Korčula: Marco Polos Insel zwischen Wein, Wald und mittelalterlichen Mauern 2026
- Redaktionsteam
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- 04 Dec, 2025
Inhalt
Korčula ist die Insel, die alles hat, was Dubrovnik hat – nur ohne die Kreuzfahrtschiffe. Eine mittelalterliche Altstadt auf einer Halbinsel. Stadtmauern, die ins Meer fallen. Steinhäuser, die seit 500 Jahren stehen. Dazu etwas, das Dubrovnik fehlt: dichte Pinienwälder, versteckte Buchten und die besten Weißweine Dalmatiens.
Die Griechen nannten sie “Korkyra Melaina” – die Schwarze Korkyra – wegen der dunklen Wälder, die die Insel bedecken. Heute ist Korčula eines der grünsten Eilande der Adria: 60% Wald, der Rest Weinberge, Olivenhaine und Lavendel.
Und dann ist da Marco Polo. Die Venezianer behaupten, er sei in Venedig geboren. Die Korčulaner wissen es besser.

Korčula Stadt – Klein-Dubrovnik
Die Altstadt von Korčula ist ein architektonisches Wunder auf einer Fingerspitze von Halbinsel. Die Stadtplanung folgt einem genialen Prinzip: Die Hauptstraße verläuft zentral, die Seitengassen zweigen wie Fischgräten ab – genau so angewinkelt, dass im Sommer die Brise durchzieht, im Winter der Bora-Wind geblockt wird.
Die Venezianer haben hier 400 Jahre geherrscht, und man sieht es an jeder Ecke. Der Markusdom (Katedrala Sv. Marka) aus dem 15. Jahrhundert zeigt den geflügelten Löwen über dem Portal. Das Innere beherbergt ein Altarbild von Tintoretto – Weltklasse-Kunst in einer Kleinstadt mit 3.000 Einwohnern.
Marco Polo Geburtshaus
War Marco Polo Korčulaner? Die Beweislage ist dünn, aber die Lokaltradition ist stark. Das angebliche Geburtshaus (ein mittelalterlicher Turm in der Altstadt) ist heute Museum. Die Ausstellung ist bescheiden, der Ausblick vom Turm dafür spektakulär.
Historischer Kontext: 1298 kämpfte die venezianische Flotte vor Korčula gegen Genua. Die Venezianer verloren, Marco Polo wurde gefangengenommen – möglicherweise war er dabei. Ob er auch hier geboren wurde, bleibt umstritten. Für einen unterhaltsamen Besuch reicht die Legende.
Moreška – Der Schwerttanz
Jeden Donnerstag im Sommer führen Einheimische die Moreška auf – einen mittelalterlichen Schwerttanz, bei dem “Weißer König” und “Schwarzer König” um eine Prinzessin kämpfen. Die Tradition geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als maurische Piraten die Adria unsicher machten.
Das Spektakel findet vor den Stadtmauern statt, mit Fackeln, Trommeln und echten Schwertern (die klingen!). Tickets ab ca. 20 €.
Die Strände – Versteckt und vielfältig
Korčula hat keine Sandstrände – aber Dutzende Kies- und Felsbuchten, oft versteckt unter Pinien, nur zu Fuß oder per Boot erreichbar.

Pupnatska Luka
An der Südküste liegt die vielleicht schönste Bucht der Insel: Pupnatska Luka. Weißer Kies, kristallklares Wasser, Pinienwald bis zum Strand. Ein Restaurant serviert gegrillten Fisch direkt am Wasser. Die Anfahrt (10 km von Korčula Stadt) führt durch Weinberge – der Weg ist Teil des Erlebnisses.
Vela Pržina
Der einzige Sandstrand der Insel liegt bei Lumbarda, 6 km östlich von Korčula Stadt. Flaches Wasser, weicher Sand – perfekt für Familien mit kleinen Kindern. Im Sommer voll, aber groß genug für alle.
Proizd
Die kleine Insel Proizd vor Vela Luka ist ein Naturparadies: unberührte Felsküste, glasklares Wasser zum Schnorcheln, keine Bebauung. Taxiboote fahren im Sommer stündlich von Vela Luka (ca. 5 €).
FKK
Mehrere ausgewiesene FKK-Strände: bei Lumbarda (Bilin Žal), auf Proizd, und verschiedene abgelegene Buchten entlang der Küste.
Die Weinregion – Grk und Pošip
Korčula ist eine der besten Weininseln Kroatiens – und beide Hauptsorten sind autochthon und nirgendwo sonst zu finden.
Pošip
Pošip wächst im Hinterland bei Čara und Smokvica. Ein trockener Weißwein mit Aromen von Zitrus, Mandeln und mediterranen Kräutern. Der erste kroatische Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung.
Grk
Grk ist noch exklusiver: Er wächst nur in Lumbarda, auf sandigen Böden direkt am Meer. Die Trauben sind so empfindlich, dass sie maschinelle Ernte nicht überleben. Das Ergebnis ist ein komplexer, mineralischer Weißwein, der zu den besten Dalmatiens zählt.

Weingüter zum Besuchen
Bire (Lumbarda) – Familienweingut, spezialisiert auf Grk. Die Verkostung findet in einem alten Steinhaus zwischen den Reben statt. Persönlich, authentisch, unvergesslich.
Toreta (Smokvica) – Größeres Weingut mit moderner Kellerei. Gute Pošip-Auswahl, auch Rotweine.
Zure (Lumbarda) – Boutique-Weingut, biodynamisch. Für Weinenthusiasten, die das Besondere suchen.
Vela Luka – Der ruhige Westen
Am Westende der Insel liegt Vela Luka – die größte Stadt Korčulas, aber vom Tourismus fast unberührt. Der Ort fühlt sich wie das echte Dalmatien an: Fischerboote im Hafen, alte Männer beim Kartenspiel, Restaurants ohne englische Speisekarten.
Die Vela Spila oberhalb der Stadt ist eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Kroatiens. Die Höhle wurde seit 20.000 Jahren von Menschen bewohnt – Funde reichen bis in die Jungsteinzeit.
Von Vela Luka aus fahren Fähren nach Split (ca. 2,5 Stunden) – eine Alternative zur Pelješac-Route für die Weiterreise.
Aktivitäten
Kajaktouren
Die zerklüftete Küste ist ideal für Seekajak. Mehrere Anbieter in Korčula Stadt bieten Halbtages- und Tagestouren an – zu versteckten Buchten, Höhlen und den vorgelagerten Inseln.
Radfahren
Korčula hat weniger Autoverkehr als die Küste, dafür mehr Hügel. Die Insel ist 47 km lang und durchzogen von kleinen Straßen zwischen Weinbergen und Olivenhainen.
Kombination mit Pelješac: Wer die Fähre von Korčula nach Orebić nimmt, kann die Pelješac-Halbinsel erkunden. Die Zwischen Mauern und Salz Route führt 33 km entlang der berühmten Stadtmauern von Ston – ein perfekter Tagesausflug für Radfahrer, die Korčula mit dem dalmatinischen Festland verbinden wollen.
Tauchen
Die Unterwasserwelt um Korčula ist abwechslungsreich: Höhlen, Steilwände, Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Tauchbasis in Korčula Stadt bietet Kurse und Ausfahrten.
Wandern
Die bewaldete Insel hat mehrere markierte Wanderwege. Der Aufstieg zum Klupe (568 m, höchster Punkt) dauert ca. 3 Stunden und bietet Panoramablick über die gesamte Insel und das Pelješac-Archipel.
Essen & Trinken
Die Küche Korčulas ist dalmatinisch mit Insel-Akzent: viel Fisch, lokales Olivenöl, und natürlich der Wein aus eigenem Anbau.
Restaurant-Empfehlungen
LD Restaurant (Korčula Stadt) – Gehobene dalmatinische Küche in einem mittelalterlichen Turm. Das beste Restaurant der Insel, Reservierung Pflicht.
Konoba Mate (Pupnatska Luka) – Direkt am Strand, legendär für gegrillten Fisch und Muscheln. Einfach, aber perfekt.
Konoba Belin (Lumbarda) – Rustikale Konoba inmitten der Weinberge. Hausgemachte Pasta, Lamm vom Grill, Grk aus dem eigenen Weingut nebenan.
Massimo (Korčula Stadt) – Cocktailbar im Wachturm. Die Drinks werden mit einem Flaschenzug hochgezogen. Kitschig? Ja. Trotzdem magisch beim Sonnenuntergang.
Spezialitäten
- Žrnovski Makaruni – Handgemachte Pasta aus Žrnovo, mit Rindfleischsauce
- Korčulanske Kroštule – Frittiertes Teiggebäck, traditionell zu Festen
- Fisch – Orada (Goldbrasse), Zubatac (Zahnbrasse), Hobotnica (Oktopus)
- Grk mit Meeresfrüchten – Die perfekte Kombination
Praktische Infos
Anreise
Fähre von Split: Nach Vela Luka (ca. 2,5 Stunden) oder nach Korčula Stadt (mit Umstieg über Hvar, ca. 3 Stunden).
Fähre von Orebić (Pelješac): Nur 15 Minuten nach Dominče (bei Korčula Stadt). Die schnellste Verbindung, aber erfordert Anfahrt über Pelješac.
Katamaran: Schnellboote verbinden Korčula Stadt mit Split, Hvar und Dubrovnik (saisonabhängig).
Mit dem Auto: Über die Pelješac-Halbinsel und Fähre Orebić–Dominče. Die neue Pelješac-Brücke spart die bosnische Grenze.
Beste Reisezeit
- Juni + September: Ideal. Warm, sonnig, weniger voll als im Hochsommer.
- Juli + August: Hochsaison. Die Moreška findet statt, aber Hotels sind teuer und voll.
- Mai + Oktober: Ruhig, günstiger, aber einige Restaurants schließen.
- Weinlese (September): Besonders stimmungsvoll – Weingüter öffnen ihre Türen.
Fortbewegung auf der Insel
Die Insel ist 47 km lang. Ohne Auto oder Roller ist man auf Busse angewiesen (begrenzte Verbindungen). Mietwagen ab ca. 40 €/Tag, Roller günstiger und praktischer.
Unterkunft
Hotels: Das Lešić Dimitri Palace (Korčula Stadt) ist das einzige Luxushotel – in einem restaurierten Bischofspalast, spektakulär. Sonst dominieren kleinere Hotels und Pensionen.
Apartments: Die Mehrheit der Besucher bucht Ferienwohnungen. In Korčula Stadt für Altstadt-Flair, in Lumbarda für Strand-Nähe.
Agrotourismus: Einige Weingüter bieten Zimmer an – perfekt für Weinliebhaber.
Korčula vs. andere Inseln
Korčula vs. Hvar: Hvar ist lauter, jünger, mehr Party. Korčula ist ruhiger, kultureller, weinorientiert. Für Familien und Paare: Korčula. Für Nachtleben: Hvar.
Korčula vs. Brač: Brač hat den berühmten Strand Zlatni Rat, ist aber touristisch homogener. Korčula hat mehr Charakter und Vielfalt.
Korčula vs. Vis: Vis ist noch unberührter und wilder, aber schwerer erreichbar. Korčula ist der Kompromiss: authentisch, aber komfortabel.
Was bleibt
Korčula ist die Insel für alle, die Dalmatien ohne Massentourismus wollen. Die Altstadt ist ein architektonisches Juwel, die Strände sind versteckt und vielfältig, die Weine gehören zu den besten des Landes. Dazu Wälder, Olivenhaine und eine Ruhe, die an der Küste längst verloren ist.
Eine Woche ist ideal: zwei Tage Korčula Stadt, ein Tag Lumbarda mit Weinverkostung, ein Tag Vela Luka und Proizd, ein Tag Pelješac-Ausflug. Wer weniger Zeit hat, sollte mindestens drei Nächte bleiben – alles andere ist Durchhetzen.
Marco Polo hatte recht, hier geboren zu werden. Ob er es wirklich war, ist am Ende egal.
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