Korčula: Marco Polos Insel zwischen Wein, Wald und mittelalterlichen Mauern 2026
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- 07 Mar, 2026
Inhalt
Korčula ist die Insel, die alles hat, was Dubrovnik hat – nur ohne die Kreuzfahrtschiffe. Eine mittelalterliche Altstadt auf einer Halbinsel. Stadtmauern, die ins Meer fallen. Steinhäuser, die seit 500 Jahren stehen. Dazu etwas, das Dubrovnik fehlt: dichte Pinienwälder, versteckte Buchten und die besten Weißweine Dalmatiens.
Die Griechen nannten sie “Korkyra Melaina” – die Schwarze Korkyra – wegen der dunklen Wälder, die die Insel bedecken. Heute ist Korčula eines der grünsten Eilande der Adria: 60% Wald, der Rest Weinberge, Olivenhaine und Lavendel. 47 Kilometer lang, an manchen Stellen nur 6 Kilometer breit, und doch so vielfältig, dass eine Woche kaum reicht.
Und dann ist da Marco Polo. Die Venezianer behaupten, er sei in Venedig geboren. Die Korčulaner wissen es besser.

Korčula Stadt – Urbanistik aus dem Mittelalter
Die Altstadt von Korčula sitzt auf einer schmalen Halbinsel, die wie ein Finger ins Meer zeigt. Von oben betrachtet erkennt man sofort, was diesen Ort von jeder anderen dalmatinischen Stadt unterscheidet: das Straßenmuster. Die Hauptstraße verläuft als Rückgrat durch die Mitte der Halbinsel, von ihr zweigen die Seitengassen in einem exakten Fischgrätenmuster ab – auf der Westseite leicht nach Süden geneigt, auf der Ostseite leicht nach Norden. Das ist kein Zufall. Die mittelalterlichen Stadtplaner haben das Muster so angelegt, dass im Sommer die kühle Brise vom Meer durch jede Gasse strömt, während im Winter die brutale Bora, der eisige Nordostwind, an den schräg gestellten Häuserreihen abprallt und sich in keiner Straße verfangen kann. Stadtplanung als Windmaschine, 600 Jahre vor der Klimaanlage.
Die Venezianer haben hier vier Jahrhunderte lang regiert, und die Altstadt trägt ihre Handschrift an jeder Fassade. Über dem Haupttor, dem Kopnena Vrata aus dem 14. Jahrhundert, thront der Revelin-Turm – einst Teil der Verteidigungsanlage, heute Aussichtspunkt. Die Stadtmauern sind teilweise noch begehbar, und von den erhaltenen Türmen aus sieht man über die Pelješac-Halbinsel bis zum Festland. Anders als in Dubrovnik kostet der Spaziergang auf der Mauer hier nichts, und man teilt ihn höchstens mit einer Handvoll anderer Besucher.
Im Herzen der Altstadt steht der Markusdom (Katedrala Sv. Marka), eine gotisch-romanische Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert. Über dem Hauptportal zeigt ein Relief den geflügelten Löwen des Heiligen Markus – Venedigs Wappentier, hier 900 Kilometer von der Lagune entfernt in Stein gemeißelt. Das Innere birgt ein Altarbild von Jacopo Tintoretto, eines der wenigen Werke des venezianischen Meisters außerhalb Italiens. Weltklasse-Kunst in einer Kleinstadt mit 3.000 Einwohnern – das muss man erst mal sacken lassen. Neben der Kathedrale steht der Abt-Palast, heute ein Stadtmuseum mit Sammlungen zur Seefahrtsgeschichte der Insel.
Marco Polos Geburtshaus
War Marco Polo Korčulaner? Die historische Beweislage ist dünn – aber das hat die Einwohner nie gestört. Das angebliche Geburtshaus, ein mittelalterlicher Turm nahe der Kathedrale, wurde in den letzten Jahren aufwendig zum Museum umgebaut. Die Ausstellung selbst ist eher bescheiden: einige Karten, Nachbildungen, Informationstafeln zur Seidenstraße. Aber der Aufstieg auf den Turm lohnt sich unbedingt – von oben überblickt man die gesamte Altstadt, die Dächer aus altem Stein, den Kanal nach Pelješac und die vorgelagerten Inseln. Eintritt um die 7 Euro.
Der historische Hintergrund: 1298 fand vor der Küste Korčulas eine der größten Seeschlachten des Mittelalters statt. Die venezianische Flotte traf auf die Genuesen – und verlor. Tausende Gefangene wurden nach Genua gebracht, und einer von ihnen diktierte dort einem Mitgefangenen namens Rustichello da Pisa seine Reiseberichte. Dieser Gefangene war Marco Polo. Ob er auf Korčula geboren wurde, als Mitglied einer dort ansässigen venezianischen Handelsfamilie namens De Polo, oder ob er doch Venezianer war – darüber streiten Historiker seit Jahrhunderten. Für die Korčulaner ist die Sache klar. Und für einen unterhaltsamen Besuch reicht die Legende allemal.
Moreška – Europas ältester Schwerttanz
Wer im Sommer auf Korčula ist, darf die Moreška nicht verpassen. Dieser Schwerttanz gehört zu den ältesten noch aufgeführten theatralischen Traditionen Europas – die ersten schriftlichen Belege auf Korčula stammen aus dem 16. Jahrhundert, aber die Wurzeln des Tanzes reichen vermutlich noch weiter zurück. Ursprünglich war die Moreška im gesamten Mittelmeerraum verbreitet, von Spanien bis zur Levante. Heute ist Korčula einer der letzten Orte, an denen sie noch lebt.
Die Handlung folgt einem rituellen Muster: Zwei Könige – der “Weiße König” (Bula) und der “Schwarze König” (Moro) – kämpfen um eine entführte Prinzessin. Sieben Tänze werden aufgeführt, mit echten Schwertern, die laut aufeinander schlagen. Die Choreografie ist streng überliefert, jede Bewegung codiert, jeder Schwertschlag präzise gesetzt. Begleitet wird das Ganze von einer Blaskapelle, Trommeln und dem Geruch von Fackeln vor der Kulisse der mittelalterlichen Stadtmauern. Die Darsteller sind keine Profis, sondern Einheimische – Fischer, Handwerker, Lehrer –, die monatelang proben. Das spürt man: Die Aufführung hat eine Intensität, die kein touristisches Folkloreprogramm erreicht.
Von Mitte Juni bis September findet die Moreška in der Regel jeden Donnerstagabend statt, direkt vor dem Kopnena Vrata, dem Landtor der Altstadt. Beginn ist meist um 21 Uhr, wenn die Hitze nachlässt und das Abendlicht die Steinmauern in warmes Gold taucht. Tickets kosten zwischen 15 und 25 Euro und sind bei den Touristeninformationen in der Altstadt sowie online erhältlich. In der Hochsaison im Juli und August kann es sinnvoll sein, vorab zu kaufen – die Aufführung zieht auch Tagesausflügler von den Nachbarinseln an. Neben der Moreška gibt es in den Dörfern Pupnat, Blato und Čara auch die weniger bekannten Schwerttänze Kumpanija und Moštra, die zu den jeweiligen Patronatsfesten aufgeführt werden – noch authentischer, weil nicht für Touristen organisiert.

Die Weine Korčulas – Grk und Pošip
Korčula gehört zu den bedeutendsten Weininseln Kroatiens, und das liegt nicht an der Menge, sondern an zwei Rebsorten, die es nirgendwo sonst gibt. Wer hier Wein trinkt, trinkt etwas, das man in keinem Supermarkt der Welt kaufen kann – zumindest nicht in dieser Frische und Qualität.
Pošip aus Čara und Smokvica
Pošip ist der bekanntere der beiden. Die Trauben wachsen im geschützten Inselinneren, vor allem in den Tälern um die Dörfer Čara und Smokvica. 1967 wurde Pošip als erste kroatische Rebsorte mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung ausgezeichnet – lange bevor kroatischer Wein international Aufmerksamkeit bekam. Im Glas zeigt sich ein trockener, vollmundiger Weißwein mit Aromen von reifen Zitrusfrüchten, gerösteten Mandeln und einem Hauch mediterraner Kräuter. Guter Pošip hat Tiefe und Struktur, er ist kein leichter Sommerwein zum Nebenbeitrinken, sondern ein Wein, der zum Innehalten einlädt. Besonders eindrucksvoll sind Jahrgänge mit etwas Fasslagerung, bei denen sich honigähnliche Noten entwickeln, ohne dass der Wein seine Frische verliert.
Grk – die empfindlichste Rebe Dalmatiens
Grk ist das eigentliche Wunder Korčulas. Diese Rebsorte wächst ausschließlich in den sandigen Böden rund um Lumbarda, dem kleinen Ort an der Ostspitze der Insel. Der Grund für die geografische Beschränkung liegt in der Biologie: Grk ist eine rein weibliche Rebsorte, deren Blüten sich nicht selbst bestäuben können. Die Reben brauchen fremden Pollen von benachbarten Sorten – weshalb in den Grk-Weinbergen immer auch andere Trauben stehen. Diese biologische Eigenart macht den Anbau unberechenbar: Manche Jahre bringen reiche Ernte, andere fast nichts. Maschinelle Lese kommt nicht in Frage, weil die Trauben extrem empfindlich sind. Jede Beere wird von Hand geerntet. Das Ergebnis ist ein komplexer, mineralischer Weißwein mit einer salzigen Note, die vom nahen Meer zu kommen scheint – obwohl das natürlich der sandige Boden ist, der dem Wein seinen eigenständigen Charakter verleiht.

Weingüter, die man besuchen sollte
Bire (Lumbarda) – Familienweingut in dritter Generation, das sich ganz dem Grk verschrieben hat. Die Verkostung findet in einem alten Steinhaus zwischen den Reben statt, direkt neben dem Keller. Matko Bire erklärt geduldig die Eigenheiten seiner Sorte, und wenn er eine gute Flasche öffnet, merkt man, warum diese Traube so besonders ist. Persönlich, authentisch, kein Hochglanz – genau richtig.
Toreta (Smokvica) – Größeres Weingut mit moderner Kellerei und einer breiten Pošip-Auswahl, dazu auch Rotweine. Die Terrasse überblickt das Tal von Smokvica, und die Verkostungen sind gut organisiert, mit Erklärungen auch auf Deutsch. Ideal als Einstieg in die Weinwelt der Insel.
Zure (Lumbarda) – Boutique-Weingut mit biodynamischem Ansatz. Kleine Produktion, große Qualität. Für Weinenthusiasten, die das Besondere suchen und bereit sind, für eine Flasche Grk auch mal 30 Euro zu zahlen.
Wer im September zur Weinlese kommt, erlebt die Insel von ihrer stimmungsvollsten Seite. Die Weingüter öffnen dann ihre Türen, in den Dörfern wird gefeiert, und frisch gepresster Traubensaft fließt, bevor er überhaupt Wein werden kann.
Strände – von Sand bis Felsbucht
Korčulas Küstenlinie ist zerklüftet und abwechslungsreich, mit Dutzenden Buchten, die sich unter Pinien und Macchia verstecken. Die meisten sind Kies- oder Felsstrände, aber es gibt eine bemerkenswerte Ausnahme.

Pupnatska Luka
An der Südküste, unterhalb des Dorfes Pupnat, liegt die vielleicht schönste Bucht der Insel. Pupnatska Luka ist ein tiefer Einschnitt in die Felsküste, gesäumt von steilen, bewaldeten Hängen. Der Strand selbst besteht aus weißem Kies, das Wasser ist so klar, dass man vom Ufer aus die Fische über dem Grund sehen kann. Ein Restaurant direkt am Wasser serviert gegrillten Fisch, der morgens noch im Meer war – die Konoba Mate, dazu später mehr. Die Anfahrt von Korčula Stadt (etwa 10 km) führt durch Weinberge und Olivenhaine, die Straße wird zum Schluss eng und steil, und genau dieser Weg ist Teil des Erlebnisses. Wer keinen Mietwagen hat, kann ein Taxi nehmen oder den sporadischen Linienbus nutzen, aber die Busverbindung ist unzuverlässig.
Vela Pržina
Der einzige echte Sandstrand der Insel liegt bei Lumbarda, 6 km östlich von Korčula Stadt. Vela Pržina ist eine breite, nach Süden offene Bucht mit feinem, hellem Sand und flachem Wasser, das sich im Sommer auf fast badewannenähnliche Temperaturen erwärmt. Für Familien mit kleinen Kindern gibt es auf der ganzen Insel nichts Besseres. Im Juli und August wird es voll, aber der Strand ist groß genug, dass man immer einen Platz findet. Dahinter liegen die Weinberge der Grk-Winzer – man kann morgens baden und nachmittags bei Bire oder Zure Wein verkosten, alles zu Fuß.
Bačva
Wer es ruhiger mag, fährt an Vela Pržina vorbei weiter nach Osten. Die Bucht von Bačva ist kleiner, weniger besucht und liegt geschützt zwischen Felsen und Macchia. Kiesstrand, kristallklares Wasser, keine Infrastruktur außer dem Schatten der Pinien. Genau richtig für alle, die ihre Ruhe wollen und das Handtuch als einzige Ausrüstung mitbringen.
Žitna
An der Nordküste, zwischen Korčula Stadt und Lumbarda, versteckt sich Žitna – ein Kiesstrand mit Blick auf den Pelješac-Kanal und die Berge der gegenüberliegenden Halbinsel. Weniger spektakulär als Pupnatska Luka, aber durch die Nordlage oft windgeschützt, wenn an der Südküste die Wellen hochgehen. Ein paar Liegestühle und ein kleines Café gibt es, sonst nichts. Perfekt für einen halben Tag zwischendurch.
Proizd
Die kleine Insel Proizd vor Vela Luka verdient eine eigene Erwähnung: unberührte Felsküste, glasklares Wasser zum Schnorcheln, keine Bebauung außer einer Strandbar in der Hochsaison. Taxiboote fahren im Sommer stündlich von Vela Luka (ca. 5 Euro hin und zurück). Auf der Insel gibt es auch ausgewiesene FKK-Bereiche. Weitere FKK-Buchten findet man bei Lumbarda (Bilin Žal) und an verschiedenen abgelegenen Stellen entlang der Südküste.
Essen auf Korčula – von Konoba bis Fine Dining
Die Küche Korčulas ist dalmatinisch im besten Sinne: Fisch aus dem Meer vor der Tür, Olivenöl aus dem Hain nebenan, Wein vom Winzer um die Ecke. Dazu kommen Spezialitäten, die es nur hier gibt.
LD Restaurant
Das LD im Lešić Dimitri Palace ist das beste Restaurant der Insel und eines der besten in ganz Dalmatien. Die Küche interpretiert lokale Zutaten modern, ohne sie zu verbiegen: Tintenfisch mit Grk-Risotto, Lamm aus dem Hinterland mit wildem Spargel, Desserts mit Feigen und Johannisbrotbaum. Das Ambiente – ein restaurierter mittelalterlicher Bischofspalast mit offenem Innenhof – passt zum Anspruch. Reservierung ist Pflicht, besonders im Juli und August. Hauptgerichte ab etwa 25 Euro, ein Menü mit Weinbegleitung kostet deutlich mehr, ist aber jeden Cent wert.
Konoba Mate
Am Strand von Pupnatska Luka steht die Konoba Mate, und hier kommt man nicht wegen des Ambientes (Plastikstühle, Wellblechdach), sondern wegen des Fisches. Was morgens im Netz war, liegt mittags auf dem Grill. Orada, Zubatac, Hobotnica – der Wirt zeigt, was er hat, man wählt, er grillt. Dazu Brot, Mangold, Olivenöl und ein Glas Pošip. Rechnung für zwei Personen mit Wein: um die 50 Euro. Einfach und perfekt.
Filippi
In einer engen Gasse der Altstadt versteckt sich Filippi, ein Restaurant, das seit Jahren konstant gute dalmatinische Küche liefert. Die Spezialität ist Peka – Fleisch oder Oktopus, stundenlang unter einer Eisenglocke mit Glut geschmort, bis alles zart und aromatisch ist. Peka muss allerdings einige Stunden vorher bestellt werden. Die Weinkarte zeigt fast nur Korčula-Weine, was bei dieser Qualität kein Nachteil ist. Sitzplätze im Innenhof zwischen alten Steinmauern.
Massimo
Die Massimo Bar ist eigentlich eine Cocktailbar, aber was für eine. Sie befindet sich in einem der Verteidigungstürme der Stadtmauer, ganz oben, erreichbar über eine steile Leiter. Die Drinks und Snacks werden nicht die Leiter hochgetragen, sondern per Flaschenzug nach oben gehievt – ein Spektakel für sich. Kitschig? Absolut. Aber wenn man dort oben sitzt, mit einem Cocktail in der Hand, und die Sonne hinter Pelješac im Meer versinkt, ist der Kitsch genau richtig. Kein Essen im eigentlichen Sinne, aber Bruschetta und kleine Teller gibt es. Früh kommen, Plätze sind begrenzt.
Lokale Spezialitäten
Was man auf Korčula unbedingt probieren sollte: Žrnovski Makaruni – eine handgemachte Pasta aus dem Dorf Žrnovo, traditionell mit einer kräftigen Rindfleisch- und Gewürzsauce serviert. Die Nudeln werden über dünne Holzstäbchen gerollt, jede einzeln, ein Prozess, der Geduld erfordert. In den Konobas von Žrnovo bekommt man sie am authentischsten. Außerdem: Korčulanske Kroštule, ein frittiertes Teiggebäck, das zu Festen und Feiertagen auf den Tisch kommt, und natürlich Fisch in allen Varianten – von der ganzen gegrillten Orada bis zum Oktopus-Salat.
Vela Luka – die vergessene Seite der Insel
Während Korčula Stadt die Postkarten dominiert, liegt am anderen Ende der Insel ein Ort, den die meisten Touristen nur vom Fährterminal kennen: Vela Luka. Das ist schade, denn die größte Siedlung Korčulas hat einen eigenen Charakter, der nichts mit der mittelalterlichen Pracht des Ostens zu tun hat. Hier ist Dalmatien noch ungeschminkt: ein lang gestreckter Naturhafen, Fischerboote neben den Fähren, Cafés entlang der Uferpromenade, in denen die Einheimischen stundenlang sitzen und Karten spielen. Restaurants haben keine englischen Speisekarten, weil sie sie nicht brauchen.
Vela Špilja
Oberhalb der Stadt, in den Hügeln über dem Hafen, liegt die Vela Špilja (Große Höhle) – eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Kroatiens. Menschen haben diese Höhle seit mindestens 20.000 Jahren genutzt. Bei Ausgrabungen kamen Werkzeuge aus der Altsteinzeit, Keramik aus dem Neolithikum und Bronzeschmuck zum Vorschein. Das eindrucksvollste Fundstück ist eine Tonfigur, die auf etwa 16.000 v. Chr. datiert wird und als eine der ältesten keramischen Arbeiten der Welt gilt. Die Höhle selbst ist groß, schattig und bietet von ihrem Eingang aus einen weiten Blick über die Bucht von Vela Luka und die vorgelagerten Inseln. Führungen werden im Sommer regelmäßig angeboten, der Aufstieg vom Zentrum dauert etwa 20 Minuten.
Olivenöl aus Vela Luka
Die Gegend um Vela Luka ist neben dem Weinbau vor allem für ihr Olivenöl bekannt. Die alten, knorrigen Olivenbäume stehen seit Jahrhunderten auf den Terrassen über der Bucht, und einige der kleinen Produzenten pressen noch nach traditionellen Methoden. Wer in Vela Luka nach “domaće maslinovo ulje” (hausgemachtes Olivenöl) fragt, bekommt oft eine private Verkostung angeboten – im Garten, mit Brot und einer Geschichte dazu. Auch die Genossenschaft im Ort verkauft lokal produziertes Öl zu fairen Preisen.
Aktivitäten auf der Insel
Seekajak entlang der Küste
Die zerklüftete Küstenlinie Korčulas, mit ihren Dutzenden kleiner Buchten, Höhlen und vorgelagerten Inseln, ist wie geschaffen für Seekajak. Mehrere Anbieter in Korčula Stadt organisieren Halbtages- und Tagestouren: morgens durch die stillen Buchten der Südküste paddeln, mittags in einer Bucht ankern und schwimmen, nachmittags zurück. Auch Mehrtagestouren mit Übernachtung in Lumbarda oder Vela Luka sind möglich.
Radfahren
Korčula hat weniger Autoverkehr als die Küste, dafür Hügel, die sich gewaschen haben. Die Insel ist 47 km lang und durchzogen von kleinen Straßen zwischen Weinbergen und Olivenhainen – perfekt für alle, die Steigungen nicht scheuen. Von Korčula Stadt nach Vela Luka quer über die Insel ist eine anspruchsvolle Tagestour, bei der man durch die Weinbaudörfer Čara, Smokvica und Blato kommt und immer wieder Panoramablicke über beide Küsten genießt.
Wer die Fähre nach Orebić nimmt, kann den Radius erweitern: Die Zwischen Mauern und Salz Route auf der Pelješac-Halbinsel führt 33 km entlang der berühmten Stadtmauern von Ston und durch die Weinberge von Dingač – ein perfekter Tagesausflug, der Korčula mit dem dalmatinischen Festland verbindet.
Tauchen und Schnorcheln
Die Unterwasserwelt um Korčula ist abwechslungsreich: Steilwände voller Gorgonien, Höhlen mit Lichteffekten, und mehrere Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Tauchbasen in Korčula Stadt und Lumbarda bieten Kurse für Anfänger und geführte Tauchgänge für erfahrene Taucher. Zum Schnorcheln braucht man keinen Anbieter – die Felsküsten rund um die Insel, besonders bei Proizd und an der Südküste, bieten klare Sicht und reiche Unterwasserlandschaften direkt vom Ufer aus.
Wandern
Die bewaldete Insel hat mehrere markierte Wanderwege. Der Aufstieg zum Klupe (568 m, höchster Punkt) dauert etwa 3 Stunden und belohnt mit einem Panorama über die gesamte Insel, das Pelješac-Archipel und bei klarer Sicht bis nach Lastovo und Mljet. Weniger anstrengend ist der Küstenpfad westlich von Korčula Stadt, der durch Pinienwälder zu einsamen Buchten führt – gut geeignet für einen halben Tag mit Badestopp.
Praktische Tipps für 2026
Anreise nach Korčula
Die Insel ist von mehreren Seiten erreichbar, und die Wahl des Weges hängt davon ab, woher man kommt und wie viel Zeit man hat.
Von Split: Jadrolinija fährt mit der Autofähre von Split nach Vela Luka, Fahrzeit rund 2,5 Stunden. In der Hauptsaison gibt es mindestens zwei Verbindungen pro Tag. Wer nach Korčula Stadt will, nimmt den Katamaran von Kapetan Luka oder Jadrolinija, der über Hvar fährt – schneller, aber ohne Auto. Tickets für die Autofähre kosten um die 10 Euro pro Person plus 40-50 Euro fürs Auto, beim Katamaran 12-15 Euro pro Person.
Von Dubrovnik: Der Katamaran Dubrovnik–Korčula Stadt fährt in der Saison täglich, Fahrzeit etwa 2 Stunden mit Stopp in Mljet. Außerhalb der Saison (Oktober bis Mai) verkehren die Katamarane seltener oder gar nicht – unbedingt vorab den Fahrplan prüfen.
Von Orebić (Pelješac): Die kürzeste Verbindung: Die Fähre von Orebić nach Dominče, direkt bei Korčula Stadt, braucht nur 15 Minuten. In der Hochsaison fährt sie alle 30-60 Minuten, aber Wartezeiten für Autos sind möglich, besonders an Wochenenden. Ohne Auto ist man problemlos an Bord. Seit der Eröffnung der Pelješac-Brücke 2022 ist die Anfahrt über die Halbinsel deutlich einfacher – der Umweg über die bosnische Grenze bei Neum entfällt.
Auf der Insel unterwegs
Korčula ist 47 km lang. Ohne eigenes Fahrzeug ist man auf den Busverkehr angewiesen, der begrenzt ist: einige Verbindungen pro Tag zwischen Korčula Stadt, Lumbarda, Čara, Blato und Vela Luka, aber keine spontanen Ausflüge am Abend. Mietwagen gibt es ab ca. 40 Euro pro Tag, Roller sind günstiger und auf den schmalen Inselstraßen oft praktischer. In Korčula Stadt selbst braucht man kein Fahrzeug – die Altstadt ist autofrei und winzig, alles ist zu Fuß erreichbar. Für Strandbesuche und Weintouren im Inselinneren lohnt sich aber ein Mietwagen oder zumindest ein Roller.
Wo übernachten
Lešić Dimitri Palace (Korčula Stadt) – Das einzige Luxushotel der Insel, untergebracht in einem restaurierten Bischofspalast direkt in der Altstadt. Fünf individuell gestaltete Residenzen, jede mit eigener Küche und Terrasse. Dazu das LD Restaurant und ein kleiner Spa. Nicht billig, aber auf diesem Niveau gibt es in der dalmatinischen Inselwelt kaum Vergleichbares.
Apartments in Korčula Stadt – Die Mehrheit der Besucher bucht Ferienwohnungen, und das Angebot ist groß. In der Altstadt selbst sind die Wohnungen kleiner und atmosphärischer, in den neueren Vierteln um den Hafen größer und günstiger. Auf Booking.com und Airbnb findet man ab etwa 60 Euro pro Nacht für zwei Personen etwas Ordentliches.
Lumbarda für Strandnähe – Wer morgens aufstehen und in drei Minuten am Sand von Vela Pržina liegen will, quartiert sich in Lumbarda ein. Der Ort ist ruhiger als Korčula Stadt, dafür abends weniger los. Mehrere Pensionen und Apartments zwischen den Weinbergen.
Agrotourismus – Einige Weingüter und Olivenhöfe bieten Zimmer an. Ideal für Weinliebhaber, die abends bei einer Flasche Grk zwischen den Reben sitzen wollen, ohne noch fahren zu müssen.
Beste Reisezeit
Juni und September sind die idealen Monate: Temperaturen um die 25-30 Grad, lange Tage, warmes Meer, und deutlich weniger Besucher als im Hochsommer. Juli und August bringen Hochsaison mit vollen Hotels und höheren Preisen, aber auch die Moreška-Aufführungen und das volle Restaurantangebot. Mai und Oktober sind ruhig und günstig, allerdings schließen einige Konobas und Strandbars. Wer zur Weinlese im September kommt, erlebt die Insel in ihrer stimmungsvollsten Phase – die Weingüter öffnen ihre Türen, in Smokvica und Čara wird gefeiert, und die Luft riecht nach frisch gepressten Trauben.
Korčula oder eine andere Insel?
Korčula vs. Hvar: Hvar ist lauter, jünger, mehr Party und Szene. Korčula ist ruhiger, kulturell dichter, weinorientiert. Für Familien und Paare, die etwas erleben wollen, ohne abends ins Bett zu gehen, weil die Clubs nerven: Korčula. Für Nachtleben: Hvar.
Korčula vs. Brač: Brač hat den berühmten Strand Zlatni Rat und ist von Split aus schnell erreichbar, ist aber touristisch homogener. Korčula bietet mehr Charakter, mehr Vielfalt und besseren Wein.
Korčula vs. Vis: Vis ist noch unberührter und wilder, aber schwerer zu erreichen und in der Infrastruktur eingeschränkter. Korčula ist der Kompromiss: authentisch genug, um sich wie eine Entdeckung anzufühlen, komfortabel genug, um eine Woche zu bleiben, ohne etwas zu vermissen.
Eine Woche auf Korčula
Wer eine Woche hat, verteilt sie am besten so: zwei Tage Korčula Stadt, mit Altstadt, Kathedrale, Marco-Polo-Turm und Moreška am Donnerstagabend. Ein Tag Lumbarda mit Strandtag an der Vela Pržina und Weinverkostung bei Bire oder Zure. Ein Tag Pupnatska Luka mit Mittagessen bei Konoba Mate. Ein Tag Vela Luka mit Vela Špilja und Bootsausflug nach Proizd. Und ein Tag Pelješac-Ausflug: Fähre nach Orebić, Ston besichtigen, Dingač-Wein probieren, abends zurück.
Wer weniger Zeit hat, sollte mindestens drei Nächte bleiben – alles andere ist Durchhetzen. Und wer Korčula einmal gesehen hat, kommt meistens wieder.
Marco Polo hatte recht, hier geboren zu werden. Ob er es wirklich war, ist am Ende egal.
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