Istrisches Olivenöl: Eine Route durch die besten Ölmühlen 2026
- Redaktionsteam
- Aktivitäten , Istrien
- 18 Dec, 2025
Inhalt
Im Flos Olei Guide – der Bibel der Olivenölwelt – dominiert eine Region die Spitzenplätze: Istrien. Die kleine kroatische Halbinsel produziert Olivenöle, die regelmäßig italienische und spanische Giganten schlagen. 2024 stammten vier der zehn weltbesten Öle aus Istrien. Für Kenner ist das keine Überraschung. Für alle anderen: Zeit, aufzuholen.

Das istrische Olivenöl ist anders. Die autochthonen Sorten – Buža, Istarska Bjelica, Rosinjola – ergeben Öle mit intensiven Aromen von grünem Gras, Artischocke, Mandel und einem pfeffrigen Abgang, der im Hals kitzelt. Die Produzenten sind keine Industriebetriebe, sondern Familien mit wenigen Hektar Land, die jeden Baum persönlich kennen.
Warum istrisches Olivenöl so gut ist
Die Erklärung beginnt beim Klima. Istrien liegt an der Grenze des mediterranen Anbaugebiets – kühler als Süditalien oder Spanien, mit kalten Wintern, die die Oliven stressen und konzentrieren. Die Böden sind karg, kalkhaltig, die Bäume müssen kämpfen. Das Ergebnis: kleinere Früchte mit mehr Geschmack.
Die zweite Erklärung ist kulturell. Die istrischen Produzenten haben in den letzten zwanzig Jahren massiv in Qualität investiert. Moderne Pressen, frühe Ernte, sofortige Verarbeitung – Techniken, die in Italien oft nur die Spitzenproduzenten anwenden, sind in Istrien Standard. Die neue Generation hat studiert, gereist, gelernt. Sie wissen, was möglich ist.
Die dritte Erklärung: Leidenschaft. Ein Liter Spitzenöl aus Istrien kostet 25-50 Euro – viel für Olivenöl, aber wenig für die Arbeit dahinter. Die Ernte ist Handarbeit, oft auf steilen Hängen. Die Verarbeitung passiert innerhalb von Stunden. Die Lagerung unter kontrollierten Bedingungen. Wer das für Profit macht, hat sich verrechnet.
Die Olivensorten: Buža, Bjelica und Co.

Istrien hat mehrere autochthone Sorten, die du anderswo nicht findest:
Buža
Die Hauptsorte Istriens, etwa 60% des Bestands. Buža ergibt ein mittelkräftiges Öl mit Aromen von grünem Apfel, Gras und einem angenehm bitteren Abgang. Vielseitig, ausgewogen, der Klassiker für den Einstieg.
Istarska Bjelica
Die “istrische Weiße” – benannt nach der hellen Farbe der reifen Früchte. Das Öl ist intensiver als Buža: Artischocke, Mandel, kräftige Pfeffernote. Bjelica-Öle gewinnen regelmäßig internationale Preise.
Rosinjola
Seltener, nur auf ein paar hundert Hektar angebaut. Ergibt ein mildes, fruchtiges Öl mit Noten von Tomate und Mandel. Perfekt für Fisch und Salate.
Carbonazza (Crnica)
Die “Schwarze” – dunkelviolette Früchte, die ein besonders aromatisches Öl ergeben. Selten reinsortig abgefüllt, meist als Verschnitt.
Die besten Produzenten experimentieren mit Blends und reinsortigen Abfüllungen. Eine Verkostung zeigt dir die Unterschiede – und verändert, wie du Olivenöl wahrnimmst.
Die Olivenölstraße: Von Vodnjan bis Buje

Die Olivenölstraße (Uljarica) verbindet die wichtigsten Produzenten Istriens. Die Route ist nicht ausgeschildert wie eine Weinstraße, aber die Konzentration der Ölmühlen macht Navigation einfach: Fahre durch das Hinterland, halte bei den Schildern “Ulje” oder “Maslinovo Ulje”.
Die zwei Hauptregionen:
Südistrien (Vodnjan, Fažana, Bale)
Das traditionelle Zentrum des istrischen Olivenanbaus. Vodnjan allein hat über eine Million Olivenbäume. Hier findest du die etablierten Produzenten, die großen Namen, die meisten Auszeichnungen.
Nordistrien (Buje, Brtonigla, Novigrad)
Weniger Fläche, aber ebenso hohe Qualität. Die Landschaft ist hügeliger, die Olivenhaine kleiner und älter. Hier sind die Boutique-Produzenten, die Experimentierfreudigen.
Die besten Ölmühlen: Wo verkosten und kaufen

Chiavalon (Vodnjan)
Die bekannteste Adresse. Sandi Chiavalon hat in den letzten Jahren praktisch jeden wichtigen Preis gewonnen, sein “Ex Albis” wurde mehrfach zum besten Olivenöl der Welt gekürt. Die Ölmühle ist modern, die Verkostung professionell, die Preise entsprechend (35-60 Euro pro Halbliter für die Spitzenöle).
Was macht Chiavalon besonders? Kompromisslosigkeit. Die Oliven werden unreif geerntet, wenn die Aromen am intensivsten sind. Die Verarbeitung passiert innerhalb von vier Stunden. Das Ergebnis ist ein Öl von fast schockierender Intensität – grünes Gras, Artischocke, scharfer Pfeffer im Abgang.
Kontakt: www.chiavalon.hr | +385 52 535 770 Verkostung: Nach Voranmeldung, 15-25 Euro pro Person
Ipša (Livade)
Eine Familiengeschichte über Generationen. Die Ipšas bewirtschaften alte Olivenhaine im Mirna-Tal, dort, wo auch die Trüffel wachsen. Das Öl ist eleganter als Chiavalon – weniger Intensität, mehr Finesse. Perfekt für Einsteiger, die vom besten lernen wollen.
Die Verkostung findet im Familienkeller statt, oft mit hausgemachtem Käse und Schinken. Die Atmosphäre ist intim, fast privat. Hier kaufen die Einheimischen.
Kontakt: www.ipsa.hr | +385 52 664 014 Verkostung: Nach Voranmeldung, 10-15 Euro
Mate (Šišan bei Pula)
Sergio Mate hat eine andere Philosophie: Single-Variety-Öle, jede Sorte separat abgefüllt. Seine Bjelica ist legendär – eines der intensivsten Öle Istriens, mit einem pfeffrigen Abgang, der Minuten anhält. Das “Buža Selekcija” ist zugänglicher, aber nicht weniger beeindruckend.
Die Ölmühle liegt südlich von Pula, umgeben von Olivenhainen. Die Verkostung ist technisch und lehrreich – hier lernst du die Unterschiede zwischen den Sorten.
Kontakt: www.mate.hr | +385 98 329 330 Verkostung: Nach Voranmeldung, 15-20 Euro
Belić (Bale)
Die Belićs waren Bauern, bevor Olivenöl trendy wurde. Ihre Haine sind alt, die Bäume knorrig und verwittert. Das Öl ist rustikaler als bei den Modernisten – weniger poliert, mehr Charakter. Perfekt für alle, die Authentizität über Perfektion stellen.
Der Familienhof liegt in Bale, einem verschlafenen Dorf zwischen Rovinj und Pula. Die Verkostung ist informell, manchmal mit einer Tour durch die Haine.
Kontakt: +385 91 539 4847 Verkostung: Nach Telefonanfrage, ca. 10 Euro
Meneghetti (Bale)
Hier verbindet sich Öl mit Luxus. Meneghetti ist ein Boutique-Hotel mit eigenem Weingut und eigener Ölmühle. Das Öl ist exzellent (mehrfach ausgezeichnet), die Verkostung findet in elegantem Ambiente statt, und danach kannst du im Restaurant bleiben.
Teurer als die reinen Ölmühlen, aber ein Gesamterlebnis. Perfekt für ein besonderes Mittagessen mit allem, was Istrien zu bieten hat.
Kontakt: www.meneghetti.hr | +385 52 803 600 Verkostung: Teil des Restaurantbesuchs oder separat buchbar (30-50 Euro)
Weitere Empfehlungen
- Olea BB (Vodnjan) – jung, innovativ, spannende Blends
- San Tommaso (Buje) – biologisch, elegant, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Salvela (Grožnjan) – kleines Familienweingut, nebenbei exzellentes Öl
- Clai (Kaldanija) – bekannt für Wein, unterschätztes Olivenöl
Wie eine Verkostung funktioniert

Eine professionelle Olivenölverkostung ist anders, als du vielleicht erwartest. Kein Brot (absorbiert die Aromen), kein anderes Essen (überlagert den Geschmack). Nur das Öl, in einem kleinen blauen Glas, das die Farbe verbirgt (Farbe sagt nichts über Qualität).
Der Ablauf
- Wärmen: Das Glas in der Hand wärmen, damit die Aromen aufsteigen
- Riechen: Tief einatmen, erste Eindrücke sammeln (Gras? Artischocke? Tomate? Mandel?)
- Schlürfen: Einen Schluck nehmen, Luft einziehen, das Öl im Mund verteilen
- Schmecken: Bitter auf der Zunge, scharf im Hals – beides Zeichen für Qualität
- Nachspüren: Der Abgang, wie lange die Aromen bleiben
Gutes Olivenöl ist nicht “mild” – es ist bitter und scharf, manchmal so stark, dass es zum Husten reizt. Das ist kein Fehler, sondern Polyphenole, die Antioxidantien, die Olivenöl gesund machen.
Was du lernen wirst
Nach einer Verkostung bei einem Spitzenproduzenten wirst du Supermarkt-Öl nie wieder gleich wahrnehmen. Der Unterschied ist nicht subtil – er ist fundamental. Wie zwischen Industriekäse und Rohmilch-Parmesan, zwischen Tankstellen-Kaffee und frisch geröstetem Single-Origin.
Olivenöl kaufen: Preise und Transport
Was du zahlen solltest
| Kategorie | Preis (0,5L) | Beispiele |
|---|---|---|
| Einstieg | 12-18 € | Belić, Clai |
| Mittelklasse | 18-30 € | Ipša, Mate Buža |
| Premium | 30-50 € | Chiavalon Ex Albis, Mate Bjelica |
| Raritäten | 50+ € | Limitierte Editionen, Single-Tree |
Die Preise sind höher als für italienisches Supermarkt-Öl, aber vergleichbar mit italienischen Spitzenproduzenten – und die istrischen Öle gewinnen regelmäßig gegen sie.
Transport
Olivenöl verträgt weder Hitze noch Licht. Im Sommer nicht im heißen Auto lassen, nicht in der prallen Sonne transportieren. Die meisten Produzenten verkaufen in dunklen Flaschen oder Kanistern, die das Öl schützen.
Im Flugzeug: Gut einpacken (Flaschen können brechen), im Aufgabegepäck transportieren. Die meisten Airlines haben keine Mengenbeschränkung für Olivenöl, solange es versiegelt ist.
Versand: Einige Produzenten versenden innerhalb der EU. Rechne mit 15-30 Euro Versandkosten für eine Bestellung.
Die beste Route: Ein Tag für Olivenöl

Ein Beispieltag für Olivenöl-Enthusiasten:
9:00 – Start in Pula Fahrt nach Vodnjan, dem Zentrum des istrischen Olivenanbaus. Unterwegs siehst du die ersten Haine – silbrig-grüne Blätter, knorrige Stämme.
10:00 – Chiavalon (Vodnjan) Besuch beim bekanntesten Produzenten. Professionelle Verkostung, beeindruckende Ölmühle, Möglichkeit zum Kauf. Plane 1-1,5 Stunden ein.
12:00 – Mittagessen in Vodnjan Das Restaurant “Vodnjanka” serviert lokale Küche, natürlich mit exzellentem Olivenöl. Oder weiter nach Bale zum “Kamene Priče”.
14:00 – Mate oder Belić (Südistrien) Zweite Verkostung, andere Stilistik. Hier siehst du, wie unterschiedlich istrische Öle sein können.
16:00 – Fahrt nach Nordistrien Über Pazin nach Livade oder Buje. Unterwegs Stopp in Grožnjan (Künstlerdorf) oder Motovun (Trüffelort).
17:30 – Ipša (Livade) Dritte Verkostung, intimere Atmosphäre. Die Ipšas nehmen sich Zeit, erzählen Geschichten, schenken großzügig ein.
19:00 – Abendessen in Brtonigla oder Buje Im “San Rocco” oder “Konoba Morgan” – Spitzenküche, in der Olivenöl eine Hauptrolle spielt.
Mit dem Rad durch die Olivenhaine
Die sanften Hügel Istriens sind perfekt für Radfahrer, und die Olivenhaine liefern die Kulisse. Mehrere ridescouts-Routen führen durch die Anbaugebiete:
Die Geschmack Istriens Tour ist eine 56-Kilometer-Schleife ab Poreč, die durch Olivenhaine und Weinberge führt – perfekt für Stopps bei Produzenten unterwegs.
Wer mehr will: Die Istrische Weinberge Route verbindet auf 68 Kilometern die Wein- und Olivenregion von Poreč bis Buje. Anspruchsvoller, aber mit mehr Aussichten und mehr Möglichkeiten für kulinarische Stopps.
Olivenöl und Essen: Die perfekten Kombinationen

Gutes Olivenöl braucht nicht viel:
Zum Pur-Genuss: Ein Stück frisches Brot, eine Prise Meersalz, ein Guss Spitzenöl. Mehr braucht es nicht.
Zu Fisch: Istrischer Wolfsbarsch (Branzin) oder Goldbrasse (Orada), gegrillt, mit einem Schuss frischem Öl am Ende. Nicht kochen – nur drübergießen.
Zu Gemüse: Gegrillte Zucchini, Tomaten, Paprika – das Öl ist der Star, nicht die Beilage.
Zu Käse: Istrischer Schafskäse, ein paar Tropfen Bjelica-Öl, schwarzer Pfeffer. Fertig.
Zum Frühstück: Rührei mit einem großzügigen Guss Öl, statt Butter. Probier es einmal, du gehst nie zurück.
Was du vermeiden solltest: Braten bei hohen Temperaturen. Extra Vergine ist zum Verfeinern da, nicht zum Frittieren. Für hohe Hitze nimm ein günstigeres Öl.
Die Ernte: Wenn du zur richtigen Zeit kommst
Die Olivenernte in Istrien findet von Mitte Oktober bis Mitte November statt. Wenn du in dieser Zeit da bist, erlebst du die Region von ihrer aktivsten Seite: Familien in den Hainen, Traktoren auf den Straßen, Ölmühlen im Dauerbetrieb.
Einige Produzenten nehmen Gäste mit zur Ernte – harte Arbeit, aber ein unvergessliches Erlebnis. Frag bei der Buchung nach, ob “Berba” (Ernte) möglich ist.
Die frisch gepressten Öle (Olio Nuovo) sind eine Spezialität: ungefiltert, grün, mit maximaler Intensität. Sie halten nur wenige Monate, sind aber ein Genuss für sich.
Praktisches
Anreise
Die Olivenöl-Region erstreckt sich über ganz Istrien. Von der Küste (Pula, Rovinj, Poreč) sind es 20-40 Minuten ins Hinterland. Ein Auto ist praktisch unverzichtbar.
| Von | Nach Vodnjan | Nach Buje |
|---|---|---|
| Pula | 15 km (15 min) | 65 km (50 min) |
| Rovinj | 25 km (25 min) | 50 km (40 min) |
| Poreč | 40 km (35 min) | 30 km (25 min) |
Beste Reisezeit
Frühling (April-Juni): Die Olivenbäume blühen, die Haine sind grün. Verkostungen der Öle vom Vorjahr.
Sommer: Heiß, aber die Ölmühlen haben Zeit. Weniger los als im Herbst.
Herbst (Oktober-November): Die Erntezeit. Maximale Aktivität, frische Öle, aber auch die meisten Besucher. Vorab reservieren.
Winter: Ruhig, viele Produzenten geschlossen oder nur eingeschränkt offen. Aber wer anfragt, wird meist empfangen.
Kombinieren mit anderen Erlebnissen
Olivenöl passt perfekt zu anderen istrischen Spezialitäten:
- Trüffel: Die Saison überschneidet sich im Herbst. Motovun ist nur 20 Minuten von den Öl-Produzenten entfernt.
- Wein: Viele Olivenproduzenten haben auch Weinberge. Chiavalon liegt im Herzen der Malvasia-Region.
- Küste: Morgens Verkostung, nachmittags Strand. Rovinj und Poreč sind nah.
Das Wichtigste
Istrisches Olivenöl gehört zu den besten der Welt – und ist immer noch ein Geheimtipp. Die Produzenten sind zugänglich, die Preise fair, die Qualität außergewöhnlich. Eine Verkostung verändert, wie du Olivenöl wahrnimmst: vom Kochfett zum Genussmittel, vom Supermarkt-Produkt zum handwerklichen Meisterwerk.
Nimm dir einen Tag, fahr ins Hinterland, probier dich durch die Stile. Und bring genug Flaschen mit nach Hause – du wirst sie brauchen.
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