Radtouren auf Pelješac: Wein, Mauern und Austernbänke 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitaeten , Radfahren , Dalmatien
- 13 Nov, 2025
Inhalt
Die Halbinsel Pelješac ist Kroatiens bestgehütetes Radfahrer-Geheimnis. Während sich in Dubrovnik die Massen durch enge Gassen schieben, pedalierst du hier durch Weinberge, an der zweitlängsten Festungsmauer Europas vorbei, und isst Austern für einen Bruchteil dessen, was sie in der Stadt kosten würden.
Was die meisten nicht wissen: Das Hinterland um Dubrovnik – Pelješac, das Konavle-Tal, die Neretva-Mündung – ist eines der ursprünglichsten Gebiete Kroatiens. Kaum Touristen, authentische Dörfer, Straßen, auf denen du mehr Schafe als Autos triffst.

Drei Routen, drei völlig verschiedene Welten
Route 1: Die Mauern von Ston (33 km)
Ston besitzt die längste erhaltene Festungsmauer Europas – 5,5 Kilometer Stein, die im Mittelalter die wertvollen Salzpfannen schützten. Die Tour startet im kleinen Mali Ston, führt durch Olivenhaine hinauf nach Ston und zurück über einen Höhenweg mit Blick auf die gesamte Halbinsel.
In Mali Ston solltest du vor oder nach der Tour unbedingt Austern essen. Die Muschelfarmen liegen direkt in der Bucht, das Wasser ist so sauber, dass die Austern roh gegessen werden können. Ein Dutzend kostet unter 15 Euro – in Dubrovnik zahlst du das Dreifache.
Die Strecke selbst ist technisch nicht schwer, aber die 670 Höhenmeter summieren sich. Ein Gravelbike ist ideal, weil Teile über Schotterwege führen. Die Navigation durch die Weinberge ist ohne Track verwirrend – hier die GPX-Datei.
| Detail | Info |
|---|---|
| Distanz | 33 km (Rundkurs) |
| Höhenmeter | 670 m |
| Dauer | 3 Stunden |
| Untergrund | Asphalt + Schotter |

Route 2: Konavle – Das vergessene Tal (38 km)
Südlich von Dubrovnik, fast an der montenegrinischen Grenze, liegt ein Tal, in dem die Zeit stehengeblieben ist. Die Frauen weben noch Seide nach jahrhundertealten Mustern. Die Männer brennen Travarica, einen Kräuterschnaps, dessen Rezept jede Familie geheim hält. Und sonntags tanzt das ganze Dorf Čilipi auf dem Kirchplatz die traditionelle Linđo.
Die Radtour durch das Konavle-Tal ist sanfter als die Pelješac-Route: 38 Kilometer auf asphaltierten Landstraßen, durch Weinberge und Obstgärten, vorbei an Steinhäusern, die seit 500 Jahren stehen. Keine technischen Schwierigkeiten, nur pure Landschaft.
Was diese Route besonders macht: Du fährst durch Dörfer, die in keinem Reiseführer stehen. Gruda, Pridvorje, Ljuta – Namen, die selbst viele Kroaten nicht kennen. In den kleinen Konobas gibt es Lamm unter der Peka, wie es seit Generationen zubereitet wird.
Die Route zum Herunterladen – perfekt kombinierbar mit der Folklore-Show am Sonntag.

Route 3: Die Wasserwege der Neretva (38 km)
Nördlich von Dubrovnik, wo der Fluss Neretva ins Meer mündet, existiert eine Landschaft, die so gar nicht zu Dalmatien passt. Statt karger Felsen: Süßwasserseen. Statt Olivenhainen: Mandarinenplantagen. Statt ausgetrockneter Hitze: schilfgesäumte Kanäle, auf denen die Fischer noch mit Holzbooten fahren.
Die Tour startet an den Baćina-Seen – türkisfarbene Becken, die durch unterirdische Kanäle mit dem Meer verbunden sind. Von dort geht es auf ruhigen Landstraßen ins Delta, durch Zitrushaine und kleine Dörfer bis zum Flussufer.
Das Gelände ist flacher als auf Pelješac, die Atmosphäre vollkommen anders. Im Herbst leuchten die Felder orange von den Mandarinen. Im Frühjahr kommen die Zugvögel. Das ganze Jahr über ist es ruhig – die Touristen fahren alle weiter nach Dubrovnik.
GPX für die Neretva-Route – besonders nützlich für die kleinen Wege durch die Felder.
Wann fahren? Die ehrliche Einschätzung
September/Oktober sind die besten Monate. Punkt. Die Weinlese auf Pelješac läuft, die Mandarinen an der Neretva werden reif, die Temperaturen liegen bei angenehmen 22-28°C, und die Kreuzfahrtschiff-Massen in Dubrovnik sind wieder abgereist.
April bis Juni funktioniert ebenfalls gut – alles ist grün, die Touristenmassen noch erträglich. Das Meer ist allerdings zum Baden nach der Tour noch kühl.
Juli/August? Kannst du machen. Aber: Temperaturen über 35°C, und jeder Dubrovnik-Besucher hat die gleiche Idee mit dem “Ausflug ins Hinterland”. Wenn du musst: Starte vor sechs Uhr morgens.
Winter ist ein Geheimtipp für Hartgesottene. Oft 15°C und Sonne, manchmal tagelang Regen und Bora-Wind. Günstige Unterkünfte, leere Straßen – aber Glücksspiel mit dem Wetter.
Was du wissen solltest
Anreise: Von Dubrovnik nach Pelješac sind es 60 km – seit 2024 über die neue Pelješac-Brücke, die den Umweg durch Bosnien erspart. Das Konavle-Tal beginnt 25 km südlich von Dubrovnik, praktischerweise direkt am Flughafen. Die Neretva erreichst du auf dem Weg nach Split, etwa 100 km nördlich.
Fahrradverleih: In Dubrovnik gibt es einige Verleiher, aber die Auswahl ist kleiner als in Split oder Istrien. Reserviere im Sommer unbedingt voraus, vor allem für E-Bikes. Preise: 20-35€ für Trekking/Gravel, 45-60€ für E-Bikes. Wer mehr Auswahl will, mietet in Split und fährt mit dem Rad auf die Halbinsel.
Unterkunft: Auf Pelješac selbst gibt es kleine Pensionen in Ston und Orebić. Die meisten Radfahrer übernachten aber in Dubrovnik und machen Tagestouren – die Entfernungen sind überschaubar.

Das darfst du nicht verpassen
Austern in Mali Ston: Nicht irgendwelche Austern – die besten Kroatiens. Direkt aus der Bucht, roh mit Zitrone, dazu ein Glas Pošip. Selbst wenn du denkst, du magst keine Austern: Probier sie hier.
Dingač und Postup: Die berühmtesten Rotweine der Halbinsel wachsen an steilen Südhängen über dem Meer. Fast jedes Weingut bietet Verkostungen an – nach der Tour natürlich, nicht vorher.
Folklore in Čilipi: Jeden Sonntag nach der Messe tanzt das Dorf die traditionelle Linđo. Danach gibt es in den Konobas Mittagessen mit Live-Musik. Touristisch? Ja. Authentisch? Trotzdem.
Froschschenkel an der Neretva: Klingt seltsam, ist aber die lokale Spezialität. Dazu Aal aus dem Fluss und frische Mandarinen als Dessert.
Was danach?
Ein Tag Radfahren, ein Tag Dubrovnik – die klassische Kombination. Die Altstadt ist in 3-4 Stunden machbar, danach Strand oder Stadtmauer. Am dritten Tag vielleicht Pelješac mit dem Auto für die Weingüter, die du mit dem Rad nicht geschafft hast.
Die Strände der Halbinsel kennen die Dubrovnik-Massen nicht: Divna bei Trpanj (versteckte Kiesbucht), Prapratno nahe Ston (ruhig und schattig), Žuljana an der Südküste (einer der wenigen Sandstrände).
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