Primošten: Das Bilderbuch-Dorf zwischen Šibenik und Trogir 2026
- Redaktionsteam
- Regionen , Reisetipps
- 13 Oct, 2025
Inhalt
Primošten ist einer dieser Orte, die man auf Fotos für Photoshop hält – bis man selbst dort steht. Eine Halbinsel, die wie ein Pilz ins Meer ragt. Steinhäuser, die sich den Hügel hochstapeln. Kirchturm auf der Spitze. Türkises Wasser rundherum. Dahinter Weinberge, die so steil sind, dass sie UNESCO-Welterbe-Kandidat sind.
Das Dorf liegt perfekt zwischen Šibenik (25 km nördlich) und Trogir (45 km südlich) – ideal für Tagesausflüge, aber noch besser als Basis für mehrere Tage. Hier hast du dalmatinische Postkartenkulisse ohne Dubrovnik-Massen.

Die Altstadt – Ein Labyrinth zum Verlieben
Primošten war ursprünglich eine Insel. Im 16. Jahrhundert bauten die Bewohner einen Damm zum Festland – um vor den Osmanen fliehen zu können, aber auch um zurückzukommen. Heute ist die Halbinsel das Herz des Ortes.
Die Altstadt ist ein Gewirr aus engen Gassen, die alle nach oben führen. Steinhäuser mit grünen Fensterläden. Wäsche, die zwischen den Fassaden hängt. Bougainvilleen, die aus jeder Ritze wachsen. Katzen, die auf Mauern dösen. An jeder Ecke ein neuer Blick aufs Meer.
Ganz oben thront die Kirche Sv. Juraj (St. Georg) aus dem 15. Jahrhundert. Der Aufstieg lohnt sich weniger wegen der Kirche als wegen der 360-Grad-Aussicht: Festland mit Weinbergen, vorgelagerte Inseln, die Küste bis Šibenik im Norden.
Tipp: Komm zum Sonnenuntergang. Die Westseite der Halbinsel wird golden, während die Sonne hinter den Inseln versinkt. Die Terrassen der Restaurants füllen sich, aber der Kirchplatz oben bleibt überraschend leer.
Praktische Details
Die Altstadt ist autofrei (und Auto wäre ohnehin unmöglich in den Gassen). Parkplätze findest du am Festland, direkt vor der Brücke. Im Sommer: Ankunft vor 10 Uhr oder nach 17 Uhr, sonst wird es eng.
Die Strände – Mehr als erwartet
Primošten hat für seine Größe erstaunlich viele Strände – und erstaunlich verschiedene. Von feinem Kies über Felsplatten bis zu versteckten Buchten ist alles dabei.

Raduca – Der Hauptstrand
Die Halbinsel Raduca liegt nördlich des Ortszentrums und bietet die längsten Strände. Velika Raduca (Großer Raduca) ist ein Kiesstrand mit Strandliegen, Schirmen, Bars und allem, was man für einen entspannten Tag braucht. Perfekt für Familien mit Kindern – das Wasser wird langsam tiefer.
Mala Raduca (Kleiner Raduca) auf der anderen Seite der Halbinsel ist ruhiger und naturbelassener. Mehr Felsen, weniger Infrastruktur, besseres Schnorcheln.
Die Bucht unter den Weinbergen
Südlich des Ortes, unterhalb der berühmten Weinberge, findest du kleine Buchten, die nur zu Fuß erreichbar sind. Hier baden Einheimische und Segler, die vor Anker gehen. Keine Liegen, keine Verkäufer – nur Felsen, Wasser und Ruhe.
FKK-Strand
Primošten hat einen der schöneren FKK-Strände Dalmatiens: Plaža Kremik, südlich des Hafens auf der Festlandseite. Felsplatten, kristallklares Wasser, Pinienschatten. Offiziell ausgewiesen und akzeptiert.
Die Weinberge – UNESCO-würdige Landwirtschaft
Die Weinberge von Primošten sind keine gewöhnlichen Weinberge. Sie liegen auf karstigen Hängen, so steil und felsig, dass Maschinen unmöglich sind. Die Reben werden zwischen aufgeschichteten Steinmauern gepflanzt – jede Reihe ein eigenes kleines Terrassen-Kunstwerk.

Diese Anbaumethode heißt “Primošten Vineyard” und ist auf der Tentativliste des UNESCO-Welterbes. Ein Foto der Weinberge hängt sogar im UN-Hauptquartier in New York – als Symbol für menschliche Ausdauer und Kreativität im Umgang mit schwierigem Terrain.
Die Hauptsorte ist Babić, eine autochthone dalmatinische Rotweintraube. Der Wein ist kräftig, fruchtig, mit Noten von dunklen Beeren und einem Hauch Mittelmeer-Kräuter. In den lokalen Konobas bekommst du ihn für wenige Euro pro Karaffe.
Weingüter zum Besuchen:
- Suharic – Familienweingut, Verkostungen mit Aussicht
- Zlokić – Traditionelle Produktion, der Inhaber erklärt alles persönlich
Die Weinberge selbst erreichst du zu Fuß vom Ortsrand (20-30 Minuten bergauf) oder mit dem Auto über die Straße Richtung Rogoznica.
Ausflüge ab Primošten
Die Lage zwischen Šibenik und Trogir macht Primošten zur perfekten Basis.
Nationalpark Krka (40 Minuten)
Die Krka-Wasserfälle sind Kroatiens zweithäufigstes Naturziel nach Plitvice – aber ohne die extremen Besucherzahlen, und du kannst im Wasser baden. Der Skradinski Buk, der größte Wasserfall, liegt nur 25 km von Primošten entfernt.
Kombination: Morgens Krka, nachmittags Strand in Primošten. Perfekter Tag.
Mehr: Krka Nationalpark Guide
Šibenik (25 Minuten)
Die Kathedrale von Šibenik ist UNESCO-Welterbe – ein Meisterwerk der Renaissance, komplett aus Stein, ohne Holz oder Ziegel. Die Altstadt ist weniger poliert als Split oder Dubrovnik, aber genau deshalb authentischer.
Trogir (45 Minuten)
Noch ein UNESCO-Welterbe: Trogirs gesamte Altstadt steht auf einer winzigen Insel. Romanische Kirchen, venezianische Paläste, verwinkelte Gassen. Abends besonders stimmungsvoll.
Kornati-Inseln (Bootstour)
Von Primošten aus starten Bootstouren zu den Kornati-Inseln – einer der wildesten Archipele des Mittelmeers. Karge Felsen, tiefblaues Wasser, absolute Stille. Ganztagestouren ab ca. 60 €.
Mit dem Rad erkunden
Die Küste zwischen Rogoznica und Primošten ist ideal für Radtouren – wenig Verkehr, spektakuläre Ausblicke, authentische Dörfer. Die Zum Kap Planka Route führt auf 42 km von Rogoznica zum südlichsten Punkt der norddalmatinischen Küste – mit Stopps an versteckten Buchten, die man vom Auto aus nie sieht.
Restaurants & Konobas
Die Küche in Primošten ist dalmatinisch pur: Fisch, Olivenöl, Wein, frisches Gemüse. Keine Experimente, aber perfektionierte Tradition.
Unsere Empfehlungen
Konoba Mediteran – Versteckt in einer Gasse der Altstadt. Gegrillter Fisch des Tages, hausgemachte Pasta, Babić vom Fass. Die Terrasse hat fünf Tische – reservieren oder früh kommen.
Konoba Torkul – Außerhalb des Zentrums, Richtung Weinberge. Hier essen Einheimische. Peka (Fleisch oder Oktopus unter der Glocke) ist Spezialität – muss vorbestellt werden.
Restaurant Aurora – Direkt am Wasser, Blick auf die Altstadt. Touristischer, aber die Lage ist unschlagbar für Sonnenuntergang-Dinner. Preise entsprechend höher.
Pizzeria Mak – Wenn es mal keine dalmatinische Küche sein soll: beste Pizza im Ort, günstig, große Portionen.
Was probieren?
- Fisch vom Grill – Orada (Goldbrasse) oder Brancin (Wolfsbarsch), nach Kilo bezahlt
- Crni Rižot – Risotto mit Tintenfisch-Tinte, typisch dalmatinisch
- Pašticada – Geschmortes Rindfleisch in Rotwein-Pflaumensauce
- Babić – Der lokale Rotwein, nirgends besser als hier
Praktische Infos
Anreise
Mit dem Auto:
- Von Split: 60 km (ca. 50 Minuten über die Küstenstraße, 40 über Autobahn)
- Von Zagreb: 330 km (ca. 3,5 Stunden über A1)
- Von Šibenik: 25 km (20 Minuten)
Mit dem Bus: Regelmäßige Verbindungen von Split, Šibenik und Zadar. Die Bushaltestelle liegt an der Hauptstraße, 5 Minuten zu Fuß vom Zentrum.
Flughafen: Split (60 km) oder Zadar (90 km).
Parken
Im Sommer die größte Herausforderung. Parkplätze am Ortsrand kosten 10-15 kn/Stunde. Früh kommen (vor 10 Uhr) oder spät (nach 18 Uhr), sonst kreist man. Einige Hotels haben eigene Parkplätze.
Beste Reisezeit
- Juni + September: Ideal. Warm genug zum Baden, aber keine Hochsaison-Massen.
- Juli + August: Voll. Sehr voll. Aber das Meer hat 25°C.
- Mai + Oktober: Ruhig, günstig, aber Wasser kann noch/schon kühl sein.
- Nebensaison: Viele Restaurants schließen November bis April.
Unterkunft
Primošten hat keine großen Hotelketten – das ist Teil des Charmes. Die meisten Besucher mieten Apartments oder Ferienwohnungen.
Gehoben: Hotel Zora – Strandlage, Pools, renoviert. Das “beste” Hotel im Ort, aber nicht luxuriös.
Mittelklasse: Pensionen und B&Bs in der Altstadt – charmant, persönlich, oft mit Meerblick.
Budget: Apartments über Booking.com – riesige Auswahl, Preise ab 50-60 €/Nacht für Zwei.
Primošten vs. andere Orte
Primošten vs. Trogir: Trogir hat mehr Geschichte und Architektur, ist aber voller Tagestouristen von Kreuzfahrtschiffen. Primošten ist entspannter und strandorientierter.
Primošten vs. Rogoznica: Rogoznica ist ruhiger und authentischer, aber kleiner mit weniger Infrastruktur. Für absolute Ruhe: Rogoznica. Für die Mischung aus Dorf und Aktivität: Primošten.
Primošten vs. Makarska: Makarska hat spektakulärere Berge (Biokovo), längere Strände, aber auch mehr Massentourismus. Primošten ist intimer.
Das Wichtigste
Primošten ist der Ort, den alle suchen und wenige finden. Nicht überlaufen wie Dubrovnik, nicht namenlos wie tausend andere Küstendörfer. Die Halbinsel-Altstadt ist filmreif, die Strände sind vielfältig, die Weinberge einzigartig. Und die Lage zwischen Krka, Šibenik und Trogir macht es zur perfekten Dalmatien-Basis.
Wer nur einen Tag hat, verpasst das Wesentliche. Primošten will erkundet, nicht abgehakt werden. Nimm dir mindestens zwei, drei Nächte – morgens Strand, nachmittags Ausflug, abends Babić-Wein mit Blick aufs Meer. So geht Dalmatien.
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