Klettern in Paklenica: Der komplette Guide für den besten Fels Kroatiens 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Lika
- 08 Mar, 2026
Inhalt
Die Wand über dir ist 350 Meter hoch, senkrechter Kalkstein, durchzogen von Rissen und Verschneidungen. Du hängst am Stand auf halber Höhe, die Adria glitzert in der Ferne, der Wind trägt den Geruch von Pinien herauf. Unten im Tal verschwinden die Wanderer auf dem Weg zur Manita-Peć-Höhle zwischen den Buchen, oben kreisen Gänsegeier über den Graten. Das ist Paklenica — eine der spektakulärsten Kletterdestinationen Europas, versteckt im kroatischen Velebit-Gebirge, und trotzdem nur eine Viertelstunde vom Meer entfernt.
Der Nationalpark Paklenica zieht seit den 1930er Jahren Alpinisten an. Dragutin Brahm, Stipe Božić und andere Pioniere erschlossen die großen Wände bereits Jahrzehnte bevor der Balkantourismus boomte. Heute kommen jährlich Tausende Kletterer — von Anfängern, die ihre ersten Routen im fünften Grad schaffen, bis zu Profis, die sich an den großen Wänden des Anića kuk versuchen. Mit über 400 Routen in Velika Paklenica, dazu weitere Sektoren in der Umgebung und mehr als 70 Mehrseillängentouren, ist Paklenica das umfangreichste Klettergebiet des gesamten Balkans. Jedes Frühjahr findet das Internationale Klettertreffen statt, bei dem Hunderte Kletterer aus ganz Europa zusammenkommen — ein Beweis für den Stellenwert, den dieser Ort in der Szene hat.

Was Paklenica so besonders macht
Paklenica ist kein einzelner Fels, sondern ein System aus zwei Schluchten — Velika (Große) und Mala (Kleine) Paklenica — die sich vom Meer bis auf über 1.700 Meter in den Velebit hinaufziehen. Die Wände bestehen aus Karstkalksein, geformt von Jahrmillionen der Erosion, mit allem, was Kletterer lieben: scharfe Leisten, tiefe Löcher (die sogenannten Sinteri), parallele Risssysteme, kantige Überhänge. Anders als der oft polierte Kalkstein der griechischen Inseln oder der französischen Calanques ist der Fels hier rau und griffig geblieben, selbst in den meistbegangenen Routen. Das liegt an der Zusammensetzung: Dolomitisierter Kalkstein aus der Kreidezeit, härter und widerstandsfähiger als gewöhnlicher Kalk.
Die Absicherung ist überwiegend gut. Sportkletterrouten haben Bohrhaken im Abstand von 2 bis 3 Metern, die Stände der Mehrseillängentouren sind mit soliden Klebehaken ausgestattet. Es gibt allerdings auch klassisch-alpine Linien, bei denen du selbst absichern musst — Keile und Friends gehören dort ins Rack. Die Bandbreite reicht also vom perfekt abgesicherten Sportklettergarten bis zur ernsthaften Alpintour mit Routenfindung und mobilen Sicherungsmitteln.
Was Paklenica von fast jedem anderen europäischen Klettergebiet unterscheidet, ist die Lage. Du kletterst in einem Nationalpark, umgeben von urwaldähnlichen Buchenwäldern, während Gämsen dich von den Graten beobachten und du aus der Route heraus das offene Meer siehst. Die Kombination aus mediterranem Klima und alpiner Wildnis, aus 30 Grad am Strand und Schneeresten auf dem Vaganski Vrh — das gibt es so nirgendwo sonst. Und nach dem Klettertag bist du in 15 Minuten am Kiesstrand, das Adriawasser kühl genug, um die müden Unterarme zu entspannen.
Die Kletterbereiche im Detail

Paklenica gliedert sich in zahlreiche Sektoren, verteilt auf die beiden Schluchten und die umgebenden Felswände. Die meisten Kletterer verbringen ihre Tage in Velika Paklenica, wo die Infrastruktur am besten ist und die größte Routendichte liegt. Hier ein Überblick über die wichtigsten Bereiche, ihre Eigenheiten und was dich dort erwartet.
Klanci — Der Einsteigerbereich
Die Klanci-Sektoren sind der erste Kontakt mit dem Paklenica-Fels für die meisten Kletterer. Vom Parkeingang führt der Hauptweg durch die Schlucht, und nach 10 bis 15 Minuten erreichst du die ersten Platten und Wände. Der Bereich umfasst mehrere Untersektoren: Tarajlije (30 Minuten Zustieg), Kozarice (25 Minuten) und Pazjanice (nur 10 bis 15 Minuten vom Weg). Insgesamt stecken in den Klanci-Sektoren fast 300 Sportkletterrouten, was sie zum größten zusammenhängenden Bereich des Gebiets macht.
Der Charakter ist überwiegend plattig bis leicht überhängend, mit positiven Griffen und durchgehend guter Bohrhakenabsicherung. Routen im vierten bis sechsten Grad dominieren, aber es gibt auch anspruchsvolle Linien bis in den achten Grad. Die Klassiker, die jeder kennt und die meistens besetzt sind: “Plava Laguna” (5a) — eine 25-Meter-Platte mit großen Griffen, perfekt für den allerersten Tag am Fels. “Crni Utorak” (5c) bietet eine technische Crux in der Mitte, “Bijeli Val” (6a) verlangt Vertrauen in die Füße auf kleinen Tritten. Wer sich steigern will, findet mit “Žuti Zmaj” (6b+) und “Crveni Val” (7a) die nächsten Herausforderungen, ohne den Sektor wechseln zu müssen.
Für Gruppen mit unterschiedlichen Niveaus sind die Klanci ideal: Während die Anfänger ihre 5a klettern, arbeiten die Fortgeschrittenen nebenan an ihrer 7b — alles im selben Felsgürtel, mit Sichtkontakt.
Anića kuk — Die große Wand
Anića kuk ist das Wahrzeichen Paklenicas und der Grund, warum ernsthafte Alpinkletterer hierher kommen. Der markante Gipfel ragt 712 Meter über dem Meer auf, die Südwand ist rund 350 Meter hoch und bietet die anspruchsvollsten Mehrseillängentouren des Gebiets. Der Zustieg dauert je nach gewähltem Einstieg 30 bis 45 Minuten über den markierten Wanderweg, dann quert man über Geröllfelder zum Wandfuß.
Rund 95 Routen durchziehen die Wand — von klassischen alpinen Linien mit teilweise selbst zu legender Absicherung bis zu modernen, durchgebohrten Sportklettertouren in extremen Schwierigkeitsgraden. Die Bandbreite reicht von 5a bis 8b+. Hier die wichtigsten Klassiker, die auf keiner Paklenica-Liste fehlen:
“Velebitaški” (14 Seillängen, max. 6c) — Die Standardtour am Anića kuk und für viele Kletterer die erste große Wand in Paklenica. Die Route folgt einem logischen Risssystem durch die linke Wandhälfte. Die Schwierigkeiten sind anhaltend im sechsten Grad, die Crux-Seillänge (6c) verlangt Fingerkraft und Technik. Absicherung gemischt: Bohrhaken an den Ständen, zwischen den Haken musst du teilweise mit Keilen und kleinen Friends nachsichern. Zeitbedarf für ein eingespieltes Team: 5 bis 7 Stunden. Frühes Aufbrechen ist Pflicht, denn ab dem frühen Nachmittag steht die Südwand in der prallen Sonne.
“Mosorašica” (9 Seillängen, max. 7a) — Kompakter, steiler, athletischer. Die Route verlangt Ausdauer in den überhängenden Passagen und bietet fantastische Kletterei in festem Kalk. Besser abgesichert als Velebitaški, daher trotz des höheren Grades weniger ernsthaft.
“Jadran Put” (10 Seillängen, max. 6b+) — Die eleganteste Linie am Berg. Folgt einer markanten Verschneidung in der Wandmitte, abwechslungsreiche Kletterei von Reibung über Risse bis zu steilen Wänden.
“Big Mama” (10 Seillängen, max. 8a+) — Nur für sehr erfahrene Kletterer. Athletische Boulderzüge in der Wand, extreme Exposition, minimale Ruhepunkte.
“Psycho Killer” (8 Seillängen, max. 8a) — Eine der härtesten klassischen Routen. Anhaltend schwer, die Crux in einer glatten Platte ohne offensichtliche Griffe.
Stup — Der freistehende Pfeiler

Ein markanter, freistehender Felsturm in der Hauptschlucht, erreichbar in 15 bis 20 Minuten vom Parkeingang. Stup bietet Routen auf allen Seiten, was einen entscheidenden Vorteil hat: Die Nordseite bleibt bis zum frühen Nachmittag im Schatten, die Südseite bekommt Sonne ab dem Morgen. Je nach Jahreszeit und Tageszeit findest du also immer eine angenehme Seite.
Die Routenauswahl reicht von freundlichen 5b bis zu harten 7c. Besonders empfehlenswert: “Vježbalište” (5b) als Aufwärmroute mit gutmütigen Griffen und sauberer Linie. “Pandorina Kutija” (6c+) ist eine der beliebtesten Routen Paklenicas — technisch anspruchsvoll, aber fair bewertet und mit großartiger Exposition. “Mosorski Cvijet” (7b) verlangt Fingerkraft und Ausdauer in einem leicht überhängenden Wandteil. Für Gruppen mit unterschiedlichen Niveaus ist Stup der perfekte Sektor, weil leichte und schwere Routen direkt nebeneinander liegen.
Crljenica — Der Wintersektor
Am Eingang der Schlucht gelegen, mit Südausrichtung und nur 5 bis 10 Minuten Zustieg. Crljenica fängt die Wintersonne ein und ist daher der Sektor, an dem auch im Dezember und Januar geklettert wird, wenn die Temperaturen stimmen. Rund 95 Sportkletterrouten von 5a bis 8a sind hier zu finden, viele davon steil und mit kleinen Leisten — klassischer Kalkstein halt. Die Felsqualität ist hervorragend, kompakt und ohne lose Stellen. An milden Wintertagen trifft man hier die Einheimischen aus Zadar und Zagreb, die ein Wochenende am Fels nutzen.
Debeli kuk — Kurz und knackig
Ein kleinerer Sektor mit nur 11 Routen, aber dafür mit minimalem Zustieg (5 bis 10 Minuten) und perfektem Fels. Gemischte Absicherung — neun Sportkletterrouten und zwei traditionelle Linien. Debeli kuk eignet sich für einen kurzen Klettertag oder als Ergänzung, wenn die Hauptsektoren überlaufen sind. Die Routen sind überwiegend im mittleren Schwierigkeitsbereich (6a bis 7a).
Vaganac — Vielfalt auf engem Raum
Am südlichen Rand der Schlucht gelegen, bietet Vaganac rund 65 Routen, aufgeteilt auf die Untersektoren Ferata (5 Minuten Zustieg), Rajna (15 Minuten) und Gradić (10 Minuten). Die Spanne reicht von Genusskletterei im fünften Grad bis zu ernsthaften Projekten im achten. Vaganac ist weniger frequentiert als Klanci oder Stup, und an Wochentagen hast du viele Routen für dich allein.
Weitere Sektoren
Pag-Stogaj (83 Routen), Karin (151 Routen), Vranjača (82 Routen mit extremen Linien bis 9c), Obli kuk (32 Routen), Vlaka (21 Routen), Ćuk (21 Routen) und Skradelin (32 Routen) ergänzen das Angebot. Wer länger als eine Woche bleibt, hat genug Fels, um jeden Tag in einem anderen Sektor zu klettern.
Mala Paklenica — Die wilde Schwester
Die kleine Schlucht ist ein anderes Universum. Der Zugang dauert 45 Minuten zu Fuß vom Parkeingang Mala Paklenica, durch dichten Wald ohne die Infrastruktur der großen Schlucht. Hier gibt es keine Getränkestände, keine breiten Wege, kein Handynetz. Dafür findest du Einsamkeit — selbst an Wochenenden im April bist du hier oft allein am Fels.
Die Routen sind tendenziell traditioneller als in Velika Paklenica: mehr Risse, mehr Verschneidungen, weniger Bohrhakenrouten. Wer mit mobilen Sicherungsmitteln umgehen kann und das Abenteuer sucht, ist hier richtig. Die Felsqualität ist dieselbe — rauer, griffiger Kalkstein — aber der Charakter ist alpiner, ernster, ehrlicher. Mala Paklenica belohnt Erfahrung und Eigenständigkeit.
Routen nach Schwierigkeitsgrad

Das Routenangebot deckt das gesamte Spektrum ab, mit einem klaren Schwerpunkt im mittleren Bereich. Hier die Verteilung und Empfehlungen für jedes Niveau:
| Grad (French) | Anzahl Routen | Charakter | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| 3-5a | ~50 | Platten, positive Griffe, gutmütig | Klanci, Debeli kuk |
| 5b-6a | ~100 | Technischer, erste Überhänge | Stup (Nord), Vaganac |
| 6b-6c+ | ~120 | Fingerlastig, Ausdauer gefragt | Stup, Crljenica |
| 7a-7c | ~80 | Anhaltend schwer, steile Wandteile | Klanci (oberer Bereich), Vranjača |
| 8a+ | ~50 | Extremkletterei, Projektgebiet | Anića kuk, Vranjača |
Die Bewertungen in Paklenica gelten als fair bis leicht streng. Eine 6b fühlt sich hier ehrlich an wie eine 6b — keine weichen Bewertungen wie manchmal in spanischen Gebieten, aber auch keine unfairen Überraschungen. Der Kletterstil ist typisch für Kalkstein: technisch, fingerlastig, mit gelegentlichen Ausdauerpassagen in den überhängenden Bereichen und Reibungskletterei auf den Platten.
Für Anfänger und Einsteiger
Paklenica ist ein exzellentes Ziel für den Einstieg ins Felsklettern. Die Klanci-Sektoren, besonders Pazjanice mit dem kurzen Zustieg, haben dutzende Routen im vierten und fünften Grad, die meisten mit großen Griffen und minimaler Exposition. Du fällst auf ein Seil, nicht ins Leere — das psychologische Umfeld ist ideal für die ersten Outdoor-Erfahrungen nach der Kletterhalle.
Kletterkurse werden von mehreren Anbietern vor Ort organisiert. Ein typischer Einsteigerkurs dauert 4 bis 5 Stunden, kostet 80 bis 120 Euro und beinhaltet die komplette Ausrüstung, eine Einführung in Sicherungstechnik und erste Routen am Fels. Wer schon Hallenerfahrung mitbringt, steigt schnell in die 5er ein. Auch Familien mit kletterinteressierten Kindern ab etwa 10 Jahren finden hier passende Angebote.
Die großen Mehrseillängentouren
Die Multipitch-Routen an Anića kuk und den Hauptwänden sind das, wofür Paklenica in der internationalen Szene bekannt ist. Die klassischen Linien — Velebitaški, Mosorašica, Jadran Put, Domžale — gehören zum Pflichtprogramm für jeden ernsthaften Alpinkletterer. Die Touren sind lang (8 bis 15 Seillängen), die Absicherung variiert von durchgehend gebohrt bis komplett traditionell.
Was du für eine große Tour mitbringen musst: Solide Erfahrung mit Mehrseillängenrouten, Standplatzbau, Nachsichern, Abseilen über mehrere Längen. Ein Doppelseil-System ist Standard, denn die Abseilstellen erfordern oft die volle Seillänge. Routenfindung ist nicht immer trivial — an bewölkten Tagen kann es in den oberen Wandteilen unübersichtlich werden. Und unterschätze den Zeitbedarf nicht: Selbst einfachere Touren wie Jadran Put kosten ein volles Halbtag, und auf den anspruchsvolleren Linien solltest du mit dem ersten Licht einsteigen.
Die beste Saison zum Klettern

Paklenica ist fast ganzjährig kletterbar, aber die Bedingungen unterscheiden sich dramatisch je nach Monat. Hier eine ehrliche Einschätzung, wann sich die Anreise lohnt und wann du besser woanders hinfahren solltest.
Frühling (März bis Mai): Die Hauptsaison und mit gutem Grund. Ab Mitte März sind die Temperaturen in den unteren Sektoren angenehm (15 bis 25 Grad), der Fels ist trocken, die Tage lang genug für große Touren. Im März kann oberhalb von 1.000 Metern noch Schnee liegen — die unteren Sektoren (Klanci, Crljenica, Stup) sind aber schneefrei. April und Mai sind ideal: Alles ist offen, die Vegetation grünt, die Wasserführung in der Schlucht ist spektakulär, und das Internationale Klettertreffen im April bringt eine besondere Atmosphäre. Nachteil: Am Wochenende können die beliebten Sektoren voll werden.
Sommer (Juni bis August): Herausfordernd. Die Südwände heizen sich auf wie Bratpfannen, an Anića kuk und Crljenica ist ab 10 Uhr Schluss. Die einheimischen Kletterer starten um 6 Uhr morgens und sind bis 11 Uhr wieder unten. Die Nordsektoren (Stup Nordseite, schattige Bereiche der Klanci) gehen auch nachmittags, aber die Lust ist begrenzt bei 35 Grad. Der entscheidende Vorteil des Sommers: Nach dem Klettern bist du in 15 Minuten am Meer. Und abends auf der Terrasse in Starigrad bei einem kalten Karlovačko — das entschädigt.
Herbst (September bis November): Die zweite Hochsaison und für viele die beste Zeit überhaupt. Die Temperaturen fallen auf angenehme 15 bis 22 Grad, der Fels wird griffiger (weniger Schweiß, mehr Reibung), die Touristenmassen verschwinden. Oktober ist der Geheimtipp: Stabile Hochdrucklagen, goldenes Licht in der Schlucht, leere Routen unter der Woche. Wer seine schwerste Route klettern will, kommt im Oktober.
Winter (Dezember bis Februar): Nur für Hartgesottene, aber möglich. Crljenica mit seiner Südausrichtung fängt die Wintersonne ein, und an klaren Tagen mit 10 bis 15 Grad ist Klettern dort durchaus angenehm. Rechne aber mit Regen, Bora (dem kalten Nordwind, der durch die Schlucht pfeift) und kurzen Tagen. Die höheren Sektoren sind oft nass oder frostig. Wenn du flexibel bist und auf das Wetter reagieren kannst, belohnt dich der Winter mit absoluter Einsamkeit am Fels.
Ausrüstung: Was du brauchst und wo du es bekommst
Für Sportkletterrouten
Die Standardausrüstung reicht völlig:
- 12 bis 14 Expressschlingen (Routen sind selten länger als 12 Haken)
- 60-Meter-Einfachseil, für die längeren Routen in den Klanci 70 Meter
- Helm — im Nationalpark Pflicht und auch sinnvoll, denn in der Schlucht fällt gelegentlich Gestein
- Kletterschuhe, Gurt, Sicherungsgerät (Tuber oder Halbautomatik)
- Chalkbag und Chalk (an heißen Tagen in Mengen)
Für Mehrseillängentouren
Hier wird die Liste länger:
- Doppelseil (2x 50 oder 60 Meter) — essenziell für die Abseilstellen
- 6 bis 8 lange Bandschlingen für Standplatzbau und zum Verlängern
- Friends Größe 0.3 bis 2 (für traditionelle Passagen, je nach Route)
- Keile Größe 1 bis 10
- 2 Prusikschlingen für den Notfall
- Stirnlampe (falls die Tour länger dauert als geplant)
- Rettungsdecke und kleines Erste-Hilfe-Set
Ausrüstungsverleih und Kauf vor Ort
Big Wall Climbing Shop in Starigrad-Paklenica ist die erste Adresse. Der Laden ist gut sortiert mit aktueller Ausrüstung: Seile, Expressschlingen, Helme, Kletterschuhe zur Miete. Tagesmiete für ein komplettes Sportkletter-Set liegt bei etwa 25 bis 35 Euro. Hier bekommst du auch den Standardführer “Paklenica Climbing Guide” von Boris Cujić, der sämtliche Routen mit Topos und Zugangsbeschreibungen enthält. Die aktuelle Auflage deckt alle wichtigen Sektoren ab.
Hostel Vicko bietet Basis-Mietausrüstung für Gäste an — weniger Auswahl als im Shop, aber für einen spontanen Klettertag ausreichend. Die Betreiber klettern selbst und beraten zu aktuellen Bedingungen, welche Sektoren trocken sind und wo gerade neue Routen eingebohrt wurden.
Wer mit dem Flugzeug kommt und kein eigenes Seil schleppen will: Vorbestellung im Big Wall Shop per E-Mail ist möglich. Dann liegt die Ausrüstung bei Ankunft bereit.
Camping direkt am Fels

Die Unterkunftsfrage ist für Kletterer in Paklenica schnell beantwortet: So nah am Fels wie möglich, so günstig wie nötig. Starigrad-Paklenica ist kein hübscher Küstenort wie Rovinj oder Hvar — es ist ein langgestrecktes Straßendorf an der Magistrale, funktional und ohne besonderen Charme. Aber genau das macht es zum idealen Basislager: niedrige Preise, kurze Wege, Supermärkte für die Selbstversorgung und eine Atmosphäre, die von Kletterern und Outdoor-Menschen geprägt ist statt von Pauschaltouristen.
Autocamp Nacionalni Park
Der Campingplatz direkt am Eingang zur Velika Paklenica ist der Klassiker unter den Kletterunterkünften. Du rollst morgens aus dem Zelt und bist in 10 Minuten am Fels — kein anderes Klettergebiet in Kroatien bietet das. Die Ausstattung ist einfach: Stellplätze auf Gras unter Kiefern, Gemeinschaftsduschen, eine Basisküche. Kein Glamping, kein WLAN, aber genau die richtige Atmosphäre. Abends sitzen Kletterer aus einem Dutzend Ländern zusammen, tauschen Routentipps und Beta, und irgendwer hat immer eine Gitarre dabei. Preise liegen bei 12 bis 18 Euro pro Person und Nacht, je nach Saison. In der Hochsaison (April, Mai, September, Oktober) solltest du früh da sein oder vorher reservieren — der Platz ist beliebt und nicht riesig.
Weitere Camping-Optionen
Entlang der Küste bei Starigrad gibt es mehrere größere Campingplätze (Camp Nacional, Camp Pisak), die mehr Komfort bieten: Pools, Restaurants, feste Sanitäranlagen. Dafür bist du 2 bis 4 Kilometer vom Parkeingang entfernt — mit dem Auto kein Problem, zu Fuß morgens etwas mühsam.
Apartments und Hotels
Apartments in Starigrad gibt es dutzendweise, von der einfachen Ferienwohnung bis zum Apartment mit Meerblick. Typisch: 2-Zimmer-Apartment mit Küche für 50 bis 80 Euro pro Nacht. Selbstversorgung spart Geld, und der Konzum-Supermarkt in Starigrad hat alles, was du für eine Woche Kletterurlaub brauchst.
Hostel Vicko bleibt das Kletterer-Hostel der Region. Mehrbettzimmer ab 25 Euro, Privaträume ab 50 Euro. Mietausrüstung, Routeninformationen, Shuttle zum Parkeingang. Die Betreiber sind selbst aktive Kletterer und die beste Informationsquelle für aktuelle Verhältnisse.
Hotel Vicko — das angeschlossene Hotel für alle, die nach einem Tag an der Wand eine ordentliche Dusche und ein richtiges Bett wollen. Pool, Restaurant, ab 80 Euro pro Doppelzimmer.
Pension Alić in Seline, 5 Kilometer südlich, liegt direkt am Strand. Familiär, gutes Frühstück, ruhiger als Starigrad. Ab 60 Euro pro Doppelzimmer.
Bergführer, Kletterkurse und geführte Touren
Für Einsteiger
Huck Finn Adventure Travel (Basis in Zagreb, regelmäßig in Paklenica aktiv) bietet professionelle Einsteigerkurse: ein Tag am Fels mit Theorie, Sicherungstechnik und ersten Routen, ab 100 Euro pro Person inklusive Ausrüstung. Die Guides sprechen Englisch und Deutsch, die Gruppen sind klein (maximal 4 bis 6 Personen). Für Mehrseillängen-Einsteiger gibt es spezielle Kurse ab 150 Euro pro Tag, bei denen du die Grundlagen von Standplatzbau und Seilhandling in echtem Gelände lernst.
Big Wall Climbing in Starigrad organisiert individuelle Führungen — vom Halbtag Sportklettern bis zur großen Wand. Flexibler als die Agenturen, persönlicher Kontakt, faire Preise nach Absprache.
Für die großen Wände
Wer die Mehrseillängenrouten an Anića kuk klettern will und nicht genug Erfahrung mitbringt, sollte einen zertifizierten Bergführer buchen. Frag im Hostel Vicko oder im Big Wall Shop nach aktuellen Empfehlungen — die kennen die aktiven Guides persönlich. Tagesrate für eine geführte Mehrseillängentour: 200 bis 400 Euro, abhängig von Route und Schwierigkeit. Die kroatische Bergrettung HGSS (www.hgss.hr) vermittelt ebenfalls zertifizierte Bergführer.
Ein ehrlicher Tipp: Die großen Routen an Anića kuk sind kein Terrain für “guided Anfänger”. Selbst mit Bergführer brauchst du solide Erfahrung im Nachstieg am Fels, Trittsicherheit in ausgesetztem Gelände und ein Grundverständnis der Seilhandhabung. Wenn du im Vorstieg sicher 6a kletterst und Mehrseillängenerfahrung in leichterem Gelände hast, bist du bereit. Wenn nicht, kletterst du in den Sportsektoren und baust deine Erfahrung erst auf — Paklenica hat dafür mehr als genug Routen.
Praktische Informationen
Parkeintritt und Regeln
Paklenica ist Nationalpark. Der Eintritt ist Pflicht, und die Ranger kontrollieren am Schluchteingang:
- Tageskarte: 12 Euro (Erwachsene), 6 Euro (Kinder und Studenten)
- Wochenkarte: 35 Euro
- Jahreskarte: 55 Euro
Die Karte berechtigt zum Zugang aller Sektoren, aller Wanderwege und schließt das Klettern mit ein — anders als in manchen anderen Nationalparks, wo Klettern extra kostet oder verboten ist. Helmpflicht gilt offiziell in der gesamten Schlucht, und das ist keine leere Vorschrift: Steinschlag kommt vor, besonders in den oberen Bereichen und nach Regen.
Anreise
Starigrad-Paklenica liegt direkt an der Küstenstraße (Jadranska Magistrala) zwischen Rijeka und Zadar. Mit dem Auto ist die Anfahrt unkompliziert:
| Von | Entfernung | Fahrzeit |
|---|---|---|
| Zadar | 50 km | 45 min |
| Zadar Flughafen | 60 km | 50 min |
| Rijeka | 150 km | 2 h |
| Zagreb | 230 km | 2,5 h |
| Split | 180 km | 2,5 h |
Der nächste Flughafen ist Zadar (ZAD), angeflogen von Ryanair und Eurowings aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mietwagen am Flughafen ab etwa 25 Euro pro Tag. Ohne Auto ist Paklenica erreichbar, aber umständlich: Busse von Zadar fahren mehrmals täglich nach Starigrad (1 Stunde, 8 Euro), vom Busbahnhof sind es 2 Kilometer zum Parkeingang.
Routenführer und Topos
Der Standard-Kletterführer ist “Paklenica Climbing Guide” von Boris Cujić, erhältlich im Big Wall Shop oder online. Die aktuelle Auflage enthält alle wichtigen Routen mit Topos, Zugangsbeschreibungen und Schwierigkeitsbewertungen. Für die Mehrseillängentouren am Anića kuk lohnt sich als Ergänzung “Plezanje v Paklenici” — auf Slowenisch, aber mit verständlichen Topos und detaillierteren Wandskizzen als der Hauptführer.
Die App 27crags hat ebenfalls Topos für Paklenica, allerdings nicht immer auf dem neuesten Stand. Für Sportkletterrouten in den Klanci-Sektoren reicht die App, für die großen Wände verlasse dich auf den gedruckten Führer.
Wetter und Gefahren
Das Wetter kann in den Bergen schnell wechseln, und die Velebit-Schlucht hat ihre eigenen Gesetze. Verlässliche Vorhersagen liefern der kroatische Wetterdienst DHMZ (meteo.hr), Mountain-Forecast.com und yr.no. Besonders aufpassen musst du bei zwei Phänomenen: Die Bora, ein kalter Fallwind aus dem Norden, kann selbst an sonnigen Tagen mit Sturmstärke durch die Schlucht fegen und macht Klettern in exponierten Wänden gefährlich. Und Sommergewitter ziehen hier schnell auf — bei Gewitterwarnung sofort abseilen, die exponierte Südwand des Anića kuk ist kein Ort, an dem du einen Blitzeinschlag riskieren willst.
Was Nicht-Kletterer in Paklenica unternehmen können

Nicht jeder im Reisefahrzeug klettert. Und selbst Kletterer brauchen Ruhetage. Paklenica hat genug zu bieten, um eine ganze Woche ohne einen einzigen Karabiner zu füllen.
Wandern im Velebit: Der Nationalpark hat über 100 Kilometer markierte Wanderwege. Die Königstour ist der Aufstieg zum Vaganski Vrh (1.757 Meter), dem höchsten Gipfel des südlichen Velebit — ein anspruchsvoller Tagesmarsch mit Panoramablick über die gesamte dalmatinische Küste und bei klarer Sicht bis nach Italien. Einfacher ist der Weg zur Manita-Peć-Höhle (1,5 Stunden einfach), einer eindrucksvollen Tropfsteinhöhle, die im Sommer geführt besichtigt werden kann.
Strände und Meer: Starigrad hat mehrere Kiesstrände direkt an der Küstenstraße, das Wasser ist kristallklar und im Sommer warm genug zum stundenlangen Baden. Wer es einsamer mag, wandert südlich entlang der Küste zu den versteckteren Buchten bei Seline.
Bunkeranlage Tunel Josip Jović: Im Zweiten Weltkrieg errichtete das jugoslawische Militär ein Tunnelsystem in der Schlucht. Teile davon sind heute als Museum zugänglich und bieten eine willkommene Abkühlung an heißen Tagen.
Radfahren: Die Küstenstraße und das Hinterland des Velebit sind großartiges Terrain für Rennrad und Gravelbike. Wer nach einem Ruhetag vom Fels die Beine bewegen will, findet mit der Meisterstraße eine 52-Kilometer-Route über die historische Velebit-Passstraße mit atemberaubenden Aussichtspunkten. Und wer es wilder mag: Die Route der wilden Horizonte führt auf 45 Kilometern durchs Velebit-Hinterland, durch Karstlandschaften, die seit Jahrhunderten unverändert scheinen.
Zadar als Tagesausflug: 45 Minuten nach Norden liegt Zadar mit seiner Altstadt auf der Halbinsel, der berühmten Meeresorgel, dem Gruß an die Sonne und genug Restaurants für einen kulinarischen Pausentag. Wer ohnehin einen Ruhetag einlegt, verbindet das mit einem Besuch im Archäologischen Museum oder einem Espresso auf dem Forum.
Warum Paklenica unterschätzt wird
Paklenica gehört zu den großen Klettergebieten Europas — aber es steht im Schatten von Kalymnos, Arco und Fontainebleau. Wahrscheinlich, weil Kroatien als Kletterdestination erst langsam ins Bewusstsein rückt, wahrscheinlich auch, weil der Ort Starigrad-Paklenica weniger Instagram-tauglich ist als ein griechisches Inseldorf. Was Paklenica dafür bietet: besseren Fels als die meisten mediterranen Gebiete, eine Routenvielfalt, die für Wochen reicht, moderate Preise und eine Atmosphäre, die noch von Kletterern geprägt ist, nicht von Influencern.
Für eine Woche plane 4 bis 5 Klettertage ein, dazu Ruhetage für Meer, Wandern oder Zadar. Bring genug Ausrüstung für dein Niveau mit, oder leih sie vor Ort. Und wenn du an einem Oktoberabend nach einem Tag an der Südwand des Anića kuk auf der Terrasse in Starigrad sitzt, die Sonne hinter den Inseln versinkt und die Unterarme pochen — dann weißt du, warum die Leute wiederkommen.
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