk als Rovinj – hier wird gearbeitet, nicht nur posiert. Dafür sind die Preise niedriger und an den Stränden findest du noch Platz.
Weitere römische Relikte: Der Sergierbogen am Rand der Altstadt, der Augustustempel am Forum, das Doppeltor. Pula war wichtig, lange bevor der Tourismus kam.
Der Markt: Die Markthalle am Hafen ist ein Jugendstil-Schmuckstück von 1903. Drinnen: Fisch, Käse, Olivenöl. Der beste Ort für ein authentisches Frühstück.
Poreč: Die Byzantinische

Die Euphrasius-Basilika in Poreč gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist der Grund, warum Kunsthistoriker hierher pilgern. Die byzantinischen Mosaike aus dem 6. Jahrhundert zählen zu den besterhaltenen weltweit – Gold auf blauem Grund, biblische Szenen, die auch nach 1.500 Jahren noch leuchten, als wären sie gestern fertiggestellt worden. Der Bischofskomplex umfasst Atrium, Baptisterium und Bischofspalast, ein vollständiges Ensemble frühchristlicher Architektur. Plane mindestens eine Stunde ein, am besten morgens, wenn das Licht durch die Fenster auf die Mosaike fällt.
Die Altstadt von Poreč liegt auf einer schmalen Halbinsel, das römische Straßenraster ist noch erkennbar – Decumanus und Cardo teilen den historischen Kern. Die Atmosphäre ist weniger exklusiv als in Rovinj, dafür entspannter und familienfreundlicher. Entlang der Uferpromenade reihen sich Restaurants und Eisdielen aneinander, abends flaniert halb Poreč am Wasser.
Außerhalb der Altstadt ist Poreč touristisch geprägt – große Hotelanlagen, organisierter Badespaß, Animation und Wasserrutschen. Für Familien mit Kindern ist das kein Nachteil, sondern der Grund herzukommen. Zelena Laguna südlich der Stadt ist ein ganzes Resort-Viertel mit eigenem Strand, Sportanlagen und Unterhaltungsprogramm. Unpersönlich, aber die Infrastruktur funktioniert.
Mein Tipp: Das Restaurant Sv. Nikola am Hafen serviert exzellenten Fisch zu fairen Preisen. Die Dachterrasse bietet Blick auf die Altstadt und die Inseln.
Umag: Die Nördliche

Nur zehn Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt liegt Umag, die nördlichste Küstenstadt Istriens. International bekannt ist sie vor allem für das ATP-Tennisturnier im Juli, wenn die Weltelite auf den Sandplätzen aufschlägt und die Stadt zum Treffpunkt der Tennisszene wird. Außerhalb der Turnierwoche ist Umag ruhiger als seine südlichen Nachbarn – weniger Glamour, mehr Alltag.
Die Altstadt ist klein aber fein: Eine Handvoll Gassen, ein paar Kirchen, Restaurants mit Blick auf den Hafen. Die venezianische Vergangenheit zeigt sich in den Fassaden und Loggien, die Atmosphäre ist entspannt und unprätentiös. Der Stadtstrand direkt an der Altstadt ist gepflegt und flach – gut für Familien, weniger für Abenteurer.
Die Region um Umag ist das Zentrum des istrischen Trüffelhandels. Die Wälder im Hinterland, besonders um Buje und Momjan, liefern weiße und schwarze Trüffel von Weltklasse. Im Herbst, wenn die Saison beginnt, riecht die Luft nach feuchter Erde und teurem Geschäft. Viele Agriturismos bieten Trüffelsuche mit Hunden an – ein Erlebnis, das man so nur hier bekommt.
Mein Tipp: Das Weingut Kabola bei Momjan kombiniert exzellenten Malvazija mit Trüffelverkostung. Die Terrasse blickt über Weinberge bis zur Küste – ein Platz, an dem Nachmittage zu schnell vergehen.
Das Landesinnere
Das wahre Istrien versteckt sich im Inneren der Halbinsel. Hier, wo die Touristen nur für ein Mittagessen halten, schlägt das kulinarische Herz der Region.
Motovun
Das Bergdorf thront auf einem Hügel über dem Mirna-Tal – umgeben von Wäldern, in denen die teuersten Trüffel der Welt wachsen.
Die Stadtmauer umrundet den Ort vollständig, von oben blickst du auf ein Meer aus Grün.
Der Aufstieg zu Fuß ist steil, aber belohnend. Im September findet hier das Motovun Film Festival statt – Arthouse-Kino unter Sternen, internationale Regisseure, lokaler Wein.
Parken: Unten am Parkplatz lassen, nicht versuchen hochzufahren. Es gibt einen Pendelbus, oder du läufst die 10 Minuten.
Grožnjan

Das Künstlerdorf war in den 1960ern fast ausgestorben – die Bewohner waren weggezogen, die Steinhäuser verfielen. Dann kamen die Künstler, angelockt von billigen Mieten und der magischen Atmosphäre. Sie übernahmen die leeren Häuser, gründeten Ateliers und Galerien, und erweckten den Ort zum Leben zurück. Heute ist jedes zweite Gebäude eine Galerie, ein Atelier oder ein Café.
Die schmalen Gassen sind gesäumt von Kunstwerken, Skulpturen stehen in Hauseingängen, Gemälde lehnen an Mauern. Im Sommer verwandelt sich Grožnjan zur Open-Air-Bühne: Jazz-Konzerte auf jedem Platz, klassische Musik in der Kirche, Kunstfestivals bis spät in die Nacht. Die Jazzina im August ist legendär – internationale Musiker spielen unter Sternen, das Publikum sitzt auf Treppenstufen und alten Mauern.
Außerhalb der Festivalsaison ist Grožnjan still und kontemplativ. Ein Ort zum Schlendern, zum Kaffeetrinken mit Aussicht, zum Stöbern in Ateliers. Die Künstler sind zugänglich und freuen sich über Gespräche – wenn du Interesse zeigst, öffnen sich Türen, die sonst verschlossen bleiben.
Mein Tipp: Die Bastia direkt an der Stadtmauer hat die beste Terrasse – Blick über das Mirna-Tal bis zu den Bergen, dazu lokaler Wein und einfache Gerichte.
Oprtalj

Weniger besucht als die berühmten Nachbarn, aber genauso schön – vielleicht schöner, weil noch unentdeckt. Oprtalj thront auf einem Hügel nahe der slowenischen Grenze und hat bewahrt, was Motovun verloren hat: echte Stille. Hier gibt es keine Souvenirläden, keine Touristenbusse, nur ein paar Häuser, eine Kirche, eine Bar und einen Blick, der bis zur Küste reicht.
Das Dorf ist winzig – in fünf Minuten hast du alles gesehen. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, auf der Terrasse der einzigen Bar zu sitzen, den lokalen Wein zu trinken und dem Nichts zuzuschauen. Die Kirche hat Fresken aus dem 15. Jahrhundert, die kaum jemand kennt. Der Friedhof neben der Kirche bietet den besten Aussichtspunkt.
Die Anfahrt ist abenteuerlich – enge Straßen, scharfe Kurven, kein Gegenverkehr erwünscht. Aber genau das hält die Massen fern. Oprtalj ist der Ort für Menschen, die das andere Istrien suchen – das Istrien vor dem Tourismus, vor den Trüffelrestaurants, vor Instagram.
Mein Tipp: Kombiniere Oprtalj mit einer Wanderung durch die Weinberge nach Motovun – etwa zwei Stunden, spektakuläre Aussichten, kaum Touristen.
Hum

Die kleinste Stadt der Welt – offiziell, mit Urkunde und Stadtrechten seit dem Mittelalter. 30 Einwohner, eine einzige Gasse, zwei Kirchen, ein Restaurant, eine Bar. Hum ist weniger ein Ort als ein Konzept: die Essenz dessen, was ein mittelalterliches Städtchen ausmacht, destilliert auf das absolute Minimum.
Die Stadtmauern sind noch intakt, das Tor ist noch das Original aus dem 11. Jahrhundert. Die glagolitische Schrift, das älteste slawische Alphabet, ist hier überall präsent – auf Inschriften, in der Kirche, entlang der “Glagolitischen Allee”, die von Roč nach Hum führt. Für Sprachwissenschaftler und Historiker ist das ein heiliger Ort.
Die lokale Spezialität ist Biska, ein Mistelschnaps, der angeblich Potenz und Gesundheit fördert. Ob das stimmt, sei dahingestellt – aber der Schnaps ist gut und die Geschichten, die die Einheimischen dazu erzählen, sind unterhaltsam. Das einzige Restaurant, die Humska Konoba, serviert traditionelle Gerichte in einem Gewölbekeller, der älter ist als die meisten europäischen Städte.
Mein Tipp: Komm früh morgens oder am späten Nachmittag – tagsüber halten die Touristenbusse, und dann ist die Magie dahin.
Buzet

Die “Trüffelhauptstadt” Istriens liegt versteckt im Landesinneren, weniger malerisch als Motovun, aber authentischer. Hier wohnen die Trüffeljäger, hier werden die Geschäfte gemacht, hier schlägt das kommerzielle Herz des Trüffelhandels. Die Altstadt thront auf einem Hügel, die Neustadt breitet sich im Tal aus – funktional, nicht pittoresk, aber voller Leben.
Im Herbst, wenn die Trüffelsaison beginnt, verwandelt sich Buzet. Die Zigante Truffle Days im Oktober ziehen Feinschmecker aus ganz Europa an – Verkostungen, Kochshows, Trüffelauktionen, bei denen Preise gezahlt werden, die anderswo für Autos fällig wären. Am zweiten Septemberwochenende findet das Subotina statt: Ein riesiges Trüffel-Rührei wird auf dem Hauptplatz zubereitet, aus über 2.000 Eiern und Kilos von Trüffeln.
Außerhalb der Festivalzeit ist Buzet ein guter Ausgangspunkt für Trüffeljagden. Die lokalen Tartufai (Trüffeljäger) bieten Touren an – drei Stunden im Wald mit Hunden, danach Verkostung. Ein Erlebnis, das erklärt, warum diese Knollen so viel kosten. Die Hunde sind Stars, die Jäger sind Philosophen, und am Ende verstehst du den Trüffelwahn.
Mein Tipp: Die Konoba Vrh in der Altstadt serviert Trüffelgerichte zu lokalen Preisen – halb so teuer wie in Motovun, genauso gut.
Essen und Trinken
Istrien ist Kroatiens kulinarische Hochburg. Die Küche mischt italienische und kroatische Einflüsse zu etwas Eigenem.
Trüffel
Die weißen Trüffel aus dem Mirna-Tal gehören zu den besten der Welt. Saison ist von September bis Dezember. Die schwarzen gibt es ganzjährig – weniger edel, aber immer noch exzellent.
Der weltgrößte weiße Trüffel (1,31 kg) wurde 1999 hier gefunden – von der Familie Zigante, die heute ein Gastronomie-Imperium betreibt.
Wo probieren: Zigante in Livade ist das bekannteste Trüffelrestaurant – teuer, touristisch, aber das Produkt ist erstklassig. Weniger touristisch: Konoba Dolina in Motovun oder Toklarija in Sovinjak.
Olivenöl
Istrisches Olivenöl gewinnt regelmäßig internationale Preise – Flos Olei, die Bibel der Olivenöl-Welt, listet die Region konstant unter den besten weltweit. Für ein so kleines Gebiet ist die Dichte an Spitzenproduzenten bemerkenswert. Die Sorte Buža ist endemisch und nur hier zu finden, der Geschmack intensiv und pfeffrig mit einer Bitterkeit, die Einsteiger überrascht und Kenner begeistert.
Der Unterschied zu Supermarktöl ist dramatisch – beim ersten Probieren in einer Ölmühle versteht man plötzlich, warum Menschen 30 Euro für einen halben Liter zahlen. Das Öl brennt im Hals (ein Qualitätsmerkmal!), schmeckt nach frisch gemähtem Gras und grünen Tomaten, und verwandelt ein simples Stück Brot in eine Offenbarung.
Wo kaufen: Direkt bei den Produzenten. Die Ölmühle Chiavalon bei Vodnjan bietet Verkostungen an und exportiert weltweit. Ipša und Belić sind weitere Spitzenproduzenten, kleiner und persönlicher. Die meisten Weingüter produzieren auch Öl – eine Verkostung lässt sich gut kombinieren.
Wein
Malvazija (weiß) und Teran (rot) sind die autochthonen Rebsorten, die das Terroir Istriens wie keine anderen ausdrücken. Der Malvazija ist frisch und mineralisch, mit Noten von Mandeln und Salzluft – perfekt zu Fisch und Meeresfrüchten. Der Teran ist dunkel und erdig, mit hoher Säure, die Trüffel und rotes Fleisch ideal ergänzt. Zusammen erzählen sie die Geschichte der Halbinsel: Meer und Erde, Küste und Berge.
In den letzten Jahren hat eine neue Generation von Winzern die Szene aufgemischt. Sie experimentieren mit Amphoren, verlängerten Mazerationen und vergessenen Rebsorten. Die Ergebnisse sind spannend, manchmal gewöhnungsbedürftig, aber nie langweilig. Orange Wines aus Istrien haben internationale Anerkennung gefunden.
Wo trinken: Die Weinstraße durch das Landesinnere verbindet Dutzende Weingüter, die meisten bieten Verkostungen ohne Voranmeldung. Kozlović und Coronica sind die bekanntesten Namen, perfekt für Einsteiger. Kabola experimentiert mit Naturwein, Roxanich mit extremen Mazerationszeiten – für Abenteuerlustige.
Fuži und Pljukanci
Die lokalen Pasta-Sorten sind das, was Istrien auf den Teller bringt, bevor der Hauptgang kommt – oder als Hauptgang selbst, wenn Trüffel im Spiel sind. Fuži sind gedrehte Röhren, handgerollt und an den Enden zusammengedrückt. Pljukanci sind längliche, fingerdicke Nudeln, rustikaler und sättigender. Beide werden aus einfachem Teig hergestellt, ohne Ei in der traditionellen Version.
Jede Konoba macht sie anders, jede behauptet, das Original zu sein, und alle haben irgendwie recht. Der Unterschied liegt im Detail: die Dicke des Teigs, die Kochzeit, die Sauce. Klassische Kombinationen sind Wild (Wildschwein, Hirsch) in dunkler Sauce, Steinpilze im Herbst, und natürlich Trüffel – weiße im Herbst, schwarze ganzjährig. Eine Portion Fuži mit weißen Trüffeln kostet je nach Saison und Restaurant zwischen 25 und 60 Euro, aber es ist das Gericht, das man probiert haben muss.
Boškarin
Das istrische Ochsenfleisch war in den 1990ern fast ausgestorben – nur noch etwa 20 reinrassige Tiere existierten. Heute erlebt der Boškarin ein Revival, dank engagierter Züchter und der Slow-Food-Bewegung. Die großen grauen Rinder mit den charakteristischen Hörnern grasen wieder auf den Weiden des Hinterlands, und ihr Fleisch ist zum kulinarischen Statussymbol geworden.
Das Fleisch ist dunkel, fast violett, mit intensivem Geschmack und feiner Marmorierung. Die Tiere wachsen langsam, werden traditionell gehalten, und das schmeckt man. Ein Boškarin-Steak kostet entsprechend – 50 Euro und mehr für eine Portion sind normal. Aber wer es einmal probiert hat, versteht, warum Massentierhaltung nie diesen Geschmack erreichen kann. Die besten Adressen sind die Agriturismos im Landesinneren, wo das Tier oft vom Nachbarhof kommt.
Strände
Istriens Strände sind meist felsig oder kieselig – Sandstrände sind selten. Das Wasser dafür kristallklar.
Kamenjak
Die Halbinsel südlich von Pula ist Naturschutzgebiet. Dutzende Buchten, keine Hotels, eine Safari-Bar. Am Wochenende voll, unter der Woche ein Traum. Der Eintritt für Autos kostet 5 Euro.
Die Südspitze hat die spektakulärsten Klippen – Klippenspringer kommen extra hierher. Die Safari Bar ist legendär: Plastikstühle, kaltes Bier, Sonnenuntergang.
Mulini Beach, Rovinj
Der Designerstrand unterhalb des Fünf-Sterne-Hotels Mulini ist Rovinjs eleganteste Badeadresse. Die Anlage verbindet natürliche Felsformationen mit architektonischer Gestaltung – Holzdecks, schattige Bereiche, eine Bar direkt am Wasser. Das Hotel hat den Strand nicht privatisiert, sondern öffentlich zugänglich gemacht, gegen eine Tagesgebühr für Liegen und Schirme (etwa 40 Euro für zwei Liegen).
Die Wasserqualität ist hervorragend, der Einstieg über Felsen und Leitern. Für Kinder ist der Strand weniger geeignet, für Erwachsene, die gepflegtes Ambiente schätzen, genau richtig. Morgens ist es ruhig, nachmittags kommen die Hotelgäste. Der Sonnenuntergang hier, mit Blick auf die Altstadt, bleibt im Gedächtnis.
Sveti Ivan und Crveni Otok
Die Inseln vor Rovinjs Küste bieten die besseren Strände – ohne die Massen der Stadtstrände, mit türkisem Wasser und Pinienduft. Taxiboote fahren ab dem Hafen alle 30 Minuten, die Überfahrt dauert zehn Minuten und kostet wenige Euro.
Crveni Otok (“Rote Insel”) ist die größere der beiden, mit einem historischen Hotel, Restaurants und mehreren Badebuchten rund um die Insel. Die Wege durch den Pinienwald verbinden die Strände, du kannst den ganzen Tag von Bucht zu Bucht wandern. Sveti Ivan ist kleiner und ruhiger, mit nur einem Strand, der bei Einheimischen beliebt ist. An Wochenenden kommen die Familien aus Rovinj hierher – ein gutes Zeichen.
Rabac und die Ostküste
Die Ostküste Istriens ist der Underdog – weniger entwickelt, weniger bekannt, aber mit einigen der spektakulärsten Buchten der Halbinsel. Rabac, einst ein Fischerort, ist heute ein kleines Touristenzentrum mit klarem Wasser und weißen Kieselstränden. Girandella und Lanterna sind die Hauptstrände, organisiert mit Liegen und Gastronomie, aber nie so überlaufen wie die Westküste.
Die wahren Schätze liegen südlich von Rabac: Die Bucht von Sv. Marina ist ein Geheimtipp, nur über einen Schotterweg erreichbar. Die steilen Klippen rund um Labin bieten spektakuläre Aussichten und versteckte Badestellen, die nur Einheimische kennen. Die Infrastruktur ist einfacher als im Westen, die Preise niedriger, die Atmosphäre authentischer. Wer Ruhe sucht und kein Problem mit weniger Service hat, ist hier richtig.
Praktische Infos
Anreise: Pula hat einen internationalen Flughafen mit Verbindungen nach Deutschland, Österreich, Schweiz. Mit dem Auto ab München etwa 5 Stunden. Fähren aus Venedig (saisonale Verbindung) bringen eine romantische Alternative.
Beste Zeit: Mai-Juni und September-Oktober. Im Juli/August ist es voll und heiß. Der Herbst ist ideal für Gourmets – Trüffelsaison, Weinlese, milde Temperaturen.
Unterkunft: Rovinj für Romantik, Pula für Preisbewusstsein, Bergdörfer für Ruhe. Ferienwohnungen im Landesinneren bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Sprache: Kroatisch, aber Italienisch und Deutsch sind weit verbreitet. In den Küstenorten kommst du mit Deutsch problemlos durch.
Währung: Euro seit Januar 2023.
Mietwagen: Für das Landesinnere unverzichtbar. Die Küste ist ohne Auto machbar, aber du verpasst das Beste.
Unterm Strich
Istrien ist der einfachste Einstieg nach Kroatien – nah genug für einen Kurztrip, vielfältig genug für zwei Wochen. Die Kombination aus Küste und Hinterland, aus Strand und Kultur, aus einfacher Konoba und Sternerestaurant findet sich sonst nirgendwo auf dem Balkan.
Mein Rat: Bleib nicht nur an der Küste. Fahr ins Landesinnere, verlier dich in den Bergdörfern, iss Trüffel bis du platzt. Das ist das Istrien, das sich lohnt – und das du nach dem Urlaub vermissen wirst.