Rennradfahren in Kroatien: Routen, Anstiege und Trainingstipps (2026)
- Redaktionsteam
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- 29 Nov, 2025
Inhalt
Kroatien ist kein klassisches Rennradland. Keine Alpenpässe, keine Tour-de-France-Tradition. Aber genau das macht es interessant. Wer hier fährt, teilt die Straßen nicht mit hunderten anderen Rennradlern, sondern hat die Serpentinen für sich.

Warum Kroatien fürs Rennrad?
Die Vorteile sind handfest:
Klima: 250+ Sonnentage im Jahr an der Küste. Von März bis November zuverlässiges Rennradwetter. Im Winter: Istrien bleibt mild.
Straßenzustand: Die Hauptstraßen sind gut asphaltiert. Nebenstraßen variieren – manche perfekt, manche mit Schlaglöchern.
Verkehr: Außerhalb der Hauptsaison und abseits der Magistrala (Küstenstraße) erstaunlich wenig.
Topographie: Mix aus flachen Küstenstrecken, mittleren Anstiegen und echten Bergstraßen. Für jeden etwas.
Infrastruktur: Weniger entwickelt als in Italien oder Spanien, aber wachsend. Bike-Hotels, Radcafés, organisierte Camps.
Die Klassiker: Must-Ride-Strecken
Biokovo: Der Königsanstieg (1762 m)
Der höchste befahrbare Punkt Dalmatiens. Die Straße von Makarska zum Sveti Jure ist 23 km lang, überwindet 1500 Höhenmeter und bietet einen der spektakulärsten Anstiege Europas – mit Meerblick die gesamte Strecke.
Streckendaten:
- Start: Makarska (0 m)
- Ziel: Sveti Jure (1762 m)
- Distanz: 23 km
- Höhenmeter: 1762 hm
- Durchschnittssteigung: 7,7%
- Max. Steigung: 14%
Die ersten Kilometer durch Makarska sind noch moderat. Dann beginnen die Serpentinen. Ab der Mitte wird es steiler, die Vegetation karger. Die letzten 5 km sind ungeschützt – Bora-Wind kann hier gefährlich werden.

Tipps:
- Früh starten (vor 7 Uhr) – oben kann es heiß werden
- Windschutz für die Abfahrt mitnehmen
- Im Sommer Park-Eintritt (ca. 10 €)
- Kein Service oben – genug Wasser und Riegel mitnehmen
Velebit-Pässe: Wild und einsam
Das Velebit-Gebirge bietet mehrere Pässe, die auf Rennradkarten fehlen – aber nicht auf denen von Locals.
Vratnik-Pass (698 m) Von Senj nach Otočac. Die direkte Verbindung zwischen Küste und Hinterland. Konstant steil (8-10%), kurvig, wenig Verkehr. Der Classiker für Trainingsfahrer.
- Distanz: 12 km (Senj – Passhöhe)
- Höhenmeter: 700 hm
- Charakter: Gleichmäßig steil, offene Landschaft
Alan-Pass (1408 m) Die höchste Straße im Velebit. Von Karlobag zur Passhöhe über endlose Kehren durch Karstlandschaft. Oben: Weitblick bis zur Küste und zu den Inseln.
- Distanz: 18 km
- Höhenmeter: 1400 hm
- Charakter: Unbefahren, wild, extrem bei Wind
Učka: Istriens Hausberg (1396 m)
Der einzige ernsthafte Berg in Istrien. Die Auffahrt von Opatija über Poklon zur Vojak-Spitze ist der Trainingsanstieg der Region.
Streckendaten:
- Start: Opatija (0 m)
- Ziel: Poklon (922 m) oder Vojak (1396 m)
- Distanz: 18 km (bis Poklon), 28 km (bis Vojak)
- Höhenmeter: 922 hm / 1396 hm
- Charakter: Waldstraße, kühl auch im Sommer

Der untere Teil durch Opatija ist urban, dann wird es grüner. Ab Poklon geht es auf Schotterstraße weiter zum Gipfel – mit Rennrad machbar, aber grenzwertig.
Küstenrouten: Kilometer sammeln
Nicht alles muss ein Anstieg sein. Kroatiens Küste bietet auch flachere Strecken für Grundlagentraining.
Istrien-Umrundung (250 km)
Die komplette Runde um die Halbinsel. Von Pula über Rovinj, Poreč, Umag, Buje, Labin zurück nach Pula. Machbar in einem Tag für Ausdauersportler, besser auf 2 Tage verteilt.
Die Istrische Horizonte Route (87 km) ist ein Teilabschnitt mit Road-Fokus.
Highlights:
- Limski Kanal (Fjord-Feeling)
- Grožnjan (Künstlerdorf)
- Motovun (Trüffelhauptstadt)
- Labin (Altstadt auf dem Hügel)
Ravni Kotari: Flaches Training (50-100 km)
Das Hinterland von Zadar ist die flachste Region Dalmatiens. Lange Geraden, kaum Verkehr, Wind aus den Bergen.
Die Straßen des Zadar-Hinterlandes Route (97 km) ist Road-optimiert.
Für Zeitfahrtraining: Die Geraden in den Ravni Kotari eignen sich für Zeitfahrintervalle – wenig Kreuzungen, kaum Kurven.
Cetina-Tal: Schlucht und Küste (60-80 km)
Von Split ins Hinterland, entlang der Cetina-Schlucht, zurück an die Küste. Die Cetina-Tal Panoramatour (49 km) ist der Klassiker.

Technischer als die Küste: Kurven, Anstiege, Abfahrten. Perfekt für abwechslungsreiches Training.
Inselstraßen: Besondere Herausforderungen
Hvar: Quer über die Insel
Die Straße von Stari Grad nach Hvar-Stadt über die Inselmitte hat alles: Anstiege, Abfahrten, Lavendelfelder, Meerblick. 30 km, 500 hm, unvergesslich.
Pelješac: Wein und Serpentinen
Die Halbinsel zwischen Split und Dubrovnik ist lang und schmal. Die Straße führt über mehrere Hügel, vorbei an Weingütern. 60 km von Orebić nach Ston, moderate Anstiege, spektakuläre Aussichten.
Brač: Vidova Gora Challenge
Der höchste Punkt aller Adriainseln. Von Bol zum Gipfel: 12 km, 780 hm, durchgehend steil. Für Rennradfahrer ein Must-Do.
Trainingsplanung: Kroatien-Camps
Profiteams nutzen Kroatien für Frühjahrs-Trainingslager. Die Bedingungen im März/April sind ideal: Mild, trocken, noch nicht überlaufen.
Beliebte Basen
Poreč (Istrien): Flaches Umland für Grundlage, Učka für Anstiege. Gute Hotelinfrastruktur.
Rovinj (Istrien): Wie Poreč, aber schöner. Teurer, dafür bessere Atmosphäre.
Zadar (Dalmatien): Flaches Hinterland (Ravni Kotari), Velebit-Pässe in 1-2 Stunden Reichweite.
Makarska (Dalmatien): Direkt unter dem Biokovo. Für Höhentrainingsfans.
Typische Trainingswoche
Tag 1: Anreise, lockere Ausfahrt 60 km Tag 2: Grundlage, 120 km flach Tag 3: Bergtraining, Biokovo oder Učka Tag 4: Ruhetag oder lockere 40 km Tag 5: Tempofahrt, 100 km Tag 6: Intervalle am Anstieg Tag 7: Lange Ausdauer, 150+ km
Praktisches für Rennradfahrer
Straßenzustand
Die Hauptstraßen sind gut. Nebenstraßen variieren. Generell gilt:
- Istrien: Sehr gut asphaltiert
- Dalmatien: Hauptrouten gut, Hinterland gemischt
- Küstenstraße (Magistrala): Gut, aber schmal und mit Verkehr
- Bergstraßen: Manchmal Schlaglöcher, nach Winter Frostschäden
Werkstätten und Ersatzteile
In jeder größeren Stadt gibt es Fahrradläden. Rennrad-spezifische Teile (Schläuche, Reifen, Kassetten) sind vorrätig. Spezialteile (bestimmte Komponentengruppen) besser mitbringen.
Tipp: Manche Bike-Hotels haben Mechanikerservice.

Wind: Der unterschätzte Faktor
Die Bora (Nordwind) und der Jugo (Südwind) können brutal sein. Besonders auf exponierten Strecken (Velebit, Küstenstraße) gefährlich.
Bora-Warnung: Bei starker Bora werden manche Straßen gesperrt (Senj-Karlobag z.B.). Check die Vorhersage.
Wasser und Verpflegung
Caféstopps wie in Italien gibt es seltener. Plane mehr Eigenversorgung ein:
- 2 Bidons mindestens
- Riegel/Gels für längere Fahrten
- Cash für die wenigen Konobas unterwegs
Dorfbrunnen haben meist Trinkwasser – praktisch zum Nachfüllen.
Rennen und Events
Tour of Croatia: World-Tour-Rennen, jedes Jahr im April. Gute Gelegenheit, die Profis auf den gleichen Straßen zu sehen.
Istria Granfondo: Jedes Jahr wechselnde Strecke in Istrien. 80-180 km, für alle Niveaus.
Velebit Challenge: Bergzeitfahren, verschiedene Anstiege. Für Spezialisten.
L’Étape Croatia by Tour de France: Die offizielle Tour-de-France-Jedermann-Veranstaltung.
Zusammenfassung
Kroatien ist kein Rennrad-Mallorca – aber genau das ist der Reiz. Weniger Infrastruktur, weniger andere Rennradler, weniger Radwege. Dafür: Mehr Abenteuer, mehr Einsamkeit, mehr authentisches Erlebnis.
Der Biokovo-Anstieg ist einer der spektakulärsten in Europa. Die Velebit-Pässe sind so wild, wie Rennradfahren sein kann. Und die Istrien-Runde ist ein Klassiker, der zu Unrecht im Schatten der italienischen Nachbarn steht.
Pack dein Rennrad ein. Die kroatischen Straßen warten.