Gravel Biking in Kroatien: Die 12 besten Routen für Schotterpisten-Fans (2026)
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- 01 Dec, 2025
Inhalt
Kroatien ist wie gemacht fürs Gravel Biking. Tausende Kilometer Schotterpisten schlängeln sich durch Olivenhaine, über Karstplateaus und entlang verlassener Bahntrassen. Die Infrastruktur für Asphalt-Radler ist längst etabliert – aber die wahre Magie liegt abseits der Straßen.

Warum Kroatien für Gravel?
Die Topographie ist ideal. Zwischen Küste und Bergen erstreckt sich ein Netz aus Macchia-Wegen, Forstwirtschaftspisten und alten Militärstraßen. Viele davon sind auf keiner Karte verzeichnet – und genau das macht den Reiz aus.
Das Klima spielt mit: Von März bis November sind die Bedingungen meist perfekt. Im Hochsommer wird es in Dalmatien heiß, aber morgens um sechs Uhr, wenn die Sonne gerade über die Berge kriecht, gehören die Schotterpisten dir allein.
Was Gravel in Kroatien besonders macht:
- Kaum Verkehr auf den Nebenstrecken
- Trinkwasser an fast jeder Dorfquelle
- Konobas (Tavernen) auch in abgelegenen Dörfern
- Spektakuläre Ausblicke nach jedem Anstieg
- Mix aus Küste, Karst und Bergen auf kurzen Distanzen
Istrien: Weinberge und rote Erde
Istriens Hinterland ist Gravel-Paradies. Die charakteristische rote Erde (terra rossa) färbt nach Regen alles ein – inklusive deiner Klamotten. Trockene Schotterwege führen zwischen Weinreben hindurch, vorbei an mittelalterlichen Hügeldörfern.

Istrische Weinberge (68 km)
Die Istrische Weinberge Tour verbindet Poreč mit Buje und passiert dabei Motovun – jenes Trüffeldorf, das auf jedem Istrien-Foto prangt.
Der Anstieg nach Motovun ist steil, aber die Belohnung wartet oben: Blick über das gesamte Mirna-Tal, Espresso in einer der Bars am Hauptplatz, und dann die Abfahrt über lose Schotterwege durch Eichenwälder, in denen im Herbst die Trüffelsucher unterwegs sind.
Eckdaten:
- Distanz: 68 km
- Höhenmeter: ~800 hm
- Untergrund: 60% Schotter, 40% Asphalt
- Schwierigkeit: Anspruchsvoll
- Beste Zeit: April-Juni, September-Oktober
Terra Istriana (45 km)
Kürzere Alternative für Einsteiger: Die Terra Istriana Route bleibt im zentralen Istrien und rollt über sanftere Hügel. Perfekt, um das Terrain kennenzulernen, bevor du dich an die längeren Strecken wagst.
Dalmatinisches Hinterland: Karst und Kontraste
Hinter der dalmatinischen Küste beginnt eine andere Welt. Karstfelder erstrecken sich bis zum Horizont, durchbrochen von Trockenmauern und verlassenen Steinhäusern. Die Schotterpisten hier sind oft in besserem Zustand als die Asphaltstraßen.

Dalmatinische Nebenwege (74 km)
Von Drniš nach Split führt die Dalmatinische Nebenwege Tour durch Landschaften, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert haben. Karstfelder, Schafherden, Steindörfer – und am Ende der Abstieg zur Küste mit Split im Blick.
Der Start in Drniš lohnt einen frühen Aufbruch: Die Prosciutto-Hauptstadt Dalmatiens erwacht gegen sieben Uhr, und der Duft aus den Räucherkammern hängt in den Gassen. Nimm ein Stück mit – du wirst es unterwegs brauchen.
Highlights der Strecke:
- Panorama über den Nationalpark Krka (ohne Eintritt zu zahlen)
- Verlassene Dörfer mit intakten Steinhäusern
- Abstieg durch das Kozjak-Gebirge
- Ankunft in Split über Waldwege statt Küstenstraße
Heimat vom Prosciutto (77 km)
Die Gegenrichtung: Heimat vom Prosciutto startet in Biograd na Moru und endet in Drniš. Der Vorteil dieser Richtung: Du fährst vom Meer ins Hinterland, die Anstiege verteilen sich gleichmäßiger, und das Ziel ist ein Ort, in dem du den Tag mit Schinken und Rotwein ausklingen lassen kannst.
960 Höhenmeter klingen nach viel, aber sie verteilen sich auf 77 Kilometer. Die steilsten Passagen liegen in der ersten Hälfte – danach rollt es.
Zadar-Hinterland: Weite und Wind
Die Ravni Kotari, das Hinterland von Zadar, sind flacher als der Rest Dalmatiens. Hier dominieren lange Geraden, Olivenhaine und der Blick auf die Velebit-Berge am Horizont.

Reise jenseits der Küste (70 km)
Die Reise jenseits der Küste zeigt das Zadar, das Touristen nie sehen. Statt Altstadt-Pflaster: Schotterstraßen zwischen Weinfeldern. Statt Meeresorgel: das Summen der Zikaden.
Die Route führt durch Dörfer, in denen die Zeit stehengeblieben scheint. Alte Männer sitzen vor ihren Häusern, Hühner kreuzen den Weg, und in den Konobas wird noch selbstgemachter Rakija ausgeschenkt.
Die Straßen der Ravni Kotari (114 km)
Für Langstrecken-Fans: Die Straßen der Ravni Kotari ist mit 114 km eine der längsten Gravel-Routen der Region. Flach, schnell, ausdauernd – perfekt für alle, die Kilometer fressen wollen.
Cetina-Tal: Flusslandschaft und Schluchten
Das Cetina-Tal im Hinterland von Omiš ist eine der spektakulärsten Gravel-Regionen Kroatiens. Der Fluss hat sich tief in den Karst gegraben, und die Schotterpisten folgen den Kanten der Schlucht.

Hinter der Küste (68 km)
Die Hinter der Küste Route verbindet Split mit Brela – aber nicht über die Küstenstraße, sondern durch die Cetina-Schlucht. 68 Kilometer, 1100 Höhenmeter, und Ausblicke, die du vom Auto aus nie sehen würdest.
Der Clou: Start in Split, Ziel am Strand von Brela. Nach der Tour ins Meer springen ist der perfekte Abschluss.
Quelle des Lebens (35 km)
Kürzere Variante für Einsteiger: Quelle des Lebens führt zur Cetina-Quelle – jenem türkisfarbenen Naturbecken, das als “Auge der Erde” bekannt ist. 35 km durch das Tal, Ziel ist ein Ort, der Cetina heißt, wie der Fluss selbst.
Ausrüstung und Vorbereitung
Gravel in Kroatien erfordert keine Spezialausrüstung, aber ein paar Dinge machen das Leben leichter.
Reifenwahl: 40-45 mm Breite sind ideal für die meisten kroatischen Schotterpisten. Schmaler geht auf den gröberen Karstpassagen in die Knie, breiter ist auf den Asphaltabschnitten träge.
Wasser: Die meisten Dörfer haben öffentliche Brunnen mit Trinkwasser. Trotzdem: Mindestens 2 Liter Kapazität mitnehmen. Im Hochsommer eher 3.
Navigation: Offline-Karten sind Pflicht. Mobilfunkempfang ist in den Hinterland-Tälern lückenhaft. GPX-Dateien für alle genannten Routen gibt es bei ridescouts zum Download.
Werkzeug: Ersatzschlauch, Reifenheber, Multitool, Kettenschloss. Die nächste Fahrradwerkstatt ist oft weit.

Beste Jahreszeit
März-Mai: Grün, mild, wenig Touristen. Ideal für lange Touren. Morgens kann es noch frisch sein.
Juni: Perfekt, bevor die Sommerhitze einsetzt. Die Tage sind lang, die Nächte angenehm.
Juli-August: Nur für Frühaufsteher. Ab 10 Uhr wird es in Dalmatien unerträglich heiß. Istrien ist etwas erträglicher.
September-Oktober: Goldene Zeit. Die Hitze ist gebrochen, die Weinlese läuft, die Farben werden warm.
November: Noch möglich, aber die Tage werden kurz. Regen häufiger, besonders in Istrien.
Gravel-Events in Kroatien
Die Gravel-Szene wächst. Einige Events, die sich lohnen:
- Istria Gravel (Mai): Mehrtages-Event durch Istriens Hinterland
- Dalmatia Gravel (Oktober): Neues Format in der Zadar-Region
- Croatian Gravel Series: Mehrere Rennen pro Jahr an verschiedenen Orten
Die Events sind keine Rennen im klassischen Sinn – es geht ums Erlebnis, nicht um die Platzierung. Perfekt, um die Szene kennenzulernen und GPS-Tracks von Locals zu bekommen.
Mein Fazit
Kroatien ist Gravel-Land. Die Kombination aus Küste, Karst und Bergen auf engstem Raum macht es einzigartig in Europa. Während in den Alpen die Gravel-Strecken oft Kompromisse zwischen Straße und Trail sind, findest du hier echte Schotterpisten, die sich über Dutzende Kilometer ziehen – ohne Autos, ohne Ampeln, ohne Kompromisse.
Die beste Route? Schwer zu sagen. Istrien für Weinliebhaber, das Cetina-Tal für Schluchten-Fans, die Ravni Kotari für Kilometer-Fresser. Am besten: Mehrere kombinieren und eine Woche lang durchs Land rollen.
Nur eins noch: Die Schotterpisten teilst du oft mit Schafherden. Bremsen, warten, weiterfahren. Die Schafe haben Vorfahrt.