Čiovo: Die Insel, die keine sein muss – Dalmatiens bestgehütetes Geheimnis (2026)
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Eine Brücke. Mehr braucht es nicht, um von der UNESCO-Altstadt Trogir auf eine Insel zu gelangen, die sich anfühlt wie eine andere Welt. Čiovo liegt so nah am Festland, dass manche Besucher gar nicht merken, dass sie eine Insel betreten haben. Kein Fährterminal, kein Wellenschlag unter dem Bug eines Katamarans – einfach ein paar Schritte über eine kurze Brücke, und plötzlich stehst du zwischen Pinien, Feigenbäumen und Buchten, in denen das Wasser so klar ist, dass du die Seeigel am Grund zählen kannst.

Während Hvar, Brač und Korčula die großen Namen unter den dalmatinischen Inseln tragen, bleibt Čiovo unter dem Radar der meisten Reiseführer. Das ist erstaunlich, denn die Insel vereint fast alles, was Dalmatien ausmacht: Kiesstrände mit kristallklarem Wasser, verschlafene Dörfer mit Steinhäusern, dichte Kiefernwälder, die bis ans Meer reichen, und eine kulinarische Szene, die sich hinter keiner Nachbarinsel verstecken muss. Dazu kommt die Lage: Vom Flughafen Split sind es gerade einmal sechs Kilometer bis zur Brücke. Wer abends landet, kann eine halbe Stunde später mit den Füßen im Meer sitzen.
Wo Čiovo liegt und warum das alles verändert
Čiovo erstreckt sich als schmaler, länglicher Streifen parallel zur Küste, nur durch einen engen Kanal von Trogir getrennt. Die Insel ist knapp 15 Kilometer lang und an der breitesten Stelle keine vier Kilometer breit. An der Nordseite, direkt gegenüber von Trogirs Altstadt, verbindet eine kleine Klappbrücke die beiden Welten. Morgens um acht, wenn die Brücke für die Durchfahrt von Segelbooten hochgeklappt wird, staut sich der Verkehr manchmal bis zur Hauptstraße – für manche Einheimische der einzige Nachteil der Insellage.
Die Nähe zu Trogir ist Čiovos größter Trumpf und gleichzeitig der Grund, warum die Insel so lange übersehen wurde. Viele Besucher kommen nach Trogir für einen Halbtagesausflug, schlendern durch die Altstadt mit ihrer romanischen Kathedrale und fahren dann weiter nach Split. Dass auf der anderen Seite der Brücke eine ganze Insel mit Dutzenden Stränden und vier Dörfern wartet, entgeht den meisten.

Die Zahlen sprechen für sich: Čiovo hat etwa 6.000 ständige Einwohner, verteilt auf die Orte Okrug Gornji, Okrug Donji, Slatine und Arbanija. Im Hochsommer kommen Tausende Urlauber hinzu, doch die verteilen sich auf die zahlreichen Buchten und Strände, sodass es selten wirklich voll wird. Verglichen mit Bol auf Brač oder Hvar Stadt, wo sich im Juli die Menschenmassen durch enge Gassen drücken, wirkt Čiovo fast meditativ.
Die Strände: Vom Partystrand bis zur einsamen Bucht
Was Čiovo von den meisten dalmatinischen Inseln unterscheidet: Du brauchst kein Boot, um die besten Strände zu erreichen. Fast alle sind mit dem Auto oder Roller erreichbar, viele sogar zu Fuß über gut markierte Küstenwege. Die Bandbreite reicht von belebten Stränden mit Liegen und Bars bis zu versteckten Felsbuchten, die du dir mit ein paar Seeigeln und einer Möwe teilst.
Okrug Gornji – Copacabana
Der bekannteste Strand der Insel hat seinen Spitznamen nicht umsonst. Copacabana in Okrug Gornji ist ein langer, flach abfallender Kieselstrand an der Südseite der Insel, mit Blick auf die offene Adria und die Inseln Šolta und Brač am Horizont. Der Strand ist gut erschlossen: Sonnenschirme und Liegen kosten etwa 25–30 Euro pro Paar am Tag, dahinter reihen sich Strandbars und Restaurants aneinander.

Was Copacabana besonders macht, ist die Kombination aus Infrastruktur und Wasserqualität. Das Meer ist hier ungewöhnlich klar für einen so gut besuchten Strand, der Einstieg flach genug für kleine Kinder, und die Bora – der kalte Nordwind – wird durch den Hügelrücken der Insel abgeblockt. Familien lieben diesen Strand, aber auch Paare, die abends bei Cocktails den Sonnenuntergang hinter Šolta beobachten wollen. Am Wochenende im Juli und August wird es eng, dann lohnt es sich, vor zehn Uhr morgens da zu sein.
Ein Tipp, den wenige kennen: Wer vom östlichen Ende des Copacabana-Strands etwa zehn Minuten am Küstenweg entlanggeht, findet mehrere kleine Felsbuchten, die selbst im Hochsommer kaum besucht sind. Hier gibt es keine Liegen und keine Bars – nur Felsen, Pinien und das Meer.
Mavarstica – Für Ruhesuchende
An der Südwestspitze der Insel, zwischen Okrug Gornji und dem offenen Meer, liegt Mavarstica. Der Zugang führt über einen unbefestigten Waldweg, der im Sommer staubig und im Frühjahr nach Kiefernharz duftet. Am Ende des Wegs öffnet sich eine Bucht, die aussieht, als hätte jemand sie aus einem Reisemagazin ausgeschnitten: weißer Kies, türkises Wasser, dahinter dunkle Pinien.
Mavarstica hat keine Infrastruktur – kein Restaurant, keine Liegen, nicht einmal einen Mülleimer. Wer hierher kommt, bringt alles selbst mit und nimmt alles wieder mit. Das Wasser ist tief genug zum Schnorcheln, der Grund felsig mit Seegras, in dem sich Seebrassen und Meeräschen tummeln. Für Schnorchler ist diese Bucht einer der besten Spots auf Čiovo, weil die Unterwassersicht oft zehn Meter und mehr beträgt.
Saldun – Die geschützte Bucht

Saldun liegt an der Nordwestseite der Insel, geschützt vor dem Jugo (Südwind) und mit Blick auf den Kanal von Trogir. Die Bucht ist kleiner als Copacabana, aber dafür intimer. Einige Apartments und Ferienhäuser stehen direkt am Strand, was Saldun zu einem beliebten Ziel für Familien macht, die ihren Urlaub ruhig angehen lassen wollen. Der Kiesel ist fein, der Einstieg sanft, und nachmittags spendet eine Reihe alter Pinien natürlichen Schatten.
Am westlichen Ende der Bucht gibt es eine kleine Konoba, die fangfrischen Fisch vom Grill serviert – nichts Spektakuläres, aber ehrlich und gut. Wer dort am späten Nachmittag sitzt, mit einem Glas Pošip und gegrilltem Zackenbarsch vor sich, versteht, warum manche Leute seit zwanzig Jahren jeden Sommer hierherkommen und nirgendwo anders hinwollen.
Duga – Der lange Strand
Duga bedeutet auf Kroatisch schlicht „die Lange”, und der Name hält, was er verspricht. Dieser Strand zieht sich über mehrere hundert Meter an der Südseite der Insel entlang und bietet genug Platz, dass selbst im August Abstände zwischen den Handtüchern bleiben. Der Kies ist hier etwas gröber als an Copacabana, das Wasser aber genauso klar. Hinter dem Strand stehen alte Olivenbäume, deren Schatten in den Nachmittagsstunden bis ans Ufer reichen.
Duga ist auch ein guter Ausgangspunkt für Kajak-Ausflüge entlang der Südküste. Mehrere Verleiher in Okrug Gornji bieten Seekajaks stundenweise an, und die Küstenlinie südlich von Duga ist gespickt mit kleinen Grotten und Felsnischen, die nur vom Wasser aus erreichbar sind.
Die Dörfer: Dalmatinische Langsamkeit
Čiovo hat keine Stadt, kein Zentrum im klassischen Sinn. Stattdessen gibt es vier Dörfer, die sich über die Insel verteilen und jeweils ihren eigenen Charakter haben. Keines davon wird dich mit monumentaler Architektur umhauen – dafür ist Trogir auf der anderen Seite der Brücke zuständig. Was die Dörfer bieten, ist etwas anderes: Alltag in Dalmatien, ungefiltert und ohne Museumsstempel.
Okrug Gornji und Okrug Donji
Die beiden Okrug-Orte bilden zusammen das touristische Herz der Insel. Okrug Gornji (das „Obere”) ist der größere der beiden, mit mehreren Supermärkten, Apotheke, Bankautomaten, Restaurants und einem lebhaften Hafengelände. Hier spielt sich das meiste ab, was auf Čiovo an Nachtleben durchgeht – ein paar Cocktailbars am Strand, ein Restaurant mit Live-Musik am Wochenende, gelegentlich ein DJ am Copacabana-Strand.

Okrug Donji liegt näher an der Brücke nach Trogir und ist deutlich ruhiger. Hier dominieren Steinhäuser, Gärten mit Zitrusbäumen und schmale Gassen, in denen Katzen die einzigen Passanten sind. Zwischen den Häusern blitzt immer wieder das Meer durch, und abends riecht es nach Jasmin und gegrilltem Fisch. Wer in Okrug Donji Urlaub macht, lebt den dalmatinischen Rhythmus: morgens schwimmen, mittags schlafen, abends essen, nachts Sterne gucken.
Slatine – Das Tor zu Split
Slatine liegt am östlichen Ende der Insel und hat etwas, das kein anderes Dorf auf Čiovo bietet: einen direkten Fähranschluss nach Split. Der kleine Hafen von Slatine ist Endstation für die Jadrolinija-Personenfähre, die mehrmals täglich in etwa 30 Minuten nach Split übersetzt. Das macht Slatine zum perfekten Standort für alle, die Čiovos Ruhe genießen, aber trotzdem schnell in der Großstadt sein wollen – ohne Auto, ohne Stau, ohne Parkplatzsuche.
Das Dorf selbst ist winzig: eine Handvoll Steinhäuser, eine Kirche, zwei Konobas und ein Minimarkt, der im Sommer überraschend gut sortiert ist. Der Strand von Slatine ist ein schmaler Kiesstreifen, der von Einheimischen genutzt wird – Touristen findet man hier selten, weil die meisten direkt auf die Fähre steigen oder von ihr kommen. Wer bleibt, hat einen der authentischsten Orte an der gesamten dalmatinischen Küste vor sich.
Arbanija – Geschichte unter Olivenbäumen
Arbanija sitzt an der Nordostseite der Insel, mit Blick über den Kanal auf Trogir, und hat eine Geschichte, die weiter zurückreicht als die meisten dalmatinischen Dörfer. Der Name verrät es: Hier siedelten sich im 15. Jahrhundert albanische Flüchtlinge an, die vor den Osmanen flohen. Ihre Nachkommen pflegen bis heute Olivenhaine, die zu den ältesten auf der Insel gehören.
In Arbanija steht auch das Kloster Sveti Križ (Heiliges Kreuz) aus dem 15. Jahrhundert, ein Dominikanerkloster mit einem kleinen Kreuzgang und Renaissancegemälden, die in keinem Kunstführer auftauchen, aber jeden Besuch wert sind. Die Kirche ist meistens geschlossen, aber wenn du den Schlüsselwächter im Dorf fragst – in der Regel ein älterer Herr, der in der Bar neben der Kirche sitzt – öffnet er dir gern die Tür. Ein Trinkgeld von fünf Euro ist üblich und wird mit einem breiten Lächeln quittiert.
Wandern und Natur: Die grüne Seite der Insel

Čiovo ist kein Wanderparadies im alpinen Sinn – der höchste Punkt der Insel, Hum, misst gerade einmal 218 Meter. Aber genau das macht die Wege hier so angenehm: keine Kletterpartien, keine Schwindelanfälle, dafür ständiger Meerblick und der Duft von Rosmarin, Salbei und Aleppo-Kiefern. Die Insel ist überraschend grün, besonders an der Nordseite, wo dichte Pinienwälder bis ans Ufer reichen und im Sommer Schatten spenden, wenn die Sonne alles andere verbrennt.
Der schönste Weg auf Čiovo führt entlang der Südküste von Okrug Gornji über den Hügelrücken bis nach Slatine. Die Strecke ist etwa acht Kilometer lang, größtenteils auf Schotterwegen und Pfaden, und bietet Aussichten, die an klaren Tagen bis zu den Inseln Vis und Lastovo reichen. Unterwegs passierst du verlassene Olivenhaine, eine verfallene Kapelle aus dem 17. Jahrhundert und mehrere Aussichtspunkte, an denen du unweigerlich stehen bleibst, um Fotos zu machen, obwohl du eigentlich dachtest, du hättest schon genug.
Für den Aufstieg zum Hum brauchst du etwa 45 Minuten ab Okrug Gornji. Der Weg ist nicht beschildert, aber leicht zu finden – einfach bergauf. Oben steht ein kleines Kreuz und ein paar Steinmauern, die von einer Telegrafenstation aus dem Zweiten Weltkrieg übrig sind. Die Aussicht umfasst Trogir, Split, die Inseln Brač und Šolta, die Bergkette des Mosor im Hinterland und – bei sehr klarer Sicht – die Umrisse Italiens am Horizont. Morgens, bevor die Mittagshitze einsetzt, ist der beste Zeitpunkt.
Ein Netzwerk von Feldwegen durchzieht das Innere der Insel und eignet sich hervorragend zum Radfahren. Die Wege sind unbefestigt, aber flach genug für normale Fahrräder, und die Strecken zwischen den Dörfern lassen sich gut zu einer Rundtour verbinden. Wer nach dem Inselrundblick vom Hum Lust auf mehr Küstenkilometer bekommt: Die Route „Hinter der Küste” führt auf 68 Kilometern von Split über die Küstenstraße und durch das Hinterland bis nach Brela – mit GPX-Track für die Navigation und Stopps an Stellen, die man ohne lokale Kenntnis nie finden würde.
Essen und Trinken: Fisch, Feigen und Inselwein
Die gastronomische Szene auf Čiovo ist übersichtlich, aber qualitativ besser als erwartet. Die meisten Restaurants konzentrieren sich in Okrug Gornji und entlang der Küste, dazwischen finden sich einige Konobas – traditionelle dalmatinische Gasthäuser – in den kleineren Orten.
Was auf jeder Speisekarte steht und was du bestellen solltest: Fisch vom Grill. Auf Čiovo bedeutet das in der Regel Zackenbarsch (grouper), Goldbrasse (orada) oder Wolfsbarsch (brancin), morgens gefangen und abends auf dem Grill. Der Fisch wird meistens im Ganzen serviert, mit Olivenöl, Kartoffeln und Mangold – ein Gericht, das auf Kroatisch „na žaru” heißt und das keine Gewürze braucht, weil der Fisch selbst nach Meer und Sonne schmeckt. Rechne mit 15–25 Euro pro Person für einen ganzen Fisch mit Beilagen.

Drei Empfehlungen, die auf verschiedene Stimmungen passen:
Konoba Duga liegt direkt am gleichnamigen Strand und serviert eine ausgezeichnete schwarze Risotto mit Tintenfisch (crni rižot). Der Preis ist fair, die Portionen sind groß, und der Blick vom Tisch aufs Meer ist unbezahlbar. Reservierung im August empfohlen, aber nicht zwingend – Kroaten essen spät, und wer um 18 Uhr kommt, hat meistens freie Platzwahl.
Restaurant Kali in Okrug Gornji versucht sich an einer moderneren Interpretation der dalmatinischen Küche und macht das überraschend gut. Das Thunfischtartar mit Kapern und Olivenöl aus Šolta ist ein Highlight, ebenso die hausgemachten Pašticada-Ravioli. Die Preise liegen etwas über dem Inseldurchschnitt, aber die Qualität rechtfertigt das.
Konoba Nevera in Slatine ist der Gegenentwurf: ein Familienbetrieb in einem Steinhaus, vier Tische im Garten unter einer alten Weinlaube, keine Speisekarte. Was es gibt, bestimmt der Fang des Tages und was im Garten wächst. Der Wirt erklärt auf einer Mischung aus Kroatisch, Deutsch und Händedeuten, was er anbieten kann, und was dann kommt, ist meistens fantastisch. Bezahlung nur bar.
Zum Wein: Čiovo produziert keinen eigenen Wein in nennenswertem Umfang, aber die Restaurants schenken hervorragende Tropfen aus der unmittelbaren Nachbarschaft aus. Pošip und Grk von den Inseln, Plavac Mali von der Halbinsel Pelješac, Babić aus Primošten – die Weinkarten sind kurz, aber gut kuratiert. Ein Glas kostet zwischen drei und fünf Euro, eine Flasche zwischen 15 und 30 Euro.
Anreise: So kommst du auf die Insel
Mit dem Auto über die Brücke
Die einfachste Variante. Von der Autobahn A1 nimmst du die Ausfahrt Trogir/Flughafen Split und folgst der Beschilderung nach Trogir. Die Brücke nach Čiovo liegt am westlichen Ende der Trogirer Altstadt und ist rund um die Uhr befahrbar – außer während der kurzen Zeiten, in denen die Klappbrücke für den Bootsverkehr geöffnet wird (meistens morgens gegen 8 und nachmittags gegen 14 Uhr, jeweils etwa 15 Minuten).
Im Hochsommer kann es auf der Brücke und der einzigen Zufahrtsstraße nach Okrug Gornji zu Staus kommen, besonders zwischen 10 und 12 Uhr, wenn alle gleichzeitig zum Strand wollen. Ein zweiter Brückenbau – die sogenannte Čiovo-Brücke östlich der Altstadt – hat die Situation seit ihrer Eröffnung 2018 deutlich entschärft. Diese modernere Brücke verbindet den östlichen Teil Trogirs direkt mit der Insel und ist die schnellere Option, wenn du aus Richtung Split kommst.
Vom Flughafen Split: Nur sechs Kilometer bis zur Brücke. Das ist kein Tippfehler. Wer auf Čiovo Urlaub macht, kann nach der Landung in 15 Minuten am Strand liegen – schneller als in den meisten Strandorten Europas. Ein Taxi vom Flughafen kostet etwa 15–20 Euro, ein Transfer-Shuttle noch weniger.
Mit der Fähre von Split nach Slatine
Wer ohne Auto unterwegs ist oder einfach die hübschere Route bevorzugt, nimmt die Personenfähre von Split nach Slatine. Die Linie wird von Jadrolinija betrieben und verkehrt mehrmals täglich, die Überfahrt dauert rund 30 Minuten. Ein Ticket kostet etwa 4 Euro pro Person (Stand 2025). Die Fähre legt im Stadthafen von Split ab – vom Diokletianpalast sind es fünf Minuten zu Fuß zum Anleger.

Diese Verbindung ist besonders praktisch für Tagesausflüge: Morgens mit der Fähre nach Čiovo, den Tag am Strand oder auf Wanderwegen verbringen, abends zurück nach Split. Oder umgekehrt – auf Čiovo wohnen und für einen Stadtbummel nach Split übersetzen.
Öffentlicher Bus
Von Trogir aus fahren regelmäßig Busse der Linie 37 über die Brücke nach Okrug Gornji und Okrug Donji. Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten, ein Ticket kostet unter 2 Euro. Im Sommer verkehren die Busse etwa alle 30 Minuten, im Winter deutlich seltener. Die Bushaltestelle in Trogir liegt direkt am Markt, keine 200 Meter von der Brücke entfernt.
Unterkunft: Wo übernachten auf Čiovo?
Čiovo hat keine großen Hotelkomplexe und genau das ist Teil des Reizes. Die Unterkunftsszene besteht fast ausschließlich aus Apartments, Ferienhäusern und kleinen Pensionen. Die Qualität ist durchgehend hoch – Kroaten investieren seit Jahren in ihre Vermietungsobjekte, und auf Čiovo spürst du das besonders. Viele Unterkünfte haben Pools, Meerblick-Terrassen und moderne Ausstattung.
Okrug Gornji ist die beste Wahl für alle, die Restaurants, Strände und ein bisschen Trubel fußläufig haben wollen. Hier findest du die größte Auswahl an Apartments und die höchste Dichte an Supermärkten und Cafés. In der Hochsaison (Juli/August) kosten Apartments mit zwei Schlafzimmern und Meerblick etwa 100–180 Euro pro Nacht, in der Vor- und Nachsaison 50–90 Euro.
Slatine ist perfekt für Paare und Ruhesuchende, die trotzdem Anbindung an Split brauchen. Die Fähre macht den Unterschied: kein Auto nötig, trotzdem flexibel. Unterkünfte in Slatine sind tendenziell günstiger als in Okrug Gornji, weil der Ort weniger bekannt ist.
Arbanija bietet die schönsten Ferienhäuser mit Charakter – umgebaute Steinhäuser, alte Gärten, Ausblick auf Trogirs Altstadt. Wer sich hier einmietet, lebt für ein paar Tage wie die Einheimischen und kann abends zu Fuß über die Brücke nach Trogir schlendern.
Tagesausflug oder eigener Urlaub?
Diese Frage stellen sich viele, und die Antwort hängt davon ab, was du suchst. Als Tagesausflug ab Split funktioniert Čiovo hervorragend: Fähre nach Slatine, Strand, Fisch essen, abends zurück. Oder als Abstecher nach einem Vormittag in Trogir – über die Brücke, an einem der Strände entspannen, zurück für Abendessen in der Altstadt.
Aber Čiovo als reinen Tagesausflug abzuhaken, wird der Insel nicht gerecht. Wer drei bis fünf Nächte bleibt, erlebt die Rhythmen, die sich erst nach dem ersten Tag erschließen: den Morgennebel über dem Kanal, der sich gegen neun Uhr auflöst. Das Geschrei der Fischer in Slatine, die ihren Fang sortieren. Die Stille der Nachmittage, wenn selbst die Zikaden eine Pause einlegen. Den Moment, wenn die Sonne hinter Šolta versinkt und das Meer für dreißig Sekunden die Farbe von geschmolzenem Kupfer annimmt.
Als Basis für einen Dalmatien-Urlaub hat Čiovo eine Lage, die kaum zu toppen ist. Du bist in 15 Minuten in Trogir, in 30 Minuten in Split, in einer Stunde in Primošten oder an den Krka-Wasserfällen. Die Inseln Brač und Šolta erreichst du per Fähre von Split aus problemlos als Tagesausflug. Und du hast einen Ort, an den du abends zurückkommst, der ruhig ist, an dem du deinen eigenen Strand hast und niemand Schlange steht.
Praktische Tipps für Čiovo
Mietwagen: Nicht zwingend nötig, aber empfehlenswert, wenn du die Insel flexibel erkunden willst. Die Straßen sind eng, aber asphaltiert. Parken am Copacabana-Strand kostet im Sommer etwa 5–8 Euro pro Tag, in den Dörfern ist Parken meistens kostenlos. Roller sind eine gute Alternative – Verleiher findest du in Okrug Gornji und in Trogir.
Einkaufen: In Okrug Gornji gibt es einen Studenac-Supermarkt und einen Konzum, die im Sommer gut sortiert sind. Frisches Obst und Gemüse kaufst du besser auf dem Markt in Trogir (jeden Morgen, Montag bis Samstag). Fisch direkt von den Fischern bekommst du morgens im Hafen von Slatine – fragen kostet nichts, und die meisten verkaufen gern ein paar Zackenbarsche oder Sardinen an Urlauber.
Geld: Kroatien nutzt seit 2023 den Euro. Kartenzahlung funktioniert in den meisten Restaurants und Supermärkten, aber in kleineren Konobas und am Strand ist Bargeld König. Ein Bankautomat steht in Okrug Gornji und einer in Trogir.
Mobilfunk: Kroatische Netze decken die Insel gut ab. Seit dem EU-Beitritt 2013 fallen keine Roaming-Gebühren mehr an – du surfst und telefonierst mit deinem deutschen Tarif wie zu Hause.
Medizinische Versorgung: Eine Ambulanz gibt es in Okrug Gornji, das nächste Krankenhaus ist in Trogir (fünf Minuten über die Brücke). Für Notfälle das KBC Split – eines der besten Krankenhäuser an der kroatischen Küste.

Beste Reisezeit: Juni und September sind ideal. Im Juni blüht die gesamte Insel, das Meer hat schon 22–23 Grad, und die Preise sind noch moderat. September bietet die wärmste Meerestemperatur des Jahres (bis 25 Grad), weniger Besucher als im August und mildere Temperaturen an Land. Juli und August sind heiß, voll und teuer – aber auch die Monate mit den meisten Sonnenstunden und dem lebendigsten Nachtleben.
Was du nicht verpassen solltest
Čiovo hat keinen einzelnen „Must-See”-Moment wie Dubrovniks Stadtmauern oder Plitvice-Seen. Stattdessen lebt die Insel von einer Ansammlung kleiner Erlebnisse, die sich zu einem Gesamtbild fügen.
Schwimm bei Sonnenaufgang an der Mavarstica-Bucht, wenn das Wasser noch glatt wie Öl ist und die einzigen Geräusche von den Möwen kommen. Klettere zum Hum und sieh dir Dalmatien aus der Vogelperspektive an. Iss schwarzes Risotto in einer Konoba, in der der Wirt deinen Namen nach dem zweiten Besuch kennt. Fahr mit der Fähre nach Split und vergiss für einen Tag, dass du auf einer Insel wohnst. Kauf Feigen von der alten Frau, die am Straßenrand in Arbanija sitzt und deren Feigenbäume älter sind als die meisten Häuser drum herum. Und steh abends auf der Brücke zwischen Trogir und Čiovo, wenn die Altstadt im Abendlicht leuchtet und das Meer darunter schwarz wird – das ist einer der schönsten Blickwinkel an der gesamten dalmatinischen Küste, und er kostet nichts.
Čiovo ist keine Insel der großen Gesten. Es ist eine Insel der kleinen Freuden, perfekt gelegen zwischen UNESCO-Welterbe und offenem Meer, zugänglich wie kaum eine andere in Kroatien und genau deshalb so leicht zu übersehen. Wer einmal da war, kommt wieder. Das sagen alle – und bei Čiovo stimmt es tatsächlich.