Pager Spitze: Das UNESCO-Weltkulturerbe der Klöpplerinnen 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 24 Nov, 2025
Inhalt
In den Gassen von Pag-Stadt sitzen Frauen vor ihren Häusern und klöppeln – Nadel für Nadel, Faden für Faden, Stunde um Stunde. Die Pager Spitze (Paška čipka) ist eines der feinsten Handwerke Europas, seit 2009 UNESCO-Weltkulturerbe. Jedes Stück entsteht in Handarbeit, nach Mustern, die seit dem 15. Jahrhundert weitergegeben werden.

Die Spitze ist nicht nur ein Souvenir – sie ist Identität. Die Frauen von Pag haben dieses Handwerk über Jahrhunderte bewahrt, durch Kriege, Armut, Modernisierung. Heute gibt es noch etwa 30 aktive Klöpplerinnen, die meisten davon älter. Die Tradition steht am Scheideweg.
Die Geschichte
Der Ursprung
Die Legende sagt, dass Benediktinerinnen im 15. Jahrhundert die Kunst nach Pag brachten. Historisch belegt ist, dass die Spitze spätestens im 16. Jahrhundert existierte – Dokumente erwähnen “Pager Spitze” als Handelsware.
Die kargen Bedingungen der Insel spielten eine Rolle: Es gab wenig Landwirtschaft, die Männer waren oft auf See, die Frauen brauchten eine Einkommensquelle. Das Klöppeln war perfekt – es brauchte wenig Material, konnte zu Hause gemacht werden und brachte gutes Geld.
Die Blütezeit
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Pager Spitze in ganz Europa gehandelt. Adlige in Wien und Venedig schmückten ihre Gewänder damit, Kirchen bestellten liturgische Textilien. Die Qualität war legendär – feiner, regelmäßiger, haltbarer als Massenware.
Heute
Die Industrialisierung hat vieles verändert. Maschinengefertigte Spitze ist billig, handgemachte muss ihren Wert beweisen. Aber Pag hat überlebt – dank des UNESCO-Status, dank der Touristen, dank der Frauen, die nicht aufhören.
Die Technik
Nadelspitze
Anders als bei Klöppelspitze (mit vielen Fäden und Klöppeln) wird Pager Spitze mit einer einzigen Nadel und einem Faden gearbeitet. Das macht sie besonders fein – und besonders aufwändig.
Der Prozess:
- Das Muster wird auf Papier oder Karton gezeichnet
- Der Faden (früher Leinen, heute oft Baumwolle) wird um Nadeln geführt
- Knoten und Schlaufen bilden das Muster
- Jeder Stich wird einzeln gesetzt – kein Fehler ist korrigierbar
Die Muster
Die klassischen Muster haben Namen:
- Sunce (Sonne): Kreisförmig, strahlend, das bekannteste Motiv
- Zvijezda (Stern): Geometrisch, oft achteckig
- Ruža (Rose): Blumenförmig, in verschiedenen Varianten
- Mandala: Komplexe, symmetrische Designs
Jedes Muster hat seine Geschichte, seine Bedeutung, seine Schwierigkeit.
Die Zeit
Ein kleiner Deckchen (10-15 cm Durchmesser) braucht 25-40 Stunden Arbeit. Ein größerer Tischläufer kann mehrere Monate dauern. Die Komplexität eines Musters bestimmt die Zeit – und den Preis.
Das Erlebnis
Das Spitzenmuseum (Muzej čipke)
Das Museum in Pag-Stadt ist der beste Einstieg. Es zeigt die Geschichte, die Techniken und die schönsten Stücke.

Was du siehst:
- Historische Spitzenstücke (bis ins 17. Jahrhundert)
- Werkzeuge und Materialien
- Videos über die Technik
- Manchmal: Live-Demonstrationen
Praktisches:
- Lage: Kralja Petra Krešimira IV, Pag-Stadt
- Öffnungszeiten: Mai-Oktober täglich 10-13 und 18-21 Uhr
- Eintritt: ca. 3€
- Kontakt: Tourismusverband Pag
Workshop: Selbst klöppeln
Manche Klöpplerinnen bieten Einführungskurse an. Du lernst die Grundtechnik, setzt deine ersten Stiche und verstehst, warum ein kleines Deckchen so viele Stunden braucht.
Anbieter:
- Über das Tourismusbüro Pag (Termine auf Anfrage)
- Einzelne Klöpplerinnen (oft über Empfehlung)
- Kulturverein Paška čipka
Dauer: 2-3 Stunden für eine Einführung
Kosten: ca. 30-50€
Die Klöpplerinnen treffen
Im Sommer sitzen die Frauen oft vor ihren Häusern in der Altstadt. Sie arbeiten, plaudern, verkaufen. Ein Gespräch ist meistens möglich – frag höflich, zeig Interesse, respektiere, dass du zu Gast bist.
Wo: Rund um den Hauptplatz in Pag-Stadt, in den Seitengassen
Kaufen
Was suchen
Echte handgemachte Spitze erkennen:
- Leichte Unregelmäßigkeiten (Perfektion = Maschine)
- Feiner Faden, keine Plastikfasern
- Die Verkäuferin kann erklären, wer es gemacht hat
- Preis ist fair, aber nicht billig
Vorsicht vor:
- “Handgemacht” zu Billigpreisen (meist Maschine oder Import)
- Anonymer Verkauf ohne Herkunftsangabe
- Kunststofffäden
Was kaufen
| Produkt | Größe | Preis |
|---|---|---|
| Kleines Deckchen | 8-10 cm | 20-50€ |
| Mittleres Deckchen | 15-20 cm | 80-150€ |
| Großes Deckchen | 25-30 cm | 200-400€ |
| Tischläufer | 30x80 cm | 500-1.000€ |
| Komplexe Stücke | variiert | 1.000€+ |
Die Preise spiegeln die Arbeitsstunden. Ein Stück für 30€ hat 30+ Stunden Arbeit gekostet – wer weniger will, bezahlt Dumpingpreise.
Wo kaufen
Direkt von Klöpplerinnen: In der Altstadt von Pag-Stadt, vor den Häusern oder auf Märkten. Die authentischste Option.
Tourismusbüro: Verkauft zertifizierte Produkte, kann Produzentinnen vermitteln.
Souvenirläden: Gemischt – manche verkaufen echt, manche Maschinenware. Frag nach.
Pag-Stadt erkunden
Die Altstadt
Die Altstadt von Pag ist selbst sehenswert – eine geplante Renaissance-Stadt, entworfen vom dalmatinischen Architekten Juraj Dalmatinac (der auch die Kathedrale von Šibenik baute).
Was sehen:
- Der Hauptplatz mit der Marienkirche
- Die Straßen im Schachbrettmuster
- Die Stadttore und Reste der Befestigung
- Die Salinen am Stadtrand
Kombinationen
Ein Besuch auf Pag lässt sich gut verbinden mit:
- Salinen von Pag: Geschichte des Salzhandels
- Pager Käse (Paški Sir): Die andere berühmte Spezialität
- Strand Prosika: Flach, sandig, familienfreundlich
- Zrće Beach: Für Partygänger, am anderen Ende der Insel
Das Handwerk unterstützen
Warum es wichtig ist
Die Pager Spitze steht vor dem Aussterben. Die meisten Klöpplerinnen sind über 60, nur wenige junge Frauen lernen das Handwerk. Ohne Nachfolgerinnen wird die Tradition verschwinden.
Was du tun kannst:
- Echte Spitze kaufen (nicht Maschinenware)
- Faire Preise akzeptieren (die Arbeit ist es wert)
- Das Handwerk bekannt machen
- Workshops besuchen und Interesse zeigen
Initiativen
Kulturverein Paška čipka: Bemüht sich um Nachwuchsförderung und Dokumentation.
UNESCO-Status: Hat Aufmerksamkeit gebracht, aber nicht alle Probleme gelöst.
Schul-Programme: Einige Schulen bieten Spitze-Unterricht an – aber die Nachfrage ist gering.
Hinweise
Anreise nach Pag
Mit dem Auto: Die Brücke verbindet Pag mit dem Festland (von Norden). Oder Fähre von Prizna nach Žigljen (von Süden).
Mit dem Bus: Verbindungen von Zadar und Rijeka.
Beste Zeit
Für Spitze: Sommer (Juni-September) – dann sind die Klöpplerinnen draußen, die Workshops aktiv, das Museum offen.
Für die Insel: Mai-Juni und September – weniger Touristen, angenehme Temperaturen.
Übernachtung
Pag-Stadt hat Hotels und Apartments. Die Altstadt ist atmosphärisch, die Umgebung bietet Strände.
Resümee
Die Pager Spitze ist mehr als ein Souvenir – sie ist lebendige Geschichte. Jedes Stück trägt die Arbeit von Händen, die ein Wissen bewahren, das sonst verloren wäre. Die Frauen, die heute noch klöppeln, sind die letzten Hüterinnen einer 500-jährigen Tradition.
Nimm dir Zeit in Pag. Schau zu, wie die Nadel den Faden führt. Versteh, dass jeder Stich Geduld, Können und Hingabe bedeutet. Und wenn du ein Stück kaufst, weißt du, was du trägst – nicht nur Spitze, sondern Geschichte.
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