Splits Hinterland: Cetina, Imotski & Dalmatinska Zagora (2026)
- Redaktionsteam
- Dalmatien , Geheimtipps
- 16 Nov, 2025
Inhalt
Hinter Split erhebt sich das Mosor-Gebirge wie eine Mauer. Dahinter liegt die Dalmatinska Zagora – wörtlich “hinter den Bergen” – eine Region, die so anders ist als die Küste, dass sie ein eigenes Land sein könnte. Karstlandschaften, die aussehen wie der Mond. Flüsse, die in Schluchten verschwinden. Seen, so blau und rot, dass sie unwirklich wirken. Und Dörfer, in denen die Ritter noch leben – zumindest einmal im Jahr.

Die Cetina: Dalmatiens wilder Fluss
Die Cetina entspringt in den Bergen bei Vrlika, fließt durch Canyons und Schluchten, und mündet bei Omiš ins Meer. Auf ihrem Weg durchquert sie einige der spektakulärsten Landschaften Kroatiens – und bietet alles von Rafting bis Badebuchten.
Die Quelle bei Vrlika
Das “Auge der Erde” (Vrilo Cetine) ist eine Karstquelle, aus der das türkisfarbene Wasser sprudelt. Der Ort ist mystisch: ein tiefes, rundes Becken, umgeben von Felsen und Wald, das Wasser so klar, dass du bis auf den Grund siehst (und der ist tief – Taucher haben über 100 Meter gemessen, ohne den Boden zu finden).

- Lage: 3 km von Vrlika, ausgeschildert
- Zugang: Kostenlos, kleiner Parkplatz
- Tipp: Komm früh morgens, wenn das Licht ins Wasser fällt
Die Gegend um die Quelle ist perfekt für eine Radtour: Die Quelle des Lebens führt auf 35 km durch das grüne Tal der oberen Cetina, vorbei an Wassermühlen und durch Dörfer, die vom Tourismus unberührt geblieben sind.
Die Schlucht
Zwischen Trilj und Omiš hat sich die Cetina tief in den Karst gefressen. Die Schlucht ist stellenweise 200 Meter tief, die Wände senkrecht, der Fluss unten türkis. Die Straße von Zadvarje nach Šestanovac folgt dem Rand – eine der spektakulärsten Strecken Dalmatiens.
Rafting in der Cetina:
- Start meist in Penšići oder Radmanove Mlinice
- Dauer: 3-4 Stunden
- Schwierigkeit: Leicht bis mittel (Wildwasser Klasse II-III)
- Preis: 40-60 € pro Person
- Beste Zeit: Mai-September
Wer lieber selbst paddelt: Kajak-Verleihe gibt es in Omiš und Trilj.
Radmanove Mlinice
Am unteren Ende der Schlucht liegt dieses ehemalige Mühlen-Ensemble, heute ein Restaurant mit Geschichte. Steingebäude unter Platanen, der Fluss rauscht vorbei, auf dem Teller: Forelle aus dem Fluss, Lamm aus den Bergen. Ein perfekter Stopp nach dem Rafting oder einfach so.

Imotski: Die Stadt der bunten Seen
Imotski liegt ganz im Süden der Zagora, fast an der bosnischen Grenze. Die Stadt selbst ist nett – Festung, Altstadt, gute Restaurants – aber die Stars sind zwei Seen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Modro Jezero (Blauer See)
Ein Kratersee im wahrsten Sinne: 220 Meter tief, eingefasst von senkrechten Felswänden, das Wasser so blau, dass es gephotoshoppt wirkt. Im Sommer sinkt der Wasserspiegel so weit, dass am Boden Fußball gespielt wird – eine Tradition seit 1925.

- Lage: Direkt am Stadtrand von Imotski
- Zugang: Aussichtspunkt oben kostenlos, Abstieg zum Wasser möglich (steil!)
- Baden: Ja, aber der Aufstieg danach ist anstrengend
- Beste Zeit: Frühjahr für den höchsten Wasserstand, Sommer für das intensivste Blau
Crveno Jezero (Roter See)
Der dramatischere der beiden: 530 Meter tief, die Wände färben sich bei Sonnenlicht rot (daher der Name), und von oben siehst du nur einen Bruchteil des Wassers. Der See gilt als einer der tiefsten Karstseen der Welt.
- Lage: 2 km vom Blauen See, ausgeschildert
- Zugang: Nur Aussichtspunkt, kein Abstieg möglich
- Tipp: Am besten vormittags, wenn die Sonne auf die roten Felsen scheint
Festung Topana
Über Imotski thront die Ruine einer venezianischen Festung. Der Aufstieg dauert 15 Minuten, die Aussicht auf beide Seen und die umliegenden Berge lohnt sich. Im Sommer finden hier manchmal Konzerte statt.
Sinj: Wo die Ritter leben
Sinj ist die größte Stadt der Zagora – was nicht viel heißt – und berühmt für die Sinjska Alka, ein Ritterturnier, das seit 1715 jährlich stattfindet. Reiter in historischen Kostümen versuchen, mit Lanzen einen eisernen Ring (Alka) zu treffen, während die ganze Stadt feiert.

Die Alka erleben
- Datum: Erstes August-Wochenende, Hauptturnier am Sonntag
- Tickets: Tribünenplätze ab ca. 20 €, Stehplätze kostenlos
- Tipp: Komm am Freitag oder Samstag zur Probe (weniger Menschenmassen, gleiche Atmosphäre)
- UNESCO: Die Alka ist seit 2010 immaterielles Weltkulturerbe
Außerhalb der Alka
- Cetinska Krajina Museum: Geschichte der Region, Volkskunst, Waffen
- Mariä-Himmelfahrt-Kirche: Wallfahrtsort mit wundertätigem Marienbild
- Markt: Jeden Montag, mit lokalen Produkten aus der Zagora
Kamešnica
Der Berg südlich von Sinj (1.809 m) ist ein beliebtes Wanderziel. Im Winter wird hier Ski gefahren (kleines Skigebiet), im Sommer wanderst du durch alpine Wiesen mit Blick bis zum Meer.
Die versteckten Dörfer
Die Zagora ist dünn besiedelt. Viele Dörfer haben nur noch eine Handvoll Einwohner – alte Menschen, die geblieben sind, während die Jungen an die Küste oder nach Deutschland gezogen sind. Aber genau das macht den Reiz aus.
Klis
Die Festung Klis thront auf einem Felsvorsprung zwischen Split und Sinj. Über 2.000 Jahre Geschichte – Illyrer, Römer, Kroaten, Türken – und eine Kulisse, die so dramatisch ist, dass Game of Thrones hier gedreht wurde (Meereen).

- Lage: 15 km von Split
- Eintritt: ca. 8 €
- Tipp: Kombinier mit einem Mittagessen im Dorf (Spit-Roast-Lamm ist die Spezialität)
Zadvarje
Ein winziges Dorf am Rand der Cetina-Schlucht, bekannt für den Wasserfall Gubavica (25 m hoch). Früher trieb der Fall eine Mühle an, heute ist er ein Badestopp für Rafter. Der Blick von der Brücke ist atemberaubend.
Trilj
Die Stadt am Cetina-Fluss war schon für die Römer wichtig (Ruinen von Tilurium). Heute ist Trilj Ausgangspunkt für Rafting-Touren und hat einen schönen Fluss-Badestrand. Das Museum Trilj zeigt römische Funde.
Dugopolje
Technisch gesehen schon fast Split, aber mental Zagora. Das Dorf hat ein modernes Stadion (Hajduk Split trainiert hier) und ein überraschendes Highlight: den Vergnügungspark “Fun Park Biograd” – ja, Biograd – ist ein anderer, aber der Wasserpark hier zieht Familien an.
Mit dem Rad durch die Zagora
Die Zagora ist hügelig, aber nicht unfahrbar. Die Straßen sind leer, die Anstiege moderat, und die Aussichten belohnen jeden Schweißtropfen.
Empfohlene Routen
Cetina-Schlucht erkunden: Die Cetina-Schlucht Radtour führt auf 62 km von Split in die Schlucht und zurück. Anspruchsvoll, aber mit Stopps zum Baden machbar.
Von der Küste ins Hinterland: Hinter der Küste – 68 km von Split nach Brela, aber nicht an der Küste, sondern durch die Berge. Karstlandschaften, verlassene Dörfer, Panoramen, die du von der Straße aus nie siehst.
Das Panorama-Erlebnis: Cetina-Tal Panoramatour – 49 km mit konstantem Blick auf den Fluss, die Schlucht und die Berge. Mittlere Schwierigkeit, viele Fotostopps.
Essen in der Zagora
Die Küche ist deftig: Fleisch, Kartoffeln, Kohl. Das Meer ist weit weg, also gibt es Lamm statt Fisch, Peka statt Brudet.
Spezialitäten
- Janjetina ispod peke: Lamm unter der Eisenglocke – die Nummer eins
- Soparnik: Dünner Teigfladen mit Mangold (aus dem Cetina-Tal)
- Arambaši: Kohlrouladen, gefüllt mit Hackfleisch (Spezialität von Sinj)
- Orehnjača: Walnuss-Strudel
Restaurants
Konoba Stina (Trilj): Lamm vom eigenen Hof, Blick auf den Fluss Konoba Peka (Sinj): Der Name ist Programm – alles aus der Peka Radmanove Mlinice (bei Omiš): Forelle und Ambiente in der Schlucht Villa Rustica (Imotski): Gehobener, aber authentisch. Probier die gefüllten Paprika.
Praktisches
Anfahrt von Split
- Sinj: 35 km, 40 Minuten über Klis
- Imotski: 90 km, 1,5 Stunden über die Autobahn oder 2 Stunden über Sinj
- Cetina-Quelle: 80 km, 1,5 Stunden
Mit Bus: Linien nach Sinj und Imotski ab Split Busbahnhof. In die Dörfer nur mit Auto.
Beste Reisezeit
Frühling: Grüne Wiesen, volle Wasserfälle, angenehme Temperaturen Sommer: Heiß (35°C+), aber trockener als an der Küste. Perfekt für Rafting. Herbst: Weinlese, Traubenfeste, goldenes Licht Winter: Kalt, manchmal Schnee in den Bergen. Die Festung Klis im Nebel ist mystisch.
Unterkunft
Wenig Hotels, viel Authentizität:
- Agrotourismus: Bauernhöfe bei Sinj und im Cetina-Tal
- Ferienwohnungen: In allen größeren Orten
- Basis Split: Alles ist als Tagesausflug machbar
Tagesausflüge von Split
Variante 1: Cetina komplett (ganzer Tag)
Morgens zur Quelle bei Vrlika → Mittagessen in Trilj → Nachmittags Rafting → Abends in Omiš am Meer
Variante 2: Imotski und Seen (halber Tag)
Fahrt nach Imotski → Blauer See → Roter See → Festung → Mittagessen → Zurück
Variante 3: Klis + Sinj (halber Tag)
Festung Klis (2h) → Sinj Altstadt → Mittagessen Lamm → Zurück über die alte Straße
Das Wichtigste
Die Zagora ist Dalmatien ohne Filter. Keine Strandliegen, keine Cocktailbars, keine Kreuzfahrtschiffe. Nur Landschaft, Geschichte und Essen, wie es früher war.
Nimm dir mindestens einen Tag Zeit für die Cetina – Quelle, Schlucht, Rafting. Wenn du zwei Tage hast, füg Imotski hinzu. Die bunten Seen sind surreal und lohnen die Fahrt.
Und wenn du Anfang August in der Nähe bist: Die Sinjska Alka ist eines der authentischsten Feste Europas. Keine Touristen-Show, sondern echte Tradition – seit über 300 Jahren.
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