Kroatien im Winter 2026: Thermen, Kultur & Winterurlaub abseits der Massen
- Redaktionsteam
- Reisetipps
- 16 Dec, 2025
Inhalt
Kroatien und Winter – das klingt erst mal wie ein Widerspruch. Das Land verkauft sich als Sommertraum, als Adriaparadies, als Sonnenziel. Aber im Dezember, Januar, Februar zeigt sich ein anderes Kroatien: ruhiger, authentischer, überraschend vielseitig.
Die Küste schläft. Aber das Landesinnere wacht auf.
Was macht Kroatien im Winter?
Die kurze Antwort: alles außer Strand.
Die Touristenhorden sind weg, die Preise niedrig, die Sehenswürdigkeiten leer. Dubrovniks Altstadt gehört dir – ohne Kreuzfahrtpassagiere, ohne Warteschlangen, ohne den Kampf um ein Restauranttisch. Die Plitvicer Seen sind manchmal zugefroren, die Wasserfälle von Eiszapfen umgeben.
Und dann gibt es das, wofür Kroatien im Sommer keine Zeit hat: Thermen, Skigebiete, Karnevalstraditionen, Winterwälder.

Thermen: Kroatiens Winter-Geheimwaffe
Kroatien hat mehr Thermalquellen, als die meisten ahnen – ein Erbe der Römer und der habsburgischen Wellness-Tradition. Im Winter werden diese Thermen zum Hauptprogramm.
Terme Sveti Martin
Die modernste Therme Kroatiens liegt im Norden, nahe der ungarischen Grenze. Ein vollwertiges Wellness-Resort mit Innen- und Außenbecken, Saunalandschaft und Aquapark für Familien.
Was dich erwartet:
- 9 Thermalbecken (innen und außen)
- Wassertemperatur: 32–38 °C
- Wellness- und Spa-Bereich
- Aquapark für Kinder
- Golfplatz (auch im Winter bespielbar bei mildem Wetter)
Preise: Tageskarte ca. 20–30 €, Übernachtung im Resort ab 100 €.
Anfahrt: 1,5 Stunden von Zagreb, gut erreichbar.
Terme Tuhelj
Familienfreundlicher Thermenpark, ebenfalls im Norden. Weniger luxuriös als Sveti Martin, dafür günstiger und mit riesigem Wasserpark.
Besonderheit: Der Aquapark hat Riesenrutschen und Wellenbecken – im Winter beheizt und nutzbar. Perfekt für Familien mit Kindern, die Action brauchen.
Preise: Tageskarte ca. 15–25 €.

Varaždinske Toplice
Die älteste Therme Kroatiens, gegründet in römischer Zeit. Weniger Rutsche, mehr Geschichte. Das Thermalwasser hat 58 °C und hilft bei Rheuma und Gelenkproblemen – das behaupten zumindest die Römer seit 2.000 Jahren.
Was dich erwartet:
- Historisches Ambiente
- Medizinische Anwendungen
- Ruhige, erwachsene Atmosphäre
- Nahe der Barockstadt Varaždin
Kombination: Ein Tag in Varaždin (Altstadt, Barockpalais, Friedhof), dann abends in die Therme.
Stubičke Toplice
Die Therme der Zagreber. Nur 30 Minuten von der Hauptstadt entfernt, perfekt für einen Tagesausflug. Das Thermalbad ist einfacher als die großen Resorts, dafür authentischer – hier kommen die Einheimischen seit Generationen.
Istarske Toplice
Versteckt im istrischen Hinterland, am Fuß eines steilen Tals. Die kleinste der großen Thermen, mit natürlichen Schwefelquellen und einer Lage, die an die Toskana erinnert.
Besonderheit: Das Wasser riecht nach Schwefel (gewöhnungsbedürftig), soll aber besonders gut für die Haut sein.
Skifahren in Kroatien
Ja, in Kroatien kann man Skifahren. Nein, es ist nicht die Schweiz. Aber für einen Tagesausflug oder ein Wochenende auf Skiern reicht es – und es ist deutlich günstiger als Alpen-Skifahren.
Sljeme (Zagreb)
Das Hausgebirge Zagrebs hat ein kleines Skigebiet, das bei ausreichend Schnee öffnet. Die Pisten sind kurz (insgesamt 4 km), aber für Anfänger und Familien ausreichend.
Was dich erwartet:
- 3–4 Abfahrten, leicht bis mittel
- Liftanlagen (manchmal veraltet)
- Skiverleih und Skischule vor Ort
- Rodelbahn für Kinder
Anfahrt: 30 Minuten von Zagreb, Seilbahn fährt hoch.
Realität: Das Skigebiet ist stark wetterabhängig. Manche Winter gibt es wochenlang keinen Schnee, andere Winter ist alles weiß. Prüfe die aktuellen Bedingungen, bevor du hochfährst.

Platak
Ein Skigebiet im Gorski Kotar, zwischen Zagreb und Rijeka. Höher gelegen als Sljeme (1.100 m), daher schneesicherer.
Was dich erwartet:
- 8 km Pisten
- Modernere Lifte als Sljeme
- Langlaufloipen
- Ruhige, wenig überlaufene Pisten
Anfahrt: 1,5 Stunden von Zagreb, 30 Minuten von Rijeka.
Bjelolasica
Das größte Skigebiet Kroatiens liegt ebenfalls im Gorski Kotar. Wenn es Schnee gibt, ist Bjelolasica die beste Option für ernsthafte Skifahrer.
Was dich erwartet:
- 12 km Pisten
- Höhe bis 1.534 m
- Längere Abfahrten als Sljeme
- Weniger überlaufen als österreichische Skigebiete
Ehrliche Einschätzung: Kroatisches Skifahren ist nichts für Ski-Enthusiasten, die perfekt präparierte Pisten und Schneegarantie erwarten. Es ist eher für Einheimische und Besucher, die einen Tag auf Skiern einlegen wollen, ohne nach Österreich zu fahren.
Städte im Winter
Die kroatischen Städte zeigen sich im Winter von einer anderen Seite. Ohne Touristenmassen, mit Weihnachtsmärkten im Advent und authentischem Alltagsleben.
Zagreb
Die Hauptstadt ist im Winter am besten. Die Café-Kultur blüht (Kroaten trinken mehr Kaffee als Italiener), die Kulturszene ist aktiv, und der Advent verwandelt die Stadt in ein Wintermärchen.
Was tun:
- Advent in Zagreb (Ende November bis Januar)
- Museen (Museum der zerbrochenen Beziehungen, Technisches Museum, Archäologisches Museum)
- Kaffeetrinken in der Tkalčićeva-Straße
- Tagesausflug zum Sljeme (Wandern oder Skifahren)
- Samobor-Ausflug (Cremeschnitte essen)
Unterkunft: Hotels sind 50 % günstiger als im Sommer, außer während des Advents.

Dubrovnik
Dubrovnik im Winter ist ein völlig anderes Erlebnis. Die Kreuzfahrtschiffe sind weg, die Altstadt ist ruhig, und die Restaurants haben Zeit für dich.
Was tun:
- Stadtmauer-Rundgang ohne Gedränge (ca. 2 Stunden)
- Museen in der Altstadt
- Tagesausflug nach Montenegro (Kotor ist im Winter bezaubernd)
- Essen in lokalen Konobas (nicht den Touristenläden auf dem Stradun)
Achtung: Viele Restaurants und Bars schließen im Winter. Prüfe vorher, was geöffnet ist. Die touristischen Lokale bleiben offen, aber die Qualität leidet manchmal, wenn die Konkurrenz schläft.
Split
Split schläft weniger als Dubrovnik. Die Stadt hat eine große Studentenbevölkerung und bleibt auch im Winter belebt.
Was tun:
- Diokletianpalast (endlich ohne Massen fotografierbar)
- Marjan-Wanderung (milde Wintertemperaturen)
- Kunstszene erkunden (Galerija Meštrović, Galerija Kula)
- Kaffee auf der Riva mit Blick aufs Meer
Rijeka
Rijeka ist die Winterhauptstadt Kroatiens – zumindest im Februar, wenn der Karneval kommt. Der “Rijeka Karneval” ist einer der größten Europas, mit Umzügen, Kostümen und wochenlangen Festivitäten.
Karnevalszeit: Der Hauptumzug findet am Sonntag vor Aschermittwoch statt. Zehntausende in Kostümen ziehen durch die Stadt, Musik, Konfetti, Ausgelassenheit.
Traditionelle Figuren: Die “Zvončari” (Glöckner) sind UNESCO-Weltkulturerbe. Männer in Schaffellen und mit riesigen Glocken ziehen durch die Dörfer des Hinterlands, um den Winter zu vertreiben.

Natur im Winter
Plitvice im Schnee
Die Plitvicer Seen im Winter sind magisch – wenn Schnee liegt. Die Wasserfälle frieren teilweise zu, die Seen dampfen in der Kälte, und die Wege sind (fast) menschenleer.
Was erwartet dich:
- Winterliche Märchenlandschaft (bei Schnee)
- Kürzere Öffnungszeiten als im Sommer
- Teile des Parks können gesperrt sein (Holzstege bei Eis gefährlich)
- Deutlich weniger Besucher
Praktisch: Checke vorher die Website, welche Routen offen sind. Im Winter sind oft nur die unteren Seen zugänglich.
Gorski Kotar
Die bewaldete Bergregion zwischen Zagreb und Rijeka ist im Winter am schönsten. Schnee in den Wäldern, Ruhe, Holzhütten mit Kaminfeuern.
Was tun:
- Skifahren in Platak oder Bjelolasica
- Langlauf auf präparierten Loipen
- Winterwandern im Risnjak-Nationalpark
- Essen in Bergrestaurants (Wild, Pilze, Käse)
Unterkunft: Holzhütten und Berghütten gibt es auf Airbnb – mit Kamin, Schneelandschaft und Stille.
Velebit im Winter
Der Velebit ist im Winter nur für Erfahrene. Die Höhenwege (wie die Premužić-Staza) sind geschlossen oder unzugänglich, aber die tieferen Regionen bieten Winterwandern für Geübte.
Achtung: Keine Infrastruktur, keine Hütten geöffnet, keine Handyverbindung. Nur mit Erfahrung und entsprechender Ausrüstung.
Praktische Tipps für den Winterurlaub
Wetter
| Region | Dezember | Januar | Februar |
|---|---|---|---|
| Küste (Split, Dubrovnik) | 8–14 °C, Regen | 6–12 °C, Regen | 7–13 °C |
| Istrien | 6–12 °C, Bura-Wind | 4–10 °C | 6–12 °C |
| Zagreb | 0–6 °C, Schnee möglich | -2–4 °C | 1–7 °C |
| Gorski Kotar | -2–4 °C, Schnee | -5–2 °C, Schnee | -3–4 °C |
Ehrlich: Der Winter an der Küste ist grau und regnerisch. Schöne Tage gibt es, aber verlässliches Wetter nicht. Das Landesinnere ist kälter, aber oft sonniger (Kontinentalklima).
Was ist offen, was ist geschlossen?
| Was | Status im Winter |
|---|---|
| Hotels (große Städte) | Geöffnet |
| Hotels (kleine Küstenorte) | Oft geschlossen |
| Restaurants (Touristenzentren) | Geöffnet |
| Restaurants (Nebenstrecken) | Oft geschlossen |
| Nationalparks | Geöffnet, verkürzte Zeiten |
| Fähren | Winterfahrplan, weniger Verbindungen |
| Museen | Geöffnet |
Tipp: Buche in Städten (Zagreb, Split, Dubrovnik), nicht in Küstenorten. Städte haben Infrastruktur, kleine Orte haben geschlossene Rollläden.
Packliste Winter
Der kroatische Winter ist feucht und windig – besonders an der Küste. Pack smart:
- Wasserdichte Winterjacke
- Warmer Pullover / Fleece
- Regenfeste Schuhe (Kopfsteinpflaster + Regen = rutschig)
- Schirm (Wind macht Schirme schwierig, aber trotzdem)
- Schal und Mütze (für die Berge und kalte Abende)
- Badesachen (für Thermen)
Preise
Winter ist Sparzeit. Die Flüge sind günstig (50–150 € Hin- und Rückflug), die Hotels 40–60 % unter Sommerpreis, und die Restaurants haben keine Hochsaison-Aufschläge.
| Unterkunft | Sommerpreis | Winterpreis |
|---|---|---|
| Doppelzimmer Dubrovnik | 150–250 € | 60–100 € |
| Doppelzimmer Split | 100–180 € | 50–80 € |
| Doppelzimmer Zagreb | 80–140 € | 50–90 € |
Fazit: Für wen lohnt sich Kroatien im Winter?
Ja, wenn du:
- Thermen und Wellness magst
- Städte ohne Massen sehen willst
- Kultur vor Strand stellst
- Auf Karneval in Rijeka stehst
- Niedrige Preise schätzt
Eher nein, wenn du:
- Sonnenschein und Wärme brauchst
- Strandurlaub planst
- Lebhafte Küstenorte erwartest
- Garantierten Schnee zum Skifahren willst
Der Winter in Kroatien ist nicht das Kroatien der Werbung – keine türkisblaue Adria, keine Sonnenstrahlen auf weißen Kieseln. Aber es ist ein Kroatien, das wenige kennen: authentischer, ruhiger, überraschend abwechslungsreich. Wer bereit ist, die Erwartungen anzupassen, wird belohnt.