Kornati Nationalpark: Das Labyrinth aus 89 Inseln (2026)
- Redaktionsteam
- Nationalparks , Inseln , Dalmatien
- 06 Oct, 2025
Inhalt
89 Inseln, 140 Quadratkilometer Meer, fast keine Bewohner – die Kornaten sind das Gegenteil von allem, was man von kroatischen Inseln erwartet. Keine Dörfer, keine Strände, keine Palmen. Stattdessen: Kahle Karstfelsen, die aus dem tiefblauen Meer ragen wie die Rücken versteineter Wale. Die Kornaten sind keine gemütliche Inselwelt. Sie sind wild, karg und überwältigend schön.

Das Archipel verstehen
Die Kornaten sind nicht einfach Inseln im Meer. Sie sind das, was übrig blieb, als der Meeresspiegel nach der letzten Eiszeit stieg. Die Hügel einer einstigen Karstlandschaft wurden zu Inseln, die Täler zu Kanälen. Das Ergebnis ist ein Labyrinth, das selbst erfahrene Segler fordert und Erstbesucher in ehrfürchtiges Staunen versetzt.
Die größte Insel heißt Kornat und gab dem Archipel seinen Namen. Sie ist 25 Kilometer lang, aber kaum einen Kilometer breit – ein steinernes Band, das sich durch das Meer zieht. Die anderen Inseln sind kleiner, manche nur Felsen mit ein paar Büschen, andere groß genug für eine Schafherde und eine Konoba.
Warum sind die Inseln so kahl?
Die Kornaten waren nicht immer so. Vor Jahrhunderten wuchsen hier Wälder, die für den Schiffbau der Venezianer gerodet wurden. Die Schafe, die danach kamen, fraßen jeden Neuaustrieb. Heute ist die Landschaft Karst pur: grauer Stein, Salbei, Immortellen. Eine brutale Schönheit, die man erst lernen muss zu sehen.
Mit dem Boot durch die Kornaten
Die Kornaten sind nur per Boot erreichbar. Straßen gibt es nicht, Fähren auch nicht. Wer die Inseln sehen will, hat drei Optionen: Tagesausflug, eigenes Boot oder Skipper-Charter.

Tagesausflüge ab Murter oder Biograd
Die meisten Besucher kommen per Ausflugsboot. Ab Murter, Biograd, Vodice oder Šibenik starten täglich Touren, die durch das Archipel fahren, an ein paar Buchten halten und Mittagessen auf einer Insel bieten. Dauer: 8-10 Stunden. Preis: 40-60 € pro Person inklusive Eintritt und Essen.
Typischer Ablauf:
- 8:00 Uhr: Abfahrt vom Hafen
- 9:30 Uhr: Ankunft im Nationalpark, Badestopp
- 12:00 Uhr: Mittagessen in einer Konoba (gegrillter Fisch)
- 14:00 Uhr: Fahrt zu den Klippen von Mana
- 16:00 Uhr: Letzter Badestopp
- 18:00 Uhr: Rückkehr zum Hafen
Vorteile: Günstig, keine Vorkenntnisse nötig, Essen inklusive. Nachteile: Große Gruppen, feste Routen, wenig Zeit an den schönsten Stellen.
Mit dem eigenen Boot
Die Kornaten sind Segler-Paradies. Hunderte Ankerbuchten, kristallklares Wasser, fast keine Motorboote an Wochentagen. Wer ein eigenes Boot hat oder chartern kann, erlebt die Inseln auf einer anderen Ebene – morgens allein in einer Bucht aufwachen, mittags in einer anderen schwimmen, abends in einer dritten ankern.
Was du wissen musst:
- Nationalparkgebühr: Tagesticket je nach Bootsgröße (ab 35 € für kleine Boote)
- Tickets: Online oder bei Rangern vor Ort
- Ankern: Nur in ausgewiesenen Buchten, Bojen nutzen
- Müll: Alles mitnehmen, keine Entsorgung auf den Inseln
Charterbasis: Biograd, Murter und Šibenik haben ACI Marinas mit Charterflotten. Segelschein erforderlich.
Skipper-Charter: Das Beste aus beiden Welten
Wer kein eigenes Boot hat, aber die Gruppenausflüge meiden will, kann ein Boot mit Skipper chartern. Ein Tagesausflug mit einem lokalen Fischer kostet 300-500 € für die ganze Gruppe – bei 4-6 Personen günstiger als gedacht.
Wo buchen: Direkt am Hafen von Murter oder Betina, in den Tourismusbüros von Biograd, oder über lokale Agenturen.
Die Highlights der Kornaten
Klippen von Mana (Krune)

An der Außenseite der Insel Mana fallen die sogenannten “Kronen” 80 Meter senkrecht ins Meer ab. Die Klippen entstanden durch tektonische Aktivität – die Adria-Platte schiebt sich unter die europäische, und hier ist der Bruch sichtbar. Vom Boot aus ist der Anblick atemberaubend, besonders bei Wellengang, wenn die Gischt an den Wänden hochschießt.
Levrnaka und Lojena Bucht
Die südlichste große Insel hat etwas, das in den Kornaten selten ist: einen Strand. Lojena ist eine flache Bucht mit Kiesel und Sand, geschützt vor Wind, perfekt zum Schwimmen. Im Sommer ankern hier dutzende Boote, aber es bleibt friedlich – Partyflotten meiden die Kornaten.
Vrulje – Das Dorf, das keines ist
Auf Kornat liegt Vrulje, eine Ansammlung von Steinhäusern, die wie ein Dorf aussehen, aber keines sind. Die Häuser gehören Fischern und Schafhaltern aus Murter, die im Sommer hierher kommen. Kein Strom, kein fließend Wasser – nur Zisternen und Öllampen. Eine der Konobas hier serviert Mittagessen (gegrillter Fisch, hausgemachter Wein), die Atmosphäre ist wie vor 100 Jahren.
Telašćica – Der Nachbar-Naturpark

Direkt südlich der Kornaten liegt der Naturpark Telašćica – eine tiefe Bucht mit Salzsee, Klippen und Olivenhainen. Viele Ausflüge kombinieren beide Parks. Der Salzsee Mir ist wärmer und salziger als das Meer, angeblich heilend für die Haut. Die Klippen (170 Meter hoch) sind noch dramatischer als die von Mana.
Essen in den Kornaten
Die Konobas auf den Inseln servieren, was das Meer und die kargen Felder bieten: gegrillten Fisch, Lamm, Kartoffeln aus dem Holzofen. Die Auswahl ist begrenzt, die Qualität überraschend hoch. Die Zutaten müssen per Boot gebracht werden, das Kochen funktioniert ohne Strom – trotzdem schmeckt alles.
Die besten Konobas
- Opat (Insel Kornat): Frischer Fisch, legendäres Lamm vom Spieß
- Konoba Darko (Vrulje): Familiengeführt, einfach, authentisch
- Strižnja (Bucht Strižnja): Beliebter Ankerplatz, gute Fischgerichte
- Levrnaka: Bei der Lojena-Bucht, perfekt nach dem Schwimmen
Wichtig: In Konobas muss man oft vorbestellen (telefonisch oder über Funk). Wer spontan kommt, bekommt vielleicht nur Brot und Käse.
Praktische Informationen
Eintritt und Gebühren
Der Nationalpark kostet Eintritt, und die Preise variieren je nach Boot und Aufenthaltsdauer:
| Kategorie | Tagesticket | 3-Tages-Ticket |
|---|---|---|
| Ausflugsboot (im Preis enthalten) | – | – |
| Privatboot bis 7m | 35 € | 90 € |
| Privatboot 7-12m | 60 € | 150 € |
| Segelboot über 12m | 90 € | 220 € |
Tickets kaufst du online (np-kornati.hr) oder bei Rangern in den Buchten. Ohne Ticket drohen saftige Strafen.
Anreise zum Ausgangspunkt
Murter ist das Tor zu den Kornaten. Die Insel (per Brücke verbunden) hat mehrere Häfen, von denen Ausflüge starten. Anreise ab Zadar (45 Min), Šibenik (30 Min) oder Split (90 Min) per Auto.
Biograd na Moru ist die Alternative – touristischer, mit großer ACI Marina für Chartergäste.
Beste Reisezeit
Mai-Juni: Ruhig, grün (so grün die Kornaten eben werden), gute Sicht. Juli-August: Warm, voll, beste Badebedingungen, aber viele Boote. September: Ideal. Warmes Wasser, weniger Boote, goldenes Licht.
Wetter und Wind
Die Kornaten sind windexponiert. Der Mistral (Sommernordwest) bläst nachmittags fast täglich. Die Bora (Nordostwind) kommt plötzlich und heftig, besonders im Frühjahr und Herbst. Wettervorhersagen checken und auf die Locals hören – sie kennen die Zeichen.
Mit dem Rad zum Ausgangspunkt
Wer die Küste vor den Kornaten erkunden will: Die Route Route des blauen Horizonts führt von Vodice über Murter durch die Küstenlandschaft mit Blick auf das Archipel – 49 Kilometer, die perfekt als Vorbereitung oder Alternative zum Bootstrip funktionieren.
Für wen sind die Kornaten?
Die Kornaten sind nicht für jeden. Wer Strände, Dörfer und Abwechslung sucht, ist auf Hvar oder Korčula besser aufgehoben. Aber wer die Stille liebt, das Meer, die Reduktion auf das Wesentliche – für den sind die Kornaten ein Erlebnis, das lange nachhallt. 89 Inseln, ein Boot, und du mittendrin.