Radfahren in Istrien: Weinberge, Trüffel und die Toskana des Ostens 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Radfahren , Istrien
- 09 Nov, 2025
Inhalt
Istrien ist das, was die Toskana vor 30 Jahren war – nur ohne die Deutschen, die schon alles aufgekauft haben. Sanfte Hügel, Weinberge, Olivenhaine, mittelalterliche Bergdörfer. Und für Radfahrer: kurze Distanzen zwischen spektakulären Orten, perfekte Schotterwege, und nach jeder Tour ein Bad im Meer.
Von München sind es fünf Stunden. Das ist näher als der Gardasee, und die Straßen sind leerer.

Sechs Routen, die sich lohnen
Ich habe in den letzten Jahren alle diese Strecken mehrfach gefahren. Hier die ehrliche Einschätzung:
1. Poreč → Buje durch die Weinberge (68 km)
Die Königstour. Du startest an der Küste bei Poreč (UNESCO-Basilika, falls du noch Zeit hast), und fährst hinauf in die grünen Hügel. Oprtalj, Motovun, Buje – drei Bergstädtchen, die auf jeder Postkarte sein könnten, aber von Touristen in Ruhe gelassen werden.
Die Strecke führt fast ausschließlich über Schotter und kleine Landstraßen. Die 1.030 Höhenmeter verteilen sich gut, aber unterschätze sie nicht – am Ende spürst du sie. Ein Gravelbike ist Pflicht, ein Rennrad funktioniert hier nicht.
Was die Tour besonders macht: die Weingüter. Malvasia und Teran wachsen an diesen Hängen, und viele Produzenten bieten Verkostungen an. Plan Zeit ein, du wirst nicht weiterwollen.
GPX-Route mit allen Weingut-Stopps

2. Buje → Poreč: Die Malvasia-Route (68 km)
Dieselbe Landschaft, andere Richtung – und dadurch eine komplett andere Erfahrung. Du startest oben in den Hügeln und arbeitest dich zur Küste hinunter. 850 Höhenmeter bergauf, 1.030 bergab. Am Ende wartet Poreč mit Altstadt und Meer.
Die Route führt durch das Herz des Malvasia-Gebiets. Im Herbst sind die Trüffelsucher mit ihren Hunden unterwegs; du riechst die Eichenwälder noch bevor du sie siehst.
Die fertige Route – nützlich, weil die kleinen Weinbergstraßen verwirrend sind.
3. Von Žminj nach Fažana: Bergab ans Meer (45 km)
Die entspannte Variante für alle, die es gemütlicher wollen. Du startest im verschlafenen Žminj (Zentral-Istrien, keine Touristen) und rollst Richtung Westküste – mit Blick auf die Brijuni-Inseln.
150 Höhenmeter bergauf, 510 bergab. Fast nur bergab also. Perfekt für einen halben Tag oder als Einstieg, wenn du die Region kennenlernen willst. Am Ziel kannst du in Fažana baden oder mit dem Boot nach Brijuni fahren.
4. Küstenrunde ab Pula (49 km)
Für alle, die Meer statt Berge wollen. Die Tour startet bei der Arena (ja, das römische Amphitheater – nimm dir morgens eine Stunde), führt durch Pinienwälder und entlang der Küste. Unterwegs: Felsbuchten, in denen du alleine bist; versteckte Strände; und immer wieder das Blau der Adria.
340 Höhenmeter – flacher als die Hügel-Touren, aber technisch anspruchsvoller. Waldwege, Schotter, ein paar Trails. Ein Mountainbike oder Gravelbike ist sinnvoll.

5. Poreč → Pula: Die Nord-Süd-Durchquerung (71 km)
Wenn du einen ganzen Tag Zeit hast: Istrien der Länge nach. Von Poreč im Norden nach Pula im Süden, durch Pinienwälder, offene Felder, vorbei an versteckten Buchten. Am Ende wartet die Arena und ein wohlverdientes Abendessen.
640 Höhenmeter, Waldwege und Schotter – eine der schönsten Möglichkeiten, die Halbinsel zu erleben. Die Navigation durch die Wälder ist ohne Track kaum möglich.
6. Rundtour ab Poreč für Rennradler (55 km)
Die einzige reine Asphalt-Route. Für alle, die schmale Reifen bevorzugen und keine Lust auf Schotter haben. Die Strecke schlängelt sich durch Weinberge und Olivenhaine, vorbei an kleinen Dörfern, in denen die Zeit stehengeblieben ist.
580 Höhenmeter, 4 Stunden, perfekt für einen entspannten Tag mit Zeit für Weingut-Besuche. Fertige Route.

Wann nach Istrien?
September bis November ist meine liebste Zeit. Die Weinlese läuft, die Trüffelsaison beginnt, die Temperaturen sind angenehm, und die Touristen sind weg. Im Oktober gibt es überall Weinfeste, im November wird frisches Olivenöl gepresst.
März bis Mai funktioniert genauso gut. Alles blüht, die Spargelsaison ist im April, und die Straßen sind leer. Das Meer ist noch kühl, aber nach einer Hügel-Tour wärmt dich ein Sprung in 17-Grad-Wasser erstaunlich schnell auf.
Juni ist perfekt: warm genug fürs Meer, noch nicht zu heiß zum Radfahren.
Juli/August? Machbar, aber heiß. Über 30°C, die Küste ist überlaufen. Starte früh, fahr ins Hinterland, meide die Mittagshitze. Die Bergdörfer sind deutlich kühler als die Küste.
Was du wissen musst
Anreise: Von München fünf Stunden, von Wien vier. Die Autobahn führt direkt auf die Halbinsel. Flughafen Pula hat in der Saison Direktflüge aus Deutschland.
Räder: In Poreč, Rovinj und Pula gibt es Verleiher. E-Bikes sind bei den Höhenmetern sinnvoll, vor allem für die langen Touren. Preise: 20-30€ für Trekking/Gravel, 40-60€ für E-Bikes.
Übernachten: An der Küste (Poreč, Rovinj, Pula) gibt es Hotels und Apartments. In den Bergdörfern (Motovun, Grožnjan) findest du Boutique-Hotels und Agrartourismus. Zentral-Istrien (Žminj, Pazin) ist günstiger und authentischer – perfekt als Basis für Sternfahrten.
Die kulinarische Belohnung
Istrien ist Kroatiens kulinarische Hochburg. Nach einer Tour hast du dir verdient:
Trüffel (September bis Dezember): Auf Pasta, im Risotto, im Omelette. Die weißen Trüffel aus den Wäldern um Motovun konkurrieren mit denen aus Alba.
Pršut: Luftgetrockneter Schinken aus dem Hinterland. Dünner geschnitten als in Italien, milder im Geschmack.
Malvasia und Teran: Die lokalen Weine. Malvasia ist weiß, frisch, mineralisch. Teran ist rot, kräftig, erdig. Beides geht immer.
Olivenöl: Istrien produziert einige der besten Öle der Welt. Die Preise sind fair, die Qualität konkurrenzlos.
Fuži und Pljukanci: Handgemachte Pasta, typisch istrisch. In den Konobas im Hinterland isst du für 20-30€ fürstlich, mit Wein.

Städte für danach
Rovinj: Das fotogenste Städtchen Istriens. Altstadt auf einer Halbinsel, enge Gassen, Cafés am Meer. Perfekt für einen Abend nach der Tour.
Poreč: Die Euphrasius-Basilika ist UNESCO-Welterbe und in einer Stunde besichtigt. Danach: Strand.
Pula: Die Arena ist spektakulär – eines der am besten erhaltenen römischen Amphitheater der Welt. Dazu Augustustempel und eine unterschätzte Altstadt. 2-3 Stunden reichen.
Motovun: Das ikonische Bergstädtchen. Im Sommer findet hier ein Filmfestival statt; im Herbst drehen sich die Restaurants um Trüffel.
Strände zum Abkühlen
Das Schöne an Istrien: Das Meer ist nie weit.
Kap Kamenjak bei Pula: Naturschutzgebiet an der Südspitze. Felsbuchten, wild, ursprünglich. Perfekt nach der Küstenrunde.
Rovinj: Felsküste, glasklares Wasser, viele kleine Buchten. Direkt nach der Tour ins Meer.
Rabac: Kiesstrände in einer Bucht an der Ostküste. Touristischer, aber familienfreundlicher.
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