Motovun: Trüffel, Wein und Aussicht im Herzen Istriens (2026)
Inhalt
Motovun ist das Postkartendorf Istriens. Auf einem 280 Meter hohen Hügel thronend, umgeben von Weinbergen und Trüffelwäldern, überblickt es das Mirna-Tal wie eine mittelalterliche Wachturmstadt. Die Aussicht allein rechtfertigt den Besuch – aber dann kommen noch die Trüffel, der Wein und die Atmosphäre einer Stadt, die ihre Schönheit kennt. Was Motovun von den vielen anderen istrischen Hügeldörfern unterscheidet: Hier stimmt alles gleichzeitig. Die Lage, die Geschichte, das Essen, die Weine. Es gibt keinen einzelnen Grund, hierher zu kommen – es ist die Summe aus allem.

Der erste Eindruck
Die Anfahrt ist schon spektakulär. Die Straße windet sich durch Weinberge und Olivenhaine, Motovun erscheint und verschwindet zwischen den Kurven, bis du schließlich am Fuß des Hügels parkst. Von hier führen zwei Wege nach oben: Die steile Straße (für Bewohner und Hotelgäste) oder die noch steilere Treppe durch die Stadttore. Nimm die Treppe – du verdienst dir das Trüffelmenü.
Die Stufen führen durch mehrere Verteidigungsringe, vorbei an romanischen und gotischen Toren, bis du auf dem Hauptplatz stehst. Die Anstrengung ist vergessen, sobald du den ersten Blick über die Stadtmauer wirfst: Das Mirna-Tal liegt wie ein grüner Teppich unter dir, Weinberge ziehen sich die Hänge hinauf, in der Ferne glitzert manchmal das Meer. Oben angekommen fällt auf, wie klein der Ort eigentlich ist – kaum mehr als ein paar Dutzend Häuser, zusammengedrängt innerhalb der Mauern. Weniger als 30 Menschen leben hier ganzjährig. Im Sommer fühlt es sich voller an, weil jede zweite Tür zu einem Restaurant, einer Galerie oder einem Trüffelladen führt. Aber selbst dann hat Motovun etwas, das die größeren Touristenorte an der Küste nicht bieten: Ruhe, sobald man um die nächste Ecke geht.
Die Stadtmauer und der Glockenturm
Die mittelalterliche Stadtmauer ist fast vollständig begehbar und bildet den schönsten Spaziergang des Ortes. In 20 Minuten umrundest du die Stadt, mit Aussichten in alle Richtungen: Nordwärts zum Učka-Gebirge, südwärts zu den anderen Hügeldörfern, ostwärts ins Landesinnere. An klaren Tagen reicht der Blick bis zum Meer bei Novigrad und Poreč. Die Mauer stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert, als Motovun unter venezianischer Herrschaft stand, und ist erstaunlich gut erhalten – teilweise wachsen Feigenbäume und Kapern aus den Fugen, was dem Ganzen einen verwilderten Charme verleiht.

Der Glockenturm auf dem Hauptplatz lässt sich besteigen. Die Stufen sind eng und steil, aber oben stehst du höher als alles andere im Umkreis von Kilometern. Das Panorama ist das beste in ganz Istrien – und das ist keine Übertreibung. Bei gutem Wetter siehst du die Hügeldörfer Oprtalj, Grožnjan und Zavrsje wie auf einer Landkarte verteilt, dazwischen das Mosaik aus Weinbergen, Olivenhainen und dunklen Eichenwäldern, in denen die Trüffel wachsen. Der Eintritt für den Turm beträgt etwa 3 Euro, und das Geld ist besser investiert als in jedem Souvenirladen.
Der Nebel im Mirna-Tal
Morgens, wenn der Nebel im Tal liegt und Motovun wie eine Insel über dem Wolkenmeer schwebt – dieses Bild ist ikonisch, und ja, es sieht wirklich so aus. Wenn das Wetter mitspielt. Der Nebel entsteht durch die Feuchtigkeit des Mirna-Flusses, der sich durch das Tal schlängelt, und durch die Temperaturunterschiede zwischen dem kühlen Wasser und der wärmeren Luft. Die besten Chancen auf dieses Schauspiel hast du im Oktober und November, frühmorgens zwischen 6 und 9 Uhr. Wer im Hotel Kaštel übernachtet, kann einfach auf die Terrasse treten. Alle anderen müssen früh aufstehen und den Hügel im Halbdunkel erklimmen – was sich allerdings lohnt, weil du dann auch alleine bist. Im Frühling gibt es ebenfalls gelegentlich Nebel, aber seltener und weniger dicht. Im Sommer ist die Fernsicht am klarsten, im Herbst die Stimmung am dramatischsten.
Trüffel: Das weiße Gold Istriens
Istrien ist Trüffelland, und das Mirna-Tal ist das Epizentrum. In den Eichenwäldern entlang des Flusses wachsen weiße und schwarze Trüffel, die in Blindverkostungen regelmäßig mit ihren italienischen Verwandten aus Alba und dem Périgord mithalten. Lange wussten nur die Einheimischen davon. Erst seit den 1990ern hat sich herumgesprochen, dass istrische Trüffel erstklassig sind – und deutlich günstiger als in Italien.

Weißer vs. schwarzer Trüffel
Der weiße Trüffel (Tuber magnatum pico) ist der König. Seine Saison läuft von Oktober bis Ende Januar, mit dem Höhepunkt im November. Ein Kilo kann zwischen 2.000 und 5.000 Euro kosten, abhängig von Größe, Qualität und Angebot. Der Geruch ist unbeschreiblich – eine Mischung aus Knoblauch, Honig, feuchter Erde und etwas, das es in keinem anderen Lebensmittel gibt. Weißer Trüffel wird niemals gekocht, immer roh über das fertige Gericht gehobelt. Die Hitze würde das Aroma zerstören.
Der schwarze Trüffel kommt in mehreren Varianten vor. Der Sommertrüffel (Tuber aestivum) ist von Mai bis November verfügbar und mild im Geschmack, der Wintertrüffel (Tuber melanosporum) von Dezember bis März intensiver und teurer. Schwarze Trüffel vertragen Hitze besser und können in Saucen, Pasteten und Ölen verarbeitet werden. Für Einsteiger sind sie der bessere Einstieg, weil der Geschmack zugänglicher ist und die Gerichte weniger kosten.
Der Rekordtrüffel
Am 2. November 1999 fand der istrische Trüffeljäger Giancarlo Zigante in den Wäldern bei Livade einen weißen Trüffel von 1,31 Kilogramm. Das Guinness-Buch der Rekorde bestätigte ihn als den größten jemals gefundenen weißen Trüffel der Welt. Zigante hätte ihn für ein kleines Vermögen verkaufen können – stattdessen lud er mehr als hundert Gäste zu einem Trüffeldinner ein und machte sich damit einen Namen, den er anschließend in ein Imperium aus Restaurants und Trüffelshops verwandelte. Der Rekord steht bis heute, und er hat Istrien als Trüffelregion auf die Weltkarte gesetzt.
Trüffelsuche mitmachen
Eine Trüffelsuche mit einem lokalen Jäger (tartufar) und seinem Hund gehört zu den besonderen Erlebnissen in Istrien. Der Ablauf: Du triffst dich frühmorgens am Waldrand, der tartufar erklärt die Grundlagen, und dann geht es los. Der Hund – meistens ein Lagotto Romagnolo oder ein Mischling mit guter Nase – rennt voraus, schnüffelt am Boden, und wenn er zu buddeln anfängt, weißt du: Da unten liegt etwas.

Der tartufar schiebt den Hund sanft beiseite und gräbt den Trüffel vorsichtig mit einem speziellen Spatel (sonda) aus der Erde. Die Wurzeln des Baumes dürfen nicht beschädigt werden, sonst wächst dort kein neuer Trüffel nach. Nach zwei bis drei Stunden im Wald folgt der beste Teil: Zurück im Haus des Jägers wird gekocht. Meistens gibt es Rührei mit frischem Trüffel, dazu Brot, Olivenöl und einen Glas Malvasia. Die Kosten liegen zwischen 60 und 120 Euro pro Person, je nach Anbieter und Gruppengröße. Anbieter wie Karlić Tartufi, Prodan Tartufi und Natura Tartufi organisieren solche Touren ganzjährig, wobei die Saison für weißen Trüffel (Oktober bis Januar) natürlich die spannendste ist.
Die Trüffelprodukte: Was kaufen, was lassen
In jedem zweiten Laden in Motovun und Livade stapeln sich Trüffelprodukte – Öle, Pasten, Käse, Honig, Salze, Saucen, sogar Trüffelschokolade. Die Qualität schwankt erheblich, und nicht alles, was “Trüffel” draufsteht, enthält auch welchen.

Trüffelöl ist das häufigste Souvenir – und leider oft das enttäuschendste. Die meisten günstigen Trüffelöle (unter 15 Euro) enthalten kein echtes Trüffelaroma, sondern synthetisches Bis(methylthio)methan, das den Geruch imitiert. Erkennbar an der Zutatenliste: Steht dort “Aroma” oder “Trüffelaroma”, ist es künstlich. Echtes Trüffelöl enthält Olivenöl und Trüffel, sonst nichts, und kostet ab 20 Euro aufwärts für ein kleines Fläschchen. Die besten bekommst du direkt bei den Trüffeljägern wie Karlić oder Zigante.
Trüffelkäse ist ein sicherer Kauf. Der halbharte Käse mit eingearbeiteten schwarzen Trüffelstückchen hält sich wochenlang und schmeckt hervorragend zu Brot und einem Glas Teran. Die Molkereien in der Gegend verwenden echten Trüffel, weil er bei der Käseherstellung sein Aroma gut behält. Zwischen 8 und 15 Euro für ein Stück.
Trüffelhonig klingt exotisch und schmeckt überraschend gut – der süße Honig mit dem erdigen Trüffelaroma funktioniert auf Käseplatten und in Salatdressings. Auch hier gilt: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser.
Trüffelpaste (Tartufata) ist praktisch für zu Hause. Ein Löffel in die Pasta, und du bist zurück in Istrien. Die Pasten von Zigante und Karlić sind zuverlässig gut, kosten um die 10-12 Euro pro Glas.
Die besten Restaurants
Konoba Mondo, Motovun
Das Original unter den Trüffelrestaurants, und viele sagen: immer noch das beste. Die Familie Sinčić kocht hier seit Jahrzehnten, und die Philosophie ist einfach – erstklassige lokale Zutaten, so wenig Schnickschnack wie möglich. Die Fuži s tartufima (handgemachte Pasta mit gehobelten Trüffeln) sind ein Muss, dazu gibt es Wild aus den umliegenden Wäldern, Käse von lokalen Produzenten und Weine aus der Region. Die Karte wechselt mit der Saison. Im Herbst dreht sich alles um weißen Trüffel, im Frühjahr um Spargel und Kräuter. Reservierung ist Pflicht, besonders freitags und samstags. Rechne mit 40-70 Euro pro Person für ein vollständiges Essen mit Wein.
Zigante Restaurant, Livade
Giancarlo Zigantes Restaurant in Livade ist das bekannteste Trüffelrestaurant Istriens, und es wird diesem Ruf gerecht. Das Degustationsmenü mit sechs oder sieben Gängen ist eine Reise durch alle Trüffelvarianten: Von der Trüffelsuppe über Trüffel-Carpaccio bis zum Trüffel-Dessert. Die Portionen sind großzügig, die Präsentation aufwändig, und die Rechnung entsprechend – 80-150 Euro pro Person sind realistisch, wenn du das volle Programm bestellst. Für besondere Anlässe absolut empfehlenswert, für den Alltagshunger eher nicht.
Pod Voltom, Motovun
Kleiner, intimer und weniger bekannt als Mondo – genau deshalb ist Pod Voltom für manche die bessere Wahl. Das Restaurant liegt unter einem Gewölbebogen in der Altstadt, die Terrasse bietet Blick über die Dächer bis ins Tal. Die Karte ist kürzer als bei Mondo, die Qualität auf gleichem Niveau. Hier bekommst du exzellente Trüffelgerichte, ohne zwei Wochen im Voraus reservieren zu müssen. Die Preise sind etwas moderater, die Atmosphäre persönlicher.
Konoba Astarea, Brtonigla
Wer bereit ist, 25 Minuten zu fahren, wird in Brtonigla belohnt. Konoba Astarea gehört seit Jahren zu den besten Restaurants Istriens – nicht nur für Trüffel, sondern für die gesamte Bandbreite der istrischen Küche. Die Pasta ist handgemacht, das Fleisch kommt von lokalen Bauern, der Fisch von der Küste. Im Herbst dominiert der Trüffel, im Rest des Jahres zeigt die Küche, dass Istrien weit mehr kann als nur Trüffel. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist besser als in Motovun, weil Brtonigla abseits der großen Touristenströme liegt.
Was bestellen?
- Fuži s tartufima: Handgemachte istrische Pasta mit gehobeltem Trüffel – der absolute Klassiker, den du überall bekommst, aber nirgendwo genau gleich
- Rührei mit Trüffeln: So simpel, dass es fast albern klingt. Ist es aber nicht. Drei Eier, Butter, frisch gehobelter weißer Trüffel. Fertig. Sensationell.
- Trüffel-Carpaccio: Hauchdünnes rohes Rindfleisch mit weißem Trüffel, Rucola und Parmesan
- Boškarin mit Trüffeln: Das istrische Rind (eine seltene lokale Rasse) mit Trüffelrahmsauce – schwer zu finden, aber ein Highlight
- Trüffelkäse als Vorspeise: Serviert mit Feigensenfsoße und Honig

Livade: Das Trüffeldorf
Fünf Kilometer unterhalb von Motovun, unten im Mirna-Tal, liegt Livade – ein Dorf so klein, dass du es fast verpasst. Ein paar Häuser, eine Kirche, eine Brücke über den Fluss. Und das Zentrum des istrischen Trüffelhandels. Hier hat Giancarlo Zigante sein Hauptquartier aufgebaut: Ein großes Restaurant, einen noch größeren Shop und eine Art Trüffel-Erlebniswelt, in der man alles über die unterirdische Knolle lernen kann.
Livade ist auch der Startpunkt vieler Trüffelsuchen, weil die besten Eichenwälder direkt hinter dem Dorf beginnen. Im Oktober und November herrscht hier Hochbetrieb – die Trüffeljäger bringen ihre Funde zu den Händlern, die Restaurants bereiten sich auf die Saison vor, und auf dem kleinen Platz vor Zigantes Laden riecht es nach Trüffel, bevor man überhaupt aus dem Auto steigt. Außerhalb der Saison ist Livade verschlafen, fast verlassen. Aber der Shop und das Restaurant sind ganzjährig geöffnet, und ein Stopp lohnt sich auch im Sommer, wenn die Preise niedriger und die Parkplätze leer sind.
Buzet: Die Stadt der Trüffel
Während Motovun die Postkarte ist, ist Buzet die Substanz. Die Kleinstadt im Norden Istriens nennt sich selbst “Stadt der Trüffel” und hat mehr Trüffeljäger pro Einwohner als jeder andere Ort in Kroatien. Buzet liegt auf einem Hügel über dem Mirna-Tal, hat eine hübsche Altstadt mit venezianischen Toren und Mauern und deutlich weniger Touristen als Motovun. Wer das Trüffelerlebnis ohne den Rummel sucht, ist hier richtig.

Das Highlight ist die Subotina – das Trüffelfest am zweiten Samstag im September. Der Höhepunkt: Eine riesige Trüffel-Omelett-Pfanne auf dem Hauptplatz, in der über 2.000 Eier und 10 Kilogramm Trüffel zu einer gigantischen Frittata verarbeitet werden. Die ganze Stadt riecht nach Trüffel, es gibt Musik, Wein, Stände mit lokalen Produkten und eine Atmosphäre, die zwischen Volksfest und Gourmet-Event schwankt. Der Eintritt ist frei, probiert wird auf dem Platz. Wer die Subotina besuchen will, sollte Unterkünfte früh buchen – die wenigen Hotels und Pensionen in der Gegend sind schnell voll.
Buzet hat noch einen Vorteil: Von hier starten einige der besten Wanderungen im istrischen Hinterland. Der Weg durch die Schlucht des Mirna-Flusses, die Wälder um den Rasporov-Kanal und die Hügel Richtung Roč bieten Landschaften, die die meisten Istrien-Besucher nie zu sehen bekommen.
Weitere Hügelstädte, die sich lohnen
Grožnjan: Künstler und Musik
Zwanzig Minuten von Motovun entfernt liegt Grožnjan, das Künstlerdorf Istriens. In den 1960er Jahren war der Ort fast verlassen – die Bewohner waren nach dem Zweiten Weltkrieg weggezogen, die Häuser verfielen. Dann kamen die Künstler. Bildhauer, Maler und Musiker zogen in die leerstehenden Steinhäuser, richteten Ateliers und Galerien ein und verwandelten das Geisterdorf in eine lebendige Künstlerkolonie. Heute gibt es in Grožnjan mehr Galerien als Einwohner, im Sommer finden Jazzkonzerte und Workshops statt, und jede Gasse führt an einer offenen Atelier-Tür vorbei. Die Aussicht über die Hügel ist fast so gut wie von Motovun – nur ohne die Menschenmassen.

Oprtalj: Das ruhige Pendant
Oprtalj ist das, was Motovun vor zwanzig Jahren war: Ein verschlafenes Hügeldorf mit fantastischer Aussicht und kaum Touristen. Die Loggia auf dem Hauptplatz stammt aus dem 16. Jahrhundert, die Fresken in der Kapelle Sv. Marija sind bemerkenswert, und die Konoba im Ort kocht so gut wie alles in Motovun – zu einem Drittel der Preise. Der Wanderweg zwischen Motovun und Oprtalj (8 km, etwa 2,5 Stunden) führt durch Weinberge und Olivenhaine und gehört zu den schönsten Spaziergängen der Region.
Hum: Die kleinste Stadt der Welt
Hum hat offiziell rund 30 Einwohner und beansprucht den Titel “kleinste Stadt der Welt”. Ob das stimmt, hängt davon ab, wie man “Stadt” definiert, aber der Ort ist definitiv winzig: Zwei Gassen, eine Stadtmauer, eine Kirche, eine Konoba. Das war’s. Der Charme liegt gerade in dieser Miniatur-Vollständigkeit. In Hum wird die Biska hergestellt, ein Kräuterschnaps aus Mistelzweigen, den es nur hier gibt. Die Konoba Humska Konoba serviert istrische Hausmannskost in einem mittelalterlichen Gewölbe – Trüffel gibt es auch hier, aber bescheidener als in Motovun.

Das Filmfestival
Jeden Juli verwandelt sich Motovun für fünf Tage in ein Open-Air-Kino. Das Motovun Film Festival zeigt unabhängige Filme aus aller Welt – Dokumentationen, Dramen, experimentelles Kino, das es in deutsche Programmkinos oft nie schafft. Die Hauptvorführungen finden auf dem Hauptplatz unter freiem Himmel statt, weitere Screenings in improvisierten Kinos im und um den Ort. Was das Festival besonders macht, ist die Intimität: Du sitzt mit 500 Leuten auf Steinbänken, über dir der Sternenhimmel, vor dir ein Film, der in Cannes seine Premiere hatte, und danach diskutierst du mit dem Regisseur beim Wein an der Bar. Die Unterkünfte sind während des Festivals komplett ausgebucht – wer kommen will, sollte drei bis vier Monate im Voraus reservieren. Viele Besucher campen im Tal oder fahren abends nach Poreč zurück.
Wein aus dem Mirna-Tal
Die Hänge um Motovun sind Weinland. Malvasia (Malvazija) ist der Weißwein Istriens – mineralisch, frisch, mit Aromen von Mandeln und Wildblumen. Teran ist der Rote – dunkel, kräftig, erdig, mit einem Geschmack, der an die rote Erde (terra rossa) erinnert, auf der er wächst. Dazu kommen internationale Sorten wie Merlot und Chardonnay, die im istrischen Klima überraschend gut gedeihen und in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit bekommen.
Weingüter besuchen
Kozlović ist eines der bekanntesten Weingüter Istriens, etwa 15 km von Motovun in der Nähe von Momjan gelegen. Die Malvasia Santa Lucia ist ihr Aushängeschild, der Verkostungsraum modern und stilvoll. Reservierung empfohlen, besonders im Sommer.
Roxanich in Motovun selbst produziert Naturweine und Orange-Weine, die polarisieren – manche finden sie genial, andere gewöhnungsbedürftig. Wer offen für Neues ist, sollte eine Verkostung buchen. Die Weine sind ungefiltert, ohne Zusatzstoffe, und schmecken wie kein Wein, den du vorher hattest.
Kabola liegt zwischen Momjan und Buje und verbindet Weinverkostung mit einem Panoramablick über die Hügel, der allein den Besuch wert ist. Die Familie führt das Gut in dritter Generation, und neben Malvasia produzieren sie einen exzellenten Muskat.
Eine 68-km-Tour durch die istrischen Weinberge führt von Poreč über Motovun bis Buje – durch genau die Landschaft, in der die Trüffel wachsen. Die Route verbindet mehrere Weingüter und Hügeldörfer und lässt sich gut mit Verkostungsstopps kombinieren, wenn man die Steigungen nicht scheut.
Wandern um Motovun
Die Hügel rund um Motovun laden zum Wandern ein, und die Wege sind gut markiert, auch wenn sie selten überlaufen sind. Die Landschaft wechselt zwischen Weinbergen, Olivenhainen und den dichten Eichenwäldern des Mirna-Tals.
Parenzana-Trail
Die ehemalige Schmalspurbahn Parenzana verband von 1902 bis 1935 Triest mit Poreč – heute ist die Trasse ein beliebter Rad- und Wanderweg. Der Abschnitt bei Motovun führt durch Tunnel und über Viadukte, mit ständigem Blick auf die Hügellandschaft. Die Tunnel sind unbeleuchtet (Taschenlampe mitnehmen), die Viadukte manchmal schwindelerregend, und die Stille auf der alten Trasse hat etwas Meditatives. Von Motovun aus kannst du Richtung Livade gehen (leicht, 5 km) oder bis Vižinada (mittelschwer, 12 km).
Rundweg nach Oprtalj
Das Nachbardorf liegt 8 km entfernt auf einem eigenen Hügel. Der Wanderweg verbindet beide Orte durch Weinberge und Olivenhaine. Oprtalj ist weniger touristisch, aber genauso malerisch – und die Konobas dort kochen ebenso gut. Rechne mit 2,5 bis 3 Stunden für den Hin- und Rückweg, plus Zeit für eine Pause in Oprtalj.
Praktische Tipps
Anreise
- Auto: Von Poreč 30 Min, von Pula 50 Min, von Ljubljana 1,5 Std, von Zagreb 3 Std
- Parken: Am Fuß des Hügels (kostenpflichtig, ca. 3 Euro/Stunde im Sommer), im Ort nur für Anwohner und Hotelgäste
- Ohne Auto: Bus ab Poreč, aber unregelmäßig und umständlich – Mietwagen dringend empfohlen, zumal du für die Weingüter und Nachbardörfer ohnehin ein Auto brauchst
Beste Reisezeit
Oktober und November: Die absolute Hochsaison für Trüffel. Der weiße Trüffel hat Saison, die Restaurants servieren ihre besten Menüs, die Wälder riechen nach feuchter Erde und Laub. Reservierung in den Restaurants ist Pflicht, Unterkünfte solltest du Wochen im Voraus buchen.
Frühling (April/Mai): Grüne Weinberge, Wildblumen auf den Wiesen, angenehme Temperaturen zum Wandern. Weniger Touristen, niedrigere Preise. Der schwarze Sommertrüffel beginnt im Mai.
Juli: Filmfestival. Heiß, voll, aber eine einzigartige Atmosphäre. Unterkünfte Monate im Voraus buchen.
September: Subotina in Buzet, angenehme Temperaturen, der Beginn der Trüffelsaison. Für viele die ideale Reisezeit.
Übernachten
In Motovun selbst gibt es nur wenige Unterkünfte:
- Hotel Kaštel: Das einzige Hotel im Ort, in einem renovierten Stadtpalast. Charmant, gute Lage, aber teuer (ab 150 Euro/Nacht im Sommer). Die Terrasse mit Talblick ist der beste Frühstücksplatz Istriens.
- Ferienwohnungen: Mehrere in der Altstadt, über Booking.com buchbar. Früh reservieren, das Angebot ist begrenzt.
Günstiger: Unterkünfte im Tal (Livade, Karojba) oder in den Nachbarorten (Oprtalj, Vižinada). Motovun als Tagesausflug von Poreč oder Rovinj funktioniert ebenfalls gut – 30 bis 45 Minuten Fahrt.
Ist Motovun zu touristisch?
Ja und nein. Der Ort ist bekannt, die Reisebusse kommen regelmäßig, die Preise sind entsprechend. Aber der Rummel konzentriert sich auf den Hauptplatz und die drei, vier bekanntesten Restaurants. Wer früh morgens oder abends kommt, die Stadtmauer erkundet und in den Seitengassen verschwindet, findet immer noch das stille Motovun. Wer es noch ruhiger will, fährt nach Oprtalj, Grožnjan oder Buzet – gleiche Landschaft, gleiche Trüffel, ein Bruchteil der Besucher. Und die Aussicht von der Stadtmauer, die bleibt unbezahlbar, egal wie viele Touristen daneben stehen.