Osijek und Slavonien: Das unbekannte Kroatien abseits der Küste (2026)
- Redaktionsteam
- Regionen , Slavonien
- 03 Nov, 2025
Inhalt
Slavonien ist das Kroatien, das Touristen nicht kennen. Keine Küste, keine Inseln, keine Berge – stattdessen endlose Ebenen, Eichenwälder und die Donau als Lebensader. Diese Region im Osten des Landes ist das Gegenprogramm zur Adria: Still, ländlich, authentisch. Wer Kroatien verstehen will, muss Slavonien besuchen.

Warum Slavonien?
Die Gründe für einen Besuch sind anders als an der Küste:
- Authentizität: Hier leben und arbeiten Kroaten, nicht Touristen
- Natur: Kopački Rit ist eines der größten Feuchtgebiete Europas
- Wein: Graševina aus Slavonien gehört zu den besten Weißweinen des Balkans
- Kultur: Barocke Städte, Volkstraditionen, lebendige Folklore
- Preise: Deutlich günstiger als die Küste
Osijek: Die Hauptstadt Slavoniens
Die viertgrößte Stadt Kroatiens liegt an der Drau und ist das Zentrum der Region. Osijek verbindet k.u.k.-Eleganz mit jugoslawischem Erbe und modernem Universitätsleben.
Tvrđa: Die Barockfestung
Das historische Herz der Stadt ist eine der besterhaltenen Barockfestungen Europas. Die Österreicher bauten sie im 18. Jahrhundert gegen die Osmanen, und sie steht noch immer: Mächtige Mauern, geometrische Straßen, Kasernen und Kirchen.

Heute ist die Tvrđa Kulturbezirk: Museen, Galerien, Restaurants und Bars füllen die alten Gebäude. Studenten treffen sich auf dem Hauptplatz, Konzerte finden in den Innenhöfen statt. Die Atmosphäre ist entspannt und lebendig.
Die Promenade
Die Riva entlang der Drau ist Osijeks Flaniermeile. Parks, Cafés, eine Fußgängerbrücke zum anderen Ufer – hier genießen die Bürger ihre Abende. Im Sommer werden Beachbars aufgebaut, im Herbst färben sich die Bäume golden.
Europska Avenija
Die Prachtstraße verbindet die Tvrđa mit der Oberstadt. Jugendstilbauten, breite Gehwege, Straßencafés – die Architektur erinnert an Wien oder Budapest, nicht an Zagreb oder Split.
Kopački Rit: Das Feuchtgebiet
30 Kilometer nordöstlich von Osijek, wo Drau und Donau zusammenfließen, erstreckt sich eines der größten Feuchtgebiete Europas. 23.000 Hektar Sumpf, Seen und Auwald – ein Paradies für Vögel und die Menschen, die sie beobachten.
Was dich erwartet
- Über 290 Vogelarten, darunter Seeadler, Kormorane, Reiher
- Hirsche und Wildschweine im Auwald
- Bootstouren durch die Kanäle
- Aussichtstürme für Beobachtungen

Praktisches:
- Anfahrt: 30 Min von Osijek, gut ausgeschildert
- Eintritt: Ca. 60 Kuna (8 €), Bootstour extra
- Beste Zeit: Frühling (Vogelzug), Herbst (Farben)
- Tipp: Früh morgens kommen, wenn die Tiere aktiv sind
Die Entlang der Donau Route führt per Rad durch die Auenlandschaften – 62 Kilometer Natur pur.
Đakovo: Die Kathedrale
50 Kilometer südlich von Osijek liegt Đakovo mit der imposantesten Kirche Kroatiens. Die neogotische Kathedrale wurde im 19. Jahrhundert vom Bischof Strossmayer erbaut und dominiert die Kleinstadt mit ihren 84 Meter hohen Türmen.
Was du siehst
- Die Kathedrale: Innen mit Fresken bemalt, außen backsteinrot
- Das Gestüt: Đakovo ist bekannt für die Lipizzaner-Zucht
- Der Markt: Slavonische Produkte, besonders im Herbst
Das jährliche Đakovački Vezovi-Festival im Juli zeigt Folklore, Trachten und Pferde – Slavonien präsentiert sich von seiner traditionellen Seite.
Wein aus Slavonien
Slavonien ist Weinland. Die Hügel im Westen (Slavonske vinogorje) produzieren exzellente Weißweine, allen voran Graševina – Kroatiens meistangebaute Rebsorte.
Die Weinregionen
Kutjevo: Das bekannteste Weinzentrum. Das Weingut Krauthaker ist international bekannt.
Erdut: An der Donau gelegen, bekannt für Welschriesling.
Ilok: Ganz im Osten, historische Weinkeller, berühmter Traminac.

Weingüter besuchen
- Krauthaker (Kutjevo): Führend bei Graševina, Verkostung möglich
- Iločki Podrumi (Ilok): Historische Keller, Königswein
- Erdutski Vinogradi: Direkt an der Donau
Die Slavonische Horizonte Route verbindet die Weingüter per Rad – 60 Kilometer durch Weinberge und Dörfer.
Essen in Slavonien
Die slavonische Küche ist herzhaft: Schwein, Paprika, Wurst. Nichts für Diäten, alles für Genuss.
Was du probieren musst
- Kulen: Scharfe Wurst, mit Paprika gewürzt, luftgetrocknet
- Fiš paprikaš: Fischgulasch aus Flussfischen
- Čobanac: Hirteneintopf mit verschiedenen Fleischsorten
- Kuglof: Hefekuchen, österreichisches Erbe
Wo essen?
- Slavonska Kuća (Osijek): Traditionell, reichhaltige Portionen
- Kod Varge (Osijek): In der Tvrđa, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Josić (Zmajevac): Weinkeller mit Küche, im Baranja-Gebiet
Baranja: Das Grenzland
Nördlich von Osijek, zwischen Drau und Donau, liegt die Baranja – eine Region mit eigenem Charakter. Ungarische Einflüsse, Weinberge, Dörfer mit Kellergassen.
Zmajevac und Suza
Die Dörfer sind bekannt für ihre Weinkeller, die in die Hügel gegraben wurden. Im Herbst öffnen sie für Verkostungen, und die Atmosphäre ist gesellig und warm.
Was die Baranja besonders macht
Die Mischung der Kulturen: Kroatisch, Ungarisch, Deutsch – die Geschichte hat hier Spuren hinterlassen, und die Küche profitiert davon.
Praktische Tipps
Anreise
- Flughafen Osijek: Klein, wenige Verbindungen
- Zug: Ab Zagreb 4 Stunden
- Bus: Regelmäßig aus Zagreb und anderen Städten
- Auto: Von Zagreb 3 Stunden, von der Küste 4-5 Stunden
Beste Reisezeit
Frühling: Vogelzug in Kopački Rit, grüne Felder. Sommer: Festival-Saison, lange Abende. Herbst: Weinlese, Farben, Erntedankfeste – die beste Zeit. Winter: Ruhig, aber die Küche wärmt.
Übernachten
- Osijek: Hotels in der Tvrđa oder am Fluss
- Kopački Rit: Pensionen in Bilje
- Weingüter: Einige bieten Zimmer an (Agrotourismus)
Für wen ist Slavonien?
Slavonien ist für Reisende, die über den Tellerrand schauen wollen. Keine Strände, keine postkartenreifen Altstädte – aber echtes Leben, echte Menschen, echte Gastfreundschaft. Die Region lohnt sich besonders im Herbst, wenn die Weinlese feiert und die Landschaft in Gold getaucht ist. Kombiniere es mit der Küste: Ein paar Tage Meer, ein paar Tage Ebene – so siehst du ganz Kroatien.