Istriens Hinterland: Trüffel, Hügeldörfer & vergessene Täler (2026)
- Redaktionsteam
- Istrien , Geheimtipps
- 08 Nov, 2025
Inhalt
Die Küste Istriens ist bekannt – Rovinj, Poreč, Pula. Das Hinterland nicht. Dabei liegt hier das eigentliche Herz der Halbinsel: mittelalterliche Dörfer auf Hügelkuppen, Wälder voller Trüffel, Weinberge mit uralten Rebsorten, und Konobas, in denen das Menü vom Wirt bestimmt wird. Das ist kein Instagram-Istrien. Das ist echtes Istrien.

Die Hügeldörfer: Zeitreise inklusive
Das Besondere an Istrien: Die Dörfer liegen nicht an der Küste, sondern auf den Hügeln. In Zeiten der Piraten und Malaria war das sicherer. Heute sind es die schönsten Orte der Halbinsel – kompakt, verwinkelt, mit Aussichten, die dich sprachlos machen.
Motovun: Der Star
Motovun thront auf einem 277 Meter hohen Hügel über dem Mirna-Tal. Die Stadtmauern sind intakt, die Gassen gepflastert, die Aussicht auf die Wälder darunter legendär. Im Sommer findet hier das Motovun Film Festival statt – eines der coolsten Filmfestivals Europas, mit Vorführungen unter freiem Himmel.

- Lage: 25 km nordöstlich von Poreč
- Parken: Unten am Hügelfuß (3 €), zu Fuß oder mit Shuttle nach oben
- Highlight: Die Stadtmauer entlanglaufen, Blick in alle Richtungen
- Essen: Konoba Mondo – Trüffel in allen Variationen
Film Festival: Mitte Juli, 5 Tage lang. Tickets für einzelne Vorstellungen oder Festivalpässe. Die Atmosphäre ist einzigartig – internationale Filme in einem mittelalterlichen Städtchen.
Grožnjan: Das Künstlerdorf
In den 1960ern war Grožnjan fast verlassen. Dann kamen die Künstler. Heute hat jedes zweite Haus ein Atelier oder eine Galerie, im Sommer gibt es Jazz-Konzerte (Jazz is Back Festival), und die Gassen sind voller Skulpturen, Gemälde und kreativer Energie.

- Lage: 10 km von Motovun
- Charakter: Ruhiger als Motovun, mehr Kunst, weniger Touristen
- Highlight: Die Galerie Fonticus, der Aussichtspunkt am Kirchturm
- Beste Zeit: Sommer für die Konzerte, Nebensaison für Ruhe
Hum: Die kleinste Stadt der Welt
Hum hat 30 Einwohner – und einen Eintrag im Guinness-Buch als kleinste Stadt der Welt. Die Bezeichnung “Stadt” ist historisch bedingt (mittelalterliche Stadtrechte), aber der Ort ist bezaubernd: eine Kirche, ein Gasthaus, ein paar Häuser, eine Stadtmauer. Fertig.
- Lage: 14 km nordöstlich von Buzet
- Dauer: 20 Minuten reichen für “alles”
- Tradition: Jeden Juni wird der “Bürgermeister” gewählt – mit Holzstäben statt Stimmzetteln
- Essen: Konoba Humska Konoba – Fuži mit Trüffeln, hausgemachter Biska (Mistelbrand)
Rennweg der Glagoliza
Von Roč nach Hum führt die “Aleja Glagoljaša” – ein 7 km langer Weg, gesäumt von Monumenten zur glagolitischen Schrift (dem ältesten slawischen Alphabet). Zu Fuß in 2 Stunden machbar, mit dem Fahrrad schneller. Ein kulturelles Erlebnis abseits der üblichen Pfade.
Trüffelland: Das schwarze (und weiße) Gold
Die Wälder um Motovun und Buzet sind voller Trüffel – schwarze im Sommer, weiße im Herbst. Der istrische Trüffel konkurriert mit dem italienischen, kostet aber weniger. Die Jagd mit Hunden, die Verkostung danach, und das Gefühl, etwas Seltenes gefunden zu haben – das ist ein Erlebnis.

Trüffelsuche buchen
Mehrere Anbieter organisieren Jagden mit erfahrenen Trifulaus (Trüffeljägern) und ihren Hunden:
- Karlic Tartufi (Buzet): Der größte Anbieter, professionell organisiert
- Zigante Tartufi (Livade): Der bekannteste Name, mit eigenem Restaurant
- Prodan Tartufi (Buzet): Familienbetrieb, persönlicher
Was erwartet dich:
- Dauer: 2-3 Stunden
- Ablauf: Einführung → Suche im Wald → Finden (hoffentlich!) → Verkostung
- Preis: 50-100 € pro Person
- Beste Zeit: Oktober-Dezember für weiße Trüffel (die teuren), Juni-September für schwarze
Trüffelgerichte
In jedem Hinterlandrestaurant gibt es Trüffel – auf Pasta, auf Eiern, auf Steak, auf allem. Die Preise variieren stark: Schwarze Trüffel sind erschwinglich (10-15 € Aufpreis), weiße sind Luxus (30-50 € und mehr).
Klassiker:
- Fuži s tartufima: Die typisch istrische Pasta mit Trüffelsoße
- Tartufi na jajima: Rührei mit Trüffeln – simpel, perfekt
- Biftek s tartufima: Steak mit Trüffelscheiben
Restaurants für Trüffel:
- Zigante (Livade): Das Mekka für Trüffel-Fanatiker
- Konoba Mondo (Motovun): Trüffel mit Aussicht
- Toklarija (Sovinjak): Modern, kreativ, exzellent
Wein und Olivenöl: Die flüssigen Schätze
Istrien produziert einige der besten Weine und Olivenöle Kroatiens. Die Rebsorten sind einzigartig: Malvasia (weiß), Teran (rot), Muškat (süß). Das Olivenöl hat internationale Preise gewonnen.
Weinstraßen
Die “Vinske Ceste” verbinden Weingüter durch das Hinterland. Du kannst einfach losfahren und an den Schildern (“Degustacija”) anhalten – die meisten Winzer freuen sich über Besuch.

Empfohlene Weingüter:
- Kabola (Momjan): Bio-Weine, moderne Architektur, spektakuläre Aussicht
- Kozlović (Momjan): Einer der besten Malvasia-Produzenten
- Roxanich (Motovun): Orange Wines, natural, experimentell
- Fakin (Motovun): Jung, modern, exzellente Qualität
Olivenölverkostung
Istrisches Olivenöl gehört zu den besten der Welt – Flos Olei, der “Michelin der Olivenöle”, listet regelmäßig istrische Produzenten ganz oben.
Wo verkosten:
- Chiavalon (Vodnjan): Mehrfacher Weltmeister
- Ipša (Livade): Familienbetrieb, exzellente Qualität
- Oleum Viride (Pula): Modern, mit Besucherzentrum
Mit dem Rad durch die Weinberge
Die Istrischen Weinberge führen auf 68 km von Poreč über Motovun nach Buje – durch das Herz des Weinlandes. Weinproben unterwegs inklusive (aber dann mit dem Rad vorsichtig sein).
Wer lieber umgekehrt fährt: Die Tour des Istrianischen Weines Malvasia startet in Buje und endet in Poreč – bergab ist angenehmer nach dem Wein.
Die vergessenen Täler
Nicht alles in Istrien ist Hügeldorf und Trüffel. Es gibt auch stille Täler, verlassene Dörfer und Landschaften, die kein Reiseführer erwähnt.
Das Mirna-Tal
Der Fluss Mirna schlängelt sich durch das Hinterland, vorbei an Motovun und durch dichte Wälder. Hier wachsen die Trüffel, hier ist es grün und still. Eine kleine Straße folgt dem Flussufer – perfekt für eine entspannte Autofahrt oder Radtour.
Ćićarija: Das vergessene Hochland
Im Nordosten Istriens liegt die Ćićarija – ein karges Hochland, das selbst viele Kroaten nicht kennen. Verlassene Dörfer, Schafhirten, Wälder voller Wild. Die Straße nach Slowenien führt hindurch, aber kaum jemand hält an.

Sehenswert:
- Lupoglav: Ruine einer mittelalterlichen Burg
- Lanišće: Dorf am Rand der Schlucht
- Rašpor: Verlassenes Dorf, verfallende Kirche, gespenstisch schön
Die Ostküste: Rabac und dahinter
Während alle nach Rovinj und Poreč fahren, bleibt die Ostküste ruhig. Rabac hat schöne Strände, aber dahinter wird es interessant: Labin mit seiner Altstadt auf dem Hügel, die stillgelegten Kohleminen, die wilden Buchten südlich von Rabac.
Labin: Die Altstadt ist eine der schönsten Istriens – enge Gassen, bunte Häuser, Kunstgalerien. Das ehemalige Minengelände wird zum Kulturzentrum umgebaut.
Kulinarisches im Hinterland
Die istrische Küche ist die beste Kroatiens – keine Diskussion. Die Kombination aus italienischem Einfluss, lokalen Zutaten und jahrhundertelanger Tradition ergibt Gerichte, die du nirgendwo sonst findest.
Was du probieren musst
- Fuži: Handgemachte Pasta, röhrenförmig, mit Trüffel- oder Fleischsauce
- Pljukanci: Längliche Nudeln, rustikal, mit Wildragout
- Maneštra: Bohnensuppe mit Sauerkraut – klingt simpel, ist perfekt
- Fritaja: Omlett mit wildem Spargel oder Trüffeln
- Pršut: Istrischer Schinken, luftgetrocknet, dünn geschnitten
Wo essen
Konoba Mondo (Motovun): Trüffel-Spezialist mit Terrasse und Aussicht
Stari Podrum (Momjan): Im Weinkeller eines historischen Gebäudes, exzellente Weine
Toklarija (Sovinjak): Kreative Küche, Trüffel auf hohem Niveau
Konoba Morgan (Buje): Familiengeführt, authentisch, faire Preise
Konoba Astarea (Livade): Direkt gegenüber Zigante, rustikaler, günstiger

Mit dem Rad durchs Hinterland
Istrien ist Radparadies: hügelig genug für Sport, flach genug für Genuss. Die Straßen sind gut, der Verkehr gering, die Landschaft wunderschön.
Empfohlene Routen
Kulinarischer Genuss: Geschmack Istriens – 56 km Rundtour ab Poreč durch Weinberge, Olivenhaine und Dörfer. Unterwegs Stopps bei Produzenten.
Die Panorama-Tour: Istrische Horizonte – 87 km für Ausdauernde. Küste, Hinterland, Hügeldörfer, alles dabei.
Kurz und knackig: Poreč Dorfrunde – 17 km für Einsteiger. Vormittags los, Mittagessen im Hinterland, nachmittags Strand.
Von Küste zu Küste: Durch Westistrien – 74 km MTB-Tour von Pula nach Poreč, querfeldein durch das grüne Herz.
Praktisches
Entfernungen
| Von | Nach Motovun | Nach Grožnjan | Nach Hum |
|---|---|---|---|
| Poreč | 25 km (30 min) | 35 km (40 min) | 40 km (50 min) |
| Rovinj | 40 km (45 min) | 50 km (55 min) | 55 km (1 h) |
| Pula | 55 km (1 h) | 65 km (1 h 10) | 70 km (1 h 15) |
Beste Reisezeit
Frühling (April-Mai): Grün, Wildspargel-Saison, perfekte Temperaturen. Ideal für Radtouren.
Sommer (Juni-August): Heiß, aber erträglich im Schatten. Filmfestival Motovun (Juli). Abends im Hinterland ist es kühler als an der Küste.
Herbst (September-November): Trüffelsaison! Weinlese, Olivenernte. Die beste Zeit für Kulinarik.
Winter (Dezember-März): Ruhig, manchmal neblig, aber atmosphärisch. Viele Restaurants geschlossen, aber die Konobas bleiben offen.
Unterkunft
Das Hinterland hat wenige große Hotels, aber viele kleine Perlen:
- Agriturismos: Bauernhöfe mit Zimmern und Vollpension
- Boutique-Hotels: Design meets Tradition (z.B. San Rocco in Brtonigla)
- Ferienwohnungen: In allen Dörfern
- Basis Küste: Rovinj oder Poreč als Ausgangspunkt für Tagesausflüge
Kombinationen
Tagestour: Dörfer & Trüffel
Motovun (2h) → Trüffelsuche bei Buzet (3h) → Mittagessen mit Trüffeln → Grožnjan (1h) → Zurück
Tagestour: Wein & Oliven
Momjan Weingüter (vormittags) → Mittagessen in Buje → Olivenöl-Verkostung → Grožnjan zum Sonnenuntergang
Halbtag: Schnell & authentisch
Motovun (1,5h) → Mittagessen im Tal → Zurück zum Strand
Das Wichtigste
Istriens Hinterland ist keine Alternative zur Küste – es ist das Herzstück der Halbinsel. Die Küstenorte sind schön, aber austauschbar. Die Hügeldörfer, Weinberge und Trüffelwälder gibt es nur hier.
Nimm dir mindestens einen Tag Zeit. Besser zwei. Starte früh, fahr langsam, halt an, wenn etwas interessant aussieht. Die besten Erlebnisse sind nicht geplant: der Winzer, der dich in seinen Keller einlädt; das Dorf, das in keinem Reiseführer steht; die Konoba, in der du der einzige Gast bist.
Und im Herbst: Trüffelsuche buchen. Es ist teuer, es ist touristisch, aber das Gefühl, wenn der Hund anfängt zu graben und du weißt, da ist etwas – das ist unbezahlbar.
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