Pag: Mondlandschaft, Käse und die wildeste Party der Adria 2026
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Pag sieht aus, als hätte jemand ein Stück Mond in die Adria geworfen. Kahl, zerklüftet, fast vegetationslos – die Bora hat jeden Baum weggepeitscht, der es wagte zu wachsen. Dafür gibt es Schafe, die zwischen den Steinen grasen, Salinen, die seit Jahrhunderten Salz liefern, und an einem Strand im Norden die wildeste Partymeile Kroatiens. Pag ist eine Insel der Extreme.

Warum Pag anders ist
Die meisten kroatischen Inseln sind grün, mediterran, voller Pinien und Olivenbäume. Pag nicht. Die Insel liegt im Windschatten des Velebit-Gebirges, und die Bora – der eisige Nordwind – fegt hier mit einer Wucht über das Land, die alles Grüne vernichtet. Was bleibt, ist eine Landschaft aus grauem Karst, durchzogen von weißen Trockenmauern, die Schafe zusammenhalten sollen.
Genau diese Kargheit macht Pag besonders. Die Schafe fressen salzige Kräuter und Salbei, der zwischen den Steinen wächst. Ihr Käse – der berühmte Paški Sir – schmeckt nach nichts anderem auf der Welt. Die Frauen haben über Jahrhunderte Spitze geklöppelt, weil es sonst wenig zu tun gab. Und die Salzgärten von Pag liefern seit dem Mittelalter das weiße Gold.
Pag Stadt: Das Herzstück der Insel
Die Hauptstadt der Insel wurde im 15. Jahrhundert auf dem Reißbrett entworfen – ein seltenes Beispiel mittelalterlicher Stadtplanung. Der kroatische Baumeister Juraj Dalmatinac (der auch die Kathedrale von Šibenik baute) entwarf den Grundriss: rechtwinklige Straßen, ein zentraler Platz, alles symmetrisch.

Was du in Pag Stadt sehen solltest
Marienkirche (Crkva Uznesenja Blažene Djevice Marije): Das Wahrzeichen der Stadt, ebenfalls von Dalmatinac entworfen. Die unfertige Fassade aus weißem Stein leuchtet im Abendlicht golden. Eintritt frei.
Fürstenpalast (Knežev Dvor): Heute das Stadtmuseum. Zeigt die Geschichte der Salzgewinnung, Spitzenklöppelei und des Insellebens. Lohnt sich für 3 €.
Salzgärten: Südlich der Stadt erstrecken sich die Salinen, die seit über 500 Jahren in Betrieb sind. Am besten bei Sonnenuntergang besuchen, wenn das Wasser rosa schimmert.
Spitzenmuseum: Die Pager Spitze (Paška Čipka) ist UNESCO-geschützt. Im kleinen Museum siehst du, wie die komplizierten Muster entstehen – manche Stücke brauchen Monate Handarbeit.
Essen in Pag Stadt
Konoba Bodulo: Traditionelle Küche, Lammgerichte vom Holzofen, hausgemachte Pasta mit Schafskäse. Reservieren!
Restaurant Na Tale: Gehobener, aber immer noch authentisch. Das Degustationsmenü mit lokalen Spezialitäten lohnt sich.
Tipp: Probier Janjetina (Lamm) mit Mlinci (gebackene Teigfladen) – das Signature-Dish der Insel.
Novalja und Zrće: Party ohne Ende
20 Kilometer nördlich von Pag Stadt liegt Novalja – tagsüber ein verschlafenes Küstenstädtchen, nachts das Epizentrum der kroatischen Partyszene. Der Grund: Zrće Beach.

Zrće Beach
Der Kieselstrand zwei Kilometer außerhalb von Novalja ist das kroatische Ibiza. Drei Open-Air-Clubs – Papaya, Aquarius und Noa – ballern von Juni bis September Beats in die Nacht. Internationale DJs, Poolpartys tagsüber, durchfeiern bis zum Sonnenaufgang.
Wer sollte nach Zrće?
- Wenn du Party willst: definitiv
- Wenn du Ruhe suchst: definitiv nicht
- Wenn du Ende 30 bist und fragst “Bin ich zu alt?”: wahrscheinlich ja, aber niemand hält dich auf
Praktisches:
- Eintritt: Clubs verlangen 20-50 € je nach Event/DJ
- Shuttle: Busse fahren nachts von Novalja zum Strand
- Unterkunft: Hotels in Novalja oder Apartments – in Zrće selbst gibt es keine
Abseits der Party
Novalja hat auch eine andere Seite. Die Altstadt ist hübsch, der Stadtpark entspannt, und die Strände nördlich von Zrće sind deutlich ruhiger.
Strand-Alternativen:
- Caska Beach: Sandstrand südlich von Novalja, perfekt für Familien
- Zrće Nord: Gleicher Strand, aber weit weg von den Clubs
- Stara Novalja: Geschützte Bucht im Norden, kristallklares Wasser
Paški Sir: Der berühmteste Käse Kroatiens
Der Pager Schafskäse ist keine Marketing-Erfindung, sondern wirklich besonders. Die Schafe fressen salzige Kräuter und aromatischen Salbei, der Käse reift monatelang in Steinkellern. Das Ergebnis: ein harter, würziger Käse mit kristalliner Textur und intensivem Geschmack.

Wo kaufen?
Sirana Gligora (Kolan): Die bekannteste Käserei der Insel. Führungen durch die Produktion, Verkostung verschiedener Reifestufen, Shop mit Direktverkauf. Auch online bestellbar.
MIH (Kolan): Kleinere, familiengeführte Käserei. Weniger touristisch, gleichwertiger Käse.
Markt Pag Stadt: Samstags verkaufen Bauern direkt – hier bekommst du manchmal Sorten, die es nirgendwo anders gibt.
Preise: Rechne mit 25-40 € pro Kilo für gut gereiften Käse. Junger Käse ist günstiger, aber weniger charakteristisch.
Mit dem Rad über die Mondinsel
Die karge Landschaft von Pag ist wie gemacht fürs Radfahren. Wenig Verkehr, weite Sicht, und eine Atmosphäre, die an eine andere Welt erinnert. Die Mondinsel-Route führt auf 43 Kilometern durch das Herz der Insel – vorbei an Schafherden, durch verlassene Dörfer und über Hügel, von denen du bis zum Velebit siehst.
Die Strecke ist hügelig, aber nicht brutal. Mit einem normalen Trekkingrad machbar, mit E-Bike entspannt. Highlights: die Salinen bei Pag Stadt, das Dorf Kolan mit seinen Käsereien, und der Blick über die Bucht von Stara Novalja.
Paška Čipka: Die Spitzenkunst
Seit über 500 Jahren klöppeln die Frauen von Pag Spitze – eine Kunstform, die 2009 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Die Muster sind geometrisch und abstrakt, die Technik extrem aufwendig. Ein einziges Deckchen kann Wochen dauern.
Heute wird die Tradition von einer schrumpfenden Gruppe älterer Frauen am Leben gehalten. Im Spitzenmuseum in Pag Stadt kannst du die Arbeit sehen, und manchmal demonstrieren Klöpplerinnen ihre Kunst live.
Kaufen: Echte Pager Spitze kostet 50-500 € je nach Größe und Komplexität. Billige Imitationen aus China gibt es auch – die erkennst du am Preis.
Strände auf Pag
Die Strände sind Kies und Stein, das Wasser kristallklar. Sandstrände gibt es wenige, aber die Buchten sind oft menschenleer.

Die besten Strände
Rućica (bei Metajna): Abgelegene Kiesbucht, nur über Schotterweg erreichbar. Keine Infrastruktur, dafür fast niemand da.
Beritnica (bei Metajna): Noch abgelegener – 20 Minuten Fußweg über Felsen. Spektakulär, aber nichts für Faule.
Sveti Duh (bei Novalja): FKK-freundliche Bucht im Norden. Großer Kieselstrand, wenig Touristen.
Caska: Der einzige echte Sandstrand der Insel. Flaches Wasser, ideal für Kinder.
Zrće: Für Party-People. Tagsüber Liegen, Bars, laute Musik. Abends wird’s wild.
Praktisches
Anreise
Mit dem Auto: Pag ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden (bei Posedarje, südlich von Zadar). Alternativ: Fähre Prizna-Žigljen (nördlicher Zugang, kürzer von Rijeka/Istrien).
Ohne Auto: Busse von Zadar nach Pag Stadt (ca. 1,5 h). Im Sommer auch direkte Verbindungen nach Novalja.
Entfernungen
Pag ist 60 Kilometer lang, aber schmal – du brauchst nie lange, um von A nach B zu kommen. Die wichtigsten Distanzen für deine Planung:
| Von | Nach | Entfernung | Fahrzeit |
|---|---|---|---|
| Zadar | Pag Stadt (Brücke) | 55 km | 1 h |
| Rijeka | Novalja (Fähre) | 100 km | 2 h |
| Pag Stadt | Novalja | 20 km | 25 min |
| Novalja | Zrće Beach | 2 km | 5 min |
| Pag Stadt | Kolan (Käsereien) | 8 km | 10 min |
Beste Reisezeit
Mai-Juni: Warm, grün (soweit das auf Pag möglich ist), kaum Touristen außer Zrće.
Juli-August: Heiß, voll, Party-Hochsaison. Für Zrće perfekt, für Ruhe falsch.
September-Oktober: Angenehme Temperaturen, Weinlese, leer. Beste Zeit für Radfahren und Wandern.
Winter: Die Insel ist fast verlassen. Einige Restaurants haben offen, aber es fühlt sich an wie das Ende der Welt.
Unterkunft
Pag Stadt: Apartments und kleine Hotels, traditionelle Atmosphäre. Ideal für Ruhesuchende.
Novalja: Größere Auswahl, näher an Zrće, jüngeres Publikum.
Kolan/Metajna: Dörfer im Inselinneren, Agriturismos, perfekt für Käse-Fans.
Das Wichtigste
Pag ist gespalten. Im Süden: Geschichte, Käse, Spitze, Stille. Im Norden: Zrće, Bass, Exzess. Dazwischen: eine Mondlandschaft, durch die Schafe ziehen.
Für wen ist Pag richtig?
- Party-Urlauber: Zrće ist eines der besten Festival-Ziele Europas
- Foodies: Der Käse allein ist die Reise wert
- Fotografen: Die Landschaft ist surreal und fotogen
- Ruhesuchende: Meidet Novalja im Juli/August, der Rest der Insel ist leer
Pack Sonnencreme ein (es gibt keinen Schatten), feste Schuhe für die Felsstrände, und genug Bargeld – nicht alle Käsereien akzeptieren Karten.
Mehr zu den Inseln: Kvarner Guide | Radfahren Kroatien | FKK Strände Kroatien