Radtouren an den Plitvicer Seen: Durch Wälder zu Wassermühlen (2026)
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Radfahren , Kontinentales Kroatien
- 03 Oct, 2025
Inhalt
Die Plitvicer Seen kennt jeder. Aber die Region drumherum? Dichte Buchenwälder, saftige Wiesen, verlassene Dörfer und Straßen, auf denen du stundenlang niemanden triffst. Die Region Lika ist eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Europas – und genau das macht sie zum Paradies für Radfahrer, die Ruhe suchen.

Warum Radfahren bei Plitvice?
Jedes Jahr besuchen über eine Million Menschen den Nationalpark. Die meisten fahren mit dem Bus an, laufen zwei Stunden über Holzstege, machen Fotos und fahren wieder. Was sie nicht sehen: Die Landschaft rundherum ist genauso beeindruckend wie die Seen selbst – nur menschenleer.
Die Region Lika war bis vor kurzem vom Tourismus vergessen. Das ändert sich langsam, aber noch immer gibt es hier mehr Bären als Boutique-Hotels. Die Straßen sind in gutem Zustand, der Verkehr minimal, und die Natur hat sich von den Kriegsjahren der 1990er komplett erholt.
Was diese Region besonders macht:
- Dichte Mischwälder mit Buchen, Tannen und Eichen
- Weite Wiesen, auf denen noch traditionell gewirtschaftet wird
- Kristallklare Flüsse und versteckte Wasserfälle
- Temperaturen, die selbst im Hochsommer selten über 30°C steigen
- Absolute Stille – kein Autoverkehr, kein Fluglärm, nichts
Die beste Jahreszeit
Mai bis Juni: Perfekt. Die Wälder sind sattgrün, die Wasserfälle führen viel Wasser, und die Temperaturen liegen bei angenehmen 20-25°C. Einziger Nachteil: Es kann noch regnen, pack Regenjacke ein.
Juli und August: Gut machbar, aber wärmer. Im Gegensatz zur Küste bleibt es in Lika aber erträglich. Die Wälder spenden Schatten, und du kannst problemlos den ganzen Tag fahren.
September und Oktober: Mein Favorit. Die Laubfärbung in den Buchenwäldern ist spektakulär, die Touristenmassen sind weg, und das Licht ist magisch. Nachts kann es schon kühl werden – Zwiebelprinzip.
Winter: Nicht empfehlenswert. Schnee liegt oft bis April, und viele Nebenstraßen werden nicht geräumt.

Was du einpacken solltest
Lika ist dünn besiedelt und die Infrastruktur begrenzt. Zwischen den Dörfern gibt es wenig bis nichts.
Unverzichtbar:
- Ausreichend Wasser (mindestens 2 Liter)
- Verpflegung für unterwegs
- Regenjacke (Wetter wechselt schnell)
- Wärmere Schicht für Waldpassagen (auch im Sommer kühler)
- Ersatzschlauch und Werkzeug
- Offline-Karten (Handyempfang lückenhaft)
- Bargeld
Empfohlen:
- Trekkingbereifung (Mix aus Asphalt und Schotter)
- Mückenspray (in Waldnähe und an Flüssen)
- Fernglas für Wildtierbeobachtung
Die Highlight-Route: Von den Seen zu den Wassermühlen
Die schönste Radtour der Region führt vom Nationalpark Plitvice nach Rastoke bei Slunj. Diese Strecke verbindet zwei Naturwunder: die weltberühmten Seen und ein fast vergessenes Dorf, das oft als “kleiner Bruder von Plitvice” bezeichnet wird.
Die Route führt durch dichte Wälder des Nationalparks, über saftige Wiesen und durch kleine Dörfer, größtenteils auf verkehrsarmen Straßen oder befestigten Wegen. In Rastoke angekommen, erwartet dich ein Ort wie aus einer anderen Zeit: alte Wassermühlen, die auf Felsen über rauschenden Wasserfällen gebaut wurden, traditionelle Architektur und eine Atmosphäre, die den meisten Touristen völlig unbekannt ist.
Die Fakten:
- Distanz: ca. 39 km
- Höhenmeter: 490 m rauf, 650 m runter (leichte Nettoabfahrt)
- Dauer: 3-4 Stunden
- Untergrund: Asphalt und befestigte Wege
- Schwierigkeit: Mittel
Rastoke selbst ist ein Naturwunder: Der Fluss Slunjčica stürzt hier über Travertinstufen in die Korana, und die Bewohner haben ihre Häuser und Mühlen direkt auf und zwischen den Wasserfällen gebaut. Im Gegensatz zu Plitvice gibt es hier keinen Eintritt, keine Holzstege und keine Menschenmassen.
Wer die Route als fertigen GPX-Track mit detaillierter Beschreibung will: ridescouts hat diese Tour komplett ausgearbeitet – mit Tipps für Pausen und Sehenswürdigkeiten unterwegs.

Weitere Routen in der Region
Rund um den Nationalpark
Auch wenn du nicht in den Park selbst fahren darfst (Radfahren ist innerhalb des Nationalparks verboten), gibt es rundherum genug zu entdecken. Die Straßen, die den Park umgeben, führen durch dieselben Wälder und bieten ähnliche Landschaften – nur ohne die Massen.
Eine Rundtour von Korenica über Plitvička Jezera und zurück über Nebenstraßen durch die Dörfer ist etwa 50 km lang und durchgehend asphaltiert. Perfekt für einen halben Tag.
Ins Gacka-Tal
Nördlich von Plitvice liegt das Tal des Flusses Gacka – einer der klarsten Flüsse Europas. Das Wasser ist so klar, dass du die Forellen auf dem Grund schwimmen siehst. Die Gegend ist flacher als rund um Plitvice und eignet sich für entspannte Touren durch Wiesen und Wälder.
Die Quellen der Gacka bei Majerovo Vrilo sind ein magischer Ort: Kristallklares Wasser sprudelt aus dem Boden, alte Holzmühlen stehen am Ufer, und die Zeit scheint stillzustehen.
Für die Planung
Anreise
Mit dem Auto: Die A1 (Zagreb-Split) führt direkt an Plitvice vorbei. Ausfahrt Gornja Ploča, dann 30 Minuten bis zu den Seen. Parkplätze gibt es bei beiden Eingängen des Nationalparks und in den umliegenden Dörfern.
Mit dem Bus: Regelmäßige Verbindungen von Zagreb (2,5h) und Zadar (2h). Fahrradmitnahme bei den meisten Bussen möglich, aber vorher anfragen.
Unterkünfte
Direkt an den Eingängen des Nationalparks gibt es einige Hotels und viele Privatzimmer (Sobe). Für mehr Ruhe empfehle ich Unterkünfte in den umliegenden Dörfern wie Rastoke, Drežnik oder Plitvica Selo – günstiger, authentischer und ruhiger.
Agrartourismus-Betriebe (Agroturizam) sind eine gute Option: einfache Zimmer, aber fantastisches Essen aus eigener Produktion und Gastgeber, die die Gegend kennen.
Essen
Die Küche der Region Lika ist deftig und fleischlastig:
- Lički Krumpir – Kartoffeleintopf mit Lamm
- Forelle aus der Gacka, gegrillt oder geräuchert
- Hausgemachte Würste und geräuchertes Fleisch
- Štrukli – gefüllte Teigröllchen mit Käse
Preise in den lokalen Gasthäusern: 12-20 € für ein vollständiges Essen. Deutlich günstiger als an der Küste.

Mit dem Nationalpark kombinieren
Natürlich willst du auch die Seen selbst sehen. Mein Tipp für die beste Kombination:
Tag 1: Anreise, kurze Erkundungstour per Rad (20-30 km) in der Umgebung Tag 2: Früh in den Nationalpark (vor 8 Uhr!), nachmittags Entspannung Tag 3: Lange Radtour nach Rastoke und zurück Tag 4: Abreise oder zweiter Parkbesuch
Mehr zum optimalen Parkbesuch: Plitvice – Eingang 1 oder 2?
Sicherheit: Bären und Wölfe
Ja, es gibt Bären in der Region. Und Wölfe. Aber: In den letzten 20 Jahren gab es keinen einzigen Angriff auf Radfahrer oder Wanderer. Die Tiere meiden Menschen. Mach Lärm (reden, singen, klingeln), und du wirst keinem begegnen. Essen nie im Zelt aufbewahren, falls du campst. Das war’s.
Die Wahrscheinlichkeit, einen Bären zu sehen, ist extrem gering – aber falls doch: Ruhig bleiben, nicht weglaufen, langsam zurückziehen. In 99,9% der Fälle verschwindet der Bär von selbst.
Das Wichtigste
Die Region um die Plitvicer Seen ist eines der letzten echten Wildnisgebiete Mitteleuropas. Für Radfahrer bedeutet das: leere Straßen, unberührte Natur und die Chance, ein Kroatien fernab der Touristenpfade zu erleben. Die Infrastruktur ist einfach, aber genau das macht den Reiz aus.
Pack genug Proviant ein, lad dir eine Route runter, und tauche ein in eine Landschaft, die noch so aussieht wie vor hundert Jahren.
Mehr zum Nationalpark: Plitvice Seen – Eingang 1 oder 2? | Plitvice Tickets