Moslavina: Kroatiens vergessene Hügellandschaft zwischen Zagreb und Slavonien 2026
- Redaktionsteam
- Regionen , Kontinentales Kroatien
- 28 Nov, 2025
Inhalt
Zwischen Zagreb und Slavonien liegt eine Region, die selbst viele Kroaten nur vom Durchfahren kennen. Moslavina – sanfte Hügel, endlose Felder, dichte Eichenwälder und eine Stille, die fast unwirklich wirkt. Hier gibt es keine Touristenbusse, keine Instagram-Spots, keine überteuerten Restaurants. Hier gibt es Winzer, die ihren Wein in Kellern ausbauen, die älter sind als manches europäische Land.

Die Region erstreckt sich vom Süden Zagrebs bis zur Grenze Slavoniens. Die Moslavačka Gora – der Moslavina-Berg – erhebt sich in der Mitte auf bescheidene 489 Meter, umgeben von einem Meer aus Ackerland und Weinbergen. Es ist eine Landschaft, die an die Toskana erinnert, nur ohne die Preise und die Menschenmassen.
Warum niemand herkommt – und warum das ein Fehler ist
Moslavina hat kein Meer. Das allein reicht, um 95 Prozent der Kroatien-Touristen fernzuhalten. Die Region hat auch keine UNESCO-Welterbestätten, keine spektakulären Wasserfälle, keine mittelalterlichen Städte mit Postkartenmotiven. Was Moslavina hat: Authentizität. Hier leben Menschen, die seit Generationen dasselbe Land bewirtschaften, denselben Wein keltern, dieselben Feste feiern.
Die Dörfer sehen aus, als hätte sich seit den 1970ern wenig verändert – und das ist keine Kritik. Alte Bauernhöfe mit Holzzäunen, Gärten voller Gemüse, Hühner auf der Straße. Sonntags gehen die Leute noch in die Kirche, samstags zum Markt. Das ist nicht inszeniert, das ist Alltag.
Die Moslavačka Gora: Wandern im vergessenen Mittelgebirge
Der Moslavina-Berg ist kein Berg im alpinen Sinne, sondern ein bewaldeter Hügelzug, der sich bis auf 489 Meter erhebt. Der höchste Punkt, Humka, bietet bei klarem Wetter Blicke bis zu den Alpen im Norden und zum Velebit im Süden. Die Wälder sind dicht – Eichen, Buchen, Kastanien – und im Herbst explodieren sie in Farben.

Wanderwege gibt es, aber sie sind nicht touristisch erschlossen. Keine Wegweiser alle 50 Meter, keine Schutzhütten mit WLAN. Wer hier wandert, braucht eine Karte (oder GPS) und die Bereitschaft, sich auch mal zu verlaufen. Die Belohnung: absolute Einsamkeit, Wildblumenwiesen, und mit etwas Glück Begegnungen mit Rehen oder Wildschweinen.
Der Ort Podgarić am Fuß des Berges war einst ein beliebtes Ausflugsziel der Zagreber. Das Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs – ein gewaltiger Betonflügel des Bildhauers Dušan Džamonja – ist eines der eindrucksvollsten Spomeniks Kroatiens. Der Gedenkpark drumherum verfällt langsam, was ihm eine melancholische Schönheit verleiht.
Die Weinregion: Škrlet und Keller aus dem 18. Jahrhundert
Moslavina ist eine der ältesten Weinregionen Kroatiens, aber eine der unbekanntesten. Die Hauptsorte heißt Škrlet – eine autochthone weiße Traube, die es nur hier gibt. Der Wein ist frisch, mineralisch, mit Noten von grünem Apfel und Zitrus. Nicht weltbewegend, aber eigenständig und perfekt zum lokalen Käse und Schinken.

Die Weinkeller der Region sind legendär. Viele wurden im 18. oder 19. Jahrhundert in die Hügel gegraben und werden bis heute genutzt. In Popovača und Umgebung findest du dutzende dieser Keller, oft privat, aber auf Anfrage zugänglich. Die Winzer schenken gern aus – hier geht es nicht um Geschäft, sondern um Gastfreundschaft.
Das Weinfest in Kutina (September) ist der beste Zeitpunkt, um die Region kennenzulernen. Alle Weinkeller öffnen, es gibt Musik, Essen und mehr Wein, als gut für einen ist. Die Atmosphäre ist familiär – hier feiern Einheimische, nicht Touristen.
Weingüter zum Besuchen:
- Vinarija Miklaužić (Voloder) – preisgekrönter Škrlet, moderner Ansatz
- Vinarija Šafran (Popovača) – traditionell, historischer Keller
- Vinarija Voborski (Čazma) – Familienweingut, exzellenter Graševina
Mit dem Rad durch die sanfte Landschaft
Moslavina ist wie gemacht fürs Radfahren. Die Straßen sind leer, die Steigungen moderat, die Landschaft abwechslungsreich. Von den Feldern geht es in die Wälder, von den Hügeln hinab zu Flüssen – immer mit diesem Gefühl, in einer anderen Zeit zu sein.
Vier Routen erschließen die Region auf zwei Rädern:
Die große Schleife nach Zagreb:
- Die Sanfte Reise des Flusses – 99 km von Kratečko nach Zagreb, entlang von Flüssen und durch Dörfer, die sich seit Jahrzehnten nicht verändert haben
Durch das Herz der Region:
- Lied der Sanften Ebenen – 64 km von Kratečko nach Donji Sređani, durch Weinberge und über sanfte Hügel
- Flüstern der Niederungen – 64 km in umgekehrter Richtung, perfekt für eine Rundtour
Für Ambitionierte:
- Wälder, Hügel und weite Felder – 59 km mit 560 Höhenmetern, die anspruchsvollste Route durch die bewaldeten Hügel
Die Routen lassen sich kombinieren: Zwei Tage mit Übernachtung in einer der wenigen Pensionen, und du hast die gesamte Region durchquert.
Thermalbäder: Heißes Wasser aus der Tiefe
Moslavina liegt auf heißen Quellen. Das Thermalwasser sprudelt seit Jahrhunderten aus der Erde, heute gefasst in modernen Bädern, die vor allem von Einheimischen genutzt werden.

Toplice Lipik: Der bekannteste Kurort der Region, schon seit der Römerzeit genutzt. Das Thermalwasser (60°C aus der Quelle) soll bei Rheuma und Hautproblemen helfen. Die Anlage ist solide, nicht luxuriös – aber die Preise sind ein Bruchteil dessen, was man anderswo zahlt. Tageseintritt ab 10 €.
Terme Jezerčica: Kleiner, familiärer, bei Familien mit Kindern beliebt. Mehrere Becken mit unterschiedlichen Temperaturen, Rutsche für die Kleinen, Café mit hausgemachtem Kuchen für die Großen.
Ivanić-Grad: Die Stadt hat ein modernes Thermalbad mit Saunalandschaft, Sportbecken und Wellness-Bereich. Perfekt für einen Regenerationstag nach dem Radfahren.
Die Städte: Klein, authentisch, sehenswert
Moslavina hat keine großen Städte, aber charaktervolle Kleinstädte, die einen Stopp verdienen.
Kutina
Die größte Stadt der Region (20.000 Einwohner) lebt von der Öl- und Gasindustrie – nicht gerade romantisch, aber ehrlich. Die Altstadt hat einen hübschen Hauptplatz mit barocker Kirche, ein paar Cafés und das Heimatmuseum Moslavine, das die Geschichte der Region zeigt.
Čazma
Erstmals 1232 urkundlich erwähnt, einst wichtiger Marktort an der Handelsroute zwischen Zagreb und Slavonien. Die Kirche St. Maria Magdalena stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Wochenmarkt am Samstag ist ein Erlebnis für alle Sinne.
Ivanić-Grad
Bekannt für die Fašnik – den Fasching, der hier mit einer Intensität gefeiert wird, die andere Städte vor Neid erblassen lässt. Im Februar verwandelt sich die Stadt in ein Fest aus Masken, Musik und Maßlosigkeit. Außerhalb der Fašnik-Zeit: ein ruhiges Städtchen mit Thermalbad und gutem Eis.
Garešnica
Klein, ruhig, umgeben von Feldern. Die Stadt ist Ausgangspunkt für Wanderungen in die Moslavačka Gora und hat ein überraschend gutes Restaurant-Angebot für ihre Größe.
Essen wie bei Großmutter
Die Küche Moslavinas ist Bauernküche – deftig, saisonal, ohne Schnickschnack. Hier kocht man, was der Garten und der Hof hergeben.

Was du probieren solltest:
- Purica s mlincima – Pute mit gebackenen Teigfladen, das Festessen der Region
- Čobanac – Fleischeintopf mit viel Paprika, verwandt mit dem slawonischen, aber eigenständig
- Kürbisgerichte – Kürbis ist hier überall: als Suppe, als Beilage, als Kuchen
- Hausgemachte Würste – weniger berühmt als der slawonische Kulen, aber nicht weniger lecker
- Bučnica – süßer Kürbis-Strudel, perfekt zum Kaffee
Wo essen:
- Gostionica Luka (Kutina) – traditionelle Küche, große Portionen, faire Preise
- Restoran Ivančica (Čazma) – Familienrestaurant mit Garten, Gemüse aus eigenem Anbau
- Seoski Turizam Tončec (bei Garešnica) – Agriturismo mit allem, was der Hof produziert
Praktisches
Anreise
Von Zagreb sind es 60-80 km, je nachdem welchen Teil der Region du ansteuerst. Die Autobahn A3 (Richtung Slavonien) bringt dich schnell in die Nähe, die letzten Kilometer geht es über Landstraßen.
| Von | Nach | Entfernung | Fahrzeit |
|---|---|---|---|
| Zagreb | Kutina | 80 km | 1 h |
| Zagreb | Čazma | 60 km | 50 min |
| Zagreb | Ivanić-Grad | 40 km | 35 min |
| Osijek | Kutina | 180 km | 2 h |
Ohne Auto ist Moslavina schwierig. Es gibt Busse, aber die fahren selten und verbinden nur die größeren Orte.
Beste Reisezeit
Frühling (April-Mai): Grün, blühend, perfekt zum Radfahren. Noch nicht heiß.
Sommer: Heiß, aber die Wälder spenden Schatten. Wenig los – die Kroaten sind an der Küste.
Herbst (September-Oktober): Die beste Zeit. Weinlese, goldene Farben, Weinfeste. Moslavina zeigt sich von der schönsten Seite.
Winter: Kalt und grau, aber gemütlich. Perfekt für Thermalbesuche und deftige Küche.
Unterkunft
Hotels gibt es kaum – Moslavina ist Agriturismusland. Pensionen und Privatzimmer sind die Norm, oft bei Winzerfamilien mit Frühstück aus eigener Produktion.
Empfehlungen:
- Seoski Turizam Tončec (bei Garešnica) – authentischer Bauernhof, hausgemachtes Essen
- Vila Popovača (Popovača) – modern, komfortabel, nahe den Weinkellern
- Pansion Čazma (Čazma) – einfach, sauber, zentral
Preise: 40-60 € für Doppelzimmer mit Frühstück – deutlich günstiger als an der Küste.
Für wen ist Moslavina?
Moslavina ist nichts für den klassischen Kroatien-Urlauber, der Strand und Meer sucht. Die Region richtet sich an Menschen, die das echte, ungeschönte Landesinnere erleben wollen. Wer gerne Rad fährt, findet hier einsame Straßen durch eine Landschaft, die sich seit Generationen kaum verändert hat. Weinliebhaber entdecken autochthone Sorten in Kellern, die älter sind als viele Länder. Und wer einfach nur Ruhe sucht, findet sie hier – ohne Kompromisse.
Pack das Fahrrad ein, bring Neugier mit, und lass dich überraschen. Moslavina ist das Kroatien, das du nicht erwartest – und genau deshalb lohnt es sich.
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