Klettern in Paklenica: Der komplette Guide für den besten Fels Kroatiens 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Lika
- 06 Dec, 2025
Inhalt
Die Wand über dir ist 350 Meter hoch, senkrechter Kalkstein, durchzogen von Rissen und Verschneidungen. Du hängst am Stand auf halber Höhe, die Adria glitzert in der Ferne, der Wind trägt den Geruch von Pinien herauf. Das ist Paklenica – eine der spektakulärsten Kletterdestinationen Europas, versteckt im kroatischen Velebit-Gebirge.
Der Nationalpark Paklenica ist seit den 1930er Jahren ein Ziel für Alpinisten. Heute zieht er jährlich Tausende Kletterer an – von Anfängern, die ihre ersten Routen im fünften Grad schaffen, bis zu Profis, die sich an den großen Wänden versuchen. Mit über 400 Routen, davon mehr als 70 Mehrseillängentouren, ist Paklenica das umfangreichste Klettergebiet des Balkans.

Was Paklenica besonders macht
Paklenica ist kein einzelner Fels, sondern ein System aus zwei Schluchten – Velika (Große) und Mala (Kleine) Paklenica – die sich vom Meer bis auf über 1.700 Meter in den Velebit hinaufziehen. Die Wände sind aus Kalkstein, geformt von Jahrmillionen Erosion, mit allem, was Kletterer lieben: Leisten, Löcher, Risse, Überhänge.
Der Fels ist fest, griffig und gut abgesichert. Die meisten Sportkletterrouten haben Bohrhaken alle 2-3 Meter, die Mehrseillängentouren sind mit Ständen ausgestattet. Anders als in vielen mediterranen Gebieten ist der Kalkstein hier weniger poliert – auch populäre Routen bieten noch guten Grip.
Die Lage ist einzigartig. Du kletterst in einem Nationalpark, umgeben von urwaldähnlichen Wäldern, mit Blick aufs Meer. Gämsen beobachten dich von den Graten, Gänsegeier kreisen über den Wänden. Die Kombination aus Meer und Berg, aus mediterranem Klima und alpiner Wildnis, gibt es so nirgendwo sonst.
Die Kletterbereiche im Überblick

Velika Paklenica: Das Haupttal
Die große Schlucht ist das Herz des Klettergebiets. Von der Parkverwaltung am Eingang führt ein Wanderweg durch die Schlucht, vorbei an den wichtigsten Sektoren. Die Zustiege sind kurz (5-30 Minuten), die Infrastruktur gut.
Klanci (Die Platten)
Der Einsteigerbereich par excellence. Plattige Routen im vierten bis sechsten Grad, oft mit positiven Griffen und guter Absicherung. Perfekt für Aufwärmen, für Anfänger oder für Tage, an denen du es entspannt angehen willst.
Klassiker: “Plava Laguna” (5a), “Crni Utorak” (5c), “Bijeli Val” (6a)
Stup (Der Turm)
Ein freistehender Pfeiler mit Routen aller Schwierigkeitsgrade. Die Nordseite hat schattige, technische Routen, die Südseite ist sonnig und steiler. Ideal für Gruppen mit unterschiedlichen Niveaus.
Klassiker: “Vježbalište” (5b), “Pandorina Kutija” (6c+), “Mosorski Cvijet” (7b)
Klanjac i Kukar
Die Hauptwände der Schlucht, bis zu 350 Meter hoch. Hier beginnt das ernste Gelände – Mehrseillängentouren von 8 bis 15 Seillängen, teilweise im achten und neunten Grad. Die klassischen alpinen Linien ziehen durch Verschneidungen und Risssysteme, die modernen Sportkletterrouten folgen den kompakteren Wänden.
Klassiker: “Velebitaški” (12 SL, max. 6b), “Mosorašica” (9 SL, max. 7a), “Psycho Killer” (8 SL, max. 8a)
Anica Kuk
Der höchste und beeindruckendste Gipfel der Schlucht, 712 Meter über dem Meer. Die Südwand ist 350 Meter hoch und beherbergt die anspruchsvollsten Mehrseillängenrouten des Gebiets. Hier klettern nur erfahrene Teams – Absicherung ist teilweise selbst zu legen, die Routen lang und ernsthaft.
Klassiker: “Velebitaški” (14 SL, max. 6c), “Jadran Put” (10 SL, max. 6b+), “Big Mama” (10 SL, max. 8a+)
Mala Paklenica: Die kleine Schwester
Die kleine Schlucht ist ruhiger, weniger frequentiert und wilder. Der Zugang ist länger (45 Minuten Wanderung), die Infrastruktur minimaler. Dafür findest du hier oft Einsamkeit, auch an Wochenenden.
Die Routen sind tendenziell traditioneller – mehr Risse, mehr Verschneidungen, weniger Bohrhakenrouten. Für Kletterer, die das Abenteuer suchen und mit weniger Absicherung umgehen können.
Schwierigkeitsgrade: Was dich erwartet

Paklenica bietet das volle Spektrum, mit Schwerpunkt im mittleren Bereich:
| Grad (UIAA/French) | Anzahl Routen | Kommentar |
|---|---|---|
| 3-5 (3-5a) | ~50 | Anfänger, Aufwärmen |
| 5+-6 (5b-6a) | ~100 | Fortgeschrittene Anfänger |
| 6+-7- (6b-6c) | ~120 | Mittleres Niveau |
| 7-7+ (7a-7c) | ~80 | Fortgeschrittene |
| 8-9 (8a+) | ~50 | Experten |
Die Bewertungen in Paklenica gelten als fair bis leicht hart. Eine 6b fühlt sich oft an wie eine 6b – keine Überraschungen in beide Richtungen. Die Routen sind typisch für Kalkstein: technisch, fingerlastig, mit gelegentlichen Ausdauerpassagen.
Für Anfänger und Einsteiger
Paklenica ist ein exzellentes Ziel für den Einstieg ins Klettern. Die Klanci-Sektoren haben dutzende Routen im vierten und fünften Grad, die meisten mit guten Griffen und minimaler Exposition. Die Absicherung ist solide, die Zustiege kurz, und die Atmosphäre ist familiär.
Kletterkurse werden von mehreren Anbietern vor Ort angeboten (siehe unten). Ein typischer Einsteigerkurs dauert 4-5 Stunden, kostet 80-120 Euro und beinhaltet Ausrüstung, Theorie und erste Routen am Fels.
Für Könner: Die großen Wände
Die Mehrseillängenrouten an Anica Kuk und den Hauptwänden sind das, wofür Paklenica berühmt ist. Die klassischen Linien – Velebitaški, Mosorašica, Domžale – sind Pflicht für jeden ernsthaften Alpinkletterer. Die Routen sind lang (8-15 Seillängen), die Absicherung variiert von komplett gebohrt bis traditionell.
Was du mitbringen solltest:
- Erfahrung mit Mehrseillängenrouten (Vorstieg, Standplatzbau, Abseilen)
- Ein komplettes Doppelseil-System
- Friends und Keile für traditionelle Routen
- Kenntnisse der Rettungstechniken (Rückzug, Selbstrettung)
Lokale Bergführer bieten geführte Touren auf die großen Wände an. Preise: 200-400 Euro pro Tag, je nach Route und Gruppengröße.
Die beste Saison

Paklenica ist (fast) ganzjährig kletterbar, aber die Bedingungen variieren:
Frühling (März-Mai): Die beste Zeit. Moderate Temperaturen (15-25°C), lange Tage, trockener Fels. Im März können die höheren Sektoren noch Schnee haben, ab April ist alles offen. Das Gebiet ist belebt, aber nicht überlaufen.
Sommer (Juni-August): Heiß. Die Südwände werden nachmittags brutal, nur Nordsektoren und frühe Morgenstunden sind angenehm. Die Einheimischen klettern ab 6 Uhr und sind um 11 Uhr wieder unten. Vorteil: Das Meer ist 15 Minuten entfernt.
Herbst (September-November): Perfekt. Die Temperaturen fallen, der Fels wird griffig, die Touristenmassen verschwinden. Oktober ist der beste Monat – stabile Wetterlage, angenehme Temperaturen, goldenes Licht.
Winter (Dezember-Februar): Möglich an sonnigen Tagen. Die Südsektoren können auch im Januar Klettertemperaturen haben. Aber rechne mit Regen, kaltem Wind und kurzen Tagen. Nur für Hartgesottene.
Ausrüstung: Was du brauchst
Für Sportklettern
Die Standardausrüstung reicht:
- 12 Expressschlingen
- 60m Einfachseil (70m für längere Routen)
- Helm (Pflicht im Nationalpark)
- Kletterschuhe, Gurt, Sicherungsgerät
Ausrüstung kann vor Ort ausgeliehen werden (siehe unten), aber die Qualität variiert.
Für Mehrseillängen
Zusätzlich zur Sportkletterausrüstung:
- Doppelseil (2x 50m oder 60m)
- 6-8 Bandschlingen
- Friends Größe 0.3-2 (je nach Route)
- Keile Größe 1-10
- 2 Prusikschlingen
- Stirnlampe
- Rettungsdecke, Erste-Hilfe-Set
Kauf und Verleih vor Ort
- Big Wall Climbing Shop (Starigrad) – gut sortiert, Mietausrüstung, Routenführer
- Hostel Vicko – Basis-Mietausrüstung für Gäste
Unterkunft für Kletterer

Starigrad-Paklenica ist der Ort am Fuß des Nationalparks. Nicht schön im klassischen Sinne, aber praktisch: Supermärkte, Restaurants, Klettershop, kurzer Weg zum Fels.
Budget-Optionen
Camp Paklenica (Velika Paklenica): Der klassische Klettercamp, direkt am Parkeingang. Einfach, günstig (ab 15 Euro pro Person), Gemeinschaftsküche, Kletterer-Atmosphäre. Früh buchen – der Camp ist in der Saison voll.
Hostel Vicko (Starigrad): Das Kletterer-Hostel der Region. 4-6-Bett-Zimmer ab 25 Euro, Privaträume ab 50 Euro. Mietausrüstung, Routeninformationen, Shuttle zum Fels. Die Betreiber klettern selbst und wissen, wo die Bedingungen gut sind.
Mittelklasse
Apartments in Starigrad: Dutzende Optionen auf Booking.com und Airbnb. Typisch: 2-Zimmer-Apartment mit Küche für 50-80 Euro/Nacht. Praktisch für Selbstversorger.
Pension Alić (Seline): 5 Kilometer südlich von Starigrad, direkt am Strand. Familiär, gutes Frühstück, ruhiger als der Ort. Ab 60 Euro/Doppelzimmer.
Gehobener
Hotel Vicko (Starigrad): Das einzige “richtige” Hotel am Platz. Sauber, Pool, Restaurant, ab 80 Euro/Doppelzimmer. Gehört zu den Hostel-Betreibern – klettererfreundlich.
Villa Pecina (Starigrad): Boutique-Pension mit Blick auf die Berge. Nur wenige Zimmer, persönlich, ab 100 Euro inkl. Frühstück.
Bergführer und Kurse
Kletterschulen
Huck Finn (Zagreb/Paklenica): Die größte Outdoor-Agentur Kroatiens bietet regelmäßig Kurse in Paklenica an. Einsteigerkurse ab 100 Euro/Tag, Mehrseillängen-Kurse ab 150 Euro/Tag. Professionell, gut organisiert, mehrsprachig.
Big Wall Climbing (Starigrad): Lokaler Anbieter mit erfahrenen Guides. Individuelle Touren, flexible Preise. Kontakt über den Shop in Starigrad.
Bergführer für große Touren
Für die anspruchsvollen Mehrseillängenrouten empfiehlt sich ein lokaler Führer:
- HGSS (Kroatischer Bergrettungsdienst): Vermittelt zertifizierte Bergführer. Kontakt über www.hgss.hr
- Guides vor Ort: Frag im Hostel Vicko oder Big Wall Shop nach Empfehlungen. Tagesrate: 200-400 Euro
Praktisches
Parkeintritt
Paklenica ist Nationalpark. Eintritt ist Pflicht:
- Tageskarte: 12 Euro (Erwachsene), 6 Euro (Kinder/Studenten)
- Wochenkarte: 35 Euro
- Jahreskarte: 55 Euro
Die Karte berechtigt zum Zugang aller Sektoren und zur Nutzung der markierten Wege. Klettern ist erlaubt und im Preis inbegriffen – anders als in manchen anderen Nationalparks.
Anreise
Starigrad-Paklenica liegt an der Küstenstraße zwischen Rijeka und Zadar.
| Von | Entfernung | Fahrzeit |
|---|---|---|
| Zadar | 50 km | 45 min |
| Zadar Flughafen | 60 km | 50 min |
| Rijeka | 150 km | 2 h |
| Zagreb | 230 km | 2,5 h |
| Split | 180 km | 2,5 h |
Ohne Auto ist Paklenica erreichbar, aber umständlich. Busse von Zadar fahren mehrmals täglich (1 Stunde, 8 Euro). Vom Busbahnhof Starigrad sind es 2 Kilometer zum Parkeingang – zu Fuß oder per Taxi.
Routenführer
Der Standard-Führer ist “Paklenica Climbing Guide” von Boris Cujić – erhältlich im Big Wall Shop in Starigrad oder online. Die aktuelle Auflage (2019) enthält alle wichtigen Routen mit Topos und Beschreibungen.
Für Mehrseillängentouren zusätzlich empfehlenswert: “Plezanje v Paklenici” (slowenisch, aber mit verständlichen Topos) – detailliertere Beschreibungen der großen Wände.
Wetter und Vorhersage
Die Wetterlage kann in den Bergen schnell wechseln. Verlässliche Vorhersagen:
- DHMZ (Kroatischer Wetterdienst): www.meteo.hr
- Mountain-Forecast: detaillierte Bergwettervorhersage
- Yr.no: norwegischer Dienst, oft genauer als lokale
Bei Gewitter sofort abseilen – die exponierten Wände sind gefährlich. Die Bura (Nordwind) kann auch an sonnigen Tagen kalt und stark sein.
Kombinationen: Klettern plus

Paklenica bietet mehr als Klettern. An Ruhetagen oder für nicht-kletternde Begleiter:
Wandern: Der Nationalpark hat über 100 Kilometer markierte Wege. Die Tour zum Gipfel des Vaganski Vrh (1.757m) ist ein Tagesabenteuer mit Panoramablick über die Adria und das Velebit-Massiv.
Baden: Das Meer ist 15 Minuten entfernt. Die Strände bei Starigrad sind Kies, das Wasser kristallklar. Perfekt zur Erholung nach einem intensiven Klettertag.
Radfahren: Die Küstenstraße und das Velebit-Hinterland bieten Routen für alle Levels. Wer nach einem Tag am Fels noch Energie hat, findet mit der Meisterstraße eine 52-Kilometer-Route über die historische Straße durch den Velebit – atemberaubende Ausblicke inklusive.
Zadar: Die nächste größere Stadt ist 45 Minuten entfernt. Altstadt, Restaurants, Meeresorgel – perfekt für einen Pausentag.
Das Wichtigste
Paklenica ist eines der großen Klettergebiete Europas – zu Unrecht weniger bekannt als Kalymnos, Arco oder Fontainebleau. Die Kombination aus Qualität des Felses, Vielfalt der Routen und Schönheit der Landschaft ist schwer zu übertreffen. Dazu kommen moderate Preise, entspannte Atmosphäre und die Möglichkeit, Klettern mit Strandtagen zu verbinden.
Für eine Woche plane 4-5 Klettertage ein, dazu Ruhetage fürs Meer oder Wandern. Bring genug Ausrüstung für dein Niveau mit, oder leih sie vor Ort. Und unterschätze die Mehrseillängen nicht – die großen Wände von Paklenica sind ernstes Terrain.
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