Wracktauchen in Kroatien: Die 12 besten Wracks für Taucher 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Dalmatien
- 16 Nov, 2025
Inhalt
Die kroatische Adria ist ein Schiffsfriedhof. Zwei Weltkriege, Jahrhunderte Handelsschifffahrt und die tückischen Küsten haben Dutzende Wracks hinterlassen – von österreichischen Passagierdampfern über italienische Kriegsschiffe bis zu modernen Frachtern. Für Taucher ist Kroatien damit eines der interessantesten Reviere Europas.

Die meisten Wracks liegen in Tiefen zwischen 20 und 70 Metern, viele sind gut erhalten und von Meereslebewesen besiedelt. Einige sind für Open-Water-Taucher zugänglich, andere erfordern technische Ausrüstung und entsprechende Zertifizierung. Dieser Guide stellt die spektakulärsten vor – von den Klassikern, die jeder Kroatien-Taucher kennen sollte, bis zu den Geheimtipps für Fortgeschrittene.
Die Klassiker: Wracks, die du kennen solltest
Baron Gautsch (Rovinj)
Das berühmteste Wrack Kroatiens – und eines der tragischsten. Die Baron Gautsch war ein österreichischer Passagierdampfer, der am 13. August 1914, nur zwei Wochen nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, auf eine Mine lief. Von den 300 Passagieren überlebten weniger als 200. Das Schiff sank in wenigen Minuten.

Heute liegt die Baron Gautsch auf 40 Metern Tiefe, etwa 6 Seemeilen vor Rovinj. Das 84 Meter lange Schiff ist erstaunlich gut erhalten – der Rumpf ist intakt, Deckaufbauten erkennbar, die Masten ragen gespenstisch ins Blau. Schwärme von Mönchsfischen und Conger-Aalen haben das Wrack besiedelt.
Technische Daten:
- Tiefe: 28-40 m
- Sichtweite: 15-30 m
- Strömung: leicht bis moderat
- Anforderung: Advanced Open Water + Erfahrung
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen: Rovinj Sub (www.rovinj-sub.hr), Valdaliso Diving (www.valdaliso.com)
Tihany (Pag)
Das zweitberühmteste Wrack – ein ungarischer Raddampfer aus dem Jahr 1916. Die Tihany transportierte österreichisch-ungarische Truppen, als sie vor der Insel Pag von einem französischen U-Boot torpediert wurde. 172 Soldaten starben.
Das Wrack liegt seitlich auf 36 Metern Tiefe, die beiden charakteristischen Schaufelräder noch erkennbar. Der Bug ist abgebrochen und liegt separat. Die Penetration ist möglich, aber nur für erfahrene Taucher – die Struktur ist teilweise instabil.
Technische Daten:
- Tiefe: 22-36 m
- Sichtweite: 10-20 m
- Strömung: moderat
- Anforderung: Advanced Open Water + Wreck-Erfahrung
- Beste Zeit: Juni-September
Tauchbasen: Foka Diving (Novalja), Dive Center Pag
Taranto (Dubrovnik)
Ein italienisches Torpedoboot aus dem Zweiten Weltkrieg, gesunken 1943 durch einen britischen Luftangriff. Die Taranto liegt auf spektakulären 55 Metern Tiefe vor der Insel Koločep – ein Tieftauchgang, der nur für erfahrene Taucher mit entsprechender Ausrüstung geeignet ist.
Das 80 Meter lange Schiff ist fast vollständig intakt, die Geschütztürme noch bestückt, die Torpedorohre erkennbar. Die Tiefe bedeutet begrenzte Grundzeit, aber die Klarheit des Wassers (oft 30+ Meter Sicht) macht jeden Moment unvergesslich.
Technische Daten:
- Tiefe: 45-55 m
- Sichtweite: 25-40 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Deep Diver + Nitrox empfohlen
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen: Blue Planet Diving (Dubrovnik), Adriatic Diving (Cavtat)
Die Insel Vis: Wrack-Paradies der Adria
Vis hat eine besondere Geschichte: Während des Kommunismus war die Insel Militärsperrgebiet, für Ausländer verboten. Das Ergebnis: unberührte Küsten, wenig Tauchtourismus – und ein Dutzend Wracks, die kaum jemand kennt.

Teti (Vis)
Ein italienisches Handelsschiff, gesunken 1930 während eines Sturms. Die Teti liegt aufrecht auf 33 Metern, der Bug zur Oberfläche zeigend. Das Wrack ist vollständig intakt und von einer dichten Schicht aus Schwämmen, Anemonen und Weichkorallen bedeckt – ein Unterwassergarten.
Der Tauchgang beginnt am Bug auf 23 Metern und führt entlang des Rumpfs zum Heck. Die Laderäume sind zugänglich und beherbergen Muränen, Langusten und gelegentlich Zackenbarsche. Die Teti ist das zugänglichste Wrack von Vis – perfekt für Fotografen.
Technische Daten:
- Tiefe: 23-33 m
- Sichtweite: 20-30 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Open Water Advanced
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Vassilios T (Vis)
Ein griechischer Frachter, absichtlich versenkt 2017 als künstliches Riff. Mit 80 Metern Länge ist die Vassilios T das größte Wrack vor Vis – und das taucherfreundlichste. Das Schiff wurde vor dem Versenken gereinigt und für Taucher vorbereitet: große Öffnungen für die Penetration, entfernte Gefahrenquellen.
Das Wrack liegt aufrecht auf 46 Metern, das Deck beginnt bei 28 Metern. Die Dimensionen sind beeindruckend – du kannst minutenlang entlang des Rumpfs schweben, ohne das Ende zu erreichen. Nach nur wenigen Jahren ist das Schiff bereits von Meereslebewesen besiedelt.
Technische Daten:
- Tiefe: 28-46 m
- Sichtweite: 20-35 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Deep Diver
- Beste Zeit: Mai-Oktober
B-24 Bomber (Vis)
Kein Schiff, sondern ein Flugzeug – ein amerikanischer B-24 Liberator Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Maschine stürzte 1944 ins Meer, die Crew überlebte. Das Wrack wurde erst 2017 in 42 Metern Tiefe entdeckt.
Der Bomber ist erstaunlich gut erhalten: Flügel, Rumpf und Triebwerke erkennbar. Der Tauchgang ist technisch anspruchsvoll (Tiefe, manchmal Strömung), aber historisch einzigartig. Nur wenige Tauchbasen bieten Zugang an – buche früh.
Technische Daten:
- Tiefe: 42 m
- Sichtweite: 20-30 m
- Strömung: moderat
- Anforderung: Deep Diver + Erfahrung
- Beste Zeit: Juni-September
Tauchbasen für Vis: Issa Diving (Komiža, www.issadiving.hr), Diving Center Vis (www.diving-center-vis.com)
Istrien: Wracks vor der Westküste
Coriolanus (Pula)
Ein britischer Minensucher, gesunken 1945 durch eine deutsche Mine. Die Ironie: Ein Schiff, das Minen räumen sollte, fiel selbst einer Mine zum Opfer. Das Wrack liegt 30 Seemeilen vor Pula auf 52 Metern Tiefe.
Der Coriolanus ist ein Tieftauchgang für Erfahrene, aber die Mühe lohnt: Das Schiff ist intakt, die Sicht meist exzellent (Tiefwasser = weniger Partikel), und du bist oft der einzige Taucher.
Technische Daten:
- Tiefe: 42-52 m
- Sichtweite: 25-40 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Deep Diver + Nitrox
- Beste Zeit: Mai-September
Giuseppe Dezza (Medulin)
Ein italienisches Torpedoboot, gesunken 1944 durch britische Flugzeuge. Das 82 Meter lange Schiff liegt auf 37 Metern, teilweise auf der Seite. Die Bewaffnung – Geschütze, Torpedorohre – ist noch vorhanden und gibt dem Tauchgang einen düsteren Charakter.
Technische Daten:
- Tiefe: 28-37 m
- Sichtweite: 15-25 m
- Strömung: moderat
- Anforderung: Advanced Open Water + Wreck-Erfahrung
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen Istrien: Pula Diving (www.puladiving.com), Indigo Diving (Medulin)
Dalmatien: Wracks entlang der Küste
Flamingo (Split)
Ein Vermessungsschiff, versenkt 2004 als künstliches Riff vor Split. Das 50 Meter lange Schiff liegt aufrecht auf 35 Metern, perfekt vorbereitet für Taucher. Die Flamingo ist das meistbetauchte Wrack Mitteldalmatiens – zugänglich, fotogen, voller Leben.
Technische Daten:
- Tiefe: 22-35 m
- Sichtweite: 15-25 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Advanced Open Water
- Beste Zeit: Mai-Oktober
Tauchbasen: Nemo Diving (Split), Big Blue Diving (Split)
Draga (Šolta)
Ein Bagger (daher der Name), gesunken während eines Sturms in den 1960ern. Die Draga liegt auf nur 18 Metern – einer der wenigen echten Wracks, die auch für Open Water Taucher zugänglich sind. Der Kran ist noch erkennbar, der Rumpf von Schwämmen und Algen bedeckt.
Technische Daten:
- Tiefe: 12-18 m
- Sichtweite: 10-20 m
- Strömung: leicht
- Anforderung: Open Water
- Beste Zeit: Ganzjährig
Lina (Prvić)
Ein Frachter, gesunken 1914 vor der kleinen Insel Prvić bei Šibenik. Das 100 Meter lange Schiff ist eines der größten Wracks der Adria, liegt aber auf anspruchsvollen 50-60 Metern. Die Lina ist ein Ziel für technische Taucher – Trimix empfohlen.
Technische Daten:
- Tiefe: 50-60 m
- Sichtweite: 25-40 m
- Strömung: moderat
- Anforderung: Technical Diver
- Beste Zeit: Mai-September
Für Fortgeschrittene: Die technischen Wracks
Diese Wracks erfordern technische Ausbildung (TDI, IANTD, GUE oder vergleichbar), Doppelgerät und oft Trimix:
Romagna (Lošinj)
Ein italienischer Dampfer, gesunken 1917 auf 60-70 Metern Tiefe. Das Wrack ist riesig und fast unberührt – nur wenige Taucher erreichen diese Tiefe. Die Romagna liegt aufrecht, der Schornstein ragt gespenstisch ins Blau.
Szent István (Premuda)
Die Überreste eines österreichisch-ungarischen Schlachtschiffs, torpediert 1918 von einem italienischen Motorboot. Das 20.000-Tonnen-Schiff sank vor der Insel Premuda – eines der größten Kriegsschiffe, die je versenkt wurden. Die Trümmer liegen auf 60-70 Metern, weit verstreut. Ein Pilgerziel für technische Taucher.
Varese (Koločep)
Ein italienisches Handelsschiff, gesunken 1915 auf 72 Metern vor Koločep bei Dubrovnik. Das Wrack ist intakt, die Tiefe extrem. Nur für erfahrene Techniker mit Trimix-Zertifizierung.
Praktisches: Planung und Durchführung
Zertifizierungen
Die meisten Wracks erfordern mindestens Advanced Open Water. Für Tiefen über 40 Meter ist Deep Diver obligatorisch, für Penetration Wreck Diver empfohlen. Technische Wracks (>60m) erfordern entsprechende Tech-Ausbildung.
| Tiefe | Anforderung | Beispiele |
|---|---|---|
| < 20 m | Open Water | Draga (Šolta) |
| 20-40 m | Advanced Open Water | Baron Gautsch, Teti, Flamingo |
| 40-60 m | Deep Diver + Nitrox | Taranto, Vassilios T, Coriolanus |
| > 60 m | Technical Diver | Romagna, Szent István, Varese |
Ausrüstung
Die meisten Tauchbasen vermieten komplette Ausrüstung. Für Wracktauchen solltest du aber eigene Lampe und Reel/Spool mitbringen – die Leihausrüstung ist oft unterdimensioniert.
Empfohlen:
- Primärlampe (min. 1000 Lumen)
- Backup-Lampe
- Reel (30m) oder Spool
- Wetnotes für Logbuch-Notizen
Kosten
Wracktauchgänge sind teurer als normale Bootstauchgänge – die Anfahrt ist länger, die Organisation aufwendiger.
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Standard-Bootstauchgang | 40-60 € |
| Wrack-Tauchgang (nah) | 60-80 € |
| Wrack-Tauchgang (entfernt) | 80-120 € |
| Technischer Tauchgang | 120-200 € |
| Nitrox-Füllung | 10-15 € extra |
| Ausrüstungsmiete (komplett) | 30-50 €/Tag |
Beste Tauchbasen für Wracks
Istrien:
- Rovinj Sub (Baron Gautsch Spezialist)
- Pula Diving (Coriolanus, Giuseppe Dezza)
Kvarner:
- Diving Center Lošinj (Romagna)
Dalmatien Nord:
- Foka Diving Novalja (Tihany)
- Kornati Diving (verschiedene Wracks)
Dalmatien Mitte:
- Issa Diving Komiža (Vis-Wracks)
- Big Blue Split (Flamingo, Draga)
Dalmatien Süd:
- Blue Planet Dubrovnik (Taranto, Varese)
Sicherheit
Wracktauchen hat zusätzliche Risiken:
- Penetration: Nie ohne Wreck-Ausbildung, immer mit Line, immer mit Buddy
- Tiefe: Nullzeiten beachten, Nitrox für längere Grundzeiten
- Navigation: Reel/Spool für Orientierung
- Notfall: Oberflächenintervall respektieren, konservativ planen
Das Wichtigste
Kroatiens Wracks erzählen Geschichten – von Kriegen, Unfällen und dem unerbittlichen Meer. Für Taucher sind sie Zeitkapseln: Schiffe, die seit Jahrzehnten auf dem Meeresgrund liegen, von Korallen und Schwämmen überwuchert, von Fischen bewohnt.
Die Bandbreite ist beeindruckend: Von der 18-Meter-Draga für Anfänger bis zur 70-Meter-Romagna für Tech-Taucher. Die Infrastruktur ist professionell, die Tauchbasen kennen ihre Wracks, die Sichtweiten der Adria sind für Europa außergewöhnlich gut.
Plane mindestens 3-4 Tauchtage ein, wenn Wracks dein Fokus sind. Kombiniere mit normalen Riffen für Erholung. Und vergiss nicht: Jedes Wrack ist ein Grab – Respekt gehört dazu.
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