Dingač & Postup: Kroatiens berühmteste Weinroute auf Pelješac 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 29 Nov, 2025
Inhalt
Die Weinberge von Dingač sehen aus, als hätte jemand Reben an eine Klippe gepflanzt – weil genau das passiert ist. Die Hänge fallen mit 45 bis 60 Grad zum Meer ab, so steil, dass Maschinen hier nutzlos sind. Alles ist Handarbeit: Pflanzen, Schneiden, Ernten. Die Winzer klettern mit Körben auf dem Rücken durch die Reihen, bei Temperaturen, die im Sommer 40 Grad erreichen.
Das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand. Dingač ist Kroatiens erster geschützter Wein, eine Appellation seit 1961. Der Plavac Mali von diesen Hängen ist dunkel, konzentriert, mit Aromen von getrockneten Früchten, Kräutern und einem Hauch Salz vom Meer. Ein Wein, der nach dem Ort schmeckt, aus dem er kommt.

Warum Pelješac anders ist
Kroatien hat viele Weinregionen, von Istrien bis Slavonien. Aber Pelješac ist einzigartig. Die 65 Kilometer lange Halbinsel im Süden Dalmatiens ist wie eine Wirbelsäule aus Bergen, die ins Meer ragt. Die Südhänge fallen steil zur Adria ab – und genau dort wächst der Plavac Mali, die einheimische Rebsorte, die nur hier ihr volles Potenzial erreicht.
Die Kombination ist unschlagbar: Südhänge, die jeden Sonnenstrahl einfangen. Steinige, karge Böden, die die Reben stressen und konzentrieren. Das Meer darunter, das die Temperaturen ausgleicht und Mineralität in die Trauben bringt. Und Winde, die Krankheiten fernhalten.
Die Winzer hier sind keine Industriekonzerne, sondern Familien, die seit Generationen dasselbe Land bewirtschaften. Namen wie Grgić, Miloš, Matuško sind Legenden in der kroatischen Weinwelt – aber außerhalb des Landes kennt sie kaum jemand. Noch nicht.
Die zwei Appellationen: Dingač und Postup

Dingač: Der Steile
Dingač war 1961 der erste Wein Jugoslawiens und später Kroatiens mit geschützter Herkunftsbezeichnung – vergleichbar mit einer italienischen DOCG oder einer französischen AOC. Der Name bezeichnet nicht nur den Wein, sondern auch den Hang zwischen den Dörfern Potomje und Trstenik.
Die Weinberge liegen auf 250-400 Metern Höhe, mit Neigungen, die selbst erfahrene Winzer ins Schwitzen bringen. Der Boden ist roter Karst, durchsetzt mit weißem Kalkstein, der tagsüber Wärme speichert und nachts abgibt. Die Trauben reifen langsam und gleichmäßig, mit Zucker- und Säurewerten, die anderswo kaum erreichbar sind.
Der typische Dingač ist dunkel wie Tinte, mit 14-16% Alkohol, Aromen von überreifen Kirschen, Feigen, Rosmarin und einem erdigen, fast animalischen Unterton. Die besten Jahrgänge können 20 Jahre und mehr reifen.
Postup: Der Elegante
Postup liegt einige Kilometer westlich, näher an Orebić. Die Hänge sind nicht ganz so steil, die Böden etwas lehmiger. Der Wein ist eleganter als Dingač – weniger Brachialgewalt, mehr Finesse. Aromen von roten Früchten, Kräutern, einem Hauch Schokolade.
Postup wurde 1967 als zweite Appellation Kroatiens anerkannt. Die Fläche ist kleiner als Dingač, die Produktion entsprechend geringer. Manche Kenner ziehen Postup dem bekannteren Nachbarn vor – weniger Hype, oft besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.
Die Rebsorte: Plavac Mali

Plavac Mali ist die DNA des dalmatinischen Weins. Die Sorte ist ein natürlicher Hybrid aus Crljenak Kaštelanski (der kroatischen Ursprungssorte des amerikanischen Zinfandel) und Dobričić. Sie braucht Hitze, verträgt Trockenheit, und entwickelt in den extremen Bedingungen von Pelješac Aromen, die sie anderswo nicht erreicht.
Die Herausforderung für Winzer: Plavac Mali reift ungleichmäßig. An derselben Traube können überreife, reife und unreife Beeren hängen. Die Spitzenproduzenten lesen in mehreren Durchgängen, sortieren per Hand und produzieren entsprechend geringe Mengen.
Was bedeutet das für dich? Qualität kostet. Die besten Dingač- und Postup-Weine liegen bei 30-80 Euro pro Flasche – viel für kroatischen Wein, wenig für vergleichbare Qualität aus Italien oder Frankreich.
Die Weingüter: Wo verkosten und kaufen

Pelješac hat dutzende Weingüter, von winzigen Familienbetrieben bis zu etablierten Exporteuren. Die meisten bieten Verkostungen an – oft informell, im Keller des Hauses, manchmal mit Blick auf die Weinberge. Hier sind die Highlights:
Grgić Vina (Trstenik)
Mike Grgich ist eine Legende der Weinwelt. Der gebürtige Kroate gewann 1976 mit seinem Chardonnay das “Judgment of Paris” – der Moment, in dem die Weinwelt erkannte, dass Kalifornien mit Frankreich mithalten kann. Nach Jahrzehnten in Napa Valley kehrte er in seine Heimat zurück und pflanzte Plavac Mali auf Pelješac.
Das Weingut produziert nur ein paar Rotweine – Dingač und Postup, beide exzellent. Die Verkostung findet im modernen Gebäude oberhalb von Trstenik statt, mit Panoramablick aufs Meer. Die Preise sind die höchsten der Region (Dingač ab 50 Euro), die Qualität rechtfertigt sie.
Kontakt: www.grgich.hr | +385 20 742 393 Verkostung: Täglich nach Voranmeldung, ab 20 Euro pro Person
Vinarija Miloš (Ponikve)
Frano Miloš gilt als einer der besten Winzer Dalmatiens. Sein Stagnum ist ein legendärer Postup – konzentriert, komplex, einer der teuersten kroatischen Weine (100+ Euro). Aber auch die “einfacheren” Weine sind exzellent, besonders der Plavac Mali ohne Appellationsstatus, der bei 15-20 Euro beginnt.
Das Weingut liegt in Ponikve, ein paar Kilometer von der Küste entfernt. Die Verkostung ist informell – oft führt Frano selbst durch den Keller, erzählt von seinen Weinbergen, philosophiert über Terroir.
Kontakt: www.milos.hr | +385 20 742 086 Verkostung: Nach Voranmeldung, ab 25 Euro inkl. 5 Weine
Vinarija Matuško (Potomje)
Die Matuškos bewirtschaften seit Generationen Weinberge in Dingač und Postup. Der Betrieb ist größer als manche Nachbarn, produziert aber immer noch in handwerklicher Qualität. Der Dingač ist kraftvoll und saftig, der Postup eleganter, der Einstiegs-Plavac ein exzellentes Preis-Leistungs-Angebot.
Der Verkostungsraum liegt mitten in Potomje, dem Zentrum der Weinroute. Praktisch für einen Stopp zwischen anderen Weingütern.
Kontakt: www.matusko-vina.hr | +385 20 742 393 Verkostung: Täglich 10-18 Uhr, ab 15 Euro
Vina Skaramuča (Potomje)
Ein kleines Familienweingut mit persönlicher Atmosphäre. Die Skaramučas haben nur ein paar Hektar, alles Handarbeit, Produktion unter 10.000 Flaschen pro Jahr. Der Dingač ist klassisch – dunkel, würzig, salzige Note. Die Verkostung findet im Keller des Hauses statt, oft mit Oliven und Käse aus eigener Produktion.
Kontakt: +385 20 742 086 Verkostung: Nach Voranmeldung, 10-15 Euro
Saints Hills (Dingač)
Das ambitionierteste Projekt der Region. Hinter Saints Hills stehen kroatische Investoren mit internationaler Erfahrung. Das Weingut kombiniert modernste Technologie mit traditionellem Terroir. Die Weinberge in Dingač werden mit Sorgfalt gepflegt, die Weine sind poliert, zugänglich, ohne die Ecken und Kanten mancher Nachbarn.
Der Dingač ist international anerkannt, der Preis entsprechend (40-60 Euro). Die Verkostung findet im schicken Verkostungsraum statt – professionell, fast schon zu perfekt.
Kontakt: www.saintshills.com | +385 20 742 333 Verkostung: Täglich 11-19 Uhr, ab 25 Euro
Weitere Empfehlungen
- Vinarija Bartulović (Potomje) – kleiner Familienbetrieb, authentisch, Dingač ab 25 Euro
- Vina Madirazza (Potomje) – experimentierfreudig, auch weiße Sorten
- Vina Violić (Trstenik) – winzig, nur wenige Flaschen pro Jahr, Geheimtipp
Die Weinroute: Von Orebić nach Trstenik

Die klassische Route durch die Weinregion beginnt in Orebić, dem Hauptort der Halbinsel, und führt nach Osten entlang der Südhänge. Die Strecke ist kurz – vielleicht 25 Kilometer – aber die Kurven sind eng, die Aussichten ablenkend, und die Weingüter verführerisch.
Tag 1: Die Klassiker
Vormittag: Start in Orebić. Fahrt Richtung Osten, erster Stopp in Ponikve bei Vinarija Miloš. Zwei Stunden für Verkostung und Gespräch einplanen – Frano erzählt gern.
Mittag: Weiter nach Potomje, dem Zentrum der Weinroute. Mittagessen in der Konoba Bakus – rustikale Küche, gegrillter Fisch, lokaler Käse, dazu ein Glas Plavac.
Nachmittag: Verkostung bei Matuško, dann kurze Fahrt hinauf zum Aussichtspunkt oberhalb der Dingač-Weinberge. Der Blick auf die steilen Hänge und das Meer darunter ist spektakulär.
Abend: Weiter nach Trstenik, Verkostung bei Grgić, Sonnenuntergang über den Weinbergen.
Tag 2: Die Entdecker-Route
Vormittag: Fahrt zu den kleineren Weingütern in den Dörfern oberhalb der Küste. Skaramuča, Bartulović, Violić – hier triffst du die Winzer persönlich, oft in ihren Kellern.
Mittag: Picknick in den Weinbergen. Die meisten Weingüter verkaufen Käse, Schinken und Oliven – alles, was du für ein Mittagessen mit Blick brauchst.
Nachmittag: Rückfahrt über die Nordseite der Halbinsel. Stopp in Ston für Austern und die berühmte Stadtmauer.
Mit dem Rad durch die Weinberge
Die Weinroute lässt sich auch auf zwei Rädern erleben – vorausgesetzt, du bist fit genug für die Steigungen. Die Straßen sind leer, die Landschaft atemberaubend, und die Weingüter freuen sich über Radfahrer (die kaufen mehr, weil sie weniger schleppen müssen).

Die Route “Zwischen Mauern und Salz” startet in Ston mit seinen mittelalterlichen Mauern und führt über 33 Kilometer durch die Weinlandschaft nach Orebić. Die Route vermeidet die steilsten Abschnitte, führt aber trotzdem mitten durch die Appellationen – perfekt für Stopps und Verkostungen.
Wer tiefer in die Weinberge will, kann die Straßen zwischen Potomje und den Aussichtspunkten auf eigene Faust erkunden. Die Steigungen sind brutal – aber oben wartet die beste Aussicht der Halbinsel.
Wein kaufen: Preise und Transport
Was du zahlen solltest
Die Preise auf Pelješac sind fair – zumindest im Vergleich zu italienischen oder französischen Pendants:
| Kategorie | Preis | Beispiele |
|---|---|---|
| Einstieg Plavac | 8-15 € | Matuško Basic, Miloš Plavac |
| Postup | 18-35 € | Bartulović, Skaramuča, Miloš |
| Dingač | 25-50 € | Matuško, Bartulović, Saints Hills |
| Premium | 50-100 € | Grgić Dingač, Miloš Stagnum |
| Raritäten | 100+ € | Alte Jahrgänge, Spezialabfüllungen |
Transport nach Hause
Die meisten Weingüter versenden innerhalb der EU – aber die Preise sind hoch (oft 20-40 Euro für 6 Flaschen). Günstiger: Selbst mitnehmen.
Im Auto: Kein Problem, solange du unter den Zollfreigrenzen bleibst (90 Liter Wein für den privaten Gebrauch innerhalb der EU).
Im Flugzeug: Maximal 5-6 Flaschen im Aufgabegepäck (Gewichtslimit beachten). Gut einpacken – die Koffer werden geworfen. Spezielle Weinkoffer gibt’s ab 50 Euro.
Verschicken lassen: Manche Weingüter bieten Versand zu späterem Zeitpunkt an – praktisch, wenn du am Anfang des Urlaubs kaufst und nicht schleppen willst.
Essen zur Weinroute

Wein braucht Essen – und Pelješac liefert beides. Die lokale Küche ist dalmatinisch, mit Betonung auf Meeresfrüchten und Gegrilltem.
Konoba Bakus (Potomje)
Das Stammlokal der Winzer. Einfach, authentisch, die Portionen riesig. Probier den gegrillten Oktopus, die hausgemachte Pasta, den Lammbraten. Dazu ein Glas Dingač vom Fass – so trinken es die Einheimischen.
Kapetanova Kuća (Mali Ston)
Direkt an der Bucht von Ston, berühmt für Austern und Muscheln aus eigener Zucht. Die Austern werden roh serviert, nur mit Zitrone – dazu passt überraschenderweise auch Plavac Mali. Reservierung empfohlen.
Gverović-Orsan (Viganj)
Gehobener, mit Blick aufs Meer. Die Küche kombiniert Tradition mit modernen Einflüssen, die Weinkarte ist ausgezeichnet. Perfekt für ein besonderes Abendessen nach einem Tag in den Weinbergen.
Restaurant Panorama (Trstenik)
Wie der Name sagt: Aussicht. Die Terrasse überblickt die Dingač-Weinberge und das Meer. Küche ist solide dalmatinisch, die Lage macht den Unterschied.
Praktisches
Beste Reisezeit
Frühling (April-Mai): Die Weinberge blühen, das Wetter ist mild, die Winzer haben Zeit. Perfekt für intensive Verkostungen.
Sommer (Juni-August): Heiß, überfüllt, die Winzer sind beschäftigt. Verkostungen sind möglich, aber weniger entspannt.
Herbst (September-Oktober): Erntezeit. Die spannendste Zeit, wenn du das Chaos der Lese erleben willst. Viele Weingüter sind aber geschlossen oder nur eingeschränkt zugänglich.
Winter (November-März): Ruhig, manche Weingüter geschlossen. Aber wer anruft, wird meist empfangen – und hat die Winzer für sich allein.
Anreise
Pelješac ist seit 2022 über die Pelješac-Brücke mit dem Festland verbunden – keine Fähre mehr nötig. Von Dubrovnik sind es 60 Kilometer nach Orebić (1 Stunde), von Split 170 Kilometer (2,5 Stunden über die Küstenstraße, schneller mit Fähre Ploče-Trpanj).
| Von | Nach Orebić | Entfernung | Fahrzeit |
|---|---|---|---|
| Dubrovnik | Orebić | 60 km | 1 h |
| Split (Küste) | Orebić | 170 km | 2,5 h |
| Split (Fähre) | Orebić | 130 km | 2 h inkl. Fähre |
| Korčula (Fähre) | Orebić | 2 km | 15 min |
Unterkunft
Orebić hat die meisten Optionen – vom einfachen Apartment bis zum Boutique-Hotel. Für die Weinroute praktischer: in Potomje oder Trstenik übernachten, mitten im Geschehen.
Empfehlungen:
- Hotel Aminess Grand Azur (Orebić) – großes Resort, Pool, Strand, ab 100 €/Nacht
- Villa Korta Katarina (Orebić) – Boutique-Hotel eines Weinguts, exzellent, ab 150 €/Nacht
- Apartments in Potomje – einfach, authentisch, ab 50 €/Nacht über Booking.com
Designierte Fahrer
Wein verkosten und fahren verträgt sich nicht. Optionen:
- Taxi: Von Orebić zu den Weingütern und zurück. Tagesrate um 100-150 Euro verhandeln.
- Geführte Touren: Mehrere Anbieter in Dubrovnik bieten Tagestouren nach Pelješac an (ab 80 Euro inkl. Transport und Verkostungen).
- Einer fährt: Klassisch und effektiv. Der Fahrer bekommt dafür das Nachtisch-Menü.
Noch tiefer eintauchen
Wer sich ernsthaft für Wein interessiert, findet auf Pelješac mehr als nur Verkostungen:
Weinlese mitmachen: Manche Weingüter nehmen im September/Oktober Freiwillige auf. Harte Arbeit, aber ein unvergessliches Erlebnis. Frag direkt bei den kleineren Betrieben an.
Weinseminar: Grgić und Saints Hills bieten mehrstündige Seminare mit Einführung in die Sorten, Terroir-Verkostungen und Kellerführung. Ab 50 Euro pro Person.
Übernachtung beim Winzer: Einige Familienbetriebe haben Gästezimmer. Die authentischste Art, die Region zu erleben – Frühstück mit dem Winzer, Abendessen mit der Familie.
Die Kombination aus Wein, Landschaft und Menschen macht Pelješac einzigartig. Die Weine sind gut genug, um international zu bestehen – aber die Region hat noch nicht den Hype von Toskana oder Napa. Genau jetzt ist der Moment, sie zu entdecken.
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